Latest / Anonym Suchthilfe – KI-gestützte Selbsthilfe / #16 Folge 4: Meine unsichtbare Depression: Die Wahrheit über Wut, Medis & meinen Hund
Transcript
- 0:00Hallo und herzlich Willkommen zu unserer heutigen Besprechung.
- 0:03Schön, dass du da bist und dir Zeit nimmst für dich und für n
- 0:07echt wichtiges Thema heute schauen wir uns gemeinsam einen
- 0:10Artikel von Nielix Berlin genauer an.
- 0:13Es geht um männliche Depression während der Genesung von sucht.
- 0:17Etwas, das der Autor Gabriel als eine Art, Ja unsichtbare
- 0:20Epidemie bezeichnet. Absolut ein Thema, das oft unter
- 0:24dem Radar fliegt. Und bevor wir da tiefer
- 0:26einsteigen, uns ist 1 ganz wichtig zu sagen, Gabriel, also
- 0:31der Kopf hinter nielix Berlin und diesem Artikel ist selbst
- 0:34betroffen von Sucht, von psychischen Themen.
- 0:37Er teilt auf seiner Webseite sehr, sehr offen seine eigenen,
- 0:40oft auch ja schmerzhaften Erfahrungen.
- 0:43Das macht seine Sichtweise so authentisch und direkt.
- 0:47Genau das ist nicht nur Theorie. Und vielleicht hilft es dir auch
- 0:50zu spüren, wenn du mit solchen Dingen kämpfst.
- 0:52Du bist definitiv nicht allein. Ja, diese persönliche Ebene, die
- 0:56macht den Artikel auch so stark, finde ich.
- 0:58Sie baut Brücken, wo reine Statistiken oft irgendwie mauern
- 1:02lassen, es geht darum, das Stigma zu durchbrechen und eine
- 1:06Verbindung zu schaffen, das kann Mut machen.
- 1:09Auf jeden Fall. Eine kurze Anmerkung noch, die
- 1:11uns am Herzen liegt. Wir sprechen heute über sensible
- 1:14Themen, Depression, auch Suizidgedanken kommen vor,
- 1:18psychische Erkrankungen, Medikamente, das hier ist keine
- 1:21medizinische Beratung, das ist ganz wichtig, wenn du merkst,
- 1:24dass dich das stark betrifft oder du dich vielleicht in den
- 1:27Beschreibungen wiedererkennst, dann ist der wichtigste Schritt,
- 1:30sprich mit Fachleuten. Unbedingt Ärzte, Therapeuten,
- 1:34Beratungsstellen. Die sind dafür da, es gibt
- 1:38Hilfe, man muss sie nur suchen, OK.
- 1:41Lass uns starten. Gabriel beschreibt eine
- 1:43Beobachtung aus seiner langen Zeit in Sucht und Recovery.
- 1:47Viele Männer in Meetings, in Selbsthilfegruppen, die wirken
- 1:50nach außen hin total stabil. Ja so scheinbar funktionierend,
- 1:54ne. Genau.
- 1:55Job, vielleicht sogar Sponsor? Sie arbeiten die Schritte ab,
- 1:59aber der Blick dahinter. Gabriel spricht von oft leeren
- 2:02Augen, einer chronischen Gereiztheit, Zynismus zu einer
- 2:06inneren Unruhe, die nicht weichen will, Mhm, sie stürzen
- 2:10sich in Arbeit, exzessiven Sport, suchen den Kick in
- 2:14riskanten Hobbys. Das Bild des klassisch
- 2:17traurigen, der im Bett liegt, das passt hier oft gar nicht.
- 2:20Und das ist der Kern, den Gabriel da freilegt.
- 2:22Unser Bild von Depressionen ist oft so weiblich geprägt,
- 2:26zurückgezogen, weinend, antriebslos.
