Latest / Zusammener finden wir es heraus. Der WARUM Podcast / WARUM arbeite ich als Trauerredner
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- Sabine Osterauer: Herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Zusammenner. Finden wir es heraus, der Warum-Podcast. Und heute mit einer sehr interessanten Frage. Warum bin ich Trauerredner? In meinem Fall, warum bin ich Trauerrednerin? Und dazu habe ich heute einen ganz besonderen Gast bei mir beim Podcast, den lieben Sven Willmann. Den Sven habe ich nicht gekannt. Er hat mich angeschrieben über eine Plattform für Podcaster. und hat gemeint, hey, ich bin Redner, freier Redner, speziell eben Trauerredner. Das wäre doch einmal ein interessantes Thema. Und ich habe mir gedacht, yes, noch einen Trauerredner, mit dem ich auch über meinen Beruf sprechen kann. Denn ihr wisst ja, ich bin ja auch als Trauerrednerin unterwegs. Und wir haben im Vorfeld jetzt schon ein paar Sachen auch besprochen. bevor wir da weiter diskutieren, lieber Sven, herzlich willkommen, dass du heute bei mir im Podcast bist. Stell dich doch vielleicht ganz kurz einmal vor, erzähl unseren zuhörern, wer bist du, wer kommst du, was machst du und was du ihnen sonst noch alles gerne über dich erzählen würdest. Sven Willmann: Ja, hallo, vielen Dank, dass ich da sein darf. Ich bin Trauerredner mit Herz und aus Leidenschaft, sage ich immer. Ich habe mir das Reden irgendwann mal selbst beigebracht. Ich habe einen Beruf erlernt, in dem ich nicht ganz so glücklich war, der mir zu trocken war und bin dann in den ÖPNV eingestiegen. Das war damals zur Expo. Da hieß es, es werden bei der Deutschen Bahn Leute gesucht für den Zugbegleitdienst. Und da lernt man dann ganz schnell das Reden. Da geht man nämlich sehr auf die Leute drauf zu und muss mit denen eben auch über Themen reden, die man so vielleicht gar nicht auf dem Schirm hatte. Und man muss dann auch sehr schnell Antworten parat haben, die man vielleicht vorher nicht hat. da ich in der Schule aber schon immer gerne Aufsätze geschrieben habe oder Referate gehalten habe, das war immer so, dass die Leute gesagt haben, nicht noch ein Referat, müssen wir das machen? Und ich habe mir gesagt, ja, Referat schreiben, meins, super. Und das hat mich eben immer sehr fasziniert und das Spiel mit der Sprache im Allgemeinen. so war es dann irgendwie für mich dann logisch, dass ich irgendwann mal in die Richtung Redner gehen werde. Hab das aber nie so wirklich gewusst oder verfolgt. Aber es war im Prinzip der kleine Samenwager gesetzt. Und dann bin ich dazu gekommen, dass ich in meinem Leben halt immer mehr mit dem Tod zu tun hatte. Und irgendwann habe ich mir gedacht, so geht das nicht. über gefördter Tod, du nimmst und nimmst und nimmst und jetzt gibst du mir was zurück, ich möchte eine Bestätigung für haben. Ich kann nicht immer nur trauern, ich möchte auch mal anderen helfen, dieser Situation rauszukommen, mir ist das einfach zu viel, dass du immer nur da bist und forderst. Und ich habe mir dann lange überlegt, wie ich kannst dir da irgendwie einen Ausgleich für dich schaffen. Und irgendwann war dann so ein Angebot, Weiterbildung zum freien Redner. dachte, freier Redner Richtung Hochzeitsredner. Ja, gut, ist jetzt nicht ganz so das, was ich eigentlich gedacht habe. Aber da ist ja auch ein Anteil Trauerrede dabei. Und das könntest du ja mal mitnehmen. Und das habe ich dann mitgenommen und es hat mich sehr fasziniert. Ich habe festgestellt, dass ich mehr Freude an den Trauerreden habe, so blöd das jetzt klingt, als an den Hochzeiten. Denn es ist ein viel direkteres Geschäft. Wenn ich eine Trauerrede halte, Ich habe viel stärkere Emotionen von den Auftraggebern, von den Hinterbliebenen, von den Gästen als bei einer Hochzeit. Hochzeit ist immer alles fröhlich, alles toll, alle sind zufrieden und schön und gut drauf. Aber die Leute aus ihrem Loch rauszuholen, in dem sie ja sind, wenn sie in einem Trauerfall sich befinden, bzw. einen Trauerfall in der Familie haben und dann Trost zu spenden. Und das leuchtet in den Augen, wenn die Leute merken, ja, das war die Person, die verstorben ist. Das ist das. was ich von ihm in Erinnerung behalten will. dann dieses Erzeugen der Bilder und das Verfestigen in den Köpfen, das fasziniert mich ungemein. Und da kann ich ganz viel daraus ziehen und da ziehe ich dann auch meine Stärke raus. Und es gibt dann ja auch diese Frage, ist dir das nicht zu viel, dass du immer nur mit traurigen Leuten zu tun hast und dass das so schwierig ist und leidest du da nicht? Nee, tu ich nicht. Ich darf Mitgefühl haben, ich darf mitfühlen, aber ich darf nicht mitleiden. Das ist meine Professionalität. Ich immer, mit Leiden tue ich nicht, das möchte ich auch gar nicht. Ich darf ganz viel Mitgefühl haben, ja, aber eben keinen Leid mitnehmen. Und sobald ich dann in dem Gespräch bin mit den Leuten und meine Rede aufbaue, die entsteht in diesem Gespräch, kann ich da ganz viel nachvollziehen und kann dann auch meine Rede dementsprechend gestalten. Das ist immer sehr individuell. Ich habe da keine Lückentexte und da gibt es auch nichts von der Stange. Bei mir gibt es eine Rede. Die wird einmal geschrieben, einmal gehalten und dann verschwindet die in der Versenkung. Die wird es so nie wieder geben. Und da lege ich eben auch ganz viel Wert darauf, dass meine Reden so gestaltet sind, dass die Leute eben auch merken, es geht mir ⁓ die Person. Das ist jetzt nicht hier ein Geschäft, wo die Leute sagen, jetzt war er da, hat sein Geld gekriegt und das war's. Die sollen halt merken, dass ich ihnen auch irgendwo helfen möchte. Ich kann keine Trauerbegleitung machen. Ich bin kein Trauerbegleiter, aber ich kann eben eine würdevolle Zeremonie. für die Verstorbene gestalten. Das gibt mir sehr viel an Wärme zurück. Sabine Osterauer: Sehr spannend, sehr interessant und vor allem haben wir sehr starke Parallelen zueinander. Ich bin ja auch aus einem Zufall heraus eigentlich über die freie Rednerei sozusagen gestolpert. Bei mir war es Corona und der Neubeginn in einem neuen Bundesland, in einem anderen Bundesland. bin ja damals übersiedelt vor vier Jahren, ja also über vier Jahre schon wieder her und Da war auch die Frage, wie mache ich denn jetzt weiter? Die eine Existenz hat mir Corona mehr oder weniger genommen. Heute sehe ich es ein bisschen anders. Heute sehe ich es, als war Zeit, etwas anderes zu tun. Ich wollte eigentlich nur Hochzeitsreden schreiben. Für mich war das, Hochzeiten liebe ich halt und die verliebt halt und so schön. Ich bin auch so bisschen kitschig und romantisch. Ein bisschen so, wie wir halt Mädels teilweise sind. Auf das hinauf habe ich mich eigentlich als Rednerin ausbilden lassen. Aber und? Ich habe dann festgestellt, nachdem ich dann die erste Trauerrede gehalten habe für einen Freund, dessen Mutter verstorben ist, das Geschichte erzähle ich auch immer wieder, war für mich dann dieser Moment, ich gesagt habe, Hochzeiten sind wahnsinnig schön und es gibt auch ganz, ganz viele Reden, aber da sprechen wir dann eher auch noch über die Vielzahl der Redner mittlerweile. Aber eine Trauerrede zu halten und die Geschichte über diesen Menschen zu schreiben, ist etwas ganz, ganz Besonderes. Das hat so ganz was Eigenes, eine ganz eigene Dynamik an sich. Da bin