Latest / Das Periodensystem der Elemente / 56. Barium (Ba) - Der grüne Feuerwerks-König
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- 0:00Willkommen zu einer neuen Folge von Wissensreise durch das
- 0:03Periodensystem der Elemente, deinem Podcast zum Entspannen,
- 0:08Loslassen und lernen. Wenn dir der Podcast gefällt,
- 0:12bewerte ihn bitte, das hilft uns, weitere Folgen zu
- 0:15produzieren. Kennst du schon unsere anderen
- 0:17Podcastreihen wie Wissensreise durch die Uhrzeit oder
- 0:21Wissensreise durch die Länder der Erde?
- 0:25Heute widmen wir uns einem Element, das die Nachthimmel der
- 0:28Welt in sattes Grün taucht, das Ärztinnen und Ärzten einen Blick
- 0:32in den menschlichen Verdauungstrakt ermöglicht.
- 0:34Und das ganz nebenbei an einer der folgenreichsten Entdeckungen
- 0:37der Physikgeschichte beteiligt war.
- 0:40Lehn dich zurück, schließ die Augen und lass dich mitnehmen in
- 0:44die Welt von Barium, dem grünen feuerwerkskönig Barium trägt im
- 0:48Periodensystem das Symbol BA und die Ordnungszahl 56.
- 0:53Es gehört zur Gruppe der Erd Alkalimetalle, gemeinsam mit
- 0:57Beryllium, Magnesium, Calcium, Strontium und dem radioaktiven
- 1:02Radium erd Alkalimetalle besitzen 2 Elektronen in ihrer
- 1:06äußersten Schale, die sie bereitwillig abgeben, weshalb
- 1:09sie chemisch sehr reaktionsfreudig sind, wenn auch
- 1:12nicht ganz so extrem wie die benachbarten Alkalimetalle.
- 1:16Innerhalb dieser Gruppe nimmt die Reaktionsfreudigkeit mit
- 1:19zunehmender Ordnungszahl zu. Und Bariumdi zählt damit
- 1:23abgesehen vom radioaktiven Radium zum Reaktionsfreudigsten
- 1:27stabilen Vertreter seiner Gruppe.
- 1:30Der Name Barium leitet sich vom griechischen Wort Barys ab, was
- 1:34so viel wie schwer bedeutet. Diese Namensgebung geht auf die
- 1:38außergewöhnlich hohe Dichte des Minerals Schwerspat zurück, das
- 1:43chemisch aus Bariumsulfat besteht und bereits im 17
- 1:47Jahrhundert Alchemistinnen und Alchemisten.
- 1:50Sowie frühen Chemikern aufgrund seines für ein nicht
- 1:52metallisches Mineral ungewöhnlich hohen Gewichts
- 1:55auffiel. Entdeckt im chemischen Sinne
- 1:58wurde Barium jedoch erst deutlich später im Jahr 1774
- 2:03gelang es dem schwedischen Apotheker und Chemiker Karl
- 2:06Wilhelm Scheele, in Schwerspat ein neues, bis dahin unbekanntes
- 2:10Oxid nachzuweisen, das er Baryt nannte.
- 2:13Schele, der zu den produktivsten Elemententdeckern seiner Zeit
- 2:17zählte und unter anderem auch an der Entdeckung von Sauerstoff
- 2:20maßgeblich beteiligt war, konnte das enthaltene Metall selbst
- 2:24jedoch nicht isolieren, da Barium in reiner Form äußerst
- 2:27reaktionsfreudig ist und sich einer einfachen chemischen
- 2:30Reduktion entzieht. Erst 34 Jahre später, im Jahr
- 2:351808, gelang dem britischen Chemiker Humphrey Davy die
- 2:39erstmalige Isolierung von metallischem Barium.
