Latest / Friedrich Nietzsche Podcast in Deutsch / Die fröhliche Wissenschaft - Buch 3 - 174-185
Transcript
- 0:00Unterkapitel 174 abseits Nietzsche kritisiert hier den
- 0:06Parlamentarismus, den er als die öffentliche Erlaubnis
- 0:09beschreibt, zwischen 5 festgelegten politischen
- 0:11Grundmeinungen wählen zu dürfen. Diese begrenzte Auswahl
- 0:15schmeichelt vielen Menschen, die gerne selbstständig und
- 0:18individuell scheinen und für ihre Meinung kämpfen möchten,
- 0:22sie fühlen sich frei, weil sie eine Wahl haben, doch am Ende,
- 0:25so Nietzsche. Ist es gleichgültig, ob einer
- 0:28Herde eine einzige Meinung befohlen wird oder ob ihr 5
- 0:31Meinungen zur Auswahl gestattet werden?
- 0:34Das Wesen der Herde bleibt dasselbe, wer nämlich von diesen
- 0:385 erlaubten Meinungen abweicht und seinen eigenen Weg abseits
- 0:41geht, hat sofort die ganze Herde gegen sich.
- 0:45Wahre Individualität beginnt also erst außerhalb der
- 0:48vorgegebenen Auswahlmöglichkeiten unter
- 0:52Kapitel 175 von der Beredsamkeit.
- 0:57Wer besaß bisher die überzeugendste Beredsamkeit?
- 1:01Nietzsche gibt eine zynische Antwort der Trommelwirbel,
- 1:05solange die Könige und Herrscher die Macht über den Trommelwirbel
- 1:08haben, also die Macht über die Armee und die Fähigkeit, die
- 1:12Massen zu mobilisieren und in den Krieg zu führen, sind sie
- 1:15immer noch die besten Redner und Volksaufwiegler ihre Macht
- 1:19beruht nicht auf der Kraft ihrer Argumente, sondern auf der
- 1:23Drohung und der emotionalen Mobilisierung.
- 1:26Die durch kriegerische Symbole wie den Trommelwirbel
- 1:28repräsentiert wird. Unterkapitel 176 Mitleiden
- 1:37Nietzsche bemitleidet hier ironisch die armen regierenden
- 1:41Fürsten, er stellt fest, dass sich in der modernen Weltall
- 1:44ihre alten Rechte unversehens in bloße Ansprüche verwandeln, und
- 1:48diese Ansprüche klingen bald wie anmaßende Forderungen, wenn sie
- 1:53heute noch traditionelle Formeln wie wir.
- 1:56Im Sinne von wir von Gottes Gnaden oder mein Volk sagen
- 2:00lächelt das alte, boshafte Europa nur noch darüber.
- 2:04Nietzsche meint, ein Zeremonienmeister der modernen
- 2:07Welt würde wenig Aufhebens um sie machen, vielleicht würde er
- 2:10sogar anordnen. Die Herrscher reihen sich bei
- 2:13den Emporkömmlingen ein damit kritisiert er den
- 2:17Bedeutungsverlust der traditionellen Herrschaft und
- 2:19Aristokratie. Die alten Symbole der Macht
- 2:22haben ihre Legitimität verloren und wirken in der modernen
- 2:26demokratischen Welt nur noch lächerlich und deplatziert.
- 2:30Unterkapitel 177 zum Erziehungswesen dieses sehr
- 2:37kurze Kapitel enthält eine scharfe Kritik an der deutschen
- 2:40Kultur. Nietzsche stellt fest, dass in
- 2:42Deutschland dem höheren Menschen ein wichtiges Erziehungsmittel
- 2:45fehlt, das Gelächter höherer Menschen der Grund ist einfach.
- 2:51Diese Lachen nicht in Deutschland.
- 2:53Er deutet damit an, dass es der deutschen Kultur an einer
- 2:56gewissen Leichtigkeit, an geistiger Überlegenheit und an
- 2:59der Fähigkeit zur Selbstironie mangelt.
- 3:02Das Lachen, das er meint, ist kein einfaches Amüsement,
- 3:06sondern ein Ausdruck von Freiheit und geistiger
- 3:08Souveränität, es ist das Lachen, das über den Dingen steht und
- 3:13sich nicht vom Ernst der Welt erdrücken lässt.
- 3:15Das fehlen dieses Lachens sieht er als einen erheblichen Mangel
- 3:18im deutschen Erziehungswesen. Unterkapitel 178 zur moralischen
- 3:26Aufklärung Nietzsche fordert, man müsse den Deutschen ihren
- 3:31Mephistopheles und ihren Faust ausreden.
