Latest / Brichta & Bell - der Wirtschafts-Podcast / Warum Warten teuer ist – Das Depot hat keine Zeit bis September
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- Ja, wann ist der richtige Zeitpunkt zum Investieren? Wann sollte man lieber an der Seitenlinie stehen? Wir haben ja schon über diese alte Börsenweisheit Sell in May und Go Away gesprochen, aber die geht ja noch weiter. But remember, come back in September heißt die und wir wollen heute mal klären, ob das wirklich Sinn macht, so lange zu warten bis September. Wollen wir aufgreifen und haben uns einen spannenden Gast eingeladen, der auch schon mal bei uns war. Genau, es ist Nikolaus Kreuz und er beschäftigt sich tatsächlich vor allen Dingen mit börsenpsychologischen Aspekten und wir wollen unsere heutige Folge auch ein bisschen unter das Motto stellen, ihr Depot wartet nicht auf den September. Das zumindest, Herr Kreuz, war ja Ihre Headline, die mich auch gecatcht hat, um das Interview jetzt mit Ihnen zu machen. Was meinen Sie damit, ihr Depot wartet nicht auf den September? Ja, genau, wie es auch Herr Bell gerade schon sagte, korrekterweise, wir kennen alle diesen Spruch, die saisonalen Effekte, aber, jetzt nicht zu investieren, ich hoffe, das werden wir auch gleich schön herausarbeiten, ist ein typisches psychologisches Phänomen, nämlich dieses Unbehagen, das viele Anleger derzeit spüren. Das ist kein Fehler, das ist einfach eine Schwäche unseres Gehirns, weil wir diese Widersprüche nicht verstehen. Wir haben steigende Kurse aktuell, jetzt auch wieder ein bisschen konsolidierende, aber in einem Umfeld von Nachrichten, das durchgehend negativ ist. Das heißt also, das erzeugt Stress in unserem Kopf und da arbeiten wir immer wieder dagegen an. Ich nutze immer gerne das Bild des Finanzberaters. Der 200.000 Jahre alt ist, hat noch nie eine Aktienkurve gesehen und reagiert dann auf diese Volatilitäten so ungefähr wie auf einen Säbelzahntiger. Das ist das Bild, das ist das, was wir zwischen unseren Ohren haben und da müssen wir ankämpfen, gerade in dieser saisonalen Phase. Ja, aber es gibt tatsächlich, wie immer eigentlich, es gibt positive Nachrichten, von der KI-Front und so weiter und so fort. Es gibt negative Nachrichten, eigentlich alles wie normal, aber gerade haben wir ja auch erlebt, dass da irgendwie Luft abgelassen wird. Vor allen Dingen bei den hoch gehandelten KI-Werten und Chip-Werten. Könnten diejenigen, die sagen, naja, es könnte bis September dauern, bis sich das alles beruhigt, nicht eventuell doch recht behalten? Ja, das ist etwas der Blick in die Glaskugel. Was wir einfach feststellen, ist, dass teilweise einfach auch anhand der geringen Marktteilnehmeranzahl, weniger Liquidität am Markt, eben halt dieser Aufmerksamkeitsfokus, auch im Urlaub mehr auf Schlagzeilen beruht. Und genau das ist es, wenn die Leute, wenn man da mal am Strand auch sieht, beschäftigen sich alle mehr mit den Finanzinformationen und unser Gehirn hasst diese gewissen Lücken. Also wenn da Informationen fehlen, dann bauen wir uns Geschichten und die wirken halt stärker als Statistiken. Das heißt, biologisch sind wir genau darauf programmiert und dann gibt es eben halt auch noch gewisse Verfügbarkeitsheuristiken. Also wir nehmen Dinge, die wir in der Nähe unserer Zeit empfinden, eben halt als sehr viel wahrscheinlicher und automatisch valider an, sodass sich das in unserem Gehirn wirklich so