Latest / Rambo Zambo – Der Merz-Podcast / Versteckt, verloren, zerlegt: Merz und die CDU
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- 0:00Ja, also ich würde sagen, das steckt ihm eher noch ziemlich in den Klamotten.
- 0:03Auf mich wirkte Merz zum Teil auch immer noch fassungslos, ratlos,
- 0:10auch sehr nachdenklich.
- 0:13Er hat gesagt, er sei schockiert über dieses Ergebnis, was die CDU da eingefahren
- 0:18hat und natürlich auch, was die AfD da erreicht hat in Sachsen-Anhalt.
- 0:24Wir haben diese Bundestagswahl 2025 gewonnen. Jetzt darf auch mal Rambo Zambo im Adler aus.
- 0:34Das ist Rambo Zambo, der Merz-Podcast. Das Format, das ihr vielleicht nie wolltet, aber jetzt braucht.
- 0:41Mit Carlotta Richter und Julia Emrich. Herzlich willkommen bei Rambo Zambo,
- 0:47dem Podcast, in dem wir einmal die Woche über Friedrich Merz und seine Regierung sprechen.
- 0:52Normalerweise empfangen euch hier Julia Emrich und Carlotta Richter.
- 0:57Heute dürfen wir sie ausnahmsweise vertreten.
- 1:00Ich bin Jan Dörner, Chefreporter in der Funke Zentralredaktion.
- 1:04Bei mir ist Dominik Barth, der als Reporter den Wahlkampf in Sachsen-Anhalt
- 1:08und auch den Wahlabend in Magdeburg verfolgt hat.
- 1:11Und in dieser Woche auch das Nachbeben in der CDU hier in der Hauptstadt im
- 1:17Blick hatte. Herzlich willkommen, Dominik.
- 1:20Jan, vielen Dank für die Einladung, freue mich sehr.
- 1:23Dominik, fangen wir mal bei dem Abend an, an dem das Unheil,
- 1:27sagen wir nicht begann, aber sich dann doch in konkreten Zahlen manifestiert
- 1:31hat, also der Sonntagabend in Magdeburg.
- 1:34Wo warst du da genau und was hast du beobachtet?
- 1:38Naja, die CDU hat das gemacht, was man halt so macht als Regierungspartei im Magdeburger Landtag.
- 1:45Sie haben sich einen schönen Saal ausgesucht in einem größeren Hotel in der
- 1:50Landeshauptstadt und wollten feiern.
- 1:53Nun war man natürlich schon vorher sich der Sache gewiss, dass möglicherweise
- 1:58die Feier nicht ganz so furios ausfällt, wie man das so aus den vergangenen
- 2:02Jahren, ja eigentlich sogar Jahrzehnten gewohnt war.
- 2:06Die Umfragen waren ziemlich schlecht vorab und das sollte sich dann ja am Wahlabend
- 2:12selbst auch bewahrheiten.
- 2:15Für mich sah das so aus, als ob man ja auch nicht mit so ganz vielen Gästen gerechnet hatte.
- 2:20Es war eher ein kleinerer Saal, den man da in Magdeburg in dem Hotel angemietet
- 2:24hatte. Und das Buffet war möglicherweise auch nicht ganz so üppig,
- 2:28wie man sich das sonst vorstellt.
- 2:31Es gab kleinen Schnitzel, ein bisschen Gulaschsuppe, ein, zwei andere Sachen.
- 2:37Genau, das war sozusagen überschaubar und man hatte schon so den Eindruck,
- 2:41das war eher ein Abend, an dem man auch so mit angezogener Handbremse vermutete
- 2:46unterwegs sein zu müssen, ja, zwangsläufig.
- 2:49Ja, aber es kam dann doch noch schlimmer, als die CDU in Sachsen-Anhalt erwartet
- 2:54hatte oder wie war da die Stimmung vor 18 Uhr, also dass man sich dann halbiert,
- 2:59schien das im Bereich des Möglichen bei denen, mit denen du gesprochen hast?
- 3:02Naja, ich vermute so schlimm, wie das dann am Ende ausgefallen ist,
- 3:05hat man es wirklich nicht erwartet.
- 3:08Es war ja sogar so, dass der Stargast gewissermaßen auch gekommen war zur Wahlparty.
- 3:15Das war jetzt im Fall der CDU Sachsen-Anhalt Didi Haller-Vorden,
- 3:18das ist schon ein deutschlandweit bekannter Kabarettist.
- 3:22Der ja auch im Wahlkampf schon aufgetreten war. Ja, gebürtiger Sachsen-Anhalter,
- 3:26hat mit Sven Schulze, dem Spitzenkandidaten und Ministerpräsidenten der CDU
- 3:32in Sachsen-Anhalt auch diverse Wahlkampfauftritte absolviert.
- 3:36Ich würde sagen, er war schon guter Dinge, zumindest hat er sich nicht anmerken
- 3:40lassen, dass er befürchtete, dass es so sehr in die Hose geht,
- 3:45wie das dann am Wahlabend der Fall war.
- 3:46Und Hallervorden war zuversichtlich, er hat noch zu mir gesagt,
- 3:50ja, er will sich das jetzt einfach anschauen.
- 3:52Und es war dann kurz vor der Prognose, also kurz vor den ersten Zahlen,
- 3:59da war dann natürlich das TV-Programm zu sehen in dem Saal, wo sich die CDU
- 4:04dann traf mit ihren Gästen, Unterstützern und Delegierten.
- 4:08Und das war eine bizarre Situation, finde ich eigentlich nach wie vor.
- 4:13Da standen dann eben Hallervorden mit einigen anderen Menschen aus dem CDU-Landesvorstand.
- 4:19André Schröder war dabei, zum Beispiel ehemaliger Finanzminister,
- 4:23jetzt wie gesagt im Landesvorstand.
