Latest / ntv Wirtschaft / Fast 50 Prozent vom Bruttogehalt: Droht Deutschland die Sozialabgaben-Falle?
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- Bald 50 Prozent für Sozialbeiträge? Warum Arbeit noch teurer werden könnte? In Deutschland gibt es deutlich mehr Superreiche. Und bei dem Motorradhersteller KTM steht die Frage im Raum, ist das Unternehmen in einen Abgasskandal verwickelt? Hallo und herzlich willkommen. In diesem Podcast verwandeln moderne KI-Systeme journalistische Inhalte, die auf unseren NTV-Plattformen publiziert wurden, in ein neues Hörformat. Text und meine Stimme wurden mithilfe künstlicher Intelligenz erzeugt. Vor der Veröffentlichung werden alle Folgen nach strengen journalistischen Standards geprüft. Viel Spaß beim Zuhören. Ohne Reformen könnten die Sozialversicherungsbeiträge bis zum Jahr 2040 auf knapp 50 Prozent steigen, so die Prognose der Wirtschaftsweisen. Heute liegt der Gesamtbeitragssatz bei 42,3 Prozent. Unsere Reporterin Nadine Janz hat mit der Vorsitzenden des Sachverständigenrats Monika Schnitzer gesprochen. Die Sozialversicherungsbeiträge könnten auf bis zu 50 Prozent bis 2040 ansteigen. Frau Schnitzer, woran liegt das denn? Nun, das liegt ganz stark an der demografischen Alterung. Die Babyboomer gehen allmählich in Rente, fallen dann als hohe Beitragszahler weg. Die Erwerbsbevölkerung wird kleiner im Anteil. Das heißt, es fehlt an den Einnahmen. Aber vor allen Dingen werden wir sehr viel höhere Ausgaben haben. In der Pflegeversicherung werden dann die Kosten entsprechend steigen, aber auch in der Krankenversicherung, in der Rentenversicherung ohnehin. Insofern also hoher Ausgabenanstieg, weniger Einnahmenanstieg. Da reicht es einfach nicht mehr. Das heißt, für wie realistisch halten Sie, dass dieses Szenario kommen wird? Das Szenario wird kommen, wenn man keine Reformen durchführt. Das ist aber genau die Diskussion, die wir gerade haben. Krankenversicherung, Pflegeversicherung, da werden momentan Reformpakete vorbereitet, beziehungsweise sind schon vorbereitet, müssen aber jetzt noch durchs Parlament. An der Stelle wird es also darauf ankommen, dass man die nicht zu sehr verwässert, sondern wirklich dafür sorgt, dass die Ausgabenanstiege begrenzt werden. Und bei der Rente haben wir noch ein ganz dickes Brett zu bohren. Das kommt dann erst noch im Sommer. Sie hat eben die Krankenkassenreform schon angesprochen. Wie zufrieden sind Sie denn mit dem, was da vorgelegt wird? Nun, man hat sich doch sehr weitgehend den Vorschlägen angenähert, die von der Expertenkommission vorgelegt worden sind. Man hätte noch etwas mutiger sein können. Man ist nicht ganz so weit gegangen. Das wird aber in den nächsten Jahren passieren müssen, denn die Ausgaben werden jedes Jahr noch weiter steigen. Das heißt, man muss jedes Jahr noch etwas nachschärfen. Du hast eben schon die Rente angesprochen. Das ist ja kein neues Problem. Da wird ja seit Jahren, wenn nicht noch länger, schon drüber gesprochen. Warum passiert da nichts? Ja, weil das keine Wählerstimmen bringt. Deswegen hat man auch zu Beginn der Legislaturperiode erstmal Wahlgeschenke verteilt. Man hat die Mütterrente erhöht. Man hat das Sicherungsniveau bei der Rente auf 48% festgezurrt und dafür den Bundeszuschuss aus dem Bundeshaushalt erhöht. Das wird massive Löcher im Haushalt reißen. Stattdessen hätte man ganz in die andere Richtung gehen müssen. Man hätte versuchen müssen, das System zu stabilisieren, dafür zu sorgen, dass die Menschen länger arbeiten, dass man die Rentenanstiege begrenzt. Da ist man also erstmal in die falsche Richtung gegangen. Sie sind später noch beim Mittagessen beim Herrn Bundeskanzler Friedrich Merz eingeladen. Was werden Sie ihm