Latest / GedankenGang - True Crime, Skandale und Analysen / Fall Fabian - Der 14te Prozesstag
Transcript
- 0:00Herzlich Willkommen zu Gedankengang, True Crime Fakten
- 0:03und Analysen in unserer heutigen Folge berichten wir über den 14.
- 0:07Prozesstag im Fall Fabian. Wir werten heute Akten und
- 0:12Ermittlungsprotokolle aus, die einen also wirklich
- 0:15unwillkürlich innehalten lassen, weil wenn ihr an den Fundort
- 0:19eines ermordeten achtjährigen Jungen denkt, dann erwartet ihr
- 0:23ja Trauer oder zumindest Fassungslosigkeit.
- 0:27Absolut ja. Was ihr definitiv nicht
- 0:30erwartet, ist ein ja fast schon Beiläufiges begutachten der
- 0:34Landschaft durch die Angeklagte. Mit den Worten, Diese Senke
- 0:38eigne sich gut um. Ich zitiere das hier mal
- 0:40jemanden bewusst zu entsorgen. Ja, das ist ein Satz, der hängen
- 0:44bleibt. Genau diese Szene hat sich laut
- 0:47Zeugenaussagen nämlich so abgespielt.
- 0:49Und genau deshalb schauen wir uns heute die Mechanik dieses
- 0:52Verfahrens sehr im Detail an. Richtig.
- 0:55Bei dieser Analyse ist es essentiell zu verstehen, was ein
- 1:00Indizienprozess juristisch überhaupt bedeutet.
- 1:03Also es gibt kein Video der tat, es gibt kein Geständnis, ein
- 1:08Indizienprozess funktioniert nicht wie ein Puzzle, bei dem
- 1:12jedes Teil perfekt passen muss, sondern eher wie ein eng
- 1:16geknüpftes Netz, wenn da mal eine Masche reißt, fällt die
- 1:19Anklage nicht automatisch in sich zusammen.
- 1:21Solange die restlichen Knoten, also die digitalen Spuren und
- 1:25die Zeugenaussagen, das Gewicht der Beweislast noch halten
- 1:28können. Und an genau diesem Netz haben 4
- 1:32polizeiliche Ermittler am heutigen 14.
- 1:34Verhandlungstag wirklich massiv weiter geknüpft.
- 1:39Das ist nicht einfach nur eine Aneinanderreihung von Aussagen,
- 1:42wenn man die Protokolle liest, merkt man sofort, dass die
- 1:45Staatsanwaltschaft da eine sehr bewusste Dramaturgie aufbaut.
- 1:49Ganz genau. Es geht von der physischen
- 1:51Beobachtung der Angeklagten direkt am Tatort über die
- 1:54psychologische Ebene abgehörter Telefonate bis hin zur ja sehr
- 1:59unbestechlichen, Kalten Welt der digitalen Metadaten.
- 2:02Das ist im Grunde die klassische Eskalationsstufe moderner
- 2:05Kriminalistik. Die Zeugen decken exakt die
- 2:09Phasen ab, in denen sich das Netz um eine verdächtige Person
- 2:12langsam zusammenzieht. Mhm.
- 2:14Das Ziel der Ermittler an diesem Tag war es ganz klar, eine
- 2:17Diskrepanz aufzuzeigen, nämlich die zwischen dem, was Gina h.
- 2:21In den Tagen nach der Tat erzählt hat, und dem, was
- 2:24objektive, Datenpunkte und eben auch heimliche Beobachtungen
- 2:27tatsächlich belegen. Lass uns.
- 2:29Genau da mal ansetzen bei den physischen Beobachtungen am Tag
- 2:34des Leichenfundes, das war der 14.
- 2:36Oktober 2025, der erste Zeuge der Fünfunddreißigjähriger
- 2:40Bereitschaftspolizist Dennis K. War an diesem Tag bei Kleinopal
- 2:44im Einsatz. Er stand da in unmittelbarer
- 2:46Nähe zu Gina h. Und ihrer Begleiterin, das war
- 2:49die Zeugin Heike M. Und der Kontrast zwischen diesen
- 2:52beiden Frauen muss laut dem Protokoll enorm gewesen sein.
