Latest / Am Ballhausplatz / Folge 19: Wehrdienst neu: Was sich ab 2027 ändert
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- 0:00Man muss etwas lernen, dann muss man es üben und dann festigen. Und daher ist unser Plan
- 0:05eben nach den sechs Monaten gleich die Truppenausbildung auch anzuschließen und
- 0:09dann eben wie gesagt immer wieder zu üben, um das Erlernte auch festigen zu können.
- 0:19[Musik]
- 0:19Moderatorin: Willkommen am Ballhausplatz, dem Podcast des Bundeskanzleramts Österreich.
- 0:23Mein Name ist Anette Weber und gemeinsam blicken wir hinter die Kulissen und sprechen
- 0:27über aktuelle Schlagzeilen. Ja, kaum ein Thema hat die innenpolitische Diskussion in den vergangenen
- 0:33Monaten mehr geprägt als die Wehrpflicht und nun hat die Bundesregierung nach intensiven
- 0:38Verhandlungen eine Reform des Wertdienstes beschlossen. Was genau dahinter steckt und
- 0:44was diese Reform für Österreich bedeutet, das besprechen wir heute und ich freue mich sehr,
- 0:50dass Verteidigungsministerin Claudia Tanner heute bei uns zu Gast ist.
- 0:53Schön, dass Sie da sind. Tanner: Hallo, Grüß Gott!
- 0:54Moderatorin: Frau Bundesministerin, ursprünglich wollten Sie eine Verlängerung
- 0:58auf 8 + 2 Monate plus eine Verlängerung des Zivildienstes auf 12 Monate. Nun ist
- 1:04es anders gekommen. Ist das jetzt trotzdem eine gute Lösung, ein guter Kompromiss?
- 1:08Tanner: Ja, sie haben treffend angesprochen, wir wollten das, was und ich auch, was die
- 1:13Experten vorgeschlagen haben, das Österreich Plusmodell plus 2 Monate Milizübungen und eine
- 1:17verpflichtende Verlängerung des Zivildienstes. Aber das, was da jetzt nach einer, ja,
- 1:23einem Kraftakt und tatsächlich eine schwere Geburt war, dieses Ergebnis, das da liegt jetzt, es gibt
- 1:29uns schon sehr viele Möglichkeiten, die es über mehrere Jahrzehnte nicht gegeben hat. Weil wir in
- 1:35jedem Fall jetzt einmal um 50 Prozent verlängert haben, von 6 auf 9 Monate, weil wir schauen
- 1:41werden, dass wir das für die Arbeitgeber, aber insbesondere auch für den jungen Mann, so sinnvoll
- 1:48wie möglich gestalten und auch planbar gestalten. Das heißt im Anschluss an die 6 Monate am besten
- 1:53dann gleich die Truppenausbildung, wo man im Verband übt und dann aufgeteilt auf 10 Jahre
- 1:59in etwa und bekannt über 4 Jahre hindurch, wann dann die Milizübungen stattfinden. Das ist jetzt
- 2:05unser Plan, aber es fehlen ja noch einige Schritte dorthin, insbesondere der Beschluss im Parlament.
- 2:09Moderatorin: Gut, angenommen, es wird beschlossen, von dem wir mal ausgehen,
- 2:12ab wann gilt denn diese Reform? Also, welche Jahrgänge, für welche Jahrgänge gilt es denn?
- 2:17Tanner: Das Ziel ist, dass diese Reform wie gesagt so mit Zweidrittel-Mehrheit auch die
- 2:22Verlängerung des Zivildienstes, weil das ist ja nichts anderes als ein Wehrersatzdienst
- 2:25und beide Dienste sind kommunizierende Gefäße, dass das am 1.1.27 in Kraft tritt,
- 2:32so es beschlossen wird. Das heißt, es ist für die jungen Männer von Relevanz,
- 2:37die die Stellung ab dem 1.1.27 haben. Wie gesagt, so es beschlossen wird.
- 2:42Moderatorin: Der Zivildienst wird jetzt vorerst nicht verlängert. Glauben Sie,
- 2:46dass sich ausreichend junge Männer für den Wehrdienst entscheiden und wie wollen
- 2:50Sie denn die jungen Männer motivieren, sich für den Wehrdienst zu entscheiden?
