Latest / Wir lesen... Bücher Kapitel für Kapitel besprochen / Die Psychiaterin von Freida McFadden - Kapitel 1
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- 0:08Daniel, ich sage dir, dieser Urlaub war ein einziger
- 0:11Albtraum. Stell dir vor, ich komme endlich
- 0:14im Hotel an und die Rezeptionistin grinst mich an
- 0:17und sagt mein Zimmer sei überbucht.
- 0:19Nicht dein Ernst. Hast du denn nicht bestätigt?
- 0:22Klar hatte ich das, aber das hat sie anscheinend nicht
- 0:24interessiert. Ich musste die erste Nacht in
- 0:27einer Art Abstellkammer verbringen, in der es nach
- 0:29feuchtem Hund roch. Das klingt ja fast schon wieder
- 0:32Anfang von einem Horrorfilm. Hast du wenigstens gut gegessen?
- 0:36Oh ja, absolut fantastisch, wenn man auf kleine schwarze Käfer in
- 0:40der Pasta steht. Ich glaube, ich bin jetzt
- 0:42offiziell ein Fan von Fast Food und sterilen Hotelketten.
- 0:46Na dann, willkommen zurück im sicheren Hafen der Zivilisation,
- 0:50passend zu deinem Horrorurlaub steigen wir heute in ein Buch
- 0:53ein, das eine ganz eigene Art von Unbehaglichkeit mitbringt.
- 0:57Oh nein, bitte sag mir nicht, dass wir uns jetzt auch in einem
- 1:00Haus mit Käfern und überbuchten Zimmern befinden.
- 1:03Nicht ganz, aber die Stimmung ist ähnlich beklemmend.
- 1:07Wir starten heute mit Folge 1 und schauen uns das 1.
- 1:10Kapitel von die Psychiaterin. Alles klar.
- 1:13Ich bin gespannt. Schieß los, was passiert in
- 1:16Kapitel 1? Also wir steigen direkt in eine
- 1:19Szene ein, in der Trisha und ihr Ehemann Ethan im Auto sitzen.
- 1:24Die fahren zu einer Hausbesichtigung in einem
- 1:26ziemlich abgelegenen Teil von Westchester.
- 1:29Westchester klingt ja eigentlich recht schick.
- 1:31Was ist da das Problem, das. Problem ist das Wetter.
- 1:35Es setzt ein massiver Schneesturm ein, die Sicht wird
- 1:38immer schlechter und die Atmosphäre im Auto ist irgendwie
- 1:41aufgeladen. Klassisch.
- 1:43Wenn es im Thriller schneit, geht meistens etwas schief.
- 1:46Genauso ist es. Itan ist am Steuer, er ist
- 1:50eigentlich charmant, aber man merkt schnell, dass er eine sehr
- 1:53sture Ader hat. Ah, der typische Ehemann, der
- 1:56nicht zugeben will, dass er sich verfahren hat.
- 1:59Ich kenne das. Tatsächlich passiert das auch.
- 2:02Es gibt diesen Moment, wo sie eine Abzweigung verpassen, und
- 2:05Itan reagiert darauf fast schon aggressiv.
- 2:08So ein richtiges Knurren. Moment mal, ein Knurren?
- 2:11Das ist doch ein riesiges Warnsignal, oder?
- 2:13Vielleicht. Aber Trisha scheint das eher als
- 2:16Teil seines Charakters zu sehen. Jedenfalls kommen sie
- 2:19schließlich an dem Haus. Und ist es ein gemütliches
- 2:23Kätzchenhaus oder eher eine? Gruft eher letzteres.
- 2:27Es wird als Kathedralenartig beschrieben, mit riesigen
- 2:30Spitzbogenfenstern und einem steilen Dach, ein richtiges
- 2:34Monument aus Stein. Das klingt ja fast schon
- 2:36religiös oder einfach nur einschüchternd.
- 2:39Und hier passiert der Clou in dem Moment, als Trisha das Haus
- 2:43sieht, überkommt sie eine heftige Übelkeit, nicht nur ein
- 2:46bisschen flau im Magen, sondern richtiges körperliches Abscheu.
- 2:50Interessant ist sie vielleicht schwanger, das wäre ja eine
- 2:54klassische Erklärung für plötzliche Übelkeit.
- 2:56Das wird im Text angedeutet, aber es fühlt sich mehr so an,
- 3:00als wäre es eine intuitive Reaktion auf den Ort selbst.
- 3:03Sie hat das Gefühl, dass hier etwas Schreckliches passiert
- 3:06ist. Ich liebe es, wenn der Körper
- 3:08Dinge weiß, bevor der Kopf sie versteht.