- 4:24Und die standen da wirklich vor der Bühne und haben sich das angeschaut und
- 4:29waren kurz vor der Bekanntgabe der Zahlen, ja, die haben wirklich standen da
- 4:36und haben ihre Daumen gedrückt, ihre Fäuste geballt.
- 4:40Dann kam die erste Prognose und man sah den Balken der CDU, dass der eben sehr
- 4:47kurz nur ausfiel und dann auch noch die 44, 45 Prozent bei der AfD.
- 4:52Und es war schon so, dass dann da auch die Spannung sich in Fassungslosigkeit
- 4:57im Grunde auflöste und die Körperspannung, der auch von Hallervorden,
- 5:01die ließen dann nach und die Fäuste, die er erst geballt hielt, die sackten dann doch.
- 5:07Ja sehr schnell sozusagen runter.
- 5:10Und ja, da war die Fassungslosigkeit im ganzen Saal absolut zu spüren, die war greifbar.
- 5:15Was hat man gehört? Hat man einen Stöhnen vor Schreck oder hat man gar nichts gehört?
- 5:19Genau so, wie man es erwartet, wenn man so eine krachende Idee da kassiert,
- 5:22da war dann schon ziemlich viel Enttäuschung und auch Fassungslosigkeit über
- 5:27dieses Ergebnis und es waren natürlich einige Us und Os zu hören.
- 5:33Aber im Grunde hatte ich den Eindruck, dass die Leute das auch erstmal verarbeiten mussten.
- 5:37Also man hatte so ein bisschen dann das Gefühl, man hätte jetzt auch eine Stecknadel
- 5:44fallen hören können zu dem Zeitpunkt. Und man sah da viele ratlose Gesichter,
- 5:48die Leute mussten erst mal schlucken.
- 5:51Erst ein paar Minuten später ging dann im Grunde erst das Gemurmel im Saal wieder
- 5:54los und man versuchte sich an so einer Art erster Aufarbeitung.
- 5:59Ja, was wurde denn gemurmelt? Also das ist ja ein März-Podcast hier.
- 6:02Also wurde sofort dem Kanzler die Schuld gegeben oder ging es dann darum,
- 6:07wie stark der AfD-Wahlkampf war oder wie schwach der eigene Kandidat war?
- 6:11Ja, es war, glaube ich, so eine Mischung aus beiden. Andererseits,
- 6:13man hat natürlich dann immer schon im Wahlkampf auch versucht,
- 6:17dann so ein bisschen auch die Probleme für die schlechten Umfragewerte so in
- 6:23Richtung Berlin zu schieben.
- 6:26Andererseits muss man auch sagen, man hat es natürlich auch nicht geschafft,
- 6:28die CDU in Sachsen-Anhalt mit den eigenen Landesthemen dann sozusagen so durchzudringen
- 6:33und dann den Wahlkampf eben darauf zu lenken.
- 6:36Und diese Mischung war auch am Wahlabend spürbar.
- 6:40Ich glaube, was man dann auch gemerkt hat, war, dass die Gäste da auf der CDU-Veranstaltung
- 6:46zumindest auch vielfach sagten, okay, an dem Kandidaten selber hat es jetzt nicht gelegen.
- 6:50Also Sven Schulze war der richtige Mann in dieser Phase für diese Aufgabe.
- 6:58Und ich glaube, er hat auch viel versucht im Wahlkampf, also es hieß dann auch
- 7:01immer wieder mit den Menschen, Politikern, Abgeordneten,
- 7:07CDU-Sympathisanten, an ihm habe es nicht gelegen und mit jemand anderem wäre
- 7:12es vermutlich genauso in die Hose gegangen.
- 7:14Und klar, ich meine, dann wird natürlich immer auch versucht,
- 7:18dann schnell in die Phase zu starten, so woran hat es gelegen.
- 7:23Und dann ist man natürlich immer ganz schnell dann auch bei Berlin,
- 7:26bei den Themen, die da nicht gut funktionieren, bei dem Bild,
- 7:29was die Koalition dann auch gerade abgibt zu diesem Zeitpunkt oder auch schon über,
- 7:35die zurückliegenden Monate, muss man ja sagen, was da an Reformen diskutiert
- 7:39wird, aber vielleicht dann auch nicht so kommt, dass es dann schnell wirkt.
- 7:45Ja, und das war sicherlich eine Mischung aus allen möglichen Themen,
- 7:49die dann da versucht wurden, aufzuarbeiten, noch am Wahlabend.
- 7:53Ja, meiner Beobachtung nach hat sich in dem Wahlkampf in Sachsen-Anhalt,
- 8:01nochmal etwas verschärft, was es vorher schon gab, Nämlich, dass Wahlkämpfer,
- 8:06in den Ländern mit dem Bundeskanzler oder der Bundesregierung einfach rein gar
- 8:11nichts mehr zu tun haben wollen.
- 8:12Also die haben alle das Gefühl, mit einem Kanzler zieht man keine Leute,
- 8:17mit einem Kanzler zieht man keine Stimmen.
- 8:20Man distanziert sich so weit wie möglich.
- 8:23Wenn die dann im Wahlkampf helden wollen, kann man es ihnen auch nicht so ganz
- 8:27abschlagen, aber Sven Schulze hat ja dann seine eigene Methode gefunden.
- 8:31Du hast ja auch dann Schulze und Merz im Wahlkampf vor Ort beobachtet.
- 8:35Also was haben die mit dem Kanzler dort angestellt?
- 8:39Ja, das war sehr interessant zu beobachten.
- 8:43Ich konnte auch bei zwei Terminen, die Schulze und Merz zusammen absolviert haben, mit dabei sein.
- 8:49Und man kennt das ja eigentlich aus vergangenen Wahlkämpfen auch so,
- 8:54wenn der Kanzler kommt oder natürlich auch die Kanzlerin früher.
- 8:58Bucht man eigentlich den Marktplatz?
