Latest / Anonym Suchthilfe – KI-gestützte Selbsthilfe / Pfingsten, CDU und Drogenpolitik: Wo bleibt der Geist der Hilfe?
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- 0:00Jedes Jahr kassiert der Staat ganz leise über 2,1 Milliarden
- 0:06Euro, und zwar allein aus der Alkoholsteuer.
- 0:10Wahnsinn eigentlich, diese Summe.
- 0:12Absolut. Dazu kommen dann ja noch weitere
- 0:16Milliardenbeträge aus der Tabaksteuer.
- 0:18Und wenn man diese enormen Summen hört, sollte man doch
- 0:21eigentlich meinen, dass dieses Geld auf direktem Weg in
- 0:25modernste Suchtkliniken fließt, oder?
- 0:28Ja oder zumindest in flächendeckende
- 0:30Präventionsarbeit. Das wäre die logische
- 0:32Konsequenz. Genau das denkt man.
- 0:34Aber die Realität sieht halt erschreckend anders aus.
- 0:38Genau in diesem Moment stehen hochspezialisierte Kliniken, die
- 0:42eigentlich suchtkranke Jugendliche retten sollen, vor
- 0:44der Insolvenz willkommen zu unserer heutigen Analyse.
- 0:49Wir schauen uns heute ein System an, das Milliarden an der Sucht
- 0:53verdient, aber bürokratisch komplett kollabiert, wenn es um
- 0:57die Rettung von Menschenleben geht.
- 0:58Ein extrem wichtiges Thema. Und auch ein sehr schweres.
- 1:02Ja, total. Und bevor wir diese extremen
- 1:05Widersprüche jetzt weiter aufbrechen, ist mir eine Sache
- 1:08ganz besonders wichtig für dich, der uns gerade zuhört.
- 1:11Mhm. Der Rahmen hier.
- 1:13Richtig, das hier ist ein geschützter Raum, ein absoluter
- 1:16Safe Space für dich und deine Themen.
- 1:19Du bist hier sicher, wir urteilen nicht, egal was du
- 1:22vielleicht gerade durchmachst, ob du selbst betroffen bist oder
- 1:25jemanden auf einem schweren Weg begleitest.
- 1:28Atme einfach mal tief durch, wir schauen uns das heute gemeinsam
- 1:31an. Diese Ruhe brauchen wir auch, um
- 1:34den emotionalen und analytischen Kern der Texte, die wir heute
- 1:37vorliegen haben, wirklich greifen zu können.
- 1:39Wir konzentrieren uns dabei ja vor allem auf die Gedanken von
- 1:42Gabriel. Genau, Gabriel.
- 1:44Und er wählt in seinem Text einen Einstieg, der auf den
- 1:47ersten Blick vielleicht, na ja, völlig paradox wirkt.
- 1:50Er verknüpft die knallharte, oft sehr kalte Realität der
- 1:54deutschen Drogenpolitik mit einem christlichen Fest, nämlich
- 1:58mit Pfingsten. Ich bin ganz ehrlich, als ich
- 2:01diese Analogie in den Quellen gelesen habe, dachte ich erst,
- 2:05wie passt das denn bitte zusammen?
- 2:07Drogenpolitik und Pfingsten. Ja, das ist im ersten Moment ein
- 2:11harter Bruch. Total.
- 2:13Aber wenn man Gabriels Gedanken dann folgt, ist das geradezu
- 2:16brillant. Im christlichen Glauben steht
- 2:19das Pfingstfest ja für den Moment, in dem die Menschen nach
- 2:22einer Phase tiefster Verzweiflung und Isolation
- 2:25wieder Mut fassen. Mhm, sie finden plötzlich eine
- 2:29Sprache, und vor allem finden sie wieder eine Verbindung
- 2:32zueinander, es ist im Kern das Fest der Verständigung.
- 2:35Richtig. Und im Umkehrschluss beschreibt
- 2:38das exakt, was eine Suchterkrankung im Menschen
- 2:40zerstört. Oh wow, ja.
