Latest / Rambo Zambo – Der Merz-Podcast / Wirtschaftsretter Merz? Der Kanzler hat ein Problem
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- Wir haben diese Bundestagswahl 2025 gewonnen. Jetzt darf auch mal Rambo Zambo im Adler. Das ist Rambo Zambo, der März-Podcast. Das Format, das ihr vielleicht nie wolltet, aber jetzt braucht. Direkt aus der Funke-Zentralredaktion. Herzlich willkommen bei Rambo Zambo, dem Podcast der Funke Mediengruppe über den Bundeskanzler. An dieser Stelle sprechen wir einmal in der Woche über Friedrich Merz und seine schwarz-rote Bundesregierung. Was gibt es Neues beim Bundeskanzler? Was muss man über Friedrich Merz wissen? Mein Name ist Jan Dörner. Ich vertrete in dieser Folge die Rambo Zambo-Gastgeberin Julia Emrich und Carlotta Richter. Ich bin Chefreporter in der Berliner Zentralredaktion der Funke Mediengruppe und verfolge den Bundeskanzler und seine Regierung. Mein Gast heute ist Tobias Kießling. Tobias ist stellvertretender Ressortleiter in der Funke Zentralredaktion mit Fokus auf die Wirtschaft und hat ganz besonders den Blick, wie es Deutschlands Unternehmen geht. Wir wollen heute darüber sprechen, wie das Verhältnis des Kanzlers zur deutschen Wirtschaft ist und ganz besonders wichtig, welche Aufgaben vor März liegen. Schließlich geht es der deutschen Wirtschaft im Moment nicht so gut. Tobias, ich freue mich, dass du hier bist. Ja, hallo Jan, vielen Dank für die Einladung. Wie würdest du in wenigen Worten den Beziehungsstatus zwischen Merz und der deutschen Wirtschaft beschreiben? Es ist kompliziert. Kompliziert, okay. Komplizierter als bei Scholz? Nein, soweit würde ich nicht gehen. Aber ich glaube, wir kommen von einer anderen Erwartungshaltung. Ich erinnere mich sehr gut, vor einem Jahr ungefähr zur selben Zeit gab es den damaligen parlamentarischen Abend der Spitzenverbände, die großen, wichtigen Wirtschaftsverbände hier in Berlin, die Arbeitgeber, der Industrieverband und die Deutsche Industrie- und Handelskammer. Und damals war Friedrich Merz als Oppositionsführer ja noch da und rief in die Menge, halten Sie durch. Und es war ganz viel positiver Vibe in diesem Raum. Man merkte richtig, das war ein Heimspiel für ihn. Da waren viele Unternehmerinnen und Unternehmer, die sich nach März regelrecht gesehnt haben. Und jetzt ist März seit etwas mehr als 100 Tagen Bundeskanzler, hat auch schon einige Sachen auf den Weg gebracht. Aber der Aufschwung, auf den wir alle so hoffen und so setzen, der bleibt eben aus. Und da merkt man, dass sich das Verhältnis bei einigen Unternehmen zumindest gerade etwas abkühlt und auch bei einigen Vertretern der Wirtschaft aus den Verbänden abgekühlt hat. Und deswegen, es ist kompliziert, weil eben dieser Anfangsboost, den er eigentlich erzeugen wollte, in dieser Form gerade nicht mehr so da ist, wie vielleicht noch vor der Bundestagswahl die Hoffnung da gewesen ist. Ja, du hast die Hoffnung angesprochen. Wir können ja sogar mal zwei Jahre zurückgehen. Also ich kann mich daran erinnern, dass vor zwei Jahren ist Carsten Linnemann, der CDU-Generalsekretär, durch Veranstaltungen gelaufen, war im Fernsehen, war in Zeitungsinterviews auch bei uns und hat gesagt, Deutschland ist wieder der kranke Mann Europas. Ich kann mich daran erinnern, dass damals im Kanzleramt wurde das als Schlechtrederei abgetan. Das wurde als übertrieben. Dargestellt als unfaire Angriffe der Opposition auf die Regierung, die Regierungsarbeit und den Standort Deutschland. Ein Jahr später war dann der besagte parlamentarische Abend und man kann sagen, damals war es schon klar. Friedrich Merz hat gute Chancen, Kanzler zu werden und bis dahin war dann auch Scholz aufgewacht, war die SPD aufgewacht. Die haben dann auch einen Wahlkampf gemacht, in dem sie gesagt haben, wir müssen der Wirtschaft helfen, was natürlich bei Scholz, der vorher Bundeskanzler gewesen war, ein bisschen unglaubwürdig rübergekommen ist, während Merz halt die Hoffnung verkörpert hat. Und vor allem, Scholz hatte sich ja auch richtig verscherzt mit der Wirtschaft. Er hat immer gesagt, die Klage ist das Lied des Kaufmanns. Also er hat gesagt, die Unternehmen, die Verbände meckern, eigentlich ist es gar nicht so schlecht. Das haben die Verbände damals schon anders gesehen und die Unternehmen. Welche Zeichen hat Merz denn gesetzt mit seinem Regierungsantritt, auch mit seiner Personalauswahl, die erstmal für Hoffnungen gesorgt haben? Ich beantworte die Frage gleich. Ich möchte einmal kurz darauf