Latest / Pod und die Welt – Das außenpolitische Update / Zwischen den Großmächten: Was bedeutet Trumps China-Politik für uns? (mit Thorsten Benner)
Transcript
- 0:00Wenn es zu einem Krieg zwischen den USA und China kommt, werden die Auswirkungen für uns.
- 0:06Wo dieser Krieg viel weiter weg ist, wirtschaftlich viel größer sein als die Auswirkungen von Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine.
- 0:14Herzlich willkommen zu einer neuen Folge von "Pod und die Welt", dem außenpolitischen Update, schön das Sie zu uns gefunden haben.
- 0:21Ich bin Katharina Peetz, freie Journalistin.
- 0:23Und ich bin Martin Bialecki, Chef-Redakteur der Zeitschaft Internationale Politik.
- 0:272025 ist nach den chinesischen Tierkreiszeichen das Jahr der Schlange.
- 0:32Die Schlange, so heißt es in Erneutungen, bringe viel Verständnis und Verantwortungsbewusstsein für ihre Mitmenschen auf und sie bestechte durch ihre Nachsichtigkeit.
- 0:41Wenn die Schlange einmal den richtigen Partner gefunden habe, dann blühe sie regelrecht auf und verführre.
- 0:48Wir wollen heute zwar über China sprechen, über Trumps Verhältnis zu Peking und über Deutschlands China-Politik, aber ob in diesem Zusammenhang dann Begriffe wie Nachsichtigkeit und Verantwortungsbewusstsein die richtigen sind, das gilt es noch rauszufinden.
- 1:02Ja, es geht eigentlich um Großmachtpolitik heute, um Einflussphären, um wirtschaftliche Abhängigkeiten und um Arbeitsplätze, um Menschenrechte und Technologien und um vieles mehr.
- 1:12Und unser Gast ist heute Thorsten Benner, er leitet den Berliner Think Tank GPPi und er analysiert und begleitet das Thema China-Politik seit vielen Jahren.
- 1:20Hallo Herr Benner, schön, dass Sie bei uns sind.
- 1:22Hallo, danke, dass ich zu Gast sein darf.
- 1:25Wir haben es gerade schon kurz gesagt, ja, wir wollen über die China-Politik unter Trump sprechen.
- 1:34Er ist seit Montag im Amt in diesen ersten Tagen, wenn wir auf China gucken, gibt es schon etwas, wo Sie sagen, dass es bemerkenswert, dass das passiert ist, dass er das getan hat oder vielleicht auch, dass er das nicht getan hat?
- 1:46Ja, auf jeden Fall.
- 1:47Und das bemerkenswerteste an der China-Politik Trump ist ja, wie bei allen seinen Politikern, dass das Spektrum der Möglichkeiten, wo das alles hinführen kann, größer ist als bei jedem anderen Präsidenten.
- 2:01Trump kann in die Richtung Trump der Dealmaker gehen und versuchen, den besten Deal, der ihn gut aussehen lässt, mit China zu verfolgen.
- 2:11Das hat er in der ersten Amtszeit auch teilweise getan.
- 2:14Oder er kann gemeinsame Sache mit denen, die eine sehr realistische und skeptische Sichtweise gegenüber Peking haben, die Peking als größten Rivalen und Sicherheitsrisiko für die Sicherheitswettbewerber der USA sehen.
- 2:29Viele von diesen sind jetzt auch Mitarbeiter in der Administration, sich mit denen sozusagen gemein machen und die schon sehr weitreichenden Technologiesankzonen und Maßnahmen gegenüber China, die schon die beiden Regierungen verfolgt hat, das nochmal verschärfen.
- 2:45Gestern schien es vor allen Dingen, der Trump der Dealmaker zu sein, der sozusagen die Amerikaner auch zufriedenstellen möchte, wenn man sich TikTok anschaut.
- 2:57Wenn man einfach das Gesetz nimmt, hätte TikTok quasi die Existenzberechtigung verloren als chinesisches Unternehmen in den USA mit dem Amtsantrett Trumps.