- 2:55Ja, der Bericht von Denis K. Ist für die Beurteilung des
- 2:58sogenannten Nachtatverhaltens extrem aufschlussreich.
- 3:01Also Heike M. War emotional völlig aufgelöst.
- 3:03Sie weinte, stand sich dich unter Schock.
- 3:05Was ja völlig normal ist in so einer Situation.
- 3:08Absolut. Gina H.
- 3:10Hingegen wirkte in dieser totalen Ausnahmesituation
- 3:14fahrig, aber auffällig gefasst. Sie hat sich dem Polizisten
- 3:18gegenüber unaufgefordert als die Ziehmutter von Fabian
- 3:22vorgestellt. Und dann fiel eben dieser von
- 3:25dir anfangs erwähnte Satz. Sie blickte auf die Kuhle am
- 3:29Fundort und merkte an, dass man dort jemanden gut bewusst
- 3:33entsorgen könne. Wie bewertet man so was aus rein
- 3:36kriminalistischer Sicht? Ich mein, ist das einfach die.
- 3:39Unglückliche Wortwahl einer Frau, die vielleicht doch unter
- 3:42Schock steht. Oder blickt man da schon in
- 3:44einen Abgrund? Das ist natürlich schwer,
- 3:47eindeutig zu sagen, aber es fällt den Beamten auf.
- 3:50Die Zeugin Heike M. Soll daraufhin jedenfalls große
- 3:53Augen gemacht haben, woraufhin sich Gina h.
- 3:56Hastig entschuldigt hat. OK und kurz danach eskalierte
- 3:59die Situation ja auch leicht, als die Kriminalpolizei die
- 4:03Handys der beiden Frauen sichern wollte.
- 4:05Richtig. Gina H.
- 4:06Weigerte sich vehement. Sie behauptete, da seien private
- 4:10Dinge drauf. Was an sich vielleicht
- 4:12nachvollziehbar ist, aber in dem Moment?
- 4:15Die Verweigerung der Handyherausgabe ist natürlich
- 4:17ein erstes rotes Tuch für jeden Ermittler, aber der wahre
- 4:20Durchbruch für die Polizei passierte kurz danach, und zwar
- 4:23völlig abseits der Blicke von Gina h.
- 4:25Als sie für diese erste Vernehmung aufs Revier gebracht
- 4:28wurde. Genau da saß Heike M.
- 4:31Nämlich allein mit dem Polizisten Dennis K.
- 4:33Im Wagen. Und in diesem vermeintlich
- 4:35Unbeur. Beobachteten Moment hat Heike M.
- 4:37Ein ziemliches Geheimnis offenbart.
- 4:40Sie verriet den Beamten, dass Gina H.
- 4:42Sie bereits am frühen Morgen so gegen 07:00 Uhr angerufen und
- 4:45ihr von der Leiche erzählt habe. Krass.
- 4:48Ja, und Gina h. Habe behauptet, sie sei in der
- 4:50Nacht zuvor mit 2 Männern am Fundort.
- 4:52Gewesen, Moment, aber das reißt doch die gesamte offizielle
- 4:55Version der Verteidigung ein, oder?
- 4:57Absolut. Ich meine, die offizielle
- 4:59Erzählung war doch, man habe den Jungen erst am Vormittag jenes
- 5:03Tages quasi zufällig beim Gassigehen mit den Hunden
- 5:06entdeckt, wenn sie das schon um 07:00 Uhr morgens wusste, ist
- 5:10diese Geschichte mit dem Zufallsfund ja komplett
- 5:12hinfällig. Exakt.
- 5:14Und dieser fundamentale Widerspruch war für die
- 5:16Ermittlungsbehörden dann auch der Auslöser, massive
- 5:19Überwachungsmaßnahmen zu starten, weil wenn die
- 5:21Geschichte vom Leichenfund gelogen ist, was stimmt da noch?
