Latest / Gin And Talk / Hannes Ringlstetter über Meinung, Humor und Lampenfieber
Transcript
- 0:00Speaker 0: Diese Korrektheit, dass man immer korrekt sein muss und immer alle bedienen muss.
- 0:06Speaker 0: Alle müssen einen mögen.
- 0:08Speaker 0: Das geht sowieso nicht.
- 0:10Speaker 0: Also braucht man den Versuch auch gar nichts starten?
- 0:13Speaker 0: Und auf der anderen Seite haben wir aber so ein Polarisierungswettbewerb.
- 0:18Speaker 0: Dass man ja nicht konsensfähig ist weil man einfach alles besser weiß.
- 0:25Speaker 0: Ich finde, in Deutschland wird wenig stehen gelassen und man sagt okay das ist deine Meinung?
- 0:30Speaker 0: Das ist eine Demokratie.
- 0:32Speaker 0: Du hast die ich habe die fertig ist der Lack.
- 0:35Speaker 0: Das ist ja nicht normal dass du dich freiwillig vor zweitausend Leute in den Zirkus Kronen stellst und alle dürfen dich beurteilen.
- 0:45Speaker 0: Und jeder darf dich wenn er will scheiße finden.
- 0:47Speaker 0: So!
- 0:48Speaker 0: Das gibt man sicher nicht, wenn man noch ganz dicht ist so.
- 0:54Speaker 0: Es muss aus einer Not entstanden sein, also einem geliebt werden wollen.
- 0:58Speaker 1: Herzlich willkommen!
- 0:59Speaker 1: Mein Name ist Daniel Fürk und bevor wir gleich in das Gespräch starten möchte ich kurz unseren heutigen Gast vorstellen.
- 1:05Speaker 1: Hannes Ringelstetter ist Musikerkabarettist, Schauspieler, Moderator und Autor oder wie er es selbst zusammenfassen würde Entertainer.
- 1:13Speaker 1: In seiner Show Ringelstedter empfängt er schon seit zwei tausendsechzehn wöchentlich inspirierende Gäste im bayerischen Fernsehen.
- 1:19Speaker 1: Mit seiner Band ist er derzeit wieder auf Tour und freut sich, dass Konzerte endlich wieder möglich sind.
- 1:25Speaker 1: Ich wollte von ihm wissen, welche Profession ihm eigentlich selbst die Liebste ist, auf welche er niemals verzichten könnte was ein gutes Gespräch ausmacht und was noch auf seiner ganz persönlichen Bucketlist steht.
- 1:37Speaker 1: Bevor wir aber gleich in das Gespräch starten, noch einen Hinweis und eine Einladung für euch!
- 1:42Speaker 1: Am fünften und sechsten Juli findet in München nach zwei Jahren Pandemiepause endlich wieder unser Forty-Eight Forward Festival statt.
- 1:49Speaker 1: An zwei Tagen geht es hier um unsere Zukunft, um die großen Themen unserer Zeit und ihr habt die Möglichkeit bei einigen Podcast-Aufzeichnungen live dabei zu sein.
- 1:58Speaker 1: Darunter unter anderem auch eine Episode Gen & Talk mit Jan Weiler am ersten Festivalabend.
- 2:04Speaker 1: Meldet euch an und seid dabei!
- 2:06Speaker 1: Alle Infos findet ihr unter www.aunter-achtundvierzigf.de.
- 2:09Speaker 1: slash festival.
- 2:10Speaker 1: Jetzt aber viel Spaß beim Zuhören?
- 2:12Speaker 1: Schön dass ihr alle wieder mit dabei seid.
- 2:19Speaker 0: und eine Menge Zeit für ein persönliches
- 2:21Speaker 1: Bargespräch.
- 2:23Speaker 0: Herzlich willkommen an unseren Bartresen!
- 2:27Speaker 1: Herzlich Willkommen
- 2:28Speaker 0: zu einer neuen Folge Gin & Talk.
- 2:32Speaker 0: Mach es dir gemütlich,
- 2:34Speaker 1: lehne dich zurück und tauche
- 2:36Speaker 0: ein in die verrucht düstere Atmosphäre unserer
- 2:40Speaker 1: Studio-Bar.
- 2:49Speaker 1: Lieber Hannes, ich freue mich sehr dass wir uns heute hier virtuell treffen können.
- 2:53Speaker 1: Du in deinem Garten, deshalb hört man hier und da auch mal ein Vögelchen zwitschern und ich heute ausnahmsweise mal im Homeoffice.
- 3:00Speaker 1: herzlich willkommen!
- 3:01Speaker 0: Die Vögen sind auch echt ja herzlich willkommen auch dir lieber Daniel.
- 3:04Speaker 0: schön das es klappt!
- 3:05Speaker 1: Hannes wenn man sich einmal damit beschäftigt was du so alles machst in deinm Leben dann ist man ganz schön lange beschäftigter als der Schauspieler, da isst er Musiker, Da ist der Moderator, da ist der Kabarettist, da Wo würdest du denn eigentlich selbst die Priorität setzen oder wie würdest Du Dich Selbst Bezeichnen?
- 3:22Speaker 1: Naja,
- 3:23Speaker 0: also in erster Linie ist es so dass das so eine bissel nicht deutsche Diskussion ist wenn jemand so viel macht weil in Amerika zum Beispiel ist der klassische Beruf des Entertainers.
- 3:36Speaker 0: Also bisschen Musik bisschen moderieren bisschen Comedy.
- 3:41Speaker 0: und ich habe einfach Bei mir war es eigentlich aus der Not geboren, weil ... Es hat halt nix wirklich funktioniert.
- 3:48Speaker 0: Was ich so gemacht habe und dann hab' ich mich halt breit aufgestellt und hab irgendwie erst mal alles gemacht wo ich jemand wollte dass ich's mach Und So entstand das da sich im Prinzip ja so eine Vielfalt entwickelt hab Die aber wie gesagt eben aus der not eher geboren war als jetzt einem plan verfolgt hab.
- 4:09Speaker 0: Ich hab überhaupt keinen Plan gehabt angefangen mit Musik, also mit meiner Band.
- 4:16Speaker 0: Mit den ersten Bands und dann habe ich irgendwann festgestellt dass das nicht reicht um davon zu leben.
- 4:22Speaker 0: Dann hab' ich einen Voluntariat gemacht beim Fernsehen.
- 4:24Speaker 0: Dann habe ich angefangen zu moderieren.
- 4:26Speaker 0: Dann bin ich irgendwann nach München gegangen.
- 4:29Speaker 0: Nachdem es die Band nicht mehr gab und so angefangen so musikkaparitistische Einlagen irgendwie zu schreiben, zu machen.
