Latest / BZ am Ohr / Freiburger DJ Ella Stracciatella spricht über Rave-Kultur und das Feiern jenseits der 30
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- Handy aus aber wenn die leise genau genau damit hier nichts schief geht, ich war noch so ein tempo um mich erstmal abzutupfen sonst würde es alles nicht. Herzlich willkommen zum bz live podcast heute in der BZ Pop-Up-Redaktion hier in Freiburg. Mein Name ist Lisa Böttinger und bei mir sitzt heute die DJ Ella Stracciatella. Und Ella ist in Freiburg aktiv, aber auch deutschlandweit auf Festivals und Clubs, auf Raves unterwegs. Und sie legt nicht einfach nur Musik auf, sondern sie steht für ganz bestimmte Werte und dafür, wie man auch jenseits der 30 noch richtig gut feiern geht. Darüber sprechen wir heute. Ich freue mich, dass du da bist. Ella, herzlich willkommen im BZ Live Podcast. Ja, hi, danke, dass ich da sein darf. Ich freue mich voll. Du hast mir in dem ersten, als wir das erste Mal miteinander gesprochen haben vor diesem Podcast, hast du mir so diesen Satz gesagt, ja, also so nach dem Rave am Samstagabend bin ich gerne so um 19.30 Uhr eigentlich auch wieder zu Hause auf dem Sofa. Um 20.15 Uhr will ich Fernsehen. Oder um 20.15 Uhr. Was ist denn das Coole am Day Rave, abgesehen von dem Sofa am Abend? Also wie können wir uns das vorstellen? Ich glaube, ich finde es einfach nett, dass es tagsüber ist, dass es sich so ein bisschen auch mit dem Wochenrhythmus abgleicht. Ich habe einen anderen Vollzeitjob auch und irgendwie merke ich, dass ich tagsüber lieber draußen bin. Und auch so viele Freundinnen von mir, die eben jetzt auch irgendwie über die 30 sind, gehen halt auch lieber tagsüber raus. Oder auf einen Dayrave kannst du auch mal mit einem Kind gehen oder mit Bekannten denken, du kannst dich treffen, es hat was von lockerem Picknick, du kannst selber dosieren, wie viel du mitkriegst von der Musik, du kannst nah dran sein, du kannst ein bisschen weiter raus dich setzen. Das ist schon ein bisschen vielfältiger, finde ich, als wenn man, ich sage mal, nur in den Club geht. Also ich war sehr gerne und sehr viel in Clubs und bin es auch immer noch, aber nicht mehr so viel wie früher. Ich finde halt, die Varianz auf Day Raves ist größer, wie man den wahrnehmen und genießen kann. Ich fühle mich auch so ein bisschen als Zielgruppe von einem Day Rave, als Mutter zum Beispiel. Ich bin aber trotzdem zwiegespalten, muss ich ganz ehrlich sagen. Es gibt ja auch Formate wie den Elternabend oder Mama geht tanzen. Ist es aber derselbe Vibe wie im Nachtleben? Kann es mit dem Nachtleben mithalten? Ich glaube, das kommt darauf an, was man selber draus macht, aber es ist nicht ganz dasselbe. Es kann auch nicht dasselbe sein, es ist ja nicht identisch. Es hat einen anderen Charme, aber den finde ich auch gut. Ja, so würde ich das zusammenfassen. Es ist vielleicht ein bisschen erwachsener. Ja, ich weiß nicht, ob, also ich finde immer, wenn man, wie soll ich sagen, wenn Erwachsenwerden keinen Spaß macht, dann macht man irgendwas falsch. Also so gefühlt für mich jetzt, weil ich finde, das ist eigentlich schon cool. Man hat irgendwie, man hat natürlich mehr Verantwortung, man hat mehr Verpflichtungen, aber auf der anderen Seite hat man auch eine ganz andere Entscheidungsvarianz, was man machen möchte, wo man steht, wie man sein Leben gestalten will. Und deswegen finde ich eigentlich dieses Erwachsenere auch irgendwie cool. Stichwort Erwachsen. Du hast ja schon gesagt, du bist ja auch selber in einem Vollzeitjob. Du bist die