- 3:11Aber Idan merkt davon natürlich nichts richtig.
- 3:13Absolut nicht. Er ist völlig begeistert vom
- 3:16Haus, sieht nur die Ästhetik und den Wert der Immobilie.
- 3:20Er nennt es sein Traumhaus. Die klassische Dynamik er sieht
- 3:24die Fassade, sie spürt den Modergeruch im Keller.
- 3:28Und dann kommt der finale Schlag für das Kapitel.
- 3:31Ihr Auto bleibt im tiefen Schnee stecken, Sie kommen hier nicht
- 3:34mehr einfach so weg. Na toll.
- 3:37Also sind Sie jetzt effektiv gefangen in der Nähe eines
- 3:39Hauses, das Sie ekelt mit einem Mann, der knurrt.
- 3:43Genau. Und da die Maklerin Judy nicht
- 3:46erreichbar ist, entscheiden sie sich, das Haus einfach zu
- 3:49betreten. Warum zur Hölle geht man in ein
- 3:52Haus, bei dem man gerade körperlich reagiert hat?
- 3:55Dass es dort gruselig ist? Weil es eiskalt ist und sie
- 3:59keine andere Wahl haben. Der Schneesturm zwingt sie quasi
- 4:02hinein. Das ist so ein typischer
- 4:04Filmfehler im echten Leben. Aber im Buch funktioniert es als
- 4:08Motor. Stimmt, aber lass uns mal über
- 4:11die Figuren sprechen. Trisha beschreibt ihre eher als
- 4:14zu 90% perfekt. 90% das ist die Präziseste und gleichzeitig
- 4:20verdächtigste Aussage, die ich je gehört habe.
- 4:23Genau das ist der Punkt. Warum gibt sie eine Prozentzahl
- 4:26an, das impliziert doch sofort, dass die restlichen 10% ziemlich
- 4:30problematisch sind. Klar, die 10% sind
- 4:34wahrscheinlich die Sturheit, das Knurren und vielleicht Dinge,
- 4:37von denen wir noch nichts wissen.
- 4:39Und dann gibt es da noch diesen einen Satz.
- 4:42Trisha erwähnt, dass sie ein großes Geheimnis hat, von dem
- 4:45Itan nichts weiß. Boom, da haben wir den
- 4:49Aufhänger. Jetzt frage ich mich, ist sie
- 4:51das Opfer oder ist sie eigentlich die Böse in dieser
- 4:54Geschichte? Das ist die große Frage.
- 4:57Itan wirkt nach außen hin wie der perfekte Ehemann der café
- 5:01Romeo, aber seine Dominanz schimmert durch.
- 5:04Ich traue diesem Itan nicht über den Weg.
- 5:07Diese Mischung aus Scham und plötzlicher Gereiztheit ist oft
- 5:10ein Zeichen für etwas viel Dunkleres.
- 5:12Das könnte sein, aber trisha scheint ihn ja fast schon zu
- 5:15bewundern, selbst wenn er stur ist.
- 5:18Das ist eine interessante psychologische Dynamik.
- 5:21Oder sie hat sich an dieses Verhalten gewöhnt, weil sie
- 5:23selbst etwas zu verbergen hat. Vielleicht rechtfertigt sie sein
- 5:26Verhalten durch ihr eigenes Geheimnis.
- 5:29Das wäre eine spannende Theorie. Lass uns mal auf den Stil
- 5:32schauen, das Ganze ist in der ich Perspektive im Präsens
- 5:36geschrieben. Das macht es viel unmittelbarer
- 5:38oder man fühlt die Übelkeit fast mit.
- 5:41Absolut. Und die Autorin nutzt sehr
- 5:45körperliche Beschreibungen. Das Zittern, das Umklammern des
- 5:48Lenkrads, diese physischen Marker der Angst.
- 5:52Das erinnert mich an gute Psychothriller, wo die Umgebung
- 5:55eigentlich nur ein Spiegel der inneren Verfassung ist.
- 5:58Da bist du mir voraus. Das Haus als Kathedrale ist ja
- 6:01ein klassisches Motiv der Gothic Novel.
- 6:04Das Haus ist hier nicht nur ein Gebäude, sondern fast schon eine
- 6:07eigene Figur. Eine Figur, die einen Fressen
- 6:10will. Ganz ehrlich, Daniel, die
- 6:12Architektur klingt einfach nur beklemmend.
- 6:14Aber genau das ist ja das Ziel. Diese Verbindung von Luxus und
- 6:18Schrecken ist typisch für den Domestic Thriller, die Gefahr
- 6:22lauert nicht im dunklen Wald, sondern in der eigenen
- 6:24potenziellen neuen Küche. Ich finde es faszinierend, wie
- 6:28hier Intuition gegen Rationalität ausgespielt wird.