denn mitgeben? Genau das, dass wir hier ganz dringend diese Reformen angehen müssen. Gerade die Sozialversicherungen machen einen so großen Anteil der Abgaben aus. Natürlich zahlen die Menschen Steuern, aber sie zahlen vor allem sehr hohe Sozialversicherungsabgaben. Und je höher die sind, umso weniger netto hat man vom Brutto. Umso weniger haben die Menschen in der Tasche, um einkaufen zu gehen. Umso höher sind die Ausgaben, die Kosten für die Unternehmen. All das belastet die Wirtschaft stark. Und das ist ja das, was wir wirklich brauchen. Wir brauchen jetzt Wirtschaftswachstum. Da müssen wir alles, was das behindert, doch nochmal deutlich auf den Prüfstand stellen. Für dieses Jahr erwarten die Wirtschaftsweisen nur noch ein Mini-Wachstum von 0,5 Prozent. Im Herbst hatten sie noch mit 0,9 Prozent gerechnet. Zudem belasten der Iran-Krieg höhere Öl- und Gaspreise und die US-Handelspolitik. Dass Deutschland überhaupt noch wächst, liegt laut Sachverständigenrat vor allem an den höheren Staatsausgaben für Verteidigung und Infrastruktur. Dazu kommt, die Inflation fällt höher aus als bisher erwartet. Die Wirtschaftsweisen rechnen in diesem Jahr mit 3 Prozent. Unser Chefreporter Wirtschaft Ulrich Reitz kommentiert. Deutschland wirkt gerade wie ein Konzern, der seine besten Jahre hinter sich hatte und trotzdem so tut, als reiche ein bisschen Kosmetik für einen richtigen Neustart. Die Wirtschaftsweisen stellen der Bundesregierung jetzt ein ziemlich brutales Zeugnis aus. Kaum Wachstum, hohe Energiepreise, schwache Industrie, immer mehr Konkurrenz aus China und gleichzeitig steuern die Sozialausgaben in Richtung 50 Prozent. 50 Prozent! Da fragt man sich langsam, arbeiten wir eigentlich noch für den eigenen Wohlstand oder nur noch dafür, dieses System irgendwie am Laufen zu halten? Das eigentliche Problem ist, Deutschland hat sich an Wachstum gewöhnt, ohne noch genug dafür zu tun. Zu teuer, zu langsam, zu bürokratisch. Und während andere Länder längst um KI, neue Industrien und Produktivität kämpfen, diskutieren wir über Beitragssätze, Pflegekosten und Finanzlöcher. Besonders bitter, ausgerechnet China, lange ein wichtiger Absatzmarkt und Wachstumsmotor deutscher Unternehmen, wird inzwischen selbst immer stärker zum Wettbewerber. Und genau deshalb wirkt die Reise von Wirtschaftsministerin Katharina Reiche nach China plötzlich wie ein Symbolbild dieser Krise. Deutschland fliegt nach Peking auf der Suche nach Wachstum, weil es zu Hause immer schwerer wird, welches zu erzeugen. Bundeswirtschaftsministerin Katharina Reiche ist also zu Besuch in China und muss dort einen schwierigen Spagat schaffen. Auf der einen Seite will Europa Peking härter entgegentreten. Es geht um unfaire Wettbewerbsbedingungen, staatliche Subventionen, billige Elektroautos. Und auch um seltene Erden, deren Ausfuhr China seit einiger Zeit beschränkt. Auf der anderen Seite bleibt China für viele deutsche Unternehmen ein enorm wichtiger Markt. Reiche reist deshalb nicht allein. Sie nimmt eine Wirtschaftsdelegation mit, darunter Vertreter aus DAX-Konzernen, Mittelstand und Start-ups. Der Umgang mit China ist nicht leicht. Es stellt sich die Frage, müssen wir uns hier mit Dumpingpreisen aus China abfinden, auch wenn sie Jobs gefährden? Oder braucht Europa eine Art Abschreckungsstrategie? Darüber hat unsere Reporterin Klara Pfeffer mit Gitta Connemann gesprochen, der Bundesvorsitzenden der Mittelstandsunion. Wir brauchen einen Mittelweg. Auf der einen Seite können wir natürlich nicht akzeptieren, dass China uns mit zum Beispiel Dumpingstahl überflutet. Da brauchen wir Schutzinstrumente. Die Europäische Union hat ein Stahlschutzinstrument aufgelegt. Wir brauchen tatsächlich auch funktionierende