Latest / Rheinpegel - der Düsseldorf-Podcast / Aktuelles aus der Redaktion und Dorothee Krings über ihr Romandebüt 'Tage aus Glas"
Transcript
- Also mir geht es momentan ganz genauso wie euch allen sicher auch. Mir ist heiß. Und zwar wirklich nicht zu knapp. Und während ich mir die ganze Zeit den Kopf zerbreche, wie ich der Hitze noch entfliehen könnte, nachdem ich das Wochenende sehr schön und entspannt für einen Kurzurlaub in Kalkum genutzt habe. Ja, richtig gehört, in Kalkum, hier Ferien in der eigenen Stadt und so. Und sogar für einen Tag in Amsterdam war, da bilde ich mir ja ein, dass es wegen des ganzen was das nicht so schlimm ist, habe ich heute fast aus Versehen einen meiner Anti-Hitze-Tipps befolgt, den ich hier im letzten Jahr mal abgegeben habe. Ich war im Museum für ein Interview, das hört ihr dann bald hier. Und da ist mir wieder aufgefallen, dass man eigentlich ja fast alle Fliegen mit einer Klappe schlägt. Es ist kühl, man sieht schöne Kunst und hat dann danach noch was zum drüber nachdenken, wenn man mit einem kühlen Getränk irgendwo im Schatten sitzt. Und wenn man jetzt noch Eis mitnehmen dürfte, dann wäre es perfekt. Eis gab es dann aber danach in der Lokalredaktion. Danke nochmal dafür, wo ich mich mit Alexander Esch getroffen habe und über die drei präsentesten Themen der Woche gesprochen. Das Badeverbot im Rhein zieht ab dem 14.8., wie das alles vonstatten geht und umgesetzt werden soll. Das erzählt er, genau wie von den aktuellen Entwicklungen der Radleitroute, die jetzt langsam auch im Norden der Stadt ankommt. Außerdem berichtet er von dem dramatischen Autounfall am Düsseldorfer Stadtrand, bei dem zwei Jugendliche ums Leben gekommen sind. Dorothee Krings ist Redakteurin im Ressort Politik, Meinung und Analyse der Rheinischen Post, schreibt regelmäßig die Kolumne Gesellschaftsfragen und ist Romanautorin. Tage aus Glas heißt ihr Debüt. Anhand der Geschichte zweier Frauen, die im Umfeld der Gerrisheimer Glashütte ihren Alltag verbringen, befasst sie sich darin mit der Zeit des Generalstreiks Anfang des letzten Jahrhunderts. Über diese Geschichte und ihren Schreibprozess haben wir uns ausgetauscht. Und damit herzlich willkommen zum Rheinpegel. Ihr hört Folge 382 und der Rhein steht bei 1 Meter. Music. Hallo zum Rheinpegel, dem Podcast, in dem wir jede Woche darüber sprechen, was Düsseldorf bewegt, was die Bewohnerinnen und Bewohner umtreibt, kurz und gut, was geht. Mein Name ist Hossja Kormann und diese wirklich schöne Aufgabe darf ich übernehmen. Wenn ihr uns etwas mitteilen wollt, wenn ihr Themen habt, die euch unter den Nägeln und auf der Seele brennen, wenn ihr Veranstaltungen wisst, das sag ich nochmal, wenn ihr Veranstaltungen wisst, auf die wir hinweisen dürfen oder wenn ihr einfach mal irgendwas loswerden wollt, das könnt ihr gerne tun. Unter rheinpegel.podcast at rheinische-post.de oder 0160 80 80 844 erreicht ihr uns. Erreichen könnt ihr uns auch, wenn ihr was gewinnen wollt. Das Alturs Open Air Kino am Rhein fährt ja nun schon seit einiger Zeit die Leinwand allabendlich hoch. Und wir verlosen heute zweimal zwei Tickets für F1. Der läuft am 27. August. Wenn ihr mitmachen wollt, dann schreibt uns einfach unter podcasts at rheinische-post.de und mit ein wenig Glück hört ihr gegebenenfalls von uns. Auch in dieser Woche berichtet ein Kollege aus der Düsseldorfer Lokalredaktion von den für ihn drei präsentesten Themen der Woche. Diesmal ist es Alexander Esch. Wir sprechen über das Badeverbot, das ab dem 14.8. Im Rhein gilt. Wir sprechen darüber, wie schnell die Verordnung jetzt kam, was die Konsequenzen bei Nicht-Einheiten sind und ob es doch eine kleine Einschränkung gibt. Die Radleitroute ist ja schon länger ein Thema. Eigentlich sollte der Radweg durch das Stadtgebiet auch schon fertig oder zumindest viel weiter sein. Jetzt ist der Abschnitt rund um den Aquazur dran. Die Kaiserswerter Straße ist streckenweise gesperrt. Wir verraten, wo und wie lange. In der Nacht zum Sonntag kam es zwischen Urdenbach und Monheim zu einem tragischen Verkehrsunfall. Zwei Jugendliche sind dabei verstorben. Eine dritte Person schwebt derzeit weiter in Lebensgefahr. Alexander weiß mehr zu den Hintergründen und dem aktuellen Ermittlungsstand zur Unfallursache. Alexander Esch, long time now here. Ja, stimmt. Du warst im wohlverdienten Urlaub und jetzt bist du wieder da. Ja, und du hast mich auch nicht eingeladen in den letzten Wochen. Ich bin schon ein bisschen länger hier. Das müssen wir doch jetzt hier nicht so breit drücken. Aber jetzt bist du ja da. Wie fühlt es sich an hier in so einem klimatisierten Konferenzraum, wo du doch gerade noch das Meer um die Füße hattest und den Sand unter den Zähnen? Vertrieben aus dem Paradies. Das ist vielleicht jetzt schon eine ungewollt gute Überleitung zu einem der Themen, worüber wir heute sprechen. Du hast ja drei mitgebracht. Vertrieben vom Paradiesstrand werden jetzt auch Leute, beziehungsweise natürlich nicht vom Paradiesstrand, weil da darf man sich weiter aufhalten, aber was jetzt wirklich offiziell verboten ist, ist das Schwimmen im Rhein. Und wir haben darüber ja wirklich schon sehr viel gesprochen, du und ich, wir beide. Und jetzt ist soweit, wo wir ja auch gesagt haben, dass das vielleicht eine Konsequenz wäre, die fehlt noch. Genau, das ist natürlich ein Thema, was die letzten Tage sehr groß war. Erzähl. Ja, gilt jetzt ab Donnerstag. Bußgelder von bis zu 1000 Euro sind möglich. Da habe ich mich gefragt, gibt es was Vergleichbares, also ich weiß relativ gut, was alles, was man mit dem Auto im Straßenverkehr falsch machen kann, kostet, aber in was für einer Range ist das ungefähr? Mir fällt gerade kein Beispiel ein, aber das gibt es schon, dass vor allem diese Range halt relativ krass ist. Ich würde jetzt hier anfangen zu spekulieren, weil ich nicht hundertprozentig sicher bin, das würde ich lieber nicht tun, aber das gibt es schon. Man muss aber natürlich schon dazu sagen, dass das wahrscheinlich nicht jetzt bei der ersten Kontrolle, da ist einer mehr, sag ich schon, im Reinen und dann muss er 1000 Euro zahlen. Das wird wohl nicht so sein, sondern man kann schon davon ausgehen, dass erstmal auch eine mündliche Verwarnung möglicherweise ausgesprochen wird. Es kommt immer sehr auf das individuelle Verhalten dann derjenige Person auch an, was macht der wirklich gerade und wie verhält er sich dann auch nach der Ansprache oder so. Ja, aber es ist auf jeden Fall eine Summe, die es auch gibt. Also das ist jetzt nicht ein exorbitantes Bußgeld oder ein ganz simples, sondern es wird sich dann wahrscheinlich an irgendwas orientiert. Stimmt und diesen Vergleich, den habe ich jetzt schon auch zweimal aus dem Rathaus gehört zum Wildpinkeln. Dafür sind ja dann 180 Euro fällig, wenn man da erwischt wird inklusive Gebühren. Und also unter dieser Schwelle soll es schon nicht sein, sondern man will diesen Abschreckungseffekt schon sehr deutlich auch haben. Wenn man beim Schwimmen in den Rhein pinkelt, sind es dann 1180 Euro. Wahrscheinlich. Oder meinst du, das hebt sich dann auf? Gute Frage. Das mal beiseite, das war jetzt natürlich ein bisschen salopp, also dass dieses Badeverbot jetzt, kommt, beziehungsweise dann da ist, ja, es finde ich ein wichtiger Schritt, wie gesagt, wir haben da ja auch schon drüber gesprochen, es gab ja Pro und Contra, wie ist es jetzt dazu gekommen, dass es beschlossen wurde und dass es jetzt dann ja auch relativ schnell ging, weil letzte Woche haben wir auch schon darüber gesprochen, dass es irgendwie jetzt ansteht und jetzt wird durchgezogen. Genau, ja, also es gab ja vorher so ein bisschen, wie soll man sagen, Behörden-Mikado, wer sich zuerst bewegt hat, verloren ist, so der alte Witz, ja, Ja, die Stadt hat ja eigentlich die Zuständigkeit nicht bei sich selber gesehen, sondern beim Wasser- und Schifffahrtsamt des Bundes und die haben aber gesagt, nee, wir können nur die Schifffahrtsangelegenheiten regeln, das müsst ihr schon selber machen. Also ein ziemliches Hin und Her. Und am Ende hat dann das Innenministerium, das hat ein paar Wochen auch gedauert, nachdem die Stadt eigentlich schon gesagt hatte, dass sie das gerne hätte und diesen Appell auch veröffentlicht hat. Dann hat das Innenministerium gesagt, nee, sie würde auch keine Hürden sehen, dass die Stadt das eigentlich selber macht. Dann hat die Stadt sich auf den Weg gemacht und heute, also am Mittwoch zeichnen wir auf, sind die Verordnungen unterschrieben worden. Ja, wie geht das dann tatsächlich vonstatten, also da werden jetzt Unterschriften drunter gesetzt, jetzt gilt das ab morgen, das heißt, einen Tag später, genau und ab da stehen dann auch ab 7.30 Uhr Leute an den jeweiligen, es geht ja wahrscheinlich, das würde ich jetzt auch gerne wissen, wir haben ja auch schon darüber gesprochen, dass ja quasi die Gegenstimmen, sage ich jetzt mal ganz groß gegen dieses Badeverbot ja auch immer verargumentiert haben, dass ja der Rhein irgendwie hier 47 Kilometer lang ist. 42. 