- 4:38Speaker 0: Auf daraus wurde dann der Programm.
- 4:40Speaker 0: auf einmal war ich Musikkaparatist Und dann habe ich das Angebot bekommen, dass ich den Watzmann spiel im Lustspielhaus in München.
- 4:49Speaker 0: Dann war ich plötzlich Schauspieler und es hat irgendwie so eins des Anderes ergeben.
- 4:56Speaker 0: Mich haben die verschiedenen Dinge immer interessiert und heute bin ich irgendwie total froh, dass mir nicht langweilig wird.
- 5:04Speaker 0: Also ich glaube, wenn ich jetzt nur Fernsehmonorator wäre, irgendwie fahrt werden und wenn ich jetzt nur Schauspieler werde von einem Set aufs nächste irgendwie die Rolle, die Rolle dann wird es mir auch fahrт werden.
- 5:18Speaker 0: Und wenn ich gut, wenn ich nun Musik machen könnte und Rockstar wäre, dann wär's okay.
- 5:26Speaker 0: Das wäre schon in Ordnung!
- 5:28Speaker 1: Wenn ich mich nicht verrechnet habe, dann feierst du in einem Monat ungefähr dein zahndreißigjähriges Bühnenjubiläum.
- 5:34Speaker 1: das einund dreißigste hast Du groß gefeiert?
- 5:36Speaker 1: Das Dreißigeste viel quasi der Pandemie zum Opfer?
- 5:39Speaker 0: Ja
- 5:40Speaker 1: Wie ist es denn für dich jetzt endlich mal wieder auf der Bühne zu stehen, mit Publikum?
- 6:09Speaker 0: sitze ich in der Galerobe und gehe da raus.
- 6:12Speaker 0: Ich denke, krass!
- 6:15Speaker 0: Das sind wahnsinnig viele Leute.
- 6:17Speaker 0: Man hat das so lange nicht mehr gemacht, dass man einfach nicht mehr selbst ist.
- 6:22Speaker 0: Und das hat aber irgendwie was total erfrischendes für mich.
- 6:27Speaker 0: Also ich habe so ein Gefühl mir macht zu viel Spaß wie vor zwanzig Jahren halt.
- 6:32Speaker 0: Es ist wie ein Neuanfang, was ich total mag an der aktuellen Situation dass man wieder dieses Feuer hat und das man irgendwie checkt, es ist nicht selbstverständlich was wir da alle tun.
- 6:47Speaker 0: Und die Leute haben auch... also die Leute, die da sind, sie kommen, die sind so heiß drauf irgendwie auf hoffentlich gute Unterhaltung wie ich das vor der Pandemie hatte, habe ich ein bisschen das Gefühl, dass die Leute so satt waren Und so überall zwar hingelaufen sind, aber es war so.
- 7:13Speaker 0: ja ich kenne alles.
- 7:14Speaker 0: Ich habe das gesehen und jetzt sitzen sie da und haben auch dieses Erlebnis dass es irgendwie wieder von neuem los geht.
- 7:24Speaker 0: Das finde ich gerade total schön!
- 7:29Speaker 0: Also in der Halle zu spielen wo die voll ist mit Musik abgehen, das ist echt... Also mir wird es gerade so total bewusst wie was das für eine tolle Energie ist.
- 7:44Speaker 0: Insofern genieße ich es gerade total, das wiederzumachen!
- 7:49Speaker 1: Man merkt auch richtig, dass die Leute sich wirklich freuen das so was endlich wieder möglich ist.
- 7:53Speaker 1: Ich habe mir dieses Jahr vorgenommen auf so viele Konzerte wie irgendwie möglich zu gehen und egal wo ich bin Die leute sind viel ausgelassener sie freuen sich Sie sind wirklich happy das live performance es endlich wieder möglichst sind ja.
- 8:08Speaker 0: Das ist echt interessant dass es so Dass es zum einen so ist wie du sagst.
- 8:14Speaker 0: Es ist ein bisschen ein Generationenthema, merke ich.
- 8:17Speaker 0: Also je älter die Zielgruppe ist umso ängstlicher sind die Menschen noch oder kommen nicht oder haben noch Sorge und das finde ich halt auch gerade ein krasses Erlebnis dass unser Publikum grad so jung ist wie noch nie.
- 8:33Speaker 0: also weil die Jungen einfach Bock haben zu gehen und natürlich dadurch schon energetisch im Raum was anderes passiert als wenn sie halt sitzen und sich überlegen, macht er jetzt Cover-Rate oder macht der Musik?
- 8:47Speaker 0: Ich weiß es nicht.
- 8:48Speaker 0: Aber ich habe sowieso nie verstanden diesen Wunsch zurück zur Normalität.
- 8:57Speaker 0: Ich hab's immer empfunden als Chance zum Neue Beginn und empfinde das auch gerade so!
- 9:05Speaker 0: Ich empfinds wirklich als Neubeginn und das finde ich wahnsinnig schön.
- 9:08Speaker 1: Jetzt eint uns neben der Musik ja auch noch etwas, nämlich die Leidenschaft für gute Gespräche.
- 9:14Speaker 1: Wann hast du für dich denn festgestellt, dass dir das wirklich Spaß macht?
- 9:18Speaker 1: Also mit fremden Menschen so tief in ein Gespräch einzutauchen und mehr über diese Person zu erfahren?
- 9:26Speaker 0: Als erstes bin ich einfach mal grundsätzlich interessiert an Menschen.
- 9:31Speaker 0: Das glaube ich ist die Grundvoraussetzung für Menschen interessiert und irgendwie die Erkenntnis schon lange gewonnen hat, dass quasi jede Biografie in irgendeiner Form Brüche hat.
- 9:45Speaker 0: Interessant ist!
- 9:47Speaker 0: Und es eigentlich ein normales Leben gar nicht gibt weil jeder irgendwie Sachen erlebt ob positiv oder negativ die einzigartig sind.
- 9:58Speaker 0: das war mal für mich immer die Grundvoraussetzung schon privat so dass ich einfach gern Gespräche für mit Leuten weil sie mich interessieren.
- 10:06Speaker 0: Und was jetzt die Professionalisierung davon angeht, habe ich einfach das große Glück gehabt und empfinde ich als das größte Glück, dass man durch diese Tätigkeit zu einem Leben ohne Vorurteile kommt.
- 10:20Speaker 0: Weil man sich einfach wahnsinnig täuscht in so Grad bei Prominenten wie man glaubt, daß die Sinn, weil man irgendein öffentliches Bild hat.