eingehen, was du gerade zu Carsten Lindemann 2023 gesagt hast, weil wir da eine bemerkenswerte Parallelität der Umstände hatten. Du hast das Zitat angesprochen. Er hat sich auf den berühmten Satz, der schon anfangs der 2000er Jahre uns einmal zugeschrieben wurde mit dem kranken Mann Europas beschrieben. Zur gleichen Zeit hat Olaf Scholz davon gesprochen, dass wir in Deutschland ein Wachstum haben werden, wie zu Beginn der 50er und 60er Jahre. Wir erinnern uns daran, der Wiederaufbau. Es ging voran, horrende Wachstumsraten, die wir hatten. Und er sprach davon, dass die Arbeitslosigkeit kein Thema mehr sein wird in diesem Land. Begründete das mit dem Fachkräftemangel, den wir auch heute schon erleben. So, jetzt sehen wir im Jahr 2025, dass die Arbeitslosenzahl über drei Millionen liegt. Erstmal seit 15 Jahren, glaube ich. Seit 10 Jahren, genau, seit 2015. Und wir weit davon entfernt sind, dass wir gute Wachstumsraten haben. Ganz im Gegenteil, wir laufen gerade Gefahr, in das dritte Rezessionszeit in Folge zu gehen. Das gab es noch nie in der Bundesrepublik Deutschland. Diese Parallelität der Ereignisse, also auf der einen Seite zu sagen, es wird alles rosig, auf der anderen Seite zu sagen, es ist ganz schrecklich, das war damals schon bemerkenswert. Und du hast es angesprochen, im Wahlkampf kam dann in einer gewissen Art und Weise die Kehrtwende. Da musste man sich den wirtschaftlichen Realitäten stellen, die so nicht eingetreten sind, wie das von damaligem Bundeskanzler Olaf Scholz erwartet worden ist. Und ja, Friedrich Merz punktet oder hat im Wahlkampf gepunktet über seine Wirtschaftskompetenz, die ihm zugeschrieben wurde von vielen Wählerinnen und Wählern. Wenn wir jetzt darüber reden, was Hoffnung gemacht hat zu Beginn der Legislatur, da müssen wir, glaube ich, sogar noch einen Schritt früher anfangen. Nämlich bevor dieser 21. Deutsche Bundestag zusammengetreten ist, hat ja Friedrich Merz, und dafür gab es viel Kritik in den eigenen Reihen, Das Sondervermögen Infrastruktur verabschiedet 500 Milliarden Euro, ein gewaltiger Berg, 100 Milliarden Euro davon für die Länder und die klammen Kommunen, die das brauchen, 100 Milliarden Euro in Klimaprojekte und eben 300 Milliarden, die jetzt beispielsweise für unsere maroden Brücken genutzt werden sollen, die für unsere maroden Straßen genutzt werden sollen, die aber auch in die Schieneninfrastruktur fließen sollen. Auf Pump muss man dazu sagen. Genau, Sondervermögen klingt immer so schön, aber natürlich ist das alles schuldenfinanziert und damit gehen auch negative Effekte einher, über die wir vielleicht gleich nochmal reden können. Aber das war ja schon bemerkenswert, weil Friedrich Merz natürlich einer ist, der für eine solide Finanzpolitik steht. Also eigentlich niemand, der die Schuldenbremse aufweicht. Und jetzt hat er sich eben mit diesem Kniff des Sondervermögens schon mal bedient. Da hat die SPD natürlich jubiliert. Das war eine Forderung, die sie im Wahlkampf hatte, die sie durchsetzen konnte. Und er hat es eben vor seinem Regierungsantritt getan, weil da die parlamentarischen Mehrheiten einfacher waren, da konnte er es mithilfe der Grünen durchsetzen. Im jetzigen Deutschen Bundestag bräuchte man dazu die Linke und die AfD, mit beiden Parteien arbeitet die Union nicht zusammen, hat ein Unvereinbarkeitsbeschluss. So, damit ging es schon mal los. Aber wie kam das damals an in der Wirtschaft? Da haben die gesagt, oh, bitte nicht so viele Schulden oder haben die gesagt, endlich wird investiert, das brauchen wir dringend? Also diese Forderung nach einem Sondervermögen und nach den hohen Investitionen, insbesondere in unsere Infrastruktur, die gibt es schon sehr lange. Das ist ein jahrzehntelanger Prozess fast und auch die großen führenden Wirtschaftsinstitute haben immer wieder darauf gedrungen, dass man die Investitionen macht. Von daher ist das Grundsignal erst einmal positiv gewesen. Aber, und das merken wir aktuell wieder, es wurde von Anfang an davor gewarnt, dass man einen sogenannten Verschiebebahnhof errichtet. Also, dass man, wir sehen es jetzt in den aktuellen Haushaltsdebatten, die gerade laufen, am Ende Löcher stopft und Projekte finanziert, die die Wirtschaft nicht nach vorne bringen, sondern sich einfach finanzielle Spielräume erschafft. Und das eben aufgrund einer höheren Verschuldung. Und das ist nicht nachhaltig gerichtet, wenn es denn so wäre, dass... Müssen wir jetzt abwarten, wie es am Ende sein wird. Aber natürlich ist eine Verschuldung, die