Latest / Rambo Zambo – Der Merz-Podcast / Crash mit der Realität
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- Wir haben diese Bundestagswahl 2025 gewonnen. Jetzt darf auch mal Rambo Zambo im Adler. Das ist Rambo Zambo, der Merz-Podcast. Das Format, das ihr vielleicht nie wolltet, aber jetzt braucht. Mit euren Hosts Carlotta Richter und Julia Emrich. Hallo Julia. Hallo Carlotta. Schön, dass du mich nicht allein lässt mit Friedrich Merz. Und natürlich auch Hallo an alle, die uns jetzt hier zuhören. Julia, hast du dich eigentlich schon daran gewöhnt, jetzt Bundeskanzler Friedrich Merz zu sagen? Nee, um ehrlich zu sein, überhaupt nicht. Du? Nee, ich glaube, es dauert auch noch so ein paar Wochen, ehrlicherweise. Es ist immer so kurz so Bundeskanzler Friedrich Merz. Ja, ja. Und bei mir kommt halt dazu, ich habe ihn jetzt die letzten Wochen, Monate begleitet und habe natürlich auch mal Herr Merz, Herr Merz, Herr Merz gesagt. Es ist jetzt auch so, wenn man ihm jetzt nach seiner Wahl begegnet, dass man innerlich immer kurz sagt, Herr Bundeskanzler, man redet ihn dann ja in der Regel auch in einem Pressehintergrund oder so an. Aber mein Reflex ist immer noch, Herr Merz zu sagen. Aber um ehrlich zu sein, wir sind eigentlich alle richtig froh, dass er so einen wahnsinnig kurzen Namen hat. Dass man immer sehr schnell, also auch wenn man mal Texte schreibt oder so, mit diesem Namen fertig ist. Insofern alles gut und daran werden wir uns gewöhnen. Sehr gut, weil Friedrich Merz ist jetzt seit etwas mehr als einer Woche Bundeskanzler und wir starten mit unserer allerersten Folge unseres neuen Podcasts Rambuzambo und Julia, ich würde sagen, wir müssen uns am Anfang erstmal kurz vorstellen. Genau. Ich bin Julia Emmerich. Ich bin hier bei Funke Vizepolitikchefin und ich schreibe tatsächlich fast jeden Tag über Friedrich Merz und seine neue Regierung, über die kleinen und großen Schritte dieser neuen Koalition und natürlich über die Menschen dahinter. Und ich bin Carlotta Richter, auch Politikjournalistin und hoste bei Funke unsere Politikkanäle auf TikTok und Instagram. Und ich sehe da jeden Tag, was die Menschen und vor allen Dingen auch das Netz bewegt und auch aufregt und auch darüber werden wir sehr viel sprechen. Genau, wir lassen uns mal ganz kurz sagen, was wir hier grob vorhaben, damit alle das mal... Genau, wir wollen hier jede Woche über Friedrich Merz sprechen, über seine Regierung und über das, was in der jeweiligen Woche so passiert ist. Genau, und dabei, wir ordnen ein, was passiert. Wir versuchen natürlich Hintergründe zu liefern und erzählen, was wir mit Friedrich Merz alles so erleben. Und wir nehmen euch natürlich auch mit in unsere Arbeit, erzählen so ein bisschen, wie wir arbeiten und schauen, was das Netz so über Friedrich Merz sagt. Der Untertitel unseres Podcasts, der heißt Der Podcast, den du vielleicht nie wolltest, aber jetzt brauchst du. Das war deine Idee. Ich feiere den Titel immer noch. Sag noch mal, was war dein Gedanke dahinter? Es war so ein bisschen der Versuch zu beschreiben, was, glaube ich, viele Menschen in Deutschland, was ein bisschen die Grundstimmung gerade ist. Weil man muss ja sagen, Friedrich Merz ist nicht der Kanzler, den die Mehrheit der Deutschen eigentlich gerne wollte. Also seine Beliebtheitswerte vor der Wahl und jetzt auch nach der Wahl sind nicht besonders gut. Und gleichzeitig