Latest / BZ am Ohr / Diese 30-jährige Freiburgerin liebt Fasnacht über alles - wegen der Tradition und Gemeinschaft
Transcript
- Fasnacht. Für die einen bedeutet es schöne Tradition, Gemeinschaft, Feiern. Und für die anderen ist es alles ein wenig befremdlich. Das bunte Narrenhäs, die Brauchtumspläge und die mehr oder weniger wilden Partys rund um die Fasnachtszeit. Lisa Eckert gehört zur ersten Sorte. Und sie will versuchen, ihre Leidenschaft für Fasnacht auch an andere weiterzugeben. Also auch an die skeptische Fraktion. Macht einmal mit, probiert es aus und dann kann man sich nur vom Gegenteil überzeugen lassen. Sie ist wie viele andere Närrinnen und Narren in eine Zunft reingeboren worden, wie sie sagt. Und zwar bei den Ripplinghehlern Freiburg. Mit 23 Jahren wurde Lisa schon deren Zunftvögtin, also Vorstand des Vereins. Inzwischen ist sie 30 Jahre alt, hat einen zweijährigen Sohn und wohnt mit ihrer kleinen Familie in Herberlsheim. Fasnacht spielt nach wie vor eine ganz wichtige Rolle in ihrem Leben. Fast nach dem einmal im Jahr und dann ist das tatsächlich bei mir und ich glaube, das geht vielen so auch an Nummer eins, also Priorität, ziemlich hoch. Deshalb hat sie Anfang Februar auch die ganze Familie zusammengetrommelt und ins Häs gesteckt, um einen großen Kinder- und Narrenumzug im Freiburger Stadtteil St. Georgen mitzumachen. Kurz bevor der Umzug losgeht, mitten im Narrengewusel, treffe ich sie. Ripplinghila muschnit hiele, Mame nimmt die. Das war schon mal der Narrenruf ihrer Zunft. Was das bedeuten soll, dazu später mehr. Lisa trägt an diesem Tag einen blauen Zweiteiler mit bunten Punkten, dazu eine rote Schleife um den Hals und rote Handschuhe. Ihr Fasnachtsherr ist. Sie schiebt einen Bollerwagen vor sich her, in dem ihr Sohn sitzt. Überall rascheln und klingeln Glöckchen. Ein paar Guggenmusiker stimmen die ersten Töne an. Aus Musikboxen wummern Fasnachtslieder. Apropos Musikboxen, da gibt es auch ein paar Dinge, die sie stören, die ihrer Meinung nach eigentlich nicht unbedingt zur Fasnacht gehören. Es gibt natürlich auch Guckenmusiken, die Musik machen, dann ist es halt schöner, wie wenn da einfach so eine Krawallschachtel, sag ich mal, mit läuft. Das ist auch so eine Sache, das gehört auch nicht unbedingt für mich dazu. Gleichzeitig macht sie sich Gedanken, wie man auch weiterhin junge Menschen für Fasnacht begeistern kann. Gerade für die traditionsreichen kleineren Zünfte wie ihre Rieblinghila. Welche Ideen und Hoffnungen sie dazu hat und warum ihre Narrenfigur, der Rieblinghila, immer weint, das erzählt sie mir in dieser Folge von BZ am Ohr. Mein Name ist auch Lisa, Lisa Petrich, und ich nehme euch jetzt mit auf den Sandkörgener Umzug. Viel Spaß. Wie geht es dir denn heute an diesem Umzugssonntag in Sandkörgen? Mir geht es super. Wir haben richtig tolles Wetter. Ich freue mich immer über schönes Wetter, weil wenn es regnen würde, dann wäre es ein bisschen schwierig. Aber natürlich würden wir trotzdem kommen. Trotzdem kommen, okay. Dann einfach ein bisschen dicker angezogen vielleicht. Vielleicht. Aber heute optimale Bedingungen für den Umzug. Ja, perfekt. Warst du schon öfter jetzt beim St. Georgner Umzug dabei? Ja, wir sind regelmäßig beim St. Georgner Umzug dabei. Manche Jahre wechseln wir ab und gehen noch woanders hin, aber sonst sind wir eigentlich fast jedes Jahr in St. Georgner. Alles klar. Ich schau mal kurz auf dein Outfit. Du hast hier so ein schönes blaues Herz an mit bunten Punkten und eine rote Schleife. Du bist ja bei den Rippling-Healern, der auch Zunftvölktin. Richtig. Zum Vögtin ist im Prinzip ein cooleres Wort für Vorstand, oder? Das ist der erste Vorstand von der Zunft, genau. Zum Vögtin oder Zunft. Ja, eben nach dem Zung der Rippling-Hila. Wir sind aus Freiburg, aus dem Stühlinger. Wir haben jetzt tatsächlich nächstes Jahr schon unser 70-jähriges Jubiläum. Nicht schlecht. Also wir sind auch jetzt nicht einer der Ältesten, aber auch schon länger dabei. Genau. Rippling-Hila, das ist oft nicht bekannt, was das überhaupt ist. Und zwar kommt Rippling von Tonmurmeln, also das ist das alemannische Wort für Murmeln. Und der Healer ist ja, jetzt mal umgangssprach Heuler, also von Weinen kommt es und es