Latest / BZ am Ohr / Ex-Radprofi Simon Geschke im Live-Podcast: "Vor meiner ersten Tour de France habe ich den Flug verpasst"
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- Herzlich Willkommen zu einer Live-Ausgabe von WZ am Ohr hier aus der WZ-Popup-Redaktion am Losberg in Freiburg. Schön, dass so viele hergekommen sind und schön, dass sie zu Hause oder auch unterwegs im Livestream dabei sind. Mein Name ist Christoph Giese und ich möchte heute über Radsport sprechen und dafür habe ich mir einen echten Kenner eingeladen, nämlich Simon Gäschke. Hallo. Morgen am Samstag startet die Tour de France, das wohl wichtigste Radrennen der Welt. Und Simon Gäschke kennt die Tour ziemlich gut, denn er ist zwölfmal selbst mitgefahren, zuletzt im vergangenen Jahr und hat dann im Herbst nach 20 Jahren, 16 davon als Profi, seine Karriere beendet. Besonders in Erinnerung aus der Zeit bei der Tour de France bleiben natürlich sein Etappensieg bei der Tour 2015 und die neuntägige Fahrt im Werktrikot des besten Bergfahrers 2022 war das. Simon Geschke wurde in Berlin geboren, lebt in Freiburg, ist seit November vergangenen Jahres Vater und heute zu Gast im Live-Podcast in der BZ-Pop-Up-Redaktion. Herzlich willkommen, Simon Geschke. Hallo, danke. Jetzt haben wir das mit dem Applaus schon zweimal gemacht, das ist super. Du bist vergangenes Jahr selbst noch bei der Tour de France mitgefahren. Morgen geht es los mit dem Grand Depart. Was passiert jetzt gerade am Abend vorher? Ja, die Tage vorher sind immer super stressig, ganz ehrlich. Gestern war die Teampräsentation, der Tag heute soll so ruhig wie möglich laufen eigentlich. Und das probiert man natürlich auch voll auszukosten. Also man hat meistens dann nochmal neue Räder, die sollten dann am Tag vorher fertig eingestellt sein. Und man probiert eigentlich nur noch zu entspannen und ja, ich glaube auch die Medien werden noch ziemlich fern gehalten jetzt am Abend davor. Vielleicht gibt es noch das ein oder andere wichtige Interview. Aber ich glaube jetzt ist alles gemacht. Der Abend davor ist immer ziemlich ruhig. Wie aufgeregt ist man da? Sehr aufgeregt also weil die tage das ist ein rennen wo man oder bei groundtours allgemein reist man nicht nur einen tag vorher an sondern schon drei tage vorher und die tage ziehen sich ein bisschen man natürlich dem rennen entgegen fiebert und ja die tage davor einfach nicht viel passiert man trainiert natürlich nicht mehr wahnsinnig viel es geht ja nur noch um die erholung und da ist man dann gestresst auf jeden fall und sicherlich auch so ein bisschen das lang ersehnt er, dass es dann endlich mal losgeht und es ist dann immer schön dann unterwegs zu sein und dann wirklich in diesen Trott reinzukommen. Sitzt man da im Hotelzimmer alleine oder zusammen? Bespricht man sich noch? Wie verbringt man den Abend? Normalerweise sollte man früh ins Bett gehen. Man ist im Doppelzimmer. Man teilt sich das Zimmer mit einem Fahrer. Da passiert es. Ich habe meistens nur noch mal abends telefoniert mit meiner Frau. Irgendwie noch mal Netflix geguckt. Man hat sich jetzt mit seinen Teamkollegen auch nicht immer was zu erzählen. Man kennt sich ja manchmal schon jahrelang und man unterhält sich natürlich auch mal. Aber jetzt gerade in der Zeit von Handys und iPads war das früher schon eher mehr am Anfang meiner Karriere noch. Und jetzt macht ihr so ein bisschen seins. Aber genau, probiert die Ruhe zu genießen, die Ruhe vom Sturm. Und morgen, wenn der Sturm dann loslegt, da schaust du zu. Anders als in den letzten zehn Jahren, da bist du seit 2015 jedes Jahr mitgefahren. Wie fühlt sich das denn an für dich jetzt, dass du nur zuschauen darfst? Ja, ist eine sehr ungewohnte Situation. Also ist eigentlich schon seit Mitte November. Weil das ist halt so die Zeit, oder nach meinem letzten Rennen war eigentlich die Zeit immer so, dass man ein erstes Mal gar nichts macht. Und das war dieses Jahr natürlich nicht anders. Und dann nach vier Wochen, wo alle dann wieder anfangen so zu trainieren und ich dann zu Hause saß und ja, ich muss halt nicht mehr. Das war dann schon das erste Mal, wo es ein bisschen seltsam war. Dann natürlich auch, wo die Rennen losgingen. Und ja, ich dann die ersten Rennen so verfolgt habe und gemerkt habe, Aber ja, wenn du jetzt den ganzen Winter wieder normal trainiert hättest, könntest du da wahrscheinlich noch mitfahren. Das war dann so ein bisschen komisch, weil man halt so ganz nah noch dran ist oder weil es halt einfach noch nicht so lange her ist. Und ich glaube, das wird besser mit der Zeit und wird es jetzt auch langsam, dass ich mich jetzt damit anfreunde, dass ich jetzt halt da nicht mehr Teil des Zirkus bin. Aber klar, so ein bisschen vermisst man die Atmosphäre auch und ist aber auch sicherlich, die Vorbereitung für die Tour ist immer super stressig. Und es ist ja keine schöne Zeit, wenn man wirklich alles wirklich für den Sport geben muss, um auf dem bestmöglichen Level zu sein bei der Tour und nur so kann man die Tour halt irgendwie mitprägen, also es bringt nichts da irgendwie mit 95 Prozent Perfektion ranzugehen und zu sagen, ach naja, heute mal so, morgen so und ist nicht so wichtig. Da muss halt wirklich alles stimmen, sonst fährt man die Tour vielleicht auch zu Ende, aber spielt eigentlich keine Rolle und Und das ist eigentlich immer, das ist dann halt sehr schade, weil es ja die größte Bühne ist im ganzen Jahr. Das Team will die acht stärksten Fahrer am Start haben. Und klar hat man es auch nicht immer in der Hand. Man kann natürlich gute und schlechte Jahre haben. Aber das Ziel von jedem Fahrer ist da eigentlich so gut wie möglich am Start zu stehen. Und... Da musst du nicht nur zuschauen, sondern du darfst ja auch ein bisschen teilnehmen an dem Zirkus, wie du ihn gerade genannt hast. Du bist in der ersten Woche Experte bei Eurosport und dann am Ende nochmal für die ARD vor Ort. Wo hast du dich denn drauf? Ja, es ist eine neue Rolle. Hat mir sehr