ist er jetzt aber unser Bundeskanzler und er ist derjenige, der sehr viele, sehr große Probleme in den nächsten Jahren lösen muss. Und weil seine Beliebtheit ja nicht so hoch ist, klingt vielleicht auch ein Podcast über Friedrich Merz nicht für alle Menschen wirklich nach was, was sie unbedingt gerne hören möchten. Aber genau das wollen wir ja schaffen. Wir wollen es ja schaffen, dass auch die Menschen, die vielleicht gar nicht Friedrich Merz als Kanzler haben wollten und auch gar nicht so viel Bock auf einen Podcast über Friedrich Merz haben, am Ende diesen Podcast doch gerne hören und er ihnen Informationen liefert, die sie brauchen. Genau. Und wer sich an diesem Podcast ein bisschen beteiligen will, wer Fragen stellen will, wer mal uns auch einen Hinweis geben will, worüber wir mal sprechen sollen oder der einfach was Cooles irgendwo entdeckt hat und uns das mal reingeben will unter rambozambo.funkemedien.de könnt ihr uns erreichen. Wir freuen uns über jeden, über jede, der hier sich ein bisschen einmischen will. Ansonsten könnt ihr natürlich auch gerne in unsere DMs sliden auf allen unseren Social-Media-Kanälen. Weißt du, was ich mich gefragt habe, Carlotta? Was war wohl für Friedrich Merz der Moment, wo er wirklich wusste, it's done, jetzt bin ich Bundeskanzler? Es gab so viele Momente, habe ich das Gefühl, wo man das, man müsste ihn das jetzt fragen. Ich weiß gar nicht, ob er diesen Moment selber so klar hat, aber ich habe so eine Idee. Wenn du so drauf guckst, hast du das Gefühl, dass du ihn irgendwo siehst und sagst, das könnte es sein, das könnte der Moment sein? Und du hast so, jetzt! Also es gab ja diesen einen Moment, wo wir auch beide nebeneinander saßen auf der Pressetribüne im Bundestag, an dem Merz dann alleine ganz vorne an der Regierungsbank saß. Das war der Tag, an dem er gewählt worden ist. Genau, das war an dem Tag, an dem er gewählt wurde. Dieser historische Tag, an dem es im ersten Anlauf nicht geklappt hat für ihn. Er dann im zweiten Anlauf doch gewählt wurde. Und das war der Moment, wenn ich mich jetzt nicht irre, da war er schon von dem Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier ernannt worden und er war vereidigt worden und dann saß er aber alleine an der Regierungsbank, weil sein Kabinett noch nicht vereidigt war. Also die MinisterInnen hatten da noch nicht ihren Amtseid abgelegt. Und so vielleicht kurz noch zum Hintergrund. Die Regierungsbank war ja davor immer leer in den Bundestagssitzungen, weil es ja eben doch keine neue Regierung gab. Das heißt, in der ersten, in der konstituierenden Sitzung saß da gar niemand. Und dann war Merz vereidigt und er war der Erste seiner Regierung, der da vorne ganz alleine saß. Und das könnte so ein Moment gewesen sein, in dem es ihm vielleicht so gedämmert ist. Also er hat so hoch geguckt. Man merkt richtig so, er krabbelt auch so ein bisschen mit seinen Händen auf dem Tisch herum und du merkst so. Irgendwie die Spannung ist natürlich da, aber es ist, Angela Merkel hat das in ihrem Erinnerungsbuch sehr schön geschrieben, wie sie diesen Moment erlebt hat, dass das schon irgendwo sehr alleine, weil man sitzt da ganz alleine. Das Interessante ist ja auch, wer sich das noch nicht angeguckt hat, die Sitzlehne dieses Stuhls, auf dem der Kanzler ist, ist ja ein bisschen höher als alle anderen. Also es ist schon auch ein besonderer Punkt. Natürlich jetzt