- 10:34Speaker 0: Alle haben ihre Geschichte, alle landen da wo sie in ihrem Leben landen aus irgendwelchen Gründen und die meisten wenn man sie ernst nimmt und sich selber nicht zu ernst nehmen haben eine schöne Geschichte zu erzählen.
- 10:49Speaker 0: Und das macht mir total Freude und habe auch das Gefühl dass es was ist was man in diese Gesellschaft neu auch hineintragen kann so ja dass man einfach miteinander redet Und schon merkt man, dass Vorurteile meistens nicht angebracht sind.
- 11:09Speaker 0: Das finde ich total beruhigend.
- 11:12Speaker 0: und die weitere Erkenntnisse natürlich, die dir sicher auch bekannt ist das so je größer der Name und je erfolgreich er oft also bei den meisten zumindest ist es umso entspannter sind die.
- 11:25Speaker 0: Also ich habe wirklich die Leute wo man am meisten Bammel hat und irgendwie denkt Boah der wird wahrscheinlich schwierig sein wenn für mich immer die die lässigsten, die einfachsten und die offensten auch.
- 11:38Speaker 0: Und das erzählt schon was vielleicht auch über Erfolg.
- 11:43Speaker 0: so ja warum ist jemand da wo er ist?
- 11:45Speaker 0: Vielleicht weil er es einfach verdient hat?
- 11:51Speaker 1: Geht es dir eigentlich auch so, dass du dadurch auch generell viel intoleranter gegenüber Vorurteilen geworden bist?
- 11:56Speaker 1: Also mir geht's zum Beispiel so, das ich überhaupt nicht mehr packe wenn Leute einfach andere Menschen versuchen in irgendwelche Schubladen zu packen und denken, dass das in Ordnung wäre.
- 12:06Speaker 0: Ja, das packe ich auch überhaupt nicht mal und ich habe mich auch.
- 12:11Speaker 0: dadurch verabschiedet man sich automatisch vom Zynismus finde dass man irgendwie so gescheit ist und irgendwie alles weiß, wie Leute sind.
- 12:22Speaker 0: Und der ist einfach für meine Begriffe eine echte Scheißenergie so.
- 12:29Speaker 0: Es geht darum das was man für sich beansprucht nämlich Offenheit und Toleranz anderen Menschen gegenüber auch entwickelt und vor allem rausgeht aus dieser geschmäcklerischen Beurteilung von Menschen.
- 12:44Speaker 0: nur weil mir Schlager nicht gefällt Heißt es noch lange, dass jemand, der das macht und mit Leidenschaft macht wie Idiot ist?
- 12:51Speaker 0: Sondern das ist halt eine andere Welt.
- 12:54Speaker 0: Und die hat genauso ihre Berechtigung... ...und es können sehr warmherzige Menschen sein!
- 13:02Speaker 0: Und es können die, die man selber vielleicht immer so toll gefunden hat im Leben,... ...können oft ganz schöne Arschlöcher sein.
- 13:09Speaker 0: Das habe ich auch erfahren.
- 13:10Speaker 0: Dass diese Ikonen, die er vielleicht hatte, die mir so toll fand.... dass die oft genau es nicht sind und die Leute, wo man überhaupt nicht damit rechnet, dass sie einen berühren.
- 13:23Speaker 0: Die berühren ein plötzlich total... Man ist denen oft näher.
- 13:29Speaker 0: also ich merke das ich nach Jahren oft Leuten, wo ich erst so dachte naja wie der wohl ist Näher komme auch in der Seele näher kommen als so diesen überfliegern die so jeder toll finden muss, weil sie angeblich so außergewöhnlich sind.
- 13:51Speaker 0: Und dann merkt man so, nee das sind einfach überhaupt nicht außergewönlich.
- 13:55Speaker 0: Die haben einfach nur einen Dreh gefunden wie es geht dass alle sich toll finden.
- 14:01Speaker 0: aber Sie sind's eigentlich gar nicht so und das finde ich total spannend!
- 14:06Speaker 1: Ertappst du dich manchmal dabei, dass du mit irgendwelchen Zufallsbekanntschaften auf einmal ungeplante Interviews führst?
- 14:12Speaker 1: Nur weil du so neugierig auf die Geschichte dieser Person geworden bist.
- 14:16Speaker 0: Das hatte ich früher öfter als jetzt.
- 14:19Speaker 0: Als ich das noch nicht gemacht habe ist mir das öfter passiert.
- 14:22Speaker 0: Jetzt stelle ich bei mir fest durch das, was ich so oft mache, mach mal echt Lust nur zuzuhören und andere das machen zu lassen.
- 14:32Speaker 0: Was auch ich als positive Entwicklung... finde, dass ich mich nicht ständig im Mittelpunkt spielen muss.
- 14:41Speaker 0: Bloß weil ich das vielleicht beruflich mache.
- 14:44Speaker 0: Nein, das kann ich gar nicht sagen!
- 14:46Speaker 0: Ich habe nur wahnsinnig... Das einzige was ich wirklich sagen kann ist, dass mir Smalltalk und blödes Geräte noch mehr am Sack geht als früher.
- 15:01Speaker 0: Also ich will gute Gespräche führen.
- 15:04Speaker 1: Das ist ja irgendwie auch so ein deutsches Problem, habe ich das Gefühl.
- 15:07Speaker 1: Also in vielen anderen Ländern zum Beispiel in Skandinavien ist Smalltalk weitestgehend verpönt.
- 15:13Speaker 1: da wird man nicht weit kommen wenn man versucht irgendwelche Belanglosigkeiten auszutauschen.
- 15:20Speaker 1: Hast du da ähnliche Erfahrungen gemacht vielleicht auch im Ausland?
- 15:23Speaker 1: oder liege ich vollkommen falsch mit meinem Deutschland-Klischee an dieser Stelle?
- 15:28Speaker 0: Naja also wie gesagt Ich glaube einfach, dass wir so eine öffentliche Gesprächskultur ziemlich versaut haben.
- 15:36Speaker 0: Die letzten zehn, fünfzehn Jahre.
- 15:38Speaker 0: Was haben wir gefeiert?
- 15:40Speaker 0: Diese Maisperger Talks mit Helmut Schmidt.
- 15:43Speaker 0: Da sitzen zwei Leute und eine ganze Nation hat dieses Gespräch gefeuert, weil der Mann alles weiß usw.
- 15:51Speaker 0: Aber über den Menschen hat man nichts erfahren... Wer in anderen Ländern einfach anders übernimmt?
- 15:57Speaker 0: Wenn du die amerikanische Leitneitschaus anschaust, da kommen Politiker und Schauspieler.
- 16:02Speaker 0: Und sie reden über ihr Leben!
- 16:04Speaker 0: Und über das wie Sie die Dinge sehen.