- 2:29Gabriel sagt, die männliche Variante sieht oft anders aus,
- 2:33er nutzt ein starkes Bild. Kein Lähmender, schwärzer Hund,
- 2:37der dich niederdrückt, sondern eher so ein innerer Motor, der
- 2:40rastlos, ziellos, ohne Pause läuft und dich antreibt bis zum
- 2:45Zusammenbruch. Puh, das ist n ganz anderes
- 2:48Bild. Ja, es äußert sich eher in
- 2:51unterschwelliger Wut, vielleicht in unerklärlichen körperlichen
- 2:54Schmerzen oder dieser quälenden Unfähigkeit, überhaupt noch
- 2:58Freude zu empfinden. Anhedonie nennt man das ja.
- 3:02Das heißt also, die Symptome sind ganz anders.
- 3:05Und weil wir diese Zeichen, die Gesellschaft, das Umfeld, aber
- 3:08auch die Männer selbst nicht als Depression einordnen, suchen wir
- 3:11andere Erklärungen. Genau dann heißt es, er hat halt
- 3:14Stress, ist wohl ein Burnout, typische Midlife Crisis oder wie
- 3:19Gabriel es etwas direkter formuliert, manchmal denkt man
- 3:22auch einfach der ist halt n Arschloch.
- 3:24Autsch. Aber nachvollziehbar.
- 3:25Aber diese Fehleinschätzung ist fatal, ganz besonders in der
- 3:28Recovery. Warum gerade da?
- 3:30Wenn man dann versucht, ein potenzielles medizinisches
- 3:33Problem, also eine klinische Depression mit den Mitteln der
- 3:36Suchtrecovery allein zu lösen, spirituelle Arbeit, Gespräche,
- 3:40Willenskraft Gabriels Vergleich dazu ist echt bestechend.
- 3:44Das ist, als wollte man einen komplizierten Knochenbruch nur
- 3:47durch gutes Zureden heilen. Es kann halt nicht
- 3:49funktionieren, weil die Ursache tiefer liegt auf einer
- 3:52biologischen Ebene. Verstehe.
- 3:55Gabriels These ist also männliche Depression tarnt sich
- 4:00oft hinter Wut, Suchtverhalten, Perfektionismus.
- 4:05Genau, Masken nennt er das. Und weil diese Masken nicht als
- 4:09Krankheit erkannt werden, wird die Depression zur unsichtbaren
- 4:13Falle in der Genesung. OK, schauen wir uns das mal
- 4:17genauer an. Wie untermauert Gabriel das
- 4:19denn? Er stützt sich auf
- 4:21Beobachtungen, klar, aber eben auch auf harte Fakten, die diese
- 4:25unsichtbare Epidemie beleuchten. Zum Beispiel die Diagnoselücke
- 4:29laut Robert Koch Institut kriegen Frauen fast doppelt so
- 4:33oft die Diagnosedepression. Okay das kennt man ja
- 4:35vielleicht. Aber, und das ist der Schocker,
- 4:39die Suizidharte bei Männern ist fast dreimal so hoch.
- 4:42Das schreit ja förmlich nach einer riesigen Dunkelziffer bei
- 4:45Männern. Wow, dreimal so hoch, das ist
- 4:48wirklich krass. Und warum wird es bei Männern so
- 4:50oft übersehen, liegt das nur an den anderen Symptomen?
- 4:54Das ist n wichtiger Grund. Ja, die unterschiedliche
- 4:57Symptomatik. Studien wie eine viel beachtete
- 5:00in Jama Siciiety bestätigen das. Männer zeigen bei Depressionen
- 5:05signifikant häufiger externalisierende Symptome.
- 5:09Externalisierend also nach außen gerichtet.
- 5:12Frauen neigen eher zu internalisierenden Symptomen,
- 5:15Traurigkeit, grübeln, Rückzug. Unser klassisches
- 5:19Depressionsbild passt also oft einfach nicht auf Männer.
- 5:23Und die Sucht spielt da auch noch ne Rolle, sagtest du?
- 5:25Ja, die Komorbidität, also das gemeinsame Auftreten, ist hoch.
