Latest / Die Abschweifung / Die Abschweifung 68 Selbstwahrnehmung – Wie wir uns sehen (und andere uns sahen)
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- 0:31Hallo und willkommen zu einer neuen Folge "Die Abschweifung". Da wo ich eigentlich nie von
- 0:38Thema abschweife. Komisch. Ich bin Sascha Machmann und sag Hallo. Uiuiui, das heutige Thema ist
- 0:50zur Selbstwahrnehmung. Ich habe eine Serie gesehen, die läuft zurzeit auf ZDFneo und ist in der ZDF
- 1:04Mediathek zu finden. Link ist in der
- 1:15Videobeschreibung unten. Und da geht es
- 1:23um einen Mann, so Mitte 30, der sich halt
- 1:23an seine Jugend erinnert und über das, was da so passiert ist und über die Auswirkungen der
- 1:36Handlungen auf die Jetzt-Zeit. Und irgendwann mal gab es die Stelle, da sagte dann ein Polizist zu
- 1:46ihnen als zu den Erwachsenen. Das ist keine Straftat, sie sind einfach nur ein schlechter
- 1:52Freund. Und ich hatte mir so einen Gedacht gehabt, hey, irgendwie kommt das bekannt vor,
- 2:00weil ich habe mich mal vor Jahren mit ehemaligen Mitschülern unterhalten. Wir haben uns dann so
- 2:07auf Facebook gefunden und haben da so gesprochen. Dann ist das Gespräch immer mal auf WhatsApp
- 2:14übergegangen und dann hat man so über die Vergangenheit gesprochen und ehrlich
- 2:21gesagt, ich war erstaunt gewesen, wie ich damals wahrgenommen wurde, besonders so
- 2:29wie ich 12, 13 war und wie ich das so selber in Erinnerung habe.
- 2:39Das mag jetzt vielleicht ein bisschen komisch sein, aber ich habe das alles viel positiver in Erinnerung,
- 2:46wie mir das halt meine Mitschüler, ja vor allen Dingen auch Mitschülerinnen, berichtet haben.
- 2:55Man muss sagen, ich war auf einer Waldorfschule. Ja, ich kann meinen Namen tanzen, ich kann singen und klatschen
- 3:02und habe auch meinen Abschluss dort gemacht, habe den singen und klatschen und Namen tanzen.
- 3:09Ich habe da sogar einen sehr guten Abschluss gemacht, sonst hätte ich ja nicht später mal studieren gehen können.
- 3:17Lange Rede, kurzer Sinn. Es war so, dass es bei uns in der Klasse, so wie es es halt immer gibt, so anführende Schüler gab und halt welche, die weniger,
- 3:36ich würde nicht sagen hoch im Rang waren,
- 3:45aber die waren halt weniger beliebt.
- 3:49Dann gab es Schüler, die waren so
- 3:53dazwischen und ich war jemand gewesen,
- 3:56der jetzt keiner von den Wortführern war,
- 4:00aber halt mich mit denjenigen halt sehr
- 4:00verstanden habe. Und da gab es besonders einen Schüler, der hatte eigentlich immer dafür
- 4:09gesorgt gehabt, dass irgendwas in der Klasse los war. Das war ein sehr guter Freund von mir. Aus
- 4:16den Gesprächen mit den anderen Mitschülerinnen habe ich dann so gehört, wie die das wahrgenommen
- 4:23haben und das war halt extremes Mobbing und so die eine Hälfte hat mitgemacht und die
- 4:30andere Hälfte hat darunter gelitten. Und das komische ist, ich habe das überhaupt nicht so
- 4:36wahrgenommen. Ich muss sogar sagen, dass ich dann, so wie ich das dann so erfahren habe,
- 4:41so häppchenweise, besonders von einer Mitschülerin, und da gehen ja Grüße raus,
- 4:48die hört sich das bestimmte an, wie sehr sie darunter gelitten hatte unter den
- 4:54Einmitschülern und die ganzen Gemeinheiten, die er gemacht hat. Und wir haben uns davon
- 5:00irgendwie total mitreißen lassen. Ich meine, das Leben ist echt nicht einfach. Und wir hatten auch
- 5:09Knatsch mit den anderen beiden Parallelklassen und die haben uns auch stellenweise wie Dreck
- 5:16behandelt.
