Latest / Spirit Mind Energy – Dein Universum für moderne Spiritualität | Gespräche mit Petra Baum / 033 Tarot in der Literatur - Folge 11: Der Sandmann | mit Tino Wiesinger
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- Petra Baum: Hallo zusammen. Heute widmen sich Tino und ich in unserer Reihe Tarone Literatur, einem ganz anderen Werk und zwar einem Schlüsselwerk der schwarzen Romantik, der Sandmann von E.T.A. Hoffmann. Eine Erzählung, die bis heute verstört, fasziniert und immer wieder neu interpretiert wird. Sie ist eine Geschichte über Wahnsinn, über Wahrnehmung und ⁓ vor allem die gefährliche Macht der inneren Bilder. E.T.A. Hoffmann wurde 1776 in Königsberg geboren, heutigen Kaliningrad. Er war Jurist, Komponist, Zeichner und Schrittsteller zugleich. Ein echtes Multitalent der Romantik. Der Sandmann erschien 1816 als Teil der Nachtstücke und gilt als eines seiner bekanntesten Werke und einflussreichsten dazu. Die Erzählung beeinflussten nämlich nicht nur die Literatur, sondern auch die Psychologie und die Philosophie. Sigmund Freud griff sich später in seinem Essay das Unheimliche auf. Ein kurzer Blick auf den Menschenhoffmann. Sein Leben war geprägt von inneren Spannungen zwischen bürgerlichem Beruf und künstlerischem Drang. Er fühlte sich häufig missverstanden, litt unter Alkoholproblemen und gesundheitlichen Beschwerden. Er besaß jedoch scharfe Beobachtungsgabe für seelische Abgründe. Genau diese Zarissenheit spiegelt sich auch in seinen Figuren wider. Hoffmann war verheiratet und starb 1822 im Alter von nur 46 Jahren in Berlin. Und kleiner Fun-Fact, geboren wurde er als Ernst Theodor Wilhelm Hoffmann. Aus großer Verehrung zu Amadeus Mozart ersetzte er später den Namen Wilhelm durch Amadeus. und wurde somit zu ETA Hoffmann. So, nach dieser kleinen Einleitung tauchen wir jetzt wieder ein in diese sehr andere, sehr dunkle Geschichte und beschäftigen uns mit den Tarot Archetypen und ich sage nur Tino, it's up to you. Tino Wiesinger: Woran denkt ihr, wenn ihr an den Sandmann denkt? Die meisten werden wahrscheinlich bei dem Wort Sandmann an das typische DDR-Sandmännchen denken. Also zumindest ich aus meiner Generation, ich habe früher immer das Sandmännchen geguckt und zwar immer natürlich das DDR-Sandmännchen. Das war natürlich viel lieber und viel schöner auch als das Sandmännchen aus dem westlichen Teil des Deutschlands. das DDR-Sandmännchen, das hat mich meine ganze Kindheit über begleitet. Aber dieses Sandmännchen, es sagt schon diese Verniedlichungsform, ist eigentlich nur eine reine Romantisierung im Prinzip des Sandmanns, der in der Zeit der Romantik eine ganz zentrale Rolle gespielt hat. Man hat den Sandmann nämlich eigentlich benutzt, ⁓ Kinder zum Schlafen zu bringen, ⁓ sie zu erziehen. Und zwar nicht auf eine so nette Art und Weise, sondern auf eine Art und Weise, die den Kindern auch schon ziemlich Angst gemacht hat. Denn man hat den Kindern erzählt, wenn du nicht die Augen zu machst, dann kommt nämlich irgendwann Der Sandmann in der Nacht und der sticht hier dann die Augen aus und wirft die Augen dem Geier zum Fraß vor. Und... ...kindgerechte Erzählung, ähnlich wie... Also ich meine, das kennst du wahrscheinlich auch, der Strufelpeter sagt dir wahrscheinlich auch was. So die Idee, oder hier, wenn du am Daumen lutschst, dann kommt der Schneider mit der Schere und schneidet dir die Daumen ab. Auch eine sehr verstörende... Petra Baum: wirklich kindgerecht. man schon mal festhalten. Tino Wiesinger: Erziehungsmethode für