viel Spaß gemacht jetzt in der Vergangenheit. Dieses Jahr im Mai war ich beim Giro. Das war ein ziemlich cooler Job. Da war ich hinten auf dem Motorrad hinterm Rennen hergefahren und habe so ein bisschen vom Motorrad dann zum Teil Interviews mit sportlichen Leitern gemacht. Oder vor dem Rennen ein bisschen berichtet, was gerade passiert, was ich so sehe. Vor allem, warum etwas passiert, weil ich halt so das gewisse Fachwissen habe oder mitbringe, dass ich die Rennsituation dann aus Fahrersicht noch ganz gut schildern kann, weil ich wie gesagt noch ziemlich nah dran bin und letztes Jahr selbst noch gefahren bin. Und das war super interessant, waren auch stressige und lange Tage und ja, ist halt ganz anders als als Fahrer, wo man immer so ein bisschen, alles organisiert kriegt. Also man geht aufs Zimmer und der Koffer steht da. Und jetzt im Mai beim Giro bin ich dann auch aus dem Auto gestiegen und bin ins Hotel gegangen. Und dann war so, ah ja, mein Koffer ist noch im Auto. Wie sehr hat sich denn dein Leben jetzt verändert, seit du die Karriere beendet hast? Du hast schon gesagt, du hast jetzt über den Winter nicht mehr trainieren müssen, jetzt gerade nicht mehr natürlich dich nicht vorbereiten müssen. Also wenn man so einen Profisport aufhört, da ändert sich ja der Alltag total. Und gerade wenn, also das Training wird ja einen Großteil deines Alltags einnehmen und bestimmen. Wie gehst du denn jetzt damit um, dass dieser Teil weg ist? Ja, lachen ist ein weines Auge. Also der Alltag, gerade wenn ich zu Hause war, war natürlich immer sehr strukturiert, organisiert und das ist auch das, was mir immer Spaß gemacht hat. Natürlich hat es mich auch mal nicht wirklich aufs Rad gezogen bei schlechtem Wetter oder halt einfach diese Eintötigkeit jeden Tag Radfahren zu müssen, was für viele jetzt nicht so schlimm klingt. Da, wenn man das erst mal jahrelang gemacht hat, wird es natürlich dann auch wirklich zum Beruf, zu dem man jetzt nicht so gerne geht und wo man dann sagt, ja, boah, heute hätte ich eigentlich auch mal Lust, mich an den See zu legen. Genau, und das ist halt der Part, den ich natürlich so ein bisschen vermisse, dann andersrum, aber auch wieder nicht, weil es halt einfach zu viel ist. Also man ist ja wirklich, ja, 20 Stunden so circa im Schnitt die Woche auf dem Rad und ist es ja aber trotzdem nicht nur die Zeit auf dem Rad, die man Profi sein muss, sondern auch davor und danach. Und da kann man natürlich jetzt nicht machen, was man will. Ist halt auch eine sehr unflexliebe Zeit. Also man kann eigentlich nur wirklich Urlaub machen, die vier Wochen nach dem letzten Rennen. Da ist so ein bisschen so ein Fenster, wo man sagt, ja, okay, da kann man jetzt halt wirklich mal zwei Wochen ohne Rad irgendwo hin. Und genau, alles so jetzt im Sommer mal zu sagen, okay, machen wir mal irgendwo ein Wochenende, keine Ahnung wo, an der Ostsee, keine Ahnung. Das geht dann halt einfach alles nicht. Es sei denn, man nimmt mal sein Rad mit und trainiert da, aber dann ist halt auch kein Urlaub. Also es ist dann, ja, für das Privatleben ist halt schon ein sehr fordernder Beruf. Und man muss eigentlich immer, wenn man eine gewisse Rolle spielen will, auf dem höchsten Level, muss man halt wirklich immer am Ball bleiben und sich keine Schwäche erlauben, und zu sagen, ach so mal ein paar Wochen trainiere ich mal hier und da ein bisschen weniger und erst mal ein bisschen ungesünder. Ja, dann hat man vielleicht mehr Spaß, aber man ist definitiv nicht sehr lange Profi. Es sei denn, man ist jetzt ein Riesentalent, aber es spielt halt doch beides eine Rolle, Talent und Disziplin. Aber dir ist jetzt nicht langweilig, oder? Nein, gar nicht. Ich habe definitiv jetzt mehr schon gemacht dieses Jahr, als ich dachte. Und es waren halt auch alles Sachen, die ich mir letztes Jahr noch gar nicht hätte vorstellen können, was es für Möglichkeiten gibt. Und jetzt dieses Jahr, ich sage erst mal zu allem Ja, was sich mir so im Weg wirft. Und ja, habe dann verschiedene Veranstaltungen gemacht und neue Leute kennengelernt. Die Radbranche ist ja doch sehr groß. Und ich habe auch immer gesagt, ich würde gerne im Radsport bleiben. Jetzt nicht unbedingt als sportlicher Leiter, weil ich definitiv mehr zu Hause sein will. Aber es gibt viele Möglichkeiten und jetzt dieses Jahr genieße ich noch so ein bisschen einen gewissen Wiedererkennungs- und Bekanntheitsgrad. Und dann gucke ich genau, was sich jetzt für neue Möglichkeiten ergeben. Langweilig war mir bis jetzt im Winter schon mal ab und zu, aber dann kam ja sowieso das Baby und dann war eh wenig langweilig. Und wenn man dir auf Instagram folgt, sieht man ja auch. Du sitzt schon ab und zu noch auf dem Rad, ne? Genau, ich wollte gerade sagen, wenn mir mal richtig, richtig langweilig ist, dann setze ich mich auch manchmal aufs Rad. Norin, hast du gepostet, dass du jetzt das Projekt Zero Cyclist's Handlines angehst. Wie läuft's? Sehr gut. Ich habe eh gerade Lust, mich oben mal frei zu machen, aber ich erspare euch das. Ja, aber ich habe echt kaum noch so Bräunungslinien an beiden auch nicht. Okay, das ging auch sehr schnell. Und beim Freiburg-Marathon bist du auch mitgelaufen. Radfahrer, die hassen es doch eigentlich zu laufen, oder? Ja, immer noch auch, aber ich wollte trotzdem was finden, was mich irgendwie fordert und vor allem, wo ich noch besser werden kann. Beim Radfahren war es so, nachdem ich mein letztes Rennen gefahren bin und dann halt auch zwei, drei Wochen gar nicht Rad gefahren bin, wüsste ich, okay, jetzt, du wirst nie wieder so viel Zeit Radfahren, auf dem Rad verbringen, du wirst die Rennen nicht mehr fahren. Also was das Thema Radfahren angeht, werde ich jetzt nur noch schlechter. Und genau, da habe ich angefangen zu laufen. Ich will ja auch abtrainieren, also aus medizinischer Sicht macht es auf jeden Fall sinnvoll, jetzt nicht von absolutem Hochleistungssport sich nur noch ins Bett zu legen. Und da habe ich ja