- 2:54Tanner: Also, das wird schon herausfordernd werden, weil eine freiwillige Verlängerung um
- 3:00diese 2 Monate, wir wissen aus unseren Umfragen, dass die jungen Männer zu 30 Prozent nach der
- 3:07Dauer, nach der Länge auch des jeweiligen Dienstes entscheiden. Und wenn das jetzt gleich auf ist,
- 3:12da haben wir schon durchaus die Sorge, dass die Anzahl nicht genug ist. Im Vorschlag jetzt,
- 3:17der Ministerrat beschlossen worden ist, im Sommerministerrat beschlossen worden ist,
- 3:22steht aber drinnen, so die Zahl der Grundwehrdiener sinkt unter 13.875, dann tritt
- 3:29sozusagen eine Garantie in Kraft und dann wird verpflichtend verlängert und das soll dann eben
- 3:35nach dem Beschluss im Parlament eben gelten. Ich glaube, das wird relativ
- 3:39rasch schon eintreten. Hat auch meine Kollegin Claudia Bauer sieht das auch so, die für den
- 3:44Zivildienst zuständig ist. Es sind schon ein paar Garantien auch drinnen. Das eine ist das,
- 3:50was den Sold der Grundwehrdiener anbelangt. Kann mich noch gut erinnern im Jahr 2020,
- 3:56als ich als Verteidigungsministerin begonnen habe, war der Sold damals in etwa 320 Euro pro Monat.
- 4:02Der ist über 10 Jahre hindurch nicht erhöht worden und da sieht man jetzt vor, der soll, momentan ist
- 4:08er bei 626 Euro in etwa, und der soll steigen auf 1.000 Euro und es sollen noch ein paar Tage
- 4:15Urlaub dazu kommen. Ich meine, das sind die einen Dinge, die wir sozusagen auch im Sinne einer einer
- 4:20besonderen Begeisterung der jungen Männer fürs her hinstellen können. Aber ich sag, was anderes ist
- 4:25noch viel wichtiger. Das Wichtigste ist, dass dieser Dienst für unsere Republik unglaublich
- 4:30viele Möglichkeiten bietet. Ich sag wir bitte hineinklicken unter karriere.bundesheer.at Man
- 4:37sieht, dass zum einen Ausbildung schon interessant ist, was man alles werden kann. natürlich bis zum
- 4:42Piloten hin. Da sind so viele Möglichkeiten da, wo ich überzeugt bin, das tut schon gut und man
- 4:50erlebt auch eine besondere Form der Kameradschaft, die es nirgends anders gibt als beim Heer.
- 4:55Moderatorin: Welchen konkreten Mehrwert bringen
- 4:57denn diese zusätzlichen Monate für die Einsatzbereitschaft des Bundesheers?
- 5:01Tanner: Ja, Frau Weber, ich glaube, das ist ja eine ganz eine wichtige Frage. Zum einen
- 5:05einmal sind es die verschiedenen anrechenbaren Möglichkeiten, die wir noch erweitern werden,
- 5:09wenn man nur an verschiedene Führerscheine denkt, insbesondere für LKWs, das ist etwas,
- 5:14das ganz besonders nachgefragt wird. Eine besondere Form der Kameradschaft,
- 5:19die man dort erlebt, das habe ich schon kurz erwähnt. Ein besonderes Erlernen
- 5:25von Fähigkeiten in schwierigen Situationen die Ruhe zu bewahren, kühlen Kopf zu bewahren und
- 5:32auch Managementfähigkeiten zu erlernen. Das ist etwas, dass man auch im zivilen Leben,
- 5:36egal was man macht, natürlich auch braucht. Ich denke, wir haben so vieles zu bieten, gerade mit
- 5:42dem, was wir im Rahmen unserer Mission Vorwärts, das Bundesheer wird ja modern, ist schon modern
- 5:46geworden, was wir da zu bieten haben an neuen Gerätschaften, an so vielen unterschiedlichen
- 5:52auch Verbänden, wo man, glaube ich, wo für jeden mit Sicherheit auch etwas dabei ist.
