Latest / Pod und die Welt – Das außenpolitische Update / Was der Aufstieg der Populisten über den Zustand der Demokratie verrät (mit Julian Müller-Kaler)
Transcript
- 0:00"Da besteht meiner Ansicht nach die Möglichkeit der Wiedergeburt für Demokratien, dass sie
- 0:05eben ihre Resilienz zeigen, über die Neuerfindung und die Debattierung von Problemen.
- 0:09Weil das können autoritäre Systeme nicht.
- 0:11Wenn man da falsch abgebogen ist, braucht es eine Revolution, um wieder auf den richtigen
- 0:15Weg zu kommen."
- 0:16Weltweit ist die Demokratie messbar auf dem Rückzug, Populismus, autoritäre Formen und
- 0:21rechte Bewegungen sind dagegen auf dem Vormarsch mancherorts sogar massiv.
- 0:24"Vor einigen Jahren hätte man sich nicht vorstellen können, wie sehr, in welchem Tempo sich
- 0:29gemeinsame Werte und Errungenschaften auflösen, Institutionen und Eliten angegriffen werden."
- 0:35Das gilt für autoritäre Regime, wie China oder Russland natürlich sowieso, aber auch
- 0:40für die USA unter Donald Trump und für eine ganze Reihe europäischer Länder.
- 0:44Gleichzeitig findet durch die Entwicklung der künstlichen Intelligenz eine Revolution
- 0:47statt, die global immer mehr Bereiche des politischen, des staatlichen und des Gemeinwesens
- 0:52durchzieht und verändert.
- 0:53Was hat das alles zu bedeuten und wo gibt diese Entwicklung hin?
- 0:58Was folgt daraus für freie Gesellschaften von heute und was wird übrig bleiben nach
- 1:02dem destruktiven Schub dieser Zeit?
- 1:04Darüber können wir heute sprechen mit Julian Müller-Kaler, den wir in Washington D.C.
- 1:08erreichen, wo er sich beim Think Tank Stimson Center mit strategic foresight, mit globalen
- 1:13Risiken und Technologie Trends beschäftigt.
- 1:15Herzlich willkommen bei Pod und die Welt.
- 1:18"Hallo, freu mich sehr."
- 1:23Vielleicht fangen wir mit einer Begriffsklärung an heute.
- 1:26Populismus ist ein Begriff, der ja meistens sehr negativ besetzt ist.
- 1:29Sie haben mal gesagt, dass diese ausschließlich negative Definition von Populismus schlecht
- 1:35sei und eigentlich auch gar nicht zutrifft.
- 1:37Warum?
- 1:38Ja, ich würde dafür werben, Populismus viel mehr als Fiebertimometer für Demokratien
- 1:45zu verstehen.
- 1:46Demokratie ist immer dann stark, wenn das Vertrauen in Problemlösungskompetenzen
- 1:51von demokratischen Institutionen schaden genommen hat oder quasi nicht mehr vorhanden ist.
- 1:56Insofern ist Populismus quasi auch ein Korrektiv.
- 1:59Es gibt ja diesen Satz von Ralph Darendorf, der gesagt hat, was für den einen Populismus
- 2:03ist, ist für den anderen Demokratie und wenn wir es sozusagen schaffen würden, die Analyse-Kriterien
- 2:09zu ändern, wäre die Debatte über Ursachen und Wirkung und mögliche erfolgreiche Bekämpfungsstrategien
- 2:16auch eine andere sein.
- 2:17Insofern glaube ich, würde es helfen, wenn wir uns von der doch auch eher moralischen
- 2:23Einordnung des Populismus als etwas schlechten für Demokratien hinbewegen zu sozusagen einem
- 2:30Fiebertemometer, der eben sagt, dass die Demokratien von heute vor großen Herausforderungen stehen
- 2:35und deswegen die Populisten stark sind.
- 2:37Also wenn Populismus nicht unbedingt was schlechtes ist, sondern ein Fiebertemometer, sie forschen
- 2:41jetzt aber zu globalen Risiken.
- 2:43Was ist dann das größte globale Risiko, wenn nicht Populismus?
- 2:46Naja, ich argumentiere nicht, dass Populismus kein Risiko ist, sondern ich würde sagen,
- 2:51dass der Populismus ein Symptom für die Performance-Schwäche von Demokratien aktuell ist.
- 2:56Ist das natürlich über diese Henne-Ei-Geschichte, aber dass es vor allen Dingen eben darum
- 3:00geht, dass der Populismus in westlichen Demokratien vielmehr Symptom als Ursache gesellschaftlicher
- 3:06Eskalationsprozesse ist.
- 3:07Nehmen wir die USA als vielleicht Vorreiterbeispiel oder Negativbeispiel.
- 3:13Natürlich kann man argumentieren, dass Donald Trump eine Gefahr für die amerikanische Demokratie
- 3:17ist, aber ich würde argumentieren, dass er vielmehr eine Konsequenz eben undemokratischer
- 3:22und gesellschaftlicher Herausforderung in den Vereinigten Staaten ist.
- 3:26Was ich damit meine, ist, dass in Amerika, in dem reichsten Land der Welt, seit ungefähr
- 3:32einer Dekade die durchschnittliche Lebenserwartung sinkt, dass sich ein Großteil der Menschen
- 3:37von Paycheck zu Paycheck durchhangeln und dass die Wahrscheinlichkeit den amerikanischen
- 3:42Traum zu leben definiert, als dass es mir besser geht, ökonomisch als meinen Eltern
- 3:47inzwischen bei unter 50 Prozent liegt.