gemerkt, es tut mir gar nicht so gut. Wenn ich mal eine Woche jetzt keinen Sport mache, merke ich schon so, ich hätte schon mal wieder Lust. Und da kam Laufen halt, ist halt ein sehr simpler, schöner Sport. Man braucht sich nicht ewig umziehen. Wetter ist fast egal. Also während man beim Radfahren bei 5 Grad und Nieselregen schon friert, geht es beim Laufen noch super gut. Ja und dann habe ich natürlich aus Naivität mich für den Marathon angemeldet und bin ins Ziel gekommen. Es hat vielleicht doch ein bisschen mehr Vorbereitung gebraucht, als ein paar Mal laufen zu gehen im Winter. Ne, also Spaß gemacht schon, ja. Alles bis Kilometer dreißig, fand ich so, oh ja, cool, läuft. Und dann die letzten zwölf waren schon, ja, das hat echt keinen Spaß mehr. Also es waren tatsächlich Schmerzen, die ich vom Radfahren nicht kannte. So Gelenke, muskulär, alles, ja, unfassbar eigentlich. Ja, ich war, es an den ganzen Tag zu nichts Fenster gebraucht und den nächsten Tag eigentlich auch nicht. War es anstrengender, Marathon oder Tour de France-Etappe? Für mich war der Marathon anstrengender. Tour de France-Etappe kommt natürlich darauf an, auf die Fahrweise, wie man an dem Tag drauf ist. Ich hatte natürlich auch schon Tour-Etappen, wo ich genauso gelitten habe. Schwer zu vergleichen mir. Also ich würde lieber nochmal Tour de France-Etappe fahren. Natürlich nicht, sondern auch mehr zu Hause. Was mich ja noch interessiert, wie viele Fahrräder hat man eigentlich als Rennerad-Profi? Also privat habe ich gar nicht so viele. Vom Team hat man natürlich wahnsinnig viele. Also das weiß ich zum Teil manchmal gar nicht, wo ich mir denke, oh, hier ist nur ein drittes Zeitfahrrad, wo mein Name draufsteht. Was aber dann eigentlich nur im LKW steht, falls mal, keine Ahnung, ein Rahmen bricht oder so, dass man dann trotzdem noch zwei, also einen Wettkampf und ein Ersatzrad hat. Also da kann es schon sein, dass man, also ein Rad vom Team hat man zu Hause, nur zum Trainieren. Dann sind drei immer beim Team die zu den Rennen kommen erstes und zweites Ersatzrad dann halt noch dann zwei Zeit oder drei Zeitfahrräder auch also sind dann schon insgesamt sieben ja sieben würde ich sagen ja und privat habe ich dann halt auch noch ein paar das eine dabei ja nicht so viel also keine 7. Ich habe ein Stadtrad für so ein Schlappen und zurück, dann ein Gravelrad, ein privates und ein Rennrad habe ich jetzt auch noch eins, das steht in der Garage. Und ein Lastenrad habe ich noch. Ah und zwei Mountainbikes natürlich. Also für jeden Untertitel. Schon auch eine Menge. Dann lass uns jetzt mal über die Tour de France sprechen. Ich habe mir gedacht, ich stelle dir jetzt erstmal ein paar Schnellfragen. Und zwar beginne ich den Satz und du darfst ihn beenden. So können wir mal ganz entspannt ins Thema einsteigen. Bei der diesjährigen Tour de France freue ich mich besonders auf. Außenseiter-Siege. Das Duell zwischen Tadej Pogacar und Jonas Wengegore wird? Spannend. Oder geht es um den Sieger? Du darfst so lange an den Platz, wie du möchtest. Auf jeden Fall sehr spannend. Ich glaube, Wismar hat eine sehr gute Strategie. Das habe ich so ein bisschen im Blut, dass die dieses Jahr vielleicht etwas Unkonventionelles probieren. Aber am Ende, wenn alles normal bleibt, ohne Stürze oder so weiter, dann steht Taddei trotzdem wieder oben auf dem Podium. Vom deutschen Shootingstar Florian Lipovic erwarte ich? Bei dieser jährigen Tour, dass er es genießen kann, dass die Fernsehteams ihn noch nicht so sehr unter Druck setzen, weil er halt natürlich der deutsche Shootingstar jetzt ist einfach. Aber das muss er halt auch lernen, dass das dazugehört auch so ein bisschen, da fühl zu bleiben und sich vielleicht nicht unter Druck setzen zu lassen, von ja von den medien oder von den interviews und ich hoffe natürlich dass er die lernt und vielleicht auch mal die freiheit kriegt in eine ausreißer gruppe zu gehen er ist stark genug um eine etappe zu gewinnen aber ich finde man sollte jetzt an so einen jungen fahrer der seine allererste tour fährt keine ganz großen erwartungen stellen ich finde es auch gut dass er jetzt nicht als leader irgendwie rein geht was vielleicht in vielen anderen teams der fall wäre sondern dass er mit Primus Roglic auch einen sehr erfahrenen, verdienten Kapitän noch hat, dem er dann entweder als Helfer an der Seite steht oder wenn irgendwas ist. Das Roglic nicht kann, dass er vielleicht ein bisschen zum Plan B wird. Das könnte natürlich auch sein. Zum Glück darf ich nur zuschauen, wenn die ehemaligen Kollegen... ...stürzen oder bei ganz, ganz schlechten Wetterfahnden sind. Beim Zuschauen vermissen werde ich aber? Die Atmosphäre, dieser wahnsinnige Flair, gerade die Bergetappen, das werde ich schon. Also ich werde auch schon vieles vermissen, ja. Im gelben Trikot nach Paris fährt, das ist schon gar nicht wahr, für eine Überraschung sorgen könnte? Ja, bleiben wir dabei. Florian Lipowitz. Und ganz besonders drücke ich die Daumen für? Mein letztes Team, Team Kofidis. Sehr schön. Außenseiter Siegel. Dann lass uns doch mal ganz kurz etwas genauer auf die Tour blicken. Kannst du uns mal einordnen, was für eine Tour erwartet uns jetzt in dieser 112. Ausgabe? Gibt es da Besonderheiten? Ist die besonders anspruchsvoll oder vielleicht sogar ein bisschen leichter? oder was erwartet uns da jetzt die nächsten drei Wochen? Gerade zum ersten Ruhetag gibt es ja doch, es ist eine relativ flache erste Woche. Das finde ich so ein bisschen interessant. Es wird in Norden gestartet. Letztes Jahr sind wir schon in Italien und vierte Etappe Galibier sind wir schon super schwer gefahren. Also da war es dann so, dass sich halt schon sehr abgezeichnet hat, dass Tatei Pogacar der stärkste ist. Also es war immer noch gehofft, dass sich in der dritten Woche vielleicht noch ein bisschen dreht, Aber vielleicht haben die da ein bisschen jetzt mit der Streckenplanung es jetzt anders gemacht. Ich meine, Lille stand eh schon ein