nicht ein Prunksessel, aber man merkt es, das ist schon der Kanzler-Moment. Und ja, ich glaube, man merkt ihm an, dass er das schön findet, aber dass er ihm, glaube ich, auch vollkommen bewusst ist. Von nun an zählt es. Also er hat jetzt nicht freudestrahlend da gesessen oder sowas. Vor allem nicht an diesem Tag. An diesem Tag gab es mehrere Stunden, wo nicht klar war, wie geht es jetzt weiter. Es gab mehrere Stunden, wo wir das Gefühl hatten, das kann hier, wenn sich ein paar Leute jetzt nicht wirklich zusammenreißen, zu einer echten Staatskrise werden. Wir beide saßen auf der Pressetribüne und haben uns wirklich sehr besorgt angeguckt. Das weiß ich noch. Also ein paar Leute um uns herum haben noch versucht, einen geilen Humor zu entwickeln. Aber ich glaube, wir wussten schon, oha, das kann jetzt auch ganz übel nach hinten losgehen. Und das war, glaube ich, allen klar in diesen Stunden bis dann im zweiten Wahlgang. Klar, aber jetzt ist es März. Vielleicht hat er es aber auch erst später realisiert, als er dann tatsächlich unterwegs war als Bundeskanzler, als er irgendwie mit dem Regierungspfleger losgeflogen ist. Und Julia, du hast ihn ja jetzt in seinen ersten Tagen sehr intensiv begleitet. Wie hast du seine allerersten Tage als Bundeskanzler erlebt? Also ich fand besonders, ja, fast schon berührend, den ersten Abend nach diesem Tag, über den wir gerade schon gesprochen haben, an diesem Abend, das sollte eigentlich alles viel eher sein im Tagesland, war nach hinten verschoben, nun war es wirklich schon, ich müsste nochmal nachgucken, aber die Sonne ging unter, es war Abendsonne im Kanzleramt, sie schienen wirklich durch diese riesigen Fenster auf das Gesicht von Merz und auf das Gesicht von Scholz, denn es war Übergabe, Amtsübergabe. Scholz verabschiedet sich von seinem Team, vom ganzen Haus bis hin zum Restaurant. Also wirklich sehr, sehr, sehr, sehr nett und so. Und Merz übernimmt von ihm. Und als Merz rankommt, sagt er, also er ist es, boah, was für ein Tag. Und das haben wir alle gefühlt an dem Abend. Und ihm merkte man wirklich so dieses Wow an. Das war ein sehr schöner Moment. Das war ein Moment, wo man auch so einen neuen Ton bei Merz merkte. Er ist sehr, sehr herzlich, sehr freundlich und sehr emotional auch auf Scholz zugegangen in diesem Moment. Und es war alles in dieses liebliche Abendsonnenlicht getaucht. Das war wirklich ein schöner Moment und ich glaube, da fiel von ihm wirklich einen Moment lang auch die Spannung ab. Aber wie du schon sagst, wenige Stunden drauf sind wir schon losgeflogen nach Paris und nach Warschau. Also ein Staat, der ungewöhnlich war, weil die Entscheidung am selben Tag nach Paris und nach Warschau zu fliegen, das war neu. Das hat Scholz anders gemacht. Der ist zur EU, also nach Brüssel geflogen, auch am ersten Tag, aber mal quer durch Europa. Die beiden wichtigsten Partner zu besuchen, das war schon auch ein Wumms, mit dem das Ganze dann begonnen hat. Du hast es ja schon so schön gesagt, die ersten Tage waren direkt Rambo-Zambo. Wie hast du dich denn jetzt gefühlt mit ihm im Regierungspfieger? Wie war das so? Erzähl mal ein bisschen. Also ich muss ehrlich sagen, ich bewundere schon die Energie und die Kraft, die jemand, der, ja man muss es sagen, in diesem Herbst 70 wird, ausstrahlt nach solchen Tagen, nach so einem Wahlkampf, nach so einer Regierungsbildungsphase, nach so einem Tag