- 5:30Man schätzt, dass etwa ein Drittel aller Menschen mit
- 5:32Suchterkrankungen auch an Depressionen oder Angststörungen
- 5:35leidet. Gabriel argumentiert, dass bei
- 5:38vielen Männern die Sucht wie eine unbewusste Selbstmedikation
- 5:42funktioniert hat. Man versucht die innere Lehre,
- 5:45die Anspannung, die Reizbarkeit der nicht erkannten Depression
- 5:48mit Substanzen zu betäuben. Und wenn man dann nüchtern wird?
- 5:51Wirbricht die Depression oft erst richtig durch, weil der
- 5:54Deckel weg ist. Dazu kommt dann wahrscheinlich
- 5:57noch, dass Männer sich generell schwerer tun, Hilfe zu suchen.
- 6:00Das ist ja leider immer noch so n Klischee, aber.
- 6:03Leider mehr als ein Klischee. Die
- 6:06Bundespsychotherapeutenkammer BPTK weist darauf hin.
- 6:10Männer warten oft Jahre länger als Frauen, bevor sie sich
- 6:14professionelle Hilfe holen. Jahre.
- 6:16Dadurch kann die Krankheit chronisch werden, sich
- 6:18verfestigen und ist dann natürlich auch schwerer zu
- 6:21behandeln. Die Hürde, sich schwächer
- 6:23einzugestehen und Hilfe anzunehmen, die scheint für
- 6:27viele Männer immer noch enorm hoch zu sein.
- 6:29Okay das leuchtet ein. Wenn die Symptome also so anders
- 6:33sind, wie sehen diese Masken denn konkret aus, von denen
- 6:37Gabriel spricht? Das ist ja entscheidend, um sie
- 6:39überhaupt erkennen zu können, bei sich oder anderen.
- 6:42Genau. Es geht darum, hinter die
- 6:43Fassade zu blicken. Gabriel beschreibt 4 typische
- 6:47Masken, erstens die Maske der Wut.
- 6:50Die hatten wir schon kurz, also Reizbarkeit.
- 6:53Ja, diese ständige Reizbarkeit, der Zynismus, die extrem kurze
- 6:58Zündschnur. Kleinigkeiten bringen das Fass
- 7:01zum Überlaufen, es kommt zu unkontrollierten Wutausbrüchen,
- 7:05man ist permanent geladen, irgendwie.
- 7:08Kennen sich ja einige aus ihrem Umfeld oder von sich selbst.
- 7:12Was noch? Zweitens die Maske der
- 7:15Betäubung. Hier geht es nicht nur um den
- 7:17klassischen Rückfall in Drogen oder Alkohol, es kann auch
- 7:20exzessive Ablenkung sein, die süchtige Züge annimmt.
- 7:24Also Arbeit zum Beispiel. Genau.
- 7:26Arbeitswut bis zum Umfallen Worker Holism nennt man das ja
- 7:30oder stundenlanges Zocken, extremer Sport, der den Körper
- 7:34total auslaugt oder auch riskantes Verhalten, Raserei,
- 7:38extremsportarten, die Suche nach dem Kick als Flucht vor der
- 7:42inneren Lehre. Also quasi eine
- 7:45Suchtverlagerung, aber nicht als solche erkannt.
- 7:49Weil Sport oder Arbeit ja oft positiv gesehen werden.
- 7:52Könnte man so sagen. Ja, es ist ein Versuch,
- 7:55irgendetwas zu fühlen oder eben ja nichts mehr fühlen zu müssen.
- 8:01Drittens die Maske des Schmerzens, Fachbegriff
- 8:05Somatisierung. Soma also körperlich.
- 8:11Richtig, das sind chronische körperliche Beschwerden, für die
- 8:14Ärzte oft keine klare Ursache finden.
- 8:17Ständige Rückenschmerzen, Kopfschmerzen, Magen, Darm
- 8:20Probleme, Unerklärliche bleierne Müdigkeit.
- 8:24Der Körper signalisiert den Schmerz, den die Seele nicht
- 8:27anders ausdrücken kann. Und die vierte Maske?
- 8:30Die Maske der Lehre, das ist dieses tiefe Gefühl, innerlich
- 8:34hohl zu sein, der Verlust von Interesse an allem, was früher
- 8:38mal Spaß gemacht hat, Hobbys, Freunde, Partnerschaft, die
- 8:41Unfähigkeit, Freude, Genuss oder auch nur Nähe zu empfinden.