42, Verzeihung. Und genau, auch nicht überall zugänglich. Also wie soll man das jetzt eigentlich alles kontrollieren? Es wird sich doch jetzt wahrscheinlich ein bisschen erstmal konzentriert auf die Spots, die so die Hotspots im wahrsten Sinne des Wortes sind. Davon ist auszugehen, genau. Und es gab ja einen sehr breiten politischen Rückhalt für diese Entscheidung, außer der FDP, die dagegen war. Und die hat ja zum Beispiel auch als Gegenargument angeführt, man könne das nicht kontrollieren. Das finde ich nicht schlüssig, das Argument, im Hinblick darauf, dass wir ganz viele Regeln haben, die wir nicht komplett hundertprozentig zu jeder Zeit kontrollieren können. Das ist auch im Straßenverkehr so, wenn einer bei Rot über die Ampel geht, trotzdem ist die rote Ampel oder überhaupt die Ampel sinnvoll. Und so ist das hier auch und der OSD wird dann letztendlich, ich weiß nicht, wie bei der Leinenpflicht oder so, wenn eine Kontrolle irgendwo im Park stattfindet, dann wird halt eben auch mal die Leinenpflicht kontrolliert, aber ganz viele Hundehalter halten sich nicht dran und werden auch nicht permanent belangt, kann man auch nicht flächendeckend kontrollieren. Also das finde ich nicht schlüssig. Und so wird es dann sein, wie du es beschrieben hast. Du wirst dann vor allem jetzt natürlich an den heißen Tagen und man darf schon davon ausgehen, dass so am ersten Tag oder vielleicht dann am zweiten Tag dann auch diese Kontrollen stattfinden und am Paradiesstrand in Hamm oder... In Himmelgeist, ja. Also da kann man schon damit rechnen, dass mal so eine Streife vorbeikommt. Und ich habe jetzt gerade noch mit der Wasserschutzpolizei gesprochen oder mit der Polizei in Duisburg, da ist die Wasserschutzpolizei in NRW zugehörig, dass die das auch unterstützen werden. Also man kann dann schon damit rechnen, dass auch so ein Polizeiboot dann mal vorbeikommt und eine Anweisung erteilt. Wie lang ist so eine Kulanzzeit, weil wir bekommen das natürlich jetzt mit schon qua Beruf, aber auch weil wir uns vielleicht dafür interessieren, also dass jetzt dieses Verbot da ist. Das wird natürlich kommuniziert in den Medien und so, aber wenn ich jetzt morgen schwimme und ich habe das noch nicht mitbekommen, also wie kann ich mich da irgendwie rausreden oder ist das, also weißt du was ich meine? Also wie lange oder wie lange rechnet man damit, dass das wirklich alle auch wissen? Es geht jetzt nicht darum, dass man sagt, ach so, nee, du wusstest das nicht, dann schwimm weiter oder dann kriegst du keine Strafe. Aber also wie, ja, oder anders gefragt, wie ist die Idee, das so zu kommunizieren, dass das auch wirklich überall ankommt? Vielleicht bei Menschen, die Medien nicht konsumieren oder keinen Zugang haben oder so. Also über die sozialen Medien habe ich es, alle Medien berichten natürlich heute darüber, auch die Stadt selber in den sozialen Medien und so, das war schon sehr präsent, fand ich, es wird bestimmt auch dann, das weiß ich jetzt gar nicht genau, aber da ist ja von auszugehen, dass die Schilder auch erneuert werden müssen nochmal, also das wirklich mit Schildern an den Stränden darauf hingewiesen wird, vielleicht ist das auch so ein Zeitpunkt. Und ich glaube, es gibt da keinen Zeitpunkt am Ende, dass wir jetzt sagen, eine Woche und danach sind wir dann strikt. Also ich glaube, das kommt sehr auf die Einzelfälle auch am Anfang an. Und vielleicht auch, wenn man dann beim ersten Mal eine Verhandlung ausgesprochen hat und kommt 20 Minuten auf dem Rückweg wieder vorbei und der ist wieder drin, kann ich mir auch vorstellen, dass am ersten Tag auch schon dann ein Bußgeld fällig wird. Also es kommt wirklich, glaube ich, auf die Situation an. Aber natürlich, am Anfang wird man wahrscheinlich da ein bisschen nachsichtiger noch sein. Und ich finde, Verbot hört sich ja auch immer direkt so nach... Grimmig und hart und so an. Also es geht ja auch wahrscheinlich darum, jetzt mit mehr Kontrollen auch noch mehr aufzuklären. Also es geht ja jetzt nicht nur darum, dann zu schimpfen oder zu... Nee, die Idee ist eigentlich, die Leute gehen jetzt mal wirklich nicht mehr da rein oder zumindest deutlich seltener, weil, und das ist natürlich ein wichtiger Punkt auch bei diesem Verbot, man kann es ja fast nicht erklären, warum das jetzt gefährlich sein soll, aber ich trotzdem rein darf. Das ist ja irgendwie ein Widerspruch. Und den hat man jetzt versucht als Stadt aufzulösen. Das finde ich auch nachvollziehbar. Ja, dass das so ein bisschen eindimensionaler wird in dem Fall, finde ich. Genau, es ist verboten. Man kann es besser erklären. Man versteht es glaube ich auch besser selber, okay, wenn das jetzt wirklich verboten ist, dann ist das vielleicht nochmal doch ein Schritt näher der vielleicht Erkenntnisverstand ist. Im Zuge der Berichterstattung, ich meine, du bekommst ja auch immer wieder Nachricht von Leserinnen und Lesern und hörst ja auch viel. Hast du das Gefühl, das ist was, was auch dann jetzt dann auch langsam mal eingesehen und angenommen wird oder hört man jetzt dann schon, ja dann gehe ich jetzt erst recht nochmal rein oder hast du das Gefühl, es wappnen sich jetzt schon Leute für Diskussionen? Ja, habe ich natürlich nicht repräsentativ, kann ich das nicht sagen, aber wenn ich jetzt so auch die Kommentare in den sozialen Medien unter unserer Berichterstattung auch sehe oder auch bei uns, dann gibt es da schon viele, die das sehr befürworten und sagen, endlich. Also es zeichnet sich auf gar keinen Fall irgendwie ein Shitstorm ab oder so dagegen. Es gibt natürlich schon die, die sagen, ja, kann man nicht kontrollieren oder ich will mir hier meine Freiheit nicht nehmen lassen und so. Ja, aber so eine richtig große Empörung dagegen nehme ich jetzt nicht wahr. Ja, und zuletzt, bevor wir ja dann jetzt zu den anderen beiden Themen kommen, das ist ja jetzt auch relativ nah an der Kommunalwahl und auch natürlich jetzt im Wahlkampf, wir haben ja letzte Woche hier auch darüber gesprochen, dass ja jetzt die Wahlplakate hängen und das wird jetzt alles noch ein bisschen präsenter und so. Ist das auch ein Thema, was dann jetzt noch weiter genutzt wird? Weil um dieses Verbot rum, ich sehe es, es werden ja Sachen passieren. Wir werden ja weiter auch berichten, wie die Leute sich verhalten, wie viele vergehen dann vielleicht in den ersten Wochen und Tagen. Ist das was, was jetzt auch in diesem Wahlkampf dann weiter präsent wird? Oder ist das jetzt, das Verbot ist unterschrieben, weiter geht's? Ja, es gab jetzt noch mal eine Stimme dazu. Auch Fabian Zachel, der OB-Kandidat der SPD, sagt, das hat die Stadt nicht schnell genug umgesetzt. Aber ich glaube, damit hat es sich erledigt. Die Unterstützung war sehr breit. Was wir, glaube ich, noch nicht gesagt haben, ist, was ist denn jetzt eigentlich genau verboten? Was ist denn jetzt genau verboten, Alexander? Also man darf weiterhin, wenn man das so umgangssprachlich sagen darf, nur mit den Füßen, darf man weiterhin im Rheinstein künftig. Erst hieß es ja, das soll doch ein ganz komplettes