Learning-Entwicklerin, also du musst auch jeden Tag plus minus 9-to-5 dich konzentrieren. Wie viel DJ-Leben steckt denn in deinem Alltag überhaupt drin? Das ist eine gute Frage. Also ich merke, meine Kapazitäten sind ein bisschen weniger geworden dafür, weil es einfach, ich brauche ein bisschen mehr Ruhe manchmal, das merke ich. Oder einfach so ein bisschen Zeit, Sachen Revue passieren zu lassen oder auch mal was irgendwie einfach zu durchdenken. Mittlerweile so lege ich zweimal im Monat auf. Also das kann man sagen, so eine Regelmäßigkeit. Ich komme auf so 24 Gigs im Jahr, mal mehr, mal weniger. Wenn ich in Berlin spiele, spiele ich manchmal auch zwei, drei Gigs hintereinander an einem Wochenende, weil ich halt dann schon da bin und es hängt immer so ein bisschen davon ab. Also ich gucke, dass ich es aber so halte, dass ich noch Spaß dabei habe. Was gibt dir das DJ-Live oder auch Party-Live, egal ob es jetzt Nacht oder am Tag ist, was du sonst in deinem Leben nicht findest? Gute Frage. Du bist 37, haben wir vorher besprochen, und viele sind da ja in der Lebensphase, sicher auch viele aus deinem Freundes- und Bekanntenkreis, die haben halt einen anderen Hustle. Also die haben halt einen Job, die haben Kinder. Und ich denke da auch konkret an etwas, was man in der Lebensphase dann oft vermisst, was du wahrscheinlich ausleben kannst in dem DJ-Dasein. Ich finde, es hat alles seine Vor- und Nachteile. Also, Ich sehe mich auch mit einer Familie langfristig und so Geschichten. Es hat sich bisher noch nicht ergeben, das ist aber okay für mich. Vollzeitjob habe ich auch, also kann ich es schon ein bisschen nachfühlen. Es ist aber natürlich nicht das Gleiche, weil ich nur für mich verantwortlich bin. Vielleicht diese Losgelöstheit, das ist so ein bisschen, dass man nur für sich verantwortlich ist und vielleicht die Freundesgruppe, mit der man weggeht, ist der Unterschied zu, wenn ich mit Familie und Kids irgendwo hingehe. Ich finde, das hat auch seine Vor- und Nachteile. Also ich gehe voll gern zum Beispiel mit meinen Patenkindern in den Urlaub. Urlaub mit Kindern ist was anderes, wie wenn ich nur für mich verantwortlich bin. Es ist eine andere Struktur, aber es hat auch irgendwie was Nettes. Man muss halt ein bisschen mehr planen. Also man muss dafür offen sein, man muss es wollen. Und da ist halt, du gehst hin und du gehst heim, wenn es dir passt auf so eine Veranstaltung. Vielleicht diese Losgelöstheit, das ist es. Ja, ist es auch was, was du den Leuten mitgeben willst auf deinen Partys? Also wenn du auflegst, was ist es, was du denen quasi von dir gibst, jetzt unabhängig mal vom Musikgeschmack? Was möchtest du, was die erleben? Ich glaube, ich will, dass die einen Mitsing-Moment haben. Ich finde es cool, wenn man auf der Tanzfläche steht und sich denkt, oh geil, an den Song habe ich ewig nicht gedacht. Und dann fühlt man den so und dann ist man einfach nur da und fühlt den Song und kann einfach sein. Und das ist, was ich gerne Leuten auf Events mitgeben mag, die ich veranstalte oder wenn ich selber auflege. Und du gibst jetzt nicht nur ein Gefühl mit oder eben eine Losgelöstheit, sondern du gibst ja auch Werte mit. Also du legst zum Beispiel ohne Gage auch regelmäßig auf dem CSD auf, auf dem Christopher Street Day. Was steckt da dahinter? Also was ist da deine Message, wieso du da auch dich so klar positionierst? Weil das wichtig ist. Also ich finde es wichtig, für Diversität und Vielfalt einzustehen und sich da auch ganz klar zu positionieren, weil man merkt ja, es geht wieder in eine andere