anfühlt, Mensch, wir müssten da eventuell was tun. Und wir sitzen dann halt im Sommerloch und genau das ist das, was derzeit einfach am Markt passiert. Das bedeutet nicht, dass Buy the Dip nicht doch die richtige Situation beziehungsweise die richtige Regel sein kann. Also kaufen, wenn es runtergeht, aber Sie haben das ja alles sehr treffend analysiert. Was kann ich denn dagegen tun? Kann ich das überhaupt ausschalten? Ja, indem man rational unterwegs ist, indem man weiß, welche Fehler da eigentlich im Gehirn entstehen. Das hat ja auch nichts mit fehlender Intelligenz zu tun, sondern das ist reine Biologie. Da gibt es zum Beispiel diesen Anchor-In-Bias, den wir haben, so diese Ankerfalle, Ankerfehler. Unser Gehirn liebt so diese Vergleichswerte und jeder kennt das auch bei der NVIDIA-Aktie. 2018 war sie bei 5 US-Dollar. Wir wissen alle, wo sie jetzt aktuell steht. Wir haben sie vielleicht bei 10, 20 Dollar verkauft, weil wir dachten, Mensch, das ist schon eine Vervierfachung. Das reicht jetzt. Der DAX war auch vor kurzer Zeit noch bei 18.000. Plötzlich fühlt sich alles darüber sehr viel teurer an. Das ist also etwas, was wir verstehen müssen, dass wir Gewinne und Bewertungen eben halt, das verändert sich und unser Gehirn sagt, das war früher billiger und dann warten wir eben halt auf den Einstieg. Darüber hinaus haben wir halt auch so ein mathematisches Problem. Wenn wir einen Rückgang von 20 Prozent haben, den hatten wir ja auch im April beziehungsweise im letzten Jahr. Und wenn dann wieder etwas ansteigt, muss es um 25 Prozent eben halt auch dann erst Gewinne erzielen. Das heißt also, es ist relativ schwer, dagegen auch anzugehen, zu warten, also auf den korrekten Preis zu warten. Das geht meistens nach hinten los. Also Marc kennt da keine Einstiegsniveaus, und unser Gehirn hängt da eben halt daran fest. Und da müssen wir gegen angehen. Dann gibt es die Verlust-Aversion und auch FOMO, die ja auch jeder kennt. Verluste wollen wir. Vermeiden werden nach Kahnemann sehr viel höher gewichtet als Gewinne. Und das ist das Problem. Da müssen wir gegen angehen. Und dann dieser Herdentrieb, also FOMO, die Fear of Missing Out, die Angst, eben halt nicht dabei zu sein. Was Sie gerade zu Nvidia gesagt haben, das erinnert mich an eine alte Börsenregel, die wir auch, Etienne, du erinnerst dich, vor kurzem hier bei uns besprochen hatten, nämlich Gewinne sollte man laufen lassen, auch über Jahre oder Jahrzehnte hinweg. Und solche Aktien wie Nvidia oder wie Google Alphabet sind ja ein gutes Beispiel dafür. Würden Sie das auch unterschreiben? Ja, genau. Herr Brichter, man kämpft hier gegen den Dispositionseffekt. Wir wollen uns belohnen, dass das limbische System, dass wir quasi Gewinne realisieren wollen. Das sollte man nicht tun. Dagegen muss man angehen, muss man kognitiv, verstandesmäßig eben halt dagegen anarbeiten. Aber bei Verlusten, die muss man reduzieren, da muss man einfach immer wieder auch nach unten hin kappen. Das wäre so das Wesentlichste. Wenn man das beherzigt, dass man diesen Dispositionseffekt eben halt nicht verfolgt, also Gewinne laufen lässt und Verluste nach unten hin kappen, dann ist das schon eine ganz wesentliche Strategie, die den Anlageerfolg determiniert. So ähnlich hatten wir es, glaube ich, besprochen, Edjen, als wir darüber sprachen, aber dazu doch nochmal was, weil ich diskutiere da sehr häufig auch im Internet. In meinem Forum