- 5:25Was uns direkt zum Leiter der Telefonüberwachung führt, das
- 5:28ist Kriminalhauptkommissar Frank F.
- 5:31Ja, genau. Er und sein Team haben nach dem
- 5:34Leichenfund die Anschlüsse von Gina h.
- 5:36Und ihrem engsten Umfeld wirklich systematisch abgehört
- 5:40und die Auszüge aus diesen Telefonaten, die der 49 jährige
- 5:43Frank F. Dem Gericht präsentiert hat, die
- 5:46Zeichnen ein sehr beklemmendes Bild.
- 5:48Das kann man so sagen. Man sucht da laut Protokoll
- 5:51vergeblich nach Empathie für den Ermordeten Fabian.
- 5:55Gina H. Kreiste in diesen Gesprächen
- 5:58fast schon autistisch um sich selbst.
- 6:00Sie sprach ständig von einer Vorverurteilung, beklagte einen
- 6:03medialen Spießrutenlauf und nannte die ganze Situation ihren
- 6:08ganz persönlichen Alptraum. Also Sätze wie wenn das hier
- 6:12alles vorbei ist, kann ich irgendwo hinziehen, wo mich
- 6:14keiner kennt. Das dominierte wohl die
- 6:16Mitschnitte. Man muss dazu sagen, das Fehlen
- 6:18von Empathie ist für sich genommen noch kein
- 6:20Straftatbestand. Jeder Mensch verarbeitet
- 6:23traumatische Erlebnisse anders. Das wissen Kriminalisten.
- 6:26Was diese Telefonate für die Staatsanwaltschaft jedoch so
- 6:28extrem wertvoll macht, ist die dokumentierte aktive
- 6:31Manipulation. Also sie hat die Telefonate
- 6:34quasi genutzt, um das Narrativ zu steuern.
- 6:36Genau. Gina H.
- 6:38Nutzte diese Gespräche nicht zum Trauern, sondern um Kontrolle
- 6:41auszuüben. Besonders verstörend wirken
- 6:43dabei ja die Gespräche mit Fabians Vater, also Matthias R.
- 6:47Wenn ihr euch das mal psychologisch durchdenkt.
- 6:50Sein achtjähriger Sohn wurde ermordet, seine Ex Partnerin
- 6:54steht massiv unter Verdacht, da würde man doch grenzenlose Wut
- 6:58erwarten. Würde man meinen, ja.
- 6:59Aber stattdessen hat der Richter notiert, dass Matthias R.
- 7:02Sich in einem einzigen elfminütigen Telefonat achtmal
- 7:06bei Gina h. Entschuldigt hat.
- 7:09Er versicherte ihr fast unterwürfig, er habe keine bösen
- 7:12Gerüchte über sie verbreitet. Warum?
- 7:15Warum reagiert ein Vater so? Für Beobachter wirkt das
- 7:18natürlich im ersten Moment völlig kontraintuitiv, aber
- 7:21kriminalpsychologen lesen daraus ein klares Muster.
- 7:25Man muss wissen, Matthias R. Stand zu keinem Zeitpunkt unter
- 7:28Verdacht, er hatte ein wasserdichtes Alibi, OK, seine
- 7:32Unterwürfigkeit und der von den Ermittlern notierte Fokus auf
- 7:35seinen eigenen Alkoholkonsum. Anstelle von offensichtlicher
- 7:39Trauer deuten auf eine hochgradig toxische,
- 7:42asymmetrische Beziehungsdynamik hin.
- 7:45Das heißt, er war emotional extrem abhängig von ihr.
- 7:49Genau, es ist eine Form von emotionaler Abhängigkeit, in der
- 7:53Matthias R. Offenbar ständig versuchte, die
- 7:55dominante Figur, also Gina h, zu besänftigen.
- 7:59Für die Staatsanwaltschaft ist genau das ein ganz wichtiger
- 8:03Baustein für das Motiv. Inwiefern?