Richtung, mit weniger Freiheiten, mit weniger Individualität, mit weniger Raum, man selber zu sein. Und dann sind solche Veranstaltungen natürlich ganz, ganz klar sehr, sehr wichtig. Und für sowas spiele ich dann natürlich auch ohne Gage, weil das für mich selber auch ein Anliegen ist. Wie schätzt du das innerhalb von Freiburg ein? Du hast ja mit der Initiative Lokatista auch eine Initiative gegründet, die sich speziell eben für Finta-Menschen, also für Diversität, auch in der Kunstszene und bei Kunstschaffenden einsetzt. War das in Freiburg sehr notwendig? Also wie ist da deine Einschätzung und wie ist da die Entwicklung? Du hast schon recht, wenn man generell auf die Entwicklung schaut, habe ich das Gefühl oder sehen wir alle, dass Diversität weniger Sichtbarkeit oder Sichtbarkeit einbüßt. Gerade wenn man jetzt nicht ein regelmäßiger CSD-Gänger ist, dann. Ja, dann geht es eher gerade ein bisschen den Berg runter. Ich frage mich als oder dich als eine, die in der Freiburger Szene sehr aktiv ist, wie nötig das da ist und wie es da läuft. Das ist immer noch nötig, weil wir nicht bei 50-50 sind. Also ich persönlich würde zum Beispiel gern irgendwann an den Punkt kommen, dass ich keine Quote mehr brauche, weil es einfach egal ist. Aber da sind wir halt nicht. Es gibt ja größerflächige Studien, auch von Female Pressure zum Beispiel, dass wir jetzt erst uns so auf die 30 Prozent oder so zubewegen von elektronischen Festivals, die hinter Personen sind. Wir sind nicht bei 50 und ab dem Moment verstehe ich jede Frage nach einer Quote halt nicht, warum die nötig ist, weil die ist halt nötig, bis man das erreicht hat. Also man muss sich auch ein bisschen klar sein, es sind ja andere Ausgangschancen und jetzt kommt halt irgendwie wieder mehr die Diskussion, ah, wir haben das ja die letzten fünf Jahre hart diskutiert, jetzt reicht es ja auch, jetzt ist ja genug Sichtbarkeit für alle da, dann können wir es ja auch wieder lassen, aber dass die Startchancen nicht die gleichen sind, das finde ich immer so, also das wird immer übersehen und dann ärgert mich das ein bisschen, dass man so tut, als wäre es ein fairer Wettbewerb, weil ich habe nur einen fairen Wettbewerb, wenn ich akzeptiere, dass die Startbedingungen nicht dieselben sind. Und dann bin ich auch damit fein, dass es das gibt. Und früher, als wir das gegründet haben, Freundinnen und ich, wenn wir das 2010, zehn Lokatista, da gab es gefühlt sehr wenig Flinter-DJs und ich finde jetzt in Freiburg ist es mehr geworden. Hat sich das entwickelt, ja? Wie macht ihr das konkret? Wie supportet ihr konkret Menschen? Früher haben wir Festivals gemacht, wo wir dann drei Tage nur Flinter-Artists haben auftreten lassen und jetzt haben wir eine Datenbank. Das hat sich in der Pandemie entwickelt, dass wir gemerkt haben, wie wird man denn gebucht? Aber man muss sichtbar sein, man muss googlebar sein und dann haben wir gesagt, okay, wir bauen jetzt eine Homepage auf, jeder kriegt da eine Unterseite, jede flinter person aus freiburg mit freiburg bezug wie das auch immer wir sind da sehr offen, und dann kann man sich da listen lassen hat wie eine eigene homepage und ist plötzlich google bar und dann kann man darüber gebucht werden und jetzt sind da über 200 flinter artist in dieser datenbank was uns halt echt freut die einfachen freiburg bezug haben und die buchbar sind und die google bar sind und vorher waren die halt nicht sichtbar und das ist zum beispiel was was unsere tägliche Arbeit ist so ein bisschen bei Lucatista. Also quasi die Menschen auch