- 3:34Mephistopheles der Teufel aus Goethes Faust symbolisiert den
- 3:38Geist der Verneinung und der kritischen, Zersetzenden
- 3:41Vernunft, Faust symbolisiert den unermüdlichen Streber nach
- 3:45Erkenntnis. Für Nietzsche sind diese beiden
- 3:48Figuren Ausdruck von 2 moralischen Vorurteilen gegen
- 3:51den Wert der Erkenntnis. Das erste Vorurteil ist die
- 3:55Angst vor dem Wissen, die Furcht, dass die Wahrheit
- 3:58gefährlich und zerstörerisch sein könnte, verkörpert durch
- 4:01Mephistopheles, zynische Haltung das zweite Vorurteil ist der
- 4:05Glaube, dass das Streben nach Wissen mit Schuld und einem Pakt
- 4:08mit dem Teufel verbunden sein muss, verkörpert durch
- 4:11faustspakt Nietzsche will eine fröhliche, unbelastete
- 4:15Wissenschaft. Die frei von diesen alten
- 4:17moralischen Ängsten ist Unterkapitel 179 Gedanken in
- 4:26diesem Aphorismus beschreibt Nietzsche die Beziehung zwischen
- 4:30Gedanken und Empfindungen. Er sagt, Gedanken sind die
- 4:34Schatten unserer Empfindungen, sie sind immer dunkler, leerer
- 4:38und einfacher als die ursprünglichen Empfindungen, aus
- 4:40denen sie hervorgehen. Eine Empfindung ist reich
- 4:44komplex. Und lebendig, wenn wir
- 4:47versuchen, Sie in einen Gedanken zu fassen, geht viel von dieser
- 4:50Fülle verloren. Der Gedanke ist nur ein
- 4:53vereinfachtes, blasseres Abbild des Gefühls, er kann niemals die
- 4:57volle Realität der Empfindung einfangen, unter Kapitel 180 die
- 5:04gute Zeit der freien Geister, dies ist eine ironische
- 5:09Bemerkung über die Situation der freien Geister, also der
- 5:13unabhängigen Denker in seiner Zeit.
- 5:15Er sagt, die freien Geister nehmen sich auch gegenüber der
- 5:18Wissenschaft noch ihre Freiheiten heraus.
- 5:21Und einstweilen, so fügt er hinzu, gibt man sie ihnen auch,
- 5:25solange die Kirche noch steht. Die Ironie liegt darin, dass die
- 5:29Kirche als traditioneller Feind des freien Denkens hier als
- 5:33indirekter Schutzschild dargestellt wird, solange die
- 5:36Gesellschaft noch mit dem Kampf gegen die Autorität der Kirche
- 5:39beschäftigt ist, achtet sie weniger auf die neuen Ketzer,
- 5:42die bereits die Autorität der Wissenschaft in Frage stellen.
- 5:45In diesem Zwischenraum, in diesem Kampf der Giganten haben
- 5:49die freien Geister ihre gute Zeit, in der sie relativ
- 5:52unbehelligt ihre Freiheiten ausleben können.
- 5:56Unterkapitel 181 Folgen und vorangehen dieses Kapitel ist
- 6:03ein Dialog zwischen A und B. Person A stellt eine Beobachtung
- 6:08an, von 2 Menschen wird der eine immer folgen und der andere
- 6:12immer vorangehen, egal wohin das Schicksal sie führt.
- 6:15Aber, und das ist das Paradoxe, der Folgende steht in seiner
- 6:19Tugend und seinem Geist über dem Führenden.
- 6:22Person B reagiert darauf skeptisch und doch, und doch, er
- 6:27meint diese Art von moralischer Bewertung ist nur für die
- 6:30anderen, für die Außenstehenden gedacht, für uns, die wir die
- 6:35wahre Dynamik verstehen, gilt das nicht.
- 6:38Am Ende zitiert er eine lateinische Phrase Fit secundum
- 6:41regulum, was bedeutet? Es geschieht nach der Regel.
- 6:46Nietzsche spielt hier mit der Diskrepanz zwischen äußerem
- 6:49Anschein und innerem Wert. Die äußere Welt sieht nur, wer
- 6:53führt und wer folgt und ordnet den Wert entsprechend zu.
- 6:58Der tiefere Blick von Person B erkennt jedoch, dass dies nur
- 7:02eine oberflächliche Regel ist und die wahren Verhältnisse ganz
- 7:05anders sein können unter Kapitel 182 in der Einsamkeit.