- 8:06Na ja, die Frage ist, wurde der kleine Fabian in dieser
- 8:10toxischen Konstellation vielleicht als Störfaktor
- 8:13wahrgenommen? Verstehe aber das
- 8:16Kontrollverhalten von Gina h. Beschränkte sich ja nicht nur
- 8:19auf den Ex Partner, die Überwachung deckte auch
- 8:22Gespräche mit einem Bekannten auf.
- 8:24Olaf K. Und hier wird es juristisch
- 8:28wirklich hochbrisant. Richtig, weil es da nicht mehr
- 8:31nur um Befindlichkeiten ging, sondern um die direkte
- 8:34Konstruktion eines Alibis. Also versuchte Strafvereitelung.
- 8:39Genau das der Ermittler. Frank F.
- 8:41Legte sehr detailliert dar, wie Gina h.
- 8:44Am Telefon regelrecht Regie geführt hat.
- 8:46Sie gab Olaf K. Präzise vor, wann er wo gewesen
- 8:49sein soll. Und er hat das einfach
- 8:51mitgemacht. Auffällig war, dass Olaf K, dem
- 8:54der Ermittler übrigens ein offensichtliches sexuelles
- 8:56Interesse an der Angeklagten zuschrieb.
- 8:59Diese Vorgaben einfach abnickte. Wahnsinn.
- 9:01Und darüber hinaus wurden in diesen Gesprächen auch
- 9:04Beweismittel diskutiert. Ein fehlender Grillanzünder und
- 9:07ein verschwundenes Arbeitsmesser.
- 9:09Als dieses Messer dann später ohne DNA Spuren in einem Karton
- 9:11auftauchte, zeigte Gina h, 0, Interesse daran.
- 9:15Was den Ermittlern direkt ins Auge sprang, ja.
- 9:19Eine Gleichgültigkeit, die den Ermittlern als stark inszeniert
- 9:21auffiel. Diese Inszenierung bringt uns
- 9:24zur dritten wichtigen Aussage des Tages, und zwar von der
- 9:28Achtundfünfzigjährigen Kriminalhauptkommissarin Jana H.
- 9:32Sie hat die zehnstündige Vernehmung des Zeugen Christian
- 9:35D. Ausgewertet und dessen Rolle,
- 9:38also das liest sich ja fast wie aus einem schlechten Krimi.
- 9:41Gina H. Hat ihn am Abend des 13 Oktober,
- 9:45also Stunden bevor dieser offizielle Leichenfund gemeldet
- 9:48wurde, dazu überredet, mit einem Nachtsichtgerät bewaffnet zum
- 9:52Tümpel bei Kleinupal zu fahren. Das ist ein absolutes
- 9:55Paradebeispiel für das, was Kriminalisten als Staging
- 9:58bezeichnen, also bewusste Lenkung.
- 10:01Sie inszeniert das Auffinden. Richtig, Gina h.
- 10:04Führte Christian D. In der Dunkelheit ganz gezielt
- 10:07an diesen Ort. Als er dann etwas am Wasser
- 10:10liegen sah, rief sie laut Protokoll sofort.
- 10:12Das ist er. Ohne überhaupt was genaues
- 10:15erkennen zu können. Genau, die Ermittlerin Jana H.
- 10:19Betonte vor Gericht auch, wie sehr sich Christian D.
- 10:22In seiner Vernehmung gewunden hat, bis er dann schließlich
- 10:25zugab, dass Gina h. Die treibende Kraft bei dieser
- 10:28nächtlichen Suche war. Und an der Stelle wird s noch
- 10:31perfider auf Christian DS Handy wurden später Google suchen zum
- 10:35Begriff Leichenstarre gefunden. Und wenn wir schon bei Handys
- 10:40sind, Jana H. Hat noch ein weiteres Detail
- 10:42präsentiert, das die Angeklagte massiv belastet.
- 10:45Auf dem Mobiltelefon von Gina h. Wurde ein Foto eines Waldwegs
- 10:49gefunden. Ein sehr wichtiges Indiz.