Betretungsverbot sein. Aber das ist nicht der Fall. Sondern bis zu den Knöcheln geht es. Bis zu den Knöcheln geht es. Okay, das ist natürlich... Immerhin. Immerhin? Ich finde das irgendwie so ganz nachvollziehbar. Ja, es ist ein Anfang, ein erster Schritt, dann in dem Fall vielleicht bis zu den Knöcheln immer noch in den Reihen, aber dann wird sich ja hoffentlich auch wirklich verändern, dass da so viel passiert wie in den letzten Monaten. Ja, ich finde das wirklich spannend zu sehen. Ich kann das nicht so richtig vorhersagen, welchen Effekt das jetzt ganz praktisch haben wird. Ja, wir bleiben weiter dran und reden ganz sicher bald wieder darüber. Das zweite Thema, über das wir sprechen, ist unsere heißgeliebte Radleitroute und die, naja…, Die kommt und entwickelt sich weiter und wird immer ein Stückchen länger. Ich bin letztens mit dem Fahrrad gefahren Richtung Kaiserswerth und dann wollte ich wie immer, wenn ich Zeitdruck habe und nicht am wunderschönen Rhein langfahre über den Deich in Lohausen, einfach Reserplatz, Aquazoo. Und da konnte ich auf einmal nicht mehr weiterfahren, weil ich habe offenbar nicht mitbekommen, dass da gerade was gebaut wird und dementsprechend die Strecke gesperrt ist. Die Radleitroute ist nach Goldsheim vorgedrungen. Genau, ja, also zumindest wird da jetzt auch mal gebaut. Das ist ja nicht so richtig durchgängig, wie da jetzt gebaut wird, sondern man hat ja ganz im Süden angefangen, am südlichsten Stück, Landtag. Von da aus dann nach Süden vordringend. Und jetzt fängt man eben, das ist eigentlich der nördlichste Abschnitt und fängt eben auch dann, fängt jetzt da an, was du beschrieben hast, quasi am Aquazoo, ist jetzt die Baustelle auf der gegenüberliegenden Seite und dann Richtung Norden. Ja, und da ist jetzt wie lange was gesperrt, also nur, dass man das mal jetzt hier hört. Hat ich nicht genau im Kopf, ein paar Wochen dauert das schon, wenn jetzt da die Fahrradwege aufgerissen werden. Ja, das fängt ja schon an, Riesaplatz, also man kommt von der Töder Heusbrücke und da an dieser großen Kreuzung, wo das Bütchen ist, da kann man quasi nicht mehr wie bislang auf dem Fahrrad- beziehungsweise Fußweg fahren. Ja, das dauert ein paar Wochen, aber ich habe das genaue Datum nicht im Kopf. Es hat ja auch da jetzt ein bisschen gedauert, aber das hat einfach gedauert, weil es dauert. Da war jetzt nichts Besonderes mit... Da ist ja dieses alte Kopfsteinpflaster, ich frage mich halt, da ist ja eh alles auch so ein bisschen denkmalschutziger noch anders unterwegs, gerade Aquazoo, der Vorplatz. Das soll auch so bleiben, weil es auch einen Denkmalschutz gibt für diese Straße, soll das Kopfsteinpflaster bleiben und selbst wenn da so Spurrillen drin sind oder so, hatte der Verkehrsdezernent jetzt auch nochmal bei Presseterminen auch gesagt, dass das eigentlich ja auch schön ist und auch so bleiben soll. Es wird jetzt nur dafür gesorgt, dass eben da ein 2,30 Meter, glaube ich, breiter Radweg hinkommt und somit eben auch Radfahrer da besser langfahren können. Ja und es ist schön zu sehen, dass da auch was passiert jetzt auf jeden Fall. Auch gerade im Süden ist man jetzt auch weiter vorgedrungen vom Landtag über dann Stadttor, geht es jetzt weiter Vöcklicher Straße, aber wenn man nochmal zurückblickt, das sollte natürlich eigentlich schon lange fertig sein, die ganze Route und da ist man doch noch ein Stück von weg, jetzt heißt es Ende 26 könnte die vielleicht mal ganz fertig sein, dabei sind zentrale Stellen auch noch nicht richtig überlegt, Cecilienallee zum Beispiel, das ist ja so dieser Teil mittendrin und da heißt es jetzt, ja das wäre ja eine gute Lösung, wenn man da über die Rampe an der Oberkasseler Brücke da unten übers Ufer fährt. Das ist ja da so vorgesehen, aber da fährt man ja wirklich über einen Parkplatz und über Fußgänger durch. Und wenn OB Keller jetzt hier beim Pressetermin sagt, da steht ein Premiumprodukt, eine völlig neue Art des Radfahren soll da möglich sein, dann doch bitte nicht auf dem Parkplatz, sondern da muss man eine Lösung anders jetzt hier neben oben finden, vor allem, dass es auch die direkteste Strecke ist. Ich fahre da immer über die Schotterpiste, weil es einfach der kürzeste Weg ist. Da müsste doch da eigentlich was möglich sein. Aber das ist wirklich noch offener und sie wollen das sich am Ende nochmal angucken. Das war jetzt so die Aussage. Das fand ich ein bisschen enttäuschend. Zur Arena hin, da ist man dann schon klarer, da wird ja eine Spur quasi zur Arena hin dann wegfallen für den Radverkehr. Also quasi neben dem bestehenden kleinen Radweg auf diesem Bürgersteig, wenn man mal will. Da sind diese ganzen Wurzeln und so, also der ist auch echt nicht so gut zu fahren. Und Rheinuferpromenade ist natürlich eine ganz gute Verbindung schon. Trotzdem, vielleicht wäre das nochmal anders zu markieren, auch über den Burgplatz hinweg. Wenn das jetzt wirklich unsere erste Radleitroute ist, mit all diesen Versprechen, sollte man schon auch vielleicht gucken, dass man das Versprechen auch dann an Zentralenstellen in der Stadt noch irgendwie versucht zu halten. Ja, ich meine Ende 26 ist jetzt auch, die Zeit vergeht ja wirklich wie im Flug. Also es ist ja schneller da, als man denkt. Aber es dauert, naja. Ich meine, wir haben ja schon wieder August. Es ist fast Oktober und dann ist Weihnachten. Also ich finde, es geht schon sehr schnell im Moment. Aber genau, es dauert trotzdem seine Zeit und nur, dass ihr es da draußen alle auch schon mal gehört habt, also Kaiserswerter Straße kann man gerade nicht befahren. Und das wird auch noch ein bisschen dauern. Also ich finde, das ist schon ein Einschnitt. Auf der Straße durch dieses Kopfsteinpflaster und so ist es eh so ein bisschen rappelig. Ich bin da eigentlich nicht so mein Viertel, aber als ich zum Pressetermin da hingefahren bin, dann stand ich auch plötzlich vor diesem Verbotsschild und wie geht es jetzt weiter, kann ich verstehen. Freilich Radplatz da ein Stück weiter, das wird natürlich nochmal extrem spannend, weil das ist ja auch gerade vom ADFC zum Topflop des Stadtbezirks gewählt worden, weil man muss ja dadurch die Drängelgitter durch und so über diese Bahnübergänge. Es ist ja wirklich sehr schwierig und ein Riesenverkehrsknoten. Aber da ist die Planung fertig. Und das klingt wirklich aus Fahrradfahrersicht sehr gut. Da entsteht quasi neben dem Autoverkehr eine Spur, wo man dann quasi einmal so um den Platz rumkommt. Und den Platz holen die da von Taxispur, Mittelinsel, irgendwoher. Also das, glaube ich, wird wirklich ein Fortschritt dann auch. Also insgesamt ist das ja auch eine gute Idee, diese Radleitrouten. Und man hätte sie sich einfach ein bisschen schneller gewünscht. Ja, aber alle sind dran, alle sind dran. Es gibt noch ein Thema, an dem wir in dieser Woche nicht vorbeikommen und da gibt es jetzt auch irgendwie keine Überleitung oder so, deswegen eine kleine Zäsur. In Odenbach gab es einen Autounfall. In Monheim, genauer eigentlich, ganz kurz vor der Stadtgrenze. Düsseldorf, auch auf dem Weg nach Düsseldorf ist ein schrecklicher Unfall passiert mit Folgen, wie ich sie jetzt auch gar nicht so im Kopf habe, dass es das mal gab, so in den letzten 10, 15 Jahren in Düsseldorf, weil wirklich ja letztendlich vor allem Minderjährige jetzt auch betroffen waren. Ein 18-Jähriger am Steuer, der da auch einen Führerschein hatte und so weiter, hat sich herausgestellt, aber mit zwei Todesopfern, 15-Jähriger, der gestorben ist, eine 17-Jährige, die gestorben ist, noch am Unfallort. Immer noch liegt eine Person im Koma. Zwei sind Gott sei Dank außer Lebensgefahr, also ja voll besetzt mit so einem, sehr schnellen BMW da aus der Rechtskurve getragen worden und ja, das ist wirklich sehr, sehr tragisch gewesen oder Oder er ist sehr, sehr tragisch und man fehlen einem fast die Worte. Ich hatte Sonntagsdienst und da hieß es noch, der Unfall wäre in Düsseldorf gewesen. Deswegen habe ich dann die Polizei angerufen und dann erst diese Schilderung gehört, was da jetzt