Latest / ntv Wirtschaft / "Brutal angespannte" Lage - Bauern fürchten "totale" Ernteausfälle durch Dürre
Transcript
- 0:05Mit Erlaubnis der Regierung. US-Unternehmen sollen künftig Cyberangriffe gegen
- 0:10Kriminelle starten dürfen.
- 0:13Die deutsche Industrie streicht weiter Jobs, besonders in der Autobranche.
- 0:17Und die Dürre bringt Landwirte im Süden an ihre Grenzen. Von kompletten Ernteausfällen ist die Rede.
- 0:24Hallo und herzlich willkommen. In diesem Podcast verwandeln moderne KI-Systeme
- 0:29journalistische Inhalte, die auf unseren NTV-Plattformen publiziert wurden, in ein neues Hörformat.
- 0:36Text und meine Stimme wurden mithilfe künstlicher Intelligenz erzeugt.
- 0:41Vor der Veröffentlichung werden alle Folgen nach strengen journalistischen Standards
- 0:45geprüft. Viel Spaß beim Zuhören.
- 0:51Bislang spielen Tech-Unternehmen beim Kampf gegen Online-Kriminalität vor allem
- 0:56in der Verteidigung eine wichtige Rolle.
- 0:58Sie beobachten Angriffe, sichern Systeme und helfen dabei, Hacker aufzuspüren.
- 1:04Künftig sollen ausgewählte Firmen unter Aufsicht der US-Regierung aber auch
- 1:09selbst Aktivitäten krimineller Hacker stören dürfen.
- 1:13Ganz ohne Leitplanken soll das nicht laufen. Die Unternehmen brauchen eine Freigabe
- 1:17vom Justizministerium und vom Heimatschutzministerium.
- 1:22Außerdem müssen sie mindestens eine Million Dollar als Sicherheit hinterlegen.
- 1:26Für den Fall, dass sie gegen die Regeln verstoßen.
- 1:30Angriffe, die Menschenleben gefährden oder nach internationalem Recht als Gewaltanwendung
- 1:35gelten könnten, sollen tabu bleiben.
- 1:38Und genau an einem anderen Punkt wird es kompliziert. Die Unternehmen dürfen
- 1:42nur Hackergruppen angreifen, die nicht mit ausländischen Regierungen verbunden sind.
- 1:48In der digitalen Welt lässt sich das aber oft nur schwer sauber auseinanderhalten.
- 1:53China, Russland oder Nordkorea verlassen sich laut dem Erlass häufig auf externe Hackergruppen.
- 2:01Cybersicherheitsexperten warnen deshalb, dass die Herkunft einer Attacke in
- 2:05der Praxis nur schwer eindeutig festzustellen sein kann.
- 2:09Hacker verschleiern schließlich ganz bewusst, von wo und für wen sie arbeiten.
- 2:15Was bedeutet es also, wenn private Unternehmen künftig mit staatlicher Erlaubnis
- 2:20vom Verteidiger zum Angreifer werden?
- 2:23Darüber sprechen wir mit Unternehmensberater Thomas R. Köhler.
- 2:27Herr Köhler, der Staat lässt künftig private Firmen also zurückhacken.
- 2:32Ist das dann ein Paradigmenwechsel in der Cybersicherheit?
- 2:37In der westlichen Welt in jedem Fall. Also wir sehen das in Osteuropa,
- 2:42in Russland, aber auch in Nordkorea, wo es enge Verzahnungen gibt zwischen wirtschaftlichen
- 2:47Gruppen und der Regierung.
- 2:48In der westlichen Welt ist das neu und tatsächlich ein bisschen ohne Beispiel.
- 2:53In der Praxis hinter den Kulissen haben natürlich schon lange private Firmen
- 2:57dabei geholfen, Cyberverbrechen auch zu klären. Also wenn Sie etwa in Sachen
- 3:01Forensik rumschauen, dann ist es typischerweise privatisiert.
- 3:04Das heißt, die öffentliche Hand gibt den Auftrag im Einzelfall.
- 3:07Neu ist jetzt sozusagen, dass einige lizenzierte Unternehmen unter einer,
- 3:12ich sage mal, reduzierten staatlichen Kontrolle, also ohne Gerichtsbeschluss,
- 3:16internationale Cybergangster jagen sollen.
- 3:19Das sehen wir bisher tatsächlich noch nicht so.
- 3:21Ja und öffnet Trump jetzt damit die Büchse der Pandora im Cyberraum?
- 3:26Wer kontrolliert eigentlich die digitalen Helfer des Staates,
- 3:29wenn sie selbst zurückschlagen dürfen?
- 3:33Da gibt es nach allem, was wir jetzt an Unterlagen haben, eine neue geschaffene
- 3:37Koordinierungsstelle.