- 10:52Weil die Metadaten, also die im Hintergrund der Bilddatei
- 10:55gespeicherten Zeitstempel, Unwiderlegbar zeigen, dass
- 10:59dieses Bild am Tag von Fabians verschwinden aufgenommen wurde.
- 11:02Und die Polizei hat dieses Foto natürlich nicht einfach nur als
- 11:05Landschaftsaufnahme abgeheftet. Die haben einen Revierförster
- 11:09hinzugezogen, der. Den Ort identifizieren sollte.
- 11:12Exakt. Und dieser Förster konnte dieses
- 11:15spezielle Waldstück anhand der spezifischen Anordnung von Ästen
- 11:18und Zweigen auf dem Boden exakt verifizieren.
- 11:21Es befindet sich in unmittelbarer Nähe des späteren
- 11:23Fundortes der Leiche. Das heißt, das ist kein
- 11:26Hörensagen mehr? Nein.
- 11:28Das ist ein harter technischer Beweis, der die Angeklagte am
- 11:32Tag des Verschwindens geographisch präzise in die Nähe
- 11:35des Tatorts rückt. Womit wir beim vielleicht
- 11:38wichtigsten Zeugen für die objektive Wahrheitsfindung
- 11:41wären. Polizeiobermeister Yannick S.
- 11:45Der Vierunddreißigjährige hat nämlich diese digitalen
- 11:48Bewegungsprofile präsentiert, und hier kollidieren die
- 11:51Aussagen von Gina h. Wirklich frontal mit der
- 11:54technischen Realität. Weil wenn sie behauptet, ihr sei
- 11:57an Ort A gewesen, loggt sich ihr Handy aber zeitgleich in
- 12:00Funkzelle b ein. Die.
- 12:02Technische Analyse zertrümmert im Grunde das Alibi der
- 12:05Angeklagten für 10.10., also den Tag des Verschwindens, komplett.
- 12:10Yannick S. Hat vor Gericht demonstriert,
- 12:12wie Kameras ihr Auto in der Nähe von fabians Wohnanschrift
- 12:16erfasst haben. Und später auch aus Richtung des
- 12:18Tümpels kommend gefilmt haben. Richtig.
- 12:20Ja, man muss wissen, Handydaten loggen sich in bestimmten Radien
- 12:25um Mobilfunkmasten ein, wenn diese Einbuchungen physisch
- 12:28einfach nicht zu der Route passen, die ein Verdächtiger
- 12:31behauptet, Gefahren zu sein, dann bricht das Narrativ
- 12:34zusammen. Und dieser digitale Fußabdruck
- 12:36reichte ja sogar noch weiter zurück.
- 12:38Der Ermittler zeigte einen extrem detaillierten.
- 12:40Viertes potenzielles Zeitfenster auf, und zwar am 9.
- 12:44Oktober. Dem Vortag des Verschwindens.
- 12:47Genau anhand der durchschnittlichen Wegzeit von
- 12:50Fabian zum Jugendclub und der digitalen Endpunkte eines
- 12:54Termines von Gina Age konnte die Polizei konstruieren, dass sich
- 12:59die Wege der beiden zwischen 14:20 Uhr und 14:25 Uhr gekreuzt
- 13:04haben könnten. Es bleibt natürlich eine
- 13:06Konstruktion, das muss man juristisch sauber betrachten.
- 13:10Aber sie stützt sich eben auf harte Daten.
- 13:13Richtig brisant wurde es dann bei den gelöschten Google
- 13:16Suchanfragen. Bereits am Morgen des 11.
- 13:19Oktober, als Fabian ja offiziell noch als vermisst galt und alle
- 13:22davon ausgingen, er habe sich vielleicht nur verlaufen, suchte
- 13:26jemand auf Gina h. Account nach Dingen wie fressen
- 13:30Wildschweine Menschen und fressen Wildschweine tote
- 13:34Menschen. Das ist n Detail, das wirklich
- 13:36Gänsehaut verursacht. Als die Polizei sie darauf
- 13:39ansprach, versuchte sie sofort wieder, Matthias R.