- 6:31Ithan sieht den Marktwert, Trisha spürt die Energie des
- 6:34Ortes. Ja, und das stellt die Frage,
- 6:38wem glauben wir mehr der logischen Analyse oder dem
- 6:41Bauchgefühl? Im echten Leben würde ich
- 6:44wahrscheinlich auf mein Bauchgefühl hören und sofort
- 6:47umdrehen, auch wenn das Auto im Schnee steckt.
- 6:50Aber dann gäbe es kein Buch. Wir brauchen diese kleine
- 6:53Portion Unvernunft, damit die Geschichte voranschreitet.
- 6:57Stimmt schon, aber mal ehrlich, ist das mit dem Schneesturm und
- 7:00dem steckenbleibenden Auto nicht ein bisschen klischeehaft?
- 7:04Vielleicht. Es ist ein sehr bekanntes Trope,
- 7:07aber ich finde, es funktioniert hier, weil es die Isolation
- 7:10perfekt herstellt. Ich weiß nicht.
- 7:13Ich habe das Gefühl, die Autorin nutzt hier die einfachsten
- 7:16Mittel, um Spannung zu erzeugen. Mag sein, aber die Präzision,
- 7:20mit der sie die Hinweise setzt, ist stark.
- 7:23Diese 90% perfekte Ehe ist zum Beispiel ein genialer kleiner
- 7:27Hinweis. OK, das gebe ich zu.
- 7:29Das war ein guter Hook, aber was sagst du zu der Parallele zu
- 7:33Stephen King? Du meinst The Shining?
- 7:36Absolut Isolation, Schnee, ein paar in einem riesigen Haus, das
- 7:41langsam die Kontrolle verliert. Die Parallelen sind
- 7:44offensichtlich. Nur dass es hier hoffentlich
- 7:46weniger Axt Szenen gibt, wobei bei Eatons Knurren könnte alles
- 7:50passieren. Ha, ha, ha.
- 7:52Das wäre eine Wendung. Aber schauen wir mal auf die
- 7:54Technik. Das GPS fällt aus, sie sind auf
- 7:58sich allein gestellt. Das finde ich einen
- 8:00interessanten Punkt. Wir verlassen uns so sehr auf
- 8:02unsere Geräte, dass wir komplett hilflos werden, wenn der
- 8:05Bildschirm schwarz bleibt. Genau, es versetzt sie quasi
- 8:09zurück in eine Zeit, in der man sich auf Karten und den eigenen
- 8:12Instinkt verlassen musste. Und genau dieser Instinkt, sagt
- 8:16Trisher Lauf weg. Und Itan sagt, bleib hier und
- 8:20bewundere die Stuckdecken. Exakt diese Diskrepanz zwischen
- 8:25den beiden ist eigentlich das Spannendste an dem 1.
- 8:27Kapitel. Ich frage mich, ob die Übelkeit
- 8:30von Trisha wirklich nur psychisch ist.
- 8:33Könnte es sein, dass sie das Haus eigentlich kennt, aber es
- 8:36verdrängt hat? Das wäre ein klassischer Twist.
- 8:39Vielleicht war sie früher schon einmal hier oder jemand aus
- 8:43ihrer Familie. Das würde auch zu ihrem großen
- 8:45Geheimnis passen. Vielleicht ist das Geheimnis
- 8:48direkt mit diesem Ort verknüpft. Das würde die Handlung extrem
- 8:51beschleunigen, aber momentan wirkt es eher so, als wäre es
- 8:55eine Art Sixth Sense für das Böse.
- 8:58Ich bin skeptisch, ob sie wirklich übernatürliche
- 9:00Fähigkeiten hat. Ich tippe eher auf ein Trauma,
- 9:03das durch die Architektur getriggert wird.
- 9:05Das ist die sozialwissenschaftliche
- 9:07Perspektive, wie ich sie von dir erwarte.
- 9:10Alles ist ein Trauma oder ein Systemfehler.
- 9:14Hey, ich nenne es nur wie es ist.
- 9:16Aber mal im Ernst, findest du nicht, dass Itan fast schon zu
- 9:19perfekt gezeichnet ist um wahr zu sein?
- 9:22Ja, der café Romeo mit den blauen Augen.
- 9:25Das ist fast schon eine Karikatur des perfekten Mannes.
- 9:28Das ist ein bewusster Kontrast zu der düsteren Umgebung.
- 9:32Und genau das macht mich misstrauisch.