- 2:42Davy nutzte dafür die damals noch junge Technik der
- 2:45Elektrolyse, bei der eine geschmolzene oder gelöste
- 2:48chemische Verbindung mit Hilfe von elektrischem Strom in ihre
- 2:52Bestandteile zerlegt wird. Durch die Elektrolyse einer
- 2:55Bariumhydroxidschmelze gelang es ihm, reines metallisches Barium
- 3:00an einer Elektrode abzuscheiden, dieselbe Methode, mit der er im
- 3:04selben Zeitraum auch die verwandten Elemente Calcium,
- 3:07Strontium und Magnesium erstmals in reiner Form gewinnen konnte.
- 3:12Davy zählt damit zu den Chemikern, die allein durch die
- 3:15Anwendung der Elektrolyse mehrere neue Elemente auf einen
- 3:19Schlag der wissenschaftlichen Welt zugänglich machten.
- 3:22Chemisch und physikalisch ist Barium ein weiches, silbrig
- 3:26weißes Metall, das an der Luft rasch anläuft und sich mit einer
- 3:30dünnen Oxidschicht überzieht, ähnlich wie es auch bei anderen
- 3:33reaktionsfreudigen Metallen der Fall ist.
- 3:37Mit Wasser reagiert Barium heftig unter Bildung von
- 3:40Bariumhydroxid und Wasserstoffgas, wenn auch nicht
- 3:43ganz so explosionsartig wie die Alkalimetalle der benachbarten
- 3:46Gruppe. Aus diesem Grund muss reines
- 3:49Barium ebenfalls unter Schutzgas oder in Mineralöl gelagert
- 3:53werden, um eine unkontrollierte Reaktion mit der Umgebungsluft
- 3:57oder mit Feuchtigkeit zu verhindern, in Reiner
- 4:00metallischer Form findet Barium aufgrund dieser
- 4:03Reaktionsfreudigkeit nur sehr eingeschränkte praktische
- 4:06Anwendung. Seine wahre technische und
- 4:08wissenschaftliche Bedeutung entfaltet das Element vor allem
- 4:12in Form seiner Verbindungen. Beginnen wir mit jener
- 4:15Anwendung, die Barium seinen Beinamen als grüner
- 4:19Feuerwerkskönig eingebracht hat, werden bestimmte
- 4:22Bariumverbindungen, insbesondere Bariumnitrat oder Bariumchlorid,
- 4:26in einer pyrotechnischen Mischung verbrannt, entsteht
- 4:30eine charakteristische, Sattgrüne Flammenfärbung.
- 4:33Dieser Effekt beruht auf einem quantenphysikalischen
- 4:36Grundprinzip. Durch die Hitze der Verbrennung
- 4:38werden Elektronen in der Elektronenhülle der Bariumatome
- 4:42kurzzeitig auf ein höheres Energieniveau angehoben, fallen
- 4:46diese Elektronen anschließend wieder in ihren ursprünglichen
- 4:49energieärmeren Zustand zurück, wird die Energiedifferenz in
- 4:54Form von Licht einer ganz bestimmten Wellenlänge
- 4:56abgestrahlt. Bei Barium liegt diese
- 4:59charakteristische Emission überwiegend im grünen Bereich
- 5:02des sichtbaren Spektrums. Bei einer Wellenlänge von etwa
- 5:06524 Nanometern, verursacht insbesondere durch das
- 5:10kurzzeitig entstehende Molekül Barium, Monochlorid,
- 5:15Pyrotechnikerinnen und Pyrotechniker nutzen dieses
- 5:18Prinzip gezielt, um in Feuerwerkskörpern satte,
- 5:21leuchtend grüne Farbeffekte zu erzeugen, eine Farbe.
- 5:24Die sich mit anderen Metallsalzen kaum in
- 5:27vergleichbarer Reinheit und Intensität erzeugen lässt.
- 5:31Zum Vergleich erzeugt Strontium ein tiefes rot, Natrium, ein
- 5:35intensives gelb, Kupfer ein charakteristisches Blau oder
- 5:39türkis und die gezielte Kombination dieser
- 5:41unterschiedlichen Metallsalze ermöglicht die bunte Vielfalt,
- 5:45die wir von modernen Feuerwerken kennen.