- 16:07Speaker 0: Bei uns hat es immer sofort jeder Angst, dass er... Bloß weil er jetzt zu irgendwas eine Meinung hat, wenn er die eine Meinung verbreitet oder die Grünen wählt, als Fans für seine Kunst.
- 16:23Speaker 0: und das macht es glaube ich so schwierig, dass man versucht zu glatt zu werden.
- 16:30Speaker 0: Und wenn man glatt werden will dann landet man halt automatisch im Smalltalk.
- 16:34Speaker 0: wo sonst?
- 16:37Speaker 0: Ich empfinde dies schon ein bisschen als deutsches Phänomen weil wir eine super Beispiel für diese Diskussion ist, dass wir beim Fußball zum Beispiel wollen immer so Typen mit Kanten heißt ihm, es gibt keine Lieder mehr.
- 16:53Speaker 0: Es gibt keinen Typen mit Kanten mehr.
- 16:55Speaker 0: und kaum zeigt einer mal Gefühle wie jetzt Toni Groß irgendwie vor ein paar Wochen und sagt er, dass sie mir als einfach mal landen.
- 17:02Speaker 0: So dann ist der gleich schwierig.
- 17:06Speaker 0: Ist dann gleich ein schwieriger Typ.
- 17:08Speaker 0: und was bildet sich?
- 17:09Speaker 0: Der einen, weil schließlich verdient der Millionen, der soll die Fragen anständlich beantworten.
- 17:14Speaker 0: Und da denke ich mir halt so das führt dazu, dass Menschen immer glatter werden, über die man sich dann beschwert, dass sie so glatt werden.
- 17:22Speaker 0: Und das halte ich für ein deutsches Phänomen, diese Korrektheit... Dass man immer korrekt sein muss und alle bedienen muss, alle müssen einen mögen.
- 17:35Speaker 0: Das geht sowieso nicht!
- 17:36Speaker 0: Also braucht man den Versuch auch gar nichts starten?
- 17:39Speaker 0: Auf der anderen Seite haben wir aber so ein Polarisierungswettbewerber, dass man ja nicht konsensfähig ist weil man einfach alles besser weiß.
- 17:51Speaker 0: Ich finde, in Deutschland wird wenig stehen gelassen und man sagt okay das ist deine Meinung?
- 17:57Speaker 0: Das ist eine Demokratie.
- 17:58Speaker 0: du hast die.
- 17:59Speaker 0: ich habe die fertig ist der Lack!
- 18:02Speaker 0: Nein wir müssen es zerflücken bis zum letzten Facebook-Kommentar bis zur letzte Vollkoffer auch noch was dazu gesagt hat Und das macht's dann, finde ich im öffentlichen Umgang manchmal einfach wahnsinnig mühsam angewöhnt, dann nicht mitzumachen.
- 18:22Speaker 0: So ich habe mir angewöhnelt.
- 18:23Speaker 0: wir hatten die Diskussion bei mir in der Sendung zum Beispiel mit der Gloria von Turn & Taxis.
- 18:29Speaker 0: Sie ist so ein Paradebeispiel wo jeder sagt die Alte hat einen Schuss oder also kommen ja alle Sätze.
- 18:36Speaker 0: Fakt war... Die Frau war hinter den Kulissen wahnsinnig unkompliziert.
- 18:42Speaker 0: Die Kamen hat ihren Senf natürlich abgelassen dem er zu erwarten hat der wahnsinnig unterhaltsam war, also man konnte lachen.
- 18:52Speaker 0: Man konnte sich amüsieren.
- 18:53Speaker 0: Die hat kein Problem mit Selbstironie und trotzdem bin ich nicht ihrer Meinung.
- 19:00Speaker 0: aber es ist das heißt noch lange nicht dass ich dem nicht ein Spiel finde was ganz kindliches da sie mir gerne gute Zeit verbringen und das war für mich so eine Parade.
- 19:14Speaker 0: Beispiel oder Oder jemand, auf der anderen Seite jemand wie Helge Schneider.
- 19:17Speaker 0: Der dafür bekannt ist, dass er absurd auftritt... ...der plötzlich aus seiner Schulzeit erzählt hat und plötzlich seine Rolle weggelegt hat und einfach übers Leben mit mir gesprochen hat?
- 19:31Speaker 0: Weil er irgendwie gemerkt hat das es da geht!
- 19:33Speaker 0: Und dass nicht jemand kommt und das irgendwie jetzt morgen gleich ausschlachtet,... ...dass er ihm was entlockt hat oder irgendeinen Scheiß.
- 19:45Speaker 0: Dafür plädiere ich halt immer mehr und stelle fest, dass es in Deutschland scheinbar mittlerweile ein bisschen eine Besonderheit ist zumindest im Fernsehen Gespräche so zu führen.
- 19:57Speaker 0: Dass sich das ändert glaube ich sind zum Beispiel Podcasts total wichtig weil dort diese Kultur des einfach miteinander Redens einfach wieder auflebt.
- 20:12Speaker 0: Das könnte echt hineinwirken in die Gesellschaft, dass sich das ein bisschen ändert.
- 20:18Speaker 1: Ist es vielleicht auch dieses schwarz-weiß Denken?
- 20:20Speaker 1: Dass wir inzwischen so verankert haben in unserer Kultur also dass wir nur noch in den extremen Denkengraubereiche sowieso ignorieren und auch Meinungen anderer nicht mehr tolerieren Also dass wir da auch wirklich gar nicht mehr mit uns reden lassen und vollkommen festgefahren sind in den Meinungen, die wir haben weil wir denken, dass das die einzig richtige ist.
- 20:41Speaker 0: Also ich glaube, es ist in erster Linie das, dass wir uns einfach wahnsinnig ernst nehmen selber.
- 20:48Speaker 0: Es nimmt jeder... Ich meine Entschuldigung!
- 20:50Speaker 0: Ich habe auch in meinem Leben Meinungen schon gehabt.
- 20:53Speaker 0: Die würde ich jetzt mal... Habe nicht mehr.
- 20:58Speaker 0: Das gehört zum Leben mit dazu so.
- 21:00Speaker 0: Ich nehme mich aber doch selber nicht so ernst, dass ich wirklich der Meinung bin.
- 21:05Speaker 0: Bloß weil ich heute früh aufgestanden bin und eine Halberkenntnis gehabt hab,... ...dass ich den Rest der Welt damit belästige dass ich recht habe.
- 21:14Speaker 0: Es ist in Wahrheit natürlich vollkommen absurd, bei genauerem Hinsehen des menschlichen Daseins nämlich das es endlich ist und das eh kein Wert hat ob du Recht gehabt hast oder nicht.