ein bisschen zu pushen, die am Mischpult zum Beispiel stehen. Wie ist es bei denen, die davor stehen, also dem Publikum? Was macht da deine Meinung nach eine gute Party aus? Also ich habe im Vorhinein mit einem befreundeten DJ gesprochen, der hier in Freiburg auch tätig ist von Schöner Schwofen und er meinte, wichtig ist, dass die Leute gut aufeinander achten auf einer Party und das Erfinder des letzten nach. Ja, das ist schon wichtig. Ich finde, das ist auch so ein, ich habe auch das Gefühl, wenn du bei Partys ein größeres Flinter-Booking hast, dass dann die Awareness ein Stück höher ist, weil auch vielleicht eine Flinter-DJ-Person sagt, wie ist denn euer Awareness-Konzept, wie ist es denn? Gibt es irgendwie Ansprechpersonen, gibt es ein Awareness-Team? Was ist denn da eigentlich los? Gibt es jemand, der mal durchgeht, guckt, ob irgendwie auf den Toiletten alles fein ist? Also ja, ich weiß nicht, ob es nachlässt, aber ich habe das Gefühl, es ist halt jetzt wieder auch so ein extra Kostenpunkt. Du brauchst natürlich Leute, die das machen auf der Party und die musst du bezahlen. Oder du hast halt ehrenamtliche Kollektive und die kommen nicht hinterher mit der Arbeit, weil so viel Awareness zu tun wäre und das ist natürlich schwierig und dass die Leute gegenseitig auf sich achten. Ich kenne das von meinen FreundInnen, kann jetzt halt nicht für andere sprechen, ob das da nachlässt oder nicht. Ich hatte nicht den Eindruck, dass es nachlässt, ehrlich gesagt. Aber wer war das? Also spannend, ich habe von schöner Schwurfen schon gehört, wer macht das? Ja, ich weiß jetzt gar nicht, ob ich hier im Live-Podcast einfach mit Namen um mich werfen will. Auf jeden Fall ist es auch ein DJ, der in Freiburg tätig ist. Genau, könnt ihr euch ja nochmal drüber unterhalten. Und was du auch noch mitgibst, sind ja auch die DJ-Skills. Also wir haben ja hier später im Nachhinein noch ein bisschen Zeit, dass du ein bisschen was davon zeigen kannst. Was ist denn so das, was die Leute, wenn sie dich fragen, ja, wie wird man denn DJ, was sie am meisten unterschätzen? Also was dazugehört, du hast jetzt gerade gesagt Sichtbarkeit, Googlebarkeit. Das sind ja erstmal Dinge, wo ich nicht als erstes dran denke. Ich denke als erstes mal so, welche Knöpfe muss ich drücken, aber da hört es ja nicht auf. Also was gibst du damit? Es kommt darauf an, was du für ein DJ sein willst. Du kannst auch einfach in deinem Bedroom stehen und Musik machen und dann bist du auch DJ. Das ist völlig okay, aber die Frage ist ja, willst du gebucht werden? Willst du auf den Veranstaltungen spielen? Manche Leute wollen das gar nicht, die wollen daheim einfach Musik mixen. Aber wenn man das möchte und das für einen DJ sein bedeutet, dass man auch Veranstaltungen auflegt und die Musik auch wirklich so mit Leuten teilt und dass man das so leben kann. Dann ist es tatsächlich, also natürlich ist Auflegen wichtig und Technik und alles, aber es ist ja, wie du schon sagst, so eine Sichtbarkeit. Ich kann ja nicht irgendwie auf einer Party spielen, wenn mich niemand finden kann, wenn niemand weiß, dass ich existiere. So ein bisschen Marketing, daran denken wahrscheinlich die meisten nicht in erster Linie. Genau, also so dieses, oder auch zuverlässig sein, sich Mühe geben, auch selber Klinken putzen gehen und sagen, hey, hi, ich bin jetzt DJ, wie ist es denn, darf ich mal spielen? Und auch durchhalten und so diese Kontinuität und auch immer wieder irgendwie versuchen aufzutauchen, was zu machen und auch zuverlässig sein. Also ich kann nicht nur