- 9:00Genau, dann bucht man den Marktplatz, dann sind da ganz viele tausende Leute
- 9:05im besten Fall und jubeln dem Kandidaten zu und auch dem Kanzler, der Kanzlerin.
- 9:12Oder die wollen zumindest mal gucken oder man interessiert sich auch dafür,
- 9:15dass man den Bundeskanzler mal sieht.
- 9:17Kann vielleicht mal die Hand schütteln, Autogramm, Foto machen, Selfie.
- 9:22Das kannte man so aus vergangenen Zeiten, wenn es ganz schlecht lief als Kanzler,
- 9:27ja, dann wurde man mal Ausgebot bekam in Halle, das waren jetzt aber glaube
- 9:31ich keine Wahlkampfzeiten, auch mal ein Ei als Kohl,
- 9:35zu Gast war in Halle, das ist schon eine Weile her, aber.
- 9:38Das war natürlich in diesem Wahlkampf jetzt gar nicht zu beobachten und das
- 9:42lag daran, dass Herr Merz im Grunde versteckt wurde.
- 9:46Also der Kanzler war zwar da, aber er wurde sozusagen den Menschen vor Ort,
- 9:51den Wählern, im Grunde vorenthalten und die konnten ihn nicht sehen.
- 9:57Es gab zwei Termine, auf denen ich wie gesagt dabei war. Der eine war schon,
- 10:00im Sommer, da hatten Schulz und Merz schlichtweg eine Pharmafirma besucht.
- 10:08Da gab es einen Gang durch die Produktion, der war auch nicht öffentlich und
- 10:11hinterher gab es schlicht ein Statement. Und das wiederholte sich dann tatsächlich
- 10:16auch im Wahlkampf, also kurz vor der Wahl zweimal noch.
- 10:20Ich war bei einem Termin noch mit dabei, der war wirklich besonders skurril.
- 10:24Also viel besser hätte man den Bundeskanzler auch wirklich nicht verstecken
- 10:28können. Der fand nämlich in Quettingenburg statt. Das ist eine ganz malerische
- 10:33Harzstadt, auch Weltkulturerbe.
- 10:37Die Innenstadt da zumindest und man hatte sich überlegt, dass man mit Herrn
- 10:41Merz auf den Schlossberg geht, da er erst eine Führung macht,
- 10:46sich ihn ins Goldene Buch der Stadt eintragen lässt.
- 10:50Das ist also ein Berg, der liegt hoch oben über der Quedlinburger Innenstadt.
- 10:54Man kommt schlecht ran tatsächlich, man muss durch ein großes Tor,
- 10:59wann man da hin möchte und dann den Berg hoch gehen oder auch,
- 11:03man kann natürlich auch fahren, der Kanzler ist gefahren in dem Fall und.
- 11:08Ja, als Pressevertreter musste man sich natürlich vorher anmelden,
- 11:12aber Menschen, normale Wähler, Bürger, die den Kanzler sehen wollten,
- 11:16die hatten im Grunde keine Chance.
- 11:17Es gab so ein kleines Empfangskommando, kann man sagen.
- 11:21Das waren auch ein bisschen Protestler von Menschen, die dann eher vermutlich,
- 11:26für die AfD votiert haben, dann am Wahltag selber, die standen da.
- 11:30Aber es standen auch ein paar Quedlinburger, die, glaube ich,
- 11:33sehen wollten, wie der Kanzler da so vorfährt. Aber der Kanzler kam mit seiner
- 11:38Limousine in getönten Scheiben und fuhr direkt durch das Tor in den Hof.
- 11:46Des Veranstaltungsortes, da also auf den Schlossberg. Und genau,
- 11:50also die Wähler haben ihn dann schlichtweg gar nicht gesehen.
- 11:52Und der Kanzler wurde auch an dem Abend, wie gesagt, man konnte ihn kaum besser verstecken,
- 11:57Die Pressekonferenz, also das Statement, was dann mit Schulz und Merz angesetzt
- 12:02war, das fand nach einem wirklichen Unwetter im Schlossgarten statt.
- 12:09Die beiden standen unter einem großen Sonnenschirm, direkt im Grunde an den
- 12:16Mauern auch des Schlosses und das Ganze wirkte sehr, sehr dunkel.
- 12:20Und dann machte glücklicherweise ein Kameramann noch ein Licht an,
- 12:24sodass man Herrn Merz dann auch ein bisschen sah, während er sprach.
- 12:27Aber genau, also er war schon sehr gut versteckt und das hat natürlich auch Gründe.
- 12:33Wurde das denn auch begründet dann von dem Wahlkampfteam von Sven Schulze oder
- 12:37muss man eins und eins zusammenzählen und sagen, also man möchte halt die Bilder
- 12:41und die Nachrichten, dass der Kanzler dann massiv ausgefiffen wird,
- 12:45vielleicht einfach vermeiden?
- 12:47Genau, das ist vielleicht ein Punkt, dass Merz möglicherweise auch nicht so
- 12:50gut gelitten war jetzt in dem Bundesland Sachsen-Anhalt.
- 12:55Aber ein anderer Punkt ist natürlich auch die generelle Unzufriedenheit mit
- 13:00der Koalition in Berlin, mit der Politik. Und natürlich muss man bei solchen,
- 13:06Anlässen dann schon zwischen den Zeilen sehen. Da sagt natürlich niemand.
- 13:11Ja wir möchten, dass Herr Merz sozusagen nicht öffentlich auftritt,
- 13:15sondern da sagen natürlich alle, es ist toll, dass der Kanzler da ist und wir freuen uns sehr.
- 13:21Aber es gibt natürlich niemand zu, dass man den Kanzler lieber versteckt,
- 13:26als ihn auf eine große Bühne auf irgendeinen Marktplatz zu stellen.
- 13:29Ja, dann blicken wir jetzt mal auf die Tage nach der Wahl.