- 21:24Speaker 0: Das ist scheißegal!
- 21:27Speaker 0: Insofern nehmen wir uns einfach für zu ernst.
- 21:29Speaker 0: Das hat was mit dem glaube ich immer noch verankerten... Jetzt kommt man doch zum Humor lustigerweise deutschen verankerten Humor zu tun, dass wir immer gern über die anderen lachen und weniger über uns selber.
- 21:50Speaker 0: Und in meinem Humor Verständnis hat jemand Humor wenn er über sich selber lachen kann.
- 21:57Speaker 0: Er hat nicht Humor Wenn einer blöd die Treppe runterfällt dann ist das Schadenfreude.
- 22:03Speaker 0: aber das ist nicht humor Das haben wir einfach... Das haben uns die Italiener voraus, das sind die Franzosen, das haben die Engländer, es haben sogar vor allem die Amis finde ich dass sie über sich selber wahnsinnig lachen können bzw.
- 22:18Speaker 0: sich nicht so ernst nehmen, weil sie halt selber wissen wie viel Scheiße das ist zu bauen.
- 22:23Speaker 0: und wir Deutschen oft habe ich so das Gefühl uns fehlt dieser leichte Blick auf uns selber und dadurch kann man auch den anderen natürlich besser gelten lassen wenn man nettständig der Meinung ist, die Weisheit mit Löffel gefressen hat.
- 22:39Speaker 1: Das ist ja aber auch so ein Phänomen, dass ich hier zu lande bis in die professionelle Comedy hineinreicht.
- 22:44Speaker 1: Anfang des Jahres war Michael Mittermayer hier zu Gast und ich bin kurz drauf nach New York geflogen und er meinte geh unbedingt in den Comedy-Seller dort und gehe in die letzte Show und schau dir das mal an!
- 22:56Speaker 1: Und tatsächlich habe ich ziemlich schnell gemerkt, dass es eine ganz andere Art, ein ganz anderes Verständnis von Comedy ist.
- 23:03Speaker 1: dann... Die Künstler, die dort aufgetreten sind haben sich vor allem über sich selbst lustig gemacht oder ihr direktes Umfeld und haben nicht diese Perspektive von oben herab eingenommen um über andere sich lustig zu machen wie es hierzulande oft der Fall ist.
- 23:20Speaker 1: Nimmst du das auch so wahr?
- 23:22Speaker 0: Ja!
- 23:22Speaker 0: Und lustigerweise habe ich meine finale Heimat was Comedy angeht auch in New York im Comedy Cell erlebt.
- 23:35Speaker 0: Weil über das auch auf den Tipp vom Michel, der ja dort sehr lang um die Wege war.
- 23:42Speaker 0: Und das ist ein super Beispiel.
- 23:46Speaker 0: Das geht immer von sich aus.
- 23:49Speaker 0: Mir fehlt beim... In der Comedy geht's finde ich sogar oft noch weil die oft mit einer Geschichte von sich selber wenigstens einsteigen.
- 23:58Speaker 0: aber zum Beispiel im Cover-Rate nervt mich das im deutschen Cover-Red wahnsinnig dass ich über alles was erfahren, nur nicht über den Typen der da redet.
- 24:07Speaker 0: Ich erfahre was die Merkel für eine Kuh ist, ich erfahr was der für ein Trottel ist... ...ich erfahr was die alles hätten machen müssen damit wir alle besser leben.
- 24:14Speaker 0: Ja ja, ist mir alles klar!
- 24:16Speaker 0: Aber ich erfahr nicht von dem Typen, der da steht wie er denn mit der ganzen Schose umgeht.
- 24:23Speaker 0: Was is'n mit ihm und dem Klimawandel?
- 24:26Speaker 0: bei einem Krieg, was ist mit dir?
- 24:32Speaker 0: Was ist los mit
- 24:33Speaker 0: dir?".
- 24:34Speaker 0: Und das passiert ja in Amerika nicht.
- 24:37Speaker 0: Weil selbst Dave Chapelle der so Hardcore unterwegs sein kann oder Richard Ways und diese ganzen Typen... ...und wenn alles gelogen ist, was sie mir über sich erzählen, wurscht.
- 24:51Speaker 0: aber es ist eine Perspektive die davon ausgeht ich baue Scheiße!
- 24:57Speaker 0: Ich bin ein Mensch halt vor sich hin lebt und deswegen passieren mir Dinge.
- 25:06Speaker 0: Und dann kann ich auch irgendwann sagen, und ich habe festgestellt das passiert mich nicht alleine sondern es passiert allen anderen auch aber immer erst diese... anders gesagt so Das österreichische Kabarett zum Beispiel also Josef Haader oder auch andere die immer vom Zweifel aus gehen ja nie von Sie immer erst mal denken so, ich habe keine Ahnung wie komme ich jetzt mit der Welt zurecht.
- 25:36Speaker 0: Ist mir grundsympathischer als ich erkläre euch jetzt die Welt.
- 25:42Speaker 0: Das habe ich noch nie verstanden.
- 25:46Speaker 0: Ich hab keine Ahnung.
- 25:48Speaker 0: Deswegen glaube ich auch dass diese Zeiten die wir jetzt haben in der Kunst auch was bewegen werden weil das kann jetzt keiner mehr erzählen dass er das überblickt.
- 26:00Speaker 0: Sondern jetzt muss man sich halt hinstellen und sagen, ich habe auch keine Ahnung.
- 26:04Speaker 0: Und jetzt stellen wir mal Fragen statt Antworten zu geben.
- 26:08Speaker 0: Nämlich die Fragen, die ich mir erstelle wenn ich in der Früh aufstehe und nicht weiß wie mein Leben in zwei Jahren ist.
- 26:14Speaker 0: So.
- 26:16Speaker 0: Und trotzdem checkt das es mir saugut geht im Vergleich zudem der gerade in der Ukraine versucht ein Leben zu führen wie ich so.
- 26:23Speaker 0: Wenn da das Humor entsteht sogar noch dann ist es halt geil!
- 26:27Speaker 0: Dann hilft's beiden Dann hilft's dem, den es gerade scheiße geht und das hilft dem der Angst hat.
- 26:34Speaker 0: Weil die einzige Form von der Angst wegzukommen ist nun mal der Humor.
- 26:38Speaker 1: Das heißt du würdest sagen dass große Krisendisruptive Ereignisse oder Veränderungen auch wirklich dazu führen können Dass sich der humor einer gesellschaft verändert also dass sich das humor verständnis einer gesellschaft anpasst.
- 26:53Speaker 0: Jetzt sage ich mir einen ganzen harten Satz ohne Hitler kein Chaplin und Ohne Chaplin keine moderne Comedy und ohne Moderne Comedy kein Zelenski.