genau passiert ist mit all diesen Folgen. Das ist dann auch so was, wo man trotz aller Routinen, die man ja schon auch entwickelt, aber das hat mich doch sehr getroffen. Auch jetzt, als ich dann im Nachhinein gelesen habe, wie sich dann die Mutter eines Opfers auch nochmal geäußert hat und so. Also da kommen einem wirklich fast die Tränen. Vielen Dank, dass du uns diese drei Themen ein wenig näher gebracht hast. Sehr gerne. Auch wenn das ein bisschen ein sehr trauriger Ausstieg ist. Das stimmt. Wir hören uns bald wieder. Das machen wir. Tschüss. Tschüss. Music. Meine liebe Kollegin Dorothee Krings schreibt nicht nur im Ressort Politik, Meinung und Analyse und verfasst die Kolumne Gesellschaftsfragen hier bei der RP, sie ist auch Romanautorin. In ihrem Debüt Tage aus Glas blickt sie auf die Zeit des großen Arbeiterstreiks von 1901. Anhand der Lebensgeschichte zweier Frauen, die ihre Tage im Umfeld der Gerrisheimer Glashütte verbringen, erzählt sie von Entscheidungen, Hoffnungen, Wünschen und Träumen. Mit mir hat sie über die Geschichte gesprochen, über verschiedene Lebensrealitäten und darüber, warum heute alles anders und doch irgendwie sehr ähnlich ist. Ich bin wieder mal on Tour. Ich habe ja jetzt die letzten Wochen eigentlich hauptsächlich in der Lokalredaktion im Konferenzraum verbracht und da mit Kolleginnen und Kollegen über Themen gesprochen, die diese Stadt bewegen. Heute bin ich in der Zentralbibliothek am Hauptbahnhof und mir gegenüber, ums Eck quasi gegenüber, sitzt Dorothee Krings. Hallo. Hallo. Es freut mich sehr, dich, naja, ich mache ja immer so, dass ich den Ort, an dem ich gerade bin, erkläre ich zu meinem persönlichen Podcaststudio, also ich freue mich, dass ich dich hier in meinem persönlichen Podcaststudio ein wenig über den oder parallel zu den Dächern der Stadt begrüßen darf. Und... Wir reden ja in diesem Podcast eigentlich fast immer über aktuelle Themen, die diese Stadt betreffen, bewegen, die irgendwie resonieren mit den Bewohnerinnen und Bewohnern und heute, finde ich ganz spannend, sprechen wir und das ist mir gerade, als ich hier hochgegangen bin, aufgefallen, an einem Ort, an dem sich auch Welten und Zeiten berühren irgendwie. Also hier der Hauptbahnhof, da gehen Leute ein und aus, gehen durch, reisen Abkommen an oder verbringen ganze Tage und Nächte hier. Sprechen wir heute über ein Thema, was sich auch berührt. Ein Düsseldorf-basiertes Thema, aber aus einer anderen Zeit. Und bevor ich jetzt hier wieder 14 Minuten Anmoderation abreiße. Du hast ein Buch geschrieben, Tage aus Glas. Ich möchte noch kurz voranstellen, damit wir hier auch völlig transparent sind. Du bist auch Redakteurin, leitende Redakteurin für Politik und Meinung für die Ressource bei der Rheinischen Post. Deswegen bleiben wir sogar auch ein bisschen in unserem Kosmos. Und das Thema, über das du geschrieben hast, über das dein Debüt-Roman geht, ist auch tatsächlich eins, was aktuell immer mal die Stadt beschäftigt, das Glasmacherviertel in Gerresheim. So, und jetzt überlasse ich dir das Mikrofon, die auditive Bühne. Und du darfst vielleicht mal ganz kurz sagen, genau, Tage aus Glas, was bedeutet das? Ja, der Titel, der ist schon eine Metapher für das ganze Buch. Tage aus Glas, das klingt für mich ja brüchig. Ich hoffe, dass das auch bei den Lesern, Käufern so ankommt. Also es sind brüchige Zeiten, in denen der Roman spielt, 1901. Das war das große Krisenjahr in der deutschen Glasindustrie. Da gab es einen Generalstreik an den wichtigsten Glashütten im gesamten Kaiserreich damals. Und dieser Streik hat auch die Glashütte in Gerresheim erfasst. Ein damals riesiges Werk, das wissen viele Düsseldorfer gar nicht. Gerresheimer Glashütte hat 1907... Um die 150 Millionen Flaschen in die ganze Welt exportiert. Das waren Weltunternehmen, genau. Das ist so ein Punkt, das ist vielen Düsseldorfer nicht bewusst. Die kennen noch dieses gekrönte G, das Firmenzeichen von Gerricks, das ist in Einmachglasdeckeln obendrin oder in Flaschen. Wenn ich das erwähne, dann sagen so mindestens die Leute in Düsseldorf, ach ja, ach ja, das. Aber das ist sozusagen der eine Punkt, dass ich diese Fabrik ein bisschen wertschätzen wollte und ins Gedächtnis zurückholen wollte mit diesem Roman. Und das andere ist eben das Brüchige, dieser Streik, der hatte extreme Folgen für die Fabrik natürlich. Also die Produktion ist fast in die Knie gegangen, die wurde aber durch Arbeiter aus anderen Regionen aufgefangen. Also die Fabrik hat nicht wirklich den Betrieb eingestellt durch den Streik. Aber für die Arbeiter hatte das enorme Folgen. Die haben nämlich zu der Zeit in Werkswohnungen gewohnt. Und in dem Moment, wo sie gestreikt haben, haben sie das Recht verloren, in diesen Wohnungen zu leben. Und als ich das gehört habe, habe ich gedacht, das ist ja für die Arbeiter schon ganz schrecklich, aber vor allen Dingen für die Familien, für die Frauen, was bedeutet das für die und da hat es bei mir so Klick gemacht und ich habe gedacht, oh, eine Streikgeschichte, die im Rheinland spielt, nicht im Ruhrgebiet, also das ist schon ungewöhnlich und wie wäre es denn mal so eine Streikgeschichte aus weiblicher Perspektive zu erzählen und so habe ich mich an die Arbeit gemacht. Ich verstehe, das wäre natürlich nämlich auch eine meiner Fragen, wie du natürlich bist du hier mit Düsseldorf verbandelt qua deines Berufes schon und bekommst natürlich da auch viele Dinge mit. Aber genau, warum ausgerechnet dieses Glasmacherviertel, warum ausgerechnet dieses Thema? Und das verstehe ich jetzt ein bisschen besser. Und tatsächlich finde ich das nämlich auch, also ich bin ja hier aufgewachsen in Goldsheim, also ein anderes Viertel mit G und irgendwie auch am anderen Ende der Stadt. Und trotzdem kenne ich natürlich das gekrönte G als Emblem, aber auch irgendwie das Glasmacherviertel, die Brachfläche, beziehungsweise die Siedlung drumherum ist ja noch da und auch bewohnt. Ich hatte da nämlich Bekannte, die da tatsächlich gewohnt haben. Genau, in Teilen. Also es ist nicht mehr so groß, wie es damals war, aber man hat einen sehr guten Eindruck, wie diese Häuschen ausgesehen haben, wo ja extrem kinderreiche Familien drin gelebt haben. Also auch jetzt sind das schöne Häuser, in denen dann vier Familien wohnen. Damals lebten da sechs Familien, aber mit zehn Kindern und so. Das ist wahr. Genau und das finde ich nämlich auch spannend, weil du das schon gesagt hast mit dem Ruhrgebiet, dass da irgendwie viel Industrie war und ja auch ist und irgendwie auch Menschen von überall dann hergekommen sind und so. Wie war das denn hier? Hat sich diese, also weil ich meine 150 Millionen Flaschen müssen ja auch erstmal geblasen werden. Die wurden ja alle, also es gab ja einfach... Genau, mit Körperkraft, mit der Puste aus dem Körper gepustet. Also wie hat sich diese Fabrik selber gefüttert sozusagen? Also waren das alles Menschen von hier oder fing es da schon an, dass von überall her irgendwie Leute kamen? Es war ein globales Unternehmen im total heutigen Sinne, auch was die Mitarbeiter angeht. Also erstens wurde die Fabrik dort, also in Gerrisham hat sich der Gründer Ferdinand Haie niedergelassen wegen des Eisenbahnanschlusses. Also man konnte die Rohstoffe, das Sand, Soda, Kalk braucht man, um Glas herzustellen, konnte man über diese Eisenbahnschienen nach Gerrisham bekommen und man konnte seine Flaschen exportieren. Also wenn ich sage globales Unternehmen, die haben nach Südamerika, Nordamerika, Kanada exportiert und das ging über den Rheinhafen auf den Rhein, nach Rotterdam, von da nach Übersee und in die andere Richtung auch. Weinflaschen wurden auch produziert, das heißt der Rheingau, die Mosel, das war auch alles erreichbar über den Rhein. Also diese beiden Adern, die Eisenbahn, die Eisenbahnlinie von Düsseldorf nach Wuppertal, ganz frühe Linie und der Rhein, das waren Argumente, warum die Fabrik sich da niedergelassen hat. Und deine Frage war nach den Arbeitern, auch die kamen von überall her, um die Zeit ganz viel östlich