- 8:46Diese Anhedonie ist oft ein Kernsymptom, wird aber leicht
- 8:49als lustlos oder gleichgültig abgetan.
- 8:52Puh. Das ist ne ganze Bandbreite an
- 8:55Verhaltensweisen, die man erst mal echt nicht mit Depressionen
- 8:58in Verbindung bringen würde. Und das Kernproblem ist dann,
- 9:01dass diese Symptome falsch gedeutet werden von allen
- 9:04Seiten. Exakt, und zwar auf allen
- 9:06Ebenen. Der Betroffene selbst denkt
- 9:09vielleicht, ich bin nur gestresst oder schlimmer, ich
- 9:12bin ein Versager, weil ich trotz Nüchternheit nicht glücklich
- 9:15werde. Er sieht sich nicht als krank,
- 9:17sondern als, ja, willensschwach. Und das Umfeld, der Sponsor zum
- 9:22Beispiel in der Selbsthilfe. Der Sponsor, oft selbst mit
- 9:25traditionellen Rollenbildern aufgewachsen, interpretiert die
- 9:28Reizbarkeit vielleicht als mangelnde Demut oder fehlende
- 9:32Hingabe ans Programm. Der gut gemeinte Rat ist dann.
- 9:35Mehr Meetings, intensiver beten, härter an den Schritten
- 9:39arbeiten. Was ja total nach hinten
- 9:41losgehen kann. Absolut.
- 9:42Das kann fatal sein, wenn die Ursache eine unbehandelte
- 9:45Depression ist. Ihr passt doch sicher auch eine
- 9:48der Fragen aus Gabriels Artikel gut rein, oder?
- 9:51Die Frage mein Sponsor sagt, Depression sei nur
- 9:54Selbstmitleid, was soll ich tun, wie lautet Gabriels Rat dazu?
- 9:59Sein Rat ist da sehr klar und undiplomatisch.
- 10:03Schätze deinen Sponsor als Begleiter für Deine sucht
- 10:06Recovery und die 12 Schritte. Das ist wertvoll, aber er ist
- 10:10kein Arzt. Klinische Depression ist eine
- 10:12anerkannte medizinische Krankheit, kein Charakterfehler
- 10:16seinen medizinischen Rat oder seine Meinung zu psychischen
- 10:19Erkrankungen solltest du höflich ignorieren und dich stattdessen
- 10:22an Ärzte oder Therapeuten wenden.
- 10:24Macht Sinn. Gabriels Vergleich dazu du
- 10:27fragst deinen Sponsor ja auch nicht, wie er deinen Krebs
- 10:30behandeln würde. Das macht die Sache sehr
- 10:32deutlich, finde ich. Absolut.
- 10:35Und die Familie, die Partnerin, die kriegen das ja auch ab.
- 10:39Ja, die leiden natürlich unter der Wut, der emotionalen
- 10:42Distanz, dem Rückzug. Sie interpretieren es aber oft
- 10:45als persönliche Ablehnung, als Lieblosigkeit, als
- 10:48Charakterfehler des Mannes, nicht als Symptom einer
- 10:51Krankheit. Und so kommt niemand auf die
- 10:53Idee, dass es sich um eine klinische Erkrankung handeln
- 10:56könnte, die professionelle Hilfe braucht, die über die Recovery
- 11:00Werkzeuge hinausgeht. Das ist der fatale Punkt.