Kinder. Man hat den Kindern nicht mal erzählt. So und dieses Märchen vom Sandmann, das erzählt man auch Nathaniel, unserem Protagonisten. Und offenbar glaubt Nathaniel, dass es diesen Sandmann wirklich gibt. Denn eines Abends hört er Schritte und er hört auch Stimmen. Petra Baum: In vielen Märchen, ja. Tino Wiesinger: Und er glaubt dann auch, er versteckt sich, ich glaube, in einem Wandschrank oder hinter einem Vorhang und dann sieht er diesen vermeintlichen Sandmann. und er hört auch eine Explosion und dann kommt er hervor und der Vater liegt da tot am Boden. hat eine Explosion gegeben, der Vater stirbt und das bringt er mit diesem seltsamen Mann, den er da gesehen hat und mit dem er auch zusammen schon, also den er auch kennt. ist öfter auch bei der Familie zu Besuch, nämlich der Coppelius. der öfter beim Vater dann zu Besuch ist, der ist dann beim Abendessen da und die machen gemeinsam irgendwelche komischen Experimente. Und als der Vater da stirbt, ist dieser Kopelius auch irgendwie beteiligt. ja, verbindet, dieser Nathaniel verbindet die Figur des Sandmanns mit diesem Kopelius, den er eigentlich schon von Anfang an gar nicht mag. Er findet es auch eklig, ihr findet ihn eklig. Er mag es nicht, wenn Kupelius das Essen berührt, was er dann später essen muss. da ist er, er mag ihn überhaupt nicht. Und dann kommt eben dieses dramatische Erlebnis mit dem Vater, der stirbt und ja, Kupelius und der Sandmann verschwinden. Kupelius ist ja für Nathaniel der Sandmann. Einige Jahre später, er ist dann schon Student. schlopft es an seiner Tür. und es steht ein Wetterglashändler vor seiner Tür, der sich Coppola nennt. Der Leser merkt hier schon, ⁓ Coppola, Coppelius, da steckt auch das lateinische Wort verauge drin und Wettergläser, dieser Coppola, dieser Wetterglashändler verkauft auch Brillen, so, solche Gläser. Brillen und natürlich denkt Nathan er, der Sandmann ist wieder da und er will mir jetzt an den Kragen und er kriegt wirklich Angst und er hat richtig Panik und er erzählt das seiner Verlobten Clara und diese Clara, da kommen wir gleich noch zu, ja die Petra Baum: Ich eben sagen, wir brauchen ja noch eine Karte. Tino Wiesinger: wird dann auf eine spezielle Art und Weise reagieren. Aber wenn man sich jetzt hier anschaut, was Nathan er durchmacht. Er muss sozusagen ein Kindheitstrauma, was schon allein durch diese Erzählung vom Sandmann ausgelöst wird, muss er verarbeiten. Eigentlich muss er jetzt die Möglichkeit haben, darüber reden zu können und dieses Trauma wirklich auch nochmal durchleben. Und da denkt man natürlich sofort an die Karte der Mond. Für mich ist nämlich der Mond die Karte. Man geht aus seiner Komfortzone raus und begibt sich auch mal in Gefahren, ⁓ dann am Ende einen Schritt weiterzukommen auf der Heldenreise. Und das macht Nathaniel sowieso schon als Kind, wenn er dann seine Kammer, sein Bettchen verlässt und dann überhaupt Guckt wer da draußen ist, wenn Koppelguster zu Besuch ist und versucht diesen Sandmann da zu finden. Das macht er da schon, aber er muss es dann später eigentlich auch machen, wenn er dieses Trauma vom Tod seines Vaters verarbeiten muss. Petra Baum: sich auch den engsten Stellen oder den noch nicht absehbaren. Tino Wiesinger: Ja, aber die Möglichkeit hat er nicht. Er hat nicht die Möglichkeit, so sehr seinen Ängsten zu stellen. Er schreibt von dem Erlebnis zunächst erstmal, er schreibt Briefe. Und zwar einerseits an Clara, seine Verlobte, aber auch an seinen besten Freund. Aber die Reaktion fällt nicht