- 2:43Sucht ist ja weit mehr als nur das körperliche oder psychische
- 2:48Verlangen nach einer bestimmten Substanz.
- 2:51Sie ist ein stetiger, wirklich quälender Verlust der eigenen
- 2:55Sprache. Krass das so zu sehen.
- 2:58Betroffene verlernen im Strudel der Abhängigkeit ihre innere Not
- 3:02überhaupt noch auszudrücken. Und die Gesellschaft verlernt
- 3:05parallel dazu leider, ihnen unvoreingenommen zuzuhören.
- 3:09Das ist im Grunde wie ein extremes soziales Funkloch.
- 3:12Ein sehr gutes Bild, ja. Du stehst vielleicht physisch
- 3:15noch mitten im selben Raum wie deine Familie, deine Freunde
- 3:18oder deine Kollegen, aber das Signal ist komplett weg.
- 3:22Du kannst nicht mehr senden, du kannst nicht mehr empfangen.
- 3:24Genauso ist es. Und irgendwann, nach all den
- 3:27Enttäuschungen und auch dem Stigma.
- 3:29Gibst du einfach die Hoffnung auf, dass dich aus diesem
- 3:32Funkloch überhaupt jemals wieder jemand herausholt?
- 3:34Was hier faszinierend ist, wenn wir diese kraftvolle Metraffer
- 3:37mal ernst nehmen, dann müsste jede Form der staatlichen
- 3:40Suchthilfe darauf abzielen, genau diese gekappte Verbindung
- 3:44wiederherzustellen. Logisch, aber die politische
- 3:46Realität sieht oft diametral anders aus, anstatt sichere
- 3:50Räume für offene Kommunikation zu schaffen, setzt ein Großteil
- 3:54der Politik auf eine reine, strafende Logik, wer konsumiert,
- 3:58wird primär kriminalisiert. Das erzeugt unweigerlich Scham
- 4:02und Scham. Das wissen wir.
- 4:03Aus der Psychologie ist der stärkste Isolator überhaupt.
- 4:06Gabriel macht diese Diskrepanz an einem sehr konkreten
- 4:09aktuellen Beispiel fest. Und das betrachten wir hier
- 4:11völlig neutral und unparteiisch. Er nimmt die aktuellen
- 4:14Forderungen der CDU als Fallstudie Mhm.
- 4:17Als Beispiel einfach. Schlichtweg aus dem Grund, weil
- 4:20diese Partei das Wort christlich prominent im Namen trägt.
- 4:24Die CDU fordert aktuell beispielsweise vehement die
- 4:27Rücknahme der Cannabis Teillegalisierung und möchte
- 4:30zurück zu einer sehr strikten Verbotspolitik.
- 4:34Wobei man hier klar sagen muss, es geht Gabriel dabei in keiner
- 4:37Weise um plumpes parteibashing. Nein, überhaupt.
- 4:40Nicht. Es geht ihm um den inhaltlichen
- 4:42Widerspruch. Auf der einen Seite stehen die
- 4:44klassischen Sonntagsreden über Barmherzigkeit und
- 4:47Nächstenliebe. Und auf der anderen Seite eine
- 4:49Realität, in der Suchtkranke abgewertet oder wieder in alte
- 4:53Strafmuster gedrängt werden. Aber Strafen und Verbote lösen
- 4:56doch das psychologische Grundproblem der Sucht nicht im
- 4:58geringsten, oder? Absolut nicht.
- 5:00Sie machen den Konsum nicht unsichtbarer oder stoppen ihn,
- 5:04sie machen ihn lediglich heimlicher.
- 5:06Ja, und wenn etwas in die Heimlichkeit und in dunkle Ecken
- 5:09verdrängt wird, wird es unreguliert und damit für den
- 5:13einzelnen potentiell tödlich. Wir müssen an dieser Stelle auch
- 5:17unbedingt betonen, Gabriel beleuchtet dieses Thema nicht
- 5:21aus der komfortablen Distanz eines akademischen Beobachters.