ich also total bei dir. Und da war für mich dann ganz klar, ich gehöre dorthin. Und jetzt bin ich schon, ja, wie gesagt, auch über vier Jahre und viele, viele hunderte an Reden schon geschrieben und halten dürfen. Und spannend ist, dass du auch diese Frage jetzt erwähnt hast zu Nimm dich das nicht mit, leidest du da nicht mit? Meine Mutter hat mich sogar gefragt, ob ich nicht depressiv werde, wenn ich immer nur mit dem Tod zu tun habe. Und ich habe dann erklärt, erstens einmal, es ist nie mein Verlust. Ich kenne den Verstorbenen zu 99 Prozent nicht. Das ist die eine Seite. Und ich werde jetzt nicht sagen, dass ich jetzt depressiv werden kann, ganz im Gegenteil, sondern ich werde sehr demütig dem Leben gegenüber. Und je mehr ich mich mit dem Tod beschäftige, umso mehr liebe ich das Leben. Weil es dir dann einfach ganz klar vor Augen geführt wird, es ist endlich, also nutze jede Minute, ⁓ schön und zufrieden zu leben. Sven Willmann: Genau. Sabine Osterauer: Und wie gesagt, diese Frage bekomme ich eben auch ganz, ganz häufig, stelle ich wie kann man so etwas noch machen? Aber es ist eine wunderschöne Aufgabe. Frage an dich. Hast du das schon einmal erlebt? Ich weiß jetzt nicht, wie du gebucht wirst. Bei mir ist es ja oft über die Bestattung direkt oder mittlerweile auch schon über Mundpropaganda natürlich. Oftmals auch innerhalb einer Familie. Ist dir das schon einmal passiert, dass du innerhalb einer Familie zwei oder mehr Trauerreden halten durftest, weil innerhalb der Familie Familienmitglieder verstorben sind. Sven Willmann: nicht so direkt, es ist eher so, dass ich gebucht wurde für eine Trauerfeier in der Trauerhalle des Bestatters. Und nachdem ich diese Trauerrede gehalten hatte, bekam ich eben von derselben Trauerfamilie eine Anfrage, ob ich nicht auch die Beisetzung machen könnte und dort sprechen könnte. Also ein im Prinzip ein Folgeauftrag direkt daraus für dieselbe Person. Hab ich natürlich gerne gemacht und das war auch eine super Sache für mich, wo ich gesagt habe, also da sieht man erstmal wie schön das Leben sein kann, was für tolle Momente man erleben kann. Es hat den ganzen Tag geregnet. Wir fangen an mit dieser Trauerfeier, mit dieser Beisetzung. Die Urne steht neben dem Grab, neben der Grabstelle. Ein einzelner Sonnenschein bricht durch die Wolken auf diese Urne. fliegt ein Schmetterling und landet oben auf der obersten Blume von der Urnenschmuck. Und so lange, wie ich rede, er da sitzen. Und als ich sagte dann... So nun wollen wir die Erde, die die Ohne der Erde übergeben, erhob sich ganz langsam diese Schmetterling und flog so Richtung Sonnenschein davon. Das sind Bilder, wenn man das so erzählt, das glaubt einem kein Mensch, aber das sind so wahnsinnige Bilder, die brennen sich so tief ein. Und deswegen bin ich auch dankbar, dass das so gekommen ist und dass ich da auch gesagt habe, ja, ich mache auch die Beisetzung der Ohne noch. Das ist ganz toll. Sabine Osterauer: Ich kenne solche Geschehnisse, solche Erlebnisse auch. Ich hatte mal eine Verabschiedung, auch in einer Trauerhalle, und plötzlich fing es an zu schütten. Es war richtig gewitterig und hat geschüttert und der Verstorbene, der mochte Gewitter und der mochte Regenbogen. Und das war total schön. wie während meiner Rede es dann wirklich so gewittert hat. Und dann war das Gewitter aus und man hat von der Trauerhalle aus einen Regenbogen gesehen. Und das war dann so schön, genau, das war dann so schön und ich habe das dann auch noch in die Rede verpackt, weil ich es einfach gesehen habe gesagt, ich weiß nicht, Sie werden es jetzt wahrscheinlich nicht sehen, ich sehe ja aus, Sie schauen ja zu mir, aber wenn Sie sich kurz umdrehen, ich glaube, er uns jetzt in dem Moment einen Regenbogen geschickt und das war dann so schön, es war dann so Gänsehautmoment. Sven Willmann: schön. Sabine Osterauer: Also es ist schon eine starke Verbindung da. Wie stehst du denn, lieber Sven, auch wenn ich dich das fragen darf, wie stehst du denn überhaupt so zum Tod? Glaubst du an etwas, was nach dem Tod kommt? Was ist so dein Zugang zum Tod? Sven Willmann: Ja, also tatsächlich ist es für mich so, dass Leben nur eine bestimmte Zeitspanne ist, aber die Energie verschwindet ja nicht. Für mich gibt es eine Seele und diese Seele geht irgendwo hin. Es ist noch keiner zurückgekommen, ⁓ uns zu sagen, wo die Seele hingeht, wenn man den christlichen Aspekt außer Acht lässt. Aber irgendwas passiert mit der Seele und irgendwo geht diese Energie hin. und verweilt dort. Und mein Glaube ist, dass wir alle in diesem Pool, ob das nun Paradies ist, wenn man das so nennen will, oder Himmel oder wie auch immer, dass wir uns dort alle irgendwann wiedersehen und auch wieder erkennen werden. Denn wenn der Tod für mich etwas Endliches wäre und es gar keine Hoffnung gäbe, das wäre für mich ganz fatal, das wäre ganz schlimm für mich, damit könnte ich mich nicht anfreunden. Ich weiß, dass meine Mutter gesagt hat, sie glaubt nicht daran, dass es nach dem Tod noch irgendwas gibt. Der Tod ist für sie endlich, für mich ist es halt schon immer so gewesen. Ich habe in der Schule gerne diesen Religionsunterricht mitgemacht. Ich habe mich darauf selbstverständlich beschäftigt. Ich habe auch meinen eigenen Zugang zu Gott gefunden. Ich muss nicht in die Küche gehen und ⁓ uns glauben. Ich kann das auch mit Gott und mir auseinandersetzen, ohne dass da jetzt noch eine Institution dazwischen ist. Oder ich kann mir auch meine Sinnbilder selber schaffen und meinen eigenen Glauben so ausleben. Und da habe ich kein Problem mit. Ich will nicht sagen, ich freue mich auf den Tod, aber ich habe keine Angst vor dem Tod. Wenn es soweit ist, ist es soweit, dass möge jetzt wollen wir den lieben Gott doch mal kurz mit erwähnen – möge Gott geben, dass das noch lange hin ist, dass ich noch möglichst viel Zeit mit meinen Kindern auch verbringen kann. Sabine Osterauer: Ja. Sven Willmann: Aber das ist eben auch der Wert, ich an meine Kinder weitergebe. Mein Sohn zum Beispiel, der ist da sehr interessiert. Der lässt sich das auch immer erklären. Mit dem lese ich auch die Kinderbibel, weil er das gerne erfahren möchte. Das hat mal angefangen zu Weihnachten. Papa, warum feiern wir Weihnachten? Und wer ist das Christkind? Und so habe ich eben das versucht zu erklären. Musste mir dann teilweise auch schon mal Rat von einem Pastor holen. Ja, wie erkläre ich das einem Kind? Mein Sohn ist jetzt fünf Jahre. dass ich das auch kindgerecht erkläre. Aber es war eben für ihn schon so drin, er glaubt auch daran. Und da muss ich ganz ehrlich sagen, bin ich auch froh darüber, dass wir da auch einen gemeinsamen Bezug zu haben. Ich möchte meinen Kindern jetzt nicht irgendwas erklären, was ich selbst nicht glaube. Und da bin ich ganz froh, dass ich meinen eigenen Weg gefunden habe, mit dem Glauben umzugehen. Der Tod ist für mich das Ende. einer Phase und der Übergang in eine andere Phase, wenn ich das mal so runterbrechen darf. Sabine Osterauer: Ist das für dich, ich weiß nicht, wie du das handhabst, ich hinterfrage bei den Vorgesprächen schon auch immer wieder, woran der Verstorbene oder die Verstorbene geglaubt hat. es ein Leben nach dem Tod gibt oder Stau und Schatten, es gibt nachher nichts mehr oder, oder. Für mich ist das für meine Reden, die