darüber, in meinem Blog, Warte-Blog, da sagen nämlich dann die ganz Schlauen, ja, jetzt sind ja gewisse Aktien, bei uns ist es zum Beispiel Google Alphabet, sind die so stark gestiegen, die haben jetzt so einen hohen Anteil auch am Depot selbst bekommen, da müssen wir doch mal, die nennen das immer, Rebalancing machen, also Rebalancieren. Und dann wieder das Zurückfahren, damit eine Aktie nicht einen sehr großen Anteil bekommt im Depot. Würden Sie das auch unterschreiben? Ja, das gilt für Satelliten. Also es ist genau der Punkt, das ist ein ganz wichtiger Punkt. Das machen auch die Profis, das sogenannte Rebalancing. Das sehr erfolgreich gelaufene Titel eben halt ein stärkeres Gewicht innerhalb der Gesamtallokation bekommen. Wir können es jetzt eigentlich schon an diesen Dingen auch festmachen mit NVIDIA, TEC oder SpaceX, X oder Microsoft, wie Sie sie vorher auch angeführt haben, da gibt es ein Herdenverhalten über das Herdenverhalten, über auch gut laufende Geschäftsmodelle erhöht sich dieser Wert und dann muss man irgendwann mal auch Gewinne realisieren. Aber das ist im Unterschied zum Dispositionseffekt etwas anderes. Der Dispositionseffekt beschreibt eben halt das Langfristverhalten und das möglichst breit auch über ein Sammelsurium von breiten Fonds, ETFs etc. Dann auch zu streuen. Da soll man langfristig dabei sein und immer wieder auch buy the dip tätigen. Und bei diesen relativ spekulativen Einzeltitel-Satelliten, da sollte man durchaus mal ein Rebalancing vornehmen, weil diese Titel, diese Segmente, Trend, Themenfonds, die sind natürlich auch hochvolatil. Ja, aber tatsächlich gewinnen solche Aktien ja über die Jahrzehnte hinweg immer mehr an Wert. Und wenn ich da auch nur ein paar Stücke von abgebe. Ja, dann sinkt der Anteil an meinem Depot, aber dann, habe ich auch den Effekt, dass ich die Gewinner quasi weniger gewichte und mein Depot viel besser laufen würde, wenn ich die langfristigen Gewinner dabei haben möchte und dabei behalte. So war es zumindest bei uns. Am Jahresanfang haben viele gesagt, gib doch mal Google Alphabet ein paar Aktien ab. Ich habe mich dagegen gewehrt und jetzt ist die Aktie nochmal explodiert. Hätten wir abgegeben, hätten wir zwar auch an diesem Kursgewinn partizipiert, aber in einem geringeren Ausmaß. Das ist, was ich meine. Soll man die Gewinner wirklich Stück für Stück über die lange Sicht stutzen? Ja, so machen es die Profis. Es ist, wie gesagt, ein Kampf gegen diesen Satellitendrift. Wenn zum Beispiel KI-Aktien jetzt stark auch gestiegen sind, das haben wir auch bei den Halbleiterwerten und Softwarewerten gesehen, die sich verdoppelt verdreifacht haben. Und jetzt seit gut fünf Tagen eben halt in die andere Richtung gehen, dann halten das wenige Anleger aus. Es sind viele Anleger, die das eventuell mental nicht durchhalten. Und deshalb, wenn man dann mal Gewinne realisiert, das muss ja nicht gleich 70 Prozent der Position sein, man sagt immer so einen dicken Daumen 50 Prozent, wenn das wirklich gut gelaufen ist. Bei dem sogenannten Satellitendrift ist es natürlich eine geringe prozentuale Anzahl, aber es macht absolut Sinn. Von Gewinnmitnahmen ist noch keiner verarmt und diese Dinge so konsequent durchzuführen, ist ein regelbasierter Ansatz. der ist mittel- bis langfristig erfolgreich. Aber stellen wir uns mal die Frage vor 20 Jahren, wie sah der S&P aus? Da gab es kaum Werte, die heute im S&P unter den Top