- 27:08Speaker 0: Also es ist jetzt total krass runtergebrochen, weißt du was ich meine?
- 27:15Speaker 0: Alles falsch was ich sage und irgendwie doch alles richtig.
- 27:19Speaker 0: aber das meine ich damit natürlich so.
- 27:26Speaker 0: die Entwicklung ist immer schneller als das was wir denken Also immer wenn du glaubst, du hast eine Antwort und gehst damit auf eine Bühne wird im Raum zu Recht einer aufstehen und sagen das stimmt doch nicht mehr.
- 27:41Speaker 0: Weil es hat sich schon verändert.
- 27:45Speaker 0: Deshalb bin ich halt ein großer Fan tatsächlich der normalen Menschenunterhaltung nämlich zu sagen du und Ich wir haben was zu lachen weil Weil uns vielleicht beiden das und des auffällt.
- 28:02Speaker 0: Und du hast es nicht gemerkt, und ich hab's mir schon gemerkt!
- 28:07Speaker 0: Das ist der einzige Unterschied den ich erkenne zwischen einem Publikum und mir zum Beispiel auch in der Late-Night Show.
- 28:14Speaker 0: Wenn ich diese Anfang Gagstrecke mache kann man sagen, dass sind platte Gags ja?
- 28:18Speaker 0: Es sind auch oft Platte Gigs übrigens sehr beliebtes Mittel in Amerika im Late Night Show Wahnsinnig platte gags zu machen.
- 28:26Speaker 0: aber mir fällt Du kannst nur sagen, dass es ein blatter Gag ist weil du weißt um was das geht.
- 28:32Speaker 0: Also ist es dir auch schon aufgefallen?
- 28:34Speaker 0: Du hast jetzt nur nicht gemerkt und ich hab's mir halt gemerkt... ...und sprechst jetzt aus!
- 28:40Speaker 0: Und somit haben wir uns befreit quasi, weil es ist vom Tisch.
- 28:45Speaker 0: Es ist einmal ausgesprochen, es ist
- 28:46Speaker 0: weg.".
- 28:47Speaker 1: Das hast du gerade schon Chaplin angesprochen.
- 28:49Speaker 1: Gibt's denn eigentlich Menschen von denen du sagen würdest, dass sie dich wirklich inspiriert haben also sowohl in der Musik als auch vielleicht im Schauspiel oder im Kabarett.
- 28:59Speaker 1: So gibt es da Vorbilder, die du nennen könntest?
- 29:03Speaker 0: Also bei der Musik sind alle wirklich großen Songwriters.
- 29:07Speaker 0: also ich finde einfach die Idee des wie auch immer gearteten Pop-Songs von zwischen drei und fünf Minuten ein Gefühl einen Gedanken in Töne und Text zusammenzufassen, finde wie wir Fernsehmenschen sagen, das ist eines der interessantesten Formate die es gibt.
- 29:31Speaker 0: Ich bin ein großer Eddie-Feder-Fan für einen wahnsinnigen Songwriter, fand aber auch diese simple Songwriting von einem Johnny Cash immer großartig und mag aber auch Lieder von Dingen.
- 29:50Speaker 0: Das hat für mich eine Genre Frage dieser Hingabe dem Song gegenüber.
- 30:02Speaker 0: Wenn ich ein Pop-Song höre wie Happy, dann denke ich mir jedes Mal... Es nervt mich zwar kolossal aber es ist einfach ein verdammt geiler Pop-Sonnepunkt.
- 30:14Speaker 0: und das ist was wo ich halt selber weiß durch dass er sich das lang macht, der Weg zu einem guten Song.
- 30:23Speaker 0: Das muss man schon echt gut werden, damit haben das nicht nur einmal gelingt sondern vielleicht vier Alben oder fünf Alben.
- 30:34Speaker 0: Und in der Comedy ist es bei mir so dass ich immer... also ich bin mit diesem österreichischen Kabarett groß geworden.
- 30:45Speaker 0: So Gwaltdinger Kreisler und dann jetzt in der Folge viel später natürlich Josef Hader habe aber auch immer total gern Friedl-Fesel oder so banale Sachen.
- 31:01Speaker 0: Wenn es einfach lustig ist, mag ich das total gerne ohne Überbau, ohne intellektuellen Überbau sondern einfach mal Scheiß machen!
- 31:10Speaker 0: So... Ich war mit zwölf Auto-Fan weil ich das Wahnsinn fand diesen ganzen Blödsinn mit diesem Hänsel und Gretel Scheiß und so Zeug.
- 31:19Speaker 0: Oder so Pete Glocke so Leute die die Absurdität einfach feiern.
- 31:26Speaker 0: Oder auch eben Helge Schneider, also Leute habe ich immer bewundert und landete dann doch bei Helmut Dietl dann doch.
- 31:36Speaker 0: Also ich glaube das für mich wenn es um Dialoge geht dass Menschen untereinander Humor produzieren indem sie sich missverstehen ist für Und da ist Kiroial für mich immer noch das Unterschätzteste, weil da findet es halt einfach minütlich statt.
- 32:04Speaker 0: Der ist für mich was Dialoghumor angeht unerreicht.
- 32:10Speaker 1: Ja, das stimmt.
- 32:11Speaker 1: Hundert Meter ungefähr von hier ist die berühmte Chiroyalwohnung und jedes Mal wenn ich da vorbeilaufe denke ich mir, ich müsste mir unbedingt mal wieder diese großartige Serie anschauen.
- 32:21Speaker 1: und ja man kann sie wirklich immer und immer wieder ansehen.
- 32:25Speaker 0: Ja oder Stonk?
- 32:26Speaker 0: Ich meine, Stonkk ist der Wahnsinn!
- 32:30Speaker 0: Das Feuerwerk an Unfassbarkeiten ansetzen.
- 32:35Speaker 0: Also den kann ich mir noch jetzt fast dreißig Jahre lang immer noch anschauen und lachen mich kaputt.
- 32:42Speaker 1: Bist du eigentlich eher der Typ, der wirklich zu hundert Prozent immer vorbereitet ist alles unter Kontrolle haben möchte und da wirklich alles perfekt haben will?
- 32:51Speaker 1: Oder bist Du eher jemand, der gerade auch in der Musik oder auf der Bühne generell eher auf Spontanität setzt und dann da auch wirklich flexibel ist?
- 33:01Speaker 0: Es ist also grundsätzlich fühle ich mich am wohlsten ohne netz- und doppelten Boden.
- 33:07Speaker 0: das ist irgendwie absurd weil es eigentlich fahrlässig ist, psychisch.