- 5:47Eine der bedeutendsten industriellen Anwendungen von
- 5:50Barium liegt jedoch nicht in der Pyrotechnik, sondern in einem
- 5:54deutlich unspektakuläreren, aber wirtschaftlich enorm wichtigen
- 5:58Bereich, der Erdöl und Erdgasförderung.
- 6:02Das Mineral Schwerspat, also Bariumsulfat, wird aufgrund
- 6:06seiner hohen Dichte in gemahlener Form als sogenanntes
- 6:09Beschwerungsmittel in Bohrspülungen eingesetzt, das.
- 6:12Bei Tiefbohrungen muss der enorme Druck, der in tiefen
- 6:15Gesteinsschichten herrscht, durch eine ausreichend dichte
- 6:18Spülflüssigkeit ausgeglichen werden, um ein unkontrolliertes
- 6:22Aufsteigen von Öl, Gas oder Wasser während des Bohrvorgangs
- 6:26zu verhindern. Schwerspat eignet sich hierfür
- 6:29besonders gut, da es chemisch weitgehend inert und in Wasser
- 6:33praktisch unlöslich ist, wodurch es die Bohrspülung beschweren
- 6:36kann, ohne selbst unerwünschte chemische Reaktionen einzugehen.
- 6:41Schätzungsweise mehr als 3 Viertel der weltweiten
- 6:43Schwerspertförderung fließen in diesen Anwendungsbereich, was
- 6:47ihn zur mit Abstand bedeutendsten wirtschaftlichen
- 6:49Nutzung von Barium überhaupt macht.
- 6:52Eben jene chemische Unlöslichkeit von Bariumsulfat
- 6:56ist auch der Grund für eine weitere sehr bekannte Anwendung,
- 6:59den Einsatz als Kontrastmittel in der medizinischen
- 7:02Röntgendiagnostik. Bariumsulfat ist für
- 7:05Röntgenstrahlung nahezu undurchlässig, wodurch es auf
- 7:08Röntgenaufnahmen deutlich heller erscheint als umliegendes
- 7:11Gewebe. Bei der sogenannten
- 7:13Bariumbreiuntersuchung wird eine Suspension aus fein gemahlenem
- 7:17Bariumsulfat oral eingenommen oder Rektal verabreicht, um den
- 7:21Verlauf und die Beschaffenheit des Verdauungstrakts,
- 7:24insbesondere der Speiseröhre, des Magens und des Darms auf
- 7:28Röntgenbildern präzise sichtbar zu machen.
- 7:30Diese Untersuchungsmethode wird zwar in den letzten Jahrzehnten
- 7:34zunehmend durch modernere bildgebende Verfahren wie die
- 7:37Computertomographie oder die Endoskopie ergänzt oder ersetzt,
- 7:41bleibt jedoch in bestimmten klinischen Fragestellungen
- 7:44weiterhin ein wertvolles diagnostisches Werkzeug.
- 7:48Entscheidend für die Sicherheit dieser Untersuchung ist, dass
- 7:51ausschließlich das nahezu unlösliche Bariumsulfat
- 7:54verwendet wird. Andere wasserlösliche
- 7:57Bariumverbindungen wie Bariumchlorid oder
- 8:00Bariumcarbonat sind hingegen für den menschlichen Körper
- 8:03hochgiftig, da lösliche Barium Ionen im Körper mit Kalium Ionen
- 8:08konkurrieren und dadurch schwere Störungen der Muskel und
- 8:11Nervenfunktion sowie potentiell tödliche Herzrhythmusstörungen
- 8:15auslösen können. Genau diese Giftigkeit macht
- 8:18sich der Mensch an anderer Stelle gezielt zu nutze.