im Bundestag, wo irgendwie alle Fälle schwammen und dann am nächsten Tag doch relativ locker, relativ gut gelaunt, relativ vital. Man muss sich das so vorstellen, auf diesen Regierungsflügen ist es in der Regel so, dass die Journalisten sitzen in dem einen Teil der Maschine und der Kanzler in dem anderen. Sondern er kommt dann, wenn wir Glück haben, mal nach hinten zu den Journalisten und dann gibt es ein sogenanntes Hintergrundgespräch. Das heißt, das ist ein Gespräch, aus dem man nicht berichten darf. Deshalb kann ich jetzt leider da auch nicht viel zu erzählen. Aber das sind so diese Momente, wo man dann ein bisschen mehr von einem mitreisenden Kanzler, Minister oder so erfährt. Und er kam tatsächlich, wir freuten uns natürlich sehr, nahm sich auch Zeit und wirkte wirklich aufgeräumt. Und meinst du, da auf dieser Reise hat er jetzt auch das so gemerkt, okay, er ist angekommen, das war ja so ein bisschen, er ist jetzt an seinem Ziel, er ist der Bundeskanzler und Außenpolitik, das ist ja seins, das wollte er machen, so hat er sich gesehen. Ist er angekommen, da als Staatsmann direkt unterwegs, als Bundeskanzler endlich? Also ich weiß nicht, ob er manchmal diese Momente hat, wie, das kennst du, dieses Kneif mich mal, dieses, ey, ist das jetzt wirklich so? Möglicherweise hat er das, keine Ahnung. Man darf aber nicht vergessen, dass wir an diesem ersten Tag in Paris und in Warschau, ich will nicht sagen, gute Freunde getroffen haben, aber zwei Männer getroffen haben mit Emmanuel Macron, dem französischen Staatspräsidenten und mit dem polnischen Ministerpräsidenten Donald Tusk, die er sehr gut kennt, mit denen er sehr vertraut ist und die sich persönlich einfach richtig gut verstehen. Deshalb hatte das auch den Charakter so eines Besuchs unter Freunden und damit natürlich auch eine gewisse Grundentspannte. Er war bei beiden schon, bevor er Kanzler geworden war, beide haben sich mit ihm getroffen. Also das ist jetzt nicht so dieses alles neu Ding. Insofern glaube ich, hat das auch dazu beigetragen, dass das fast so eine familiäre Atmosphäre hatte. Aber nicht ohne Spannung. Während es in Paris noch wirklich sehr harmonisch war, ging es in Warschau dann auch gleich zur Sache. Also du hast es gerade gesagt, die erste Woche Rambuzambo, das war der Tag, an dem gleichzeitig sein März Innenminister Alexander Dobrindt verschärfte Grenzkontrollen angeordnet hatte. Die Polen finden das null lustig. Für die bedeutet Grenzkontrollen, dass die Pendler nicht über die Grenze kommen. Da sind Staus. In Polen war oder ist Präsidentschaftswahlkampf. Das heißt, da war Thermik und das hat man diesem Treffen auch angemerkt, dass da auch so einige Probleme auf dem Tisch liegen. Das war schon sichtbar und nicht nur gutes Wetter. Das hat man schon gesehen. Und naja, und dann ging es ja Schlag auf Schlag. Es ging direkt weiter. Genau, am Samstagmorgen haben wir Bilder, eine ähnliche Konstellation. Tusk, Merz, Macron und Starmer, der britische Premier, besuchen die Ukraine und sitzen mit Volodymyr Silensky zusammen auf einem Sofa, telefonieren mit Trump und es geht um Krieg oder Frieden in der Ukraine. Das war das nächste starke Bild. Also Rambo-Zambo, das ging dann noch weiter. Aber das wollte er wahrscheinlich auch. Jetzt geht es richtig los. Jetzt geht es richtig rein. Du hast das so schön beschrieben. Die Gruppe, wie sie da auf dem Sofa saß, als