- 5:25Ganz wichtig, er ist selbst Betroffener.
- 5:27Genau, erkennt den Abgrund, erkennt dieses Funkloch, von dem
- 5:30du gesprochen hast. Er schreibt also nicht aus dem
- 5:33Elfenbeinturm. Nein, wenn er und seine
- 5:36Community von Harm reduction, also von Schadensminimierung
- 5:40sprechen, dann reden wir hier von Nackter über Lebenshilfe auf
- 5:44der Straße. Nicht von irgendwelchen
- 5:45theoretischen Konzepten. OK, lass uns das mal
- 5:48aufschlüsseln und an diesem Punkt unbedingt noch mal auf
- 5:51dieses unglaubliche finanzielle Paradoxon schauen, mit dem wir
- 5:54ganz am Anfang gestartet sind, an legalen Suchtmitteln.
- 5:58Die offizielle politische Begründung für jede
- 6:01Steuererhöhung auf Tabak oder Alkohol ist ja fast immer der
- 6:05Gesundheits und Jugendschutz. So wird es zumindest verkauft,
- 6:08ja. Aber wo versickert dieses Geld
- 6:11denn bitteschön, wenn gleichzeitig die Hilfsstrukturen
- 6:13im Land kollabieren? Das passt doch 0 zusammen.
- 6:16Der Mechanismus dahinter ist ein eklatanter Fiskalischer
- 6:20Webfehler im System. Es fehlt in Deutschland eine
- 6:23verbindlich gesetzlich verankerte Zweckbindung für
- 6:27diese speziellen Steuereinnahmen.
- 6:29Das musst du kurz erklären. Was heißt das konkret?
- 6:31Das bedeutet in der Praxis, wenn du eine Schachtel Zigaretten
- 6:35oder eine Flasche Schnaps kaufst.
- 6:36Fließen die Steuern darauf einfach in den gigantischen
- 6:39allgemeinen Bundeshaushalt okay sie werden dort genutzt, um
- 6:44Autobahnen zu reparieren, Rüstungsausgaben zu decken oder
- 6:47allgemeine Haushaltslöcher zu stopfen.
- 6:49Krass. Ja.
- 6:51Sie werden eben nicht automatisch, wie man
- 6:53logischerweise annehmen könnte, für Präventionskampagnen, für
- 6:56Drogenberatungsstellen oder für den Erhalt von Spezialkliniken
- 7:00reserviert. Was ja sehr reale, tragische
- 7:02Konsequenzen nach sich zieht. Gabriel schildert das in seinem
- 7:05Text Mega eindringlich am Beispiel der Dietrich Bonhoeffer
- 7:07Klinik. Ein absolutes Trauerspiel, ja.
- 7:09Das ist oder war eine der wenigen hochspezialisierten
- 7:13Rehakliniken in Deutschland, die explizit auf suchtkranke
- 7:16Jugendliche ausgerichtet ist. Und diese Klinik steht vor dem
- 7:19Aus. Mhm, in dieser dramatischen Lage
- 7:22schaltet sich dann sogar der Drogenbeauftragte der
- 7:24Bundesregierung, Henrik Streeck, ein, um irgendwie zu vermitteln,
- 7:28aber er scheitert, wie kann es sein, dass eine essentielle,
- 7:31lebensrettende Einrichtung schließt, während gleichzeitig
- 7:34Steuermilliarden eingenommen werden?
- 7:36Was das wirft eine wichtige Frage auf.
- 7:39Warum können wir moralische Verantwortung oft weltweit
- 7:42formulieren? Agieren aber im Inland bei
- 7:45psychischer Not und sucht oft so kalt und langsam.
- 7:49Die Schließung solcher Spezialkliniken ist das bittere
- 7:52Resultat eines zynischen Zuständigkeits Ping Pongs.