Ten sind. Das heißt also, alles unterliegt auch einem sogenannten Zyklus, einer Variation, einem Lebenszyklus, einem. Meines Erachtens, wenn man in die Aktienhistorie reinschaut, wenige Unternehmen findet, die dann wirklich unter den Top Ten in den letzten 50 Jahren auch weiterhin sich etablieren. Aber wenn ich das einfach laufen lasse, dann kommen ja automatisch irgendwann, wenn ich jetzt viele Unternehmen im Depot habe, zum Beispiel auch einen Index nachbilde, dann kommen ja automatisch die dann stärker werdenden Aktien kommen ja automatisch nach vorne. Das heißt, da brauche ich mich doch gar nicht drum kümmern. Ich muss deswegen nicht diejenigen, die besonders gut gelaufen sind, verkaufen. Das ist der Unterschied, Herr Brichter, von der Einzeltitelselektion hin zur breiten ETF- oder Aktienfondsinvestition. Wenn man an einem Index-Tracker, sprich an einem Index, sich entlanghangelt und dort investiert, ist es genau so. Und das zeigt das dann auch, dann ist das auch positiv. Da muss man sich um wenig kümmern. Das ist so die passive Anlage und der Vorteil einer passiven Anlage. Bei den Satelliten nenne ich eben halt konsequent, das sind die Einzeltitel, dort sollte man einfach aufgrund der höheren Volatilität oder auch bestimmter Trends und Themen, die durchaus sehr schnell auch in sich zusammenfallen können, da sollte man entsprechend so arbeiten mit Rebalancing oder wenigstens mit Trailingstops. Dann unterlegt man eben halt auch nicht diesem psychologischen Muster. Man lässt Verluste einfach durchlaufen im Depot und der Trailing Stop zieht ja auch nach in dieser Phase. Ein Trailing-Stop zieht quasi nach. Sie wählen zum Beispiel anhand einer Aktie, sagen Sie, ich habe hier einen Basiswert bei 100 und wenn der Wert anzieht, meinetwegen um 10%, dann ist die Aktie dann 110 wert. Fällt sie dann wiederum um 10%, dann läge sie etwa so bei 100 und sie können dann einen Trailing-Stop ziehen, das heißt, der ist etwa 15-20% unter dem aktuellen Kurs, und der zieht nach, das heißt, wenn die Aktie dann bei 200 ist, dann zieht der Kurs nach und ausgestopft wird man dann quasi erst, wenn es wieder um 20% fällt, aber auf einem höheren Niveau. Das heißt, es lockt sich so quasi ein und dieser Stopp-Kurs läuft mit dem Aktienkurs hinterher. Weil Sie eben das Thema Verluste angesprochen hatten und gesagt haben, da dann kappen. Fragt sich natürlich jeder, der uns zuhört und der im Zweifel auch schon mal Verluste gemacht hat mit einer Aktie. Wann ist denn der richtige Moment, um einen Verlust zu kappen? Wie viel Prozent sind das? Und woher erkenne ich, dass das Ding nicht doch wieder in die andere Richtung geht? Ja, es gibt da keine feste goldene Regel. Es gibt eine 3-5-7er-Regel. Man sagt, dass man von der Position etwa nur 3% nimmt mit einer Schwankungsbreite von 5 und bei 7 eliminiert man bei 7%. Ich halte diese Werte für zu gering, wenn man in einem sehr volatilen Bereich, sprich im Technologiebereich unterwegs ist. Etwas, was 50 Prozent fällt, und da müssen wir uns alle auch mal ehrlich machen, als Zuhörer muss wiederum um 100 Prozent steigen. Das heißt also, ein gefühlter Stoppkurs zur Verlustminimierung sollte irgendwo so um die 10, 15 Prozent liegen. Wenn man 25 Prozent hinten liegt, man kann ja jederzeit auch wieder einsteigen. Das wäre so wirklich eine Idee, der man dann auch vollautomatisiert mit diesem sogenannten Trailing Stopp dann auch arbeiten kann. Aber 