wir jetzt machen, immer etwas, was spätere Generationen abbezahlen müssen, was dazu führt, dass wir einen höheren Schuldendienst haben, mehr Zinsen bezahlen müssen, was eben im Zweifel auch dazu führt, dass unsere deutschen Staatsanleihen sich verteuern, die teurer ausgegeben werden müssen. Das ist einfach, dieses Geld muss ja irgendwo herkommen. Das fällt ja nicht vom Himmel. Das heißt, wir nehmen diese Schulden auf und das ist eben etwas, was wir später zurückzahlen müssen. Grundsätzlich aber war das erst einmal positiv wahrgenommen, dass wir eben das klare Signal geben und das wurde auch im EU-Ausland natürlich wahrgenommen, hier passiert jetzt was. Man merkt das ja im Alltag, wenn man auf den deutschen Straßen unterwegs ist, es ist wirklich nicht gut. Es hubbelt immer so, wenn man fährt. Es hubbelt und wir haben in den letzten Jahren, glaube ich, viele Zumutungen erlebt, was gesperrte Brücken angeht. Und hier musste jetzt wirklich mal was passieren. Denn natürlich ist auch das, was dem Wirtschaftsstandort schadet, wenn wir eine solche marode Infrastruktur haben. Wir haben immer noch bei allen Bestrebungen, dass wir Güterverkehr auf die Schiene umlegen wollen, ganz viel Güterverkehr, die über die Straße läuft. Und jeder Stau kostet uns am Ende auch als Volkswirtschaft Geld. Deswegen ist das per se erstmal nicht schlecht, dass man jetzt sagt, man investiert da rein, wenn das Geld denn dann ankommt. Und dann hat Friedrich Merz ja mit der Ernennung seines Kabinetts schon dafür gesorgt, dass die Wirtschaft auf einmal sehr viel sichtbarer in der Bundesregierung ist. Er hat mit Katharina Reiche, unserer jetzigen Wirtschaftsministerin, aber auch mit Carsten Wildberger, unserem aktuellen Digitalminister, zwei Menschen aus der Wirtschaft geholt. Und Wildberger war vorher Chef vom Mediamarkt Saturn-Konzern, Mutterkonzerns Economy. Überhaupt, dass es jetzt dieses Ministerium gibt, ein Ministerium, was sich ausschließlich der Digitalisierung und der Staatsmodernisierung, sprich der Entschlackung, sprich des Bürokratieabbaus widmen soll, das kann man in der Wirtschaft sehr gut an. Katharina Reiche, in der Wirtschaft war sie schon politisch tätig, hat also politisch bereits Erfahrungen gesammelt. Sie war mal Staatssekretärin. Unter Angela Merkel damals noch, dann war sie beim Verband der Stadtwerke, hatte da eben schon tiefe Einblicke, kommunalen Unternehmen heißt der Verband offiziell, aber vertritt eben die größten Stadtwerke, hat dort Erfahrungen gesammelt, was die Energiepolitik anging und es dann zu Westenergie gewechselt. So und dann kam eben auch von der von den anderen Koalitionspartnern, konnte man auch durchaus sagen, gibt es Wirtschaftsexpertise, die eingebracht wurde. Die SPD hat beispielsweise Verena Hubertz, eine erfolgreiche Start-Uperin, in die Regierung geholt und unsere aktuelle Bauministerin und auch die CSU hat ja mit Alois Reiner, der immerhin einen Metzgerbetrieb aufgebaut hat und geführt hat, eben jemanden, der auch die Schiene kennt, was vielen Handwerkern dem Metzgereihandwerk auf der Seele liegt und natürlich auch mit Blick auf die Gastronomie jemanden gehört. Also da ist schon durchaus Wirtschaftssachverstand aus der Praxis am Kabinettstisch. Das war das Nächste, was erstmal positiv aufgenommen wurde in der Wirtschaft. Und dann hat sich die Regierung, ja, das muss man ihr schon zugestehen, auch in den ersten 100 Tagen daran gemacht, Reformen, Reformen vielleicht ist ein bisschen weit zu weit gegriffen, wenn wir gleich nochmal über den Herbstreformen sprechen, aber zumindest Programme zu initiieren. Da würde ich als allererstes mal den Wachstumsbooster, den sogenannten, nennen. Das war das umfassendste Programm, was die Bundesregierung auf den Weg gebracht hat. Der Wachstumsbooster unter fast vier Sonderpunkte. Da gibt es einmal den sogenannten Investitionsbooster. Das ist jetzt relativ technisch, muss man sagen. Hier geht es nämlich um Abschreibung. Vereinfacht kann man vielleicht sagen, den Unternehmen wird es leichter gemacht zu investieren und diese Investitionen dann abzusetzen. Ja, also es geht vor allem darum, dass man Investitionen vorziehen möchte. Also jedes Unternehmen, ich gebe dir mal ein Beispiel, du schaffst dir eine Maschine für 100.000 Euro an. So, jetzt kannst du sowas schon immer linear abschreiben. 