- 7:56Ein zuständigkeits Ping pong. Ja.
- 7:59Rentenversicherungen, Krankenkassen und staatliche
- 8:02Ministerien schieben sich die Verantwortung für die
- 8:04Finanzierung gegenseitig wie ne heiße Kartoffel zu.
- 8:08Niemand ist bereit, die gestiegenen Kosten für
- 8:10qualifiziertes Personal oder Energie dauerhaft zu übernehmen.
- 8:15Wahnsinn. Die Klinik wird vom System wie
- 8:17ein x beliebiges Wirtschaftsunternehmen
- 8:19behandelt, das eben Pech hat, wenn es rote Zahlen schreibt und
- 8:23nicht wie ein unverzichtbarer Bestandteil der staatlichen
- 8:26Daseinsvorsorge. Der Staat entzieht sich hier
- 8:30elegant der Verantwortung, indem er einfach auf die autonome
- 8:33Zuständigkeit der Krankenkassen verweist.
- 8:36Denn dieses Versagen passiert ausgerechnet jetzt, in einer
- 8:40Zeit, in der sich die tatsächliche Gefahr auf dem
- 8:42Drogenmarkt so drastisch verschärft hat wie vermutlich
- 8:46seit Jahrzehnten nicht mehr. Oh ja, die Lage ist dramatisch.
- 8:49Wenn Eltern heute Angst um ihre Kinder haben, geht es eben nicht
- 8:53mehr nur um das klassische heimliche Rauchen hinter der
- 8:56Schulturnhalle. Die Warnungen der europäischen
- 8:59Drogenagentur der Juda, die Gabriel zitiert, lesen sich wie
- 9:03ein toxikologischer Albtraum. Das stimmt leider.
- 9:06Da fallen Begriffe wie synthetische Opioide.
- 9:10Ganz speziell sogenannte Nitazene.
- 9:13Ich hab in unseren Notizen gelesen, dass diese Stoffe in
- 9:15Laboren hergestellte Designerdrogen sind und
- 9:18teilweise hundertfach stärker wirken als Fentanöl.
- 9:22Richtig, aber wie genau gelangen die so unbemerkt auf den
- 9:25europäischen Markt? Das perfide an diesen Nitazenen
- 9:29ist ihre extreme Wirkpotenz bei gleichzeitig winziger Masse.
- 9:33Für illegale Drogenkartelle sind Sie ein absoluter logistischer
- 9:37Traum. Weil sie so klein sind.
- 9:38Genau. Man muss keine riesigen,
- 9:40auffälligen Opiumfelder mehr anbauen und ernten, sondern
- 9:44benötigt nur noch ein kleines, verstecktes Labor irgendwo auf
- 9:47der Welt, weil diese Substanzen derart stark sind, werden sie
- 9:51von Dealern genutzt, um schwächere, gestreckte oder
- 9:54minderwertige Drogen extrem billig aufzuwerten.
- 9:58Oh Gott. Konsumenten kaufen dann
- 10:00vermeintlich Heroin, Kokain oder sogar gefälschte Medikamente wie
- 10:05Benzodiazepine auf dem Schwarzmarkt und wissen
- 10:08überhaupt nicht, dass Netacene beigemischt sind.
- 10:10Das. Ist ja wie russisches Roulette.
- 10:12Schlimmer. Der kleinste Fehler beim Mischen
- 10:15im Hinterhof, ein Bruchteil eines Milligramms zu viel, führt
- 10:19beim Konsumenten unweigerlich zu einer tödlichen Atemdepression.
- 10:23Wenn man diese Dynamik versteht, begreift man erst richtig, warum
- 10:27Gabriels Kampf für Harm Reduction so unfassbar
- 10:30essentiell ist. Wenn ich das mal so für mich
- 10:32übersetzen darf, das ist ja im Grunde so, als würde man
- 10:35akzeptieren, dass das Haus bereits lichterloh brennt und
- 10:39anstatt den Leuten, die noch panisch im brennenden Haus
- 10:42stehen, einen strengen Vortrag über präventiven Brandschutz zu
- 10:45halten, drückt man ihnen einen Feuerlöscher und eine nasse
- 10:49Decke in die Hand, damit sie zumindest diese eine Nacht
- 10:51überleben. Ein sehr anschauliches Bild.
