Latest / Aus dem Cafésatz, aktuelle Kapitalmarkt Themen verständlich erklärt mit Zsolt Janos / Wie sicher sind die Sicherheitsreserven?
Transcript
- Zsolt Janos: Ich bin ja immer wieder begeistert, wenn ich jetzt auch diese mobile Studio-Oberfläche hier sehe. Diese Woche sind wir unterwegs in Lissabon und ich habe zum Glück rechtzeitig mich darauf vorbereitet, mit der Technik, dass ich von hier aus eben mit den mobilen Geräten und mit den Einstellungen das auch machen kann. Faszinierend. Mein Techniker hat mir auch geschrieben, dass ihm das auch aus der Ferne Spaß macht zu sehen, wie sehr ich mich innerhalb von, ja, ich würde sagen, jetzt eineinhalb Monaten in eine Geschichte hineingelassen habe, die ich komplett vorher abgelehnt habe. Ich wollte mich damit nicht beschäftigen und jetzt macht es mir so viel Spaß. Drei Themen, die ich heute aufgreife. Vorab morgen wird's wahrscheinlich wieder keine Podcastfolge geben, ab nächster Woche dann wieder regelmäßig. Von den Zentralbanken gab es ja nichts Neues. Die amerikanische Notenbank hat die Füße stillgehalten, so wie erwartet. Heute wird die EZB, die Europäische Zentralbank, auch keinen Zinsschritt setzen mit hoher Wahrscheinlichkeit und die Bank of Japan hat das schon im Vorfeld angekündigt. Also dass jetzt bei der Sitzung dort auch keinen Zinsschritt geben wird. Es wäre auch ungewohnt, hier etwas zu tun und wäre ein viel stärkeres Signal, wenn so kurz vor den Wahlen in Amerika die Zinsen bewegt werden würden. Somit ist die Zentralbankengeschichte mal kurz abgehakt. Was für mich gestern ein viel, viel stärkeres Signal war, waren die Zahlen gleichzeitig von Alphabet und von Microsoft. Und da haben wir zwei komplett unterschiedliche Reaktionen gesehen aktuell. Darauf gehe ich ja immer wieder in den Podcasts ein. Wir sehen, dass nur gute Zahlen zu veröffentlichen. Das ist zu wenig und es ist grundsätzlich keine Garantie dafür, dass die Kurse an den Börsen steigen. Wenn aber schlechte Zahlen veröffentlicht werden und vor allem schlechtere als erwartet wurde, dann ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass die Kurse zurückfallen. Und gestern war für mich die Meldung von Alphabet deswegen relevant, weil hier drei, vier wichtige Informationen drinnen waren, die wir hier schon seit einiger Zeit immer wieder zerkauen. Die erste Information war, dass Alphabet keine eigenen Aktien mehr rückkaufs oder jetzt zumindest keine Rückkäufe plant. Und das ist eine Story, die deswegen relevant ist, ist nur so nebenbei verkündet worden. Aber diese Story ist deswegen sehr relevant, weil sehr, sehr lange haben die Hyperscaler ihre eigenen Aktien zurückgekauft und damit den Aktienkursen eine zusätzliche Stütze gegeben, eine Nachfrage. Jetzt wird sehr viel aus dem Daily Business, aus dem Cash-Law in die AI-Infrastruktur Investitionen oder in den Ausbau investiert und damit ist das Geld natürlich nicht mehr so vorhanden, hier Aktien rückzukaufen. Dann hat Alphabet auch noch gemeldet, und das ist auch relevant, dass im eigentlichen Grundgeschäft von Google, nämlich die Suchmaschine, dass dort die Umsätze zurückgehen. Und das hat sich sehr, sehr lange verzögert. Es war schon vor eineinhalb Jahren ungefähr die Frage, wie sehr wird sich die AI-Thematik, die KI, Applikationen, JCPT, Cloud, alles was da so da ist. Wie sehr werden sich die statt den klassischen Google-Suchmaschinen in unser Leben positionieren? Und mittlerweile, würde ich sagen, brauche ich nur meine Themen im täglichen Geschehen anschauen. So richtig gegoogelt habe ich schon lange nicht mehr. weil automatisch fast alle Fragestellungen oder Themen mit irgendeinem KI-Tool bearbeitet werden. Und da sinken die Zahlen und das ist schon relevant, weil Google und Alphabet aus diesen Basisgeschäftsmodellen die ganzen Investitionen im Bereich der CapEx-Ausbrotten finanziert haben. Und jetzt stellt sich eben die Frage, wo werden sie das Geld hernehmen? Vorläufig haben Sie gestern verkündet, dass Sie die Investitionen weiter hochhalten wollen. Das heißt, da werden Sie nicht