- 13:42Dafür verantwortlich zu machen. Sie hat behauptet, er sei noch
- 13:46auf ihrem Google Konto eingeloggt gewesen, aber auch
- 13:49hier, die Technik schlägt die Ausrede.
- 13:52Genau so funktioniert moderne forensische Datenanalyse.
- 13:56Wenn du eine Suchanfrage tätigst, wird nicht nur der Text
- 13:59gespeichert, es wird auch die Geräte ID oft die sogenannte e
- 14:03Mail Nummer des spezifischen Endgeräts hinterlegt.
- 14:06Mhm. Und Yannick S.
- 14:08Konnte vor Gericht zweifelsfrei belegen, dass diese Makabren
- 14:11suchen von exakt dem neuen Handy abgesetzt wurden.
- 14:14Dass Gina h. Nach einem kürzlichen
- 14:16Gerätewechsel nutzte. Es war also technisch
- 14:18ausgeschlossen, dass Matthias R. Das.
- 14:20War technisch völlig ausgeschlossen, dass er von
- 14:23seinem alten Gerät aus diese Suchen durchgeführt hat.
- 14:25Lass uns mal einen Schritt zurücktreten und diese massive
- 14:28Informationsflut analysieren. Wie gehen Ermittler mit dieser
- 14:33scharfen Diskrepanz im Verhalten um?
- 14:36Du meinst den Kontrast zwischen der Kälte und der Opferrolle?
- 14:39Genau auf der einen Seite sehen wir eine eiskalt kalkulierende
- 14:43Frau direkt am Fundort, die über Entsorgung spricht und ihr Handy
- 14:47verteidigt. Und auf der anderen Seite weint
- 14:49sie dann in den Telefonaten über die Vorverurteilung und
- 14:52positioniert sich als das wahre Opfer.
- 14:55Ja, aus der Sicht von Kriminalisten und Psychologen
- 14:57schließt sich das überhaupt nicht aus.
- 14:59Im Gegenteil ist Bing miteinander.
- 15:01Es ist der Versuch einer massiven Kontrolle über das
- 15:03Umfeld. Die abgehörten Gespräche zeigen
- 15:07sehr deutlich, wie Gina h. Ihre Erklärungen anpasste, je
- 15:11nachdem, wen sie gerade am Apparat hatte.
- 15:13Fabians Vater erzählte sie vom Zufallsfund durch die Hunde
- 15:17ihrer Freundin Heike M. Drohte sie fast auf keinen Fall
- 15:21die Wahrheit über den frühen Fund zu erzählen.
- 15:24Genau. Und Männer wie Christian D.
- 15:26Nutzte sie regelrecht als Werkzeuge, um den Leichenfund
- 15:29aktiv zu inszenieren. Die Ermittler sehen hier keinen
- 15:33Schock, sondern eine ausgeklügelte Täterstrategie.
- 15:36Und die Opferrolle? Die Opferrolle ist dabei
- 15:38lediglich ein taktischer Schild. Damit will sie kritische Fragen
- 15:42abwehren und Mitleid generieren, während sie im Hintergrund aktiv
- 15:46Alibis fabriziert. Wenn wir jetzt mal auf die
- 15:48juristische Mechanik im Gerichtssaal schauen, also
- 15:51Staatsanwalt Shorley hat nach diesem 14.
- 15:53Prozesstag sicherlich das Gefühl, sehr fest im Sattel.
- 15:56Zu sitzen, absolut. Für die Anklage war dieser Tag
- 16:00ein Volltreffer, das muss man so sagen.
- 16:02Die Staatsanwaltschaft stützt sich darauf, dass die Zeugen
- 16:05massive unwiderlegbare Lügen im Konstrukt der Angeklagten
- 16:09offengelegt haben. Die Handydaten, die das Alibi
- 16:11zerstören. Das Foto vom Tatort am Tattag.
- 16:15Die gelöschten Suchanfragen nach den Wildscheunen.
- 16:18Und das abgehörte Absprechen von Alibis mit dem Bekannten.