- 13:33Da war dann mächtig Unruhe bei der CDU in Sachsen-Anhalt und dann hat sich jetzt
- 13:40ein Mann hervorgetan, der fast genauso groß ist wie der Kanzler,
- 13:45vielleicht sogar ein, zwei Zentimeter größer.
- 13:472,03 Meter, ich weiß nicht, wie groß ist denn Herr Merz? Ich glaube,
- 13:50der ist ein bisschen drunter, vielleicht so 1,98 Meter. Also wir sprechen von Sepp Müller.
- 13:57Erzähl doch mal, wer ist Sepp Müller und warum spielt er jetzt eine Rolle?
- 14:03In Sachsen-Anhalt. Und warum ist der Kanzler böse auf ihn?
- 14:07Ja, also Sepp Müller ist eigentlich jemand, der zuvor noch nicht so groß aufgefallen
- 14:11ist. Das ist ein Bundestagsabgeordneter aus Lutherstadt-Wittenberg.
- 14:15Das ist der Heimatort auch von dem ehemaligen Ministerpräsidenten Rainer Haseloff aus Sachsen-Anhalt.
- 14:20Und Müller ist seit dieser Legislaturperiode stellvertretender Fraktionsvorsitzender
- 14:25der Unionsfraktion im Bundestag.
- 14:28Hat jetzt zuletzt diese Taskforce Tanken mit einem SPD-Kollegen zusammengeleitet,
- 14:36und da auch beraten, was so an Entlastung kommen könnte, nachdem die Spritpreise
- 14:42oder auch die Energiepreise generell,
- 14:45nachdem im Iran-Krieg ja doch deutlich nach oben gegangen sind.
- 14:49Und daraus, das weißt du ja auch, entstand dann der Tankrabatt,
- 14:53der begrenzt galt und jetzt aber eben nicht mehr gilt.
- 14:56Ja und Müller ist sozusagen einfach ein Abgeordneter und,
- 15:01man sagt ihm aber schon immer nach, dass er auch Ambitionen für höhere Ämter
- 15:08hat und in dem Fall mit Blick auf Sachsen-Anhalt ist da natürlich auch eines der höchsten Ämter,
- 15:14das man haben kann innerhalb der CDU, ist natürlich der Landesvorsitz einer Partei.
- 15:20Der war oder ist immer noch mit Sven Schulze besetzt, Landesvorsitzender und
- 15:25Ministerpräsident. Ja, man merkt es schon am Wahlabend. Also Sepp Müller war
- 15:28auch Gast auf der Wahlparty in Magdeburg, in dem Hotel, wo das stattfand.
- 15:34Und ja, es war schon eine merkwürdige Situation. Man konnte das ein bisschen beobachten.
- 15:40Er lief da so ein bisschen rum und man hatte so ein bisschen den Eindruck,
- 15:43ja, mit dem schlechten Ergebnis, was da eingefahren wurde, da will er eigentlich
- 15:47gar nicht so richtig was zu tun haben. und dann,
- 15:51Ging ja auch immer wieder raus, um zu telefonieren und vielleicht so ein bisschen
- 15:55seine Strategie abzustecken.
- 15:58Und dann gab er an dem Abend auch einem Kollegen ein Fernsehinterview und legte
- 16:05Schulze schon mal nahe, dann sich auch vom Landesvorsitz auf jeden Fall zurückzuziehen.
- 16:10Zog auch schon mal klar, dass mit dem Ergebnis seine Partei natürlich jetzt
- 16:14gar keinen Regierungsanspruch oder keinen Regierungsauftrag hat,
- 16:19der ganz klar bei der AfD liegt.
- 16:22Naja und Müller war jemand, dem oder ist jemand, dem jetzt dann im Nachgang
- 16:28auch schon sozusagen vorgeworfen wurde,
- 16:32Schulze so ein bisschen Knüppel zwischen die Beine geworfen zu haben,
- 16:35noch bevor es überhaupt dann an die Ohne ging, also am Wahlsonntag.
- 16:40Konkret, der Kanzler hat ihm das vorgeworfen, aber ohne ihn zu nennen. Ja, das stimmt.
- 16:45Im Nachgang dann hat der Kanzler ihm auch vorgeworfen, sozusagen dafür gesorgt
- 16:49zu haben, dass Schulze dann so ein bisschen die Option ausging.
- 16:53Also Müller hat ganz konkret davor gewarnt, eben mit den Linken in irgendeiner
- 16:58Form zusammenzuarbeiten.
- 17:00Also Tolerierung ist ja dann oder wäre möglicherweise eine Option gewesen nach der Wahl,
- 17:06dass man eben sagt, man macht eine Minderheitsregierung als CDU mit den anderen
- 17:12Parteien, die dann im Landtag sind und versucht sich dann.
- 17:18Mit den Linken auf eine Art Tolerierung, zumindest bei gewissen Themen oder Vorhaben zu einigen.
- 17:24Müller hat das also in einem Posting auf X konsequent ausgeschlossen,
- 17:29gesagt, das geht nicht, das ist unvereinbar,
- 17:32das ist ja auch in Teilen durchaus gedeckt innerhalb der Union,
- 17:35das so zu machen, diesen Unvereinbarkeitsbeschluss, den gibt es ja und genau, da wurde also...
- 17:41Dann Müller vorgeworfen im Nachhinein, er hätte dadurch Schulze eigentlich die
- 17:45einzig mögliche Machtoption sozusagen auch noch verbaut und dafür gesorgt, dass da eben.
- 17:53Eine schlechte Stimmung jetzt auch schon vor dem Wahlabend stattfand. Und ja, und März.
- 18:00Und damit sind wir dann sozusagen an dem Tag nach der Wahl, wo dann ja sozusagen
- 18:06die Aufarbeitung begann.
- 18:08Man sich anschaute, was ist da vielleicht schiefgelaufen, vielleicht versucht
- 18:13auch schon erste Erklärungen zu finden dafür.