- 7:14Nietzsche beschreibt hier die Wirkung der Einsamkeit auf die
- 7:17Art, wie man sich ausdrückt, wenn man allein lebt, spricht
- 7:20man nicht zu laut und man schreibt auch nicht zu laut.
- 7:24Der Grund dafür ist die Furcht vor dem hohlen Widerhall, der
- 7:27Kritik der Nymphe Echo in der Stille, der Einsamkeit, hört man
- 7:31seine eigenen Worte viel deutlicher und kritischer
- 7:34zurückkommen wie ein Echo, jedes Wort wird auf die Probe
- 7:38gestellt, man wird vorsichtiger, präziser.
- 7:41Und vielleicht auch leiser. Am Ende stellt er fest und alle
- 7:46Stimmen klingen anders in der Einsamkeit.
- 7:49Die Abwesenheit von äußerem Lärm und sozialer Ablenkung verändert
- 7:53die Wahrnehmung der eigenen Stimme und der eigenen Gedanken
- 7:56grundlegend. Unterkapitel 183 die Musik der
- 8:02besten Zukunft Nietzsche beschreibt hier seine Vision
- 8:06einer zukünftigen Musik. Er sagt, der erste Musiker der
- 8:10Zukunft wäre für ihn derjenige, der nur die Traurigkeit des
- 8:13tiefsten Glückes kennte und sonst keine andere Traurigkeit
- 8:18einen solchen Musiker, so stellt er fest, gab es bisher nicht, er
- 8:22sehnt sich nach einer Kunst, die nicht mehr aus Leid, Mangel und
- 8:25Schmerz entsteht, sondern aus einem Überfluss an Glück die
- 8:30Traurigkeit, von der er spricht, ist keine depressive oder
- 8:33pessimistische Traurigkeit, sondern eine melancholische
- 8:36Süße. Die nur auf dem Höhepunkt des
- 8:38Glücks empfunden werden kann. Vielleicht die Traurigkeit über
- 8:42die Vergänglichkeit dieses Glücks.
- 8:44Es ist eine Erhabene, aus der Fülle geborene Melancholie, die
- 8:48er in der bisherigen Kunst vermisst.
- 8:52Unterkapitel, 184, Justiz. In diesem sehr kurzen Abschnitt
- 8:59sagt Nietzsche, dass es ihm lieber ist, bestohlen zu werden,
- 9:02als ständig misstrauisch zu sein und sein Leben mit
- 9:05Abwehrmaßnahmen zu verbringen. Die Vogelscheuchen, von denen er
- 9:09spricht, sind ein Symbol für Misstrauen, ständige Wachsamkeit
- 9:14und hässliche Vorkehrungen, die man trifft, um sich zu schützen.
- 9:18Für Nietzsche ist ein Leben in ständiger Angst und
- 9:20Verteidigungshaltung geistig und seelisch ärmer als der
- 9:23gelegentliche materielle Verlust durch einen Diebstahl.
- 9:27Er schließt mit der provokanten Aussage, dass diese Haltung eine
- 9:30reine Sache des Geschmackes sei und nicht mehr damit will er
- 9:34andeuten, dass seine Entscheidung nicht auf einer
- 9:37moralischen Überlegung über Recht und Unrecht beruht,
- 9:40sondern auf einer ästhetischen und persönlichen Wahl für ein
- 9:43freieres, Offeneres leben, ein edler Charakter, so deutet er
- 9:48an, beschäftigt sich nicht mit solch kleinlichen Sorgen,
- 9:52Unterkapitel, 185 Arm. Nietzsche beschreibt hier einen
- 9:59Menschen, der Arm ist, aber nicht, weil ihm etwas genommen
- 10:02wurde, sondern weil er freiwillig alles weggeworfen
- 10:05hat. Dieser Mensch macht sich keine
- 10:07Sorgen, denn er ist es gewohnt, immer wieder Neues zu finden
- 10:11oder zu erschaffen, die wahren Armen sind für Nietzsche
- 10:15diejenigen, die diese freiwillige Armut nicht
- 10:18verstehen können, sie klammern sich an ihren Besitz und ihre
- 10:22Sicherheiten. Der von Nietzsche bewunderte
- 10:24Mensch ist innerlich so reich und stark, dass er auf
- 10:28Äußerlichkeiten verzichten kann. Seine Armut ist also kein
- 10:32Mangel, sondern ein Zeichen von innerem Überfluss und geistiger
- 10:36Stärke, er braucht den Ballast nicht, weil er die Kraft hat,
- 10:40sich jederzeit neu zu erfinden.