halt einmal dann eine gute Veranstaltung machen und die nächsten fünf sage ich ab, weil ich dann doch keinen Bock hatte oder mich verplant habe oder so. Das kann alles mal passieren. Also wie im Erwachsenen-Berufsleben halt auch so ein bisschen, auch wenn man halt DJ auch mit Ernsthaftigkeit sein will. Es ist ein Job auch. Also du musst schon auch liefern. Du kannst nicht einfach da dann sagen, oh ja, vielleicht habe ich jetzt Bock, vielleicht, da muss schon dahinter sein. Und das unterschätzt man, glaube ich. Oder auch, wie viel Arbeit da reinfließt in so eine Homepage. So Nachrichten beantworten. Du kannst ja auch nicht einfach alles auf Unread lassen und dann, ja, gucken, wie es läuft und dann antwortest du mal in zwei Monaten. Das funktioniert so nicht. Also ein bisschen Management steckt schon auch dahinter. Ja, voll. Und speziell in Freiburg ist ja auch immer wieder die Diskussion, Raves, illegale Raves, Fläche für Raves. Also da gibt es nur den Lietenbach im Park hier in Freiburg. Hast du das Gefühl, da wird deine Kunst, sage ich mal, die Musik, die elektronische Musik, bekommt die genug Raum? Also wir haben ja eine Stadt Freiburg, die diese Fläche im Dietenbachpark zur Verfügung gestellt hat, hat aber auch ein paar Jahre gedauert. Die war eine Diskussion mit der Interessengemeinschaft Subkultur, die sich da stark engagiert. Also da ist auch ganz viel Kommunikation da. Hast du das Gefühl, ihr seid genug repräsentiert und habt Raum oder haben wir so ein bisschen, ich sage jetzt mal überspitzt, Zweiklassengesellschaft, wenn es um Hoch- oder Höhere und Subkultur geht? Ich glaube schon, dass da eine Zwei-Klassengesellschaft ein Stück weit existiert. Weil natürlich ist es so, wer die Leute kennt, die es entscheiden, hat immer einen Vorteil, weil die Leute einen kennen. Und in höheren Positionen sind meist Leute, die einen anderen Kreis einfach besuchen oder so. Ich finde, dass die Stadt aber schon einiges tut. Ich meine, Lietenbach ist ein guter Anfang. Man darf zehn Veranstaltungen im Jahr machen. Ich habe es mir sogar mal rausgesucht. Ich hatte noch zwei Wochen, müssen mindestens dazwischen sein. Es darf nicht kommerziell sein genau und es wurde auch da gibt ein limiter vom kulturamt das was irgendwie organisiert wurde werden toiletten gezahlt weil das ja auch wichtig ist aber das ist ja tatsächlich also das ist eine öffentliche freifläche auf der was gemacht werden darf das ist cool aber es geht ja auch mit genehmigungen einher und eigentlich so ein rave lebt theoretisch davon dass man den einfach macht irgendwo weil man gerade bock hat und nicht unbedingt mit genehmigungen und ich verstehe natürlich urbaner raum man kann sich nicht aussuchen wo man wohnt großteils mehr ist nicht möglich bei dem mietmarkt und generell und da muss man sich den jetzt teilen und manche leute wollen rave machen manche leute wollen schlafen ja es ist ein bisschen schwierig also ich finde schon dass es sofort von der stadt dafür gibt aber ich finde. Wir wollten neulich was machen und dann kam direkt die Polizei und hat gesagt, wir müssen wieder abrücken. Und das fand ich schade, weil es wäre so ein Nachmittagsding gewesen. Wie gesagt, ich will um 20 Uhr mit meinem Arsch auf der Couch sitzen und irgendwie, weiß ich nicht, Tatort gucken. Und da ging es dann darum, dass es drauf geschoben wird, wir hatten noch keinen Ton gespielt. Dann ging es darum, dass wir mit dem Auto irgendwo hintergefahren waren. Ich mag den Ort jetzt nicht sagen. Und das war dann die Begründung. Ordnungswidrigkeit. Das ist