- 18:16Und da gab es dann eine Pressekonferenz in Berlin im Konrad-Adenauer-Haus,
- 18:21also dem Hauptsitz der Zentrale der CDU in Deutschland.
- 18:27Und Merz und Schulze traten da auf und dann wurde natürlich über viele andere
- 18:32Dinge gesprochen, aber Merz,
- 18:35ja muss man sagen, zerlegte dann Sepp Müller tatsächlich, ohne seinen Namen
- 18:39zu nennen, aber man wusste natürlich, dass es um ihn geht, zerlegte dann Sepp
- 18:43Müller tatsächlich auf offener Bühne, eben genau für diesen Move,
- 18:48nochmal kurz vor der Wahl darauf hinzuweisen, ja das mit den Linken ginge ja
- 18:51gar nicht und Merz hat so gesagt, Das hätte also Schulze nochmal ganz konkret dann auch geschadet.
- 18:58Ich muss sagen, jetzt nach der Wahl stellt sich diese Frage ja gar nicht,
- 19:02ob Sven Schulze sich von den Linken in einer Regierung tolerieren lassen könnte.
- 19:10Weil man muss sagen, die CDU ist so schwach geworden und die AfD ist so stark
- 19:12geworden, dass es selbst, wenn die Linke eine Art Kooperationsmodell eingehen
- 19:19würde, die Stimmen würden einfach nicht reichen.
- 19:22Welche Rolle will und wird Sepp Müller deiner Meinung nach künftig in der CDU
- 19:30Sachsen-Anhalt spielen?
- 19:33Naja, das dürfte sich jetzt innerhalb der nächsten Monate zeigen.
- 19:37Der Landesvorstand in Sachsen-Anhalt der CDU hat ja dann kurz nach der Wahl,
- 19:44also am Montagabend, beschlossen, dass es Neuwahlen des kompletten Landesvorstands
- 19:49geben soll. Allerdings erst im November oder Dezember.
- 19:54Man will also da tatsächlich einen Neuanfang machen. Das hat Sven Schulze auch gesagt.
- 19:58Dafür macht er den Weg frei. Er will also nicht nochmal kandidieren.
- 20:02Inzwischen hat er sich zum Fraktionsvorsitzenden wählen lassen,
- 20:05sozusagen um da eine gewisse Kontinuität reinzubringen, jetzt eine starke Oppositionsarbeit
- 20:10machen zu können, sagt er zumindest.
- 20:14Da gab es sicherlich auch Kritik dran, weil er gleichzeitig eben auch noch Ministerpräsident
- 20:18ist, zumindest so lange, bis es da niemanden Neuen gibt.
- 20:22Naja, der Plan von Müller wird jetzt sein, natürlich für seine eigene Unterstützung zu werben.
- 20:30Da ist die Frage, ob ihm das gelingt, zumindest war es jetzt am Montag so,
- 20:34als eben diese Sitzung des Landesvorstands war, dass seine Kandidatur,
- 20:40die er dann erst öffentlich gemacht hat nach dieser Sitzung,
- 20:43Müller hat dann an dem Abend der Sitzung die,
- 20:48CDU-Delegierten da im Landesvorstand über seine Pläne im Unklaren gelassen,
- 20:52darüber, dass er selber kandidieren möchte.
- 20:55So haben es zumindest mir gegenüber zwei Teilnehmer,
- 20:59Er hat aus der Sitzung auch berichtet, also er hat das mit keinem Wort erwähnt,
- 21:03dass er vorhat, selber für den Landesvorstand zu kandidieren.
- 21:09Und dann war es wohl eine relativ skurrile Situation, dass Sven Schulze dann
- 21:14erst rausging nach der Sitzung, gegenüber den Pressevertretern dann erklärte, was sein Plan ist,
- 21:21nämlich sich zurückzuziehen und einen neuen Landesvorstand wählen zu lassen.
- 21:25Und als Schulze dann ging, kam Müller aus dem Gebäude, wo diese Sitzung stattgefunden
- 21:31hat und hat dann eben erklärt, ja, er möchte selber kandidieren und er möchte
- 21:34für einen Neuanfang sorgen und.
- 21:36Er möchte auch sozusagen alles neu machen, hat das dann nochmal hinterlegt mit
- 21:41einer WhatsApp-Nachricht an den Landesvorstand.
- 21:43Und ja, das wurde ihm dann so ein bisschen ausgelegt als ja schon irritierend
- 21:49und so nach dem Motto, man hätte jetzt vielleicht erst mal dafür sorgen müssen,
- 21:54dass ein bisschen Ruhe einkehrt und nicht sofort anfangen,
- 21:58über Personal zu diskutieren oder sich im Zweifel jetzt nach so einem schlechten
- 22:02Wahlergebnis auch selbst zu zerlegen als CDU.
- 22:05Und weißt du auch, wie die Reaktionen auf die WhatsApp-Nachricht waren?
- 22:09Ich selber habe die WhatsApp-Nachricht auch erhalten.
- 22:12Das wurde mir dann zugespielt und bekam dann auch eine Aussage von einer Quelle
- 22:16dazu, dass er an dem Morgen danach, also das ist dann der Dienstag gewesen,
- 22:22dass es da aus dem Landesvorstand zumindest nur einen Daumen hoch gab.
- 22:27Also da war so die Euphorie darüber, dass es da zumindest einen Kandidaten gab,
- 22:31für den Landesvorsitz, war da doch sehr begrenzt.
- 22:34Nun muss man wissen, der Landesvorstand wird ja vermutlich dann auch komplett neu besetzt.
- 22:39Also es werden andere Gesichter, andere Menschen dort am Werk sein.
- 22:43Und generell ist ja die CDU in Sachsen-Anhalt vermutlich auch er da interessiert,
- 22:48da einen Neuanfang zu schaffen. Also Müller wird da sicherlich auch Chancen
- 22:52haben. Aber natürlich kann es auch noch Gegenkandidaten geben, ganz klar.