der Elbe. Also der größte Anteil der Arbeiter kam aus diesen Gebieten, aus dem Osten. Die italienischen Arbeiter, die man so verbindet mit Gerrisheim, die kamen erst später. Aber zu der Zeit waren es vor allen Dingen östliche Menschen. Und sehr interessant ist ja, dass die einen eigenen Dialekt auch geprägt haben. Das spielt in meinem Roman keine große Rolle, weil das dann schwer zu lesen ist. Aber es gibt das Hötterblatt. Das ist ein Dialekt, der sich gemischt hat aus dem rheinischen Dialekt mit all den Herkunftssprachen der Menschen, die an dieser Fabrik gearbeitet haben. Und daraus hat sich ein ganz eigener Dialekt gegründet, der auch wissenschaftlich untersucht wird, aber heute als ausgestorben gilt, weil ihnen keiner mehr spricht. Weil da ja auch niemand mehr arbeitet. Genau. Aber es gibt ein Buch, was in Hötter Platt geschrieben ist. Das sind so Anekdoten, sehr hübsche, aus dem Leben der Glasmacher. Und das habe ich gelesen auf Hötter Platt. Und ich komme gebürtig aus Mönchengladbach, habe aber von meinen Eltern, Großeltern noch das Gladbacher Platt im Ohr. Ich kann das leider nicht sprechen, aber sehr gut verstehen. Und ich habe mir das Hötter Platt laut vorgelesen in diesem Buch und dann habe ich es auch verstanden. Ja, das finde ich aber mit so, wie nennt man das, Dialekten oder Platt. Wie nennt man das denn mit Platten? Mit Plätschen? Ja, rheinisches Platt und nordisches Platt und so plattisch. Aber das finde ich immer spannend, wenn man dann tatsächlich das laut macht, dass man da wirklich manche Worte versteht oder wiedererkennt. Das ist ganz toll, finde ich, weil da auch so Geschichte drin konserviert ist. Das ist fast, wie man in so einem Stein irgendwelche abgelagerten Muscheln findet oder so. So ist in der Sprache da was abgelagert. Ja, das finde ich auch. Ich finde sowieso Sprache da, ich meine, da kann man wahrscheinlich ganze Podcast-Reihen drüber machen, wie das verbindet, wie es unterscheidet, was das alles bedeutet und so. Jetzt ist ja genau, wie ich gerade schon ein bisschen in der Anmoderation versucht habe zu verbinden, also das Glasmacher-Viertel gerade liegt brach. 2005 war da Sense, wir haben jetzt Juli, das war im August, also fast 20 Jahre her, genauso wie mein Abitur übrigens. Und dann fing ja auch bald irgendwie der Abriss an und jetzt ist ja groß in Diskussion, genau, was passiert da, Wohnraum fehlt, kann das da irgendwie gebaut werden? Ich habe das Gefühl, es werden sich so ein bisschen die Verantwortungen hin und her geschoben oder auch nicht. Das soll jetzt gar nicht das Thema sein. Ich habe mich gefragt und jetzt…, Steigen wir direkt voll ins Gespräch. Ich habe nämlich tausende Fragen drumherum. Du hast jetzt über dieses Viertel geschrieben und das ja dementsprechend wahrscheinlich auch öfter besucht oder war es da oder hast dich natürlich damit beschäftigt, weil so ein Roman schreibt sich ja auch nicht in sieben Wochen oder neun Monaten. Genau, es dauert ja eine ganze Weile, du trägst das ja auch mit dir rum, also du trägst ja das Glasmacherviertel quasi wahrscheinlich jetzt auch irgendwie bei dir und ich möchte auch gleich natürlich dann auf das Personal in diesem Buch hinaus und wie dich das begleitet. Aber jetzt kriegst du diese aktuelle Entwicklung mit und schreibst aber ja über eine Zeit vor 125 Jahren, was ja schon eine Weile her ist, wo sich da auch was getan hat, aber natürlich in ganz anderer Hinsicht und musst ja quasi in diese Leute, in diese Entwicklung auch ein bisschen Hoffnung vielleicht reinschreiben oder ein bisschen, die wissen ja noch nicht, was passiert im Gegensatz zu dir. Also du siehst ja, es liegt brach. Ist das ein komisches Gefühl? Also das frage ich mich bei so historisch fundierten Geschichten immer, wenn sich diese beiden Sachen berühren. Ja, man ist natürlich ein bisschen schlauer. Als Zeitgenosse weiß man, wie das Ganze ausgegangen ist, auch wie dieser Streik ausgegangen ist. Der ist nämlich bitter verloren gegangen. Und natürlich musste ich am Anfang des Romans mich da hineindenken, dass die Arbeiter ja davon ausgegangen sind, da gewinnen zu können. Und mit großem Enthusiasmus und solidarischen Gedanken in diesen Streik hineingegangen sind. Das fällt mir aber nicht schwer, weil man ja immer so ein bisschen über die Motivationslage seiner Figur nachdenkt und dann rutsche ich da so rein, dann ist das für mich wie ein Film. Den ich so in mir drin erlebe sozusagen. Ich bin witzigerweise in den noch stehenden Gebäuden erst nach Vollendung des Romans drin gewesen. Extra oder war das? Nee, ich hatte vorher die Möglichkeit nicht und es war mir auch nicht so dringlich. Ich wollte jetzt nicht, weil das ist genau, wie du das beschreibst, das sind ja jetzt Ruinen und ich habe gedacht, was nützt mir das, in Ruinen zu stehen und dann sind diese Bilder sehr stark in meinem Kopf, Aber ich möchte mir den historischen Ort lieber vorstellen. Und ich wollte mir die Bilder in meinem Kopf noch nicht kaputt machen. Ja, das kann ich verstehen. Während ich geschrieben habe, habe ich es mir ausgedacht. Oder ich habe sehr, sehr viele historische Fotos angeschaut. Das ist auch eine tolle Arbeit. Ich kann mir jetzt nicht vorstellen, zum Beispiel über das Mittelalter zu schreiben. Wo man gar kein Fotomaterial mehr hat. Ich brauche Fotos. Ich brauche diese Archivalien, die nicht ganz so alt sind. Aber als ich dann jetzt vor ein paar Monaten erst in den Fabrikgebäuden war, da war es dann dieser witzige Effekt, dass ich dachte, oh, das ist, als ob das gerade hier noch in Betrieb gewesen sei. Und so ein bisschen, als ob ich jetzt in die Kulisse meines Romans hineingehe. Das war ein ganz toller Moment, den man dann natürlich auch nur einmal haben kann. Aber ja, das war auch spannend, da mal reinzukommen. Ja, das glaube ich. Also, wie gesagt, ich finde das immer so, ja, ich stelle mir sehr fingerspitzig vor, auch genau wie viel von dem Wissen, was man jetzt hat, von den Erfahrungen, aber natürlich auch, wie entscheidet man sich für so eine, da sind wir wieder bei Sprache, also wie modern kann so eine Sprache sein. Weil ich habe mir irgendwann, ich weiß gar nicht mehr, welches Buch das war, ich glaube Till von Kehlmann, da ist mir aufgefallen, dass, wenn man nicht weiß, wann das spielt, kann es immer spielen. Oder mein absolutes Lieblingsbuch, seit ich zwölf bin, ist die Mitte der Welt. Und da war es auch, also das ist ein Roman, so ein Coming-of-Age-Roman. Da ist es auch, wenn man nicht weiß, in welcher Zeit es spielt, es wird nie so richtig erwähnt, kann das immer sein, weil die Sprache quasi fast universell ist oder zeitlos. Und das ist mir dann bei Till irgendwie aufgefallen, also ich möchte jetzt hier keine Bücher miteinander vergleichen, aber. Und wir sind ja immer, also Menschen sind immer Menschen und vielleicht verändert sich die Art und Weise, wie wir uns ausdrücken, aber am Ende geht es ja um dieselben Themen, da kommen wir ja jetzt auch gleich drauf. Aber auch benutzen wir ja dieselben Wörter, also wie ist das zu, weißt du, was ich meine? Ich finde das halt spannend, wenn man keinen Roman schreibt, der halt heute spielt. Genau. Also natürlich, ich glaube nicht, dass wir genau die gleiche Sprache benutzen, weil das ist mir auch aufgefallen. Ich habe Tagebücher gelesen, Briefe aus der Zeit und so, das war schon eine andere Sprache. Aber ich fände es komisch, jetzt so künstlich mir diese Sprache irgendwie anzueignen und dann so zu schreiben. Das würde irgendwie gestrig wirken und auch ein bisschen unehrlich. Das ist so ein bisschen wie wenn man Kulissen nachbaut und sagt, das ist historisch. Ich glaube, es geht, also was zeitlos ist, sind die Konflikte und die Träume. Das ist mir stark klar geworden. Ich habe mich am Anfang hingesetzt und überlegt, eine Frau 1901, was konnte die für Träume haben? Eine Arbeiterin. Es gibt bei mir ja zwei Hauptfiguren. Also die eine ist Arbeiterin, die andere kommt aus der bürgerlichen, gehobenen Schicht. Und ich habe für beide Frauen überlegt, was konnte deren Horizont