- 5:22Und ich weiß nicht, das soll jetzt keine
- 5:25Entschuldigung sein, aber irgendwie hat man
- 5:27diesen ganzen Dreck und den ganzen Mist,
- 5:29den man da selber erlebt hat, einfach
- 5:32weitergegeben.
- 5:36Und ich finde das nicht rühmlich, dass es
- 5:41dann halt diese Vergangenheit gibt. Und mich
- 5:41Mich hat diese Serie tatsächlich so dermaßen zum Nachdenken gebracht, dass ich mich halt
- 5:48wieder daran erinnert habe.
- 5:49Und ich finde es erstaunlich, dass ich jetzt so als erwachsene Person in so einem guten
- 5:58Kontakt mit den Mitschülerinnen, die halt auf Facebook aktiv waren und auch dann gegrüßt
- 6:10werde von Mitschülern, mit denen ich keinen Kontakt habe, aber halt diese eine Mitschülerin.
- 6:14Und wenn die dann halt sich treffen und in Erinnerungen schwelgen oder dass man dann halt
- 6:21mal was von den anderen hört.
- 6:22Manche sind ja total verschollen und dann irgendwann mal hörst du mal was und die sich dann ja
- 6:29auch immer wieder mal erkundigen danach, so zu wem hast du so Kontakt, was gibt's da so
- 6:33Neues.
- 6:34Und obwohl es halt diese massiven Verletzungen gab, ist da trotzdem noch
- 6:42diese Interesse da. Man muss sagen, nachdem dann halt diese eine Mitschüler,
- 6:50dass er verlassen hat, weil er auf eine andere Schule gegangen ist,
- 6:56die halt mehr seinen Bedürfnissen entsprochen hat, weil der auch ganz
- 7:03schwierige Sehprobleme hatte und schon eigentlich mehr oder weniger fast blind war, hatte sich das
- 7:13Klima in der Klasse so total verändert. Vorher war das keine richtige Klassengemeinschaft. Es gab
- 7:21halt diese drei Gruppen, die Anführer, also dieser Wortführer würde ich sagen, dann halt diejenigen,
- 7:30die halt die ganze Scheiße abgekriegt haben und diejenigen, die nichts gemacht haben.
- 7:35Und danach hatte sich eine Gemeinschaft gebildet gehabt. Es war dann so gewesen,
- 7:43dass man wirklich kein Problem darin gesehen hatte, auch schwächere Schüler einfach zu
- 7:48unterstützen. Wenn die Leute, die halt in den naturwissenschaftlichen Fächern oder
- 7:55auch in der Mathematik besser waren, haben sie sich dann ohne Probleme zu denen gesetzt,
- 7:59die dann irgendwo noch ein Problem hatten, wenn die mit ihren Aufgaben fertig waren und haben
- 8:04denen dann geholfen, das zu klären. Natürlich hatte man da auch seine Lieblinge, wo man dann halt
- 8:10mal ein Märchen gegangen ist oder nicht. Und man schätzte auf einmal die Fähigkeiten, die auch
- 8:18schwächere Schüler hatten. Zum Beispiel die eine Mitschülerin hatte eine unwahrscheinlich schöne
- 8:23Handschrift und dann hat man sie zugesehen, dass die halt in dem, wenn man so Projekte gemacht
- 8:28hatte, dass die halt dann da war, weil sie halt die Plakate so schön gestaltet hat. Und nicht,
- 8:38dass da alles nur die Brains gesessen haben und dann halt superfachlich und aufwendige
- 8:44Präsentationen gemacht haben. Nein, man hat sich dann auch die Leute, die Schmitt-Schüler,
- 8:50die halt weniger da stark waren, geholt, aber die dann halt diese Qualitäten hatten,
- 8:57in künstlerisch-gestalterischen. Und so war die Harmonie in der Klasse komplett anders.