10 Prozent nehmen wir jetzt mal für 10 Jahre, je nachdem, was für Maschinentyp das ist. Dann unterscheidet sich das. Schreibst du das Ding über 10 Jahre ab, kannst deinen Gewinn entsprechend mindern. Die Bundesregierung hat jetzt gesagt, passt auf, liebe Leute, wir machen jetzt eine sogenannte degressive Abschreibung. Das bedeutet, dass ich 30 Prozent abschreiben kann. Also einen höheren Wert. Ich habe am Ende mehr Geld in der Kasse. Die Idee dahinter ist natürlich, dass ich mir jetzt vielleicht, wenn ich eben in diesen ersten Jahren, in denen ich diese höhere Abschreibung habe, am Ende mehr Liquidität in der Kasse habe, vielleicht darüber nachdenke, dass ich mir noch eine zweite Maschine anschaffe. Und man darf nicht vergessen, wir haben einen gewaltigen Investitionsstau in der deutschen Wirtschaft. Es ist eine große Zurückhaltung, auch angesichts dieser Weltlage, wie wir sie derzeit haben. Viele halten ihre Investitionen zurück. Und da ist das Kalkül durchaus gewesen mit diesem sogenannten Investitionsbooster, dass eben diese Investitionen nicht mehr zurückgehalten werden, dass sie jetzt getätigt werden. Damit modernisierst du deine Betriebe, damit modernisierst du die Wirtschaft und damit so die Hoffnung, die müssen wir gucken, ob sie aufgeht, bringst eben diese Investitionen rein. Der zweite Punkt war, dass du betriebliche E-Autos dir anschaffen konntest. Auch wieder mit den Abschreibungsbedingungen, sehr hohe Abschreibung, ist der Effekt einerseits beim Klima, andererseits eben, dass du ja einen Anreiz schaffst, auch für die Automobilindustrie. Und dann kommen wir aber zu einem Punkt, der ganz wichtig ist und das ist die Absenkung der Körperschaftssteuer. Und das ist die erste wirkliche Unternehmenssteuersenkung seit über einem Jahrzehnt. 2008 war eigentlich die letzte ernstzunehmende. Und das ist das, was in der Wirtschaft, wo ganz große Hoffnungen drauf liegen. Sie soll abgesenkt werden von 15 auf 10 Prozent. Und jetzt kommt aber das große Aber erst ab 2028. Und das ist das, was Ökonominnen und Ökonomen kritisieren. Die sagen, das hätte früher kommen müssen. Das ist etwas, was der Wirtschaft wirklich einen Boost geben kann. Auch da muss man sagen, das kostet Geld. Das sind am Ende Steuereinnahmen, die fehlen. Auch das muss sich in der Haushaltsplanung natürlich widerschlagen. Aber das ist eben etwas, was sehr positiv ist. Lassen wir noch zwei kleinere Dinge nennen. Es gibt den Bauturbo, womit man schneller bauen kann. Das hat die Bundesregierung auf den Weg gebracht. Es gibt auch eine Hightech-Agenda. Das ist insbesondere für die Unternehmen relevant, die eben stark in Quantentechnologie sind, stark im Bereich künstlicher Intelligenz oder auch bei der Biotech oder der Mikroelektronik und noch beim Wachstumsbooster. Es gibt auch bessere Förderbedingungen für die Forschung und Entwicklung, wo wir ja in Deutschland traditionell sehr stark sind mit unseren Unternehmen. Hinzu kommt, dass die Stromsteuer und die Gaskosten werden im nächsten Jahr gesenkt. Und trotzdem sind wir jetzt in einer Situation, in der die Unternehmen noch nicht zufrieden sind. Du hast es beschrieben, viele von den Sachen, die kommen erst noch, die müssen noch ihre Wirkung entfalten oder können sie jetzt auch noch gar nicht entfalten, weil sie halt erst dann für nächstes Jahr oder die folgenden Jahre wirksam werden. Wir haben aber die Entwicklung, die der Bundesregierung jetzt Sorgen machen, das ist die Lage der Autoindustrie, dort werden Stellen auch bei den Zulieferern gestrichen. Wir haben die drei Millionen Arbeitslosen im August, die wir schon angesprochen haben. Wie lichterloh brennt der Baum und hat Merz das erkannt, dass er was machen muss? Oder ist er so ein bisschen wie Olaf Scholz in den Elfenbeinturmen des Kanzleramts eingezogen und findet eigentlich auch, dass zu viel geklagt wird in der Wirtschaft? Also zum einen würde das Friedrich Merz so nie sagen, das muss man schon sagen. Das war dieser Spruch von Scholz. Und man kann ja vielleicht sogar sagen, dass es inhaltlich gar nicht mal so weit weg ist. Auch in guten Jahren haben wir natürlich die Klagen aus den Wirtschaftsverbänden gehört. Aber das geht natürlich nicht, wenn wir in einem Abschwung begriffen sind, als Bundeskanzler sich hinzustellen und diesen Satz zu sagen, die Klage ist das Lied des Kaufmanns. Das war einfach maximal ungeschickt. Und das wird Friedrich Merz nicht passieren. Dafür ist er ein Mann, der aus der Wirtschaft kommt. Einen solchen Satz wird man von ihm nicht hören. Und natürlich ist er nicht zufrieden mit dem, was da gerade passiert. Also wenn wir jetzt wirklich dieses dritte Resistionssatz haben, das