sein? Und da habe ich mich immer weiter dahin vorgewagt zu denken, die waren nicht so anders als unsere Träume. Ich glaube, das ist relativ universell oder da ist man auch unfair, wenn man Frauen früherer Zeiten unterstellt, die fanden das alles super, wie sie gelebt haben, die haben gar nicht geträumt. Das ist so ein bisschen so eine Annahme, die man manchmal hat. Das war halt eine Arbeiterin, was soll die sich denn gewünscht haben? Also das habe ich selber gelernt beim Schreiben, immer weiterzugehen in den Vorstellungen, die Frauen haben konnten. Auch durch die Briefe, die ich gelesen habe von Frauen, die alleine nach Amerika ausgewandert sind zu der Zeit, Dienstmädchen wurden und so, die gab es. Also auch das war für mich eine Überraschung, wie viele Frauen das alleine gewagt haben zu der Zeit. Und wenn man deren Briefe liest, dann sieht man auch, natürlich haben die was gewollt. Sonst wären die nicht auf diese schlimmen Schiffe gestiegen und hätten es versucht auszuwandern. Jetzt habe ich den Faden verloren. Wie sind wir da hingekommen? Über die zeitlose Sprache quasi. Die Sprache war sicher nicht zeitlos, aber ich wollte sie nicht imitieren. Das hätte ich künstlich und auch anstrengend gefunden. Also ich glaube, man möchte auch nicht lesen in dem Stil. Was ich aber wohl versucht habe, sprachlich zu markieren, sind die unterschiedlichen sozialen Schichten, aus denen die beiden Frauen kommen. Also die Bille, das ist die Glasmacher-Tochter, die spricht und redet anders als die Leonie, die die Tochter des Werksarztes auf dem Hüttengelände ist. Das wollte ich schon markieren, aber auch ohne da zu platt und zu offensichtlich zu werden. Also nah an der wahrscheinlichen Realität, die man sich wahrscheinlich durch die Briefe, also die du gelesen hast, durch die Bilder, die du gesehen hast, was man sich da so ein bisschen zusammen... Genau. Also ein historischer Roman ist immer etwas Künstliches. Es ist eine Setzung, die man vornimmt. Ich finde, man hat die Pflicht, dass das historisch möglichst wahrhaftig ist. Also, dass man jetzt nicht irgendeinen Quatsch sich ausdenkt. Und darum habe ich auch die Recherche echt weit getrieben. Und ich kriege jetzt auch so mit, dass die Leute das merken, dass sie so das Gespür haben, dass das hat Hand und Fuß, was da drin steht und was ich erzählt bekomme, ist nicht falsch, aber nicht historisierend. Kurze Pause. Vielleicht mit etwas Werbung. Music. Jetzt hast du die beiden Hauptfiguren schon erwähnt und eingeführt. Also du gibst zwei Frauen sozusagen eine Sprache, eine Stimme, eine Figur, Bille und Leonie. Und an deren Geschichten quasi erzählst du die Entwicklung dieses Streiks dieser Zeit. Und als ich angefangen habe, mich damit auch zu beschäftigen und dann klar war, dass wir uns treffen und darüber sprechen, habe ich gedacht, das ist ja irgendwie sehr spannend. Erstens, und da möchte ich jetzt keine Grenzen einreißen, aber ich stelle mir vor, ich kenne das ja selber auch, wenn ich schreibe, wenn ich Lieder schreibe, ich kann immer so weit weggehen von mir, wie ich möchte, am Ende stecke ich da drin. Also irgendwie bin ich all meine Songs und das würde mich interessieren, ob du auch all deine Figuren irgendwie bist. Und natürlich auch da wieder, was wir gerade hatten mit dem Ort, Und das sind jetzt zwei Frauen, wir sind zwei Frauen, wir sind umgeben mit Frauen, von Frauen, die natürlich in einer bestimmten Zeit versuchen, ihr Leben zu leben, ihren Weg zu gehen. Beide, so viel darf ich vielleicht verraten, ich möchte immer nicht zu doll vorgreifen, weil wir das Buch ja lesen und selber ihre Bilder machen, aber die quasi beide einen Mann als Vehikel haben oder ein bisschen, also wenn ich das richtig interpretiere, und ein bisschen als das Tor vielleicht, um auch bestimmte Konflikte anzugehen oder das Tor in eine andere Idee überhaupt erstmal. Und das ist ja, Im schönsten Falle nicht mehr ganz zeitgemäß, weil wir ja selber machen können, was wir wollen. Genauso wie dieses andere, also Bille möchte ja nach Amerika und das ist ja auch gerade vielleicht nicht mehr der Traum, wo wir alle hinstreben. Also wie ist das auch, da wieder was zu schreiben, was vielleicht ja eigentlich im schönsten Falle schon gar nicht mehr so ist. Ja, also Amerika ist für die Bille so die Idee, selbstbestimmter zu leben. Die Schufterei, die die Bille in ihrem Leben hier in Gerrisheim hat, sie empfindet das als etwas total Fremdbestimmtes, was nicht für ihr Leben was nützt, sondern wo sie so hineingedrängt wird. Sie muss immer für die Familie arbeiten und das ganze Geld abgeben und so weiter. Und die Idee, wenn ich nach Amerika gehe, dann können wir uns was aufbauen. Dann können wir ein Stück Land kaufen. Dann ist die Arbeit für uns. Ich glaube, das ist so eine Motivation für die eine Figur, was erreichen zu wollen. Und da tatsächlich kommt ein Mann ins Spiel, der ihr überhaupt diese Idee von Amerika so näher bringt. Das fand ich realistischer, als dass eine junge Frau sich in ihrer Stube auf das Strohbett setzt und denkt, ach ich gehe nach Amerika. Sie wird infiziert, aber sie hat vorher schon diesen Hunger, dieses, es kann doch nicht so weitergehen, wie meine Mutter, wie meine Oma gelebt haben, es muss doch irgendwas anderes noch geben. Und dann der Funke ist dann diese Idee von Amerika. Und materielle Schwierigkeiten führen eigentlich dazu, dass das schwierig wird für Bille, diesen Traum umzusetzen. Bei der Leonie ist das anders gelagert. Das ist eine ganz talentierte junge Frau, die ist Musikerin, die hat eigentlich viel anzubieten, aber die weiß gar nicht, wohin damit. Das sieht keiner, was sie kann und was sie für Träume hat. Es fragt sie keiner danach und sie erobert sich aber auch die Freiräume nicht, die sie vielleicht hätte. Also ich habe das so empfunden beim Schreiben. Ich mache dieser Figur diverse Angebote und sie lässt aber viele liegen. Aus dem Grund, und das habe ich mir so gedacht, dass das vielleicht bei Frauen zu der Zeit so war, weil sie sie selber gar nicht für möglich hält. Weil sie das für, also dass ich jetzt einfach das mache, ganz anders als mein Weg vorgeschrieben ist, ganz anders als mein Vater von mir erwartet. Nee, das kann ich nicht machen. Also sie bekommt im Laufe der Geschichte solche Möglichkeiten und nimmt sie zum Teil wahr, zum Teil nicht wahr, weil das außerhalb ihres Vorstellungsvermögens ist. Und das ist, glaube ich, der Punkt, wo ich Anschlusswissen für heute sehe. Ich glaube, das geht uns Frauen auch heute so, dass wir manche Dinge nicht für möglich halten, uns nicht trauen, da hinaus zu gehen und auch die Verantwortung zu übernehmen. Ich mache das jetzt, egal, was man von mir erwartet. Ich tue das jetzt mal. Ja, das finde ich sehr spannend. Also das ist tatsächlich eine Frage, die ich mir jetzt hier nicht notiert habe oder auf die ich gar nicht, aber jetzt ein bisschen Freestyle, weil tatsächlich... Sind dann ja quasi diese beiden Frauen in ihren verschiedenen Rollen, die muss es ja geben, genau damit andere die zum Vorbild haben, weil du hast das ja gerade gesagt, meine Mutter, meine Großmutter, meine Urgroßmutter, die haben das nicht gemacht und da gebe ich dir recht, das ist nämlich eine Sache, die ich selber auch empfinde in meinem Alter mit dem Leben, das ich lebe. Es gibt nicht so viele Vorbilder dafür, also es muss immer jemanden geben, der das quasi macht, also ich bin jetzt wahrlich keine Pionierin und so, anders als sonst ist es bei mir auch nicht, aber ich meine es muss ja, genau, es muss jemanden geben, der das macht, damit andere nachkommen können und das denke ich auch, dass das sehr aktuell ist. Ja, es ist eine Frage von Selbstvertrauen und von Vorstellungshorizonten, die man hat oder nicht hat und, ich glaube da, das ist sozusagen das, was Emanzipation im Moment in unserer Generation leisten muss noch, dass man Frauen vielmehr schon von klein aus sagt, denk erstmal weit, halte alles für möglich, probiere das aus, trau es dir zu. Aber das sind auch so Floskeln, das hört man