Latest / Friedrich Nietzsche Podcast in Deutsch / Also sprach Zarathustra - 2. Theil - 4 - Von den Priestern
Transcript
- 0:00Unterkapitel 4 von den Priestern in diesem Unterkapitel begegnen
- 0:06Zarathustra und seine Gefolgsleute, die er seine
- 0:08Jünger nennt, einer Gruppe von Priestern.
- 0:11Zarathustra gibt seinen Jüngern ein Zeichen, dass sie ganz leise
- 0:14und friedlich an diesen Priestern vorbeigehen sollen, er
- 0:17warnt davor, sie anzugreifen, er erklärt seinen Jüngern, dass es
- 0:21auch unter den Priestern tapfere Menschen gibt, aber diese
- 0:24Priester haben selbst sehr viel gelitten.
- 0:27Weil sie so viel Schmerz in sich tragen, wollen sie auch andere
- 0:30Menschen leiden lassen. Zarathustra sieht in den
- 0:33Priestern schlimme Feinde, er warnt davor, dass nichts so
- 0:36rachsüchtig ist wie ihre scheinbare Bescheidenheit und
- 0:39Demut. Wer sie angreift, macht sich nur
- 0:42selbst schmutzig. Dennoch sagt Zarathustra, dass
- 0:45er sich mit ihnen verbunden fühlt, weil sie alle Menschen
- 0:48sind, er möchte ihr Leben respektieren, weil sie das
- 0:51gleiche Blut in den Adern haben. Als sie an den Priestern
- 0:55vorbeigegangen sind, spürt Zarathustra einen tiefen Schmerz
- 0:58und empfindet Mitleid mit ihnen. Er sieht die Priester als
- 1:02Gefangene, sie sind gefangen in ihren eigenen falschen Werten
- 1:06und in Wahnvorstellungen, den Mann, der diese Religion
- 1:09gegründet hat, nennen sie ihren Erlöser, also ihren Retter, aber
- 1:14in Wirklichkeit hat dieser angebliche Retter sie in Ketten
- 1:17gelegt. Zarathustra wünscht sich, dass
- 1:20jemand kommt und die Priester von diesem Erlöser befreit.
- 1:24Zarathustra benutzt dann ein Bild, um die Situation der
- 1:26Priester zu beschreiben. Er vergleicht ihren Glauben mit
- 1:29einem schlafenden Ungeheuer im Meer.
- 1:32Die Priester dachten, sie hätten eine sichere Insel gefunden, auf
- 1:35der sie leben können, aber in Wahrheit haben sie ihr Leben auf
- 1:38diesem gefährlichen Ungeheuer aufgebaut.
- 1:41Dieses Ungeheuer steht für die falschen Werte und gefährlichen
- 1:44Gedanken der Religion. Zarathustra sagt, dass dieses
- 1:48Ungeheuer eines Tages aufwachen und alles verschlingen wird, was
- 1:51auf ihm gebaut wurde. Dann blickt Zarathustra auf die
- 1:54Gebäude, die diese Priester errichtet haben, also die
- 1:58Kirchen. Er nennt diese Gebäude abwertend
- 2:01Höhlen, er kritisiert die schlechte, ungesunde Luft in
- 2:04diesen Kirchen, es ist ein Ort, an dem die menschliche Seele
- 2:08nicht stolz und frei in die Höhe fliegen darf, stattdessen
- 2:11verlangt der Glaube der Priester, dass die Menschen sich
- 2:14klein machen, sie sollen auf den Knien die Treppen hinaufrutschen
- 2:17und sich selbst als schlechte Menschen, als Sünder bezeichnen.
- 2:21Zarathustra findet das furchtbar.
- 2:23Er sagt, er würde lieber einem völlig schamlosen Menschen
- 2:26zusehen als diesen Menschen, die sich aus Frömmigkeit so
- 2:30unnatürlich verhalten und ihre eigenen Augen verdrehen.
- 2:33Zarathustra fragt sich, wer solche dunklen Kirchen überhaupt
- 2:36erfunden hat, seine Antwort ist, es waren Menschen, die sich
- 2:40verstecken wollten und die sich vor dem klaren, reinen Himmel
- 2:44schämten. Erst wenn diese Kirchen zu
- 2:46Ruinen verfallen sind. Und der freie Himmel, das grüne
- 2:49Gras und die roten Blumen durch die kaputten Dächer hineinsehen
- 2:52können, wird Zarathustra diesen Orten wieder etwas Gutes
- 2:56abgewinnen können. Zarathustra analysiert weiter,
- 2:59was für einen Gott diese Priester anbeten, er sagt, sie
- 3:03haben Dinge als Göttlich bezeichnet, die gegen die
- 3:05menschliche Natur gerichtet sind und den Menschen weh tun, sie
- 3:09wussten ihren Gott nicht anders zu lieben, als indem sie den
- 3:12Menschen symbolisch ans Kreuz schlugen, also das Menschliche
- 3:16an sich bestraften. Und quälten.