- 16:23All das webt das Netz der Indizien so eng, dass die
- 16:26Anklage darauf vertraut, dass das Gericht eigentlich gar nicht
- 16:30anders kann, als auf Schuld zu erkennen.
- 16:32Und das berechnete Zeitfenster am 9.
- 16:34Oktober spielt da ja auch ne Rolle, oder?
- 16:36Ja, ein Wichtiges sogar. Weil es die These der
- 16:40Staatsanwaltschaft untermauert, dass es sich um einen geplanten
- 16:43heimtückischen Mord handelt und nicht etwa um eine spontane
- 16:47Affekt tat. Aber wir dürfen nicht vergessen,
- 16:49es gibt in diesem Verfahren auch eine.
- 16:51Verteidigung natürlich. Rechtsanwalt Andreas Ohm steht
- 16:54vor der gewaltigen Aufgabe, genau dieses eng gewebte Netz
- 16:57irgendwie anzugreifen. Wie sieht seine Gegenstrategie
- 17:01aus? Ohms?
- 17:01Strategie ist analytisch sehr scharf.
- 17:04Er greift gar nicht so sehr die Daten selbst an, sondern deren
- 17:08Interpretation. Ah OK.
- 17:10Er versucht, den subjektiven Wahrnehmungen der Polizisten den
- 17:13prozessualen Beweiswert zu entziehen.
- 17:16Also wenn der Ermittler Frank F. Sagt, Gina H.
- 17:18Habe keine Empathie gezeigt, dann kontert die Verteidigung,
- 17:21das ist eine persönliche Empfindung, aber kein
- 17:24juristischer Beweis. Fehlende Trauer macht niemanden
- 17:27zum Mörder. Ganz genauso argumentiert er.
- 17:30Und noch wichtiger ist OMS Angriff auf die Zeitachsen.
- 17:33Das Argument mit den Handydaten? Ja, er hebt immer wieder hervor,
- 17:37dass WLAN, Logins und Funkzellenabfragen eben keine
- 17:40Minuten und Metergenaue GPS Überwachung sind.
- 17:43Wenn das exakte Zeitfenster der Begegnungen insbesondere mit dem
- 17:46Zeugen Christian D. Nicht zweifelsfrei rekonstruiert
- 17:49werden kann, entsteht juristischer Raum.
- 17:52Für den Grundsatz in dubio pro reo richtig.
- 17:55Im Zweifel für die Angeklagte. Und damit triffst du eigentlich
- 17:59den Kern der offenen Fragen, die auch nach 14 Prozesstagen noch
- 18:02ziemlich brutal im Raum stehen. Die größte dieser Lücken ist
- 18:06zweifellos die Tatwaffe. Ja.
- 18:09Der Rechtsmediziner hatte ja an einem früheren Verhandlungstag
- 18:12von 6 Stichverletzungen gesprochen.
- 18:14Wir haben heute viel über das verschwundene und dann wieder
- 18:17aufgetauchte Arbeitsmesser gehört.
- 18:19Aber ein Messer ohne DNA Spuren ist am Ende des Tages eben genau
- 18:23das nur ein Messer. Das ist definitiv der Wundepunkt
- 18:27der Anklage. Der Ermittler zog den Schluss,
- 18:29dieses Messer könnte die Tatwaffe sein, gerade weil es so
- 18:33intensiv gereinigt schien. Aber vor Gericht reicht ein
- 18:36könnte oft nicht aus. Eben.
- 18:39Es gibt keinen forensischen Nachweis, keine Blutspuren.
- 18:44Keine Mikroskopie, die belegt, dass exakt diese Klinge die
- 18:48Verletzungen bei Fabian verursacht hat.