ich schreibe, schon auch wichtig zu wissen, woran hat der Verstorbene geglaubt. Hinterfragst du das auch? Sven Willmann: Ja, ich frage, möchten Sie einen kirchlichen Bezug, also einen christlichen Bezug haben, einen anderen kirchlichen Bezug? Wie gläubig war derjenige? Was waren seine Werte? Woran hat er geglaubt? Was war ihm wichtig? Also ich mache das gar nicht mal so einem Glauben fest, sondern ich frage eher so, was hat er geglaubt? Was war ihm wichtig? Und dann ergibt sich das daraus schon. Ich habe schon Beerdigungen gehabt, wo sie gesagt haben, an Gott geglaubt hat er nicht, aber ich glaube, fände es schön, wenn wir an Vater Unser sprechen könnten. Das ich natürlich, das können wir gerne machen. Und ich habe auch schon Leute gehabt, die haben gesagt, ⁓ Gottes Willen, der hatte nie was mit Kirche am Hut, der hat das alles abgelehnt, der sagt, ich lebe jetzt und hier und dann ist Schluss und wenn ich gehe, dann muss ich gehen, dann ist das halt so und dann ist das aber auch Ende im Gelände für mich. Und dann habe ich gesagt, gut, okay, wenn das seine Überzeugung ist, dann werden wir das Ganze auch so Sabine Osterauer: Ja. Sven Willmann: aufbauen an der Rede und werden das eben auch zwar auch mit einem tröstlichen Aspekt noch versehen, aber wir werden eben nicht darauf eingehen und jetzt was vom Paradies erzählen, wo wir uns dann alle wiedersehen, wenn er da nicht dran geglaubt hat. Das ist auch so die Frage, was ist es für eine Persönlichkeit gewesen? Das ist eben das, was ich in diesem Gespräch herausfinde, wo ich dann sage, erzähl mir mal ein bisschen was über deinen Vater oder erzählen Sie mir was über Ihren Vater oder Ihre Mutter oder über den Verstorbenen, die Verstorbene. Und ich versuchte auch gar nicht so viel zu fragen. Ich versuchte, die Leute reden zu lassen. Denn wenn ich viel frage, dann kriege ich Antworten, wo ich dann teilweise auch glaube, das ist das, was sie mir erzählen wollen, weil sie glauben, dass ich das hören will. Das interessiert mich ja gar nicht, was ich hören will. Mich interessiert ja, was ist das für eine Person gewesen? Ich kannte sie ja meistens nicht. Und das ist dann eben wieder das, wo ich dann sage, man muss dann auch mal die Stille aushalten können. Und wenn man dann mal so sitzt und sich so fünf Minuten anschweigt, dann sitzt man da mal fünf Minuten. Aber da kommt dann trotzdem immer wieder was. Sabine Osterauer: Ich finde das total spannend, weil ich kann mich nicht erinnern, dass ich irgendwann einmal bei einem Vorgespräch fünf Minuten hatte, wo niemand etwas gesagt hat. Ich bin ja so ein Oldschool-Mensch. Ich habe ein Buch, das Buch der Geschichten, und in dieses Buch schreibe ich alles rein. Das heißt, ich fahre zu den Hinterbliebenen mit diesem Buch, mit diesem großen, dicken Buch, und da schreibe ich alles händisch rein, was sie mir erzählen. Das heißt, ich versuche, ganz viele Informationen zu bekommen aus der Kindheit, aus der Jugendzeit. den Lebenslauf, aber jetzt nicht mit Daten, sondern was ist passiert, also welche Geschichte steht hinter diesem Menschen, hinter diesem Leben von diesen Menschen. Und ich schreibe so im Durchschnitt, schreibe ich circa 15 Seiten mit, also das ist so der Durchschnitt, würde ich jetzt einmal sagen. Und ich sitze so bei den Hinterbliebenen, ich weiß jetzt nicht, wie lange du dort sitzt, aber ich sitze meistens so. Also minimal eineinhalb Stunden, das ist aber schon sehr kurz, aber meistens so zwischen zwei, zweieinhalb, drei Stunden. Ich glaube, ich bin auch schon einmal vier Stunden gesessen. Vor allem, wenn dann die ganze Familie da ist. Also ich bin schon beim Frühstück mit gesessen und habe gesagt, ja, Frau Oster, wunderbar, dass Sie da sind. Wir haben jetzt gleich Frühstück gemacht. Setzen Sie sich her, wir erzählen Ihnen was über unseren Papa, Opa, wie auch immer. Und da können Sie dann auch schon einmal 20 Seiten werden und dann werden die Reden natürlich auch immer. dementsprechend ein bisschen länger. Aber das ist dann so schön, weil ich habe dann oft das Gefühl, bin in diesem Moment ein Teil dieser Familie und ich kann, vor allem wenn sie es mir dann auch noch sehr emotional und bildlich erzählen, habe ich für mich das Gefühl, ich erlebe das alles noch einmal. Ich bin da ein Teil der Familie und lebe das alles mit und da wird dann auch oft gelacht und geweint und alles zusammen und ich finde das aber so einen schönen Moment. weil mir ja auch so viel Vertrauen entgegengebracht wird und zu viele Sachen erzählt werden, mit dem Vertrauen, ich es wirklich schön in eine Rede verpacke. Wie gehst du ⁓ Wie schaut das bei dir aus? Sven Willmann: Also ich bin noch aus keinem Gespräch unter einer Stunde rausgekommen. Ich fand das damals bei unserem ersten Sohn so schrecklich. Da war ein Pastor da, der hat eine halbe Stunde bei uns gesessen und dann hat er sich ein paar Sachen aufgeschrieben und dann ist er gegangen und hat eine sehr kirchliche Rede gehalten. Ja, wir wollten ja eine kirchliche Rede für unseren Sohn haben. Wir hatten ihn noch noch... Nein, nein, für den Tod. Unser erster Sohn ist leider nur sechs Tage alt geworden, ist dann an einem Schlaganfall verstorben. Sabine Osterauer: Also für die Taufe, meinst du, oder? Sven Willmann: Und wir haben ihn im Krankenhaus noch nottaufen lassen und wollten dann eben aber auch eine christliche Beerdigung haben, weil mir das eigentlich wichtig war. er war eine halbe Stunde da, ist dann gegangen und hat dann eben seine Rede aus dieser halben Stunde gemacht. Und dann habe gesagt, das fand ich eigentlich schon ein bisschen kurz, es war kein langes Leben. Es waren sechs Tage, ja. Aber es hätte eben durchaus für uns auch noch bisschen tröstlicher sein können, wenn er ein bisschen länger da geblieben wäre. und hätte dann eben ein seelsorgerisches Gespräch geführt als ein Trauergespräch. Und dann habe ich gesagt, so kurz, das kann ich nicht. Ich brauche mindestens eine Stunde, ⁓ überhaupt erst mal ansatzweise genügend Informationen zu haben, ⁓ eine Rede schreiben zu können. Und von daher setze ich mich also meistens auch noch eine Stunde hin. Es kann auch schon mal anderthalb werden. Das längste, was man war, knapp unter zwei Stunden. Aber das war dann auch schon eine Ausnahmesituation. Das war dann gleich meine erste Trauerrede damals. Die war sehr heftig. Das war ein sehr schwerer Schicksalsschlag für die Familie. Und deswegen ging das dann fast zwei Stunden, wo ich dann gemerkt habe, so jetzt bist du aber auch an dem Punkt angekommen, wo die Familie nicht mehr kann. Wenn ich jetzt länger bleibe und mir weiter erzählen lasse, dann wird das ein Leiden für sie. Und das wollte ich nicht. Deswegen habe ich dann an dieser Stelle auch gesagt, mach mal erst mal Schluss. Sabine Osterauer: Mhm. Sven Willmann: Ich habe jede menge Informationen. Ich danke Ihnen für Ihre offenen Worte. Daraus werde ich schon eine Rede zusammenstellen können. wir sehen uns dann vor der eigentlichen Trauerfeier wieder. Und das war dann noch ganz gut. Und es war auch eine sehr bewegende Trauerfeier. Nicht nur, weil es meine erste war, sondern weil die Umstände auch sehr nah an meiner eigenen Situation waren. Also ein junger Mann, verstorben, kurz vor er Vater geworden. Der Vater des Verstorbenen war in meinem Alter oder