- 3:38Bei dieser Koordinierungsstelle kann natürlich jetzt auch nicht jeder vorsprechen,
- 3:42sondern es gibt lizenzierte Unternehmen.
- 3:45Diese müssen auch eine Million US-Dollar hinterlegen, sozusagen als Gewähr dafür,
- 3:51dass sie Dinge tun, die sie nicht tun dürfen und werden, und das wissen wir
- 3:57allerdings noch nicht wie, dann kontrolliert.
- 4:00Aber grundlegend gilt, so kritisch man das auch sehen kann, im Cyberraum sind.
- 4:07Einrichtungen der öffentlichen Hand oftmals zu langsam und ganz wichtig,
- 4:11Cybercrime ist ein globalisiertes Verbrechen.
- 4:14Es gibt Hotspots rund um die Welt. Ransomware kommt vielfach aus Osteuropa.
- 4:18Romance, Scam, etwa zum Beispiel aus Afrika.
- 4:23Sehr vieles kommt auch aus Nordkorea, weil dort ist Cybercrime ein Teil der Devisenbeschaffung.
- 4:30Und letztendlich braucht man globale Antworten. Und wenn sie das sozusagen an
- 4:33die Polizeibehörden delegieren, dann haben die immer wieder große Erfolge.
- 4:37Erfolgsversprechender, und so sehe ich den Vorstoß von Trump,
- 4:41ist natürlich sozusagen direkt private Akteure, die ja sonst nichts anderes
- 4:45machen und auf Geschwindigkeit orientiert sind, loszulassen.
- 4:49Die Gefahr ist eher, dass dann mal die ein oder andere fremde Macht,
- 4:52die vielleicht die schützende Hand über das ein oder andere Gangstersyndikat
- 4:56hält, auch mal zurückschlägt.
- 4:58Und dass diejenigen, die jetzt dort arbeiten, vielleicht an anderer Stelle als
- 5:02Kriegsparteien gesehen werden. Also das sind Konsequenzen, die sind aus meiner
- 5:06Sicht vollkommen undurchdacht.
- 5:08Aber die Idee sozusagen einer Public-Private-Partnership in der größten Bedrohung
- 5:13unserer Zeit ist grundlegend eine Idee, über die man diskutieren muss.
- 5:17Also im Grunde eine gute Idee mit Risiko. Brauchen wir in Deutschland und Europa
- 5:22ähnliche Möglichkeiten oder wäre das dann ein gefährlicher Weg aus Ihrer Sicht?
- 5:28Also wir haben jetzt gerade vor wenigen Tagen die Geheimdienste gestärkt,
- 5:31beziehungsweise sind dabei, das ist ja in der großen Debatte im Kabinett gerade,
- 5:35inwieweit Geheimdienste sozusagen selber aktiv werden können.
- 5:39Und das geht in eine ganz ähnliche Richtung.
- 5:42Und wenn man bisher deutsche Behörden ansieht, wie sie mit Cyber umgehen.
- 5:49Wäre vielleicht an der einen oder anderen Stelle private Hilfe durchaus angebracht.
- 5:52Also deswegen, wenn man sozusagen hier in der Diskussion in Deutschland sozusagen offensive,
- 6:00Kapazitäten Richtung Ausland aufbauen will, dann sollte man möglicherweise auch
- 6:05mal ganz politisch unbelegt einfach mal neutral prüfen, gäbe es hier vielleicht
- 6:10Akteure, die die öffentliche Hand stärken könnten.
- 6:12Wie gesagt, aber das Entscheidende ist eigentlich, wie kriegen wir die Kontrolle
- 6:16hin? Und darauf hat die Trump-Administration auch wenig Antwort wie eine Koordinierungsstelle.
- 6:21Mehr wissen wir im Augenblick nicht.
- 6:23Und da sehe ich das große Problem, weil da geht möglicherweise das ein oder
- 6:27andere daneben ausschießt, übers Ziel hinaus und führt dann vielleicht sogar
- 6:31zu internationalen Rückschlägen.
- 6:33Das heißt, wenn wir da nicht aufpassen und das ist eigentlich das große Risiko
- 6:36und das muss man hier in den Raum stellen, rutschen wir in einen internationalen
- 6:40Cyberwar und das kann natürlich niemand wollen.
- 6:43Während die USA bei Cyberangriffen privaten Unternehmen also mehr Handlungsspielraum
- 6:48geben wollen, schrumpft in einem klassischen deutschen Wirtschaftszweig gerade etwas ganz anderes.
- 6:54Die Zahl der Arbeitsplätze.
- 6:58Die deutsche Industrie baut weiter Stellen ab. Ende Juni arbeiten im verarbeitenden
- 7:03Gewerbe noch knapp 5,3 Millionen Menschen.