paar Jahre, seit ein paar Jahren stand es schon fest als Grand Depart. Aber man hätte natürlich sofort irgendwie in die Vogesen fahren können von da oder so ähnlich. Jetzt ist die erste Woche relativ flach. Es gibt natürlich so Ankünfte wie in Mürde-Bretagne, wo man jetzt aber noch nicht sagen kann, da wird die Tour entschieden. Es ist halt ein kurzer Anstieg und da wird es auch Zeitunterschiede geben. Ich glaube, die erste Woche wird geprägt sein von sehr viel Nervosität. Die Teams sind super nervös, das Problem in der ersten Woche, weswegen es da auch die meisten Stürze gibt. Alle sind frisch, alle Teams sind komplett und jedes Team denkt, ihr Kapitän kann. Dieses Jahr ganz vorne landen und wollen auf jeden Fall sich alle Optionen offen halten. Keiner will Zeit verlieren und das macht es halt einfach so nervös. Alle Teams wollen dann vorne fahren, um sich aus den Stürzen rauszuhalten, was dann aber natürlich wieder zu Stürzen führt, weil manchmal halt der Platz dann einfach oder die Straße halt einfach zu Ende ist. Und ich denke, da werden wir sehr viel Action leider sehen schon, was Nervosität und sicherlich auch Stürze angeht. Ich hoffe natürlich, dass nichts Gravierendes ist. Was natürlich auch mal sein kann, flache Etappen mit Wind. Können schon sehr, sehr spannend werden. Es kann auch sein, dass gerade Teams jetzt vielleicht so ein bisschen über den Tellerrand taktisch gucken, um zu gucken, okay, wie kann man Team UAE oder auch Team Wismar irgendwie aus der Reserve locken, vielleicht irgendwas probieren, was jetzt vielleicht, oder ja, warum sollte man jetzt, wenn man jetzt nicht speziell diese beiden teams warum soll man bis auf die berge warten um irgendwas zu probieren weil jeder weiß was da passiert also die haben nun mal die die stärksten acht fahrer die beiden teams einen wahnsinnig guten kader die halt einfach das budget haben sich, grand tour sieger als helfer kaufen zu können und den luxus haben halt nicht alle teams und da braucht man nicht gegen die beiden teams braucht man jetzt eigentlich nicht warten bis jetzt in die Berge geht. Also dann muss man vielleicht in der ersten Woche schon mal probieren, irgendwas zu versuchen, wie auch immer. Die Chancen sind natürlich nicht groß, dass man da irgendwie was erreicht, aber wie gesagt, wenn man jetzt bis auf die dritte Woche wartet und irgendwie, irgendwann läuft dann die Zeit davon, dann gibt es natürlich die Teams mit den Sprintern. Wie altbeziehende Königen zum Beispiel, die natürlich nur auf die erste Woche schielen, um so viele Etappen wie möglich zu gewinnen. Da sind für die die meisten Chancen, also die Sprinter freuen sich sicherlich auch die erste Woche ohne sonderliche Hindernisse. Das ist dann sicherlich auch spannend für den einen oder anderen Fahrer, um das gelbe Trikot mitzukämpfen. Weil halt bei flachen Etappen das nicht halt so sein wird, dass Poker-Charge direkt ab Tag eins oder zwei dann in Geld fährt. Oder einer von den Gesamtwertungsleuten zumindest. Und das macht die Tour jetzt dieses Jahr ein bisschen speziell, finde ich. Ansonsten ist es meine, man kann ja eine Grand Tour auch nicht neu erfinden. Also es gibt Flachetappen, es gibt Zweizeitfahren, glaube ich, und hinten raus wird es halt immer schwerer. Also es wird, klar, ich denke, auch wieder Tage geben, wo es extrem heiß wird. Die Bergetappen, gerade die zweite und drittletzte, sind wahnsinnig anspruchsvoll. Und ja, es wird dann halt einfach wirklich, irgendwann werden die Karten auf den Tisch gelegt und dann werden wir hoffentlich eine sehr spannende Tour erleben. Also ich freue mich schon drauf jetzt. Ja, also es ist ja wahrscheinlich ein bisschen schwer, drei Wochen lang jedes Rennen zu verfolgen. wenn du jetzt so zwei, drei nennen müsstest, welche Etappen sollte man auf keinen Fall verpassen. Spannend sind immer, ich weiß jetzt nicht genau, welche Etappe ist, das sind die Etappen im Zentralmassiv, dann allgemein zweite und dritte Woche wird viel sicherlich auch für Ausreißergruppen werden Chancen sein. Das waren für mich, weil ich das natürlich auch immer sehr gemocht habe, in Gruppen zu gehen. Das sind immer spannende Etappen, weil es so ein Rennen im Rennen gibt, dass natürlich hinten die Gesamtwertungsleute, die haben dann halt auch mal einen Tag, der sehr willkommen kommt, wo man eine Gruppe fahren gelassen wird und die auch ankommen. Dann mit 10 oder 15 Minuten Vorsprung, die Tage gibt es ja immer und das finde ich dann immer wahnsinnig interessant, weil ich immer sage, Klar, also die Bergankünfte, natürlich genießt man die Show zwischen den ganz großen Fahrern. Aber ich finde es halt auch mal schön, gerade wenn man jetzt dann einen Fahrer hat, mit dem man wirklich die Daumen drückt. Für mich sind es sicherlich die deutschen Fahrer, die Jungs, mit denen ich auch schon zusammengefahren bin. Georg Zimmermann zum Beispiel oder ja, ich weiß jetzt gar nicht, wer noch alles fährt. Ich muss mir die Startliste nochmal angucken. Aber dass man da dann ein ganz anderes Rennen sieht und andere Fahrer, die wirklich um die Etappensiege kämpfen. Und das finde ich immer ziemlich spannend und gerade diese mittelschweren Etappen, Zentralmassiv, Urgesen waren halt immer so ein bisschen so, also die, die nicht zu schwer sind, aber auch nicht zu leicht, da kommen immer so ein paar Fahrer aus der zweiten Reihe, die dann sich darauf fokussieren und sind dann bei der Tour natürlich auch Weltklassefahrer, aber das finde ich immer ziemlich cool. Das heißt also Zentralmassiv, das merken wir uns, zum Beispiel in Mürde-Bretagne ist bestimmt auch gut, dass sie erste Woche ein kurzer, exklusiver Anstieg, das ist in der ersten Woche schon, ja. Florian Lipovitz haben wir jetzt schon ganz kurz angesprochen, du hast ja auch schon gesagt, dass da jetzt vielleicht aus den Medien heraus auch nicht zu viel Erwartung gleich irgendwie geschürt wird, er wird ja jetzt schon als deutsche Tourhoffnung gehandelt, so ein bisschen, dabei