- 10:53Ja, Harm reduction ist nichts anderes als Pragmatismus in der
- 10:57Krise. Eine tote Person kann keine
- 10:59Therapie mehr antreten eben. Es geht primär darum, durch
- 11:03Maßnahmen wie Drug Checking, also das chemische Testen der
- 11:06auf dem Schwarzmarkt gekauften Substanzen, auf
- 11:08lebensgefährliche Beimischung, die akute Lebensgefahr
- 11:12abzuwenden. Man hält die Menschen am Leben
- 11:14und stabilisiert sie gesundheitlich, bis sie
- 11:17psychisch und physisch überhaupt erst in der Lage sind, sich
- 11:20professionelle Hilfe für einen dauerhaften Entzug zu suchen.
- 11:23Jetzt gibt es bei all diesen Themen also offene Drogenszenen
- 11:26an Bahnhöfen, Beschaffungskriminalität und
- 11:28Verwahrlosung, ja auch immer wieder laute Stimmen, die sehr
- 11:32schnell einen direkten Zusammenhang zur
- 11:34Migrationspolitik. Ziehen?
- 11:35Ja, das hört man oft. Da wird oft pauschal behauptet,
- 11:38offene Grenzen seien Schuld an der Suchtmisere.
- 11:41Wie positioniert sich Gabriel denn dazu in seinem Text?
- 11:43Gabriel zieht hier eine extrem klare und wichtige Linie, und
- 11:47zwar rein faktenbasiert. Er sagt deutlich, sucht, hat
- 11:51keine Herkunft, OK, natürlich werden internationale
- 11:54Lieferketten von organisierter Kriminalität gesteuert, was die
- 11:57globale Verfügbarkeit von extrem gefährlichen Substanzen massiv
- 12:00erhöht, das ist ein sicherheitspolitisches Faktum.
- 12:03Aber die Wurzel der individuellen Sucht, der Grund,
- 12:06warum ein Mensch in Deutschland überhaupt erst in die
- 12:08Abhängigkeit abrutscht, liegt ganz woanders.
- 12:11Nämlich. Sucht entsteht durch tiefe
- 12:13psychische Not, durch erdrückenden sozialen Druck,
- 12:16durch Traumata und eben durch das Fehlen von frühzeitiger
- 12:19Prävention und Hilfe vor Ort. Wer das extrem komplexe
- 12:23Krankheitsbild der Sucht pauschal mit Migration
- 12:25gleichsetzt, betreibt im besten Fall politische Ablenkung und im
- 12:29schlimmsten Fall bewusste Spaltung.
- 12:31Es löst kein einziges reales Problem auf der Straße.
- 12:34Ich verstehe die Logik dahinter vollkommen.
- 12:37Hier wird es jetzt wirklich interessant.
- 12:39Lass uns mal die häufigsten Fragen durchgehen, so als ob uns
- 12:42gerade ein Freund gegenüber sitzt und kritisch nachhakt.
- 12:44Gute Idee. Also erste Frage.
- 12:48Ist das, was Gabriel schreibt, eigentlich gegen das Christentum
- 12:51oder die CDU gerichtet? Nein, im Gegenteil.
- 12:55Er nimmt die christlichen Werte tief ernst und fordert, dass
- 12:58eine Politik, die sich so nennt, sich an Barmherzigkeit und
- 13:01konkreter Hilfe messen lassen muss, statt nur Ordnungspolitik
- 13:04zu betreiben. OK, das macht Sinn, aber zweite
- 13:07Frage, da muss ich kurz den Advocatus Diaboli spielen.