- 3:49Insofern ist es wirklich überraschend, dass eine Figur wie Donald Trump und seine populistische
- 3:54Magerbewegung, die natürlich von der Destruktion des politischen Systems lebt und damit werbt,
- 4:00so erfolgreich ist.
- 4:01Ich würde argumentieren, nein, es ist das nicht, sondern es ist vielmehr Symptom als
- 4:05Ursache.
- 4:06Und ähnliche Tendenzen sehen wir auch in Europa, ob das der Brexit, ob das der Front National
- 4:10in Frankreich ist oder eben die AfD in Deutschland.
- 4:13Stichwort Performance-Probleme, das würde also bedeuten, wenn ich es richtig verstehe,
- 4:17dass Demokratie schon liefern muss, weil sich die Menschen sonst abwenden und vermeintlich
- 4:23einfache Lösungen zuwenden.
- 4:25Es gibt ja dazu nicht nur in Europa eine relativ intensive Debatte, ob Demokratie nun
- 4:30per se schon die Lieferung ist oder ob sie Ergebnisse liefern muss.
- 4:34Wie schauen Sie da drauf?
- 4:35Ich glaube, was Sie ansprechen, ist der zentrale Punkt.
- 4:38Ich glaube, dass wir uns im westlichen Demokratien viel zu lange und viel zu intensiv mit, was
- 4:44man als Input-Ligitimitie bezeichnet, beschäftigt haben.
- 4:48Also es geht quasi darum, dass alle vier, fünf, vielleicht sechs Jahre gewählt wird
- 4:52und dadurch das System legitimiert wird und das System sozusagen auch dadurch Akzeptanz
- 4:58findet.
- 4:59Aber genauso oder vielleicht sogar noch viel wichtiger ist natürlich die Output-Ligitimitie
- 5:04eines Systems.
- 5:05Also schafft es ein System, das Leben der Menschen in dem jeweiligen System zu verbessern.
- 5:09Und ich glaube, dass das ja genau die große Herausforderung ist, also schaffen es liberale
- 5:14Demokratien noch dieses Wohlstandsversprechen, noch dieses das Leben der zukünftigen Generationen
- 5:20besser ist, noch aufrecht zu erhalten und dann wieder darauf zurückkommen, dass der Populismus
- 5:25eben sozusagen ein Fiebertermometer oder ein Symptom jener Krise der Output-Legitimacy
- 5:30ist, wäre meiner Ansicht nach eine viel nachhaltigerer Herangehensweise, um das Phänomen zu verstehen,
- 5:37aber auch um effektive Gegenmaßnahmen zu entwickeln, nämlich die zentrale Frage müsste
- 5:43dann sein, warum haben die Leute das Vertrauen in die Problemlösungskompetenz von demokratischen
- 5:48Institutionen verloren und wie können wir es zurückgewinnen?
- 5:50Und haben Sie darauf Antworten?
- 5:52Ja, ich glaube, dass es natürlich zentral damit zusammenhängt, dass es das Wohlstandsversprechen
- 5:58in westlichen Demokratien in den letzten Jahrzehnten durchaus negativ tangiert wurde.
- 6:05Das hat angefangen mit der Finanzkrise, es ist weitergegangen durch hohe Inflationszahlen,
- 6:10dass sich Arbeiten nicht mehr wirklich lohnt, dass die Einkommensungleichheit massiv nach
- 6:15oben gegangen ist und dass natürlich auch ökonomische Transformationen im Gange sind,
- 6:20die das gesamte gesellschaftliche Modell signifikant infrage stellen.
- 6:24Also wir überlegen uns mal, dass wir inzwischen fast in allen westlichen Demokratien nicht
- 6:29mehr in einer produktionsbasierten Ökonomie, sondern in einer servicebasierten Ökonomie
- 6:33leben und dass wir uns mit rasantem Tempo auf eine automatisierte Gesellschaft zu bewegen.
- 6:39Wir haben aber nach wie vor die Instrumente der Vergangenheit, um diese Gesellschaft zu
- 6:44managen, um Steuern zu generieren, dass wir Einkommen höher besteuern als Kapitale
- 6:48Beträge oder derartige Entwicklungen und das dann sozusagen das System nicht mehr funktioniert,
- 6:54dass wir auch irgendwie seit Jahrzehnten nicht wirklich in Infrastruktur investiert haben
- 6:59und bei uns die Züge nicht mehr pünktlich kommen und die Infrastruktur auseinanderfeld
- 7:03überall Baustelle ist.
- 7:04Das sind alles so Faktoren, wo ich es glaube, dass man argumentieren könnte, dass eben
- 7:10das System nicht mehr so liefert, wie es das tun sollte und dann lediglich darauf zu verweisen,
- 7:15dass die Populisten eine Gefahr für dieses System ist.
- 7:19Damit tue ich ihnen den Gefallen, nämlich den Außenseiterstaat ist zu geben, den sie
- 7:22brauchen, um ihr populistisches Narrativwirkungsmächtig zu machen.
- 7:26Das heißt, kurz Nachfrage, wenn ich Sie richtig verstehe, dann ist Demokratie ein zu abstrakter
- 7:33Begriff, um zu sagen, wir müssen die Demokratie verteidigen oder die Demokratie geht in Bach
- 7:37runter, sondern es geht um viel konkretere, lebensnähere, praktische Fragen und nicht
- 7:42um die Demokratie selbst, richtig?
- 7:44Ja, absolut, ich glaube, dass sich eine Demokratie langfristig auch nie gegen die eigene Bevölkerung
- 7:49verteidigen lässt.