- 3:08Er hat aber gedacht, hm, das sieht schlecht aus und ganz viele Amerikaner wollen gerne TikTok weiter nutzen und ich schreibe mal ganz schnell so eine Verordnung zusammen, die mir das Recht einräumt, dass für 75 Tage dieses Gesetz nicht angewarnt wird.
- 3:22Mal schauen, aber da sieht man schon, dass er es nicht so richtig ernst meint mit dem Sicherheitswettbewerber Picking und dann doch lieber vielleicht einen schlechten Deal macht.
- 3:32Gestern, ganz interessant, bei den Feierlichkeiten saß der TikTok-CEO neben der neuen Direktorin für National Intelligence, Tulsi Gabbard und allein das schon zeigt sozusagen das Spannungsverhältnis der Trumpschen-China-Politik ganz gut.
- 3:49Wenn Sie von gestern sprechen, Herr Benner, müssen wir unsere Höhren und Höhren dazu sagen, dass wir am Dienstag aufzeichnen.
- 3:56Da gab es ja einige Bemerkenswerte, die gestern, was diese Integration anbelangt, aber bleiben wir erst mal im Bigger Picture, sozusagen, bevor wir dann später zu Deutschland kommen.
- 4:04Was können wir denn von Trump so grundsätzlich erwarten und sagen China?
- 4:08Welche Rolle wird das Thema China für Trump und seine Regierung insgesamt spielen?
- 4:12Also für ganz viele derer, die den neuen Außenpolitik machen, den neuen Außenminister Rubio, den für den amerikanischen Handel verantwortlichen United States Trade Representative Jamieson Greer und viele, die auch im weißen Haus im Nationalen Sicherheitsrat sind,
- 4:29die sind entschlossen, eine harte Linie gegenüber China sicherheitspolitisch und auch mit Blick auf Wirtschaftssicherheit und Technologie zu verfolgen.
- 4:38Dann gibt es aber natürlich andere in der Trump-Regierung wie der neue Finanzminister, der wahrscheinlich eine sehr viel softere Linie verfolgen wird.
- 4:48Und wo Trump, da haben wir ja schon darüber gesprochen, ob es Trump der Dealmaker ist oder Trump derjenige, der eine harte Sicherheits- und handelspolitische und Wirtschaftssicherheitslinie gegenüber Peking vertritt.
- 4:59Das kann man jetzt noch nicht einschätzen.
- 5:01Sie hatten auch kürzlich in eine Mathematik geschrieben, dass unter anderem Wirtschaftsinteressen von jemandem wie Elon Musk noch mal dazu beitragen, dass es einfach unvorhersehbarer wird, die China-Politik von Trump.
- 5:11Das ist also auch so dieses in den großen Spektrum sich bewegend von Dealmaker oder eben doch einen harten Kurs fahren?
- 5:18Genau, das ist so eine Wildcard in dem ganzen Spiel Elon Musk.
- 5:22Elon Musk selbst ein großes Sicherheitsrisiko für die USA, weil er wahnsinnig von chinesischen Interessen abhängig ist aufgrund der riesigen Produktionskapazitäten in China.
- 5:34Er versucht auch immer wieder der chinesischen Führung zu schmeicheln, auch mit Blick auf Taiwan und deren Recht Taiwan zu übernehmen.
- 5:43Und der Einfluss, den Musk ausüben wird auf die China-Politik, ist schwer zu kalkulieren.
- 5:49Aber es wird auf jeden Fall ein Einfluss sein, der in Richtung Nichtwahrnehmung der US-Sicherheitsinteressen geht.
- 5:57Jetzt haben sie eben schon das Stichwort Taiwan genannt, wenn wir mal ein bisschen auf die geopolitische Ebene noch schauen.
- 6:07Trump hatte schon im Vorhinein ja mit dieser Ankündigung oder mit dieser Aussage mal wieder für Furore gesorgt, dass man jetzt Grünland brauchen werde aus Gründen der nationalen Sicherheit.