besonders zurückfahren. Es ist jetzt bei den Zahlen rausgekommen, dass Sie ungefähr 5 Milliarden weniger ausgegeben haben als geplant. Das ist nicht so wirklich relevant, aber die Planung fürs nächste Jahr ist wieder sehr, hoch. Und ein direkter Konkurrent, Microsoft, zeigt, wie anders die Themen gehandhabt werden können. Und für mich sind die zwei deswegen faszinierend, weil es sich zeigt, dass es nicht mehr genügt, in einem Segment zu sein und da ist, schwimmt alles mit nach oben. Sondern der Kapitalmarkt beginnt hier auseinander zu filetieren und auseinanderzunehmen. Wer hat glaubwürdige und gute Zahlen? Wer reagiert rechtzeitig? Wer reagiert sogar präventiv, bevor es unbedingt notwendig wäre? und wer zögert die Sache zu lange raus. Und Microsoft ist deswegen faszinierend für mich, weil gestern sind da auch die Zahlen rausgekommen. Die zwei sind fast in entgegengesetzte Richtungen, kurstechnisch nach den Zahlen verlaufen. Microsoft hat einen Sprung nach oben gemacht, Google hat einen, Alphabet hat einen Sprung nach unten gemacht. Was aber für mich wichtiger war, ist, dass Microsoft vor einigen Tagen gemeldet hat, dass sie mit 60.000 Mitarbeitern darüber plaudern, dass die Mitarbeiter quasi einen goldenen Handshake annehmen und das Unternehmen verlassen. Das ist ein Viertel der Belegschaft von Microsoft. Und ich habe da und dort nachgeschaut, wie diese Nachricht aufgearbeitet wird. Und es kamen sehr schnell die Schlagzeilen, dass die KI, also die Künstliche Intelligenz, hier die Arbeitsplätze gefährdet. Wenn wir uns aber die Kommentare von der HR-Abteilung von Microsoft uns näher anschauen, dann sehen wir, dass dort mit keinem Wort über KI gesprochen wird. Und es sind nur einzelne Bereiche von Microsoft betroffen, Vertrieb, Kundenkontakt, die ganze Kundenkommunikation ist davon nicht betroffen. Und vielleicht kann sich Der eine oder andere noch daran erinnern, dass Microsoft vor, glaube ich vor einem halben Jahr schon einmal mit einem Programm für Aufsehen gesorgt hat, als verkündet wurde, dass eine komplett neue Abteilung aufgebaut wird mit 6000 Ingenieuren, die als Hauptaufgabe die praktische Anwendung der neuen Tools von Microsoft im Daily-Business der Kunden haben. Das heißt, sie bieten nicht mehr nur Lösungen an, Produkte an. Weil Microsoft hier ganz klar sagt, nur weil ein Kunde bestimmte Produkte zur Verfügung gestellt bekommt, heißt es leider noch nicht, dass diese Produkte auch tatsächlich dazu führen, dass die Geschäftsmodelle sich verändern und transformieren. Und da will Microsoft sehr stark direkt zu den Kunden gehen, zu den Nutzern von dem Microsoft, Lizenzen und denen, den Kunden direkt erklären, wie können die neuen Tools effizienter, besser direkt im Geschäftsmodell der Kunden eingebaut werden. Ich finde das faszinierend. Das ist eine ganz andere Sichtweise als einfach nur zu sagen, wir entwickeln Produkte, verkaufen die Produkte den Kunden und ob die dann die Produkte nutzen oder nicht, ist uns eigentlich egal. Nein, Microsoft ist es nicht egal. Sie setzen das also derzeit stärker abgebaut wird, ist die Backoffice-Seite, die Administration, Abteilungen, wo man also nicht direkt an den Produkten, mit dem Kunden direkt gemeinsam arbeitet. Und das ist für mich eine präventive Transformation. Microsoft baut baut die eigenen Strukturen bevor das unbedingt notwendig wird. und gehen zu den Kunden und beschleunigen bei den Kunden die Transformation. Ich sehe das ja in sehr vielen Strukturen und auch in den eigenen Unternehmern, dass sehr oft Mitarbeiter bemüht sind, angenehme, eingefahrene Gewohnheiten möglichst lang beizubehalten. Und damit kommt man als Unternehmer nicht weiter. Es ist also wichtig, hier permanent in Bewegung zu bleiben. Natürlich gibt es keine Garantie, ob jetzt die Richtung, wo man hin gehen will und wenn man Schritte setzt, ob das die richtige Richtung ist. Aber wichtig ist, dass die Bewegungen gesetzt werden und Microsoft setzt hier diese Bewegungen und wird damit die ganze Transformation des Marktes noch einmal zusätzlich