kann ihn nicht zufriedenstellen. Er ist niemand, der sagt, aber in zehn Jahren wird alles besser. Und wir merken ja gerade mit Blick auf den sogenannten Herbst der Reform, wobei er in der Generaldebatte schon gesagt hat, das wird vielleicht dann auch weitergehen in den Winter und den Frühjahr und den Sommer und den nächsten Herbst. Also wir gucken mal, wie lange diese Reformanstrengungen gehen. Aber er nimmt diese Reformanstrengungen ernst. Er möchte sie umsetzen. Jetzt wird man gespannt sein, was am Ende bei rumkommt, worauf sich die Koalition einigen kann. Aber das ist am Ende auch das, was wir jetzt brauchen. Also bei all dem, was ich eben am Anfang gesagt habe, Wachstumsbooster und alles, das ist alles schön und gut, das wurde alles gelobt. Aber man hört es eben auch von Ökonominnen und Ökonomen, man muss es flankieren. Und dieser Herbst der Reform, sprich vor allem eben die Rentenversicherung, ganz großer Batzen, aber auch die Pflegeversicherung, die gerade völlig ausartet und die Lage der gesetzlichen Krankenkassen, das ist ja ein Zusammenspiel. Das eine kann man fast gar nicht losgelöst, ohne das andere betrachten. Und da muss jetzt was passieren. Und da ist Friedrich Merz in der Pflicht zu liefern, denn er hat diese großen Ankündigungen gemacht. Er hat die Versprechung gemacht, dass er da liefern wird. Und da darf man jetzt sehr gespannt sein, ob ihm ein ähnlicher Wurf gelingt. Wie es wird immer wieder der Vergleich gezogen zu Gerhard Schröders Agenda 2010. Und das ist jetzt was, was die Unternehmerinnen und Unternehmer auf alle Fälle erwarten. Und da muss man noch sagen, wenn du die Fragestellung stellst, wie lichterloh brennt der Baum. Naja, man kann immer über zwei verschiedene Dinge argumentieren. Also zur Wahrheit gehört natürlich auch, dass zum Beispiel im vergangenen Jahr 46 Millionen ungefähr erwerbstätig waren. Das ist ein Rekord. So viele Erwerbstätige hatten wir noch nie. Also gleichzeitig kann man nicht wegdiskutieren, dass wir diese drei Millionen Arbeitslose im August hatten. Das sind Saisoneffekte. Aber du hast es angesprochen, das ist der höchste Wert seit zehn Jahren. Das kommt jetzt nicht alles daher, weil die Azubis erst im September anfangen und gerade alle Ferien machen. Das ist schon ein Problem. Und wir haben vor allem, und das ist schwierig. Nicht auf der nominalen Ebene, aber auf der relativen Ebene haben wir, wenn man das zusammenrechnet, seit mittlerweile sieben Jahren ein Nullwachstum. Wir sind relativ gesehen, also rausgerechnet, was wir an Inflation haben, sind wir auf dem Wirtschaftsstand von 2019. Und wenn ich als Unternehmen eine Entscheidung treffe, eine Standortentscheidung treffe, dann gucke ich mir natürlich an, wo sind prosperierende Wirtschaftsräume, wo kann ich ein Wachstum erzielen. Und das ist gerade eine schwierige Situation und da ist jetzt eben die Bundesregierung gefordert, hier Anreize zu schaffen, dass in Deutschland wieder investiert werden kann, dass Deutschland wieder wächst. Wir brauchen halt vor allem das private Kapital, so diese 500 Milliarden Euro Sondervermögeninfrastruktur. Das ist schön, dass der Staat hier investiert als staatliche Investition, aber es muss privates Geld auslösen, ansonsten wird das nichts. Genau und da hat Merz ja Anfang dieser Woche hat er eine Personalie verkündet und zwar den früheren Commerzbankchef Martin Blessing ist jetzt sein Investitionsbeauftragter. Und den hat er vorgestellt als den Ein-Euro-Mann. Blessing arbeitet nämlich weitgehend umsonst. Der kündigt an, er will sich mit Investoren treffen, auch aus dem Ausland und denen erklären, wie gut man in Deutschland investieren kann. Ist es so, dass Deutschland vielleicht mit schlechten oder im Vergleich zu anderen Ländern nachteiligen Standortbedingungen auftritt, dann auf so einem Investorenmarkt, aber möglicherweise in dieser Welt sowas wie Rechtssicherheit künftig wieder eine größere Rolle spielt, weil man zum Beispiel nicht weiß, was einem als Unternehmen in den USA passiert, was einem da für Auflagen gemacht werden? Wenn du die Auflagen ansprichst, dann ist das natürlich ein zweischneidiges Schwert. Also natürlich hast du recht, wir haben in Deutschland eine hohe Verlässlichkeit, wir haben in Deutschland eine hohe Rechtssicherheit. Aber man muss eben auch sagen, wenn du über die Auflagen sprichst, das ist ja einer der Hauptkritikpunkte, die die Unternehmerinnen und Unternehmer äußern. Wir haben uns in Auflagen und über Auflagen, haben wir uns näher dazu