- 7:50Also, was wir aktuell sehen, sind ja quasi illiberiale Systeme, die demokratisch legitimiert
- 7:56sind.
- 7:57Ein Donald Trump ist demokratisch gewählt worden, ein Viktor Orban ist demokratisch
- 8:01gewählt worden.
- 8:02Ein Brexit wurde demokratisch entschieden, also ist es immer sehr schwierig, dann von
- 8:06der Gefahr der Demokratie zu sprechen, anstatt quasi von der Gefahr die liberalen Elemente
- 8:11der Demokratie nicht mehr in dem Maße zu schützen, wie das traditionell der Fall war.
- 8:17Insofern, glaube ich, wird da immer viel vermengt und dieser Vorwurf, dass die Populisten
- 8:22als Gefahr für die Demokratie da sind, wenn jemand nicht mehr der Ansicht ist, dass Demokratie
- 8:27funktioniert und ich dann sage, na ja, die Populisten für die Person X oder Y stimmen,
- 8:33sind eine Gefahr für das System, dann sagt er, ja, genau deswegen wähle ich ja für die.
- 8:37Also, das fand ich sehr interessant, als bei der letzten Wahl CNN, diese sogenannten
- 8:41Brexit Polls gemacht hat und Demokratie von einem Großteil der Leute als wichtiges Thema
- 8:47angesprochen wurde, nur dann bei näherer Ansicht hat man auch festgestellt, dass 50
- 8:52Prozent aller Republikaner, die für Donald Trump gestimmt haben, gesagt haben, dass
- 8:55ihnen Demokratie wichtig ist.
- 8:57Insofern kann man nicht davon ausgehen, dass sozusagen die Eliten oder das politische
- 9:01Establishment den Begriff der Demokratie allein interpretieren können, sondern dass
- 9:05das am Ende ja immer auch die Entscheidung der Bevölkerung ist, die in dieser Demokratie
- 9:09lebt.
- 9:10Jetzt haben wir viel über westliche Demokratie, westliche Demokratie in der Krise gesprochen,
- 9:18es gibt natürlich auch andere Beispiele, wenn wir nach China schauen, ist das dann das
- 9:22attraktivere Modell oder inwiefern ist das vielleicht nicht ausreichend abschreckend?
- 9:26Ja, es gab einen wunderschönen Artikel in der Zeit vor ein paar Wochen, der davon
- 9:30geschrieben hat, dass es quasi eine Dystopie mit beneidenswerten Vorteilen ist, also dass
- 9:35genau da dieses Wohlstandsversprechen eine Großteil der Bevölkerung aus der Armut zu
- 9:40holen, über eine kurze Zeit genau dazu geführt hat, dass derartige Gesellschafts- und Entwicklungsmodelle
- 9:46auch im Rest der Welt attraktiver wird, wenn man das mal vergleicht mit dem letzten Kalten
- 9:51Krieg, also Sowjetunion gegen die Vereinigten Staaten.
- 9:54Natürlich kann man argumentieren, dass die Amerikaner, die Sowjetunion sozusagen über
- 10:00Rüstungsausgaben und dergleichen in die Knie gezogen hat, aber ich würde argumentieren,
- 10:05dass der Grund, warum Amerika den letzten Kalten Krieg geworden hat ist, weil das Lebensmodell
- 10:09einfach viel, viel attraktiver war.
- 10:11Niemand wollte in die Sowjetunion ziehen, um dann eine Familie groß zu ziehen, sondern
- 10:15alle wollten nach Amerika.
- 10:17Wenn man sich heute Migrationszahlen anschaut oder anschaut, wie viele Leute, die von Universitäten
- 10:23kommen, wieder auch in andere Länder zurückgehen, hat dieses Attraktivitätsmodell in den letzten
- 10:28Jahren massiv gelitten, genau eben aufgrund dieser ökonomischen Trends, dass Amerika
- 10:34das Leben extrem teuer geworden ist, dass dieses Wohlstandsversprechen, das sich harte Arbeit
- 10:38lohnt, eben nicht mehr so voll umfänglich gilt, wie es das früher tat.
- 10:43Und ich glaube, dass das zentrale Element auch in diesen Autoritarismus vs. Demokratie
- 10:50narrativ in Zukunft zahlen wird.
- 10:52Wenn wir diesen Wettbewerb der Ideen oder der Systeme gewinnen wollen, müssen wir uns vor
- 10:56allen Dingen darum kümmern, dass das Leben und das Versprechen des Wohlstands bei uns
- 11:01wieder gilt und wahrscheinlicher ist und nicht uns darauf die ganze Zeit beschränken, vor
- 11:07anderen Systemen zu warnen oder von Kräften zu warnen, die unser System unterminieren,
- 11:12sondern am Ende des Tages muss das System einfach liefern und somit an Attraktivität
- 11:17gewinnen und nicht lediglich Verteidigung eben jenes Systems als Hauptgrund für den Konflikt
- 11:22zu gehen.
- 11:23Also das finde ich ein sehr schwaches Argument und es funktioniert aktuell ja auch nicht.
- 11:26Da würde ich gerne nachhaken, so qualitische Bilder wie die Europäische Union oder auch
- 11:31theoretische Konzepte wie, sagen wir mal, Multilateralismus, das ist ja nichts, was Menschen irgendwie
- 11:36emotional berühren würden oder sozusagen abholt.
- 11:39Kann man das ändern, wenn ja, wie braucht man überhaupt so ein übergreifendes Gefühl
- 11:44von Verantwortung, so einem aufgehoben Seinsgefühl oder geht es wirklich vor allem um dieses
- 11:49Wohlstandsversprechen?