- 22:56Also in Sachsen-Anhalt ist vieles offen, sowohl bei der CDU.
- 23:01Im Landesverband als auch in der Regierung. Ganz interessant fand ich,
- 23:05dass Sven Schulze jetzt angekündigt hat oder angeregt hat in einem Brief an
- 23:11den Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz,
- 23:13der im Moment den Vorsitz der Ministerpräsidentenkonferenz hat,
- 23:18doch die nächste Vorsitzrunde, die nämlich an Sachsen-Anhalt ging, schon ab dem 1.
- 23:25Oktober doch durch ein anderes Land ausfüllen zu lassen.
- 23:29Und er begründet das mit der unsicheren politischen Lage in seiner Heimat.
- 23:33Das fand ich sehr interessant.
- 23:35So, jetzt haben wir über die Pressekonferenz von März am Montag gesprochen.
- 23:41Das war ja sein erster öffentlicher Auftritt nach diesem wirklich für die CDU
- 23:45und auch für die Bundes-CDU und für Merz persönlich schockierenden Wahlergebnis.
- 23:51Welchen Eindruck hattest du am Montag von dem Kanzler? Hatte er dieses Schockergebnis
- 23:59schon einigermaßen abgeschüttelt oder steckte ihm das noch richtig in den Klamotten?
- 24:04Ja, also ich würde sagen, das steckte ihm eher noch ziemlich in den Klamotten.
- 24:07Auf mich wirkte Merz zum Teil auch immer noch fassungslos, ratlos,
- 24:15auch sehr nachdenklich.
- 24:17Er hat gesagt, er sei schockiert über dieses Ergebnis, was die CDU da eingefahren
- 24:22hat und natürlich auch, was die AfD da erreicht hat in Sachsen-Anhalt.
- 24:26Und man könnte da nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Er hat auch gesagt,
- 24:29dass er was ändern möchte.
- 24:31Das hat er ja darauf bezogen, dass er natürlich den Reformkurs weiter fortführen möchte im Grunde.
- 24:41Er hat sich dann gesprächsbereit gezeigt bei den Themen zum Beispiel Rente.
- 24:45Das Rentenpaket soll ja, das von der Kommission vorgeschlagen wurde,
- 24:51präsentiert wurde, soll ja in Gesetze umgesetzt werden.
- 24:53Da geht es unter anderem auch um die Frage, sollen besonders langjährig Versicherte
- 24:59noch früher und ohne Abschläge in Rente gehen können oder nicht.
- 25:03Das ist die sozusagen als Rente mit 63 bekannt gewordene Verrentungsmöglichkeit,
- 25:10was die Kommission ja abschaffen will. Da gab es viel Kritik dran.
- 25:12Also da geht es um die Frage Rentenpaket nochmal aufschnüren,
- 25:14ja oder nein. Da hat sich mehr als gesprächsbereit gezeigt.
- 25:18Nachdem muss man ja auch sagen, am Wahlabend hatte noch keine 19 Uhr geschlagen
- 25:22und die SPD hatte das schon alles auch wieder in Frage gestellt.
- 25:25Also die haben als Konsequenz aus dem Wahlergebnis sofort gesagt.
- 25:30Die Bevölkerung geht den Reformkurs nicht mit, das heißt, wir müssen gucken, ob wir da was ändern.
- 25:37Genau, absolut. Also das hat Merz natürlich dann auch sofort aufgenommen und
- 25:41gesagt, okay, wir können da auch was ändern.
- 25:43Rente, Beeinkommenssteuer vielleicht auch nochmal, wo die Entlastung ja doch
- 25:46nicht so groß ausfällt, wie man sich das ursprünglich mal vorgestellt hat.
- 25:49Also da sieht er auch noch Gesprächsbedarf und dann, was er konkret ändern möchte,
- 25:55hat er dann ja auch noch auf sich selbst bezogen. Er hat gesagt,
- 25:59er möchte auch an seiner Art der Kommunikation arbeiten.
- 26:03Er möchte die Themen emotionaler erklären, vielleicht die Menschen mehr abholen, sie anders begeistern.
- 26:14Das sei ihm vorher nicht gelungen. Ja, da ist auch eine gewisse Selbstkritik
- 26:18natürlich rauszuhören.
- 26:21Die Frage bleibt natürlich, wie Merz das gelingt, weil er ist zuvor ja auch
- 26:27nicht aufgefallen durch besonders emotionale Herangehensweisen oder durch auch
- 26:32zum Teil ja eigene Empathie.
- 26:34Also ich kann mich da auch an diverse Auftritte erinnern, wo er dann Menschen,
- 26:39die ihn ja vielleicht eine Frage gestellt haben,
- 26:44wo er dann vielleicht eher so ein bisschen brüskiert darüber war,
- 26:47was das für eine Frage ist, wo er dann,
- 26:50ja die Leute vielleicht eher abgewatscht hat auf offener Bühne und eben nicht
- 26:54so empathisch und auch nicht so emotional reagiert hat, wie man das ja vielleicht
- 26:59auch als Bundeskanzler hätte machen können.
- 27:03Ich fand es interessant, dass er in dieser.
- 27:07Pressekonferenz am Montag so eine Fehleranalyse betrieben hat und gesagt hat,
- 27:11ich müssen dann das besser erklären,
- 27:14und wir müssen emotionaler werden oder ich muss vielleicht auch mehr die Emotionalität
- 27:18der Menschen ansprechen und eine sehr gute Gelegenheit wäre ja heute gewesen
- 27:23zur Information, wir zeichnen diesmal am Mittwoch auf,
- 27:27und heute war die Generaldebatte im Bundestag.
- 27:30Also wir haben Haushaltswoche, da werden die einzelnen Etats der Bundesministerien
- 27:36diskutiert. Hat er das da geschafft?