natürlich nichts, dass wir da jetzt mit dem Auto und dann ist ja die Frage, okay, muss ich jetzt ein Aggregat mit einem Lastenbalk hinterfahren? Was mache ich jetzt? Wie organisiere ich das? Und ich sehe schon eine öffentliche Veranstaltung, wo was ausgeschenkt wird. Das ist alles Genehmigung und so. Aber wenn ich mich mit 30, 40 Freunden auf der Wiese treffe und Musik auflegen will, will ich das vielleicht auch machen können wie ein Picknick. Und das ist nicht möglich. Und das ist meine persönliche Meinung. Ich würde das gerne tun können. Also du hast ja gerade gesagt, naja, Genehmigung macht das Ganze halt einfach nicht mehr so sexy. Was macht denn den Rave denn aus, dass er wirklich gelingt? Also letzten Endes geht es ja auch, geht es doch eigentlich um andere Dinge, oder? Also um Spontanität oder also was ist, warum braucht Freiburg die Gelegenheit für solche Raves? Wie würdest du das beantworten? Was ist der Mehrwert? Ich glaube das ist einfach so ein bisschen das hat sowas von spontaner zusammenkunft also aus anderen städten kennt man das ja das ein bisschen mehr streetlife stattfindet dass leute sich mal spontan auf der straße treffen man hockt sich zusammen und so und das ist halt eine andere form davon wo dabei eben musik konsumiert wird was ja ich weiß nicht so eine gewisse form von freiheit ich finde die ganz schön und ich finde es nett wenn ich irgendwie gutes wetter und ich habe bock und ich will ein bisschen auflegen und dann kommen Leute dazu und dann entwickelt sich sowas Spontanes und ich finde, das hat immer einen Mehrwert für eine Stadt, wenn man schafft, sich urbane Räume auch so zu teilen. Aber ja, genau, natürlich will ich niemand das Trommelfell rauswummern mit irgendeinem Bass oder so, aber so ein bisschen nett zusammen schwurfen, finde ich schon auch, das ist einfach ein schönes Gemeinschaftserlebnis und das macht auch was mit Leuten. Hast du Verständnis auch für, sag ich mal, die andere Seite, also die Menschen, die schlafen wollen, wie du es gerade gesagt hast? Hast du da auch, trippst du auf die in einer gewissen Weise auch? Du hast mal erzählt, du wurdest auch von jemandem schon angeschrieben, so, hey, ich muss nachts schlafen und dann hast du gesagt, ja, ich habe auch einen Vollzeitjob. Also wie würdest du da gerne besser auch mit der Stadtgesellschaft vielleicht kommunizieren? Es ist ja die Frage, wann jetzt genau macht man was? Und wenn ich da früher irgendwie um drei Uhr morgens auf die Idee gekommen bin, jetzt muss ich ein Rave machen, was ich vielleicht jetzt manchmal noch machen würde, aber nicht immer, dann kann ich das schon verstehen, weil so durchgängig nachts eher Schlafenszeit ist für Leute. Wenn ich jetzt aber um 14 Uhr mittags an irgendeiner Autobahnbrücke. Wo keine Wohnhäuser drum herum sind, Musik machen möchte, dann habe ich da relativ wenig Verständnis für, dass das nicht gehen soll, weil da störe ich ja eigentlich erst mal niemanden. Und außerdem ist es 14 Uhr Nachmittag, da ist der Verkehrslärm wahrscheinlich lauter oder der Fluss, der daneben fließt. Und das ist auch wieder so ein... Und natürlich gibt es Leute, die haben Berufe, dass die tagsüber schlafen müssen. Verstehe ich voll und ganz, aber das ist, glaube ich, da nicht das zentrale Problem. Also ja, schwierig zu sagen. Was gäbe es da für eine Lösung? Es gibt ja von der Stadt aus so einen runden Tisch, Nachtkultur, Popkultur. Ist es so das richtige Format oder was würdest du dir eigentlich wünschen so hier in deiner Hometown? Ich glaube mehr Toleranz. Also einfach, dass