Boy-Group. Wie meinst du das? Naja, das ist schon sehr deutlich, dass diese Regierungschefs sich auch als Gemeinschaft, als Truppe, Boygroup ist ja so salopp dahingesagt, aber eben schon als so ein neuer Kern inszenieren wollen. Man sah das schon auf den Bildern aus dem Zug. Also Ukraine-Besuche gehen ja nicht per Flugzeug, sondern gehen per Zug aus Sicherheitsgründen. Und da gibt es so Bilder, wo Macron, Stama und Merz hensärmelig, also so in Zivil zusammenhocken und gute Stimmung haben. Später gibt es Bilder, wo Selensky dabei ist und die wirklich wie so eine Jungstruppe, die sich darauf freuen, dass sie jetzt zusammen ein großes Ding drehen, sich in den Arm nehmen, sich so knuffen, immer wieder so die Hand auf die Schulter des anderen legen. Also Körperkontakt suchen, wirklich so eine Kumpeltruppe sind, die es sich jetzt mal vorgenommen hat, endlich maximal relevant für Frieden zu sorgen. Das ist nicht so richtig aufgegangen, wie wir im Nachhinein alle wissen, denn auch dieses Telefonat mit Trump auf dem Sofa, wo wir gerade sprachen, ist ja nicht dahin ins Ziel gegangen, wie sie sich das vorgestellt hatten. Die Hoffnung war 30 Tage Waffenruhe und danach Verhandlungen. Das Ganze ist durch Trump und dann später auch durch Putin mit krassen Alleingängen nochmal ganz neu sortiert worden. Und man sieht eben, die europäische Jungstruppe kann noch so viel Zusammenhalt sichtbar machen und stark auch auf die Straße bringen. Am Ende, ganz am Ende. Hängt der Frieden in der Ukraine davon ab, was Trump will und wie Putin darauf reagiert? Außenpolitik, da wollte er ja in den ersten Tagen ein Statement setzen. Er wollte zeigen, okay, Deutschland ist jetzt zurück auf der großen Bühne. Europa ist vereint und geht gemeinsam. Jetzt regelt die Welt wieder und sorgt dafür, dass die Welt irgendwie wieder in geregelte Bahnen verläuft. Über Außenpolitik hat er auch sehr viel, zumindest am Anfang geredet, in seiner Regierungserklärung, die jetzt ja auch war in den letzten Tagen, es war seine allererste Regierungserklärung im Bundestag, wo er sich ja schon so ein bisschen auch von einer anderen Seite gezeigt hat, als der Merz, den man kannte, wenn er davor an diesem Rednerpult stand im Bundestag, damals noch als er Positionsführer. Wie hast du ihn erlebt so in dieser allerersten Regierungserklärung? Ja, du hast es schon eigentlich perfekt formuliert. Also man kannte ihn anders. Merz im Bundestag, das war wirklich Rambo-Zambo, das war Attacke, das war der Oppositionspolitiker, der richtig nach vorne gegangen ist, der Scholz sehr hart attackiert hat. Klar, es war zu erwarten, dass er als Kanzler einen anderen Auftritt hat, dass er als Staatsmann auftreten wird, das war mehr oder weniger vorhersehbar. Aber ich finde es, um ehrlich zu sein, ein bisschen unfair, dass viele jetzt sagen, boah, das war total langweilig. Also ich habe im Moment das Gefühl, egal wie er es macht, macht das falsch. Ich fand, dass er eine gute Rede gehalten hat und er hat einen interessanten Move gemacht. Er hat, was ich von bislang keinem Kanzler in der Form erlebt habe, er hat geduzt. Nicht alle, nicht in der ganzen Zeit, aber in dem Moment, wo er so eine Art Schulterschluss versucht hat, Leute, wir müssen uns hier irgendwie jetzt alle als Land betrachten. Damit das wieder wird, mit Zuversicht, mit Wachstum und mit Lust auf Zukunft. Da hat ja die jüngere Generation irgendwie