- 33:14Speaker 0: Aber irgendwie denke ich mir immer wenn es so ist denke ich mich irgendwie war das jetzt am besten weil einfach wenig Kopf und viel Intuition ist.
- 33:26Speaker 0: Ich habe für mich eine Direktive ausgegeben die lautet Wenn was richtig Gutes da ist an Material dann muss man's auch echt gut spielen und gut vorbereiten noch besser.
- 33:44Speaker 0: Wenn es aber so halbschadig ist und eh nicht wirklich funzt, dann ist es besser sich gar nicht vorzubereiten sondern es laufen zu lassen weil dann die Chance das was zufällig etwas entsteht was geiler ist als des mittelmäßige relativ wahrscheinlich ist.
- 34:04Speaker 0: deswegen das mache ich auch beim drehen oder bei Hubbert und Stallard zum Beispiel ja da ist er auch so besitzen eine Textproben und wenn es mega ist was da steht dann musst du es genau so spielen.
- 34:16Speaker 0: Wenn das aber so halb ist, dann lass mal laufen weil dann kommen wahrscheinlich irgendwas, sag jetzt mal krankes ums Eck was auf das Feuer keiner gekommen ist und da hilft halt einfach.
- 34:32Speaker 0: bei mir sagen wir die Routine oder dass ich's halt schon lang mache, dass sich vor der Situation kein gutes Material da ist und man jetzt einmal mal laufen lasst für die habe ich keine Angst.
- 34:44Speaker 1: Wenn du mal an deine Schulzeit zurückdenkst, warst du eigentlich irgendwann auch mal eher so der schüchterne Typ?
- 34:49Speaker 1: Der eher Probleme hatte sich in diesem sozialen Gefüge der Schule zurechtzufinden.
- 34:55Speaker 1: Das vielleicht nicht so leicht hatte Freunde zu finden und da akzeptiert zu werden?
- 35:00Speaker 1: oder warst Du schon immer eher der Anführer-Typ, der einfach Freunde gefunden hat mit dem alle irgendwie was zu tun haben wollten?
- 35:09Speaker 0: Naja ich war schon eher, würde ich jetzt mal sagen... schon ein Außenseiter-Typ.
- 35:17Speaker 0: Ich bin auch immer noch schüchtern, lustigerweise weil ich unter Schüchern glaube ich was anderes verstehe als gemeinhin so verstanden wird... Ich bin schüchternd weil das vielleicht auch ein Teil dieser Gesprächsführung die ich mache, weil ich wirklich relativ am Anfang der Begegnung Anfange in den Gesprächen, weil ich eigentlich schüchtern bin.
- 35:47Speaker 0: Also ich würde jetzt nie über jemanden drüber fahren.
- 35:50Speaker 0: gleich mal, wenn ich ins Gespräch komme so wie wir jetzt dann komm' ich schon ins Laufen das ist schon klar weil ich halt über Sprache verfüge.
- 35:58Speaker 0: aber vom Wesen her bin ich grundsätzlich mal schüchter und ich glaube auch dass gerade diese Rampensäue von denen man immer spricht sich halt eine Technik zugelegt haben dass man das nicht merkt, dass sie eigentlich schüchtern sind.
- 36:14Speaker 0: Und das trifft bei mir auf jeden Fall auch zu.
- 36:17Speaker 0: also ich brauche für Offenheit, für echte Offenheiten was mich angeht sehr lange und das würde ich als Schüchter bezeichnen.
- 36:31Speaker 0: Ich weiß nur wie es geht Dass es zu diesem Punkt nicht kommt Wenn du weißt, was ich meine.
- 36:40Speaker 0: Ich kann ein Gespräch so oder so einen Abend zu machen, dass es um alle geht aber nicht um mich.
- 36:46Speaker 1: Das kenne ich ja irgendwo her.
- 36:49Speaker 0: Das kann ich ganz gut.
- 36:51Speaker 0: Insofern die Schüchternheit kommt sicher aus einem gefühlten Außenseiter-Ding und bei mir ist das gekippt.
- 37:01Speaker 0: Ich war bis bis vierzehn, fünfzehn eher Außensalter und dann habe ich halt losgelegt und war dann in der Säufe, weil ich gute Freunde hatte.
- 37:14Speaker 0: Und ab dem Zeitpunkt war ich schon sehr im Mittelpunkt, weil mir die Skills zugelegt habe, die man tunlichst sich zulegen sollte, nämlich Gitarre spielen... ...und lustig sein!
- 37:31Speaker 0: Kein Kostverächtung!
- 37:34Speaker 1: Es ist eigentlich ganz interessant, weil das wirst du auch festgestellt haben.
- 37:38Speaker 1: Wir hatten ja teilweise auch dieselben Leute vor dem Mikrofon sitzen.
- 37:42Speaker 1: Viele von denen die heute erfolgreich sind oder auch im Rampenlicht stehen eint wirklich diese Historie in ihrer Kindheit und Jugend, dass sie oft eher Außenseiter waren und sich da irgendwie rauskämpfen mussten.
- 37:57Speaker 1: Meinst du es ist vielleicht ein Stück weit ein Erfolgsgeheimnis?
- 38:01Speaker 0: Ich glaube zumindest, dass es die Initialzündung ist aus einer Note heraus und aus einem geliebt werden wollen.
- 38:09Speaker 0: Diese Hürde sich zu präsentieren und sicher total angreifbar zu machen in der ganze Zeit.
- 38:15Speaker 0: Dass du die nur nimmst wenn du eine Not hast.
- 38:20Speaker 0: Weil das ist ja immer nicht normal, dass du dich freiwillig vor zweitausend Leute in den Zirkus Kronen stellst Und alle dürfen dich beurteilen Und jeder darf dich, wenn er will, scheiße finden.
- 38:34Speaker 0: Das gibt man sicher nicht, wenn man noch ganz dicht ist.
- 38:38Speaker 0: Also es muss aus einer Not entstanden sein, aus einem geliebt werden wollen und dieser Drang muss größer sein als die Angst zu versagen.
- 38:51Speaker 0: Und das glaube ich eint nahezu alle, die sich auf Bühnen oder Kameras präsentieren das als Weg gesucht haben, um Anerkennung zu bekommen und Liebe zu bekommen.
- 39:07Speaker 0: Das ist glaube ich ganz banal.
- 39:08Speaker 0: Schlimm wird es wenn's dabei bleibt finde ich.
- 39:11Speaker 0: also wenn man irgendwie dann Sicht... Wenn man keine Leidenschaft entwickelt für die Sache sondern immer nur damit beschäftigt ist ob einem die Leute geil finden so Dann find' ich jetzt in der Betrachtung sehr schrecklich.