- 8:21Bariumcarbonat wird traditionell als Bestandteil von Rattengift
- 8:25eingesetzt, da es für Nagetiere Hochtoxisch, für den Menschen
- 8:29bei sachgemäßer Handhabung jedoch beherrschbar ist.
- 8:32Damit kommen wir zu jenem Kapitel der Bariumgeschichte,
- 8:35das zugleich eines der folgenreichsten Kapitel der
- 8:38gesamten modernen Physik darstellt.
- 8:40Die Entdeckung der Kernspaltung. Im Dezember 1938 führten die
- 8:46deutschen Chemiker Otto Hahn und Fritz Strassmann in Berlin
- 8:49Experimente durch, bei denen sie Uran mit Neutronen beschossen.
- 8:53In der Erwartung, dabei neue, schwerere sogenannte
- 8:56Transuranelemente zu erzeugen, wie es zuvor bereits die
- 8:59italienische Forschungsgruppe um Enrico Fermi vermutet hatte.
- 9:03Zu ihrer großen Überraschung wiesen Hahn und Strassmann
- 9:06jedoch in den Reaktionsprodukten eindeutig das Element Barium
- 9:09nach. Ein Element, das nur etwa halb
- 9:12so schwer ist wie Uran. Dieses Ergebnis widersprach
- 9:15zunächst allen gängigen physikalischen Erwartungen, denn
- 9:19nach dem damaligen Verständnis konnte ein derart schwerer
- 9:22Atomkern wie Uran durch den Beschuss mit einem einzelnen,
- 9:25vergleichsweise leichten Neutron unmöglich in 2 annähernd gleich
- 9:29große Bruchstücke zerfallen. Otto Hahn, der sich der
- 9:33revolutionären Tragweite seines Befundes zunächst nicht sicher
- 9:36war. Schrieb noch am selben Tag einen
- 9:38Brief an seine langjährige Kollegin und Mitarbeiterin Liese
- 9:42Meitner, die aufgrund ihrer jüdischen Herkunft kurz zuvor
- 9:45aus Nazi Deutschland nach Schweden hatte fliehen müssen
- 9:49und daher nicht mehr direkt an den Experimenten in Berlin
- 9:52beteiligt war. Meitner besprach den
- 9:54überraschenden Befund gemeinsam mit ihrem Neffen, dem Physiker
- 9:58Otto Frisch, während eines gemeinsamen
- 10:00Weihnachtsspaziergangs im schwedischen Kungelf.
- 10:03Gemeinsam entwickelten die beiden die entscheidende
- 10:06theoretische Erklärung. Der Urankern hatte sich unter
- 10:10dem Einfluss des einfallenden Neutrons tatsächlich in 2
- 10:13kleinere Atomkerne gespalten, darunter Barium, wobei gewaltige
- 10:17Mengen an Energie freigesetzt wurden, exakt in Übereinstimmung
- 10:21mit Albert Einsteins berühmter Formel zur Äquivalenz von Masse
- 10:26und Energie. Meitner und frisch prägten für
- 10:30dieses Phänomen den Begriff der Kernspaltung.
- 10:33Auf Englisch Nuclear Fishion und veröffentlichten ihre Erklärung
- 10:37nur wenige Wochen später in der Fachzeitschrift Nature.
- 10:41Die Entdeckung, dass ausgerechnet der Nachweis von
- 10:44Barium den entscheidenden experimentellen Hinweis auf die
- 10:48Kernspaltung lieferte, markiert damit den Beginn des
- 10:51Kernzeitalters mit all seinen weitreichenden Folgen für
- 10:55Energieerzeugung, Forschung, aber auch für die Entwicklung
- 10:58von Kernwaffen. Otto Hahn erhielt für diese
- 11:02Entdeckung im Jahr 1944 den Nobelpreis für Chemie.