ist es ja seine erste Tour, kann er dann diesem Anspruch überhaupt gerecht werden oder sollen wir den einfach mal machen lassen und fahren lassen? Ich würde sagen, machen lassen, klar. Er hat ein Riesentalent, das hat man jetzt schon ein paar Mal gesehen, dass er wirklich schon letztes Jahr bei der Vuelta war, glaube ich siebter und dieses Jahr auch schon extrem starke Frauen. Und klar würde man sich mal wieder über einen deutschen Toursieger freuen, aber ich finde, das sollte jetzt halt nicht darüber entscheiden, ob er einen guten oder schlechten Werdegang hat. Als fahrer entwickelt man sich auch immer weiter vielleicht merkt er irgendwann dass das ist bei der tour halt nicht fürs podium reicht oder für einen gesamtsieg also das ist dann halt auch mal die frage will man dann jedes jahr immer alles auf diese eine karte setzen tour de france gesamtwertung um dann am ende immer irgendwie top ten zu fahren was halt leider gottes nicht so viel Anerkennung oder nicht so viel Beachtung einfach kriegt. Also ich weiß jetzt nicht, wer letztes Jahr siebter war in der Gesamtwertung. Man kriegt gerade so das Podium zusammen vom letzten Jahr. Also dritter, ich weiß es gerade nicht mal. Ich glaube, er bin der Prüfer letzter Dritter. Stimmt, ja. Aber vor zwei Jahren wird es wahrscheinlich schon schwer. Richtig. Und man muss halt ein unfassbar starker Fahrer sein, um bei der Tour Top Ten zu fahren. Aber es ist halt einfach super schnell vergessen. Und das ist natürlich schade. Aber klar, also wenn Florian das Zeug hat, irgendwann mal eine Grand-Tour zu gewinnen, würde ich da auf jeden Fall alles auf diese Karte setzen, aber man entwickelt sich ja immer, vielleicht merkt er, dass er eher ein Typ ist, der eher auf Etappensiege fahren will oder sich vielleicht auch mal mehr auf andere Rennen spezialisiert. Auf einwöchige Rundfarben, vielleicht hat er da doch noch ein Tick die größere Stärke. Also es wird sich alles zeigen jetzt. Ich finde da eine Tour Hoffnung, jemanden zu nennen, der jetzt morgen gerade mal seine allererste Tour-Etafel startet, ist natürlich ein bisschen weit vorgegriffen und die Tour ist halt wirklich sehr speziell. Ich glaube fest daran, dass er das Zeug dazu hat. Tour-Sieg wird natürlich super schwer. Die nächsten Jahre werden geprägt sein von Pogacar und Wingegard, aber die werden natürlich auch nicht jünger. Und dann wird man sehen, ob er nicht ein bisschen so die nächste Generation ist von Grand-Tour-Fahrern. Ich würde es ihm natürlich sehr wünschen, aber ein Tour-Sieg ist natürlich die absolute Königsklasse, also da ist er im Moment auch noch weit davon entfernt, ganz ehrlich. Du bist das erste Mal 2009 bei der Tour de France mitgefahren. Was ist das erste, was dir dazu einfällt an deine erste Tour? Die erste Tour habe ich tatsächlich den Flug verpasst in Berlin, ich habe beim Training nochmal einen Personalausweis mit, warum auch immer, weil ich irgendwie Angst hatte, aber nachher wird es von der Polizei angehalten, in Brandenburg waren die immer so ein bisschen komisch und dann habe ich den liegen lassen und ohne Personalausweis durfte ich natürlich dann nicht einchecken und musste dann nochmal einen neuen, also das war ziemlich stressig schon. Und dann die erste Tour war natürlich Wahnsinn. Also die ganzen Lenz Armstrongs, Lenz Armstrongs Comeback, ja sozusagen. Und ja, dann war ich da auf einmal so mittendrin in einer Umgebung, die ich nur aus dem Fernsehen kannte. Und dann war es lustigerweise der Starter in Monaco, was sowieso alles wie eine Filmpolisse auslach und so kam es mir dann auch vor. Weil ich bin echt nicht gut gefahren. Das war natürlich auch mein erstes Jahr überhaupt beim Profis. Es war auch viel zu früh, aber wir waren halt ein kleines Team und die wollten unbedingt Fahrer mitnehmen, die in Paris ankommen können. Und das haben wir dann auch geschafft, dass ich angekommen bin. Fast komplett sind wir angekommen. Ja, es war natürlich, also eigentlich hatte ich da noch nichts verloren. Und dann ein paar Jahre später sah es schon anders aus, aber man muss natürlich erst mal so auf das level kommen und heute ist schon wieder anders dass man in den als junioren fahrer schon viel professioneller trainiert ich habe als junior fahrer und in der u23 auch streben und strukturiert trainiert immer nur lange stunden gefahren aber irgendwie mit null inhalten und da brauchte ich dann natürlich erst so zwei drei jahre bei den profis hat sich das training natürlich geändert, und die Rennen haben mich dann einfach auch auf ein anderes Level gebracht, wenn man natürlich auch auf einem ganz anderen Niveau dann Radrennen fährt und das macht einen natürlich auch besser. Und genau, dann die erste Tour war durchkommen, ich habe es natürlich trotzdem genossen, aber ja, jeden Tag, Petto und gar keine Chance gehabt. Ich habe mal probiert in die Ausreisergruppen zu kommen, aber das wusste ich auch nicht so richtig, wie das funktioniert. Ja, da war ich halt auch kein einziges Mal eine Ausreißergruppe, das hat mich auch total frustriert. 21 Etappen und ich habe es einfach nicht geschafft. Also es ist halt... Eine gute Schule gewesen sozusagen. Genau. Eine harte Schule wahrscheinlich. Ja, auch. Die Favoriten Pogacar und Wingergum haben wir ja auch schon angesprochen. Hört an denen irgendein Weg vorbei, kann da irgendwer noch dazwischen gehen? Ich sehe eigentlich keinen. Timos Roglic hat jetzt die letzten Jahre leider so ein bisschen die Anzeichen gehabt, dass er so ein bisschen über den Zenit ist. Er ist relativ spät Profi geworden, deswegen war er jetzt lange das Maß aller Dinge. Er hat sehr viele Rundfahrten gewonnen, wie fünfmal Vuelta und Giro vor zwei Jahren, glaube ich, noch. Und jetzt ist es aber langsam so, dass er mit 35 jetzt doch in ein Alter kommt, wo man sein Level im besten Fall noch halten kann. Beziehungsweise dann auch langsam abbaut und ja da sehe ich ihn jetzt nicht also vor ein paar Jahren hätte ich noch gesagt ist auf jeden Fall ein Fahrer der um Tour Sieg ein Wörtchen mitreden kann inzwischen muss ich sagen habe ich meine Meinung ein bisschen geändert ich glaube er wird sehr gut fahren aber für mich wird es maximal ein dritter Platz also man hat jetzt wirklich gesehen dieses Jahr auch wieder dass zurzeit die zwei stärksten Fahrer der Welt sind Wingegard und Pogacar. Es ist erstmal schön, dass es zwei Fahrer gibt, dass es ein bisschen spannend bleibt zumindest. Also wenn man jetzt nur einen komplett Dominanten hat, aber genau, es wird zwischen den beiden entschieden. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es da noch einen Dritten gibt, der ein Wörtchen mitredet. Also was die beiden und vielleicht sogar insbesondere Pogacar auf der Straße abreißen, ist wirklich beeindruckend. Die dominieren das komplett und man fragt sich so ein bisschen, die sind hier irgendwie in einer anderen Klasse unterwegs. Und was man sich ja dann schon fragt, wenn da einen Anstieg nach dem anderen in Rekordzeit hochjagen. Wie geht es eigentlich? Ja, wie geht das eigentlich? Na ja, es ist natürlich so, dass egal wie man es macht, ob man jetzt 180 World Tour-Profis an den Start stellt oder 180 Amateure, oder du und ich fahren die Tour. Einer oder zwei sind immer die stärksten. Also das sind halt einfach die beiden im Moment. Im modernen Radfahrt gibt es tatsächlich sehr, sehr wenig Geheimnisse. Training, Ernährung, jeder hat Zugang zu allen Studien. Jetzt seit dem Einzug des Internets gibt es wirklich nichts, was man nicht testen oder was man irgendwie analysieren oder irgendwelche Daten auswerten kann, wie viel Kohlenhydrate kann man pro Stunde aufnehmen, wie ist die Ernährung im Rennen. Das Material entwickelt sich alle zwei Jahre, wirklich mit Quantensprüngen zum Teil weiter, dass die Räder immer schneller werden. Ich war letztens mal im Jan-Ulrich-Museum, da habe ich mich dann eher gefragt, wie die in den 90ern so schnell fahren konnten wie wir heute, wenn ich das Material gesehen habe. Und gut, wissen wir jetzt inzwischen alle. Aber es ist tatsächlich so, dass ich es halt fast noch krasser finde mit dem Fortschritt, der jetzt passiert ist. Ich habe ja vorhin angesprochen, wie ich damals trainiert habe. Und es war halt einfach der Standard. Man ist nicht viel in der Walle oder sowas gefahren oder irgendwie Training, wo man dann... Wusste, okay, das ist für das V2-Max, das ist ein Mitochondientraining, das erhöht die Glukosespeicher an Muskeln. Und jetzt muss man sich eigentlich mit so viel beschäftigen, weil man alles bis ins kleinste Detail perfektionieren kann. Und von den ganzen Verrückten, die das wirklich Tag für Tag machen, sind Tadej und Jonas halt die Stärksten. Und wenn wir jetzt alle ein Jahr nicht trainieren würden, oder ich sage immer noch alle, ich bin ja natürlich nicht mehr dabei, Aber wenn jetzt das ganze Tour de France-Verhältnis jetzt sagen würde, wir trainieren jetzt mal ein Jahr nicht, wir sprechen uns alle ab und fahren nicht. Und nächstes Jahr fahren wir wieder. Wird es wahrscheinlich 10 km langsamer sein, aber die beiden werden wieder vorne. Also da bin ich fest von überzeugt. Und natürlich kommt noch dazu, dass Teams wie UAE und Wismar einfach das größte Budget in der World Tour haben. Und dadurch natürlich auch einfach viel professioneller gearbeitet werden kann. Mit mehr Höhentrainingslagern, mit bei jedem Rennen Koch. Keine Ahnung, vielleicht hat Pogacar einen Koch zu Hause, der immer das perfekte Regenerations-Essen macht, könnte ich mir vorstellen. Also mit Geld geht halt auch irgendwie alles und ich bin die letzten vier Jahre in ein Kleinteam gefahren, wo es halt nicht immer ging, also die hatten nicht bei jedem Rennen Koch mit und so weiter. Also da sind dann halt schon noch die kleinen Details und ja, so erkläre ich es mir. Ich denke, ich habe da recht, aber das kann natürlich jeder selbst machen. Es ist manchmal, wenn man zuguckt, denkt man sich, okay, wie geht das? Sind alles gute Fahrer. Ich konnte es letztes Jahr manchmal auch nicht glauben. Den ganzen Winter trainiert, fahre das erste Rennen. Dann bin ich bei neun Kilometer vor Ziel bei Strade Bianca, fahre ich an so einem Bildschirm vorbei. Da fährt Tokasch halt gerade über das Ziel. Ich dachte, ach, das ist einer, der kann auch nicht mehr trainiert haben als ich. Der ist jetzt neun Kilometer vor dir, ist aber mit dir losgefahren. Das ist dann natürlich schon krass. Aber klar, es ist meine wie man damals über Andy Merckx gesagt hat. Und so hat halt jede Generation seine stärksten Fahrer einfach. Das heißt also Ernährung, Technik, Material, Aerodynamik, alles, was da immer wieder verbessert wird. Richtig, ganz viele kleine Details. Selbst die Radcomputer, jeder Fahrer hat jetzt die GPX-Dateien. Da geht es schon los, dass wir die Abfahrten viel schneller fahren können, weil man hat halt immer die Strecke. Wie so ein kleines Navi. Und ich habe mich auch total daran gewöhnt, wie ein Navigationssystem genau, man kann halt. Sich auf den Lenker legen und man sieht halt, okay, man sieht eigentlich nicht, wo die Kurve rauskommt, aber man sieht auf dem Computer, okay, die macht nicht zu, da brauchst du nicht mal bremsen. Und sowas gab es halt früher ja auch nicht. Und auch da, auch das, klar, ist nur ein kleines Detail, aber auch das macht die Rennen schneller. Oder die Durchschnittsgeschwindigkeiten, weil ja immer über die Durchschnittsgeschwindigkeiten geredet wird. Die Etappen sind auch kürzer. Ich glaube, die Etappe, die an Ulrich damals in Andorra gefahren ist, die er gewonnen hat, die war irgendwie über sieben Stunden lang. Natürlich werden lange Etappen dann auch langsamer gefahren, weil man halt nicht mit 100 Prozent losfährt, wenn man 250 Kilometer Pyrenäen-Etappe vor sich hat. Also das sind halt alle so kleine Details. Die Etappen sind zum Teil kürzer geworden. Und die ganzen technischen Feinheiten und wie gesagt, was es alles gibt. Es ist zu viel, um es aufzuzählen, dass