- 11:51Also ich glaube, dass dieses Wohlstandsversprechen und diese Idee des aufgehoben Seins der Sicherheit
- 11:58eigentlich zwei Seiten der gleichen Medaille sind, dass es nicht quasi exklusiv gegeneinander
- 12:03ausgespielt werden kann, sondern dass es vielmehr eigentlich ein Gesamtkonstrukt ist und ich
- 12:08finde es eigentlich auch immer sehr schade, dass man den Leuten quasi auch die Möglichkeit
- 12:12abspricht zu sehen, ob ein System funktioniert oder nicht.
- 12:15Meine Erfahrung auch mit Leuten zu sprechen, die für populisten Stimmen oder die das Vertrauen
- 12:20in die Problemlösungskompetenz von demokratischen Institutionen verloren haben, ist eigentlich
- 12:24immer, dass die Leute eigentlich ein ganz gutes Gefühl davon haben, ob ein System funktioniert,
- 12:29ob das System politisch oder korrupt unterwandert ist in vielerlei Hinsicht und da den Leuten
- 12:36quasi zuzuhören und sich zu überlegen, okay, was sind die Dinge, die dich tatsächlich
- 12:40beschäftigen und wie kann man effektiv dafür Lösungen suchen?
- 12:44Weil ich glaube, dass das eigentlich ja auch eine wahnsinnige Chance ist.
- 12:48Im Hinblick, wenn man es schaffen würde, sich mit der Kritik, sagen wir mal an der EU,
- 12:52Sie haben es gerade angesprochen, zu solidarisieren, um dann bessere Lösungsansätze formulieren
- 12:58zu können, wäre das eine viel nachhaltige Strategie anstatt von vornherein die Kritik
- 13:04zu delegitimieren, weil sie von populisten kommt.
- 13:06Sie ist ja sowieso da, also dieses Ausschlussprinzip, das man in Deutschland zum Beispiel mit der
- 13:11AfD erfahren hat, ist ja kandios gescheitert, die AfD ist so stark wie noch nie in Amerika,
- 13:18die Warnung vor Populisten, die demokratische Partei befindet sich in einer absoluten Identitätskrise,
- 13:23weil die letzten acht Jahre nur davon gezehrt wurde, Anti-Donald Trump zu sein.
- 13:28Also die Strategie, die gefahren wurde, funktioniert da aktuell nicht und deswegen würde ich dafür
- 13:32werben, dass man eben neue Strategien sich ausdenkt in neue Analyse auch der Symptome
- 13:38vornimmt, um dann bessere Lösungsvorschläge anbieten zu können.
- 13:42Sei es, was die EU anbelangt, sei es, was es ökonomische Modelle anbelangt oder sei es,
- 13:46was Multilateralismus anbelangt, der sich, und da muss man der Kritik eben auch zustimmen,
- 13:51für viele Amerikaner nicht gelohnt hat.
- 13:53Wenn sie sagen, Menschen merken, wenn ein System nicht funktioniert, zum Beispiel was Korruption
- 14:02angeht, dann ist, ja würde ich denken, die Sorge aber, dass man das dann vermerkt, aber
- 14:06vielleicht nicht mehr so leicht wieder umkehren kann.
- 14:09Wir beobachten jetzt auch schon Rückschritte, wir beobachten, dass zum Beispiel die Rechtsstaatlichkeit
- 14:13zurückgebaut wird oder Institutionen wie Gerichte eben angegriffen werden.
- 14:16In dieser Zeit der Rückschritte, der teilweise eben auch Zerstörung, sehen Sie da noch
- 14:21einen Weg zurück?
- 14:23Ich glaube, dass es kein einfacher Weg wird, keine Frage, aber ich sehe keine Alternative dazu,
- 14:27weil wenn wir es nicht schaffen, dann ist es natürlich so, dass die liberalen Elemente
- 14:33der Demokratie sterben.
- 14:34Nur nehmen wir das Amerika Beispiel vielleicht, weil ich glaube hier der Grad des Populismus
- 14:40in der politischen Auseinandersetzung sehr hoch ist, also wenn man das theoretisch erklären
- 14:44möchte und Populismus als inherenten Teil der politischen Logik versteht und es immer
- 14:49quasi um gerade des Populismus in der politischen Rhetorik geht, würde ich sagen, dass amerikanische
- 14:54politische Geschehen sehr populistisch ist, nicht erst seit Donald Trump, sondern schon
- 14:59länger und würde den aktuellen Präsidenten eigentlich fast viel mehr als Konsequenz bzw.
- 15:06Weiterführungen von Obama sehen denn als Destruktion und das klingt natürlich erstmal etwas merkwürdig,
- 15:12keine Frage, weil Trump natürlich auch einen sehr großen Anti-Obama-Wahlkampf geführt
- 15:17hat.
- 15:18Aber und das sagt nicht ich, sondern das sagt der ehemalige Redenschreiber von Obama, der
- 15:22darüber in seinem Buch schreibt, der Wahlkampf von Barack Obama gegen Hillary Clinton 2008
- 15:27war dem Wahlkampf von Donald Trump gegen Hillary Clinton 2016 sehr, sehr ähnlich.
- 15:32Washington is broken, it needs an outsider to fix it and politicians can't be trusted.
- 15:36Das war genau das gleiche Narrativ des Barack Obama gegen Hillary Clinton in den Vorwahlen
- 15:41der demokratischen Partei 2008 zuhause geführt hat, weil die Leute sagen, das politische System
- 15:47ist kaputt, nehmen wir eine Hausanologie, das Haus muss sozusagen renoviert werden.