- 9:06Und das ist aber auch genau der Punkt, der mir in den Gesprächen oder auch in den Gesprächen,
- 9:14die halt die eine Mitschülerin mit einer Freundin hatte, also auch mit einer Mitschülerin,
- 9:21und ich das dann auch so bestätigt hatte, dass wieder einer mit "ich will hier keine Namen droppen, Leute" weg war,
- 9:30dass sich die Klasse so total harmonisch entwickelt hatte.
- 9:35Und das war dann aber auch so ein "Wir gegen die anderen Klassen"-Gefühl.
- 9:41Nicht, dass das irgendwie schlimm war, aber das waren halt diese ganz kleinen feinen Spitzen.
- 9:45Man muss sagen, bei uns in der Klasse waren halt alles, ja heute würde man sagen Nerds.
- 9:51Es waren halt alles so leichte kleine Freaks, die total so speziellere Interessen auch hatten.
- 10:01Ich hatte mich extrem für Naturwissenschaften interessiert und war da total fit.
- 10:09Die eine Mitschülerin hatte sich total für Sprachen interessiert und die nächste hat halt fantastisch gezeichnet.
- 10:20Und so zog sich das halt durch. Selbst bis zu dem Schüler, der einfach so quasi der gute Geist war.
- 10:30Ja, was ich damit sagen will, ist einfach, dass manchmal ein kleines Element ausreicht,
- 10:39um halt so eine ganze Gruppe negativ zu beeinflussen und dort so viel Unfrieden zu sehen.
- 10:50Ja, ich meine, wenn man sich auch so aktuelle Diskussionen anschaut, da sieht man das auch
- 10:58Mein Vater hat früher mal gesagt gehabt, das ist so ein Kallfaktor. Ich weiß, das ist sehr kritisch zu sehen, diese Aussage, weil es halt im Dritten Reich halt gerne verwendet wurde und sehr negativ besetzt ist.
- 11:22Aber ich glaube, das passt ganz gut, dass es halt diese eine Person gab, die halt alles so negativ verändert hat.
- 11:32Und das war wirklich ein Freund von mir.
- 11:37Ich meine, wir haben uns gegenseitig besucht und ich habe da geschlafen.
- 11:43Ich war in den Ferien dann auch für ein paar Tage dort.
- 11:49Also das war unglaublich.
- 11:52Und interessanterweise, wie er aus der Klasse weg war, war auch der Kontakt weg.
- 11:59Ich bin mal Jahre später durch Zufall, wie ich halt mit dem Motorrad unterwegs war,
- 12:06an seiner Adresse vorbeigekommen und habe dann da mal geschaut.
- 12:11Es war auch irgendwie witzig, weil das sah noch alles genauso aus.
- 12:16Da hatte sich gar nichts verändert gehabt. Das war alles noch genauso wie meine Erinnerung.
- 12:22Nur dass die Oma unten nicht mehr gewohnt hat.
- 12:26Ich war auch an der Tür, an der Tür, also ich habe nicht geklingelt, aber ich hatte geschaut gehabt.
- 12:34Und ich war auch irgendwann mal an der Schule gewesen und hatte dann da mal geschaut.
- 12:43Natürlich, die hat sich verändert gehabt. Das war, ich meine 20 Jahre oder so, das ist viel Zeit.
- 12:49Ich glaube, damals war das noch gar nicht 20 Jahre, da waren es vielleicht 15 Jahre.
- 12:54Und da hatte sich total viel verändert. Aber im Großen und Ganzen war das noch meine Schule.
- 13:01Naja, ich weiß ja nicht, wie es euch Zuhörern so geht, aber wenn man sich so die Geschichten so anhört,
- 13:12von anderen Leuten und deren Sichtweise, da stellt man manchmal fest, dass es da echt große Unterschiede gibt.
- 13:18Und das ist so eine Frage der Wahrnehmung.
- 13:21Und ich hatte mich, weil ich die Serie so gesehen habe und dann auch so seine Reise,
- 13:26weil er wurde ja nicht zum Klassentreffen eingeladen.
- 13:31Und er ging der Frage nach, warum das so ist.
- 13:36Und als dann ganz zum Schluss quasi die Antwort kam, dass man ihn einfach vergessen hatte, war er erfreut gewesen, sogar richtig glücklich, weil man vergisst nur die Langweiler, die Personen, die nichts Schlimmes gemacht haben.