geduzt. Wir wissen, dass wir angesichts der demografischen Entwicklung in dieser Wahlperiode ein Zeichen setzen müssen für eure Zukunft. Wir wissen, dass es eure Chancen sind, für die wir heute arbeiten. Aber ich bitte euch auch, helft mit, denn die Zukunft gehört euch. Ich habe mich wirklich in dem Moment gefragt, was würde Carlotta dazu sagen? Wahrscheinlich die Augen rollen, weil das klingt auch immer so ein bisschen ranwanzig. Ich meine, wer hat das erlebt? Also ehrlicherweise ist es mir gar nicht so aufgefallen in dem Moment, als ich es gehört habe. Mir ist es jetzt dann erst aufgefallen, als du es gesagt hast. Ich finde es immer so ein bisschen problematisch, wenn man anfängt, nur die jungen Menschen zu duzen, weil das immer so ein bisschen ganz leicht despektierlich ist. Also ich glaube, er hat es nicht so gemeint, aber es wirkt immer so ein bisschen wie von oben herab. So, ja, ihr, er hat ja auch gesagt, wir kümmern uns um eure Zukunft, aber ihr müsst auch was dafür tun. Und so kommt das immer so ein bisschen von oben herab, hat das ganz schnell so einen Touch, wenn ältere Menschen, das muss man über ihn jetzt einfach mal so sagen, junge Menschen duzen aber dann. Er würde jetzt ja nicht die Rentnerin in Deutschland, die würde er nicht duzen. Er würde ja nicht sagen, ihr Rentner und Rentnerinnen in Deutschland. Eure Rente ist sicher, da würde er siezen. Total. Und deswegen, ja, irgendwie nett, aber irgendwie auch hat irgendwie schon so ein bisschen komischen Beigeschmack. Also ich weiß nicht, ob das jetzt, das war jetzt nicht der Move, mit dem er die jungen Menschen in Deutschland rumgekriegt hat. Würdest du denn generell sagen, dass so diese ersten zehn Tage und das, was man von Merz erfahren hat, was man von ihm erlebt hat, dass das die jungen Leute von ihm überzeugt? Also das war ja immer so ein Vorwurf, irgendwie Merz erreicht nicht wirklich die Gen Zee, erreicht auch jungen Frauen gerade nicht. Hast du das Gefühl, dieser Staat hat ihn da geholfen? Bisschen nach vorne gebracht oder? Ich fürchte ehrlicherweise nicht. Also ich glaube, dafür braucht es mehr. Da sind insgesamt, glaube ich, sehr starke Meinungen auch über Friedrich Merz einfach in weiten Teilen vorhanden, gerade bei jungen Menschen. Und das ist auch eher so, also in den sozialen Medien ist es eher so ein Fehltritt, über den wird dann geredet oder irgendwas ist nicht so gut. Darüber wird dann viel geredet. Ich glaube, da muss noch deutlich mehr passieren, dass sich da wirklich was ändert im Blick auf Friedrich Merz, als einfach nur, dass er jetzt einmal nicht rumgepöbelt hat im Bundestag oder außenpolitisch aufgetreten ist als starker Kanzler in Deutschland. Also ehrlicherweise glaube ich, da braucht es noch ein bisschen was. Wir werden ihn ja die nächsten Wochen begleiten und immer mal wieder fragen, welche Auswirkungen das hat. Aber krass war ja, dass im Netz in dieser Woche im Grunde nur eine Sache richtig groß war. Ja, wir haben uns ja hier vorgenommen, dass wir auch immer einmal darüber sprechen, worüber das Netz so spricht, worüber im Internet diskutiert wird. Und diese Woche war es ganz eindeutig ein Thema, nämlich dieses vermeintliche Kukstütchen im Zug nach Kiew. Krass, oder? Ja, wahrscheinlich gibt es viele Menschen, die nur das mitbekommen haben von seiner ersten Woche. Vielleicht natürlich noch die Wahl, die im ersten Wahlgang nicht geklappt