- 7:06Im Vergleich zum Vorjahr ein Rückgang um 2,7 Prozent.
- 7:11Besonders stark trifft es die Autobranche. Dort sind innerhalb eines Jahres
- 7:1542.300 Stellen weggefallen.
- 7:19Mit rund 690.000 Beschäftigten arbeiten so wenige Menschen in der deutschen
- 7:24Automobilindustrie wie seit 2005 nicht mehr.
- 7:28Der Druck kommt gleich von mehreren Seiten. Die USA belasten deutsche Exporte
- 7:33mit hohen Importzöllen.
- 7:35Gleichzeitig produziert China inzwischen viele Waren selbst,
- 7:38die früher aus Deutschland kamen, etwa Autos und Maschinen.
- 7:43Die deutschen Exporte nach China brechen im ersten Halbjahr um mehr als 12 Prozent
- 7:48auf knapp 37 Milliarden Euro ein.
- 7:51Auch das Geschäft mit den USA schrumpft um rund 6 Prozent auf gut 74 Milliarden Euro.
- 7:59Kommen wir von der Industrie zur Landwirtschaft. Der Deutsche Bauernverband
- 8:03warnt wegen der anhaltenden Trockenheit vor massiven Ernteeinbußen.
- 8:08Bei Getreide, besonders beim Weizen und bei Raps erwartet Bauernpräsident Joachim
- 8:13Rukwied eine unterdurchschnittliche Ernte.
- 8:16Auch Kartoffeln, Gemüse, Zuckerrüben, Körnermais und Sojabohnen leiden unter der Dürre.
- 8:22Im Süden Deutschlands könnte es nach Einschätzung des Bauernverbands in einzelnen
- 8:27Bereichen sogar zum kompletten Ertragsausfall kommen.
- 8:31Im Norden sieht die Lage etwas besser aus, weil dort immer wieder Regen fällt.
- 8:36Aber auch dort rechnet Rukwied insgesamt mit unterdurchschnittlichen Ernten.
- 8:41Und inzwischen geht es nicht mehr nur darum, was auf den Feldern geerntet werden kann.
- 8:46In Süddeutschland wächst laut Bauernverband teilweise auch kein neues Futter mehr nach.
- 8:51Gleichzeitig belastet die Trockenheit die Betriebe finanziell.
- 8:55Rukwied berichtet von Landwirten, die Rechnungen für Pflanzenschutz und Düngemittel
- 9:00nicht mehr bezahlen können und Überbrückungskredite brauchen.
- 9:04Manche greifen demnach sogar auf private Ersparnisse oder ihre Lebensversicherung zurück.
- 9:11Bewässerung kann helfen, aber eben nur sehr begrenzt. Gerade einmal rund drei
- 9:15Prozent der landwirtschaftlichen Fläche in Deutschland lassen sich bewässern.
- 9:21Wie dramatisch ist die Lage auf den Höfen tatsächlich? Und was können die Betriebe überhaupt noch tun?
- 9:27Darüber sprechen wir mit Bernd Schmitz von der Arbeitsgemeinschaft Bäuerliche
- 9:31Landwirtschaft. Sie stehen selbst auf Ihren Feldern. Wie dramatisch ist die Lage bei Ihnen aktuell?
- 9:38Ja, guten Tag und danke für die Anfrage.
- 9:42Wir haben hier im Westen von Deutschland, nahe des Rheins, auch diese Ausfälle von Feuchtigkeit.
- 9:51Der Regen fehlt seit Monaten in ausreichender Menge und wir sind eine Grünlandregion
- 9:57und entsprechend das, was im Frühjahr grün war, ist jetzt eine braune Steppe.
- 10:02Und die Felder sind bereits abgeräumt. Dort steht kein Getreide oder keine Ackerbunden mehr.
- 10:08Selbst der erste Mais wurde von Kollegen schon geerntet.
- 10:12Ja, das klingt jetzt nicht wirklich positiv. Was fällt denn bei Ihnen konkret
- 10:17aus? Wie groß ist der wirtschaftliche Schaden? Können Sie das schon beziffern oder einordnen?
- 10:25Sie können sich das so vorstellen, Wir fahren im Frühsommer und auch im Herbst
- 10:30noch mal eine Ernte ein, für unsere Tiere zu füttern. Wir haben Milchkühe und
- 10:34deren Jungtiere, die wir aufziehen.
- 10:37Die Ernte verfüttern wir jetzt zum Beispiel schon bei den Milchkühen seit zwei
- 10:41Wochen. Das heißt, hohe Kosten fallen an.
- 10:46Wir müssen auch sehen, wie wir den Bestand eventuell abbauen noch vor dem Winter.