- 11:06Während die maßgeblich an der theoretischen Deutung beteiligte
- 11:10Liese Meitner, deren Beitrag von vielen Historikerinnen und
- 11:13Historikern der Wissenschaft heute als ebenso entscheidend
- 11:17gewertet wird, zu Lebzeiten nie mit dem Nobelpreis ausgezeichnet
- 11:21wurde. Ein bis heute viel diskutiertes
- 11:23Kapitel der Wissenschaftsgeschichte.
- 11:26Neben diesem historischen Meilenstein besitzt Barium auch
- 11:30in der modernen Materialwissenschaft und
- 11:32Elektrotechnik bedeutende Anwendungen.
- 11:35Barium titanat, eine Verbindung aus Barium, Titan und
- 11:39Sauerstoff, zählt zu den bekanntesten sogenannten
- 11:42ferroelektrischen Materialien. Ferroelektrische Stoffe besitzen
- 11:46die bemerkenswerte Eigenschaft, auch ohne ein anliegendes
- 11:49äußeres elektrisches Feld eine permanente elektrische
- 11:53Polarisation aufrechtzuerhalten, die sich zudem durch ein äußeres
- 11:57Feld gezielt umkehren lässt. Ähnlich wie sich bei
- 12:00ferromagnetischen Materialien die magnetische Ausrichtung
- 12:03beeinflussen lässt. Diese Eigenschaft macht
- 12:06Bariumtitanat zu einem wichtigen Werkstoff für keramische
- 12:09Kondensatoren. Wie sie in praktisch jedem
- 12:12modernen elektronischen Gerät in großer Zahl verbaut sind sowie
- 12:15für piezoelektrische Bauteile, die mechanischen Druck in
- 12:19elektrische Spannung umwandeln können und umgekehrt etwa in
- 12:22Ultraschallsensoren, Mikrofonen oder bestimmten
- 12:25Lautsprechertypen. Auch in der Glasindustrie findet
- 12:28Barium in Form von Bariumoxid Verwendung, der Zusatz von
- 12:33Bariumoxid zu Glasschmelzen erhöht den Brechungsindex des
- 12:36Glases, ohne dabei dessen Transparenz zu beeinträchtigen.
- 12:40Eine Eigenschaft, die insbesondere bei der Herstellung
- 12:42hochwertiger optischer Linsen etwa für Kameras, Ferngläser
- 12:46oder wissenschaftliche Instrumente geschätzt wird.
- 12:50Über Jahrzehnte hinweg wurde bariumhaltiges Glas zudem in der
- 12:53Herstellung von Bildröhren für klassische Röhrenfernseher
- 12:56eingesetzt. Da es zuverlässig
- 12:58hochenergetische Röntgenstrahlung abschirmte, die
- 13:01bei der Beschleunigung von Elektronen innerhalb der Röhre
- 13:04als unerwünschtes Nebenprodukt entstand und dadurch die
- 13:07Nutzerinnen und Nutzer vor Strahlenbelastung schützte.
- 13:11Mit dem weitgehenden Verschwinden der
- 13:13Röhrentechnologie zugunsten von Flachbildschirmen ist diese
- 13:16spezielle Anwendung heute jedoch weitgehend Geschichte.
- 13:20Auch als weißes Pigment findet Bariumsulfat unter der
- 13:24Bezeichnung Blanc fixe. In der Farben und Lackindustrie
- 13:28sowie in der Papierherstellung. Breite Verwendung aufgrund
- 13:32seiner chemischen Reaktionsträgheit, seiner hohen
- 13:35Lichtechtheit und seiner feinen, gut kontrollierbaren
- 13:37Partikelgröße dient es dabei häufig als sogenannter
- 13:41Füllstoff, der die Deckkraft, die Oberflächenglätte und die
- 13:45Druckqualität von Papier sowie die Farbtiefe und Beständigkeit
- 13:49von Lacken und Beschichtungen verbessert, ohne selbst zur
- 13:52eigentlichen Farbwirkung beizutragen.