ein bisschen älter. Das war schon alles sehr tragisch. Die Freundin, also die Mutter seiner Tochter, die es nicht mehr geschafft hat, ihren Freund zu heiraten, bevor er verstorben ist, das war alles ganz wild, emotional. Und da habe ich auch gedacht, wenn alle deine Beerdigungen so werden, das wird hart. Das war aber nur die erste. Wenn man erstmal durch so eine Feuertorfe durch ist, dann wird es auch nur noch leichter. Von daher habe ich gedacht, gut, okay. Hab dann gemerkt, ich bin wirklich so der Spezialist für schwierige Fälle. Ich habe teilweise Beerdigungen gehabt, wo der Hinterbliebene von der verstorbenen Person nichts wusste. Und mir dann gesagt hat, ja, kann ich ihn nicht sagen, kann ich ihn nicht sagen. Sabine Osterauer: Ja. Sven Willmann: habe ich mir für mich gedacht, wenn du das jetzt alles so aufschreibst, das sind fünf Minuten Trauerrede, dann bist du durch. Dann musst du die restlichen 15 Minuten mit Musik auffüllen. Das geht auch nicht. Ich habe dann noch mal ein zweites Gespräch mit anderen Verwandten der Verstorbenen geführt. Das war dann sehr ergiebig. Da habe ich dann auch wirklich meine 20 Minuten Rede gut hingekriegt. Bei uns ist es leider begrenzt teilweise, dass wir nach 20 Minuten dann schon die Träger in die Kapelle bekommen. Sabine Osterauer: Richtig. Sven Willmann: Und dann bricht die Stadt automatisch das ab, weil sie gesagt haben, nein, 20 Minuten muss reichen. Länger darf keine Trauerfeier sein, sonst kommen wir nicht mit allen Trauerfeiern durch. Wenn ich bei uns auf die Dörfer gehe, da kann ich länger reden, da kann ich auch schon mal halbe Stunde reden. ist dann aber, Stunde ist zu lang, das belastet dann auch zu sehr. Also ich sehe schon zu, dass ich so zwischen 20 und 30 Minuten irgendwo mit der Trauerfeier hinkomme. Und dann kommt es halt auch immer darauf an, was für Musik gewünscht wird. Sabine Osterauer: Okay. Sven Willmann: Wobei das auch wieder so eine lustige Situation ist. Musik, da gibt es ja verschiedene Geschmäcker. Und ich sage immer, es muss nicht mir gefallen, es muss ihnen gefallen oder dem Verstorbenen hätte es gefallen müssen. Und ich habe auch schon böse Onkels auf einer Beerdigung gehabt. Oder eben aber auch Vivaldi. Da hat man eine ganz breite Palette und ich sage da nichts mehr zu der Musik. Ich denke mir immer, wenn es im Sinne des Verstorbenen ist, dann ist das gut. Und dann ist es auch die richtige Musik. Sabine Osterauer: Also diese Erfahrung habe ich auch gemacht, Speziell jetzt mit dem Musikwunsch, dass mir dann auch Hinterblieben gesagt haben, naja, wir haben halt jetzt diese Musik genommen, weil das, was er gern gehört, das können wir ja nicht abspielen auf einer Trauerfeier. Ich sagte, ja, aber was hat er denn gern gehört? Und wenn das jetzt Heavy Metal ist, ja, dann spielen wir Heavy Metal. Ich habe dann gesagt, das ist eine freie Verabschiedung, sie können ja machen, was sie wollen. Das kommt halt immer darauf an, wo die Verabschiedung stattfindet. Ich kann natürlich jetzt nicht direkt an der Grabstelle Heavy Metal Vollgas aufdrehen. Das kann ich halt nicht. Aber ich kann es trotzdem auch leise spielen. Das ist ja kein Problem. Ich glaube, der schönsten Momente, der nachhaltigsten, zumindest jetzt bei mir im Gedächtnis geblieben, das war, wir hatten Es war ein Tänzer, der hat auch einen Tanzclub gegründet, aber schon im fortgeschrittenen Alter, in der Salsa-Schule. Es waren dann wirklich auch Teilnehmer da. Zum Schluss haben wir Salsa getanzt. Die sind dann wirklich aufgestanden. Ich habe sie anehmlich gesagt, bitte stehen Sie auf, das ist der Wunsch der Familie. haben dann Salsa getanzt, Musikinstrumente wurden überall verteilt, da waren ungefähr 100 Leute da. und die haben dann mit dem Musikinstrument und wir haben es noch ein zweites Mal durchlaufen lassen. Das war so schön, weil das so eine wertschätzende Geste war. Also solche Sachen sind durchaus möglich. Also wie gesagt, ich habe alles schon gehört. Von Schlagermusik über klassische Musik, Ausschnitt aus ganz schweren Opern bis hin zu volkstümlicher Musik, Livemusik, von Cellisten über Geigenspieler, Klavierspieler, Sänger aus der Familie, also es war schon alles dabei. Ich finde es großartig, dass man sich da, speziell bei der freien Verabschiedung, so viele unterschiedliche Möglichkeiten offen lassen kann. Was man in der Kirche hat, das ist halt so. bei der freien Verabschiedung kannst du alles Mögliche machen. Ein kurzer Bezug auf die Kirche, das ist auch immer eine Frage, die mir gestellt wird. weiß jetzt nicht, wie bei dir ist, Sven, du bist ja in Deutschland. Und wie geht es dir dabei? Hattest du schon einmal Verabschiedungen in der Kirche mit dem Pfarrer gemeinsam? Sven Willmann: Ja, aber, das ist, muss ich dazu sagen, das war die Beerdigung meines Trauzeugen. Ich war zu dem Zeitpunkt sein Vorgesetzter. Er war einer meiner Mitarbeiter und wir waren nicht nur Kollegen, also erst waren wir Kollegen, dann war ich sein Vorgesetzter. Wir waren Tanzbrüder, wir sind also im selben Tanzclub gewesen. und waren auch so befreundet, wäre jetzt nicht so früh verstorben, wäre ja auch Patenonkel meiner Kinder geworden. Und da ging es dann darum, dass seine Freundin mich gebeten hatte, auf der Hochzeit zu sprechen. Einmal als Vertreter der Firma, also der Deutschen Bahn, und einmal als Freund. Da sagte ich, gut, okay, kann ich machen. Ich hatte dann mit dem Pastor gesprochen, der sagte, ja, dann haben sie so zwei Minuten. Da gedacht, zwei Minuten, da kannste nicht viel sagen. Sabine Osterauer: Auf der Verabschiedung. Sven Willmann: Das ist, gut, ja. Ich war froh, dass ich diese zwei Minuten hatte. Ich habe die dann auch leicht überzogen, weil ich so einiges gerade rücken musste, was er dann in der beruflichen Laufbahn durcheinander gebracht hatte. Da habe ich auch gedacht, okay, gut, mehr mal gut, dass ich da bin. Weil da waren jetzt auch viele Kollegen, die haben alle erst mal die Stirn gerunzelt und mit dem Kopf geschüttelt. die nee, passt so alles nicht. Und das war aber noch bevor ich überhaupt Trauerredner geworden bin. Und da habe ich mir gedacht, okay, gut, das könnte es da eigentlich öfter machen. Und damals kam mir dann der erste Gedanke, das könntest du öfter machen. Das war jetzt sehr belastend für dich, weil es ein sehr enger Freund war. Aber wenn die Person nicht so nahe steht, warum dann da nicht auch mal eine Rede halten und paar positive Worte sprechen und vielleicht ein bisschen Trost auch spenden? Denn die, ich hätte jetzt bald gesagt, die Witfer, die waren ja nicht wahr, die Freundin meines Freundes, mit der wir übrigens auch sehr befreundet waren, oder auch noch sind, ist es halt sehr dankbar gewesen. Ich habe gesagt, es war schön, dass du da gesprochen hast und allein die Kirche, das hätte mir so auch nicht gefallen, dass nur der Pastor gesprochen hat. Und da ich, gut, okay. Und ansonsten habe ich halt in den Friedhofskapellen gesprochen oder auch auf den kirchlichen Friedhöfen, ja, aber ansonsten noch nicht wirklich in Kooperation mit einem Pastor oder Pfarrer. Zumal bei uns die Pfarrer auch sagen, ne ne, das ist unsere Veranstaltung, die Pastoren sind ja schon etwas offener. da möchte ich auch keinem irgendwo reinreden. Ich würde es machen, wenn es gewünscht ist, klar. Würde mich