- 27:39Das hat er nicht geschafft. Und heute war nämlich die Debatte über den Etat
- 27:45im Kanzleramt und das wird ja immer dafür genutzt, für so eine Generalaussprache.
- 27:51Die Opposition greift die Regierung an, die Regierung verteidigt sich und macht
- 27:57gleichzeitig Punkte, Kritikpunkte gegenüber der Opposition.
- 28:02Und das Interessante ist ja, dass traditionell der Oppositionsführer,
- 28:06die Oppositionsführerin zuerst spricht und der Kanzler reagiert.
- 28:10In diesem Fall war die erste Rednerin Alice Weidel,
- 28:15die in der Vergangenheit bei solchen Gelegenheiten sehr aggressiv aufgetreten
- 28:19ist, die auch im Wahlkampf Merz und seine Regierung als Flachzangen,
- 28:24man kann schon sagen, beschimpft hat. Und dann war jetzt die Frage, wie tritt sie auf?
- 28:30Ist sehr kühl aufgetreten, sie hat dieses ganz aggressive,
- 28:37diese Auftritte, wo sie manchmal sehr emotional war, wo sich dann die Stimme
- 28:41auch fast überschlug, das hat sie weggelassen.
- 28:45Mich hat das an einen Ausbruch von Alexander Gauland erinnert,
- 28:48als die AfD erstmals in den Bundestag gekommen ist 2017, er war der Spitzenkandidat,
- 28:54hat er angekündigt, wir werden sie jagen in Bezug auf die Regierung.
- 28:59Und heute hatte ich das Gefühl, dass Weidel sagt, wir müssen gar nicht mehr
- 29:04jagen, wir haben sie schon erlegt.
- 29:07Das war so die Stimmung, die Botschaft, die von ihr rüberkam.
- 29:12Sie fühlte sich natürlich sehr beflügelt von dem Ergebnis aus Sachsen-Anhalt.
- 29:15Ja, die AfD saß da, wie auch die Fraktion, ich sag mal wie so eine Fußballkurve
- 29:22und die ihrem Stürmer es dazu jubelt.
- 29:25Und Alice Weidel hat dann die ganzen Kritikpunkte an der Regierung gemacht,
- 29:31die die AfD schon immer macht.
- 29:33Die hohen Energiepreise, die hohen Schulden, die hohe Neuverschuldung,
- 29:38die Migration, der anhaltende Ukraine-Krieg und die deutsche Unterstützung dafür
- 29:44und hat immer wieder durchblicken lassen,
- 29:46schwarz-rot, ihr seid erledigt und hat auch gesagt, beim nächsten Mal werden wir gewählt.
- 29:50Und dann habe ich mich beim Zuhören, ich saß auf der Pressetribüne im Bundestag,
- 29:55habe ich mich gefragt, wie reagiert Merz jetzt?
- 29:58Er hätte ja sagen können, ich bin der Bundeskanzler.
- 30:02Und ich drehe hier mit Selbstbewusstsein auf und ich setze jetzt um,
- 30:07was ich da zwei Tage vorher am Montag angekündigt habe.
- 30:10Ich setze eine neue Erzählung über meine Reform. Ich sage vielleicht,
- 30:14Leute, das wird jetzt hart, aber diese Reformen werden dazu führen,
- 30:17dass es besser wird und dass er auch eine emotionale Ebene sucht,
- 30:21um die Bürgerinnen und Bürger zu erreichen.
- 30:23Und interessanterweise hat er genau das nicht gemacht.
- 30:26Er hat dann sich Punkt für Punkt an Weidel abgearbeitet und nach erst über zehn
- 30:32Minuten ist er überhaupt aus seiner Reform gekommen.
- 30:34Und das war auch so ein Punkt, wo ich dachte, er hat diese Wahlniederlage immer
- 30:40noch nicht verpackt und er hat aber auch noch keine Strategie gefunden, jetzt damit umzugehen.
- 30:47Und wenn er das nicht schafft, dann wird es, glaube ich, ganz,
- 30:52ganz schwer für die Koalition, für ihn selbst, diesen Herbst unbeschadet zu überstehen.
- 30:59Wobei man sagen muss, wir kommen jetzt nochmal auf zwei Wahlen zu,
- 31:02in Mecklenburg-Vorpommern und in Berlin wird gewählt und da sind ja die Chancen
- 31:09der CDU ganz unterschiedlich.
- 31:13Vielleicht kannst du nochmal erklären, wo die CDU bei den beiden Wahlen punkten kann und wo er nicht.
- 31:20Ja, also das sind ja tatsächlich zwei relativ unterschiedliche Ausgangspositionen.
- 31:25Einfach und in Berlin ist man Regierungspartei, also man führt den Senat an,
- 31:31stellt den regierenden Bürgermeister in Kai Wegner, der jetzt nicht mehr antritt,
- 31:36aus Gründen, die wir alle kennen.
- 31:39Das macht jetzt Stefan Evers. Wir sagen mal Tennis. Wir sagen Tennis.
- 31:45Das war sicherlich.
- 31:49Eine Ausfallerscheinung, die man so nicht unbedingt erwartet von jemandem,
- 31:52der in vorderster Position antritt,
- 31:55dass man dann Tennis spielen geht und dann die Öffentlichkeit darüber sozusagen
- 32:00auch sehr schleppend informiert, was man da eigentlich gemacht hat und gleichzeitig
- 32:03behauptet, man hätte den ganzen Vormittag telefoniert.
- 32:06Ja, und dann gab es jetzt ja noch diesen Hackerangriff, wo auch ganz viele Daten abgeflossen sind.
- 32:13Das zahlt möglicherweise jetzt nicht auch alles auf eine Kompetenz der CDU ein.
- 32:19Also vielleicht wird es schwierig. Jetzt ist in Berlin natürlich auch immer,
- 32:23es ist natürlich eine Großstadt.