- 6:17Für China, für das Präsident Xi könnte das natürlich auch ein Argument sein, zu sagen, wenn die USA jetzt in Richtung Grönland ihr Auge werfen, wieso sollte sich dann China mit Taiwan anders verhalten?
- 6:28Das Interesse Trumps an Grönland, auch am Panama-Kanal, das ist durchaus beunruhigend.
- 6:36Einerseits, weil es China sozusagen rhetorische Vorwände gibt, wenn der Grünland will.
- 6:42Taiwan ist ja nur wirklich unseres Unternehmen und ist das einfach.
- 6:46Das ist auf dem rhetorischen Level, aber was ich fast noch beunruhigender finde ist,
- 6:51dass das größte Interesse Trumps scheint sich vor allen Dingen auf die eigene Nachbarschaft zu beziehen.
- 6:57Also er möchte Kanada eingemeinden als 51. Staat, er möchte Grönland haben, er möchte den Golf von Mexiko umbenennen, er möchte den Panama-Kanal.
- 7:07Das spielt sich alles in der Nachbarschaft ab und das signalisiert so ein gewisses Desinteresse am Indo-Pacifik und auch an Taiwan und auch eine gewisse Uninformiertheit,
- 7:21die gestern in der Pressekonferenz zum Vorschein kam, als er behauptete, dass Spanien ja ein Mitglied der BRICS Allianz sei,
- 7:30eine Allianz von China, Russland, Südafrika und anderen Staaten Indien, wo Spanien als Irgendwie wirklich nicht reinkommt.
- 7:39Also das sollte einem schon zu denken geben, auch als Taiwanese, welch er besorgt, ob des Ansatzes von Trump,
- 7:47weil Trump sich auch mehrmals wütend geäußert hat, so ein bisschen wie gegenüber NATO,
- 7:53dass die Taiwanesen endlich mal mehr zahlen sollten den Amerikanern dafür, dass sie sie beschützen und Militärunterstützung geben
- 7:59und dass sie sie betrogen hätten bei Halbleitern und dieses ganze Geschäft an sich gerissen hätten von den USA.
- 8:06Also das sind alles etwas erratische Äußerungen, die jetzt nicht unbedingt glaubhaft machen, dass Präsident Trump die Bedeutung
- 8:13"Taiwans" als für die Sicherheit im Indo-Pacifik und die amerikanischen Interessen wirklich verstanden hat.
- 8:19Wir wollen in diesem Podcast immer darüber aussprechen, was uns diese Themen eigentlich angehen, so was wie Taiwan.
- 8:26Aber es ist ja vermeintlich weit weg. Daher die Frage, Herr Benner, was geht uns denn Trumps China-Politik konkret an in Deutschland?
- 8:32Was steht denn da auf dem Spiel?
- 8:34Die Grundlagen unseres Wohlstands stehen damit auf dem Spiel, wenn es zu einem Krieg zwischen den USA und China kommt,
- 8:43werden die Auswirkungen für uns, obwohl dieser Krieg viel weiter weg ist,
- 8:47wirtschaftlich viel größer sein als die Auswirkungen von Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine.
- 8:53Die USA hat eben mit globalen Lieferketten zu tun und den Auswirkungen sanktionstechnisch, die ein solcher Konflikt zur Folge hätte.
- 9:02Und selbst andere Dinge, wie wenn stehen ja Zölle zum Beispiel von den USA gegenüber China im Raum.
- 9:10Schon jetzt ist es zum Beispiel so, dass die beiden Regierungen den amerikanischen Markt für Electric Vehicles komplett geschlossen hat.
- 9:21Mit Zöllen und anderen Verordnungen.
- 9:24Das heißt, dieser Handel, diese große Kapazität Electric Vehicles herzustellen in China,
- 9:30leitet sich ganz fast auf den einzigen offenen Markt, noch auf den europäischen Markt um.