- 13:11Verharmlost man durch Harm Reduction und diese Kritik an
- 13:14verboten nicht den Drogenkonsum, ich meine macht der Staat es
- 13:17nicht. Einfacher, bequemer, sich selbst
- 13:19zu zerstören. Absolut nicht.
- 13:21Diese Einwand ist extrem verbreitet, beruht aber auf
- 13:24einer moralischen Intuition, nicht auf Fakten.
- 13:26Drogen sind extrem gefährlich, aber genau deshalb rettet echte
- 13:30Prävention Drug Checking und Therapieplätze leben, eine reine
- 13:35Bestrafung noch die suchten mal heimlicher und gefährlicher.
- 13:38Wer tief in einer Abhängigkeit steckt, konsumiert ohnehin ohne
- 13:42Harm Reduction konsumieren die Menschen mit schmutzigen Nadeln
- 13:46in dunklen Unterführungen. Harm Reduction erkennt
- 13:48schonungslos an, wie lebensbedrohlich Drogen sind und
- 13:52zieht die lebensrettenden Konsequenzen.
- 13:54Und genau aus dieser Frustration heraus, dass die Politik da oft
- 13:58versagt, hat Gabriel ja einen 7 Punkte Plan formuliert.
- 14:01Richtig. Und diese Antworten, die wir
- 14:03gerade besprochen haben, greifen nahtlos in diesen Plan.
- 14:07Wir hatten ja schon die Zweckbindung von Steuern, die
- 14:09Rettung von Spezialkliniken und Drugchecking.
- 14:12Aber. Aber ein Punkt sticht für mich
- 14:14besonders heraus. Die Einbindung von Angehörigen.
- 14:17Ja, extrem wichtig. Angehörige sind oft die
- 14:20unsichtbaren, stummen Patienten in unserem System.
- 14:24Wenn ein Mensch in die Sucht abrutscht, erkrankt fast immer
- 14:27das gesamte familiäre Umfeld mit.
- 14:29Stimmt die Eltern, Partner, Kinder?
- 14:32Genau, sie reiben sich völlig auf und werden vom regulären
- 14:35Gesundheitssystem dennoch fast komplett allein gelassen, weil
- 14:38sie ja offiziell nicht die Kranken sind.
- 14:41Gabriel fordert vehement, diese Menschen mit gezielten
- 14:43therapeutischen Ressourcen zu unterstützen.
- 14:46Was mich an all dem am meisten berührt hat, wenn wir das mal
- 14:49mit dem großen Ganzen verbinden, ist der radikale Wandel vom
- 14:53reinen Protest zur aktiven Lösung, weil der Staat so
- 14:56unendlich langsam ist, hat Gabriel mit seiner Community
- 15:00beschlossen, selbst zu handeln. Ein absoluter Wendepunkt.
- 15:03Ja. Seit dem 1.
- 15:05April dieses Jahres hat sich auf Anonym-suchthilfe.de massiv
- 15:10etwas verändert. Es ist nicht länger nur ein Blog
- 15:12zum Lesen. Es ist ein faszinierendes
- 15:14Fallbeispiel dafür, wie Betroffene das immense Vakuum
- 15:17füllen, das der Staat hinterlassen hat.
- 15:19Sie haben eine digitale Infrastruktur für Harm Reduction
- 15:22aufgebaut. Und wie.
- 15:24Es ist jetzt ein massiver, hochgradig interaktiver Safe
- 15:28Space geworden. Lass uns mal auf die neuen Tools
- 15:30schauen, da gibt es jetzt ein zu 100% geschütztes Forum für
- 15:35echten unzensierten Austausch. Man kann dort aussprechen, wie
- 15:40unfassbar dunkel die eigenen Gedanken gerade sind, ohne
- 15:43moralische Zeigefinger befürchten zu müssen.
- 15:45Und sie bieten dort jetzt gezielte kostenlose Coaching
- 15:48Angebote an, explizit auch für Angehörige.