hat und dann aber vor allen Dingen über dieses angebliche Kukstütchen geredet wurde. Diese Videos wurden ja millionenfach geklickt. Vielleicht hat es trotzdem irgendwer nicht ganz mitbekommen. Also es war so, dass eben in diesem Zug nach Kiew, in dem Macron, in dem Stama und Merz gemeinsam saßen und nach Kiew gefahren sind, da gab es ein Video. Und auf diesem Video sieht man, wie Macron, als dann die JournalistInnen reinkommen, ein weißes Taschentuch vom Tisch nimmt. Dass er so zerknüllt lag. Er nimmt es weg, genau. Es lag so zerknüllt. Weil es halt doof im Bild aussieht, wenn er so ein Schnupftuch. Genau, es lag so zerknüllt auf dem Tisch, das hat er weggeräumt. Und Merz hat noch so ein Stäbchen, was bei den meisten, die meisten sagen, es ist ein Stäbchen gewesen, so ein Cocktailstäbchen. So zum Umrühren. Zum Umrühren, ja genau. Genau, wegräumt und das wurde aber ganz, ganz schnell im Internet verbreitet, als die Regierungschefs, die europäischen Regierungschefs neben Koks im Zug mit Selensky, der auch dabei war. Und da ist direkt eine Desinformationskampagne losgegangen und dieses erste Video, das hatte ja irgendwie ganz, ganz schnell 20 Millionen Views und es war ja so weit, dass die Regierung, zumindest die französische Regierung, sich genötigt gefühlt hat, sich dazu zu äußern und dann hat der Edisee-Palast gepostet. Das ist ein Taschentuch zum Naseputzen und hat dazu eine Richtigstellung gepostet. Auch die CDU hat sich dazu geäußert und hat das widerlegt, hat gesagt, nein, das ist ein Taschentuch. Und ehrlicherweise, dieses erste Video war verschwommen in den anderen Fotos, die es dann danach gab von der Situation, hat man das sehr eindeutig gesehen, dass das ein Taschentuch ist. Trotzdem, im Internet war erstmal diese Desinformation verbreitet worden und zwar extrem schnell. Ich habe mich auch gefragt, und vielleicht kannst du mir sagen, was du denkst, wie findet Friedrich Merz das? Ist ihm das egal? Ist er da sauer? Nervt ihn das? Oder kann er darüber auch lachen? Also ich glaube, dass er eher sehr besorgt ist darüber, denn ja, das ist natürlich, sagen wir mal, für die Politik und für die Kommunikation über Politik und am Ende für die Demokratie ein Riesenproblem, dass von einer Woche, wo so viel passiert ist, wo so viele, sagen wir mal, wichtige Momente, Entscheidungen und Ereignisse passiert sind, dass am Ende das ist, was für viele möglicherweise nur bleibt. Das ist das eine. Und das andere ist, man sieht eben. Wie so eine Parallelrealität erzeugt wird und dann eine Reichweite hat, die über alles hinaus strahlt, was tatsächlich passiert ist. Und das war jetzt ein Kokstütchen. Das war kein Kokstütchen. Ja, nein, das Thema war ein Kokstütchen. Das lässt sich relativ leicht dann auch wieder aus der Welt schaffen. Aber stell dir vor, es wäre eine Sache gewesen, die über Krieg und Frieden entscheidet. Stell dir vor, die hätten irgendein Papier so manipuliert, dass man das Gefühl hätte, da wird jetzt eine neue Waffengattung geliefert oder andere Narrative, die sich aus so einer Geschichte dann erzeugen lassen, die dann wiederum Regierungen sogar zum Handeln. Also ganz ehrlich, das ist eine dramatisch gefährliche Entwicklung und ich glaube, weil du fragst, wie denkt Friedrich Merz das? Wahrscheinlich kann er auf der einen Seite irgendwie so die Augen rollen und die CDU hat es ja auch versucht ein bisschen humorvoll