wie erwünscht aus. Er kriegt wenig Verständnis. Keiner hört ihm so richtig zu, sondern jeder denkt, naja, dieser Coppola, das ist nicht der Sandmann. Das kann ja gar nicht sein. Der Sandmann existiert doch gar nicht. Und der Coppelius, selbst wenn das, selbst das kann nicht Coppola sein. Coppola hat auch so ganz seltsamen Dialekt oder Akzent. hat so einen piemontäseischen Akzent und ein bisschen Italienisch. Das hatte Coupelius nicht und er wird, ja, also sowohl sein bester Freund als auch Clara, seine Verlobte, versuchen ihn da zu beruhigen. Und Clara, da steckt auch schon das Wort Klarheit drin. Klare Gedanken, das fordert sie auch von Natanael. Und ich meine, Clara wirkt am Anfang auch erst mal relativ sympathisch, denn sie sagt nicht Ja, das ist alles Schwachsinn, was du mir hier schreibst, deine Ängste vom Sandmann, was soll das überhaupt? Sondern sie geht sogar zum Apotheker und lässt sich vom Apotheker beraten, wie so eine Explosion zustande kommen kann, ob da was da im Spiel gewesen ist, wie dieser Vater gestorben ist. lässt sich da wirklich klar auch beraten. Und man denkt, ja, okay, sie möchte halt wirklich Klarheit in die Dinge... Woran denkt man? An welche Karte? Wenn man das Wort Klarheit hört. Ich zumindest denke an die Königin der Schwerter. Die ist nämlich sehr klar in ihren Gedanken und in ihren Forderungen auch, was sie von ihrem Gegenüber fordert. Und das fordert eigentlich Clara auch von Natanael. Denk einfach nicht mehr an die Sachen. sei heiter, sagt sie die ganze Zeit, sie sagt, heiter, dann gibt sich das Ganze schon. Aber ich finde, Clara ist nicht einfach nur die reife Königin. Man muss sich überlegen, wie alt ist Clara? Clara ist auch noch, ist ja wie gesagt, die Verlobte von Nathanael. Nathanael ist Student, also gehen wir mal davon aus, dass Clara auch noch nicht wirklich sehr alt ist und auch noch, also Ich bin ehrlich, mich nervt diese Clara ziemlich. Denn es gibt eine Szene in der Erzählung. Clara bereitet das Frühstück vor, kocht Kaffee und Nathaniel liest ihr ein selbst verfasstes Gedicht vor. Und dieses Gedicht geht schon sehr in die Tiefe. Also es ist schon sehr, auch sehr dramatisch und traurig. Und Clara sagt so was wie, also entweder ich sollte ja den Kaffee kochen oder du liest mir das Gedicht vor. Ich habe eigentlich gar keinen Bock mir dieses Gedicht hier anzuhören. Außerdem ist es viel zu dramatisch und das will ich auch gar nicht hören. Hör auf mit dem Mist, so ähnlich drückt es sich aus. Und das ist für mich eigentlich mehr der Page der Schwerter. Also der, der, also ich finde hier auf der Karte sieht er noch sehr verträumt aus. Für mich ist der Pase der Schwerte auch manchmal ziemlich, ja, wie so ein Jugendlicher, der einfach alles schlecht findet, was so ⁓ ihn herum passiert und auch nur eine Meinung hat und gar nicht zulässt, irgendwelche anderen Sichtweisen oft gar nicht zulässt. sehr radikal manchmal in seinen Gedanken. das ist Clara hier. Und Nathaniel ist verständlicherweise beleidigt und geht dann beleidigt in sein Zimmer. Ich weiß nicht, was er da macht. Wahrscheinlich weinte er erstmal eine Runde. ist nämlich ein sehr sensibles Kerlchen. Ich habe immer so den Eindruck, wenn ich die Erzählung lese, ich will ihn die ganze Zeit im Arm, also in den Arm nehmen und will sagen, komm, es wird alles gut. keine Angst, wir kriegen das zusammen hin. Aber das macht Clara nicht. ist einfach so, ja, denkt doch einfach nur nicht dran. Also sehr radikal finde ich. So, wir wissen, Nathaniel hat Angst. Nathaniel