- 13:52Man vergisst nicht die Streber, man vergisst nicht die Klassenmobber, sondern man vergisst die ganz Langweiligen, die sich keiner daran erinnert.
- 14:03Und dann stellte sich heraus, dass es Absicht war, dass er nicht auf der Liste stand.
- 14:10Ich will aber nicht spoilern. Schaut's euch an, die ist gut.
- 14:14Es ist einfach nur so, dass ich das öfters habe, wenn ich so biografische Geschichten sehe, Serien, Filme,
- 14:27dass mir da manchmal Parallelen auffallen und ich dann immer wieder so reflektiere,
- 14:33wie war ich als Kind oder als Jugendlicher?
- 14:37Und da ist leider die Antwort, ich war ein typisches Arschloch.
- 14:43Ja, ich weiß noch, wo ich einmal im Gartenbau mit einer Mitschülerin, mit der ich ja heute Kontakt habe,
- 14:54da so gesessen habe und dann haben wir uns so, ich glaube, beim Umgraben des Kompostes so unterhalten und irgendwann war da ein Regenwurm und hatte ich dann auch irgendwas halbwegs Schlaues gesagt, ich weiß nicht mehr was.
- 15:14Ich weiß nur, dass dann sie meinte, das ist aber schon sehr philosophisch, was du da sagst.
- 15:21Und das komische ist, ich habe diese Mitschülerin früher, wie noch da, der eine da war,
- 15:31nie so sympathisch oder als interessant empfunden.
- 15:40Und irgendwann mal kam der Punkt, wo mir aufgefallen ist, dass sie tatsächlich eine ganz interessante Person ist.
- 15:50Jetzt nicht so in Liebelei oder so, sondern dass das eine interessante Person ist, mit der man sich wirklich deep unterhalten kann, würde man heute sagen.
- 16:02Und das passiert mir so oft im Leben, dass ich so den ersten Eindruck habe und dann nach einiger Zeit denke,
- 16:14ja, da musste ich dann mal den ersten Eindruck revidieren, weil die Person ist voll in Ordnung.
- 16:23Gott sei Dank habe ich das nicht andersrum, weil sonst wäre ich, glaube ich, schon in meinem Leben sehr oft auf die Schnauze gefallen.
- 16:28Aber ich denke erst immer, die Leute sind alle sehr merkwürdig und komisch.
- 16:33Und ich glaube, das ist so eine Sache, die wird sich wohl auch nie ändern bei mir.
- 16:41Ja, aber jetzt genug hier abgeschweift.
- 16:45Es gibt ja einfach so einen Moment, wo man einfach in seinem Leben darüber nachdenkt,
- 16:49ob man die Welt besser verlässt, als man sie betreten hat.
- 16:56Und ich kann zur Zeit noch sagen, nein, das ist nicht so der Fall.
- 17:01Ich verlasse diese Welt keine Spur besser, wie ich sie vorgefunden habe,
- 17:05sondern meine Taten oder das, was sich halt verändern konnte,
- 17:11ist alles noch so klein und so unbedeutend, dass das jetzt keinen großen Einfluss hatte.
- 17:18Man könnte jetzt sagen, okay,
- 17:21Du hast halt ein Pflegekind dein Zuhause geboten, hast das halt über vier Jahre lang großgezogen,
- 17:31bis es dann halt mit zehn war und halt seinen eigenen Weg gehen wollte.
- 17:38Aber so im Großen und Ganzen habe ich jetzt nicht irgendwie was hinterlassen oder würde ich jetzt so sagen,
- 17:44was hinterlassen, was irgendwie die Welt zum besseren Ort machen würde.
- 17:49Ich meine jetzt nicht, wer weiß wie, dass ich eine Forschungsarbeit oder so geschrieben hätte oder eine Entdeckung gemacht hätte,
- 17:57was jetzt aber für Millionen das Leben retten würde. Nein, nicht das.
- 18:01Es sind ja diese kleinen Dinge, die manchmal so entscheidend sind.