kommt einfach daher, dass früher die Kinder mit eben Tonmummeln gespielt haben und wenn die dann halt kaputt gegangen sind von älteren Kindern oder verloren haben beim Spielen, dann haben die einfach geweint und da kommt jetzt halt dieses Wort Rippling Healer zustande, und deswegen haben wir diese bunten Punkte auf unserem Häs, das sollen die Ripplinge. Und deswegen sind die auch auf unserer Tasche vorne drauf, auf dem Bauch und eben so auf dem Bein, wie so, als ob sie aus dem Sack fallen. Genau. Jetzt habt ihr ja auch so eine Maske oder so eine Larve von einem Mensch, der weint. Genau. Das ist ja schon ein bisschen ungewöhnlich, würde ich sagen. Viele Masken sind ja entweder lachend oder so ein bisschen böseguckend und ihr seid die Weiner. Genau. Richtig, eben. Das ist halt mal eine ganz andere Narrenfigur in der Fasnacht. Dadurch fallen wir halt auch auf, weil wir können immer sagen, wir sind die Masken oder die Narren, die weinen. Kennst du irgendeine andere Zünfte, die auch so etwas hat? Jemand, der weint? Weint direkt nicht, aber es gibt schon auch andere Zünfte, die vielleicht auch traurige Ausdrücke haben, also Gesichtsausdrücke. Aber tatsächlich, dieses Weinen ist uns bisher jetzt noch nicht untergekommen. Also da sind wir schon, denke ich, einzigartig. Das hält euch aber wahrscheinlich nicht davon auf, fröhlich fast noch zu machen. Nein, auf gar keinen Fall. Das ist eben unser Kostüm oder unser Haas und das macht aber an unserer Einstellung nichts. Okay. Und wenn ihr dann am Umzug entlang lauft, gleich, wenn es losgeht, macht ihr dann irgendwie bestimmte Geräusche oder sowas? Also ich kenne es von manchen Zünften, gerade wenn etwas nach vorbei ist oder so, dass man dann so Heulgeräusche oder so weinende Geräusche seufzer macht? Ja, das machen manche, aber das können wir machen, wie wir möchten. Wir sind eher die, die auf Mariner Wohl rufen. Wir versuchen schon so ein bisschen manchmal so traurig zu gucken, aber eigentlich laufen wir wie die anderen fröhlich mit. Habt ihr irgendwie noch was dabei als Zusatz? Süßigkeiten oder komplett ist ja hier nicht erlaubt? Nein, wir verteilen immer Süßigkeiten. Sind natürlich manchmal auch ein bisschen abschreckend für die Kinder, wenn dann so eine heulende Maske oder so. Aber in der Regel nehmen sie es dann trotzdem. Okay, super. Und warum bist du denn bei den Ribbling-Heelern? Ich bin in die Zunft reingeboren, also ich bin seit Kindauf, seit Babyauf damit dabei, hatte so gesagt keine andere Wahl. Seitdem lebe ich die Phasen hier in Freiburg, ja. Gab es mal einen Punkt, wo du gedacht hast, jetzt irgendwie gerade doch keine Lust mehr auf Fastnacht oder auch wenn es mal nur ein Jahr ist oder so, wo man irgendwie mal einfach Pause braucht? Nee, also tatsächlich, da habe ich mir jetzt auch vorher mal Gedanken drüber gemacht, nee, das gibt es eigentlich nicht. Es ist immer so, Fastnacht ist einmal im Jahr und dann ist das tatsächlich bei mir und ich glaube, das geht vielen so auch an Nummer eins, also Priorität ziemlich hoch. Also da bleiben dann auch die anderen Sachen aus meiner Sicht liegen, weil die gehen halt nur vier Wochen oder vielleicht ein bisschen länger mal, je nachdem wie es liegt. Aber da dreht sich dann wirklich alles rund um Fastnacht. Alles klar, das heißt im Januar und Februar müssen die anderen Hobbys einfach mal pausieren, Freunde, erstmal warten, bis Fastnacht wieder vorbei ist. Ja, man hat ja fast noch einen ganz anderen Freundeskreis auch, die man dann trifft und dann sind halt die die Vorrang. Ist es bei dir dann auch so, dass man manche Leute quasi nur über Fastnet eigentlich sieht oder mit denen aktiv was macht und den Rest des Jahres. Ja, habe ich so und so. Also ich kenne viele Leute nur über Fasnacht und treffe die auch nur an Fasnacht, aber das macht für uns keinen Unterschied. Und es gibt manche, die kenne ich auch von Fasnacht, aber mit denen trifft man sich auch ab und zu mal unterm Jahr. Okay. Also auch wenn man sich dann eine Weile nicht gesehen hat, alles wie ganz normal. Immer alles wie ganz normal, genau. Wie viele Leute seid ihr denn bei dir in der Zunft? Also wir sind eine ganz, ganz kleine Zunft aus Freiburg. Wir haben nur so um die 15 Häßträger