10 bis 15 Prozent sind ja ein ganz normaler Prozentsatz, um solche Sätze korrigierende Aktien doch immer. Sollte man da wirklich dann schon verkaufen? Also meines Erachtens sind 10, 15 Prozent Korrektur. Wir wissen ja alle, bei 20 Prozent ist dann auch schon ein Bärenmarkt. Das heißt ja nicht, dass man wieder einsteigen kann, aber man gewinnt, die man jetzt auf diesen Werten hat und dann rutscht etwas mal 10, 15 Prozent, dann kann man durchaus Gewinne realisieren. Das sehe ich bei 1CTL absolut. Es unterscheidet sich aber wirklich von der Anlage, wenn man in passive Investments, sprich ETFs investiert. Da heißt es wirklich langfristig anzulegen. Also es beschreibt sehr gut diesen Kern-Satellitenansatz. Den nutzen sehr viele professionelle Investoren. Man sagt, man hat einen Marktkern, den man auch mit ruhiger Hand führt, also wenig Umschichtung betreibt. Das können zwischen 60 und 80 Prozent sein, meistens auch mit ETFs im Anleihen- und im Aktienbereich. Und bei diesen Satelliten, da arbeitet man einfach aggressiver mit bestimmten Verlustbegrenzungsmitteln, weil man einfach in der Form hier volatilere Einzeltitel-Trend- und Themenfonds nimmt. Und damit generiert man Alpha und mit dem Kern, das sogenannte Mark-Beetumann, versucht mit dem Markt entsprechend hochzulaufen. Sorry, müssen Sie wieder erklären, man generiert Alpha, was heißt das? Alpha ist ja quasi die Zusatzrendite oberhalb des Marktwertes. Also wenn jemand ein glückliches Händchen hat oder ein gutes Bauchgefühl, dann kann der zusätzlich zu der Marktperformance eine weitere Überrendite erzielen. Das ist das sogenannte Alpha. Und das Marktbeta ist quasi die Marktrendite, wenn Sie in einen Index investieren oder international breit investieren über einen langen Zeitraum, sagt man netto etwa 6,5 bis 7,5 Prozent Nettorendite pro Jahr über einen langfristigen Zeitraum. Alles, was da drüber liegt, indem man ein bisschen mehr Risiko eingeht, höhere Volatilität im Portfolio akzeptiert, das ist dann das sogenannte Alpha, was dann noch zusätzlich kommt. Total spannende Tipps. Ich glaube, so intensiv oder so detailliert haben wir das auch bisher noch nie besprochen. Vielen Dank dafür schon mal, Herr Kreuz. Das ist wirklich sehr spannend, um mal diese konkreten Zahlen zu nennen. Jetzt haben wir schon viel über KI gesprochen. Jetzt haben wir diese Woche den bisher größten Börsengang, den es jemals gab, SpaceX, kurz schon angerissen. Sie haben das Wort FOMO erwähnt. Das ist, glaube ich, bei ganz vielen gerade drin, oder? Also was ist da zu erwarten? Haben wir jetzt alle Angst, was zu verpassen und werden sich darum reißen, irgendwie Anteile zu bekommen? Und macht das überhaupt Sinn? Ja, es ist absolut die spannendste Frage, die uns alle aktuell beschäftigt. Das ist für uns ein perfektes Labor für Behaviour Finance. SpaceX ist nämlich nicht nur ein spannendes Beispiel, sondern eben hat extrem viele psychologische Effekte. Da gibt es einmal das Herdenverhalten, Sie hatten es gerade angesprochen, FOMO, also Fear of Missing Out, nicht dabei zu sein. Wir reden alle über ein Unternehmen, was wir eigentlich gar nicht so richtig kennen. Wir wissen auch, dass das anders platziert wird, nicht mit einer Spanne, sondern mit einem absolutwerten, breiteren Free Flow. Also bis zu 25 Prozent sollen dann gestreut werden. Die Bewertung ist durchaus ambitioniert. Man kann ja auch sehr viel auch bei Ihnen. In der