- 9:38Und sozusagen hat das für uns dann auch Nebeneffekte, je nachdem, was die USA handelspolitisch mit China machen.
- 9:46Sie haben vor einigen Tagen in einem Antikel geschrieben,
- 9:49also wir haben da auch jetzt gerade drüber gesprochen, diese intensive Rivalität zwischen zwei Supermächten zwischen China und den USA.
- 9:56Die wird, aller Wahrscheinlichkeit schreiben sie, wirtschaftlich angespannter sein und auch eine gefährlichere Welt darstellen als die letzten drei Jahrzehnte.
- 10:04Sie schafft jedoch auch Raum für Zusammenarbeit und Arbeitsteilung zwischen den Verbündeten, um einen technologischen Vorsprung zu wahren.
- 10:11So weit das Zitat, können Sie das ein bisschen näher ausführen? Wie könnte so eine Zusammenarbeit und Arbeitsteilung konkret aussehen?
- 10:18Als Deutschland und Europa ist es ja in unserem Interesse, dass wir nicht beitragen zur militärischen Modernisierung Chinas.
- 10:27Das haben wir bislang durch Technologietransfer getan.
- 10:30Viele Technologien, die militärisch genutzt werden von China und China, hat sich wahnsinnig militärisch modernisiert.
- 10:36Über die letzten Jahrzehnte hat der Westen geliefert und China hat sie weiterentwickelt.
- 10:42Und sich dieses Prinzip zu eigen zu machen, dass auch das amerikanische Prinzip ist, dass man sagt, wir möchten nicht länger Chinas Militär durch Technologietransfer unterstützen.
- 10:54Wer ja schon mal eine wichtige Zusammenarbeit und da gibt es eine Arbeitszeitung, dass man sagt, zu jetzt bei Halbleitern sind es unterschiedliche Teile der Lieferketten, die dann betroffen sind.
- 11:03Was Abschreckung betrifft, weil es sollte ja die Lehre sein aus unseren Abenteuern mit dem russischen Präsidenten Putin, dass man nicht darauf vertrauen kann, dass nur wenn man wirtschaftlich voneinander abhängig ist,
- 11:18das waren wir ja auch mit Russland, dass dadurch der Frieden gewahrt bleibt, dass man in Abschreckung chinesische Aggressionen investieren muss.
- 11:26Und da gibt es natürlich eine Arbeitsteilung, weil Europa hat keine militärische Rolle im Indo-Pazifik, außer dass man für die Freiheit der Seewege demonstrativ eintritt, auch in der Straße von Taiwan, auch im südchinesischen Meer.
- 11:41Aber wir haben keine militärische Rolle dort, sicherlich nicht als Deutschland.
- 11:46Aber wir haben eine Rolle zu signalisieren, dass wenn ihr Peking Taiwan angreifen solltet, dann wird das sehr, sehr, sehr ernsthafte Konsequenzen haben.
- 11:56Wirtschaftlich und technologisch in puncto Sanktionen.
- 11:59Und wir sind da gemeinsam entschlossen mit den USA und anderen Verbündeten, da Kosten zuzufügen.
- 12:06Deshalb lasst das Ganze bitter besser.
- 12:09Und das müsste ja eine gemeinsame, sich ergänzende Botschaft sein der militärische Teil des Landes.
- 12:15der Abschreckung wird natürlich von den Ländern in der Region, von Taiwan selbst, von den USA,
- 12:19von Japan und anderen übernommen.
- 12:22Wenn wir es gerade von Stichwort Zusammenarbeit und Arbeitsstellung haben, vielleicht schauen
- 12:30wir uns mal ein bisschen konkret die Rolle Deutschlands an.
- 12:33Wo steht denn Deutschland in diesem Prozess von Abgrenzung, von den Risken von China?
- 12:39Da ist ja einiges passiert im letzten Jahr oder noch ein bisschen weiter zurückgeheifend.
- 12:43Wo stehen wir da gerade?
- 12:44Ich glaube das Glas ist so halb voll halb leer, je nachdem wie man geneigt ist.