hat Angst vor diesem Kopula, vor dem er glaubt, dass er Kopelius ist und jetzt ihm an den Kragen will. Er glaubt, dass Coupelius ein falsches Spiel mit ihm spielt. Irgendwie ist da auch immer eine Verbindung mit dem Thema mit den Augen. Man muss nämlich wissen, der Vater, den er da auf dem Boden hat liegen sehen, der hat keine Augen, die Augen sind weg. So sieht er das, so erinnert er das zumindest. Wahnsinnige Angst, dass auch dieser Kopula an seine Augen will. Denn der Kopula tritt dann später nochmal auf, er kommt ihn nochmal besuchen und dann sagt er solche Sachen wie Sköne Oke, Sköne Oke, also schöne Augen, schöne Augen mit seinem piemontesischen Dialekt. Und das macht Nathaniel völlig wahnsinnig. Er dreht dann richtig durch. Er kann gar nicht mehr klar denken, weil er auch vor Angst im Prinzip, kann er nicht mehr klar denken. Und für mich ist dieser Coppola, oder wir wissen es nicht, bleibt fast eigentlich bis zum Ende der Erzählung, bleibt es offen, ob Coppelius jetzt wirklich Coppola ist oder Coppola Coppelius ist. Es wird nicht aufgeklärt, denn er spielt irgendwie scheinbar ein falsches Spiel. Für mich ist er die Schattenseite des Magiers, dieser Coppola oder Coppelius. der nämlich die Leute manipuliert oder der Nathaniel manipuliert. Das ist die eine Seite. Jetzt gibt es nicht nur diesen Coppola und Coppelius, die Nathaniel völlig wahnsinnig machen. Es gibt noch diesen Professor Spallanzani. Das ist der Professor von Nathaniel und Ja, der bastelt offenbar schon die ganze Zeit an so einer seltsamen Angelegenheit. Und keiner weiß wirklich, was da so passiert, woran er arbeitet. Er ist ein Physikprofessor. Nathane El studiert Physik und Spalazani ist der Physikprofessor. Und eines Tages passiert jetzt ganz zufällig rein zufällig Folgendes. Die Wohnung von Nathaniel brennt ab. Und Nathaniel ist zu dem Zeitpunkt nicht da. Das heißt, er sieht es nicht mit eigenen Augen, wie seine Wohnung abbrennt und warum überhaupt. Aber er kommt dann irgendwann wieder und ihm wird gesagt, die Wohnung ist abgebrannt und muss umziehen. Und ganz zufällig zieht er in die Wohnung oder in so ein kleine Studentenbude direkt neben der Wohnung von Spallanzani. Und er kann so in das Fenster hineingucken und er sieht die Tochter Spallanzanis, wie sie immer auf einem Stuhl sitzt und immer ganz nett aussieht. Aber irgendwie sind die Augen so leer. Trotzdem findet er diese Tochter irgendwie hübsch anziehend. Und eines Tages wird ein Ball veranstaltet. Spallanzani veranstaltet einen Ball und zu diesem Ball wird auch Nathaniel eingeladen. Und was soll auf diesem Ball passieren? Spallanzani möchte seine Tochter präsentieren. Naja, man so sehen oder so. was heißt man, will seine Tochter präsentieren? Man könnte jetzt denken, ⁓ da ist ein... eine Dame, die potenziell eine gute Partie für mich sein könnte. Es geht vielleicht wieder ⁓ eine Ehe. Man weiß es nicht. Und Nathaniel kommt auf diesen Ball und sieht dann tatsächlich, wie die Tochter Spallanzanis, die heißt Olympia, vorgestellt wird. Und sie kann super schön singen. Sie singt sehr, sehr schön. Ohne Fehler, völlig ohne Makel. Auch rein äußerlich ist sie ohne Makel, aber irgendwie schon ziemlich mechanisch. Also es wirkt nicht so sehr natürlich. Das sieht aber Natania nicht, weil sie sich in diese Schönheit Olympia verliebt und in diesen schönen Gesang. Er verliebt sich in sie. Und ja. Er weiß aber gar nicht, was ist das eigentlich wirklich für eine Person. Denn er weiß nur auch die Tochter von Spallanzani und