- 11:03Genau. Und diese unerkannte,
- 11:05unbehandelte Depression wirkt dann wie ein schleichendes Gift
- 11:08für die Nüchternheit. Gabriel beschreibt das sehr
- 11:11eindringlich, es führt zu einer völlig falschen Problemanalyse,
- 11:15man kämpft gegen Symptome wie Wut oder Rückzug, als wären es
- 11:18charakterfehler statt die Krankheit Depression an der
- 11:21Wurzel zu behandeln. Das stelle ich mir unglaublich
- 11:24frustrierend vor. Man arbeitet an sich, strengt
- 11:27sich an. Aber es wird nicht besser,
- 11:30vielleicht sogar schlimmer. Exakt das führt zum zweiten
- 11:33Punkt. Die Recovery Tools scheinen zu
- 11:36versagen, spirituelle Werkzeuge sind wertvoll, keine Frage, aber
- 11:40bei einer klinischen Depression mit biochemischem
- 11:43Ungleichgewicht im Hirn stoßen sie allein an Grenzen.
- 11:47Das Gefühl das Programm wirkt bei mir nicht, führt dann zu
- 11:50frustresignation selbstvorwürfen.
- 11:53Und erhöht wahrscheinlich massiv die Rückfallgefahr.
- 11:55Enorm. Das ist der dritte Punkt.
- 11:58Die unbehandelte Depression schafft einen permanenten
- 12:01Nährboden für den Rückfall, diese innere Lehre, die
- 12:04Anhedonie, die ständige Anspannung, das sind ideale
- 12:08Trigger für das Suchtgedächtnis, das die schnelle chemische
- 12:11Lösung verspricht, Nimm was, dann fühlst du dich besser.
- 12:14Ein Teufelskreis. Und zu guter Letzt zerstört.
- 12:17Das wahrscheinlich auch noch die Beziehungen, die man gerade in
- 12:19der Recovery so dringend braucht.
- 12:21Das soziale Netz. Ja, das ist der vierte Punkt.
- 12:24Die depressive Wut, der Zynismus, der Rückzug isolieren
- 12:28den betroffenen, sie zerstören das Supportsystem aus Partner,
- 12:33Familie, Freunden, genau die Menschen, die eigentlich helfen
- 12:37könnten. OK, das Bild ist düster, aber es
- 12:41ist wichtig, das zu verstehen. Wenn man sich jetzt
- 12:44wiedererkennt in Teilen oder ganz.
- 12:47Was rät Gabriel? Was kann man tun?
- 12:49Die Botschaft ist ja nicht, du bist verloren.
- 12:51Nein, absolut nicht. Das ist ganz wichtig.
- 12:53Gabriels zentrale Botschaft ist, du bist nicht verrückt oder ein
- 12:58Versager, es gibt Wege, aber sie erfordern vielleicht andere oder
- 13:02zusätzliche Werkzeuge und ganz wichtig Dinge wie Arbeitswut
- 13:06oder Extremsport sind oft keine Stärke, sondern eher
- 13:10Fluchtversuche vor der inneren Lehre.
- 13:13Der erste Schritt ist, das zu erkennen und ehrlich zu sich zu
- 13:16sein. Und dann?
- 13:18Was sind die konkreten Schritte, die Gabriel vorschlägt, so ne
- 13:22Art Save for use für die Seele? Genau, der Begriff passt gut.
- 13:26Erster und wichtigster Schritt, sprich mit einem Arzt, Hausarzt
- 13:30oder Psychiater und sein Tipp ist Gold wert.
- 13:34Beschreibe dein Verhalten und körperliche Symptome ständig
- 13:38gereizt, schlafe schlecht, Interesse verloren
- 13:40Rückenschmerzen nicht nur Gefühle wie traurig, denn die
- 13:44fehlen ja oft oder werden nicht so wahrgenommen.
- 13:47Guter Punkt, Zweiter Schritt. Akzeptiere die Möglichkeit einer
- 13:52Doppeldiagnose sucht und Depressionen treten halt oft
- 13:55gemeinsam auf, beides braucht Behandlung.
- 13:58Das eine schließt das andere nicht aus, im Gegenteil, sie
- 14:01beeinflussen sich oft gegenseitig.
- 14:03Und der dritte Schritt betrifft sicher die Behandlung,
- 14:06vielleicht auch Medikamente. Da gibt es ja viele Ängste und
- 14:09auch Vorurteile. Auch hierzu hat Gabriel eine
- 14:12Frage im Artikel beantwortet. Helfen Antidepressiva wirklich
- 14:16oder machen Sie mich zum Zombie? Ja.