ja immer mal, Frauen sollen alles dürfen, aber es sind dann eben doch die Lebensumstände, die das eng machen und die einzelnen Menschen einreden, nee, das darfst du nicht und das kannst du nicht. Ja genau, also dass man nicht am Ende doch immer in eine Rolle wieder zurückfällt, die schon da ist, sondern dass man sagt, okay, ich meinte das aber wirklich so und darum bleibe ich dabei. Genau, und ich gehe ins Risiko. Das ist auch mit Scheitern verbunden. In Deutschland sagt man immer, gibt es eine schlechte Scheiterkultur, das sehe ich auch so. Es muss immer alles auch klappen. Und ansonsten war es ein Fehlversuch. Ja, genau, und dann geht man doch wieder zurück in diese Rolle. Genau. Wie das jetzt mit deinen beiden Figuren ausgeht, das muss man sich dann selber anlesen. Aber hattest du während des Schreibens auch das Gefühl, oder ist es dir erst dann gekommen, dass du da gerade auch Genau, eine. Entwicklung beschreibst, die sozusagen sowohl aktuell ist, als auch damals sehr groß? Also war das, ist dieser feministische Ansatz von Anfang an auch einer gewesen? Ne, also was ich jetzt mache, ist alles Interpretation hinterher, was ich jetzt so verkünde. Also ich habe mich überhaupt nicht beim Schreiben hingesetzt und irgendein Konzept gehabt oder noch nicht mal, obwohl ich ja ständig über solche gesellschaftspolitischen Themen schreibe, also es ist sicher in mir drin, aber ich hatte nicht die Idee, ich schreibe jetzt mal von Frauen, die eingeengt werden oder so, sondern ich habe mich sehr darum bemüht, zwei Frauenfiguren zu finden, die echt sind, die wahrhaftig sind. Da habe ich sehr viel gelesen, bis ich dachte so, jetzt weiß ich, wie die Lebensumstände waren und jetzt laufen die mal los. Und dann ist so ein ganz komischer Effekt eingetreten. Wenn ich früher selber Autorinnen interviewt habe, dann fand ich immer diese Antwort so komisch, wenn die gesagt haben, die Figur hat mir das erzählt. Da habe ich immer gedacht, so ein esoterischer Kram. Und dann habe ich das selber erlebt. Es war tatsächlich so. Ich habe dann ein Konzept gehabt, eine Idee gehabt, was für eine Handlung passieren soll und dann ist es anders gekommen, weil das für die Figuren immer stimmig, in jedem Moment, in jeder Szene stimmig sein musste. Und so haben die ganz langsam auch andere Wege eingelegt. Also dass die Leonie so manche Dinge nicht tut, das war manchmal gegen meinen Willen. Aber ich habe dann im Moment gedacht, nee, das wäre, also es ist dann immer der Kitsch, die Falle. Wenn du es wahrhaftig halten willst, dann tut sie das jetzt nicht. Und so hat sich die Geschichte dann anders entwickelt, als ich eigentlich dachte. Und weil ich das eben schon so ein bisschen angeteased habe, laufen die beiden jetzt auch ständig neben dir her durch die Straßen Düsseldorfs und also trägst du die in dir oder ist das irgendwie, es gibt ja noch tausend andere, also nicht tausend, aber noch sehr viele andere Figuren in diesem Buch, aber wenn wir jetzt mal diese beiden Frauen nehmen, so, also... Ja, die waren mir schon sehr nah und echte Figur, also echte Menschen natürlich nicht, aber ja, das ist schon so. Kann ich mir gut vorstellen. Wie fänden die beide das heute? Also wie fänden die heute Düsseldorf und irgendwie, wie wäre es gegangen, wenn sie jetzt noch 100 Jahre länger gelebt hätten? Ja, ich glaube, sie würden ganz ähnliche Kämpfe wieder kämpfen müssen in ganz anderen Umfeldern. Die hätten ja einen anderen Bildungsstand. Zumindest die Bille hätte viel mehr Bildung und könnte sich wahrscheinlich andere Dinge für sich ausmalen und müsste vielleicht nicht auf den jungen Mann warten, der ihr von Amerika erzählt. Aber diesen Sprungwagen. Wie würde sie heute hingehen? Also vielleicht ja nicht nach Amerika. Also ich will das jetzt nicht so. Aber gibt es heute so ein Äquivalent dazu? Portugal vielleicht? Ich weiß gar nicht, ob es unbedingt ein anderes Land sein müsste. Amerika ist für mich gar nicht so sehr das Land, sondern der Traum vom Selbstbestimmten auf eigene Rechnungen leben. Das ist ja auch nicht nur positiv, dass man so diesen Gedanken hat, das soll alles für mich sein. Aber ich glaube, so ein Äquivalent müsste man finden. Vielleicht sich selbstständig machen, einen eigenen Laden gründen oder sowas. Das könnte dann vielleicht auch hier sein. Also die Bille ist keine Abenteurerin, die das fremde Land sucht. Die weiß auch ganz wenig über Amerika. Wie sieht es da aus und so. Das müssen die anderen im Verlauf des Romans erzählen. Und das interessiert sie auch so gar nicht, sondern sie möchte da sich was aufbauen. Und das ist, glaube ich, so ein Impuls, den kann man heute in jeder anderen Schicht auch haben. Ist vielleicht im Moment gar nicht so in der jetzt aktuellen Generation junger Frauen gar nicht so verbreitet. Aber ich kann den gut nachvollziehen. Und genau, du hast ja am Anfang auch schon gesagt, du wolltest quasi auf Basis dieses Streiks, dieser historischen Entwicklung oder dieses Ereignisses ein bisschen die ganze, was das mit den Frauen macht, was das mit den Familien macht. Hast du das Gefühl, das ist dir umfassend auch, also hast du durch diese beiden Frauen alles abgedeckt oder also worauf ich ein bisschen hinaus will ist, weil du ja auch jetzt so liebevoll von diesen beiden Figuren erzählst, ich stelle mir das sehr schwer vor, das dann auch gehen zu lassen und nicht zu sagen, ach jetzt bin ich schon so in dem Ding, jetzt schreibe ich noch weiter über die nächste Familie oder über, die Kinder und Kindeskinder und also. Ist eigentlich der Drang in dir schon Teil 2, 3, 4, 5 zu schreiben bis heute. Könnte man absolut machen, auch weil die historische Geschichte auch in den Jahren danach so viel hergeben würde. Ich hatte in der Tat, als ich geschrieben habe, noch viel mehr Figuren. Die habe ich dann selber alle wieder gestrichen, bevor ich das Manuskript an den Verlag gegeben habe. Also der Verlag musste diese Streicharbeit nicht machen, weil mir selber klar geworden ist, oh, das ist zu viel. Aber tatsächlich hat mich dieses Panorama an Menschen total gereizt und es hätte... Noch andere Figuren geben können. Die gibt es jetzt in irgendwelchen Dateien auf meinem Rechner, heißt rausgeschnittenes. Ich glaube, man muss sich am Ende konzentrieren und auch entscheiden, welche Figur ist wirklich so erzählenswert, dass man die unbedingt haben will. Aber klar, es ist verführerisch. Es gibt total viel Erzählstoff in der Geschichte. Und ich finde auch für mich so fürs Schreiben ist, dieses historische Schreiben hat sich herauskristallisiert gar nicht so sehr, weil ich so ein wahnsinniges, Geschichtsinteresse hätte, sondern weil ich finde, das Schreiben immer mit Bewahren für mich zu tun hat. Eine Geschichte bewahren, die ansonsten vergessen würde. Und ich hatte so das Gefühl, diese Menschen, die wären sonst, also ich habe sie jetzt noch mal wach gemacht oder lebendig gemacht, damit sie nicht ganz vergessen werden, auf deren Schultern wir stehen. Ja, und das finde ich nämlich auch jetzt vielleicht so ein bisschen abschließend. Wir sind ja auch ein Düsseldorf-Podcast. Ich Also ich finde es auch besonders, wenn man sozusagen über die Stadt schreibt, in der man sich bewegt, in der man lebt, in der man irgendwie gewachsen ist auch, ob jetzt aufgewachsen oder gewachsen. Und ja, ich finde das nämlich auch jetzt spannend zu nochmal darauf zurück. Du hast erzählt, du warst jetzt das erste Mal dann in diesen Ruinen und so, aber hat sich dein Gefühl zu dieser Stadt ein bisschen verändert, weil man ja die Straßen anders sieht. Also ich finde das immer, ich schreibe ja selber keine Romane, ich lese sehr viele Romane und wenn ich dann, gerade wenn es um Düsseldorf geht oder um Orte, die ich kenne, wenn ich dann da langlaufe, gerade wenn es ein bisschen historisch angehaucht ist, dann denke ich so, ja, die waren alle schon mal hier. Absolut, ja, also mein Verhältnis zu Gerrishalm hat sich total verändert, weil man auf einmal ja auch hinter einer Fassade auf einmal weiß, es gibt zum Beispiel das