- 15:52und Obama, der mit einem unglaublichen politischen Mandat aussieht.
- 15:55ausgezeichnet, weil der Supermajorities im Kongress hat es sozusagen nicht geschafft
- 16:01oder er konnte nur marginal an einzelnen Schrauben drehen.
- 16:04Was ist die Alternative, wenn das Haus sozusagen vom besten Architekt nicht mehr wieder aufgebaut
- 16:10werden kann?
- 16:11Es ist der Abriss.
- 16:12Und Donald Trump ist die Abrissbirne, die durchs politische System fegt.
- 16:15Genau von den Staaten legitimiert, die 2008 und 2012 noch Barack Obama gewählt haben,
- 16:21nämlich Ohio, Michigan, Pennsylvania und Wisconsin.
- 16:23Das ist genau der Teil Amerikas, wo diese ökonomische Transformation von einer produktionsbasierten
- 16:29Ökonomie hin zu einer servicepartierten Ökonomie am meisten sozial durchgeschlagen hat.
- 16:33Und was hat man zum Beispiel in Deutschland massiv an Geld ausgegeben, um den ökonomischen
- 16:38Wandel im Ruhrgebiet sozial verträglich zu machen?
- 16:41In Ländern, wo man das nicht gemacht hat, sind die Leute zu Populisten übergewandert
- 16:46und das ist ja ein ähnliches Phänomen, das wir in allen eigentlich westlichen Demokratien
- 16:50sehen, nämlich, dass Leute, die früher Sozialdemokraten linke Politik gewählt haben,
- 16:55inzwischen bei den Rechtspopulisten gewandert sind.
- 16:57Und was haben die Linken, was haben die Sozialdemokraten als Antwort eigentlich nur noch Ablehnung
- 17:02und Abwertung gegenüber ihrer vorherigen Wähler übrig und dass man sie so dann dahin
- 17:08geht, nicht zurückgewinnen kann, ist meiner Ansicht nach keine wirkliche Überraschung.
- 17:12Und wenn das nicht weiter gelingt, dann sehe ich keine Zukunft für die liberalen Demokratien
- 17:18im Westen.
- 17:19Das System ist broken, das Haus ist kaputt und der Weg zurück ist schwierig.
- 17:24Braucht es denn Herr Müller-Kaler, neue Institutionen, um einen Weg nach vorne zu
- 17:29weisen?
- 17:30Also ich glaube, dass es vor allen Dingen erstmal die Übernahme von Verantwortung und
- 17:34das Zugeben von Fehlentscheidungen ist.
- 17:36Ich glaube, dass Vertrauen natürlich wie in Beziehungen etwas ist, was man leicht verspielt
- 17:42und sehr schwierig wieder zurückgewinnen kann und dass ein Vertrauensgewinn damit anfängt,
- 17:47dass wir politische Entscheidungsträger und politische Akteure haben, die gemachte Fehler
- 17:52auch zugeben.
- 17:53Es gibt ein wunderbares Buch von einem britischen Journalisten, das heißt "The Unaccountability
- 17:57Machine", wo wir individuelle Accountability, also Verantwortung, immer aufs System abgeschoben
- 18:03haben über Verrechtlichungen von Politik, über extrem komplexe Konstrukte, wo individuelle
- 18:10Verantwortung quasi nicht mehr möglich ist.
- 18:13Die Finanzkrise ist ein wunderbares Beispiel, keiner von den Leuten, die Fehlentscheidungen
- 18:17getroffen haben, muss sich in irgendeiner Art und Weise mit den Konsequenzen leben, sondern
- 18:20die wurden vor allen Dingen bei den normalen Leuten gespürt, das wahnsinnig viel Vertrauen
- 18:26verspielt hat.
- 18:27Das heißt, es muss damit anfangen, dass man für gemachte Fehler Verantwortung übernimmt.
- 18:31Und dann, wie Sie ansprechen, geht es natürlich auch darum, neue Antworten auf neue Probleme
- 18:37zu finden, dass wir in einer automatisierten Gesellschaft, wo Wohlstandsgenerierung von
- 18:45Arbeit entkoppelt ist, natürlich ganz andere Antworten brauchen, als in einer produzierenden
- 18:50Ökonomie, wo das Wohlstandsversprechen immer auch damit verbunden war, dass ein Unternehmen,
- 18:55wenn es mehr ökonomisch produziert, auch mehr Arbeiter hat, das ist ja einfach definitiv
- 19:00nicht mehr der Fall.
- 19:01Insofern braucht es auch neue Antworten.
- 19:03Insofern würde ich argumentieren, dass es quasi zwei Schritte gibt, nämlich einmal
- 19:06zu sagen, okay, Fehler wurden gemacht, wir müssen wieder auch ein System der individuellen
- 19:11Verantwortlichkeit herstellen, und es braucht politische Akteure, die die Sorgen der Leute
- 19:16ernst nehmen.
- 19:17Sie aufgreifen diese politische Energie, diese Frustration, die sich im Populismus
- 19:23in politische Energie umwandelt, um dann über die Lösungen zu diskutieren.
- 19:28Weil da wären Populisten ja zu schlagen, ihnen geht es ja vor allen Dingen um destruktiven
- 19:33Teil ihrer politischen Kraft.
- 19:35Und sobald es darum gehen würde, um Lösungsprobleme zu sprechen, könnte man sie meiner Ansicht
- 19:41nach thematischer Herausforderung, aber in der Debatte kommt man nie dahin, weil es
- 19:45von vornherein immer darum geht, dass die Systemkritik ja nicht legitim ist, weil sie
- 19:50von Populisten kommt.