- 12:50Die China-Politik hat unter der Ampelregierung Fortschritte gemacht.
- 12:54Es ist nicht mehr diese defertistische Merkel-China-Politik, die sich gar nicht an ein verändertes
- 13:00China-Unterschied, das eine Sicherheitsbedrohung ist, das ein unfaire Wettbewerber ist angepasst hat.
- 13:08Canster Scholz hat gesagt, China ändert sich, deshalb muss sich auch unsere China-Politik ändern,
- 13:12aber die China-Politik hat sich nicht schnell genug geändert, um wirklich Schritt zu halten
- 13:17mit den Herausforderungen.
- 13:18Sowohl mit Blick auf Sicherheit als auch mit Blick auf Wirtschaftssicherheit und fairen
- 13:23Wettbewerber.
- 13:24Und vielleicht können wir durch diese Themen komplexe Durchgehendes das Beste schauen.
- 13:29Wo haben wir da Fortschritte gemacht und wo haben wir dann auch Arbeitspakete?
- 13:33Und wo haben wir Fortschritte gemacht?
- 13:35Vor allem dann bei den Fragen der wirtschaftlichen Entkopplung.
- 13:39Man hat sich auch eine wertegeleidete Außenpolitik verschrieben, aber man hat so ein bisschen
- 13:42den Eindruck, bei Menschenrechten, da guckt man dann vielleicht doch nicht so ganz genau hin.
- 13:47Wenn Menschenrechte unser größtes Problem in den Beziehungen mit China wären, dann
- 13:50wären wir wieder in der guten alten Zeit.
- 13:52Das ist halt schlecht für die Menschen, die in China unter dem Missbrauch durch die kommunistische
- 13:59Partei und ihre Herrschaftsstrukturen leiden.
- 14:01Aber das waren noch gloriose Zeiten, als das unser größtes Problem war.
- 14:06Diese anderen Fragen von Sicherheit.
- 14:08Und ich glaube, da sind wir noch am meisten hinten dran, dass wir keine Antwort über
- 14:13die Frage von Abschreckungen und Signalisieren von Abschreckungen mit Glück auf Taiwan.
- 14:17Das haben wir teilweise gemacht.
- 14:18Sehr gut, dass die deutsche Marine auch durch die Taiwan-Straße gefahren ist.
- 14:22Kanzler Scholz und andere haben auch der chinesischen Führung gesagt, wenn ihr es wagt, gegen
- 14:27Taiwan gewaltsam vorzugehen, dann hat das wirklich ernst nach der Konsequenzen.
- 14:31Also das ist schon mal ganz gut.
- 14:33Aber eine Antwort auf diese Allianz, die Peking mit Russland eingegangen ist und die Unterstützung
- 14:41von Putins Kriegsmachinerie, die ja nicht nur gegen die Ukraine gerechtet ist, ohne
- 14:47China könnte Putin diesen Krieg nicht so führen, sondern im Endeffekt auch gegen alle
- 14:53NATO-Mitglieder in Europa gerechtet ist.
- 14:55Darauf hat Deutschland noch keine Antwort gefunden, weil wenn ich in Peking sitze und in der chinesischen
- 15:00Führung bin, dann höre ich, die beschweren sich so, dass wir als China-Russlands Militärmaschinerie
- 15:07unterstützen.
- 15:08Aber so richtig Konsequenzen für uns hat das noch nicht gehabt für die Wirtschaftsbeziehung.
- 15:13Also wir können das weitermachen.
- 15:15Es kostet uns nicht viel, weil die trauen sich nicht, weil wenn sie wirklich uns Kosten
- 15:19zufügen, würde es ihnen ja auch was kosten und Risiken mit sich bringen.
- 15:23Und das traut sich die deutsche und europäische Führung nicht so richtig.
- 15:26Und ich glaube, so ändert man das Kalkül Pekings nicht.