Finanzjournalien kann man sehr viel lesen über diesen Wert. Im Prinzip sind wir jetzt genau an dem Punkt, wie früher eine Gruppe am Wasserloch, was passiert da, sind wir bei der Herde, sind wir am Wasser, da raschelt es jetzt in der Ecke, da gibt es also auch so eine mediale Dauerpräsenz aktuell, das ist dann der sogenannte Social Proof, wir denken, wenn alle darüber sprechen, dann muss es richtig sein, dann investieren wir in SpaceX, das wird sehr laut und in der Gruppe fühlen wir uns auch wohl, Dann nehmen wir selektiv wahr. Das sind sogenannte Bestätigungsfehler, der Confirmation Bias. Wir investieren, suchen positive Nachrichten nur um quasi SpaceX rum und um das Thema eben halt, wie es dann auch produktiv oder rentabel umgesetzt wird. Gegenargumente nehmen wir nicht mehr wahr. Das ist dann in unserem Gehirn drin und dann bestätigt sich diese Wahrheit. Ich würde sagen, Vorsicht an der Bahnsteigkante. KI ist definitiv eine Revolution, ähnlich wie mit der Dampflokomotive, das Straßenbahnnetz bzw. Strom auch zu sehen. Im Grundsatz sind das Zukunftsnarrative, die können lange funktionieren, aber wieher dem, wenn es dann eben halt dann sich nicht amortisiert, siehe Dotcom-Blase. Ich würde also diesem Paradebeispiel SpaceX ein bisschen Zeit lassen, nicht unbedingt gleich bei der ersten Notiz dabei sein, weil auf der kurzen Sicht etwa 90 Prozent aller, auch dieser Großen, die jetzt mittlerweile in aller Munde sind, die Magnificent Seven, teilweise diese ersten Notizen, etwas verloren haben und nach zwei, drei Jahren wirklich dann auch weit oberhalb ihres Ausgabepreises, ihres ursprünglichen Ausgabepreises dann notieren. Und da kann man vielleicht ein Schnäppchen machen, indem man etwas ruhiger, besonderer investiert und erstmal die Lage checkt. Vielen Dank. Vielen Dank. Wir haben alle keine Glaskugel und das ist auch hier keine Produktempfehlung. In der Ruhe liegt die Kraft und insbesondere da, wo viele stehen, hat man selber wenig Platz. Das gilt an der Börse. Das ist ein immanentes Gesetz und es gibt die Minery Version. Alles kommt zu seinem inneren Wert zurück. Wir sehen es gerade bei Gold. Am Ende Januar waren wir bei 5.500. Jetzt liegen wir bei knapp über 4.000 US-Dollar je Unze. Wir sehen es bei Silber, wir sehen es bei Bitcoin. Alles kommt zu seinem inneren Fair Value wieder zurück und deshalb sollte man nicht bei jedem Hype dabei sein, auch wenn das Herdenverhalten und das Social Proof, man sich wohl fühlt in der Herde. Das ist ein evolutionäres Ding gewesen für unser Gehirn, aber an der Börse hat das nichts zu suchen. Fragt sich jetzt, was wir wieder mit unserer Ausgangsthese machen. Bis zum September warten vielleicht nicht der richtige Punkt. Also was nehmen wir jetzt mit aus diesem total spannenden Gespräch? Herr Kreutz, wie sollten sich Anleger im Moment aufstellen? Und ja, ich glaube, das Fazit bis September warten aus Ihrer Sicht nicht empfehlenswert. Korrekt. Wir werden nie den Tiefpunkt erreichen. Das gelingt uns auch Profis nicht. Wir müssen uns zu einem regelbasierten Investieren nicht nur unterwerfen, sondern das ist ja auch gut. Man kann mit Sparplänen arbeiten, breit diversifizieren, also über eine Länderallokation, eine Branchenallokation, also breit und tief investieren und dann wirklich in der Form immer buy the dip, günstig einkaufen und dann teuer teilweise mal verkaufen. Das dürfte so die Lösung sein. Aber darauf zu