es jetzt halt so ist, dass der Sport schneller geworden ist. Auch nicht zu vergessen, welcher Sport ist langsamer geworden. Also es wird ja überall immer besser gearbeitet, wenn man sich jetzt Leichtathletik von 1920 anguckt. Die haben auch dazugelernt. Also es ist so, dass da einfach immer weitergearbeitet wird mit dem Streben halt schneller zu werden und das passiert in jedem Sport und ja natürlich auch im Radsport. Sind Pogacar und Wengegaard die besten Radfahrer aller Zeiten? Pogacar vielleicht, Wengegaard würde ich jetzt weniger sagen. Pogacar ist für mich einfach viel kompletter. Ich finde auch, dass er auf jeden Fall mit Eddy Merckx schon langsam zu vergleichen ist. Er hat vielleicht noch nicht ganz so viele Rennen gewonnen, aber er fährt ja auch noch ein paar Jahre, also ich glaube es wird ähnlich und, Der moderne Radsport ist natürlich auch sehr viel spezialisierter. Ich finde es schon Wahnsinn, dass er Grand Tours und so Rennen wie Flandern-Rundfahrt oder Roubaix ganz vorne beendet. Flandern gewonnen, Roubaix Zweiter. Und so einen Fahrer wie ihn gab es seit ewig nicht. Also eigentlich seit Merckx. Ich weiß nicht, Berna Inno war noch so ein Typ, so Fahrer, die alles können. Aber das war früher noch ein bisschen anders natürlich, weil da hat der Radsport in einer kleineren Gruppe stattgefunden. Es gab Italiener, Spanier, Belgier, Franzosen und das war es so mehr oder weniger. Der Radsport ist ja viel internationaler geworden und dadurch auch super vielschichtig. Es gibt jetzt halt wirklich mehr, die sich spezialisieren auf Klassiker oder auf Grandtours oder auf Eintagesrennen oder andere Eintagesrennen halt. Und früher wurde halt einfach alles gemacht und jetzt ist halt sehr viel spezieller geworden deswegen würde ich sagen kann man so die verschiedenen epochen immer schwer miteinander vergleichen ich würde natürlich auch gern sehen wie er die merks heutzutage fahren würde wenn er jetzt noch mal wie 20 wäre und profi und andersrum wie dominant pogacá in den 70ern gewesen wäre das Das werden wir halt nie rausfinden. Aber ja, Pogacar ist auf jeden Fall der Stärkste seit ganz, ganz langer Zeit und nach der Karriere wird abgerechnet, ob man sagen kann, okay, der hat Max tatsächlich übertroffen von seinen Palmaris, aber er ist definitiv auf einem guten Weg, finde ich. Dann lass uns jetzt mal aus Frankreich zurück nach Freiburg kommen. Du wohnst seit 2012 hier, stimmt das? Ja. Wieso bist du damals nach Freiburg gezogen? Ich kam aus Berlin und war trainingsmäßig natürlich ein bisschen zäh. Also ich habe immer gesagt, wenn ich da wohnen geblieben wäre, wäre ich wahrscheinlich nicht so lange Profi gewesen. Als Nachwuchsfahrer ist man halt sowieso immer noch so heiß und motiviert, dass mir das damals, weil es halt so normal war, dass ich da trainiert habe, ist mir das nicht so schwer gefallen, aber wo ich dann als Profi dann so die ersten anderen Gegenden mal gesehen habe, beziehungsweise habe ich ja davor auch schon, aber klar, Berlin lag mir sehr am Herzen, aber ich habe dann schnell gemerkt, okay, als Profi, da weht halt echt ein anderer Wind und man kann halt auch immer schnell wieder raus sein. Und wenn man dann auch dann erst mal ein, zwei Jahre als junger Fahrer sich nicht weiterentwickelt, dann kann die Karriere halt auch sehr schnell vorbei sein und dann habe ich halt einfach geguckt, dass ich in eine Gegend ziehe, wo es einfach mehr Trainingsmöglichkeiten gibt, vor allem halt auch Berge. Da habe ich erst in Belgien bei den Ardennen so gewohnt, zwischen den ganzen Klassiker-Strecken, Amcel Goldrace und Lüttich-Bastonje-Lüttich, das hat es mir auch sehr gefallen, das Wetter war halt immer schlecht. Und dann bin ich hier runtergezogen und weil ich schon viele Leute hier kannte, also die Profis von damals, die zu der Zeit noch gefahren sind, Fabian Wegmann, Heinrich Hausler, Johannes Frölinger, der da auch mein Teamkollege war und genau, dann bin ich hergezogen. Das war so ein bisschen und ja, ich kannte die Gegend natürlich schon so ein bisschen als Besucher und wusste, dass man alles machen kann, was man will. Also wirklich flach fahren, bergig, hügelig, also geht wirklich alles. Du hast schon angesprochen, früher ein paar andere deutsche Radprofis hier in Freiburg und in der Umgebung gewohnt. Heute bist oder warst du da so ein bisschen eine Ausnahme. Kannst du erklären, warum bist du das oder was meinst du, woran liegt das? Ja, ich glaube, viele unterschätzen Freiburg tatsächlich so ein bisschen von den guten Trainingsbedingungen, was halt auch so abwechslungsreich ist. Ich bin ja auch mal während meiner Karriere dann auch gern mal irgendwie mal im Winter zumindest Mountainbike gefahren oder Langlauf. Fand ich auch immer cool, dass man das hier machen kann, nicht immer den ganzen Winter über, aber wenn mal Schnee war, dass man das halt auch mal ein bisschen mit einbauen kann und ich weiß gar nicht, ob die Fahrer heute das noch so auf dem Schirm haben, dass es ja wirklich so vielseitig ist, inzwischen ist es aber auch so, dass die jetzt im moderneren Radsport halt viel mehr Trainingslager gemacht werden, vor allem Höhentrainingslager und, Ja, im Winter ist man ständig im Trainingslager, also es ist ein bisschen weniger wichtig geworden, wo man wohnt tatsächlich, weil man halt jetzt noch mehr unterwegs ist als damals, glaube ich. Und ja, für mich war es dann immer ein bisschen sinnlos, weil ich war auch immer gerne zu Hause und dachte mir so, ach, jetzt wieder. Im Winter hat man sich natürlich auf so ein Trainingslager in Spanien gefreut, aber zum Teil war es dann halt auch im Mai oder zwischen der Saison mal, dass man ins Trainingslager musste, wo ich dann mal nicht so Lust hatte, weil ich ja hier eigentlich alles machen konnte. Und ja, einfach wo viel lieber zu Hause war. Hat Freiburg einen schlechten Ruf in der Szene, wegen der Doping-Vergangenheit vielleicht? Habe ich mir überlegt. Nee, das eigentlich nicht. Also es