aufzugreifen. Aber ich glaube, tief drin ist, und das ist glaube ich bei allen, das ist nicht nur bei Merz so, und sonst hätte der Elisée auch nicht reagiert, sehen sie glaube ich die riesige Gefahr, die in solchen Fake News, in solchen Narrativen dann eben auch steckt. Ja, du hast recht. Das war natürlich jetzt was, was man relativ leicht einfach widerlegen konnte, was auch sehr schnell widerlegt wurde, obwohl dieses erste Video sehr oft angeguckt wurde. Aber es kann gut passieren, dass es in der Zukunft Situationen gibt, in denen sich sowas viel mehr hält und dann nicht alle Menschen auch die Aufklärung der Desinformation erreicht. Das ist ja leider das Problem, was es ganz oft gibt mit Desinformation. Diese erste Nachricht, die erreicht extrem viele Menschen und der Faktencheck dann hinterher oder die Richtigstellung erreicht viel, viel weniger Menschen. Leider natürlich auch wegen der Algorithmen, der sozialen Medien und dann bleibt das einfach hängen. Carlotta, wir wollen am Ende unserer Folge immer die Woche abschließen mit einem Emoji, das wir uns aussuchen, das wir Friedrich Merz schenken. Vor allem jetzt mit dem Hintergrund, worüber wir jetzt gerade gesprochen haben, eben auch so diese Gefahren einer Netzwelt, die praktisch unkontrollierbar ist. Was ist dein Emoji, was du Merz nach dieser Woche gibst? Mein Emoji für seine ersten Tage, das war ja ein bisschen mehr als eine Woche, seine ersten Tage ist dieses Emoji, das sich so die Hände vors Gesicht hält und da so durchblinzelt. Ich glaube, so saß ein großer Teil der Menschen im Bundestag am Tag seiner Wahl. Wir beide auch und ganz viele andere auch. Bei diesem ersten Wahlgang, so saßen ganz, ganz viele Menschen im Bundestag und auch draußen. Das war ja was, was wirklich nicht nur die Berliner Politik blase, wirklich aufgerüttelt hat, sondern auch, glaube ich, ganz, ganz viele Menschen in Deutschland. So saßen, glaube ich, ganz viele da und haben sich gedacht, ach du Scheiße, was passiert jetzt? Wie geht es jetzt weiter? Und das beschreibt, glaube ich, auch so ein bisschen den Blick, mit dem jetzt alle auf diese Kanzlerschaft gucken. Kriegt der das jetzt wirklich hin? Die ersten Tage, er hat sich jetzt anders gezeigt in der Regierungserklärung, aber klappt das jetzt wirklich so und kriegt der es hin, was er ja versprochen hat, auch in der Regierungserklärung? Gute Politik machen, schnell zeigen, schnell Ergebnisse bis zum Sommer und Einigkeit, kein Streit. Klappt das wirklich? Das ist so ein bisschen aktuell mein Blick auf die ganze Angelegenheit. Was ist dein Emoji? Also mein Emoji ist dieses Emoji, das etwas überrascht, etwas klubschäugig guckt. Mit den weit aufgerissenen Augen. Weil nach diesen ersten Tagen ist meine Bilanz, es wird definitiv nicht langweilig mit diesem Kanzler Merz. Wir werden oft diesen Moment haben, so oha, okay, es passiert was, er macht was, er ist sichtbar, er ist keiner, der sich versteckt. Sein Gesicht, seine Mimik, das ist ein offenes Buch, also da passiert die ganze Zeit was. Ich bin sehr gespannt, wie es weitergeht und meine Augen sind wie mein Emoji, glaube ich, noch so ein bisschen aufgerissen. So oha, okay, wir werden ihn begleiten. Wir werden ihn begleiten in den nächsten Wochen und wir hoffen, ihr seid dann auch wieder dabei und hört uns zu und ich freue mich sehr, Julia. Ich mich auch. Carlotta, bis nächste Woche. Tschüssi. Tschüss.