- 18:51Die Verteidigung nutzt das natürlich geschickt und wirft
- 18:54der Staatsanwaltschaft vor, mangels echter Beweise einfach
- 18:57ein x beliebiges Messer zur Tatwaffe hochstilisieren zu
- 19:00wollen. Ja, und auch die exakte
- 19:04zeitliche Abfolge bleibt trotz all der tollen Technik ja
- 19:07letztlich eine Konstruktion. Wir haben Handydaten, Wir haben
- 19:11Kamerabilder des Autos. Aber niemand hat den
- 19:14eigentlichen Tatablauf gesehen. Das bleibt immer die schwerste
- 19:17Hürde in einem Indizienprozess. Metadaten dokumentieren die
- 19:21Aufenthaltsorte von Geräten nicht zwingend die Taten von
- 19:24Menschen, was jedoch wirklich schwer wiegt und was die
- 19:28Verteidigung kaum weg erklären kann, sind die diametral
- 19:32unterschiedlichen Versionen, die Gina h.
- 19:35Verbreitet hat. Die Versionen mit den Hunden,
- 19:38dem Bauchgefühl und dem Nachtsichtgerät, die schließen
- 19:42sich gegenseitig aus. Das stimmt.
- 19:45Wenn jemand unschuldig ist, warum lügt er dann nachweislich
- 19:48über den Moment, in dem er die Leiche fand?
- 19:50Das ist die Kernfrage, die im Raum stehen bleibt.
- 19:53Wenn wir jetzt eine journalistische Bilanz ziehen
- 19:56müssen, was ist das zentrale Take away dieses 14
- 19:59fahndungstages? Zusammenfassend lässt sich
- 20:02sachlich sagen. Die Polizei hat geliefert.
- 20:06Die Auswertung der Telekommunikation und der
- 20:08Bewegungsprofile hat wirklich schonungslos offengelegt, dass
- 20:12die Angaben von Gina h. Zu ihren Aufenthaltsorten am
- 20:15Tattag technisch nicht haltbar sind.
- 20:18Es wurde bewiesen, dass sie Zeugen instrumentalisierte, dass
- 20:21sie Alibis fälschte und das Narrativ des Leichenfundes
- 20:24massiv manipulierte. Die Akten zeichnen das Bild
- 20:27einer Person im absoluten Vertuschungsmodus.
- 20:29Aber, und das ist wahrscheinlich das große, aber in unserem
- 20:32Rechtsstaat. Ein direkter forensischer
- 20:35Beweis, dass sie die Tötungshandlung selbst
- 20:38ausgeführt hat, der fehlt weiterhin.
- 20:40Genauso ist es. Das Verfahren ist noch lange
- 20:42nicht abgeschlossen. Am nächsten Prozesstag werden
- 20:44ein weiterer Sachverständiger und 2 Polizeibeamte vor dem
- 20:48Landgericht Rostock erwartet. Das Mosaik, oder besser gesagt
- 20:51das Netz wird also weiter geknüpft und dann wieder auf
- 20:54seine Reißfestigkeit geprüft. Wenn man diese Fülle an
- 20:57Informationen sacken lässt, drängt sich für uns als
- 21:00Beobachter eigentlich eine sehr fundamentale Frage auf.
- 21:04Dieser Fall demonstriert extrem anschaulich den Wandel der
- 21:07modernen Kriminalistik und Gerichtsbarkeit.
- 21:10Wie meinst du das? Na ja, es stellt sich die Frage,
- 21:12wieviel juristisches Gewicht Metadaten am Ende haben werden.
- 21:17Reichen Funkzellenauswertungen Wähler Logins und rekonstruierte
- 21:22Google suchen aus, um einen Menschen wegen Mordes lebenslang
- 21:26hinter Gitter zu bringen, wenn der direkte klassische
- 21:29Tatbeweis, also die blutige Waffe oder der Augenzeuge
- 21:32gänzlich fehlt? Wird der digitale Fußabdruck in
- 21:36Zukunft das Geständnis ersetzen? Das ist die Frage, die letztlich
- 21:39die Richter in Rostock in ihrem Urteil beantworten müssen.
- 21:42Eine spannende Frage. Wir danken Euch fürs Zuhören und
- 21:46für euer Interesse an dieser Analyse.
- 21:48Bis zum nächsten Mal.