- 15:51Aber der technologisch faszinierendste Aspekt dieser
- 15:55neuen Plattform sind die 8 brandneuen, hochspezialisierten
- 15:59KI Assistenten. Oh ja, das fand ich.
- 16:01Krass. Das mag auf den ersten Blick
- 16:03irritieren. KI in der Suchthilfe.
- 16:07Aber psychologisch ist das ein extrem cleverer Schachzug.
- 16:10Erklär das bitte mal. Warum sollte ich mich in einer
- 16:13existenziellen Krise an einen Chatbot wenden, statt an einen
- 16:16echten Menschen? Das Schlüsselwort hier ist
- 16:19schamlosigkeit okay stell dir vor, ein Betroffener steht
- 16:23mitten in der Nacht um 03:00 Uhr morgens kurz vor einem schweren
- 16:26Rückwall, der Körper zittert. Eine Hotline anzurufen bedeutet,
- 16:30sich offenbaren zu müssen, die Angst, verurteilt zu werden, ist
- 16:33gigantisch. Ja, das kostet Überwindung.
- 16:36Einer Maschine gegenüber entfällt diese soziale Barriere
- 16:39komplett. Die KI verurteilt nicht, sie
- 16:41seufzt nicht genervt am Telefon, sie bietet sofort unzensierten
- 16:44Support ohne moralischen Druck. Das heißt, Diese KI greift exakt
- 16:49dann ein, wenn dieses soziale Funkloch am tiefsten ist.
- 16:52Ich hab mir das angesehen. Die KIS helfen bei Akutkrisen
- 16:55sogar mit konkreten Atemübungen wie der 478 Technik für alle,
- 17:00die das nicht kennen. Man atmet 4 Sekunden ein, hält 7
- 17:04Sekunden die Luft an und atmet 8 Sekunden langsam aus, das Holt
- 17:08die Menschen aus der absoluten Panikspirale zurück ins hier und
- 17:11jetzt. Exakt eine jederzeit verfügbare
- 17:14Brücke zurück in die Realität. Und danach fällt der Schritt ins
- 17:17Forum zu echten Menschen oft viel leichter.
- 17:20Wir haben also einen Ort geschaffen, an dem niemand mehr
- 17:24allein gelassen wird. Ein echtes Zuhause für Harm
- 17:27reduction. Genau das ist.
- 17:29Es, womit sich der Kreis zu unserem Anfang schließt,
- 17:31Pfingsten sucht, nimmt die Sprache, aber echte Hilfe, wie
- 17:35diese neue Community gibt sie zurück.
- 17:38Strafen lösen keine psychischen Probleme, Gemeinschaft hingegen
- 17:41schon, also was bedeutet das alles?
- 17:44Das ist der Punkt, über den wir alle nachdenken sollten.
- 17:47Wie gehen wir in unserem ganz persönlichen Alltag mit Menschen
- 17:50um, die augenscheinlich die Kontrolle verloren haben?
- 17:53Am Bahnhof auf der Straße wenden wir uns ab aus Scham oder
- 17:58versuchen wir zumindest ein Minimum dieser Verbindung, von
- 18:00der Pfingsten spricht, aufrechtzuerhalten.
- 18:03Ein unglaublich starker Gedanke. Und wenn du, der uns jetzt
- 18:07gerade zuhört, echte Hilfe suchst, Fragen hast oder dich
- 18:10einfach sicher austauschen willst, komm auf
- 18:13Anonym-suchthilfe.de und werde Teil unserer neuen Community.
- 18:17Dort bist du sicher. Ein wirklich wichtiger Aufruf.
- 18:20Und ich möchte dieses heutige Gespräch mit Gabriels starkem
- 18:23Leitgedanken beenden, der das alles zusammenfasst aus allem
- 18:27schlechten im Leben etwas Gutes machen.
- 18:29Danke, dass du dir heute die Zeit genommen hast.
- 18:31Pass gut auf dich auf.