erstickt. Die Bürokratie, das ist immer das Schlagwort, was als erstes genannt wird. Wir müssen den Bürokratieabbau schaffen. Das ist der dringende Wunsch der Unternehmen. Wir sind aber... Bei allem Negativen, was wir haben, wir haben zu hohe Energiekosten, du hast es schon angesprochen, da tut die Regierung jetzt was, wir haben zu viel Bürokratie, wir haben zu hohe Lohnnebenkosten, da gucken wir dann auf den Herbst der Reformen, wie sich das weiterentwickeln wird, aber wir haben eben auch Standortbedingungen, die nach wie vor für Deutschland sprechen. Und du hast die Krise in der Automobilindustrie angesprochen, da haben wir ganz große Probleme. Ja, das stimmt, aber wir haben eben auch noch ganz viele Hidden Champions und wir haben, und das ist eben ein ganz großes Unterscheidungsmerkmal im Vergleich zu anderen Ländern, wir haben einen unglaublich starken Mittelstand. Und dieser Mittelstand, der hat viele Krisen schon gemeistert, hat sich immer wieder angepasst und der zieht eben auch größere Unternehmen an. Und das ist eben ein großes Fund, was wir haben und was wir auch haben, wir haben eine wirklich exzellente Hochschullandschaft, ganz viel wissenschaftlicher Input, den wir daraus ziehen können. Auch das ist interessant für Unternehmen. Wir schaffen es einfach noch nicht, aus dieser Forschung und Entwicklung, die wir machen, Unternehmen zu skalieren, wie die USA das machen, schlicht und ergreifend, weil es in den USA leichter ist, was die Regulatorik angeht. Was auch leichter ist, was so eine Kultur des Scheiterns angeht, da sind wir in Deutschland relativ strikt. Aber es ist bei einer Schwarzmalerei, die derzeit viel betrieben wird, es ist auch nicht alles schlimm am Deutschlandstandort. Also ich glaube, der Ruf nach weniger Bürokratie, der ist in der Bundesregierung auch angekommen. Ende des Monats, September, will das Bundeskabinett zu einer Klausur zusammenkommen und so wie ich höre, soll das Hauptthema Bürokratieabbau sein. Also vielleicht gibt es dann nochmal gute Nachrichten für die Wirtschaft. Wobei man natürlich sagen muss, die Bundesregierung, Staat oder vielleicht starren ist vielleicht das falsche Wort, die sind natürlich auf ein gutes Wachstum angewiesen. Denn Wachstum bedeutet höhere Steuereinnahmen. Höhere Steuereinnahmen bedeuten mehr Geld in der Kasse von Finanzminister Klingbeil, mit der dann auch Sozialsysteme finanziert werden. Wachstum bedeutet auch weniger Arbeitslose. Mehr Arbeitslose belasten wiederum das Sozialsystem. Also deswegen kann natürlich auch noch die Lage sich verschlimmern, wenn sich die Konjunktur- und Arbeitslosendaten in den kommenden Monaten im Winter nochmal ins Negative bewegen. Naja, also da muss man ja auch sagen, das kann natürlich passieren, wenn man sich die... Aktuellen Vorausschauern anguckt für das kommende Jahr, dann sind die positiver. Wir reden da über Wachstumsbereiche. Ich glaube, die KfW, die staatliche Förderbank, ist derzeit am positivsten ausgestellt, rechnet mit einem Wachstum im kommenden Jahr von 1,5 Prozent. Die anderen Institute liegen so zwischen 1,2 und 1,3 Prozent. Also man darf schon die berechtigte Hoffnung haben, dass im kommenden Jahr etwas passiert, dass ein Aufschwung passiert. Und man darf nicht vergessen, Wirtschaft hat unglaublich viel mit Psychologie zu tun. Und wenn natürlich ein Grundgefühl, auch bei den Leuten ankommt, der Konsum ist einer der tragenden Säulen unseres BIPs, dass man das Geld eben nicht nur zur Seite legt, weil alles unsicher ist, sondern man investiert wieder, man gibt privat auch Geld aus. Dann können da natürlich auch Wirtschaftseffekte eintreten. Und das ist das, worauf die Regierung gerade setzen muss. Aber klar, das Risiko, dass es wieder abwärts geht und weiter abwärts geht, auch das ist nicht gebannt. Wir haben eine extremst erratische Zollpolitik, beispielsweise in den USA von Donald Trump. Deutschland ist ein sehr exportlastiges Land. Wir sind darauf angewiesen, dass die Globalisierung funktioniert und wir merken natürlich gerade, dass wir Tendenzen der Abschottung haben, sowohl was die USA angeht, als auch schwierige Bedingungen, die wir in China vorfinden. Ich erinnere da an den Stopp der seltenen Erden, die unsere Industrie hier auch ganz schön in Verlegenheit gebracht haben, wo wir zum Glück danach wieder diese wichtigen Rohstoffe für unsere Industrie geliefert bekommen haben, aber wo wir einfach so ein bisschen in Geizlaft genommen wurden im damaligen Zollstreit mit Donald Trump und das