- 32:24Hier wählen die Leute anders als auf dem Land in Sachsen-Anhalt.
- 32:28Wenn man sich jetzt die Umfragen anschaut, sind auch sehr viele Menschen einfach
- 32:32dabei und wählen die Linke, die Grünen. Das sind klassische Großstadtparteien auch.
- 32:38Man muss sagen, Berlin war für die CDU in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten
- 32:42nicht immer, aber oft ein schwieriges Pflaster, ein zunehmend schwieriges Pflaster.
- 32:46Und doch ist es jetzt die Hoffnung von März an diesem Wahlwochenende vom 20. September.
- 32:52Genau, also ja, das ist sicherlich so, dass das die Hoffnung ist,
- 32:55aber das wird sich zeigen. Also das Rennen ist, glaube ich, offen hier in Berlin.
- 32:59Man wird sehen, am Wahlabend, wer da wie viel...
- 33:04Prozent einfährt und wie dann am Ende die Koalitionsoptionen sind.
- 33:08Möglicherweise wird die CDU auch wieder eine Landesregierung hier anführen können,
- 33:13aber das wird dann das Wahlergebnis zeigen.
- 33:17In Mecklenburg-Vorpommern ist die Ausgangslage für die CDU natürlich eine ganz andere.
- 33:21Also man kann jetzt natürlich die Theorie auch entwickeln, dass dann in Mecklenburg-Vorpommern,
- 33:29ja vielleicht die Menschen sagen, okay, wenn ich jetzt eine AfD-geführte Regierung
- 33:33oder Machtoption für die AfD auch verhindern will,
- 33:36dann muss ich eventuell dafür sorgen, dass die jetzige Ministerpräsidentin,
- 33:40das ist Manuela Schwesig von der SPD,
- 33:43gut abschneidet und vielleicht dann eher ihr die Stimme geben,
- 33:48anstatt der CDU, die in den Umfragen in Necklenburg-Vorpommern auch,
- 33:54ja natürlich weit davon entfernt ist, in irgendeiner Weise ein starkes Ergebnis einzufahren.
- 33:58Da waren zuletzt eher Werte um 10 Prozent von den Demoskopen ausgewiesen worden.
- 34:05Also das dürfte eher kein Erfolgserlebnis werden für die CDU und Friedrich Merz, muss man sagen.
- 34:13Genau, und wie es da weitergeht, wird sicherlich hier im Podcast besprochen,
- 34:17wenn Julia und Carlotta dann wieder da sind.
- 34:20Und jetzt die Zahl der Woche.
- 34:23Dominik, zum Abschluss, hast du eine Zahl der Woche mitgebracht?
- 34:26Genau, Jan, das habe ich tatsächlich. Meine Zahl ist 5 Prozent.
- 34:31Das hat mich sehr bewegt. Es gibt ja mittlerweile sehr genaue Zahlen dazu,
- 34:38wer eigentlich wen gewählt hat.
- 34:40Man hat da Wählerwanderungen, man weiß auch aus welchen sozusagen sozialen Schichten
- 34:45teilweise, was die Menschen beruflich machen und man erhebt natürlich auch Altersgruppen.
- 34:50Und diese fünf Prozent sind der Anteil der unter 30-Jährigen.
- 34:57Die laut Forschungsgruppe Wahlen in Sachsen-Anhalt CDU gewählt haben.
- 35:00Und diese Zahl ist natürlich erschreckend gering oder dieser Wert ist erschreckend
- 35:05gering für eine Partei, die eigentlich den Anspruch hat, Volkspartei zu sein.
- 35:09Und diese Zahl zeigt mir aber auch, dass die CDU ja viel zu tun hat,
- 35:16auch wenn es darum geht, junge Leute wieder für ihre Inhalte zu begeistern.
- 35:19Also das kann man sicherlich darauf auch interpretieren, dass man möglicherweise
- 35:26die falschen Themen setzt.
- 35:27Aber man kann es sicherlich auch so sehen, dass die CDU mit ihrer Art,
- 35:32für ihre Themen zu werben oder auch dafür zu kämpfen, möglicherweise bei den
- 35:36jungen Menschen nicht mehr verfängt.
- 35:38Also die Art des Wahlkampfes hat man gesehen, verlagert sich
- 35:43immer stärker in Richtung soziale Medien und da hat man jetzt zum Beispiel in
- 35:46Sachsen-Anhalt auch ganz klar gemerkt, dass die AfD da einfach sehr viel stärker
- 35:50unterwegs ist und da viel,
- 35:53besser oder es der Partei viel, viel besser gelingt als der Union oder der CDU in dem Fall.
- 35:59Ja einfach die jungen Wähler da abzuholen.
- 36:01Und soll sich das mal wieder ändern, muss man da, glaube ich,
- 36:05nochmal im Konrad-Adenauer-Haus die Strategie schärfen, was das angeht.
- 36:10Ja, schwer vorzustellen, dass es jetzt noch für die beiden anstehenden Wahlen
- 36:15gelingt. Könnte knapp werden. Was sind deine Zahl der Woche? Genau.
- 36:18Und weil diese beiden Wahlen anstehen, habe ich zwei Zahlen mitgebracht und
- 36:24die kann man sich jetzt aufschreiben und dann am Abend des 20.
- 36:28Nochmal vergleichen. 28,2 war das letzte Wahlergebnis bei der Abgeordnetenhauswahl
- 36:35für die CDU in Berlin und 13,3 bei der letzten Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern.
- 36:42Möglicherweise wird sie in beiden Ländern noch darunter liegen. Aber wir werden sehen.
- 36:48Dominik, herzlichen Dank für die ganzen spannenden Infos aus der CDU und dem Wahlkampf.
- 36:56Ja Jan, vielen Dank für die Einladung. Hat mir Spaß gemacht. Gerne.
- 37:04Ein Podcast von Funke.