- 14:17Das ist ein super wichtiger Punkt, den er da anspricht.
- 14:21Gabriel erklärt das sehr gut. Moderne Antidepressiva wie SSRIS
- 14:25zum Beispiel machen nicht high oder Gefühlskalt oder abhängig
- 14:29im Suchtsinne. Das Ziel ist das Gegenteil.
- 14:32Sie sollen die Hirnchemie normalisieren, damit du wieder
- 14:35eine normale Bandbreite an Gefühlen empfinden kannst.
- 14:37Freude, Trauer, alles die richtige Einstellung braucht
- 14:41Geduld und ärztliche Begleitung. Es kann Nebenwirkungen geben,
- 14:45klar, aber für viele sind sie ein entscheidender Schlüssel, um
- 14:49überhaupt erst die Kraft für Therapie und Recovery zu finden.
- 14:53Sie sind keine Happy Pils, aber sie können eine wichtige Krücke
- 14:56sein, um aus dem tiefsten Loch rauszukommen.
- 15:00Aber die Entscheidung trifft man immer mit dem Arzt, nie allein.
- 15:03Das ist eine wichtige Klarstellung und der vierte
- 15:06Schritt. Kombiniere die Werkzeuge klug,
- 15:09nutze deine Recovery Tools, Meetings, Sponsor für
- 15:13Suchtfragen, die Schritte und die Depressionsbehandlung.
- 15:17Das kann Therapie sein, eventuell Medikamente, aber auch
- 15:20Dinge wie gesunder Sport, ne feste Tagesstruktur sie sind
- 15:24Partner, keine Gegner, das eine unterstützt das andere.
- 15:29Das klingt nach nem integrierten Ansatz, der Sinn macht.
- 15:33Gabriel beantwortet ja noch ne Frage im Artikel, die wir vorhin
- 15:36schon gestreift haben, aber die ist zentral.
- 15:38Ich bin nicht traurig, nur immer gereizt, kann das trotzdem
- 15:42Depression sein? Und seine Antwort ist ein
- 15:44klares, Unmissverständliches, ja anhaltende Reizbarkeit.
- 15:49Wut, kurze Zündschnur sind häufige, aber eben oft
- 15:53übersehene Kernsymptome bei Männern.
- 15:56Eine Art nach außen gekehrte Verzweiflung also?
- 15:59Ja, auch ohne die klassische Traurigkeit kann es eine
- 16:03Depression sein, das muss man wissen.
- 16:05Das alles wird noch greifbarer, finde ich, weil Gabriel am Ende
- 16:10ja auch sehr offen über seinen eigenen Weg spricht, oder?
- 16:13Das macht es noch mal persönlicher.
- 16:15Ja, und das ist unglaublich wertvoll und mutig.
- 16:18Ergibt zu früher 0 Verständnis für Depression gehabt zu haben,
- 16:22hielt es für eine Ausrede sowie Kopfschmerzen, schreibt er, bis
- 16:27es ihn selbst traf. Bei ihm begann es wohl während
- 16:29der Methadon Substitution kein Weinen, sondern Tagelanges
- 16:33einschließen, Zimmer abdunkeln, dahin vegetieren, absolute
- 16:36Motivationslosigkeit. Er konnte es sich selbst nicht
- 16:40erklären. Erst der Arzt brachte dann die
- 16:43Diagnose Depression. Und die Behandlung war dann
- 16:46einfach Pille rein, alles gut. Alles andere als das.
- 16:49Er beschreibt einen langen Kampf mit Antidepressiva, hat viele
- 16:53ausprobiert, oft mit starken Nebenwirkungen wie
- 16:56Gewichtszunahme, liebedo, Verlust.
- 16:59Das führte dann dazu, dass er sie irgendwann abrupt absetzte,
- 17:02ohne Wissen über Medikamentenspiegel und wie man
- 17:04richtig ausschleicht. Oh je, das ist gefährlich.
- 17:08Ja, die Depression kam mit voller Wucht zurück.