zeigt einfach, dass unsere exportlastige Wirtschaft sehr anfällig ist. Wir haben aber auch keine sonderlich große Alternative. Wir sind kein rohstoffreiches Land in Deutschland. Wir sind darauf angewiesen, dass wir unsere Qualitäten, die wir haben, beispielsweise im Maschinenbau, dass wir diese Qualitäten nutzen können, um sie zu exportieren. Und das ist in Zeiten einer so unsicheren Weltlage, ist das schwer zu planen. Aber man kann ja nichtsdestotrotz auch mal positiv sein und kann durchaus die Hoffnung haben, vielleicht hat die KfW ja recht und wir wachsen nächstes Jahr um 1,5 Prozent. Ja, ich finde, da sagst du einen wichtigen Punkt, die Weltlage. Also mit der konnte natürlich auch Olaf Scholz, Ja, rechnen vielleicht schon, aber er konnte sie kaum beeinflussen, ob das nun, also Trump war, noch nicht gewählt, als es der deutschen Wirtschaft schon nicht mehr gut ging. Aber die Lage war natürlich auch vorher schon kompliziert. Und da muss man natürlich sagen, da ist dann auch jede Bundesregierung etwas in den Händen des Weltgeschehens. Und man muss ja auch sagen, es war auch da, natürlich hat sich die Ampel am Ende, hat ein katastrophales Bild abgegeben. Ich erinnere nochmal daran, als auf einmal zwei parallele Wirtschaftsgipfel stattfanden. Die einen im Kanzleramt bei Kanzler Olaf Scholz, der andere beim damaligen Bundesfinanzminister und FDP-Chef Christian Lindner. In Sichtweite. Ich war bei dem von Lindner und während der seine Gäste begrüßte, schaut dich aus dem Fenster an, schaut aus Kanzleramt. Völliger Wahnsinn, was damals stattgefunden hat. Aber wir waren in einer Energiekrise ungeahnten Ausmaßes, die wir damals hatten. Und das war am Ende ja auch etwas, was sich Kanzler Scholz damals zu eigen gemacht hat, auch im Wahlkampf, das sogenannte Deutschland-Tempo. Wir haben mal bewiesen, dass wir auch mal fernab von Bürokratie schnell sein können in unserer Wirtschaft. Wir haben es relativ schnell geschafft, eine LNG-Infrastruktur, die wir bis zu diesem Zeitpunkt nicht hatten, hochzuziehen, um unsere Energielieferungen zu diversifizieren. Und das zeigt ja eigentlich, was in dieser Wirtschaft steckt und in diesem Staat, wenn man Hand in Hand geht, wenn man zusammenspielt. Und das ist ja durchaus auch etwas, was uns Hoffnung machen kann für die Zukunft. Ja, da du gerade diese beiden parallelen Wirtschaftsgipfel in der Vorgängerregierung erwähnst. Den einen hat der Kanzler ausgerichtet, der andere der Finanzminister. Der Wirtschaftsminister hat er damals keinen ausgerichtet. Nun hat seine Nachfolgerin Katharina Reiche auch schon für Gesprächsstoff gesorgt. Erzähl doch mal, was Katharina Reiche gerade für eine Rolle spielt. Also Katharina Reiche ist ja als ausgewiesene Energieexpertin in diese Regierung gekommen und man merkt es auch, dass ihr Zuschnitt des Wirtschaftsministeriums sich stark geändert hat. Unter Robert Habeck war es ja so, dass es ursprünglich mal gedacht war, vor allem als Klimaministerium 2021 war einfach Klima noch ein größeres gesellschaftliches Thema, als es heute ist. Unabhängig davon, wie man das jetzt bewerten mag. Aber mittlerweile ist eben dieses Ministerium mehr oder weniger ein reines Energieministerium geworden. Und Katharina Reiche hat jetzt unlängst einen Monitoring-Bericht vorgestellt, der viel beachtet wurde. Und hat in diesem Zuge dafür plädiert, dass man beispielsweise die Förderung für private Solaranlagen auf den Hausdächern nun auslaufen lässt, nun streicht. Hat gesagt, dass man das Tempo der erneuerbaren Energien durchaus auch reduzieren sollte, weil der Netzausbau nicht hinterherkommt. Das ist eine Kehrtwende zu dem, was Robert Habeck gemacht hat. Robert Habeck hat in seiner Wirtschaftspolitik Also ambitionierte, Kritiker mögen sagen, überambitionierte Ziele vorgegeben. Also wir erinnern uns vielleicht an die Forderung oder an die Idee, 15 Millionen E-Autos 2030 im Land fahren zu haben. Das werden wir höchstwahrscheinlich nicht erreichen. Darauf war aber entsprechend der Ausbau der erneuerbaren Energien aufgelegt. So Katharina Reiche dreht das Ganze jetzt um, sagt, wir haben hier Überkapazitäten, wir werden diesen Strombedarf nicht brauchen, entsprechend können wir uns mehr Zeit lassen, bis auch die Netze entstehen. Da haben wir so ein bisschen Henne-Ei-Problem. Was muss zuerst da sein? Muss zuerst das Windrad da sein oder muss zuerst das Netz dahin da sein? Und setzt jetzt eben darauf, dass wir, um zu diversifizieren, wieder mehr Gaskraftwerke bauen, was natürlich