- 19:51Wenn ich Ihnen so zuhöre, dann wird ja auch nochmal deutlich, dass Populismus eben, man
- 19:55hört Populismus irgendwie gut zu.
- 19:57Es ist eine gute Geschichte oder auch eine destruktive Geschichte, aber es ist eben gut
- 20:01erzählt.
- 20:02Inwiefern fehlt es oder Sie beschreiben es fehlt an anderen Ansätzen, aber wie könnte
- 20:06denn überhaupt ein progressiver, ein neuer, ein konstruktiver Ansatz und ein konstruktives
- 20:10Narrativ aussehen?
- 20:11Ja, ich glaube, dass es eine positive Version des Populismus geben müsste, dass man sich
- 20:17wie gesagt mit der Systemkritik in gewisser Art und Weise solidarisiert, dass man, und
- 20:22das war ja eine Kernidee des linken Gedankenguts über lange Zeit, Populismus war ja ursprünglich
- 20:29eigentlich in errenter Teil der politischen linken Logik und er ist inzwischen nach rechts
- 20:34gewandert, wobei ich auch ansprechen würde, dass diese Unterteilung zwischen links und
- 20:39rechts politisch gesehen sehr, sehr schwierig, inzwischen finde Donald Trumps Handels und
- 20:45Wirtschaftspolitik ist in vielerlei Hinsicht sehr links, also der Protektionismus der amerikanischen
- 20:50Wirtschaft aktuell ist sozusagen Wet Dream of a Socialist oder Protectionist in der Hinsicht.
- 20:56Insofern vielleicht hilft es auch nicht mehr, in diesen alten politischen Kategorien zu
- 21:00denken, sondern der Economist hat das mal vor ein paar Jahren eingeführt von Drawbridge
- 21:05Up with a Strawbridge Down, also Leuten, die von die Globalisierung, wie sie organisiert
- 21:10wurde, unterstützen, beziehungsweise Leute, die das ablehnen. Und JD Vance, der ja auch
- 21:16seine Kampagne, Senatskampagne in Ohio darum aufgebaut hatte, dessen Kritik an der Globalisierung,
- 21:22wie sie orchestriert wurde, ist ja nicht grundlegend falsch, da einzugehen und zu sagen, ja, wir
- 21:28stimmen mit dieser Kritik überein, aber was macht ihr denn ums besser zu tun? Wir stimmen
- 21:33überein, zum Beispiel jetzt auf Deutschland bezogen, dass die Migrationsthematik eine
- 21:37riesige Herausforderung ist, dass die Leute, die in Deutschland arbeiten, mehr in der Tasche
- 21:42haben sollten als Leute, die es nicht tun, mit der kritikstimmigen Beine. Und hier sind
- 21:47Lösungsvorschlag X, Y und Z, um das besser zu machen. Und dann darüber wird diskutiert,
- 21:53wie wir ein Problem lösen kommen, anstatt darüber zu diskutieren, ob es überhaupt
- 21:57ein Problem ist. Ich glaube, das wäre ein nachhaltiger Ansatz, mit Populisten umzugehen
- 22:03und wenn es dann heißt, dass die Kritik dann auch populistisches, na ja, dann sei es eben
- 22:08so, wenn der Populismus nicht mehr nur als Kampfbegriff in der politischen Auseinandersetzung
- 22:12genutzt wird, sondern eben als Fiebertermometer im demokratischen Diskurs, müssten wir konsterniert
- 22:18feststellen, dass Demokratien aktuell Fieber haben und jetzt muss es darum gehen, wie wir
- 22:22dieses Fieber senken können, damit die Probleme, die die Leute fühlen, die die Leute gelöst
- 22:27haben wollen, dann auch Teil der Debatte sind, um Lösungen gemeinsam zu erarbeiten und
- 22:32dieses System wieder handlungsfähig und die Output-Dymissie zu erhöhen, so dass die
- 22:38Leute gerne und lieber in Demokratien leben, als sich alternative Formen ausdenken, wo
- 22:44das Wirtschaftsversprechen vielleicht schneller und teilweise sogar auch nachhaltiger umgesetzt
- 22:49wird.
- 22:50Wie sehr werden denn diese ja sehr profunden Veränderungen in Gesellschaften, die aktuellen
- 22:59Entwicklungen, wie sehr wird das auch von Technologie getrieben?
- 23:02Sie haben Automatisierung genannt, Stichwort Künstler, die Intelligenz und andere, dahinter
- 23:06stehen auch Interessen.
- 23:07Wie ist der Zusammenhang zwischen diese Entwicklungen und Technologie?
- 23:10Ja, ich glaube, dass der Zusammenhang zwischen Technologieentwicklungen und gesellschaftlichen
- 23:15Veränderungen nicht größer sein könnte.
- 23:19Ich glaube, dass es am Ende auch immer darum geht, wie eine Gesellschaft Märkte, die durch
- 23:25technologische Entwicklungen teilweise neu geschaffen werden oder eben signifikant geändert
- 23:30werden, wie das aufgegriffen wird, wie das eingeschlossen wird.
- 23:34Das Buch zum Beispiel von Karl Polani, der argumentiert, dass die ökonomische Transformation
- 23:39von einer agrarbasierten Gesellschaft hin zu einer produktionsbasierten Gesellschaft und
- 23:44der Menschess der Kapitalismus in den großen Teilen dazu geführt haben, dass es in Europa
- 23:49zum Aufstieg des Faschismus gekommen ist und in Amerika das nicht stattgefunden hat
- 23:52über Sozialmarktreformen.