- 17:10Das zeigt halt, wie wichtig diese professionelle Begleitung
- 17:14ist, gerade bei Medikamenten. Was hat ihm dann geholfen, da
- 17:17wieder rauszukommen? Für ihn persönlich war es sein
- 17:19erster Hund. Klingt vielleicht banal, aber er
- 17:22sagt, der Zwang ihn raus. Dreimal am Tag gab Struktur,
- 17:26Nähe, half gegen die Einsamkeit er.
- 17:29Die Spaziergänge, die frische Luft, das Kuschelhormon
- 17:31Oxytocin, das war für ihn ein echter Wendepunkt, der ihm half,
- 17:35langsam wieder auf die Beine zu kommen.
- 17:37Eine tierische Therapie sozusagen.
- 17:40Und heute nimmt er noch Medikamente.
- 17:42Punkt. Aus seiner Erfahrung finde ich,
- 17:45er würde sie sofort wieder nehmen, wenn es nötig wäre, zum
- 17:49Beispiel bei massiven Schlafstörungen, die wieder
- 17:51auftreten, aber. Aber diesmal eben in klarer
- 17:54Absprache mit seiner Ärztin, mit Begleitung, nicht als
- 17:57Selbstversuch oder aus ner Laune heraus.
- 18:00Das ist die zentrale Erkenntnis. Oder wissen, welche Werkzeuge es
- 18:05gibt. Selbsthilfe, Therapie,
- 18:07Medikamente, Lebensstil und sie klug und mit professioneller
- 18:11Hilfe nutzen, wenn man sie braucht, nicht das eine gegen
- 18:14das andere ausspielen. Genau das ist es.
- 18:17Die Kombination macht S oft und die Bereitschaft, Hilfe
- 18:20anzunehmen, auch medizinische. Selbsthilfe ist super, aber sie
- 18:24hat Grenzen. Therapie ist wichtig, manchmal
- 18:27braucht es eben auch Medikamente, zumindest ne Zeit
- 18:31lang, alles hat seinen Platz und.
- 18:32Man muss wissen, das Projekt Nielix Berlin wird komplett
- 18:37allein von Gabriel finanziert und erstellt.
- 18:40Das ist ne Menge Arbeit und auch Herzblut, das da reinfließt.
- 18:44Absolut. Jede Form der Unterstützung, sei
- 18:47sie noch so klein, hilft Gabriel dabei, mit diesem Projekt nicht
- 18:51nur sich selbst auf seinem Weg zu helfen, das ist ja auch Teil
- 18:53seiner Recovery, sondern gleichzeitig auch anderen
- 18:56Betroffenen ne Stütze zu sein, Informationen zu geben, Hoffnung
- 18:59zu machen, sein persönliches Motto, das ihn antreibt, finde
- 19:03ich auch sehr inspirierend, er sagt, er will versuchen.
- 19:07Aus allem schlechten in seinem Leben etwas Gutes zu machen.
- 19:10Das ist stark und vielleicht ist das ja auch ein Gedanke, den du
- 19:13mitnehmen kannst. Selbst aus den dunkelsten Tälern
- 19:16kann etwas Gutes erwachsen. Wenn wir lernen, hinzuschauen,
- 19:19die richtigen Werkzeuge zu nutzen und ja, auch Hilfe
- 19:22anzunehmen. Was wäre, wenn diese oft als
- 19:25typisch männlich abgetanen Verhaltensweisen, diese Wut, der
- 19:29Rückzug, der exzessive Ehrgeiz, manchmal gar keine Charakterzüge
- 19:33sind? Sondern vielleicht Hilferufe
- 19:35einer Seele, die anders nicht gehört wird.
- 19:37Denk mal drüber nach. Ein guter Gedanke zum Schluss.
- 19:40Vielen Dank, dass du dir heute die Zeit genommen und uns
- 19:42zugehört hast. Das Thema ist nicht leicht, wir
- 19:44wissen das, aber umso wichtiger ist es, darüber zu sprechen, das
- 19:48Schweigen zu brechen. Pass gut auf dich auf und bis
- 19:51zum nächsten Mal hier bei uns.