beschleunigen. Das war für mich faszinierend, gestern eben zu sehen und zu hören und was im Vorfeld gemacht wird. Bei Alphabet Google muss ich sagen, ganz schlechte Kommunikation im Vorfeld. gar keine Meldungen, kommt. Und dann sehr, sehr stark abweichende Zahlen, sehr schwache Zahlen. Ja, dann darf man sich nicht wundern, dass die Börsenkurse dementsprechend reagieren. Und parallel dazu Microsoft hat auch gestern die Zahlen rausgebracht, hat aber im Vorfeld schon einzelne rausgelassen, weil hätten die gestern mit den Zahlen bekannt gegeben. dass sie gute Zahlen haben und gleichzeitig aber 60.000 Mitarbeiter so ein Angebot machen, dann hätte das der Markt sicher anders auf gearbeitet. So haben sie aber diese Story zuerst rausgegeben, darüber ist diskutiert worden. Der Kurs hat das schon im Vorfeld sehr positiv verarbeitet und jetzt haben sie gestern dann auch noch sensationelle Zahlen geliefert. Wir sehen also eines und das kommt immer wieder vor, eben gute Zahlen. reichen nicht und an dem Tag, wenn die Zahlen gemeldet werden, damit die Kurse dann steigen. Das ist auch wichtig, was im Umfeld passiert. Und all jene Anleger, die Kursbewegungen sehen wollen, müssen Stories lieben. Weil die Börsenkurse überwiegend natürlich von den Stories bewegt werden. Es gibt ein Basisgeschäftsmodell. Das ist interessant für die interne Entwicklung des Unternehmenswertes. Wie viel wird umgesetzt? Wie sind die Gewinnentwicklungen im Unternehmen? Und dann kommen diese Fantasiestories. Wie geht es in der Zukunft weiter? Das sind die zusätzlichen Treiber für die Börsenkurse, für die Aktien. Und wenn ein Boom irgendwo beginnt sich zu etablieren, das kommt ja nicht auf Kommando, wo man jetzt sagt, so und ab jetzt entsteht ein Boom im AI-Bereich oder in irgendwelchen anderen Themenbereichen. Boom, sickern so langsam hinein und früher oder später kommt die Frage, wie stark wird diese Story noch weitergehen? Und die zweite Frage ist, wie lange hält das an? Und dann kommt natürlich auch die Frage, wie gesund ist denn das Ganze überhaupt? Und solange die Stimmung rundherum und die Story passen, wird das ausgerollt. Wir haben am Montag, glaube ich, oder am Dienstag noch über Meta gesprochen, dass in diesem aktuellen Börsengang, in dieser Vorfeldstimmung von Entropic, Meta auch sehr kreativ ist und sich Kapital holt. Und für diese Woche war geplant, 22,5 Milliarden Dollar über neue Aktien zu holen. Und das Spannende ist, dass hier die Stimmung so gut war, dass Meta statt 22,5 Milliarden 25 Milliarden Kapital sich holen hat können in der ersten Runde. Damit wird die gesamte Kapitalerhöhung nicht 95 Milliarden ausmachen, sondern ja die 100 sogar sprengen. Und das zeigt für mich, dass die Kreativität immer noch stark genug ist, damit Kapital von überall bewegt wird. Kapital ist genug da. Und Das wird eine Zeit lang noch so weitergehen. werden sehen, wie lang und wie stark. Entropic hat auch eine kreative Lösung in seinem Kreiselfinanzierungsmodell aufzeigen können mit Broadcom gemeinsam. Dort werden 63 Milliarden, sogenannte SPV, diese Special Purples Vehicle aufgestellt. Auch SpaceX hat 40 Milliarden SPW abgeschlossen. Das sind Zahlen, wenn man sich das anhört. Wir diskutieren das immer wieder. Das ist eigentlich so 100 Milliarden und die Summen rauf und runter, damit kann der normale Mensch fast gar nichts mehr anfangen. Natürlich können Kleinanleger auch mit diesen, im Windschatten dieser Summen mitschwimmen. Wenn die großen Unternehmen hier diese Investitionen in den Raum stellen und damit Kurse bewegen. Aber es ist immer wieder wichtig, die notwendige Distanz zu behalten, zu sehen, was bewegt tatsächlich die Kurse und vor allem wie lange. Und über viele Beträge wird gesprochen. Aber ob die dann wirklich auch tatsächlich entstehen, das ist was anderes. Vor einiger Zeit habe ich das schon angesprochen, dass NVIDIA über diese 500 Milliarden spezielle Finanzierung Idee gesprochen hat, aber davon haben wir dann auch danach nicht mehr sehr viel gehört. Die Frage ist, wird das wirklich entstehen, wird das