da auch dementsprechend absprechen können und würden mir das aufteilen. Aber bislang war da noch nicht ⁓ das Bedürfnis von den Verstorbenen. Sabine Osterauer: Ich hatte schon mehrere Begegnungen und Zusammenarbeiten mit einem Pfarrer, also immer römisch-katholisch war es bei mir zumindest. Ich musste einfach erkennen, es gibt einfach Pfarrer, die sehr offen sind und sehr aufgeschlossen sind. Und die Redner auch nicht nur ich, sondern auch Kolleginnen und Kollegen von mir, die natürlich mit dem Pfarrer zusammen eine Verabschiedung leiten. Ähnliche Erfahrungen gemacht. gibt Fahrer, sind sehr offen und fühlen sich auch nicht irgendwie bestohlen oder so. Also im Sinne von da kommt jetzt ein Redner, da nimmt man jetzt meine Sachen weg oder so. Und manche sind halt wirklich wirklich so, dass sie sagen, das erlauben sie nicht, weil das ist ihre Kirche, das erlauben sie nicht, das möchten sie nicht. Und ich hatte schon einmal eine Familie. Die wollte in der Kirche die Verabschiedung machen mit dem Pfarrer dazu. Aber ganz wichtig, dass ich die Rede über das Leben spreche. Das war nicht möglich. Der Pfarrer hat sich geweigert. Nein, er macht das nicht. Er möchte das nicht. Das ist seine Kirche. kommt niemand rein, außer er. Die Familie hat dann gesagt, es ist in Ordnung. Dann werden wir die Verabschiedung woanders hin verlegen, denn die Frau Ostau wird brechen. Das habe ich total schön gefunden und traurig, gleichzeitig, weil ich habe auch schon, wie gesagt, Verabschiedungen gemacht mit anderen Pfarrern und das war toll. Also die sind zu mir dann gekommen und Frau Oster, das war wirklich, wirklich schön und es hat super harmoniert. Sie haben ihren Teil gemacht, ich habe meinen Teil gemacht und das war perfekt und auch für die Familie ist das perfekt. Die so ein bisschen dieses Christliche oder dieses, ja mit Gebeten und Fürbieten und weiter, auch diesen Segen am Grab und so weiter, aber die halt auch wollen, dass jemand anderer die Geschichte erzählt. ich finde, ist eigentlich eine tolle Kombination, wenn man das möchte. Und deswegen finde ich es dann immer so schade, wenn sich dann der Pfarrer dagegen stellt. Wie gesagt, ich habe es so und so erlebt. Also ganz schlimm, bis wirklich hervorragend, wertschätzend. durfte ich wirklich schon erleben. Sven Willmann: Also ich glaube, das ist auch immer eine Frage der Persönlichkeit des Pfarrers, denn wir haben hier teilweise sehr, ich will nicht sagen alt, aber im gehobenen Alter Pfarrer gehabt, die waren sehr weltoffen, die waren sehr ökumenisch eingestellt und da hat dann die Gemeinde gesagt, also den können wir nicht gebrauchen, der ist uns viel zu weltoffen, viel zu, ne, ne, das geht nicht. Also wir brauchen hier jemanden, der viel strenger ist in der Religionsauslegung. Die haben dann sich einen anderen Pfarrer schicken lassen und haben den Älteren im Prinzip in die Wüste gejagt, wo ich mir auch gesagt habe, kann ich überhaupt nicht verstehen. Und wir haben aber auch Jüngere dabei, die sehr erzkonservativ sind. Das kommt immer auf die Persönlichkeit drauf an. Aber ich habe jetzt hier noch keinen gehabt, der gesagt hat, du darfst in die Küche nicht rein. Aber ich habe schon von dem einen oder anderen gehört. das er gesagt hat, also entweder freier Redner oder ich, aber gemeinsam nicht. Und ich nehme keinem was weg. Ich sehe mich auch eher so als Dienstleister. Es ist nicht so, dass ich sage, ich muss da jeden unter die Erde bringen und das ist alles meins, sondern ich möchte ja eigentlich, ja klar, man verdient damit auch Geld, aber ich möchte ja eigentlich, dass die Leute, die einen Verlust erlitten haben, sich anschließend wohlfühlen und auch wieder dem Leben zuwenden können. Das ist eben so, wo ich sage, ja, das ist eher so mein Zweck und meine Aufgabe. Es ist gar nicht mal so, die Leute in eine bestimmte Richtung zu bringen, zu zu bringen, selbst in eine Richtung gehen zu wollen. Und die Richtung, die suchen sie sich natürlich selber aus. Sabine Osterauer: Mhm. Mhm. Mhm. Ja. Die Erfahrungen, ich auch als Rednerin gemacht habe und was ich total wichtig finde, das ist eben auch die Erkenntnis, sind freie Redner für Verabschiedungen, Hochzeiten wie auch immer. Wir sind aber auch Dienstleister natürlich und speziell jetzt bei Verabschiedungen, bei Hochzeiten ist es vielleicht ein bisschen anders, aber bei Verabschiedungen, wir sind halt auch nicht allein. Also wir haben ja noch andere Dienstleister, die ja auch noch dabei sind, weil wir haben ja auch die Bestatter dabei, also das kennst du natürlich jetzt auch so, die dann eben die Urne, den Sarg, wie auch immer zum Grab bringen. Und ich finde die Zusammenarbeit speziell mit den Bestattungsinstituten und mit den Bestattern im Außendienst extremst wichtig. Sven Willmann: Genau. Sabine Osterauer: Es ist dann auch diese Harmonie spürbar. Also wenn das alles eins in eins geht und wenn jeder auf den anderen Rücksicht nimmt, dann hat das auch eine ganz andere Atmosphäre, als wenn da eben mehr hat, den kann ich nicht leiden und mit dem kann ich nicht arbeiten und so weiter. Also das ist auch wichtig. Das heißt, als Redner ist es schon auch wichtig, also in meiner Welt, dass man sich auch mit den Bestattungsinstituten und mit den Bestattern, im Außendienst tätig sind, auch gut arrangiert, gut abspricht und auch miteinander arbeitet, sodass es für alle Beteiligten eine runde Sache wird. Was hast du da für Erfahrungen gemacht? Sven Willmann: Also ich kann eigentlich nur sagen, Bestatter sind total nette Leute. Ich habe auch schon Ablehnungen gehabt. Klar, das bleibt nicht aus, wenn man anfängt, putzt man erst mal Klinken, stellt sich überall vor und da sind auch schon Leute dabei gewesen, die gesagt haben, ich habe so viele Redner, ich brauche sie gar nicht und naja, lassen sie mal einen Flyer oder eine Visitenkarte da. Aber rechnen sie nicht damit, dass ich sie engagiere. Und sechs Wochen später kriege ich genau den Anruf. Ich habe ganz dringend Not. brauche Sie. Können Sie am Freitag? Ja, heute ist Dienstag. Das wird sportlich, aber das geht. Freitag habe ich noch einen Termin frei. denn? Ja, wäre ganz gut, wenn Sie ⁓ 12 Uhr... Ja, sage ich, 12 Uhr passt wunderbar. Dann verschiebe ich meine Mittagspause und hatte dann im Prinzip zwei Termine. Ich habe gesagt, gut, der eine ist ⁓ 11 Uhr beendet, der andere fängt erst ⁓ 14 Uhr an. Da passt 12 Uhr noch prima dazwischen. habe mich dann am selben Tag noch mit der Familie getroffen, habe meine Rede fertig gemacht. Ja, dann vergeht natürlich auch mal so bisschen Zeit. Man muss sich auch ein bisschen einstudieren. wenn man dann hinkommt und sagt, ja gut, okay, jetzt musst du erst mal schauen, wie das ist, wie das mit dem funktioniert. War super lockeres Verhältnis, ganz toller Typ. Der war den Tag, wie ich da war, vielleicht gerade ein bisschen im Stress. Aber bei einem Vorgespräch vor der Trauerfeier direkt, also man ist ja immer ein bisschen eher da und unterhält sich dann noch kurz, da habe ich gemerkt, Mensch, der ist ganz locker drauf. Der lehnt dich gar nicht so wirklich ab. Es ist einfach nur, dass er mit dir nicht gerechnet hat und jetzt ist er froh, dass du da bist. Und der hat sich jetzt auch schon ein paar Mal gemeldet. Funktioniert wunderbar, die Zusammenarbeit. Sabine Osterauer: Diese