- 23:54Überlegen wir uns, dass der Servicesektor, diese sogenannte Gequeconomie, nie wirklich
- 24:00diese Sozialmarktreformen gesehen hat.
- 24:02Ein Uberdriver lebt quasi im Manchester Kapitalismus, wenn er früh aufwacht und krank ist.
- 24:07Dann gibt es hundert andere Uberdriver, die ihn fahren.
- 24:11Das ist wie früher in der Fabrik, wo jemand, der sich den Arm gebrochen hat, einfach mit
- 24:15einem anderen, der draußen stand und gewartet hat, ausgetauscht wird.
- 24:18Jetzt erleben wir uns sozusagen die Konsequenzen dieser ökonomischen Transformation.
- 24:23Wir müssen überlegen, wie wir in einer servicebasierten Gesellschaft Wohlstand und Umverteilung ermöglichen.
- 24:30Und jetzt befinden wir uns in einer automatisierten Gesellschaft, wo ganz viel automatisiert wird,
- 24:36nicht nur im produzierenden Berühr, sondern auch inzwischen im servicebasierten Bereich.
- 24:40Das heißt, diese ökonomischen Transformationen, die wir als Gesellschaft in atemberaubender
- 24:45Geschwindigkeit erleben, gilt es genau eben zu absorbieren.
- 24:48Da gilt es, neue Ideen zu schaffen und es eben nicht den privaten Interessen zu überlassen,
- 24:55die sie ansprechen, die natürlich erst mal an Gewinn und Profitmaximierung und Effizienzsteigerung
- 25:00interessiert sind, sondern dass wir gesellschaftliche Modelle uns überlegen, wo eine breite Masse
- 25:05der Bevölkerung davon profitiert und eben nicht nur einige wenige wie das aktuelle
- 25:10Fall ist.
- 25:11Und ich glaube, da liegt ja auch die große Chance, Demokratie ist ja immer korrekturfähig.
- 25:16Sie ist ja immer in der Lage, sich konstant zu revolutionieren und konstant auf Fehler
- 25:21zu reagieren.
- 25:22Nur, man muss es eben machen und ich habe das Gefühl, dass die Demokratien eigentlich
- 25:27sehr statisch geworden sind, sondern dass es auch nicht mehr wirklich Alternativen gibt.
- 25:31Ich meine, es gibt dann Grund, warum die AfD Alternative für Deutschland heißt.
- 25:35Es ist ja nicht von irgendwo her, sondern dass oftmals Politik als alternativlos dargestellt
- 25:39wird.
- 25:40Das ist natürlich nicht.
- 25:41Also eine Verrechtlichung von Politik ist meiner Ansicht nach eine fatale Fehlentscheidung,
- 25:45weil Rechtssysteme ja auch immer nur gesellschaftliche Konstrukte, soziale Konstrukte sind, die am
- 25:50Ende geändert werden können.
- 25:51Und da besteht meiner Ansicht nach die Möglichkeit der Wiedergeburt für Demokratien, dass sie
- 25:57eben ihre Resilienz zeigen über die Neuerfindung und die Debattierung von Problemen, weil
- 26:02das können autoritäre Systeme nicht.
- 26:04Wenn man da falsch abgebogen ist, braucht es eine Revolution, um wieder auf den richtigen
- 26:08Weg zu kommen.
- 26:09Und das braucht es in Demokratien eben nicht.
- 26:12Insofern bin ich der festen Überzeugung, dass es ein nachhaltigeres System ist, wenn
- 26:16man es tatsächlich wirklich anwendet.
- 26:18Ich würde noch einmal kurz auf die künstliche Intelligenz noch mal kurz zu sprechen kommen,
- 26:22weil Sie beschrieben haben.
- 26:23Also natürlich geht viel um private und ökonomische Interessen, aber wir wissen auch, China und
- 26:28die USA sind vor allem in diesem Bereich führend und Europa ist irgendwie immer noch ein bisschen
- 26:33auf der Suche nach seiner Strategie.
- 26:34Wenn Sie etwas längerfristig gefragt, wird diejenige Macht der Staat, der KI wirklich
- 26:41zu nutzen, war es auch derjenige sein, der die Welt beherrscht?
- 26:46Das ist natürlich jetzt nochmal eine große Frage zum Schluss des Podcasts.
- 26:51Ich glaube, dass Europa in einer sehr unangenehmen Position aktuell ist.
- 26:57Über lange Zeit waren amerikanische Sicherheitsgarantien und der Absatzmarkt in China zentrale
- 27:03Bestandteile unseres Wohlstands gerade in Deutschland.
- 27:06Um diese zentralen Standbeine des Wohlstands fallen weg und wir müssen uns auf eigene
- 27:11Füße stellen und man hat jetzt auch gesehen im Hinblick auf den Handelstil, den die Europäer
- 27:17mit den Amerikanern gemacht haben und anderweitige Regulierungen, das weiße Haus hat gerade
- 27:22quasi seine Politik vorgestellt, wo die KI-Regulierung dahingehend interpretiert wird, dass man erst
- 27:28einmal alles zulässt, bis irgendetwas schief geht und man dann anfängt, was zu regulieren
- 27:33und der Ansatz in Europa ist natürlich eigentlich ein anderer, der Ansatz in China ist ein anderer.