die sieht super toll aus. Und die will er. Und er kommt sogar mit ihr ins Gespräch. Das Einzige, was Olympia sagen kann, ist ach ach. Wer sagt sie nicht? Sie sagten immer nur ach ach. Und das ist für Natanel toll. weil er kann, endlich mal jemanden, der ihm wirklich zuhört, die selber nichts sagt, die aber zuhört und selber keines ihrer Geheimnisse preisgibt. Und an welche Karte denken wir da? Natürlich an die Hochpriesterin, die ihren Schleier noch verschlossen hält, die vielleicht ganz viel Inneres in sich trägt, aber es eben noch nicht nach außen zeigt. Und auch für Natanael ist sie so ein kleines Geheimnis und das findet er toll anziehend. Eigentlich ist sie für ihn die ideale Frau. Sie widerspricht nicht, so wie Clara. Sie hört ihm zu und das findet er toll. Jetzt stellt sich aber ziemlich schnell heraus, naja, so einfach ist es mit der Hohepresterin hier nicht. eines Tages möchte Natanael wieder Olympia besuchen kommen und er nimmt sie in den Arm. glaube, er tanzt sogar mit ihr. Und diese Olympia fällt einfach in sich zusammen. Sie fällt auseinander im wahrsten Sinne des Wortes. Und es stellt sich raus, für den Leser ist es klar und für alle anderen Figuren in der Erzählung auch, das ist nur eine Puppe. Es ist nur eine Art Roboter und gar kein richtiger Mensch. Alle scheinen das zu wissen und Natanael kriegt das irgendwie nicht mit in seiner Naivität. Weiß ich nicht. Es ist für ihn, glaube ich, Realität, was da passiert. Und für ihn ist Olympia jetzt tot. Sie ist weg, Olympia ist weg. Die Person, der noch alles anvertrauen konnte und die ihm wirklich, wo er das Gefühl hat, die liebt er wirklich. Dabei ist es völlig egal, ob er da Clara betrügt. Also... Es ist ja im Prinzip auch mehr oder weniger so ein Betrug, aber letztendlich stellt sich ja sowieso heraus, dass Olympia nur eine Puppe ist. Petra Baum: Das gibt ja auch noch mal den Bezug auf den Anfang, zu sagen, dieses Buch ist ja ganz sehr die eigene Wahrnehmung und die Macht der inneren Bilder. Und damit verschwimmt ja das Thema, was ist real und was ist überhaupt Realität und für wen ist was real? Unglaublich. Lässt einen ja so bisschen verstört zurück. Tino Wiesinger: Wir sind bei der Mystik des Mondes wieder. Also der Mond, der zwar so mild leuchten kann, aber nicht wirklich klar den Weg erhält. Und auch für den Leser ist es eher so eine Innenwelt, dass der Leser sich innen... Ja, wir wissen es nicht. Ich habe für mich so einen Weg gefunden, dass ich denke, ich muss mich hier auf die Seite von Nathaniel stellen, weil der mir so leid tut und weil ich den so mag. Petra Baum: Es bleibt die Dunkelheit da drüben. Tino Wiesinger: Aber auch immer, wenn ich den Sandmann, wir lesen ihn auch oft im Deutschunterricht, wenn ich dann die sehr rationalen Schüler oftmals frage, sagen, Nathaniel, spinnt doch. Der ist einfach, der hat einen Trauma und das wird nicht richtig verarbeitet. Deswegen wird er wahnsinnig. Vielleicht sind aber auch die anderen wahnsinnig, man weiß es nicht. Die Hohe Priesterin spielt hier nicht nur als Olympian eine Rolle, sondern es ist ein generellen Geheimnis. Vielleicht sind auch die anderen wahnsinnig und vielleicht wurde bewusst die Wohnung von Nathaniel angesteckt, damit er ganz bewusst in diese Nähe von Olympia zieht. das ist vielleicht gar kein Zufall. meine, wir hier im Tarot-Kontext. Wir wissen, Zufälle gibt es so nicht. Petra Baum: der eigenen inneren Wahrnehmung. Tino Wiesinger: Ja, und deswegen, jetzt wo er sieht, dass Olympia kaputt ist, sag ich mal