warten, das funktioniert in der Regel nicht, weil wir alle keine Glaskugel haben. Klare Regeln und dann über antizyklisches Verhalten mit Sparplänen. Der 15. eignet sich wunderbar für die Zuhörer vielleicht. Der Monatsultimo-Effekt kann man auch gut googeln. Das bedeutet, Sie kaufen Infinitissimal zum Mitte eines Monats etwas günstiger ein. Und zwar zu 1% aufs gesamte Jahr, wenn Sie das monatlich, also Ihren ursprünglichen Sparplan nicht zum 1., sondern zum 15. Durchlaufen lassen, sparen Sie jedes Jahr 1%. Macht nach der 72er-Regel dann eine Verdopplung des eingesetzten Kapitals nach 72 Jahren. So einfach lässt sich Kapital vermehren und günstig einkaufen, teuer verkaufen. So einfach ist das Prinzip an der Börse. Wir können es bloß neurobiologisch so schlecht einhalten. Die Sparpläne also zum 15. ausführen lassen statt zum 1. Ein interessanter Tipp. Vielleicht zum Abschluss doch noch mal eine Frage, ob Sie da mitgehen. Ich hatte in den vorangegangenen Folgen auch schon mal gesagt, ja, es ist oft so, dass um solche Börsengänge, um die ein Hype gemacht wird und SpaceX gehört ja dazu, dass um diese Börsengänge herum sich erstmal ein Top am Aktienmarkt ausbildet. Ob das dann das Top ist, das bis September hält, ist ja noch eine andere Frage. Aber würden Sie so weit mitgehen, dass es diesmal wieder der Fall sein kann? Es ist ein Vorbote einer kippenden Euphorie. Wir haben es bei der Dotcom-Blase auch gesehen. Da sind die großen Marktakteure, die großen Banken mit hohen Margenanforderungen, reingegangen in den Markt. Und das ist vielleicht schon quasi das Schlusslicht in der Form. Man sollte wachsam bleiben. Und das hat auf jeden Fall, ist das valide, diese Erkenntnis. Dotcom war genau so, das Platz in der Dotcom-Blase. Rechnen Sie mit sowas in den kommenden Wochen, Monaten, wenn ich Sie so richtig leicht analysiere? Wir befinden uns in einer saisonalen Konsolidierungsphase, einer leichten Korrektur. Wir sind immer noch weit weg von einer Bärenmarktsituation. Es hängt von vielen exogenen Daten ab, auch von dem Iran-Konflikt. Es wird nicht unbedingt bequemer derzeit, was da aus Amerika täglich rüberschwappt. Und Trump hat das schon 37 Mal angekündigt, seit der Iran-Konflikt seit zwei Monaten läuft. Hat er immer wieder angekündigt, da ist jetzt eine Friedensverhandlung, ein Agreement. Das passiert alles nicht. Das macht die Börsen nicht unbedingt ruhiger. Das, was die Börse hat, ist Unsicherheit. Und da ist relativ viel im System. Dann haben wir den saisonalen Effekt. Aber ich rechne zum Jahresende mit neuen Höchstständen, weil wir in solchen Zwischenwahljahren eigentlich immer auch sehr, sehr gute laufende Börsen haben. Wir dürfen das, was wir derzeit in Deutschland erleben mit einer Stagflation und jetzt auch gerade vor kurzem, ja auch wieder steigenden Zinsen in diesem Umfeld, dürfen wir, glaube ich, nicht das auf die Weltwirtschaft umlegen. Das funktioniert noch alles sehr, sehr gut, aber die Imponderabilie, sprich den Ölpreis, der merklich über 90 ist, das ist für eine Weltwirtschaft nicht gut. Was denkt ihr zu all dem? Schreibt uns gerne. Unsere E-Mails kennt ihr. Brichterundbälle.gmail.com oder at ntv.de. Ganz spannende Informationen, Einschätzungen und auch Tipps waren dabei von Nikolaus Kreutz. Ganz herzlichen Dank, Herr Kreutz, an der Stelle. Ich danke Ihnen beiden. Ja, bedanke mich auch und macht's gut da draußen. Bis nächste Woche. Ciao, ciao.