Erfahrung habe ich auch am Anfang gemacht, wie ich begonnen habe. Wie du sagst, Klingen putzen. Ich war auch bei vielen Bestattern sehr angeschrieben. Da brauchst du dann auch bisschen Glück, dass du eben in so einer Situation reinrutscht. So war es ja bei mir damals auch. Wo man sich dann auch überzeugen konnte, wirklich live, okay, kann was. können wir noch einmal nehmen. Und im Laufe der Jahre baut man sich natürlich dann auch, wenn man auch eine gute Arbeit leistet, dann auch das Vertrauen unter einen Namen auf. ist ganz klar. Aber ich kann mich genau daran erinnern, ich habe wirklich bei Bestattern angefragt und ich habe dann nur gehört, na bitte nicht schon wieder einen, wir haben ⁓ schon so viele Redner. Wo kommen die alle her? Und da habe ich so bisschen nachgedacht drüber. Und ich werde auch immer wieder angerufen von neuen Rednern, die mehr oder weniger so über irgendwelche anderen Ecken kommen. Der hat mir gesagt, ich darf dich anrufen, du bist die Rednerin. Ich bin jetzt auch Redner. Und jetzt wollte ich fragen, wie kann ich denn das angehen oder was kannst du mir denn sagen oder wie auch immer. Und ich sage dann immer, wie soll es denn ausschauen? Die Frage ist ja immer, ist das ein Hobby, ist das Vollzeit? Also für mich ist es eine Vollzeitbeschäftigung. Wie soll das ausschauen? Und häufig bekomme ich halt mit, ich habe ⁓ einen Brotjob, bei dem bin ich ⁓ 35 Stunden. Ich habe mir gedacht, ab und zu wäre das schon ganz nett. Sven Willmann: ... Ist ein nettes Zubrot, was man sich dann am Wochenende verdienen kann, ja. Sabine Osterauer: So kriege ich es immer wieder mit. Richtig, ein nettes Super-Prozo, Freitagnachmittag, Samstagvormittag sind ja bei uns auch noch Verabschiedungen, also bis Samstagmittag sind ja Verabschiedungen auch bei uns noch. Und ich tue mir dann oft ein bisschen schwer. Weißt du, mit Hochzeiten kann ich ganz gut bei solchen Aussagen, bei Verabschiedungen, also ich tue mir persönlich ein bisschen schwer damit, weil für mich das so eine heilige Arbeit ist. Wie geht's denn dir damit? Hast du so etwas auch schon gehört? Sven Willmann: Ich habe ja eine Ausbildung gemacht über eine Agentur, die für Hochzeitsreden hauptsächlich zu tun ist und bin da halt ja immer noch gelistet für Hochzeiten eben. Und da sind auch einige dabei, die auch gerade hier in meiner Gegend jetzt dabei sind und sich da einen Ruf aufbauen. Sabine Osterauer: mitbekommen. Sven Willmann: Ich bin da so ein bisschen durch die Ausbildung durchgeprescht. Also ich war ausgelegt auf ein Jahr. Ich war nach einem Vierteljahr fertig, weil ich mir die Zeit genommen habe und habe das wirklich studiert. Also ich habe dann meinen gesamten Urlaub aufgewendet und habe dann hier morgens ⁓ acht angefangen, wenn die Kinder im Kindergarten waren. Bis abends ⁓ neun, halb zehn habe ich dann hier gesessen und habe das studiert und habe mir dann die ganzen Module da, ich sage jetzt mal, druckbetankt ins Hörn gematert. Ich dann auch meine Übung gemacht und habe das Zertifikat dann auch sehr schnell bekommen. Ich natürlich dann jetzt nicht die Regel. Ich bin eher so die Ausnahme, weil mich das eben auch sehr anfasst, Thema, und mir sehr nahe ist. Wenn du dann für etwas brennst, dann brennst du lichterloh oder du köchelst sofort dich hin. Köcheln war nicht so mein Ding. Natürlich bin ich in diesem Netzwerk noch drin. Natürlich kommen da immer noch mal Nachfragen. Wie sieht das aus? Was nimmst du so für eine Hochzeit? Was nimmst du so für so eine Beerdigung? Was muss ich da beachten? Ja, sag du musst deine eigenen Erfahrungen machen. Das ist erstmal wichtig. Und wichtig ist, dass du ins Gehen kommst. Niemand kann laufen, bevor er gehen kann. Also steh auf und gehe. Mach deine ersten Schritte. Melde dich bei denen und sprich mit denen. Ich kann dir da auch keinen Fahrplan geben. Ich kann dir nur sagen, was wichtig ist. Geh nicht Montag, Mittwoch, Freitag hin, weil das sind bei uns die Tage, wo die Bestatter überhaupt gar keine Zeit haben. Montags arbeiten sie das Wochenende auf, Freitag haben sie die ganzen Beerdigungen und das Mittwoch sind bei uns auch noch Beerdigungen. Also das sind, geh Dienstag oder Donnerstag hin. Ja und das ist dann ebenso, wobei ich auch nicht sagen kann, ich kann jemandem empfehlen, wenn ich irgendwo bei meinen Bestattern, also ich habe hier so 10, 15 Bestatter, mit denen ich zusammen arbeite. wo ich dann sage, ich könnte da einen empfehlen, das kann ich eben nicht, weil ich nicht weiß, wie die Leute reden. Ich müsste selber erst eine Rede hören und ich kann zwar sagen, was die Bestatter bei mir gut finden, aber das ist eben auch mein Stil. Also ich bau in jede Trauerrede ein eigenes Gedicht ein, also ein von mir selbst geschriebenes, so vier bis acht Zeilen für den Verstorbenen, die genau auf ihn gemünzt sind. Und dieses Gedicht wird dann eben auch, wie gesagt, nur einmal gehalten. Ich kann jetzt nicht zu dem sagen, ja, geh dahin und mach ein Gedicht. Das ist ja mein Alleinstellungsmerkmal, das würde ich ihm bestimmt nicht sagen. Da du musst eben deinen eigenen Weg finden, du musst deine Nische finden. Ein Bestatter hat mich mal gefragt, ob ich auch Straftäter beerdigen würde. Da sage ich, mir haben sie nichts getan, warum nicht? Würden sie dann auch einen Mörder beerdigen? Da sage ich, ich lebe ja noch, mir hat das ja nichts angetan. Von daher hat jeder Mensch eine würdige Abschiedung verdient. Sabine Osterauer: Natürlich. Sven Willmann: da wäre ich dann auch bereit, das zu machen. Es gibt halt Themen, die klammert man aus, aber es gibt eben keinen Menschen, der es nicht verdient hat, würdig verabschiedet zu werden. Sabine Osterauer: Ja, weil du das, weil du Weil du das gerade angesprochen hast, ob du auch einen Straftäter verabschieden würdest. Ich werde das auch immer wieder gefragt, ob es irgendwene Ausnahmen gibt und ob es Fälle gibt. Vor allem Suizid zum Beispiel, das ist so ein großes Thema. Ob das schwieriger ist und natürlich auch bei Kindern. Natürlich, also ich sag dann auch natürlich, es ist einfach anders. Ich habe den großen Vorteil, ich habe einen psychologischen Hintergrund, also vom Studium her. Und dadurch fällt es mir persönlich jetzt möglicherweise auch ein bisschen leichter ins Gespräch zu kommen, speziell bei Suizid. Und die habe ich wirklich immer wieder. Also immer wieder darf ich Menschen verabschieden, die sich aus dem Leben selbst verabschiedet haben, aus den unterschiedlichsten Gründen. Sven Willmann: Ja. Sabine Osterauer: Und ich habe die Erfahrung gemacht, dass es oft heilsam ist, hier trotzdem oder vor allem dann noch eine Geschichte zu erzählen. Denn dieser Mensch besteht ja jetzt nicht nur aus dem Suizid am Ende, sondern da gab es ja auch ein Vorleben. Genauso wie ein Straftäter jetzt nicht nur die Straftat in seiner Geschichte drinnen hat, sondern auch davor. Und manchmal ist es auch heilsam in der Geschichte, das zu erzählen, damit auch die anderen so ein bisschen auch das mithören oder mitbekommen. Stimmt, der war ja nicht immer ein Straftäter, sondern der war auch einmal ein aufgeweckter Jugendlicher. Der war in dem und dem Job sehr, gut. Der war vielleicht auch Familienvater und dann ist irgendwas passiert. Und ich glaube, also ich empfinde das zumindest so, dass es oft sehr heilsam