so, wird er wahnsinnig, aber es gibt noch Hoffnung. Er wird völlig neben der Spur. Und dann kommt jetzt wieder Clara ins Spiel und die Familie von Natanael und sie sagen, mein Gott, ja. Ruh dich einfach mal nur vier Wochen aus, das wird schon wieder. Und es scheint auch alles dann gut zu sein. Ja, seine Psyche scheint wieder so ein bisschen ins Lot zu kommen. Und es soll sogar jetzt endlich zur Hochzeit zwischen Clara und Nathaniel kommen. Aber dann passiert Folgendes. Kurz vor der Hochzeit gehen sie nochmal auf einen Kirchturm. auf diesem Kirchturm. Petra Baum: Du betont das schon so schön. Tino Wiesinger: Ich beobachte das nicht ganz bewusst schon so. Schauen Sie durch ein Fernglas, oder ein Fernrohr, übrigens ein Fernrohr, was Nathaniel von Coppola abgekauft hat vor einigen Monaten, Wochen. Und was erblickt Nathaniel? Erblickt einen Busch, der irgendwie so grau aussieht und der ihn sofort an Coppelius erinnert. und dann dreht Nathaniel komplett durch, weil er jetzt denkt, er hat Kopelius erblickt. Er schmeißt sich vom Turm. Und wenn du jetzt die Karte zeigst, ist genau das da, da geschehen. Das könnte wirklich eine Szene aus dem Sandmann sein. Nathaniel, wie er da gerade vom Turm springt. Aus, ja, vollem Petra Baum: Dann ist diese Karte für ihn gemalt. Es passt ja auch an dieser Düsterheit der Bilder natürlich unglaublich gut dazu. Tino Wiesinger: Wir sind absolut in der schwarzen Romantik jetzt gerade. Also das könnte wirklich für ihn gemalt sein, muss ich sagen. Und naja, wir interpretieren den Turm ja oft, es bricht alles zusammen und so, dass wieder was Neues entstehen kann. Aber Nathaniel, für den ist vorher ja im Prinzip schon innerlich sehr viel zusammengebrochen. Petra Baum: Ja, ja. Ja. Tino Wiesinger: Und dass er da jetzt vom Turm fällt, stürzt, springt, ist eigentlich eine logische Konsequenz. Weil es keinen gibt, der ihm zuhört. Dieses Thema Psychoanalyse und Psychologe und wir machen eine Psychotherapie oder eine Traumaverarbeitung, das spielt überhaupt keine Rolle. Da wird einfach gesagt, reiß dich zusammen, denk an was anderes, denk... schöne Sachen und dann ist schon alles wieder gut. Leb in der Realität und nicht in deiner Fantasie. Ja, so. Und was passiert? Ja, Nathaniel stirbt, klar. Und wer gewinnt? Das nervt mich ja ganz besonders. was mich an dieser Erzählung so was von nervt, es gewinnt Clara. Denn Clara wird einige Jahre später gesehen mit einem anderen Typen und ich glaube zwei oder drei kleinen Kindern. Das heißt, sie findet ihr Glück. Dieses aufgeklärte Glück, dieses rationale Glück, Kinder, Küche, Kirche sozusagen, das findet sie. Und Matheurel, der ihr wirklich mal ein bisschen Spiritualität geboten hätte, Magie geboten hätte, Fantasie geboten hätte, das schlägt sie ja im Prinzip aus. Und sie gewinnt. Die Aufklärung gewinnt vor der Romantik. Und ich glaube, wir, die wir hier auch tarot begeistert sind, spirituell veranlagt sind und sagen wir müssen doch spiritualität ins leben holen auch in dieses sehr aufgeklärte leben was wir jetzt aktuell ja auch leben also ich für meinen teil muss mich hier auf die seite von natana 11 stellen und habe für mich die interpretation das ist alles ein abgekartetes spiel vielleicht liebt ja klarer Nathaniel gar nicht und spielt damit dieses Spiel ⁓ Nathaniel da wirklich in den Wahnsinn zu treiben. Das ist die Frage, die wir uns stellen. Kommt das wirklich nur vom Inneren? Also ist das nur die innere Welt Nathaniels oder ist da vielleicht auch die Realität beteiligt, dass so sein