- 39:25Speaker 0: aber als Initialzündung ist es glaube ich unabdingbar.
- 39:29Speaker 1: Also quasi auch aus dem Gedanken heraus, dass es ja irgendwie nur besser werden kann und das man dafür auch gerne das Risiko in Kauf nimmt.
- 39:36Speaker 1: Dass vielleicht dann doch schlechtes Feedback kommt aber, dass ist ja quasi nicht schlimmer werden kann als es eh schon ist.
- 39:43Speaker 0: Ich befürchte, dass ich nicht so bewusst abläuft sondern, dass dich deine Psyche einfach dahintreibt und du deswegen machst und sobald du anfängst zu reflektieren kriegst die Hosen voll.
- 39:58Speaker 0: Aber es ist eher unterbewusst.
- 40:02Speaker 1: Wir haben sehr eingangs schon gesagt, du machst wahnsinnig viele Dinge und hast schon wahnsinnige Dinge gemacht.
- 40:07Speaker 1: aber wenn Du jetzt mal so in die Zukunft schaust gibt's eigentlich noch Dinge die Du gerne mal machen würdest?
- 40:12Speaker 1: Die Du gerne umsetzen würdest ?
- 40:14Speaker 1: Hast Du sowas wie eine persönliche Bucketlist für diese Dinge?
- 40:18Speaker 0: Da komme ich zurück auf das wo wir vorhin gesprochen haben.
- 40:21Speaker 0: Wo ich wirklich einen Ehrgeiz entwickeln will ist gute Songs zu schreiben.
- 40:26Speaker 0: das finde ich ist was, da will ich einfach immer besser werden.
- 40:31Speaker 0: Das merke ich jetzt dass ich Songs eigentlich für mich schreibe oder um die Songs willen und weniger wie er wohl bei den Leuten ankommt.
- 40:45Speaker 0: Auf dem Rest der Frage muss sich eigentlich so antworten wie ich Eingangs versuche damit zu sagen Ich habe überhaupt keinen Plan.
- 40:56Speaker 0: Dass die Dinge werden kommen, wenn sie mich reizen werde ich sie machen.
- 41:01Speaker 0: Wenn sie mich langweilen werde ich Sie nicht machen.
- 41:03Speaker 0: Das ist meine einzige Devise, die ich immer hatte dass ich relativ wenig beeindruckbar war von Geld zum Beispiel.
- 41:12Speaker 0: also ich habe mir nie was gemacht bloß weil es viel Geld dafür gibt.
- 41:15Speaker 0: das ist mir scheißegal wenn es mir keinen Spaß macht am meisten.
- 41:19Speaker 0: und auf der anderen Seite mache ich viele Sachen weil sie mir einfach taugen und ich weiß vorher schon Abschluss nichts rumkommt, aber es wurscht so.
- 41:29Speaker 0: Ich hab Bock immer mehr Bock einfach mit unterschiedlichen Menschen die diesen Umgang pflegen den wir jetzt eigentlich die ganze Zeit besprochen haben Die Lust haben in dieser Energie Sachen zu kreieren die anderen Menschen Freude bereiten.
- 41:47Speaker 0: Das ist mein Credo.
- 41:51Speaker 0: und da habe ich das große Glück dass sich die immer wieder Treff, immer wieder jemanden treff und mir denkt boah krass jetzt lass uns was zusammen machen weil weil das macht gehört irgendwie so.
- 42:07Speaker 0: Und ich selber habe es nicht so dass ich jetzt sage diesen üblichen Schauspielersatz ich würde einmal mit Tarantino drehen nein von mir aus keine Ahnung mehr wurscht oder ich mag jetzt unbedingt... Ich hatte ganz lang Ding, dass ich mir denke, ich muss einmal in meinem Leben in der Olympiahalle spielen.
- 42:33Speaker 0: Und dann hat unser Booker letztes Jahr den Termin ausgemacht in der Olimpiohalle.
- 42:40Speaker 0: und dann haben wir jetzt mit Corona irgendwie gesagt... uns haben wir gedacht, boah das ist vielleicht doch echt sehr mutig!
- 42:46Speaker 0: Dann habe ich gemerkt, dass sich überhaupt nicht daran hängt, dass man eigentlich total wurscht ist.
- 42:50Speaker 0: Dass ich eigentlich eh viel lieber zweimal im Zirkus Grone spielt wenn er voll ist als einmal in der olympiahale wenn sie halb voll ist Und insofern relativiert sich das bei mir dann auch immer wieder.
- 43:01Speaker 0: Ich denke mal so, gut dass ich es nicht gemacht habe, sonst wäre es vielleicht mal einfacher geworden oder so.
- 43:08Speaker 0: Ne?
- 43:09Speaker 0: Habe gar keine konkreten Ambitionen!
- 43:14Speaker 1: Also vor allem einfach Dinge tun die dich erfüllen, die dir Spaß machen, die der Freude bereiten mit guten Menschen, mit denen du gerne zusammenarbeitest.
- 43:22Speaker 0: Ja und ich mag aber auch, zum Beispiel auch was Deutsch immer nicht zugeben.
- 43:26Speaker 0: Aber ich mag z.B.
- 43:27Speaker 0: immer dass viele Leute das mögen.
- 43:30Speaker 0: Also ich stehe schon auf drauf Sachen zu machen die jetzt nicht in der Nische vor sich hintümpeln, wo jetzt dann fünf Superfreaks, die es schon dreißig Jahre kennen sind, oh das hast du aber gut gemacht.
- 43:43Speaker 0: Sondern ich steh schon darauf wenn möglichst viele Leute, möglichst unterschiedliche Leute gut finden.
- 43:51Speaker 0: Das mag.
- 43:52Speaker 0: ich
- 43:52Speaker 1: Danke dir für deine Zeit und die vielen Einblicke.
- 43:56Speaker 0: Ja, hat Spaß gemacht mit dir!
- 43:58Speaker 1: Danke dir Das war es leider
- 44:00Speaker 0: schon.
- 44:01Speaker 0: Die letzte Runde ist ausgetrunken.
- 44:03Speaker 1: das Gespräch zu Ende.
- 44:05Speaker 1: Vielen Dank fürs Zuhören.
- 44:07Speaker 1: Bitten
- 44:08Speaker 0: im Rücksicht auf die Nachbarn
- 44:10Speaker 1: und sei leise wenn du die
- 44:11Speaker 0: Bar verlässt
- 44:12Speaker 1: Aber vergiss auf keinen Fall den abonnieren Button zu klicken.
- 44:21Speaker 1: Gin & Talk ist ein Podcast von Forty-Eight Forward, produziert in den Forty Eight Forward Studios in München.