zustande kommen oder ist das nur ein Marketingthema gewesen von Jason Hoag? Aber es hat kurzfristig auf jeden Fall die Kurse bewegt. Damit sehen wir, es sind nicht die Fakten, die die Börsenkurse bewegen, sondern sehr, oft irgendwelche Stories, die von irgendjemanden lanciert werden. Und damit sind die ganzen Schlagzeilen, die können wir immer wieder auch relativieren, weil irgendwer hat Interesse daran, dass die Schlagzeile entsteht, die da entsteht. Und deswegen ist das ganz gut als Anleger. da nicht nur mitgesaugt zu werden, sondern aus der ersten Distanz zu betrachten. Und an dritter Stelle ist noch eine sehr gute Frage gekommen, wir auch hier gemeinsam mit Leon und zu diskutieren, nämlich die Frage, wie sicher sind solche Anlagen, die der Anleger für sicher hält? Sind die wirklich sicher? Man könnte diese Frage sehr einfach beantworten und sagen ja oder nein. Aber die Frage ist natürlich viel komplexer, weil ich glaube, dass es hier wichtig ist, dem Anleger darüber zu diskutieren, was der einzelne Mensch unter Sicherheit überhaupt für sich versteht. Ist das nominale Sicherheit? Ist das reale Wertsicherheit? Ist das Liquiditätssicherheit? ist die Sicherheit in Bezug auf Marktschwankungen definiert oder Emittentensicherheit. Das Ganze ist also viel, komplexer, als nur zu sagen, ist meine Anlage sicher? Und vor allem sehe ich auch, dass sehr oft Menschen im Zusammenhang mit Sicherheit die Verpackung kaufen und irgendwelche Aussagen irgendjemandem glauben, aber die Details ... nicht gerne zerlegen. Man muss auch dazu sagen, dass lange Zeit sehr viele Informationen uns gar nicht zur Verfügung gestanden sind. Man musste also quasi das glauben, was hier die Emittenten oder Produktentwickler erzählt haben. Aber viel größer ist aus meiner Sicht nicht die Gefahr, dass in Produkten irgendwelche Risiken drinnen sind, sondern eher die Gefahr, dass dass die Anleger in viele Produkte deutlich mehr Sicherheit hinein interpretieren oder von Produkten irgendwelche Sicherheiten erwarten, die einfach die Produkte gar nicht erfüllen können. Und solange die Risiken nicht schlagen werden, ist das alles kein Problem. Wenn aber die Risiken kommen oder sich irgendetwas im Umfeld ändert, dann zeigt sich sehr, oft, ob diese Produkte überhaupt das erfüllen können. was man da hineininterpretiert hat. Und meine Lösung dafür ist immer wieder ganz entspannt und in Ruhe, die ganzen Marketingbegriffe auf die Seite zu schieben und einfach die Details anzuschauen. Wie schauen die Bausteine der Produkte aus? Worauf sind die aufgebaut? Und was können diese Bausteine? Dann die weitere Frage ist auch noch wichtig. Wie nah bin ich mit meinem Produkt an den tatsächlichen Marktmechanismen? Bin ich möglichst nah dran? und muss akzeptieren, dass ein Schlagloch ohne Stoßdämpfer mir die Füllung aus den Zähnen raushauen wird, weil das so ist. Oder ist da ein Dämpfer dazwischen, da habe ich Emittenten dazwischen, die möglicherweise mir etwas versprechen, da muss ich mich nicht so sehr mit dem Markt auseinandersetzen, sondern die Frage stellen, wie sicher, wie stabil, wie stark ist dieser Emittent, können die Versprechen, die hier in der Auslage gestellt wurden, können die überhaupt erfüllt werden? Also eine sehr einfache Frage, die aber sehr gut ist. Die Frage, gekommen ist, wie sicher sind denn überhaupt die sicheren Produkte? Und wenn ein Verkäufer kommt, der nutzt das natürlich sehr stark aus und das ist auch sein Interesse, dass die Kunden ihm das, was er erzählt, glauben und damit die Produkte kaufen. Wenn wir uns aber jetzt mit mit den Details der Produkte uns auseinandersetzen, dann müssen wir schon Skalpell nehmen und ein bisschen in die Tiefe gehen. Mit diesen Gedanken gehen wir in einen herrlichen nächsten sonnigen Tag hier in Lissabon. Ich denke, dass wir heute auch wieder so die 4-25 Grad herum bekommen werden. Ich wünsche allen, auch zu Hause, einen schönen Tag. Und ich freue mich, wenn wir uns wiederhören, wahrscheinlich nicht morgen, sondern am Montag beim nächsten Podcast aus dem Cafésatz.