ist. Sven Willmann: Ja. Sabine Osterauer: auch mit den Hinterbliebein noch einmal darüber zu sprechen. Also ich sehe das so, ich weiß nicht, wie es du empfindest. Sven Willmann: Das einzige, was für mich wirklich etwas schwieriger sind, sind sehr kleine Kinder oder Kinder generell. Ich muss sagen, bislang ist der Kirch Gott sei Dank an mir vorbei gegangen. Ich muss jetzt noch kein Kind beerdigen, was eben so starke Parallelen zu meinem ersten Sohn hatte, wo ich gesagt hätte, das betrifft mich zu sehr, ich dann gesagt habe, also ich merke... Wenn mich etwas sehr belastet und wenn das mir zu viel ist, dann lehne ich auch den Auftrag ab. sage ich dann auch ganz klarklar, Entschuldigen Sie bitte, aber Ihre Geschichte oder der Tod dieser Person erinnert mich zu sehr an meinen eigenen Schmerz. Ich kann da nicht mehr neutral sprechen. Wenn Sie es wünschen, würde ich es versuchen. Ich würde Ihnen aber raten, sich jemand anderen zu suchen, der eine größere Distanz zu hat. Da muss ich dann aber auch realistisch sein, weil Suizidgut, damit kann ich umgehen. Ich habe in meiner Laufbahn bei der Bahn zwei Suizide am Zug gehabt, also direkt Betroffener. Ich bin kein Lokführer, sondern bin Zugbegleiter gewesen und muss ganz ehrlich sagen, das sind andere Sachen, die man dann da zu sehen bekommt, über die möchte ich hier gar nicht sprechen. Da braucht man dann aber auch psychologische Hilfe, ⁓ das verarbeiten zu können. Aber wenn ich das verarbeitet habe und verarbeiten kann, dann kann ich auch jemandem den Trost geben oder ihm Trost versuchen zuzusprechen. Trösten kann man da sicherlich nicht, wenn sich jemand dafür entschieden hat. Aber versuchen, ihm den Trost zu oder ihr den Trost zuzusprechen und versuchen, der Rede zu klären, wie man weitermachen kann und warum diese Entscheidung für denjenigen eben die Entscheidung ist, er getroffen hat. Da hängt sicherlich ganz viel Arbeit von Trauerbegleiter dran, ja. Und da würde ich auch gerne mit demjenigen dann zusammenarbeiten, der die Trauerbegleitung übernimmt. Aber ich kann jetzt eben nicht sagen, ist halt, lässt mich komplett kalt. Dafür bin ich aber auch Profi genug zu sagen, ich habe meinen Ausweg gefunden und weiß, wie ich damit umgehe. Das sind eben Sachen, da muss man dann eben einen anderen Weg wählen. Und ich würde jetzt nicht den Fokus wirklich auf den Tod legen, sondern ich würde sagen, Er hat ja auch gelebt und es war ja nicht alles im Leben ist schlecht. Er wird auch seine lichten Momente gehabt haben, wo er gesagt hat, mir geht es so gut und ich bin ganz toll und es ist alles so wunderschön. Und dass man dann irgendwann den Tod ansprechen muss in der Trauerrede. Ja, klar, das ist halt so in der Trauerrede. Aber man kann das ja auch sanft angehen und kann da eben dementsprechend die Formulierung wählen und auch die Geschichte so wählen. Sabine Osterauer: Ich weiß. Sven Willmann: dass nicht dieses harte Ereignis dann plötzlich im Raum steht. Ich sage immer, dass der Elefant nicht in den Porzellanladen kommt, sondern dass man weiß, es gibt einen Elefanten, der ist jetzt nicht gerade hier im Raum. Und so kann man das Ganze dann ja angehen und von daher gibt es verschiedene Möglichkeiten. Sabine Osterauer: Mh. Ja. Ja, ich finde das auch total wichtig, das höre ich auch immer wieder. Also es gibt anscheinend Kollegen, Kolleginnen, ich kenne jetzt niemanden, der so arbeitet, aber wo dann einfach auch in der Rede Sachen vorkommen, die nicht stimmen, die einfach frei erfunden sind, dazu interpretiert worden sind wir auch immer. Und ich finde das extrem wichtig, dass man, wenn man die Geschichte dieses Menschen erzählt, dass das auch wirklich alles stattgefunden hat. Und dass man das Gefühl hat, noch einmal diesen Film dieses Lebens ablaufen, mit ablaufen zu lassen, dass man da dabei ist, dass man den auch sieht. Also für mich ist das bei der Trauerrede extrem wichtig. Sven Willmann: Genau. Ja, das stimmt. Ich könnte mich jetzt nicht hinstellen, guten Gewissens und irgendwas erzählen, was mir die Hinterbliebenen nicht erzählt haben. Ich kann jetzt nicht sagen, er war ein leidenschaftlicher Tennisspieler, wenn er in Wirklichkeit Golfer war. ⁓ das mal in blumigen Worten zu sagen oder in bildhaften Worten. Das kann ich nicht. Wenn ich sage, er war sportbegeistert, dann ist das vielleicht eher eine Umschreibung, die das trifft. Wenn ich nicht mehr genau weiß, jetzt haben die gesagt Golf oder Tennis oder Tischtennis oder was auch immer. Dann umschreibe ich das Ganze. Notfalls, ich habe es auch schon gemacht, habe angerufen bei der Witwo und habe gesagt, Entschuldigen Sie bitte, ich muss noch mal ganz klar nachfragen. War das jetzt Kroatien oder war das Serbien, wo er so gerne war? Und er sagte, das war Jugoslawien, das war damals noch alles eins. Ich danke. Sie hatte nämlich verschiedene Orte genannt und im Nachgang, das liegt aber eigentlich nicht in Kroatien, das liegt in Serbien. Sabine Osterauer: Ja. Ja. Ja. Sven Willmann: dann konnte ich da natürlich wunderbar darauf eingehen, dass er eben Jugoslawien sehr geliebt hat, auch wenn es das Land heute nicht mehr gibt. Er war gerne dort und hat sich alles angeguckt. Sabine Osterauer: Ja. Was ich total spannend finde, weil du das jetzt gerade so gesagt hast, mir geht es auch oft so. Sie reden ja relativ schnell und wenn dann auch noch mehr als eine Person mitredet, die erzählen sich ja dann untereinander. Und ich habe ja eine rechte und eine linke Seite im Buch. Rechts versuche ich chronologisch mitzuschreiben, dass ich den roten Faden behalte. Und links schreibe ich alles, was mit Emotionen zu tun hat, Geschichten, also Anekdoten. irgendwelche Sachen, die ich in dem Moment einfach auch auffassen kann von der Familie zum Beispiel, schreibe ich dann alles mit. Und dann sitze ich oft zu Hause, weil meine Schrift kann ja dann auch nur ich lesen, wenn überhaupt. Weil ich schreibe, ich muss ja schnell schreiben. Und da habe ich also meine speziellen Abkürzungen und Pfeile und Striche und keine Ahnung. Und da sitze ich dann oft und denke, wie du gesagt hast, war das jetzt Quarze, war das jetzt Serbien oder war es überhaupt Griechenland oder was anderes? Ich google auch sehr viel. Ich google mir auch ganz viele Sachen raus, weil natürlich die Hinterblieber oft denken, wenn sie mir etwas erzählen, ich weiß das alles, ich kenne mich da ⁓ überall aus. Sei es jetzt über den Golfsport zum Beispiel oder über sonst irgendwelche anderen Hobbys. Da schmeißen sie mir dann oft so Sachen hin. Ich hinterfrag natürlich schon, aber ich sitze dann oft auch zu Hause und da muss ich mich jetzt einlesen, da fehlt mir jetzt etwas. Und ich habe gerne so ganz gezielte special Sachen in meinen Reden drinnen, mit denen man nicht rechnet. Ob das jetzt so zum Beispiel, ich habe auch, also jetzt schreibe ich es bisschen anders, aber ich habe auch für jeden Verstorbenen ein Gedicht geschrieben. Ich habe das auch immer gemacht. bin dann ein bisschen in eine andere Richtung, auch vom Schreiben her gegangen. Also mit den einleitenden Worten zumindest. Aber ich versuche immer, irgendetwas sehr Spezielles hineinzubringen. Ob das jetzt Zitate sind, kleine Gedichte sind. Ich habe auch schon einmal eine Rede geschrieben, da habe ich lauter Bücher bekommen, weil die verstorben eine