- 9:34Je schöner die Fassade, desto hässlicher ist meistens das, was
- 9:38dahinter verborgen wird. Das passt ja perfekt zum Thema
- 9:41des Buches Fassaden in der Ehe wir sehen hier 2 Menschen, die
- 9:45sich lieben, aber eigentlich Fremde füreinander zu sein
- 9:48scheinen. Oder Sie kennen sich viel zu gut
- 9:51und wissen genau, welche Knöpfe sie drücken müssen, um den
- 9:53anderen zu manipulieren. Interessanter Punkt.
- 9:57Vielleicht ist Trisha diejenige, die die Fäden zieht und ethans
- 10:00Sturheit ist nur eine Reaktion auf sie.
- 10:03Jetzt wird es spannend. Das würde das Bild komplett
- 10:06drehen. Die scheinbar schwache
- 10:08übelkeitsgeplagte Frau als die eigentliche Machtperson.
- 10:11Das wäre ein starker Move der Autorin, aber im Moment wirkt
- 10:15sie eher wie die Beobachterin, die versucht, die Situation zu
- 10:18analysieren, während Ethan einfach durchmarschiert.
- 10:22Ich finde es trotzdem problematisch, dass sie einfach
- 10:24in ein fremdes Haus einbrechen, nur weil es schneit.
- 10:27Wo bleibt da die Moral? In einem Thriller ist Moral
- 10:31meistens das erste, was aus dem Fenster geworfen wird, sobald es
- 10:34kalt wird. Stimmt auch wieder, aber ich
- 10:37wette, dass sie im Haus etwas finden, das Sie sofort bereuen
- 10:40werden. Ich bin sicher, dass das
- 10:42passiert. Das Kapitel endet ja genau an
- 10:45diesem Cliffhanger. Sie betreten das Gebäude.
- 10:48Ein klassischer Cliffhanger. Man muss einfach weiterlesen, um
- 10:51zu wissen, was in der Kathedrale des Grauens auf sie wartet.
- 10:55Und wir haben jetzt eine Grundlage.
- 10:57Wir wissen, dass die Ehe nicht perfekt ist, dass es ein
- 10:59Geheimnis gibt und dass das Haus eine bedrohliche Aura hat.
- 11:03Ich bin gespannt, ob die Maklerin Judy nur ein Vorwand
- 11:06ist oder ob sie später eine wichtige Rolle spielt.
- 11:10Vielleicht ist sie ja gar nicht existent.
- 11:12Das wäre ein interessanter Twist.
- 11:14Eine imaginäre Maklerin, die sie an diesen Ort locken sollte.
- 11:18Jetzt machst du mich richtig neugierig.
- 11:20Ich hoffe nur, dass die Geschichte nicht in totalen
- 11:23Kitsch abdriftet. Ich glaube, die Autorin bleibt
- 11:26eher beim psychologischen Druck. Die physische Reaktion von
- 11:30Trisher war mir zu echt für reinen Kitsch.
- 11:33OK, ich gebe dir Recht, die Übelkeit war ein starkes Bild,
- 11:37das hat mich wirklich abgeholt. Sieht so aus, als hätten wir uns
- 11:41in Kapitel 1 schon ziemlich gut eingegroovt.
- 11:43Definitiv. Auch wenn ich immer noch glaube,
- 11:46dass Ithan ein heimlicher Serienmörder ist.
- 11:49Ha, ha, ha, wir werden es ja sehen.
- 11:52Was glaubst du, was das Geheimnis von Trisha ist?
- 11:54Ich tippe auf etwas, das mit ihrer Vergangenheit zu tun hat.
- 11:58Vielleicht eine frühere Ehe oder eine Tat, die sie vertuscht hat.
- 12:02Spannend. Ich tippe eher auf etwas
- 12:05medizinisch, psychologisches, passend zum Titel des Buches.
- 12:09Das wäre natürlich sehr passend. Aber jetzt lassen wir die
- 12:12Spekulationen mal kurz ruhen, bevor wir uns zu sehr in Details
- 12:15verlieren, die vielleicht gar nicht stimmen.
- 12:18Einverstanden? Dann ist das für heute erst
- 12:21einmal alles zum 1. Kapitel.
- 12:23Ich bin bereit für mehr. Hoffentlich gibt es in der
- 12:25nächsten Folge weniger Schneestürme und mehr Antworten.
- 12:29Das verspreche ich dir nicht, aber es wird sicher nicht
- 12:32langweilig. Danke fürs Mitdiskutieren,
- 12:34Julia. Gerne Daniel.
- 12:36Und jetzt hol mir bitte ein Bier.
- 12:38Ich muss diesen Horrorurlaub und das Gruselhaus erst mal
- 12:41wegspülen. Geht klar und an alle da
- 12:44draußen, lest mit oder hört zu. Wir sehen uns in der nächsten
- 12:48Folge.