- 15:32Die werden weiter munter Ausland unterstützen beim Angriffskrieg und der militärischen Mobilisierung
- 15:38gegen Deutschland und Europa.
- 15:41So, und das könnten wir zum Bereich Wirtschaftssicherheit kommen, wo wir gewisse Fortschritte gemacht
- 15:46haben.
- 15:47Der Begriff heißt ja nicht Entkopplung, sondern den Begriff, den wir benutzt haben, Risikominderung,
- 15:54die Risking.
- 15:55Da gibt es ein größeres Bewusstsein mit Blick auf Risiken bei Lieferketten, aber dass
- 16:00wir da wirklich einen Fortschritt gemacht haben bei der Diversifizierung, hält sich
- 16:04in Grenzen und vor allen Dingen haben wir es nicht geschafft, die Risiken bei kritischer
- 16:09Infrastruktur wirklich anzugehen.
- 16:12Die 5G-Entscheidung, die wir getroffen haben zum Schutz unserer kritischen Infrastruktur
- 16:17vor chinesischen Hochrisikoanbietern, lässt immer noch sehr viele Risiken offen und bei
- 16:23anderen Risiken sind wir einfach weit hinten dran.
- 16:27Wir haben es ja bei der Solarindustrie gesehen, jetzt betrifft es die deutsche Autoindustrie,
- 16:33die Windkraftindustrie, alles zunehmend Kernindustrie für Deutschland.
- 16:37Nun hat ja die Außenministerin Annalena Baerbock dieser Tage gesagt, Europa müsse schon schauen,
- 16:47dass es nicht zerrieben wäre zwischen den beiden Großmächten sozusagen und anderen
- 16:52agierenden Faktoren, also anderen großen Ländern, großen Mächten.
- 16:55Welche Einflussmöglichkeiten hat denn Europa überhaupt?
- 16:59Was kann man denn, ja, wieder bei Trump, was kann man ihm anbieten, um ihm nicht zerrieben
- 17:04zu werden und gleichzeitig anders gefragt, wie ist denn diese Zurückhaltung der Europäischen
- 17:10Union überhaupt zu erklären gegenüber diesen Risken von China?
- 17:13Geht es da immer nur ums Geld und immer nur um die Wirtschaft?
- 17:16Was wir tun können, das Wichtigste ist doch in unsere eigene Stärke zu investieren und
- 17:22uns selber zu monetisieren, die Vertiefung des europäischen Marktes, Investitionen in
- 17:28unsere eigenen technologischen Fähigkeiten in Kooperation mit Partnern und auch Diversifizierung
- 17:34der Partner.
- 17:35China-Politik heißt ja heute nicht nur sich mit China auseinanderzusetzen, sondern auch
- 17:41andere Partnerschaften zu erschließen, politisch aber auch wirtschaftlich, um Diversifizierungsmöglichkeiten
- 17:47zu haben.
- 17:48Diese Diversifizierung bringt einen dann auch in eine bessere Position, eine stärkere,
- 17:55unabhängigere Position.
- 17:57Und mit Trump muss man schauen, wie es inwieweit es eben ein Interesse gibt, gemeinsam zu handeln.
- 18:05In einem Positiv-Szenario könnte Trump, der ja auch Europa mit Zöllen bedroht hat,
- 18:11die sind jetzt noch nicht beschlossen worden.
- 18:13Es gibt bis zum 1.
- 18:15April eine Frist, in der Trump seine gesamte Regierung angewiesen hat, Vorschläge für
- 18:21Zölle zu machen.
- 18:23Das kann auch Europa betreffen.
- 18:25In dieser Zeit müssen wir versuchen, dass wir ein Deal mit Trump verhandeln.
- 18:30Teil eines Deals kann eben auch ein gemeinsames Vorgehen gegenüber China, wo wir gemeinsame
- 18:36Interessen haben.
- 18:37Aus meiner Sicht, dass wir nicht zu China's militärische Modernisierung beitragen, dass
- 18:43wir uns gemeinsam vor unfähren Wettbewerb schützen und dass man gemeinsame Standards
- 18:48vereinbart, zum Beispiel mit Blick auf Elektrik, Vehicles und Sicherheit.