CO2-Zölle. Das ist angedacht mit sogenannten CBAM. Das muss aber funktionieren und das reformiert jetzt die Europäische Union. Das ist gut so. Als auch Schutz gegen das Unterlaufen von Standards. Und auf der anderen Seite bleibt China ein ganz, ganz wichtiger Markt. Also sie sind Wettbewerber, Rivale, aber auch Markt. und diesen Markt dürfen wir uns auch nicht kaputt schlagen. Das heißt, sehr deutlich unsere eigenen Interessen formulieren. Das verstehen die Chinesen sehr, sehr gut. Und auf der anderen Seite uns schützen, aber auch Handel ermöglichen. Was wäre unsere Automobilindustrie beispielsweise ohne den chinesischen Markt? Und von daher mit Sachlichkeit und Ruhe, auf die Verhältnisse schauen, ist wichtig. Was heißt das denn auch konkret vielleicht für die Menschen hier vor Ort? Muss das auch heißen, dass es zum Beispiel Billigprodukte aus China weniger gibt, dass wir auch teurere Preise für einige Produkte bezahlen müssen? Jeder muss wissen, dass er am Ende an der Ladenkasse oder auch im Internet für die Verhältnisse sorgt, in denen er lebt. Wer also bei Temu oder Xi'in bestellt, sollte wissen, dass es sich um Produkte handelt, die nicht den europäischen Standards entsprechen und die es den Produzenten in Europa wesentlich schwerer machen, auch als in Deutschland. Übrigens auch der Umwelt, denn was dort an Abermillionen Paketen nach Europa geflutet wird, um dann hinterher weggeschmissen zu werden, angesichts sehr, sehr schlechter Qualitäten, ist auch für das Klima kaum verträglich. Und müssen diese Sachen teurer werden, muss man so ehrlich sein? Der Staat muss uns oder Europa muss sich besser schützen. Deswegen bin ich unserem Bundeskanzler Friedrich Merz sehr dankbar, dass er gesagt hat, wir müssen verzichten auf Zollfreigrenzen in Europa. Die gibt es bis dato, die werden unterlaufen seitens der chinesischen Seite und diese Lücken muss man schließen. Wenn die Chinesen in den Markt wollen, ja, aber dann bitte zu fairen Bedingungen auch aus europäischer Sicht und zu unseren Standards. Vielen Dank. Während die Debatte darüber läuft, wie Arbeit, Produktion und Wachstum in Deutschland wieder stärker werden, wächst der Wohlstand an anderer Stelle längst weiter. Vor allem dort, wo Vermögen schon vorhanden ist. In Deutschland gibt es deutlich mehr Superreiche. Nach Berechnungen der Unternehmensberatung Boston Consulting Group ist der elitäre Kreis der Superreichen im vergangenen Jahr deutlich größer geworden. Und zwar um rund 1.100 Menschen. Insgesamt sind es jetzt rund 5000 Personen in Deutschland, die jeweils mehr als 100 Millionen Dollar haben. Damit besitzen sie mehr als ein Viertel des gesamten Finanzvermögens im Land. Sie profitieren vor allem von den Gewinnen an den Aktienmärkten. Und zum Schluss noch ein Blick in die Motorradbranche. Ist der Hersteller von Motorrädern, KTM, in einen Abgasskandal verwickelt? Offenbar sollen Händler Offroad-Motorräder illegal entdrosselt und trotzdem mit Straßenzulassung verkauft haben. Das berichtet das ZDF. Der Vorwurf? Die Maschinen würden deutlich schneller und lauter sein als erlaubt. Außerdem stießen sie mehr Schadstoffe aus. Peter Mock vom Umweltverband, der vor einem Jahrzehnt den VW-Abgasskandal aufgedeckt hatte, sagte, die Messwerte für diese entdrosselte Variante seien ungefähr so hoch wie bei einer alten Diesellokomotive. KTM weist die Vorwürfe zurück. Das Unternehmen sagte, auf Anfrage vom ZDF und dem Spiegel, man liefere alle Modelle in straßenzulassungsfähigem Zustand an die Händler. Das Kraftfahrtbundesamt ermittelt. Das war unser Blick auf die aktuellen Nachrichten aus der Wirtschaft für den Moment. Wir hören und lesen uns wieder bei NTV. In der App, im TV oder hier im Podcast.