- 18:05Das ist einfach so.
- 18:10Ich habe in der Pflege geholfen. Das sind dann halt ein Lächeln.
- 18:14Oder "Ich habe in der Pflege geholfen"
- 18:21Ich meine, ich habe in der Pflege gearbeitet.
- 18:24Und das sind dann so diese kleinen Sachen.
- 18:28Und das hatte ich auch irgendwann mal einen Schüler gesagt gehabt, der nicht mit hatte.
- 18:33Diese großen Sachen, die kannst du alle schnell erledigen.
- 18:38Aber mal ein kleines bisschen Zeit nehmen, mal eine Hand nehmen.
- 18:43oder auch eine Umarmung kann so viel bewirken.
- 18:48Ja klar, das habe ich alles gemacht, aber das meine ich nicht.
- 18:53Ich glaube, ich habe schon einiges Gutes getan auf der Welt.
- 18:57Ich hatte Auslandseinsätze vom Deutschen Roten Kreuz,
- 19:01wo ich Dinger aus dem Kosovo überführt habe
- 19:05habe und dann Astro Brauxel ins
- 19:11Übergangsunterkunft
- 19:14gebracht habe und dann auch
- 19:18anschließend mit in der Betreuung war.
- 19:18Einige Sachen, ich habe auf
- 19:27Kirmes einen Sanitätsdienst geschoben,
- 19:31auf Veranstaltungen, aber dennoch habe ich
- 19:31Gefühl, dass wenn ich jetzt diese Welt verlasse, dass ich sie nicht verlasse und dass es ein
- 19:38besserer Ort geworden ist. Und das hatte ich so mit einer Fußpflegerin mal dieses Gespräch gehabt.
- 19:44Und jetzt weiß ich, dass das jetzt ein bisschen arg philosophisch oder auch selbstkritisch ist.
- 19:50Vielleicht mag das ja auch meiner depressiven Persönlichkeit entsprechen, aber ich glaube nicht,
- 19:59dass sich halt irgendwie etwas in dieser Welt bewegen kann. Und ich weiß auch, obwohl ich ja
- 20:06diese ganzen Podcasts mache und alles auch jenseits der Aktenplattermann, da viele gute
- 20:14Sachen bei sind, zumindest sagen das die Leute, ist das jetzt nichts, was jetzt unbedingt der Welt
- 20:21erhalten bleibt. Höchstwahrscheinlich auf YouTube länger wie halt im Podcast, weil wenn
- 20:27das Geld alle ist, was ich halt bei den Anbietern meines Servers hinterlegt habe, dann wird der
- 20:40Server gelöscht und dann ist der Feed nicht mehr da. Und ich habe keine Ahnung, wie lange halt so
- 20:48ein inaktives Google-Konto mit YouTube verknüpft, wie lange das bestehen bleibt, keine Ahnung. Und
- 20:56dann irgendwann mal ist das alles weg. Da, die Texte und so weiter, die könnte man noch in den
- 21:03Internetarchiv finden. Aber wenn es die nicht mehr gibt, dann ist das auch weg. Wisst ihr, was ich
- 21:12meine? Niemand geht ja hin und druckt das Internet aus, damit er das halt in einen großen Lager
- 21:19einlagern kann und dann kann irgendjemand hingehen, ja, vor 500 Jahren, da hat mal einer was gesagt.