- 27:38Aber das sind natürlich große Herausforderungen, gibt den schönen Satz, dass wenn die Elefanten
- 27:43kämpfen, ist es das Gras, das darunter leidet und ich glaube, wir müssen extrem aufpassen,
- 27:47dass Europa nicht das Gras ist, das in diesem Großmachtkonflikt zerrieben wird, aber
- 27:53eigene Kapazitäten aufzubauen, ist natürlich vor allen Dingen sehr komplexes, aber vor
- 27:57allen Dingen sehr teures unterfangen und ich glaube, dass den nächsten Schritt in der
- 28:02ganzen KI-Debatte wird natürlich die Anwendungsfrage sein, also wie schafft man es KI-Tablikationen
- 28:09in Gesellschaft und Wirtschaft zu integrieren? Nur Innovation der Innovation wegen ist jetzt
- 28:14ja auch nicht so zielführend, sondern es muss ja auch am Ende ein Ziel um sozialverträgliche
- 28:19Innovationen und sozialverträgliche Informat-Implementierung gehen und nur Angst zu haben, dass man sozusagen
- 28:24ökonomisch hinten runter fällt und deswegen auch alle Regulierungen über Bord wirft,
- 28:29halte ich für eigentlich einen Himmelfahrtskommando, weil man dann genau die Probleme, die man
- 28:34versucht zu verhindern, dadurch schafft, insofern wäre europäische Entscheidungsträger gut
- 28:39beraten, sich nicht nur mit den primären und säkateren Effekten, sondern auch den Tärzehren
- 28:45von modernen Technologien und Kain auseinanderzusetzen und sich zu überlegen, was das gesellschaftlich
- 28:50bedeutet, wenn wir hier einen ähnlichen Wild West-Kansatz an den Tag legen, der meiner
- 28:55Ansicht nach mit so vielen gesellschaftlichen Implikationen verbunden wird, dass wir die
- 29:00Konsequenzen dann erst merken, wenn es schon zu spät wird. Insofern würde ich Europa mutigen,
- 29:05eigene Kompetenzen aufzubauen und auch eigene Wege zu gehen und ein besseres, wie jeder,
- 29:11das passt ja zum Thema dieses Podcasts, ein besseres alternatives Modell zu generieren,
- 29:15in dem die Leute dann gerne und gut aufleben. Sagt Julian Müller-Kahler, er leitet in
- 29:20Washington D.C. beim Stimmsen-Center die globale Trendvorausschau. Ganz herzlichen Dank für das Gespräch.
- 29:26Da haben wir ja vor der Sommerpause nochmal ein ziemlich großes Rad gedreht. Wenn wir zum
- 29:37Schluss dieser Episode nochmal kurz zusammenfassen, was besonders hängen geblieben ist, dann waren
- 29:41das bei mir drei Dinge, die ich gerne nennen würde. Nämlich erstens, wir machen es uns viel zu
- 29:47einfach mit dem, wie wir auf aktuelle Entwicklungen und die Debatten gucken, indem wir zweitens schon
- 29:53mit Instrumenten, Begriffen, Diskussionen der Vergangenheit eigentlich versuchen, eine unendlich
- 29:59komplex gewordene Gegenwart zu erfassen und drittens, damit tue ich mich so ein bisschen
- 30:04schwer, müsste ich noch einen Moment länger darüber nachdenken, aber however, dass Demokratie
- 30:09eben doch liefern muss. Dass es um dieses Wohlstandsversprechen geht, dass dieses Wohlstandsversprechen
- 30:13und ein Aufgehobensein, so ein Sicherheitsbegriff, dass es zwei Seiten einer Medaille sind, wenn
- 30:18es um den Weg nach vorne geht, aus all diesen Schwierigkeiten raus. Katarina, wegen Stia.
- 30:23Ich merke auf jeden Fall auch, das macht noch was in mir. Das wird noch in mir weiter arbeiten,
- 30:27aber ich habe mir auch drei Punkte aufgeschrieben, die ich sehr interessant finde. Nämlich einmal
- 30:31eben Populismus als ein Symptom zu sehen, ein Symptom für die Performance-Schwäche der
- 30:35Demokratie und weniger so als im luftleeren Raum, das kam jetzt einfach so. Auch, dass
- 30:40Donald Trump eben eher Konsequenz des Ganzen ist. Dann der Punkt, dass es an progressiven
- 30:44Gegenerativen fehlt und dass man eigentlich eben mehr über Lösungen diskutieren sollte,
- 30:49als immer wieder zu sagen, das Problem, was benannt wird, ist eigentlich keins. Das sind
- 30:53so drei Punkte gewesen, die ich auf jeden Fall sehr spannend finde. Und damit endet diese
- 31:02Ausgabe von Port und die Welt. Und gleichzeitig geht auch die dritte Staffel des Podcasts
- 31:06zu Ende. Wir gehen in eine kurze Sommerpause und sind dann am 11. September wieder für Sie da.
- 31:10Wenn Sie möchten, hören Sie doch sehr gerne noch mal in zurückliegende Folgen rein. Wer hatte
- 31:15eigentlich moment recht? Wer lag vielleicht doch so ein bisschen ein Leben mit seiner
- 31:19Einschätzung? Was hat man so gar nicht kommen sehen und so weiter und so fort?
- 31:22Apropos kommen sehen, wenn Sie sich ein Thema, einen bestimmten Gast wünschen. Wenn Sie uns Feedback
- 31:28zum Podcast geben möchten, dann schreiben Sie uns gern an ip@dgrp.org. Sie können den Podcast
- 31:34auch gerne abonnieren in einem Podcatcher Ihrer Wahl, das hilft anderen Menschen, uns besser zu
- 31:39finden. Für heute herzlichen Dank fürs Zuhören. Ich bin Katharina Peetz. Und ich bin Martin Bialecki.
- 31:44Dankeschön auch von mir. Wir wünschen Ihnen allen einen wunderschönen Sommer.