- 18:53Das ist das Positiv-Szenario.
- 18:55Aber das Negativ-Szenario ist, dass Trump darauf im Endeffekt keine Lust hat, gemeinsame
- 19:00Sache mit Europa zu machen.
- 19:02Wir erinnern uns alle noch an das Zitat, dass er in seiner ersten Amtszeit gegenüber
- 19:06Präsident Macron geprägt hat.
- 19:09Als Macron vorgeschlagen hat, lass uns doch gemeinsame Sache mit Blick auf China machen.
- 19:14Da gesagt, die Europäische Union ist doch noch viel schlimmer als China im unfähren
- 19:18Wettbewerb.
- 19:19Das muss ich zeigen.
- 19:20Aber es wäre klug von der US-Regierung aus meiner Sicht, wenn sie auf Europa zugeht,
- 19:26gerade auf EU-Kommissionspräsident von der Leyen, die eine sehr realistische China-Politik
- 19:33verfolgt.
- 19:34Das würde die kritischen, realistischen Stimmen gegenüber Peking stärken in der Europäischen
- 19:40Union.
- 19:41Wenn Trump Zölle verhängt gegen Europa, wird es dazu führen, dass diejenigen Auftrieb
- 19:48bekommen, die jetzt schon sagen, Trump ist unberechenbar, die chinesische Führung ist
- 19:54eigentlich berechenbarer und wir sollten uns Handlungsspielraum durch eine Annäherung
- 19:59an Peking verschaffen.
- 20:00Ich würde zum Schluss noch mal Gens im Anfang zurückkommen.
- 20:02Wir haben begonnen, die Folge mit dem chinesischen Ja der Schlange, die für Nachsicht und
- 20:07Verantwortungsbewusstsein steht.
- 20:09Wir haben jetzt gesprochen über die China-Politik der USA und Europa.
- 20:12Sehen Sie da einen dieser Player sozusagen die Kriterien der Schlange erfüllen Nachsicht
- 20:17und Verantwortungsbewusstsein und wenn ja, wen?
- 20:19Ich glaube, diese Definition der Schlange, die sieht man momentan in der Weltpolitik
- 20:27auf keiner Seite so richtig, gerade nicht bei den Großmächte-Spielern.
- 20:33Umso wichtiger ist, dass wir nicht naiv hoffen, dass Großmächte diese Definitionen der Schlange
- 20:41erfüllen, sondern selbst investieren.
- 20:45In Janka Örtl hat es genannt, Systemwettbewerbsfähigkeit in dieser umkämpften Welt, maximal Handlungsspielraum
- 20:52zu gewinnen und uns auch davor schützen.
- 20:55Ich glaube, Bundeskanzler Scholz und auch einige andere und ich bin nicht sicher, ob Herr Merz es
- 21:00erkannt hat, die Risiken eines China-Schocks 2.0 für den Kern industrieller Wertschöpfung
- 21:06in Deutschland.
- 21:07Da steht wahnsinnig viel auf dem Spiel.
- 21:09Unser industrielles Fundament, damit auch die Grundlage unserer sozialen Marktwirtschaft
- 21:15und Demokratie.
- 21:16Und da hilft keine Hoffnung auf die Gutartigkeit der Schlange, dass die irgendwo verbreitet
- 21:21ist, sondern nur Investitionen in die eigene Stärke, Fähigkeit sich zu erneuern, aber
- 21:27sich auch vor unfährem Wettbewerb und Sicherheitsbedrohungen zu schützen.
- 21:31Das waren Einschätzungen von Thorsten Benner, dem Leiter des Berliner ThinkTanks GPPi.
- 21:36Vielen Dank.
- 21:37Gerne, danke für die Einladung.
- 21:39Zum Schluss wollen wir das, was wir in der Folge gehört und besprochen haben, ja, immer
- 21:47so ein bisschen recapitulieren und sehen, was besonders bei uns hängen geblieben ist.