- 21:25"Ne, das macht ja keiner und ich kann mir auch keine Pyramide bauen, die dann halt noch 2000
- 21:31Jahre oder noch länger besteht und ihr wisst, was ich meine. Ich bin eine gewisse Zeit auf diesem
- 21:41Planeten und werde auch von diesem Planeten gehen. Die Frage ist halt nur, wie werden sich Menschen
- 21:48an mich erinnern und das ist ja auch nur eine kurze Spanne jetzt im Vergleich zu allen möglichen
- 21:54in anderen Sachen. Ich denke mal so, also ich persönlich kann mich nicht an alle meine Großeltern,
- 22:02also meine Urgroßeltern erinnern. An meine Großeltern, die gelebt haben zu meiner Geburt
- 22:08oder so kann ich mich erinnern. Und dann wird es schwammig. Also noch weiter zurück geht es nicht
- 22:14bei mir. Und das wird ja bei den meisten auch so gehen. Und je älter die Menschen werden und
- 22:20sie später die Kinder kriegen. Weniger ist da. Meine Neffen haben keine Ahnung,
- 22:30wer ihre Urgroßeltern sind, weil die zur Zeit ihrer Geburt entweder schwer dement waren und
- 22:40dann auch relativ schnell verstorben sind oder schon längst verstorben sind. Und ich habe noch
- 22:45das Glück gehabt, dass ich zwei meiner Urgroßeltern halt kennengelernt habe. Tja, also jetzt ist diese
- 22:54kritische Frage. Wie erleben andere Menschen einen und auch die Taten, die man getan hat? Und wie
- 23:02erlebt man sich selbst? Ich hatte eigentlich gedacht gehabt, dass ich in meiner Vergangenheit
- 23:06war. Jetzt nicht der super Überflieger, aber okay. Halt nett, aber halt ein Jugendlicher mit seinen
- 23:16Macken und merkwürdig. Und mein Gott, was war ich damals für ein Nerd? Meine Jahresabschlussarbeit
- 23:23war ein Elektronenrasternmikroskop, wo die Spitze eines Wolframms fadend ein Atom groß war. Das
- 23:35habe ich selber in meinen Keller hergestellt. Das muss man sich mal vorstellen, dass ich da
- 23:41Experimente gemacht habe, bis ich das hingekriegt habe, dass ich eine Nadel hergestellt habe, wo
- 23:47der Wolfram-Faden, die Spitze, ein Atom groß war. Und damit konnte ich, und den Tunnelstrom-Effekt,
- 23:58Atome sichtbar machen und das habe ich so mit zarten 18 Jahren entwickelt. Ja, was soll man dazu sagen,
- 24:09oder? Also ich bin froh, dass halt meine Mitschülerinnen mitbekommen haben, dass ich
- 24:20mich einfach im Laufe der Zeit halt verändert habe und heute mir vieles unangenehm und peinlich ist,
- 24:29was damals passiert ist. Und das ist auch vollkommen okay, das ist wirklich so vollkommen okay. Ich stehe
- 24:35dazu. Ich habe das getan, ich habe das gesagt und ich war halt nicht immer nett. Und ich glaube auch,
- 24:44dass ich heute nicht immer nett bin. Auch wenn andere zu mir sagen "Hey, du bist ja voll nett."
- 24:51Nein, wenn ihr manchmal in meinen Kopf gucken könntet, da sieht die Sache manchmal anders aus.
- 25:00Aber ich glaube auch, dass halt alles was man erlebt hat in der Vergangenheit einen zu dem
- 25:06Menschen machen, dem er heute ist. Und heute bin ich okay. Ja, zwar nichts Besonderes, aber okay. Und
- 25:20in allem, was ich mache, dann empfinde ich das als, ja, ich selbst empfinde es als unteren Durchschnitt.
- 25:29Denn das hatte ich ja auch schon mal thematisiert, wann ist gut, gut genug? Ich hatte früher diese
- 25:37Idee von Perfektion und alles was ich mache, das muss perfekt sein. Heute denke ich mir,
- 25:44vor allem nach meinem Schlaganfall, dass ich halt, wenn ich der Perfektion hinterher renne,
- 25:51ich nie etwas fertig bekomme, weil es nie fertig wird, weil es nie perfekt ist. Ich bin ja nicht
- 25:59perfektes Wesen, also kann ich auch nichts Perfektes herstellen. Und das alleine ist der Grund oder auch
- 26:09diese Überlegung, dass wenn ich irgendwann mal sage, das ist okay, nicht gut, es ist okay, dann haue ich
- 26:18das raus, dann veröffentliche ich das, dann publiziere ich das, ich lade die Musik zu meinem
- 26:24Vertrieb hoch, dass die verteilt wird. Ich habe früher Ewigkeiten gebraucht, um etwas zu veröffentlichen.