gesamtes Umfeld da auch ein falsches Spiel mit ihm spielt, dass der Maria nicht nur Kopelius oder Coppola ist, sondern die gesamte Gesellschaft, hier manipuliert und ihn in den Wahnsinn treibt. meine, das Gefühl habe ich auch manchmal, dass die Gesellschaft mich manchmal so bisschen in den Wahnsinn treibt. Und dann muss man wieder, dann denke ich wieder an die Karte, an den Mond und denke mir, mein Gott, da muss ich durch, auch durch, ich muss manchmal meine Komfortzone verlassen, ⁓ dann einen Schritt weiterzukommen. Aber Nathaniel, der hat diese Möglichkeit nicht. Natanael heißt ja übrigens auch Geschenk Gottes. Das heißt, haben hier auch eine göttliche Natur auch da. Und ich finde immer, es kann im Prinzip doch nur schiefgehen, wenn wir das alles nur auf die Ratio beschränken und alles andere, was so übernatürlich ist, was sonst noch passiert, völlig aus unserem Leben rausnehmen müssen. Ich weiß nicht, also mein Ding ist es nicht. Ich kann nicht nur mit reiner Rationalität leben, so wie es vielleicht klarer kann. ja, das ist im Prinzip das, so wie ich den den Sandmann auch gelesen habe, in Verbindung mit Taro. Aber, liebe Petra, wir sind ja noch nicht ganz am Ende. Wie immer. Petra Baum: Bye! Tino Wiesinger: haben wir auch Karten gezogen und ich habe die sechs der Münzen gezogen. Und für mich sind diese Personen, die hier abgebildet sind, hier die beiden, die knienden, für mich Symbole für die Aufklärung und für die Romantik, beziehungsweise für Fantasie und Realität. Romantik, die Fantasie, Aufklärung, die Realität und die Ratio. Und es geht hier darum, Ausgleich zu schaffen im Leben. Nicht nur dem einen Vorrang vor dem anderen zu geben, sondern wirklich zu sagen, das ist für mich auch die Botschaft des gesamten Stückes, der gesamten Erzählung, zu sagen, ja, am Ende gewinnt zwar die Aufklärung, Clara gewinnt, aber Bevor es zu spät ist, lasst uns doch auch der Fantasie, der Spiritualität, inneren Wesenskern doch auch mal mehr Raum geben. Und dafür nicht passt die Karte sehr, gut. Petra Baum: Und ich habe die Königin der Kälche gezogen. Zugegebenermaßen hat sie am Anfang so ein Ups, wie passt du denn hier rein bei mir ausgelöst? Aber wir haben dann auch darüber gesprochen, haben gesagt, sehr wahrscheinlich ist es genau der Part, der Clara eigentlich gefehlt hat. Neben der im Namen enthaltenen und in der Handlung gezeigten Kühle und Klarheit auch den Herzensaspekt eigentlich reinzubringen und Nehmen wir es auch mal gleichzeitig als einen frommen Wunsch, der dich, Tino, ein wenig verträglicher gestimmt hätte mit dieser Figur. Tino Wiesinger: Ja, ein bisschen mehr Gefühl. Petra Baum: bisschen mehr Gefühl. Ja und damit sind wir am Ende vom Sandmann angekommen und von unserem heutigen Tarot Talk angekommen, Und ich glaube dieses Buch ist wirklich polarisierend und es kann da keine abschließende Betrachtung geben. Also von daher, wir freuen uns ja immer, wenn wir euch inspirieren. Wir freuen uns auch, wenn ihr es komplett kontrovers seht und Deswegen, wenn ihr ergänzende Meinungen habt, wenn ihr andere Meinungen habt, wenn ihr wichtige Aspekte habt, die ihr uns unbedingt mitteilen möchtet, tut dies. Wir freuen uns über eure Kommentare, über Anregungen. Wir freuen sehr über eure Likes und abonniert gerne den Kanal. Dann seid ihr auch in Zukunft immer informiert, wenn es wieder heißt, tarot in der Literatur und wann der nächste stattfindet. In dem Sinne wünschen wir euch einen schönen Tag. Tino Wiesinger: Schönen Tag, bis später! Petra Baum: Tschüss.