wurde ja, es wurde jetzt nicht wirklich mit der Stadt in Verbindung gebracht. Es war natürlich, ich glaube für die Uniklinik natürlich ganz schlechte PR tatsächlich. Die Ärzte arbeiten jetzt aber, glaube ich, nicht mehr da. Die Sportmedizin in der Uniklinik ist eine super Sache für Profis. Man konnte da immer dieses einmal im Quartal ein Blutbild machen für die UCI. Also es war ein UCI-akkreditiertes Labor. Das heißt, man musste nirgendwo weit hinfahren. Und es wird sich um jeden Sportler gekümmert. Und ich konnte da immer hin bei irgendwelchen Verletzungen, Knieprobleme. Ich bin immer gleich einen MRT-Termin gekriegt. Und man war dann halt einfach gut vernetzt, jetzt nicht nur in der Sportmedizin, wenn es um diesen jährlichen, auch um ein Herzecho muss man einmal im Jahr machen, Sehtest sogar. Obwohl, weiß nicht, ob das, weil ich dann so alt war am Ende, ob die das mit mir dann extra gemacht haben. Aber genau, Herzecho, LeistungseKG, um die Lizenz halt zu kriegen und das war immer super gut, das in der Uniklinik an einem Abwasch zu machen. Ja, auf der Station Strohmeier war ich oft nach Schlüsselbeinbrüchen. Die kannten mich dann auch schon einmal zum OP und dann wieder, um das ganze Gedöns rauszunehmen. Aber ich war immer öfters mal da, ja. Ich höre hier ein Plädoyer für die Radregion Freiburg. Also an alle Prokopis da draußen, wenn ihr schön hören wollt. Also ich fände es jedenfalls sehr unfair, wenn die Uniklinik Freiburg jetzt nur mit dem Dopingskandal vor 30 Jahren in Verbindung gebracht wird. Ich finde es sehr gut, dass die Ärzte natürlich da jetzt Hausverbot haben, sozusagen. Ich weiß nicht, ob die dann ihre Lizenz oder so verloren haben. Das weiß ich jetzt nicht, aber ja, die Uniklinik ist auf jeden Fall eine sehr gute Adresse auch. In der BZ hast du letztes Jahr die Region Freiburg als schönstes Trainingsgebiet für mich überhaupt bezeichnet. Dann lass uns doch nochmal auf so ein paar Strecken vielleicht schauen. Welcher Anstieg ist dir hier der liebste in der Region? Es gibt von Schönau einen sehr schönen, der geht in eine ganz kleine Straße, Uxwaldstraße heißt sie, glaube ich, der geht hoch nach Präg, ist dieser Ort da. Den bin ich immer ganz gerne gefahren, aber ist halt super abwechslungsreich. Ich bin immer gerne gefahren, wo es gerade im Sommer ein bisschen schattiger war, ruhig, von Oberried hoch zum Rinken, ist auch sehr schön, zum Beispiel. Dann auch Wolfloch oder so, das ist an der Hexenlochmühle vorbei noch Richtung Furtwang und dann biegt man rechts in so einen kleinen Weg auch ein. Also das meine ich halt, wenn man sich richtig gut auskennt in der Region, dann ist natürlich super schön, weil ich konnte halt Runden fahren, wo ich ja gar nicht so groß auf die Zeit gucken musste. Ich wusste ja, die sind eh genau auf fünf Stunden, so ungefähr, plus minus. Und wenn ich langsamer war, wusste ich halt, wo ich abkürzen muss, um jetzt halt nicht länger zu fahren als fünf. Das habe ich halt auch nicht so gerne gemacht, wenn fünf Stunden auf dem Plan waren, dann war ich halt meistens nach fünf Stunden zu Hause. Und ja, deswegen, also ich bin da so ein Gewohnheitstier. Ich bin auch immer echt gern dieselben Strecken gefahren, weil man hier halt so viel Abwechslung hat. Und welcher ist der ekeligste in der Region? Der Storn ist wahrscheinlich ziemlich. Er geht vom Münstertal hoch zum Schauernsland. Das ist ein ganz steiler Anstieg. Den würde ich auf jeden Fall nur empfehlen, wenn man gute Beine hat. Im Winter bin ich den fast nie gefahren, weil ich da die Form noch nicht so hatte. Da dachte ich mir, ne. Quälerei hier. Da fährt man dann lieber einen etwas flacheren Anstieg. Trainingseffekt ist ja der ähnliche. Würde man dich ja jetzt hier in der Region mal bei einem Rennen vielleicht am Start sehen? Ich glaube im Juli jetzt ist noch der Schauslandkönig zum Beispiel. Ja, die haben gefragt, haben die Startnummer reserviert, ungefragterweise. Aber ich glaube ehrlich gesagt nicht. Also ich bin in den Schauensland mal während Corona auf Teufel komm raus hochgefahren und bin dann sehr zufrieden mit meiner Bestzeit. Werd die wahrscheinlich auch nie wieder unterbieten können. Von daher glaube ich nicht, dass ich da am Start stehen werde, bin ich ehrlich. Jetzt eine halbe Stunde da Vollgas hochfahren. Boah, ne. Aber vielleicht komme ich als Zuschauer hin und ich gucke mal, ich habe der Veranstalter, hat mir auf Facebook, glaube ich, geschrieben, vorhin sogar geantwortet schon. Wirst du denn in Freiburg bleiben? Ja, ist der Plan, dass wir jetzt erst mal hier bleiben. Also ich würde sehr gerne hier bleiben und meine Frau kommt aus Österreich, die würde natürlich auch sehr gerne nach Österreich ziehen, aber im Moment halte ich da noch ganz gut gegen und ihr gefällt es aber auch sehr gut hier deswegen ist jetzt glaube ich kein ganz großer Verlust, wir werden halt ein bisschen gucken meine Schwiegereltern und meine Eltern auch, wohnen halt sehr weit weg mit Berlin und Österreich wenn es uns jetzt völlig über den Kopf wächst mit dem Kind dann oder vielleicht mit dem zweiten Kind dann noch dann müssen wir vielleicht eher gucken, dass wir dann da, eher so ein bisschen da noch in die Richtung ziehen als Unterstützung um Unterstützung zu haben, wenn es mal brennt. Aber haben wir im Moment nicht vor. Dann freuen wir uns, dass du uns noch eine Weile erhalten bleibst hier in der Region. Und ich sage vielen Dank Simon Geschke, dass du dir die Zeit genommen hast, vorbeizuschauen. Vielen Dank an alle Zuschauerinnen und Zuschauer, die hergekommen sind und alle, die es raus und zu beschaut haben. Dann wünsche ich uns allen zum Start der Tour de France eine schöne Tour, würde ich sagen, am Morgen, oder? Richtig, ja. Ich weiß gar nicht, was noch eine Etappe ist. Wir starten in Lidl, glaube ich. Wir starten in Lidl, weiß ich nicht. Ich weiß gar nicht, ob es Zeit fahren oder... Na ja, egal. Guck ich nochmal nachher. Dann vielen Dank und schönen Abend noch.