- 13:55In der Natur kommt Varium relativ häufig vor.
- 13:58Es zählt mit einem Anteil von etwa 0,04% an der Erdkruste zu
- 14:02den vierzehnt häufigsten Elementen überhaupt, was es
- 14:04deutlich häufiger macht als etwa Blei oder Zinn.
- 14:07Trotz dieser vergleichsweise hohen natürlichen Häufigkeit
- 14:11kommt Varium jedoch wie viele andere Erdalkalimetalle auch,
- 14:15niemals in reiner metallischer Form vor.
- 14:20Sondern ausschließlich gebunden in Mineralien, vor allem im
- 14:24bereits erwähnten Schwerstbad sowie im selteneren Witheret,
- 14:28einem bariumcarbonat Mineral. Bedeutende Vorkommen finden sich
- 14:32unter anderem in China, das heute den weltweit größten
- 14:36Anteil der Barium Förderung stellt, sowie in Indien, Marokko
- 14:40und den Vereinigten Staaten. Barium besitzt insgesamt 7
- 14:44natürlich vorkommende stabile Isotope.
- 14:47Eine für ein Element dieser Größenordnung bemerkenswert hohe
- 14:50Zahl, die es geowissenschaftlerinnen und
- 14:53Geowissenschaftlern ermöglicht, anhand bestimmter
- 14:55Isotopenverhältnisse Rückschlüsse auf geochemische
- 14:58Prozesse und Kreisläufe zu ziehen, etwa im Zusammenhang mit
- 15:02der Untersuchung mariner Sedimente und der Rekonstruktion
- 15:06vergangener Meeresströmungen und Klimabedingungen.
- 15:09Radioaktive Bariumisotope wiederum, insbesondere jenes
- 15:13Barium 140, das Otto Hahn und Fritz Strassmann 1938
- 15:19nachwiesen, entstehen als kurzlebige Zwischenprodukte bei
- 15:22der Kernspaltung von Uran und zerfallen innerhalb weniger Tage
- 15:27weiter zu anderen Elementen. Ein Prozess, der bis heute in
- 15:31jedem Kernreaktor der Welt kontinuierlich abläuft.
- 15:34Auch in der Astronomie hat sich der Name Barium in einer eigenen
- 15:38Sternenklasse verewigt. Sogenannte Bariumsterne sind
- 15:42Riesensterne, in deren Spektrum astronominnen und Astronomen
- 15:46ungewöhnlich starke Bariumlinien nachweisen konnten, deutlich
- 15:50stärker als es der normalen chemischen Zusammensetzung eines
- 15:54Sterns dieser Art entsprechen würde.
- 15:57Die Erklärung für dieses Phänomen liegt nicht etwa in
- 16:00einer besonderen Eigenproduktion von Barium im jeweiligen Stern
- 16:03selbst, sondern in seiner Vergangenheit als Teil eines
- 16:07Doppelsternsystems in der Frühphase eines solchen Systems
- 16:11durchlief der heute unsichtbare, kompaktere Begleitstern meist
- 16:15ein sogenannter Weißer Zwerg, bereits sein Endstadium als
- 16:18roter Riese und produzierte dabei über den sogenannten
- 16:21Essprozess erhebliche Mengen schwerer Elemente wie Barium in
- 16:25seinen äußeren Schichten. Ein erheblicher Teil dieses
- 16:28angereicherten Materials wurde anschließend auf den heute
- 16:31beobachtbaren Begleitstern übertragen, der dadurch bis
- 16:34heute die charakteristische bariumreiche chemische Signatur
- 16:38seines einstigen Partners in sich trägt.
- 16:41Gewissermaßen ein stellares Echo eines längst vergangenen
- 16:44kosmischen Ereignisses. Auch in der belebten Natur
- 16:48spielt Barium eine kleine, aber faszinierende Rolle.