- 5:57Moderatorin: Das heißt, wenn ich das zusammenfassen darf, diese längere Dienstzeit
- 6:00wird auch zu einer besseren Ausbildung führen. Das in jedem Fall, weil das ist notwendig. Nur wer
- 6:06übt, der kann auch einsatzfähig sein und das ist unser österreichisches Bundesheer ja in Permanenz.
- 6:11Derzeit erleben wir es wieder bei verschiedenen Assistenzaufgaben, wenn es z.B. um Waldbrände
- 6:17oder ähnliches geht. Man muss etwas lernen, dann muss man es üben und dann festigen. Und daher ist
- 6:22unser Plan eben nach den sechs Monaten gleich die Truppenausbildung auch anzuschließen und
- 6:27dann eben wie gesagt immer wieder zu üben, um das Erlernte auch festigen zu können.
- 6:32Moderatorin: Jetzt ist es ja so, dass jeder, der Zeitung liest oder Nachrichten verfolgt, weiß,
- 6:37dass sich die Sicherheitslage in den letzten Jahren natürlich grundlegend verändert hat.
- 6:42Welche Bedrohungen stehen denn heute im Mittelpunkt der österreichischen
- 6:46Landesverteidigung und welche Bedeutung haben denn hybride Bedrohungen oder Cyberangriffe?
- 6:51Tanner: Ja, die Situation hat sich absolut verändert. Unsere Experten machen jedes Jahr
- 6:57zu Beginn des Jahres eine sogenannte sicherheitspolitische Jahresvorschau
- 7:01erstellen ein Risikobild. Man glaubt's ja kaum, bereits im Jahr 2020 ist damals schon
- 7:06die zunehmende Bedrohung Russlands gegen Europa als ein Bedrohungsbild drinnen gestanden. Und
- 7:13das war zwar 2 Jahre vor Beginn des Krieges, jetzt sind wir im fünften Jahr und sie haben es
- 7:18vollkommen treffend angesprochen, es sind Hybride gefahren, es sind Desinformationskampagnen,
- 7:23es sind Fake News, es ist so vieles, dass ich im Cyberbereich verändert hat und wo wir wirklich
- 7:30diesen Bedrohungen ausgesetzt sind. Das zeigt auch, wir haben zusätzliche, wenn Sie so wollen,
- 7:35Waffengattungen auch, herausfordernde neue Systeme und Bedrohungen, die man erlernen muss, für die
- 7:43man ausgebildet werden muss, damit man denen begegnen kann. Aber vielleicht nicht nur wir im im
- 7:48Bundesheer, sondern wir als gesamte Gesellschaft. Wir müssen schauen, dass wir resilienter werden
- 7:54im Sinne auch der umfassend Landesverteidigung, so wie es eigentlich unsere Verfassung auch vorsieht.
- 7:59Moderatorin: Aber werden sich diese hybriden Bedrohungen auch zukünftig
- 8:02noch stärker in der Ausbildung niederschlagen?
- 8:04Tanner: In jedem Fall müssen wir uns danach ausrichten. Wir sehen sehr vieles neben dem
- 8:09Cyberbereich was ich in der Luft tut. Also Luftverteidigung ist etwas, dass das Gebot
- 8:15der Stunde auch ist, diesen Gefahren begegnen zu können. Allein wenn Sie an Drohnen denken jetzt,
- 8:21was wir in diesem Bereich noch zu tun haben. Und da ist natürlich die
- 8:26entsprechende Ausbildung wichtig. Ganz genau, darauf müssen wir uns ausrichten,
- 8:30dass wir auch die Ausbildung in diesen neuen Bedrohungsfeldern geben.
- 8:34Moderatorin: Gut, wieder zurück zur Verlängerung des Wehrdienstes. Sie haben wir schon gesagt,
- 8:37es wird auch in der Folge Ausbildung geben, Milizübungen. Wird das in Abstimmung mit
- 8:43den Arbeitgebern erfolgen. Also, müssen die Arbeitgeber da eh keine Angst haben,
- 8:47dass dann die Mitarbeiter mehrere Monate ausfallen.