Künstlerin war und die hat so Bücher geschrieben mit sehr vielen Fotos und da war ihr ganzes Leben drinnen beschrieben. Und aus diesen Büchern habe ich dann die Geschichte herausgeschrieben. Das war ja wirklich eine… Sven Willmann: Ja. Sabine Osterauer: unglaublich anstrengende und zeitintensive Arbeit. Also da bin ich, glaube ich, gesessen. Bei der Rede bin ich sicher gesessen, 15 bis 20 Stunden ungeschaut. Aber mir war das so wichtig. Das war ziemlich am Anfang meiner Zeit. Aber das war mir so wichtig und das war auch so interessant, die Bücher durchzugehen und dann immer wieder etwas einzubauen und da etwas herauszulesen. Ich habe schon mit den Kindern auch natürlich gesprochen, da auch einiges mitgeschrieben. Aber das war mir so wichtig und das war so eine schöne Geschichte dann. Sven Willmann: Hm. Sabine Osterauer: Und das macht es, glaube ich, aus, dieses Besondere. Wir sind schon ziemlich weit mit der Zeit. Eine Frage, die auch viele immer wieder interessiert, ist natürlich das, was verdient man denn als Trauerredner? Jetzt haben wir beide sicherlich unseren Honorar-Satz. Ich glaube, es ist jetzt gar nicht so wichtig, die Zahl dahinter zu sagen, sondern ich glaube, ist viel wichtiger, den Aufwand dahinter mal zu erwähnen. Wir sind eben keine klassischen Redner mit einer Standardrede. Die gibt es auch. Und es ist in Ordnung, dass es auch Menschen gibt, die mit einer Standardrede arbeiten, wenn das gewünscht ist. Aber ich muss also von meiner Seite aus muss ich wirklich sagen, ich sitze zwischen zwei, zweieinhalb, drei, manchmal vier Stunden bei den Hinterbliebenen. Ich schreibe an den Reden zwischen, würde ich sagen, zwischen sieben und zehn Stunden, je nachdem. wie groß sie ist, wie viel ich recherchieren muss. Und dann bist du noch mindestens einmal eine Stunde bei der Verabschiedung. Weil ich bin eine halbe Stunde vorher dort, die hin und zurück fährt und so weiter, eine Stunde bei der Beerdigung und mit hin und her fahr noch einmal zwei Stunden. Also ich würde sagen, ich brauch so im Durchschnitt zwischen zehn und 15 Stunden im Durchschnitt für eine Verabschiedung. Im Durchschnitt. Sven Willmann: Hm. Sabine Osterauer: Manchmal mehr, manchmal auch viel weniger. Wenn sehr viel vorbereitet worden ist, ohne dass ich es verlangt habe, dann bin ich auch mit einer Rede. Ich kann auch eine Rede in vier Stunden schreiben. Ist mir auch schon gelungen. Aber da habe ich dann einfach weniger Material gehabt. Also es sind immer die Umstände. Aber ich würde sagen, so im Durchschnitt brauche ich all in, so zwischen zwischen 10 und 15 Stunden, so im Durchschnitt mit Ausreißern nach oben und nach unten. Wie schaut es bei dir? Sven Willmann: Also ich rechne gerade schon so. Ich rechne jetzt mal eine Stunde das Zaubergespräch. Ich bin eine Stunde vorher an dem Ort der Zeremonie, ⁓ mich eben dort einzufühlen und erst mal diese ganze Atmosphäre in mich aufzunehmen. Dann ist ja auch meistens der Bestatter schon da, bereitet alles vor. Dann kann ich mir eben den Raum anschauen, den Blumenschmuck und nehme diese Atmosphäre auf, ⁓ mich schon mal vorzubereiten. Das zwei Stunden. Sabine Osterauer: Ablauf! Sven Willmann: Das längste ist bei mir wirklich das Einstudieren der Rede. Das Schreiben, das geht immer relativ fix, weil ich mir sehr viel aufschreibe und ich bin auch ein bisschen moderner. Ich nutze ein Aufzeichnungsgerät, das mir dann eben das gesprochene Wort transkribiert und ich kann mir dann eben dieses Gerät, wenn ich mir das auf den Computer ziehe, kann ich nochmal genau nachlesen, wie war denn jetzt was genau und ich mache mir eben so nur das Wichtigste an Notizen und Sabine Osterauer: Mhm. Sven Willmann: habe die Rede im Prinzip ja schon im Kopf. Ich muss sie nur noch zu Papier bringen. Das dauert dann gar nicht mehr so lange. Da bin ich dann vielleicht noch mal halbe, dreiviertel Stunde unterwegs im Brainstorming. Und wenn ich dann die Rede schreibe, auch noch mal eine Stunde. Ich schätze so fünf, sechs. Sechs bis acht Stunden brauche ich für die Rede. vom Erstkontakt bis ich gehe jetzt wieder nach Hause nach der Trauerfeier. Dann sind wir so bei sechs bis acht Stunden maximal. Sabine Osterauer: Oli Sven Willmann: Mehr ist wirklich nicht. Bei mir entsteht die Rede schon immer in dem Moment, wo ich da sitze und mich mit den Leuten unterhalte. Und dann fallen mir teilweise auch schon Formulierungen ein, die ich dann schnell nochmal eben an die Seite kläre, wo ich genau weiß, das ist ein Satz, den ich genauso bringe. Und dann ist es eigentlich nur noch ein Aufbau. das geht... Das Schreiben der Rede ist eigentlich gar nicht mal so die Schwierigkeit. Nachher dann dieses Gedicht, was ich immer noch mit einbaue. Sabine Osterauer: Wir ja. Ja. Sven Willmann: Da denke ich wirklich mal bisschen länger drüber nach, weil da muss man dann eben auch verschiedenen Formulierungen und Reime finden. Ich finde, muss sich reimen. dann anschließend lasse ich es nochmal, das ist das, ich dann KI küsse. Ich gebe meine Rede dann nochmal ohne Daten in die KI ein und lasse zwischendurch checken, ob es die Rede schon mal gegeben hat. Und wenn mir dann angezeigt wird, was die und die Formulierung da und da in der Rede schon dann sag ich, nee, Moment mal, das will ich nicht, dann formuliere ich das Ganze nochmal ⁓ Damit es auch wirklich einzigartig bleibt. Sabine Osterauer: Mhm, verstehe. Danke. Ja. Aber wie gesagt, so arbeitet jeder unterschiedlich und genau, aber das, man muss halt einfach seinen Stil herausfinden. Ich glaube, das Allerwichtigste ist, dass wir eben in der, ja, in der Authentizität bleiben, dass wir das so machen, wie wir das auch sind. Und es ist gut, dass auch die Trauerredner Sven Willmann: Genau. Hm, genau. Sabine Osterauer: sehr unterschiedlich arbeiten. Ich glaube, ist auch ganz, ganz wichtig. Und dass wir uns immer darauf besinnen, dass das eine sehr wichtige Arbeit ist. Und ich würde sagen, reich, wenn man nicht. In dem Sinn, Genau, und das ist dann auch wieder so eine Geschichte. Aber und es zahlt sich auf alle Fälle aus. Also ich möchte es nicht missen. Sven Willmann: Nö, da müsste ich viel mehr verlangen. Sabine Osterauer: Ich mache das wirklich sehr, gerne. ist meine Berufung. Ich kann das wirklich nur so sagen. Aber und ⁓ Trauerredner zu werden oder zu sein, braucht es einfach Zeit und viel Geduld, bis man sich in das Ganze hinein gearbeitet hat. Sven Willmann: Genau. ganz ehrlich gesagt, ich wünschte mir manchmal, ich diesen Schritt viel eher gehabt, diese Idee gehabt und dies umgesetzt, weil es mich so erfüllen kann. Das ist eben mehr wert als Geld letztendlich. Sabine Osterauer: ist es. Ich glaube in diesem Sinne können wir wirklich sagen, zusammen haben wir es wieder mal herausgefunden, warum bin ich Trauerredner oder Trauerrednerin in meinem Fall geworden. Lieber Sven, herzlich Dank, dass du heute mein Gast warst und mit mir über dieses Thema gesprochen hast, über diese Berufung. Und es ist ganz ganz wichtig, dass es Menschen wie uns auch gibt, die ihre ihre Berufung wirklich ausleben mit bestem Gewissen, mit Gefühl, ohne mitzuleiden und etwas ganz Wichtiges auch darin sehen, dass wir diese Tätigkeit wirklich machen. Vielen herzlichen Dank, dass du heute bei mir warst. Sven Willmann: Vielen Dank, dass ich da sein durfte.