- 26:32Ich kenne Leute, die haben hunderte von Projekten auf ihrer Festplatte und haben davon nichts
- 26:38veröffentlicht, weil es nie perfekt war. Heute? Mein Gott, nee. Man könnte da noch was machen.
- 26:48hier ist noch ein Verbesserungspotenzial, aber wenn ich noch an den letzten Müh schrauben würde,
- 26:55an den letzten Milliarden, um es zu optimieren, bekomme ich etwas nie fertig. Weder ein Bild,
- 27:03noch eine Zeile Programmcode, noch Musik, noch Text oder auch Podcast. Ich weiß,
- 27:16dass die Qualität zwar okay ist, aber nicht geil. Ich weiß, dass meine Aussprache okay ist, aber nicht geil.
- 27:24Ich weiß so vieles, aber das ist okay. Und heutzutage denke ich auch, ich bin okay. Ich glaube auch, dass
- 27:38ich der Welt nichts hinterlassen werde, sondern ich habe hier gelebt und bis jetzt habe ich nichts
- 27:48verändert. Und das ist okay. Eine gewisse Zeit werden sich halt Menschen, die mit mir zu tun
- 27:56hatten, noch daran erinnern und wenn das dann vorbei ist, dann ist das so auch weg. Und das
- 28:01ist okay. Meine Arbeiten, die ich halt veröffentlicht habe, sind auch noch eine Zeit lang da. Manche Werke
- 28:11werden länger da sein, andere weniger lang und das ist okay. Und irgendwann mal wird auch das,
- 28:20was ich wissenschaftlich erarbeitet habe, auch veraltet sein und dann kriegt da kein Hahn mehr
- 28:26nach. Das ist okay. Also was lernen wir jetzt aus dieser
- 28:34ja schon fast Selbstbeweihräucherung? Zum einen es ist natürlich, dass man sich
- 28:40verändert. Zum anderen man ist nicht der Mensch von damals. Man verändert sich, man
- 28:47wird erwachsener, man denkt anders über das, was man früher getan hat nach und
- 28:54als Jugendlicher macht man so viele Fehler. Oh mein Gott. Aber das ist alles okay, solange
- 29:02das nicht wer weiß was krasses war. Du durchläufst verschiedene Stadien im Leben, der eine erfolgreicher,
- 29:12der andere weniger erfolgreich. Das ist aber alles okay. Solange du für dich sagst, das ist gut so,
- 29:20dann ist es gut so. Und ich musste leider erst durch den Schlaganfall lernen, dass es einen Punkt gibt,
- 29:30wo man sagen kann, das ist gut so. Und wenn ich heute zehn Meter gelaufen bin und hatte keine
- 29:42Unterstützung oder Hilfe, dann ist das gut so. Natürlich würde ich gerne ein Kilometer schaffen,
- 29:49zehn Kilometer. Aber das ist ein Ziel, was vielleicht erreichbar wäre und vielleicht
- 29:58auch erreichbar ist. Aber ich bin mit dem, was ich bis jetzt erreicht habe, von total
- 30:05bettlägerig zu dem, der sich zumindest in seiner Wohnung halbwegs sicher bewegen kann
- 30:13mit einem Rollator bin ich sowas von fein. Und das ist okay. Das denke ich mal sollte man als
- 30:24Schlusswort nehmen. Wenn euch das gefallen haben solltet, hinterlasst einen Kommentar. Ihr könnt
- 30:30auch gerne, wenn das auf YouTube konsumiert, das Video mit einem Daumen nach oben hypen,
- 30:37kommentieren und wenn ihr wollt, dass die Arbeit hier weitergeht und wir vielleicht
- 30:46ein paar Tacken besser sind oder besser werden oder einfach nur eine kleine Freude machen wollt,
- 30:53ihr könnt uns unterstützen mit dem, was wir tun. Es sind hauptsächlich halt die Serverkosten,
- 31:00die halt ein Problem sind. Alles andere ergibt sich von selbst. Also schaut in die Kommentare,
- 31:12schaut in die Beschreibung oder auf der Webseite, da findet ihr alle Informationen,
- 31:18wie man unterstützen kann. Ich sage Dankeschön und bis zur nächsten Ausgabe. Tschüss, euer Sascha.
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