Haiebad noch, das war so eine Badeanstalt, in der die Menschen baden konnten, also jetzt nicht schwimmen, sondern weil es keine Badezimmer in den Werkswohnungen gab. Da ist heute so ein Jugendzentrum drin und wenn ich da jetzt so dran vorbeifahre, dann denke ich, ich weiß, was da eigentlich drin war und so weiter. Das hat eine andere Lebendigkeit und man sieht diese historische Kulisse sozusagen. Das stimmt, das hat mich stark mit Düsseldorf nochmal verwurzelt. Auch so banale Sachen wie im Stadtarchiv sitzen. Einfach nur viele Stunden da sitzen und Quellen lesen oder um Fotos bitten mit den Mitarbeitern da, die total hilfreich waren. Ich bin in mehrere Archive gegangen. Ich bin auch in Museen gegangen, um zu gucken, wie haben Glasmacher gearbeitet, wie sahen Werkswohnungen aus und so weiter. Also das ist eine enorme Bereicherung. Das ist das Journalistische sozusagen an so einem Roman, wenn man historisch arbeitet. Die Recherche, man lernt einfach total viel dadurch. Ja, du bist ja jetzt quasi auch Expertin im Glasblasen, ohne dass irgendwie wahrscheinlich vorher, also ich weiß, dass du ja auch einen handwerklichen Hintergrund hast so, aber das ist ja auch irgendwie spannend, wenn man sich dann plötzlich in so einer Welt auskennt. Genau, die man vorher gar nicht dachte. Also ich bin zum Beispiel so weit gegangen, dass ich mal in so eine Showglasbläserei in Sauerland gefahren bin, wenn ich das unbedingt mal selber ausprobieren wollte. Und da hatte ich gelesen, dass es da immer einen gibt pro Show, der dann aus dem Publikum mal pusten darf. Und da habe ich mich total bemüht, dass ich derjenige bin. Und tatsächlich durfte ich dann auch mal probieren, während die anderen Touristen noch überlegt haben, ob sie das wirklich wollen und habe dann gemerkt, dass man schon sehr viel Luft braucht, sehr viel Druck aufbauen muss, aber gar nicht so viel. Ich sollte eine Glaskugel, so eine Christbaumkugel pusten und ich habe jetzt so einen Ball. Einen Christbaumball, der viel zu groß geworden ist, weil ich so viel Druck da drauf gegeben habe. Ja, man lernt auch solche Dinge. Und auch dieser Werkstoff Glas ist mir total faszinierend mittlerweile. Ich kann jetzt kein Glas mehr anfassen, ohne zu gucken, da ist eine Prägung drin, aha, aha. Ja, das glaube ich. Es ist ein sehr, sehr schöner und schwierig zu bearbeitender Werkstoff. Diese Männer, das waren Arbeiter. Aber das waren auch ganz große Künstler, Handwerker, die wirklich sich mit diesem Material auskennen mussten, das an ihre Söhne Enkel weitergegeben haben. Also es ist eine ganz große Tradition, die dann leider auch durch die Erfindung von Maschinen verloren gegangen ist. Ich verstehe. Jetzt ganz zuletzt, ich möchte dir jetzt nicht hier abbringen, dass du sagst, du schreibst, du sitzt schon am nächsten Roman. Das tue ich aber auch. Aber genau, ist es jetzt ein bisschen, also da darf man ja auch immer gar nicht so viel verraten und so im Prozess, auch für sich selber. Aber hast du währenddessen gemerkt, ach Mann, hier geht es nicht nur Teil 2, 3, 4, 5 in dieser Thematik, sondern bist du über die Recherche oder über dein Zusammenleben mit den Figuren auf Themen gekommen, wo du sagst, da möchte ich nochmal anders rein? Ja, total. Das wäre hellseherisch. Ja, so ist das. Also ich habe jetzt schon vor, was anderes zu machen jetzt. Ich möchte das nicht fortsetzen, weil das ist dann, glaube ich, zu eng oder man wiederholt sich dann nachher. Aber durch die Recherche sind mir ganz viele Themen, die ganz woanders liegen, aber die einem halt in so Quelltexten begegnen, wo man dann denkt, ach, das ist ja auch wieder total spannend. Und jetzt bei meinen Lesungen finde ich auch witzig, dass dann immer mal wieder Leute kommen und sagen, können Sie auch nicht mal über unsere Fabriken, wir haben hier, können Sie eigentlich auch mal was drüber schreiben? Wehberei hatte ich schon als Vorschlag und so. Also daran sieht man, dass die Leute ja ein Bedürfnis haben, dass sowas weitererzählt wird, bewahrt wird, wertgeschätzt wird. Indem man darüber schreibt, wertschätzt man ja auch, was die Menschen damals geleistet haben. Und insofern ist da kein, also ich hätte tausend Möglichkeiten, aber ich... Arbeite jetzt an was Neuem, aber es ist was anderes, aber es ist wieder was Historisches, weil sich das für mich als ein guter Schreibprozess herauskristallisiert hat. Weil es sich natürlich auch, also jetzt ganz zum Schluss nochmal den Bogen schlagen zur rheinischen, also berührt sich natürlich auch mit deiner sonstigen Tätigkeit, Recherche, Reingehen in Themen, vielleicht auch nochmal auf einem anderen. Genau und so die gesellschaftlichen Themen sind es ja, die mich bei der RP auch sehr stark beschäftigen, dass man so guckt, was sich so auf der Meta-Ebene im Alltag tut, was so über den aktuellen Ereignissen liegt, was Menschen bewegt, was sie erträumen und so weiter. Das sind auch jetzt Themen, die mich heute interessieren und dem kann man dann nachspüren in die Geschichte hinein. Ja, das finde ich sehr schön. Ich bin mir sicher, dass wir in nicht allzu ferner Zukunft wieder gemeinsam in irgendeinem von mir dann zu meinem persönlichen Podcaststudio bestimmten Ort, Café oder sonst wo sitzen und über deinen nächsten Roman sprechen. Bis dahin. Ja, vielen Dank. Vielen, vielen Dank fürs Durchführen durch die Geschichte, durchs Lebendigmachen nochmal hier auch auditiv und bis zum nächsten Mal. Ja, danke für die schönen Fragen. Jetzt kommt das Wochenendwetter für Düsseldorf vom Wetterstruxie. Die heißen Tage machen eine ganz, ganz kurze Pause und kommen dann in den neuen Wochen nochmal zurück. Ich grüße euch damit ganz herzlich zum Wochenendwetter. Wir haben jetzt heiße Tage hinter uns mit bis zu 35 Grad und teilweise sehr hoher Luftfeuchtigkeit. Und das Ganze wird sich jetzt im Laufe des Wochenendes nach und nach abbauen. Den kühlsten Tag werden wir dann sehr wahrscheinlich am Sonntag haben. Und dann wölbt sich die Hitze nochmal ein bisschen auf. Der Freitag bringt uns viel Sonne, es wird so rund um die späten Nachmittagsstunden durchaus nochmal ein paar kompaktere Wolkenfelder geben, aber im Großen und Ganzen bleibt es doch recht freundlich und die Temperaturen liegen dann bei maximal 29 bis 30 Grad. Das amerikanische Wettermodell macht nochmal 33 Grad, halte ich ehrlich gesagt aber für etwas unwahrscheinlicher. Der Samstag wird uns in der ersten Tageshälfte kompaktere Wolkenfelder bringen, in der zweiten Tageshälfte ist es dann mehr und mehr freundlicher mit mehr Sonnenschein und das Ganze dann bei 18 bis maximal 25 Grad. Es ist also ein bisschen abgekühlt und der Sonntag bringt uns nochmal letzte Wolkenfelder in der Vormittagshälfte und dann wird es dann doch eher freundlicher werden und das Ganze dann bei weiterhin kühleren 15 bis maximal 25 Grad. Danach wird sich dann die Hitze nochmal so ein bisschen aufwelpen und wir werden vor allem ab dem Dienstag nochmal Hitzetage erleben und dann wird es dann zum nächsten Wochenende vermutlich dann wechselhafter und kühler werden. Und bis dahin gucken wir uns das dann nochmal in Ruhe gemeinsam an. In diesem Sinne wünsche ich euch jetzt ein schönes Wochenende und wir hören uns dann nächste Woche wieder zum Wochenendwetter. Also bis dann. Ciao, ciao. Mehr Düsseldorf Wetter gibt es im Wetterstruxi-Blog. Jens-Strux.blog Das war der Rheinpegel für diese Woche. Wenn ihr uns, wenn ihr mir eine wirklich große Freude machen wollt, dann abonniert diesen Podcast überall, wo es ihn zu abonnieren gibt. Und wenn ihr schon dabei seid, dann bewertet ihn doch auch gleich mit Punkten, mit Daumen, mit Stern, whatever. Und lasst uns Kommentare da. Schreibt Lob oder Kritik oder Lob und teilt diesen Podcast. Erzählt jemandem davon, der Düsseldorf liebt oder noch viel besser, der das gefälligst bald lernen soll. Mein Name ist Tosja Kormann. Ich danke euch fürs Zuhören. Bis zum nächsten Mal. Tschüss. Ihr wollt diesem Podcast etwas richtig Gutes tun? Dann schreibt eine kurze Bewertung bei Apple Podcasts. Danke. Music.