- 16:51Einige Grünalgenarten sowie bestimmte einzellige Organismen
- 16:55der Tiefsee, sogenannte Xenophyrophoren, bilden in ihrem
- 16:58inneren winzige Kristalle aus Bariumsulfat, deren genaue
- 17:02biologische Funktion bis heute nicht abschließend geklärt ist,
- 17:06wobei Forschende unter anderem eine Rolle bei der
- 17:08Schwerkraftwahrnehmung oder beim Schutz vor Fressfeinden
- 17:11diskutieren. Auch in den Statolitenähnlichen
- 17:14Zellstrukturen mancher Pflanzenwurzeln, die für die
- 17:16Wahrnehmung der Schwerkraft und damit für das gerichtete
- 17:19Wurzelwachstum verantwortlich sind.
- 17:21Wurden vereinzelt bariumsulfat Kristalle nachgewiesen?
- 17:25Ein Hinweis darauf, dass die Natur die hohe Dichte dieses
- 17:28Elements ganz unabhängig vom Menschen für ähnliche
- 17:31physikalische Zwecke nutzt wie die moderne Bohrindustrie auch
- 17:36in der Kernphysik selbst findet ein künstlich erzeugtes Barium
- 17:39Isotop praktische Anwendung. Barium 133 wird aufgrund seiner
- 17:45gut definierten und gut messbaren Gammastrahlung.
- 17:48Häufig als Kalibrierquelle für Gamma Spektrometer eingesetzt,
- 17:52jene empfindlichen Messgeräte, mit denen radioaktive Strahlung
- 17:55in Forschungslaboren, Krankenhäusern und
- 17:58Strahlenschutzbehörden präzise analysiert wird.
- 18:01Mit einer Halbwertszeit von rund 10,5 Jahren eignet sich Barium
- 18:04133 besonders gut für diesen Zweck, da es über viele Jahre
- 18:08hinweg als verlässlicher, gleichbleibender
- 18:09Referenzstandard genutzt werden kann.
- 18:14Ohne dass die Kalibrierquelle allzu häufig ersetzt werden
- 18:17muss. Wenn wir also heute an Barium
- 18:20denken, sollten wir nicht nur an das grüne Leuchten eines
- 18:23Feuerwerks am Nachthimmel denken, sondern an ein Element,
- 18:26das an einer erstaunlichen Bandbreite bedeutender
- 18:29Entwicklungen beteiligt war, von der medizinischen Diagnostik
- 18:32über die moderne Elektronik bis hinzu jenem folgenschweren
- 18:36Dezembertag im Jahr 1938. An dem der Nachweis eines
- 18:41vermeintlich unscheinbaren Metalls die Tür zum
- 18:44Kernzeitalter Aufstieß. Diese Geschichte erinnert uns
- 18:48eindrücklich daran, welche enorme Verantwortung mit
- 18:52wissenschaftlicher Erkenntnis einhergehen kann und wie wichtig
- 18:55es ist, dass Forschung in offenen demokratischen
- 18:58Gesellschaften stattfindet, in denen ihre Ergebnisse
- 19:01verantwortungsvoll und zum Wohle aller genutzt werden, unseren
- 19:06Planeten und die demokratischen Werte.
- 19:08Die eine solche verantwortungsvolle Nutzung
- 19:10wissenschaftlicher Erkenntnisse erst ermöglichen zu bewahren,
- 19:14bleibt eine der wichtigsten Aufgaben unserer Zeit.
- 19:18Damit sind wir am Ende unserer heutigen Reise durch die Welt
- 19:20von Barium angekommen, wir hoffen, dir hat der Ausflug vom
- 19:24Feuerwerkshimmel bis zur Entdeckung der Kernspaltung
- 19:27gefallen wenn dir diese Folge gefallen hat, lass uns gerne
- 19:30eine Bewertung da, das hilft uns dabei weiterhin spannende
- 19:33Wissensreisen für dich zu produzieren bis zur nächsten
- 19:37Folge. Bleib neugierig.