- 8:49Tanner: Ich weiß schon, dass es eine Sorge gibt und die ist auch eine verständliche. Daher war es
- 8:54auch ganz wichtig, dass in der Expertenkommission sowohl seitens der Wirtschaftskammer als auch der
- 8:59Industriellenvereinigung Mitarbeiterin, Mitarbeiter, führende, da auch mit dabei
- 9:04waren. Diese Planbarkeit, die muss gegeben sein und dem wollen wir eben entgegenwirken,
- 9:08das ist auch im Sommerministerrat eben beschlossen worden, dass man diese Übungen im Vorhinein weiß,
- 9:14über 4 Jahre im Vorhinein weiß. Was ich aber auch von sehr vielen Unternehmerinnen
- 9:18und Unternehmern höre, die sind sehr stolz auf ihre Miliz, Soldatinnen und Soldaten,
- 9:24weil die natürlich ins Unternehmen ganz besondere Kenntnisse, Fähigkeiten mit einbringen, die auch
- 9:30im Unternehmen von besonderer Relevanz sind. Aber selbstverständlich werden wir natürlich schauen,
- 9:35dass hier das, was notwendig ist für die Unternehmerinnen und Unternehmer,
- 9:41wie gesagt, die Planbarkeit ist, glaube ich, eins der wichtigsten Dinge,
- 9:43das hat sich da ergeben, dass wir das natürlich auch gemeinsam machen, überhaupt keine Frage.
- 9:48Moderatorin: Mit welchen Kosten rechnet denn
- 9:50das Verteidigungsministerium und wie werden diese gedeckt?
- 9:54Tanner: Nun, dieser Konsens, der getroffen worden ist, das ist ohne Zweifel nicht das
- 9:59günstigste Modell, weil das wäre Österreich Plus gewesen, also 8 plus 2 Monate und der Satzdienst
- 10:04im Verlängerung auf 12 Monate. Wir werden da das Beste machen draus. Und wenn man eben daran denkt,
- 10:09dass über 3 Jahrzehnte hindurch die Wehrpflicht immer gekürzt worden ist und da die Monate, die
- 10:16Wochen weniger geworden sind und die Milizübungen gänzlich abgeschafft worden sind, das ist 20 Jahre
- 10:22her, also 30 und 20 Jahre, dann sieht man schon, das ist etwas Neues, das sich da jetzt tut,
- 10:27nicht zuletzt der Bedrohungslage auch geschuldet. Wenn man die Einschätzung der Kosten anschaut,
- 10:31dann sind das in etwa zwischen 200 und 300 Millionen über die wir hier sprechen. Man muss
- 10:36eines dazu sagen, es ist schwer abschätzbar, weil die Ausgestaltung jetzt ja erst erfolgen muss, der
- 10:42Beschluss im Parlament auch noch fehlt und ich schon davon ausgehe, dass diejenigen,
- 10:47die am Konsens ganz intensiv mitgearbeitet haben, auch bei der Finanzierung mitarbeitet werden.
- 10:52Moderatorin: Gut, wir werden die Daumen halten. Wir kommen schon zur Abschlussfrage.
- 10:56Frau Bundesministerin. Sie haben es zum Teil schon gesagt, aber so vielleicht am Schluss die Frage,
- 11:00welche Fähigkeiten nimmt den ein junger Mensch aus dem Wehrdienst für sein späteres Leben mit?
- 11:06Tanner: Ich hoffe, das Oberste ist einmal, dass er ein gutes Gefühl hat, der Republik gedient zu
- 11:11haben. Wir fragen die Grundwehrdiener am Ende ihrer Zeit jetzt dem in nach den 6 Monaten,
- 11:17wenn über 80 Prozent sagen, das war eine sinnvolle Zeit in der ich vieles erlernt habe,
- 11:23z.B. will eben kühlen Kopf zu bewahren in herausfordernden Situationen,
- 11:27Management Fähigkeiten und wo ich eine besondere Kameradschaft auch erlebt habe,
- 11:32dann glaube ich sind wir auf einem durchaus guten Weg.
- 11:34Moderatorin: Frau Bundesministerin, herzlichen Dank für diese Einblicke in die neue Reform.
- 11:39Tanner: Danke Ihnen!
- 11:40Moderatorin: Ich sag danke fürs Zuhören. Das war "Am Ballhausplatz",
- 11:43der Podcast des Bundeskanzleramts Österreich. Bis zur nächsten Folge.
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