halt, wenn da mal eine Versammlung ist, wenn jemand sich trifft und mit 50 Leuten grillt, sagt ja auch erst mal keiner was, wenn es eine Stelle ist, wo Grillen jetzt nicht unbedingt den nächsten Busch anzünden würde und so, ist es ja auch okay, dass sich alle zu so einem Riesenpicknick im Park treffen und vielleicht muss man dann bei einem Rave auch ein bisschen toleranter sein, wenn die Musik nicht überlaut ist und einfach sagen, okay, cool, dann ist es jetzt so und wenn es dann zu einer gewissen Uhrzeit aufhört, ist es in Ordnung und vor allem, dass es hinterher sauber ist, okay. Dass ich meinen Müll wieder mitnehme. Fair, aber dann ist es doch gut. Also da muss ich doch nicht, weiß ich nicht, extra pingelig sein. Ich finde, wir können uns Pingeligkeit im urbanen Raum auch nicht mehr erlauben, wenn man sich nicht aussuchen kann, wo man wohnt. Und das kann man nicht. Sind die Freiburger pingelig? Ja, schon. Finde ich schon. Es ist schon. Also nicht alle natürlich. Aber ich finde schon, dass Freiburg da manchmal ein bisschen pingelig ist. Was würdest du dir hier noch wünschen? Also mehr Flächen wie Dietenbach? Oder ja, wo vielleicht auch mal spontan was möglich ist. Aber dafür gibt es ja schon die. Also es ist ein guter Anfang. Ich finde es total gut. Das darf man jetzt nicht. Aber genau, einfach so ein bisschen mehr Toleranz. Vielleicht muss man sich auch überlegen, ob man direkt die Polizei rufen muss, wenn einer mal eine Box von A nach B mit einem Auto fährt. Ja, also die Polizei kommt nach Auskunft der Stadt auch erst, wenn eigentlich was festgestellt wurde, wie zu laut, total vermüllt oder ein Auto ist wohl lang gefahren. Tatsächlich. Und es gibt wohl Leute, die sich da direkt damit beschäftigen. Und das finde ich ein bisschen schade, wenn ich nur damit beschäftigt bin, dass andere Leute was nicht machen dürfen. So obwohl es nicht so also ja natürlich dramatik ist ansicht sache aber ich finde da ist manchmal schon so ein fokus der mir nicht gefällt. Was wünschst du dir, wenn wir jetzt zum Schluss kommen, für dich persönlich? Ich habe neulich über dich gelesen, da wurdest du als Groove Goddess bezeichnet. Sehr geil. Also ich glaube, damit kann man ganz gut leben. Aber wenn du jetzt, wir sprechen ja auch über ein bisschen Jenseits der 30, wenn du jetzt noch ein bisschen weiterdenkst, Jenseits der 30, Jenseits der 40, welche Titel hättest du da noch gerne über dich gelesen? Eine gute Frage. Weiß ich nicht. Ich glaube, ich lasse mich überraschen. Das hat auch, ein Kumpel von mir hat da mal ein bisschen Pressetext für mich verfasst. Und ich war so, oh, das ist voll nett. Das gefällt mir. Ich würde es behalten. Das fand ich schön. Und meistens haben andere Leute noch nettere Sachen über mich gesagt als ich selber. Und dann lasse ich mich da einfach überraschen, was kommt. Ich will mir da selber noch keinen Titel zuschreiben. Ich bin gespannt. Okay, und wo können wir dich als nächstes hören? Ich glaube jetzt gleich hier so, wenn wir den Workshop anschließen und so ein bisschen auflegen. Und ansonsten auf dem ZMF am 25.07. spiele ich und am 16.08. Auf der Queerit-Up und ja, sonst paar Termine in Bremen habe ich noch und mal schauen wie, aber so das sind die nächsten Freiburg-Termine. Alles klar, cool, dann wünsche ich dir, dass ganz viele Freiburger ganz unpingelig vorbeischauen und danke dir für das Gespräch, vielen Dank fürs Dabeisein, vielen Dank fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal bei den Live-Podcasts aus der Pop-Up-Redaktion. Ciao. Ja, dankeschön. Danke.