- 10:52Und müssen uns überlegen, wie kommen wir mit unserem Tierbestand,
- 10:56mit dem vorhandenen Futter bis ins nächste Frühjahr.
- 10:59Und eine gute Hilfe wäre zum Beispiel ein ehrlicher Erzeugerpreis,
- 11:05um dem etwas entgegenzusetzen.
- 11:08Ja, das ist schon mal ein Impuls, den wir da gerne weitergeben.
- 11:12Ist das denn noch aus Ihrer Sicht ein schwieriges Erntejahr oder erleben wir
- 11:16da inzwischen eine existenzielle Krise für viele Höfe, wie sie das beschreiben.
- 11:24Es ist nicht das erste Jahr mit Trockenheit. Leider haben wir in den letzten
- 11:29acht Jahren mehrfach trockene Jahre erlebt, sodass die Grundwasserspiegel in
- 11:34Gefahr von ausreichendem Nachschub sind.
- 11:37Wir erleben das, dass selbst Bäume, die eigentlich in der Tiefe ihren Wasservorrat
- 11:43schöpfen, das nicht mehr können. Also auch die Baumbestände leiden.
- 11:48Wir müssen also gleich handeln. Und zwar geht es da nicht direkt um Düngehilfe,
- 11:53weil ein Dünger hilft auch nicht, wenn es nicht regnet.
- 11:56Sondern wir müssen tatsächlich handeln, wie halten wir Wasser in der Fläche.
- 12:00Und das sind entscheidende Faktoren.
- 12:02Ja, und wenn Weizen, Gemüse, Kartoffeln knapp werden, dann interessiert die
- 12:07Zuschauer sicherlich. Müssen wir uns auf deutlich höhere Lebensmittelpreise
- 12:11einstellen weiterhin? Und noch mehr? Ja.
- 12:15Ich habe extra deshalb gesagt, wir bräuchten höhere Erzeugerpreise.
- 12:18Was wir in den letzten Jahren erlebt haben, waren Kostenanstiege für den Verbraucher,
- 12:23die aber nicht auf den Höfen ankamen.
- 12:26Das muss sich ändern. Entsprechend müssten auch vom Bauernverband Impulse mitgetragen
- 12:31werden, die eine Mitsprachemöglichkeit der Bauern für die Preisgestaltung im
- 12:37gesamten Handel ermöglichen.
- 12:41Sie fordern also staatliche Hilfen. Was brauchen Sie jetzt noch ganz konkret?
- 12:46Wo sollte der Staat ansetzen? Denn ist das Wetter das eigentliche Problem oder
- 12:50zeigt eben die Dürre auch, wie schlecht die Landwirtschaft auch inzwischen auf
- 12:54solche Extremjahre ja vorbereitet ist? Ja.
- 12:59Ich habe das jetzt nicht als Hilferuf ausgestrahlt, sondern ich habe.
- 13:05Genau betont, wir brauchen die Möglichkeiten über Mittel, die bis jetzt eigentlich
- 13:12unqualifiziert verteilt worden sind,
- 13:14in Zukunft Maßnahmen für die bessere Versorgung der Böden mit Wasser.
- 13:19Denn Grundwasser wird überall dort gebildet, wo Landwirtschaft betrieben werden,
- 13:25wird. Die Sachen müssen verbessert werden. Dafür braucht sie Mittel,
- 13:28die Herr Ruckwitt gerne breit verteilt, ohne Qualifikation ausgeben möchte.
- 13:33Die ABL sieht das etwas anders. Wir brauchen Mittel dort, wo Maßnahmen zum Klimaschutz,
- 13:39zu Klimafolgemaßnahmen, Anpassungen gelehrleistet werden, gemacht werden,
- 13:46durchgeführt werden von den Bauern.
- 13:47Und wir müssen auch zum Beispiel die Möglichkeit bekommen, Gräben aufzustauen,
- 13:52die in der öffentlichen Hand sind, um jetzt bei Starkregen ablaufendes Wasser
- 13:56in der Landschaft zu halten.
- 13:58All diese Punkte sind wichtige Maßnahmen, die erstmal dem Verbraucher kein Geld kosten.
- 14:03Wenn er dann dafür sorgt, dass der Bauern einen vernünftigen Erzeugerpreis bekommt,
- 14:08dann haben wir schon viele gute Sachen möglich gemacht.
- 14:12Deutliche Worte und deutliche Forderungen von Bernd Schmitz von der Arbeitsgemeinschaft
- 14:16bäuerliche Landwirtschaft.
- 14:17Vielen herzlichen Dank für unser Gespräch, Herr Schmitz. Das war unser Blick
- 14:20auf die aktuellen Nachrichten aus der Wirtschaft für den Moment.
- 14:24Wir hören und lesen uns wieder bei NTV. In der App, im TV oder hier im Podcast.