- 3:19Sie leben wie Leichen, kleiden sich schwarz und Ihre Reden
- 3:22riechen nach Tod und Grabkammern.
- 3:25Zarathustra kritisiert auch die Lieder, die in den Kirchen
- 3:28gesungen werden, er sagt, sie klingen wie das traurige Quaken
- 3:32von Kröten in einem dunklen Sumpf an dieser Stelle sagt
- 3:36Zarathustra einen sehr bekannten Satz, bessere Lieder müssten sie
- 3:39mir singen, dass ich an Ihren Erlöser glauben lerne, erlöster
- 3:43müssten mir seine jünger aussehen, das bedeutet.
- 3:47Wenn die Priester wirklich von einem Gott gerettet worden
- 3:50wären, dann müssten sie auch glücklich, befreit und
- 3:53lebensfroh aussehen. Da sie aber traurig, düster und
- 3:57bedrückt aussehen, kann Zarathustra nicht an ihre
- 3:59Rettung glauben. Zarathustra wünscht sich, dass
- 4:03diese Menschen ihre wahre, ungeschminkte Natur zeigen.
- 4:06Eigentlich sollte die pure Schönheit des Menschen dazu
- 4:09führen, dass man alte Fehler bereut, aber diese verkleidete
- 4:13traurige Religion kann niemanden wirklich überzeugen.
- 4:17Er sagt, dass die Gründer dieser Religion niemals echte Freiheit
- 4:20gekannt haben. Ihr eigener Geist war voller
- 4:23Lücken, diese leeren Stellen in ihrem Denken haben sie einfach
- 4:27mit Wahnvorstellungen gefüllt, und dieses Füllmaterial haben
- 4:30sie dann Gott genannt, Ihr Geist ist im Mitleid ertrunken, wenn
- 4:35sie voller Mitleid für die Menschen waren, entstand daraus
- 4:38oft große Dummheit, sie trieben die Menschen wie eine Schafherde
- 4:42mit viel Geschrei über einen einzigen schmalen Steg.
- 4:45Sie taten so, als gäbe es nur diesen einen Weg in die Zukunft.
- 4:49Aber Zarathustra betont, dass es viele verschiedene Wege gibt.
- 4:53Zudem glaubten diese Priester, dass man die Wahrheit einer
- 4:56Religion beweisen kann, indem man dafür blutet oder stirbt.
- 5:00Sie schrieben ihre Zeichen mit Blut auf Ihren Weg.
- 5:03Zarathustra widerspricht dem völlig, er sagt, dass Blut der
- 5:07schlechteste Zeuge für die Wahrheit ist.
- 5:09Blut, also Gewalt und das Sterben für einen Glauben.
- 5:13Vergiftet selbst die beste Lehre.
- 5:16Es macht aus der Religion nur Hass und Wahnsinn, wenn jemand
- 5:20für seine Lehre durchs Feuer geht und sich verbrennen lässt,
- 5:23beweist das überhaupt nicht, dass die Lehre wahr ist.
- 5:26Es beweist nur, dass diese Person bereit war, sich für ihre
- 5:30Idee zu opfern. Wahre Erkenntnis kommt
- 5:33stattdessen aus dem eigenen ruhigen Nachdenken, aus dem
- 5:36eigenen Brande, wie er es nennt, also aus dem inneren Feuer des
- 5:41Geistes. Diese sogenannten Erlöser, sagt
- 5:45Zarathustra, waren eigentlich nur Brausewinde.
- 5:49Sie haben viel Wind gemacht, weil in Ihnen ein hitziges Herz
- 5:52und ein kalter Kopf zusammenkamen.
- 5:54Die Menschen müssen aber von etwas viel Größerem erlöst
- 5:57werden als von diesen lauten Predigern, wenn sie die wahre
- 6:00Freiheit finden wollen, um dieses große Ziel zu
- 6:03beschreiben, verwendet Nietzsche hier einen seiner wichtigsten
- 6:06Begriffe, den Übermenschen. Der Übermensch ist das Ziel, auf
- 6:11das die Menschheit hinarbeiten soll.
- 6:14Er steht für einen Menschen, der völlig frei ist von alten,
- 6:16lebensfeindlichen Werten, der das Leben auf der Erde liebt und
- 6:20seine eigenen Werte erschafft. Zarathustra sagt, dass es einen
- 6:24solchen Übermenschen bisher noch niemals gegeben hat, er hat die
- 6:28größten und die kleinsten Menschen völlig nackt, also in
- 6:31ihrer wahren Natur gesehen. Das enttäuschende Ergebnis für
- 6:35ihn war, sie sind sich alle noch viel zu ähnlich.
- 6:39Auch die größten und bewundertsten Menschen der
- 6:41Geschichte waren für ihn allzu menschlich.
- 6:44Das heißt auch, Sie waren immer noch gefangen in den typischen
- 6:47menschlichen Schwächen, Ängsten, Fehlern und falschen Idealen.
- 6:52Niemand hat bisher die wahre Größe und Freiheit des
- 6:55Übermenschen erreicht.