- 21:51Ich mache heute mal den Anfang.
- 21:53Das ist für mich, wie so oft zu sehen, wie sehr Themen, die vermeintlich weit weg sind,
- 21:59einfach direkt in unser allervorgartend spielen.
- 22:01Dass der Satz, die eine kriegerische Auseinandersetzung mit Taiwan hätte, größere und viel sichtbare,
- 22:10spürbare Auswirkungen auf Deutschland als die Russlands Angriffskrieg gegen die Korinne.
- 22:14Das seitensatz, der steht dann so da.
- 22:16Und da würde ich mir dann so sehr wünschen, dass Politik sowas auch kommuniziert, dass
- 22:20erläutertes erklärt und es einfach viel, viel klarer macht, wie eng diese Welt geworden
- 22:25ist, dass ein Teil, Erdteil, wie Asien der Südpazifik einfach zwar vermeintlich weit
- 22:30weg ist, aber doch unmittelbar vor unser Haus zu eigentlich spielen.
- 22:33Und zwei ganz kurze Sachen noch, dass wir einen Deal mit Trump machen müssen.
- 22:38Dass der Begriff des Deals steht dann da wirklich so einfach so groß im Raum.
- 22:42Und dass Elon Musk ein Sicherheitsrisiko ist, vor allem mit Bezug auf Peking.
- 22:48Das fand ich auch sehr telling, was es mir im Kopf geblieben ist.
- 22:53Katharina, wie geht es dir?
- 22:54Ich fand auch diesen Aussage, dass eben die mögliche Krieg zwischen den USA und China
- 22:59sehr viel spürbarer Auswirkungen noch haben wird als der Ukraine-Krieg hier bei uns in
- 23:03Europa.
- 23:04Der ist mir auf jeden Fall auch sehr hängen geblieben und gleichzeitig dachte ich mir auch
- 23:07nochmal, es ist auch frustrierend einfach, dass man eigentlich dieses Learning aus Russland
- 23:12hat.
- 23:13Nein, nur weil man wirtschaftlich abhängig ist, hat man deshalb keine Sicherheitsgarantie.
- 23:16Das finde ich immer wieder bitter zu sehen, dass wir sozusagen als Weltbevölkerung oder
- 23:21die Politik im Allgemeinen da nicht so ein richtiges Learning offenbar draus zieht.
- 23:26Mit Blick auf die deutsche China-Politik fand ich nochmal so die Einschätzung interessant.
- 23:30Es ist so je nachdem wie man sieht, halb voll oder halb leer das Glas, dass wir also schon
- 23:34Fortschritte gemacht haben, aber dass gerade bei den Sicherheitsaspekten wir doch echt
- 23:39noch hinterher hinken.
- 23:40Und was ich auch nochmal sehr einprägsam fand, war, dass es eben nicht hilft zu hoffen,
- 23:44sondern dass man in die eigene Stärke investieren muss.
- 23:47Und damit sind wir am Ende dieser Folge angekommen.
- 23:53In der nächsten Ausgabe freuen wir uns auf die Sicherheitsexpertin Ulrike Franke.
- 23:57Dann soll es unter anderem um die Frage gehen, wie man eine Gesellschaft eigentlich für
- 24:01Themen der Außen- und Sicherheitspolitik interessiert.
- 24:03Auch die eben keine Expertinnen und Experten sind.
- 24:07Genau und eine Möglichkeit dafür ist natürlich unser Podcast hier und das sei auch jetzt schon
- 24:11der bändige Ulrike Franke auf die nächste Ausgabe der IP der Zeitschaft Internationalen Politik
- 24:17geschrieben hat.
- 24:18Wir freuen uns darauf und wir sagen für heute ganz herzlichen Dank fürs Zuhören.
- 24:22Ich bin Martin Bialecki und ich bin Katharina Peetz.
- 24:25Danke fürs Zuhören und bis bald.