sie vor allem bei Klimaschützerinnen und Klimaschützern massiv in die Kritik bringt, auch eben was Abhängigkeiten angeht. Das haben wir ja gemerkt, dass wir beim Gas eben, dass uns diese Abhängigkeiten sehr schaden können. Das ist eine Kehrtumwehr, das ist wirklich eine 180-Grad-Wende zu dem, was Robert Habeck im Ministerium gemacht hat. Es ist auch ein ganz anderer Stil, den Katharina Reiche ins Ministerium gebracht hat. Sie gilt als fachlich sehr tief drin, ist aber gleichzeitig, und das ist das, was ich immer wieder von Unternehmensverbänden höre, aber auch von Unternehmen selbst, sie ist relativ schwer zu erreichen. Manche sprechen davon, dass sie unnahbar sei. Sie sagen immer auf der fachlichen Ebene, mit den einzelnen Fachabteilungen im Wirtschaftsministerium klappt das wunderbar. Die Ministerin selbst macht sich relativ rar. Das ist übrigens auch für uns was, was wir als Medien gerade beobachten. Sie ist auch sehr rar, was Interviews angeht. Das habe ich sogar aus Ihrem eigenen Ministerium schon gehört, dass sie schwer zu erreichen sei. Genau. Ja, also wird interessant sein zu sehen. Am Ende muss sie Ergebnisse liefern und das ist ein gutes Ergebnis, das ist vielleicht auch mehr wert als das ein oder andere Interview. Aber gerade hadern doch viele mit diesem Stil, der einfach eine sehr große Kehrtwende ist zu dem, was Robert Habeck im Wirtschaftsministerium gemacht hat. Ja, wenn ich jetzt mal unser Gespräch zusammenfasse, dann ist mein Eindruck, die Regierung steht vor vielen Unsicherheiten. Sie hat aber auch diverse Sachen auf den Weg gebracht, die der Wirtschaft absehbar eher mittelfristig helfen. Was glaubst du? Wir haben vorhin geredet, wo waren wir vor einem Jahr, wo waren wir vor zwei Jahren. Was glaubst du? Wo stehen wir in einem Jahr? Hat Merz seinen Ruf als Wirtschafts- und Finanzfachmann, den er ja auch gerne immer kultiviert hat, hat er den dann gebeten? Oder glaubst du, März ist zu einer Enttäuschung für die deutsche Wirtschaft geworden? Ich gehe mal gerne positiv aus solchen Gesprächen raus. Jetzt muss ich dir aber ernsthaft sagen, dass wenn wir insbesondere mit dieser Frage, das müssen wir daran messen, wie jetzt die Reformen ausfallen. So, das ist das Entscheidende. Die Reformen, die müssen jetzt wirklich mal kommen. Und da bin ich extrem skeptisch. Also wenn ich mir schon angucke, wie wir im Vorfeld diese Reformen schon zerreden, Das Wort Bullshit aus dem Mund der Bundesarbeitsministerin Bärbel Baas ist gefallen, als es um die Rente ging. Beim Bürgergeld erwartet die Union große, große Einsparungen. Die SPD sagt, es ist rechnerisch gar nicht möglich. Also hier sind die Positionen so dermaßen diametral. Ich nehme es Friedrich Merz ab, dass er diese Reformen wirklich angehen möchte. Und gleichzeitig merkt man schon dieses Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass, als Katharina Reiche zum Beispiel vorgeschlagen hat, dass man mal über das spätere Renteneintrittsalter debattieren müsse. Eine Forderung, die Friedrich Merz vor zwei Jahren noch erhoben hat. Er hat damals gesagt, man muss das Renteneintrittsalter an die Lebenserwartung koppeln. Er hat davor gewarnt, pauschal zu sagen Rente mit 70, aber hat eben diese Forderung selbst aufgestellt. Hatte sie sofort zurückgepfiffen, war er bos darüber, dass sich seine Ministerin so äußert. Und hier merken wir schon, man will eigentlich keiner Gruppe so richtig wehtun. Man stochert gerade so ein bisschen rum, wo könnte man reformieren? Und jetzt hat man drei Kommissionen eingesetzt. Ich frage mich wirklich, wofür wir jetzt schon wieder drei Kommissionen brauchen. Die letzte Rentenkommission hatten wir unter Hubertus Heil. Also ich sehe nicht, dass wir ein Erkenntnisproblem haben. Man muss es umsetzen. Und da ist diese Regierung gefordert. Und aktuell fehlt mir ein bisschen die Fantasie, dass diese Regierung, die ja schon über vermeintliche Kleinigkeiten wie der Wahl einer Richterin fürs Bundesverfassungsgericht sich fast zerlegt, es nun schaffen soll, eine solch große Reformanstrengung hinzubekommen. Aber ich lasse mich sehr gerne eines Besseren belehren und hoffe, dass mein Ausblick hier zu negativ ist und wünsche mir, dass sie den Mut hat, diese Reform auch umzusetzen, um unser Land nachhaltig aufzustellen. Tobias, vielen Dank. Vielen Dank für deinen Besuch und deine Expertise. Ich würde sagen, am besten kommst du in einem Jahr wieder und wir ziehen die Land. Das mache ich sehr gerne. Danke, lieber Jan. Tschüss. Tschüss.