und halt noch ein paar passive Mitglieder. Aber sie gehören eher zu den kleineren Zünften aus der BNZ, ja. Ja, aber du sagst es gerade schon, also alle gehören zum Dachverband von der Preisgeordneten. Genau, wir sind ein Teil der BNZ, richtig. Und ist es dann innerhalb von eurer Zunft so, dass da viele auch miteinander eben verwandt sind oder so? Weil du sagst gerade schon, du bist reingeboren. Ja, also es ist schon ein Großteil, auch meine Familie selber und verschiedene Familienkonstellationen. Aber ja, es ist viel familiär auch bei uns. Und so von der Altersstruktur, wie teilt sich das ungefähr aus? Also wir haben jetzt eben einen kleinen Narrensohn, meinen Sohn. Und sonst tatsächlich so jugendliche Alter haben wir jetzt gerade gar nicht mehr. an zwei jungen Erwachsene und dann so, ja, mein Opa macht noch mit, mit seinen über 80 Jahren jetzt. Ach schön. Genau, also da sind wir bunt gemischt. Alles klar. Was ist denn so für dich das Besondere an Fasnacht? Ja, Fasnacht ist einfach so eine Gemeinsamkeit. Also man trifft, wie wir vorhin schon gesprochen haben, Man trifft sich, man trifft immer wieder die gleichen Leute, man verbringt eine schöne Zeit zusammen, ob es jetzt am Umzug ist oder auch an Hallenabenden oder anderen Veranstaltungen und das verbindet einen und das ist glaube ich das, was auch die Fasnacht ausmacht. Und man hat so eine Zugehörigkeit auch, finde ich. Man weiß, wo jeder hingehört und man ist trotzdem so miteinander verbunden. Und das ist ein Teil. Und dann natürlich, was wir natürlich immer vermitteln wollen, ist halt der Brauchtum. Weil wir sind jetzt natürlich, wir jetzt allein, die Zünfte sind schon 70 Jahre. Es gibt Zünfte, die machen das natürlich schon länger. Und das wird halt immer, unsere Tradition, unser Brauchtum wird von Generation zu Generation weitergetragen. Und das wird natürlich oft, wenn für Außenstehende, die sehen das natürlich nicht so. Die sehen immer nur, es feiern, die Umzüge stehen am Rand, gucken zu, aber was dahinter steckt und was wir alles schon die ganzen Jahre über gemacht haben und weitervermittelt haben, das macht fast auch aus. Wenn ihr in Freiburg wohnt, ist bei der Oberbürgermeisterwahl am 26. April eure Stimme gefragt. Genau deshalb sollte es im Wahlkampf auch um die Themen gehen, die euch wichtig sind. Mit der Rechercheplattform Korrektiv haben wir das Projekt Deine Stimme, Deine Themen gestartet. Unser Ziel ist es, euch in den kommenden Wochen genau zuzuhören, um herauszufinden, was euch als Freiburgerinnen und Freiburger wirklich interessiert. Genau diese Themen möchten wir dann in das Zentrum unserer Berichterstattung rücken. Nehmt dazu gerne in unserer Umfrage unter mehr.bz.deine-stimme teil oder kommt vorbei, wenn wir unsere Redaktion für euch öffnen, um mit euch ins Gespräch zu kommen. Über die Termine informieren wir euch über unseren Instagram-Kanal und unter www.badische-zeitung.de. Wir freuen uns auf eure Themen. Werbung Ende. Du hast ja vorher schon erklärt, woher der Name Ripplinghila kommt. Wie wichtig ist es, wenn wir jetzt gerade Brauchtum und Tradition ansprechen, sowas wie, dass das Häs einfach vollständig angezogen ist. Also das ist bei uns mit am wichtigsten. Also wir wollen natürlich nach außen hin das auch repräsentieren, was wir darstellen. Und dann gehört es halt auch dazu, dass wir ein vollständiges Häs haben und auch ordentlich aussehen. Und ja, das ist uns natürlich sehr wichtig. Es wurde Fastnacht ja ursprünglich so ein bisschen gefeiert, um den Winter zu vertreiben, Geister zu vertreiben. Einfach ein bisschen auch für Freude zwischendurch zu sorgen, auch bevor die Fastenzeit dann losgeht. Genau, eher mit der Fastenzeit im Zusammenhang sieht man das bei uns und alle Menschen genau. Das spielt, glaube ich, in der heutigen Zeit jetzt nicht mehr die Rolle. Natürlich wissen wir, Aschermittwoch beginnt die Fastenzeit. Manche pflegen das vielleicht, manche weniger. Aber ich glaube, jeder, also bei uns ist es natürlich so, wir haben eine Fastnachtseröffnung, wir haben eine Ausgrabung, wir holen die junge Fastnacht aus dem Brunnen, also die Ripplinghieder zum Beispiel. Und dann geht es weiter am Rosen, am Fastensmännig. Wecken wir zum Beispiel im Stühlinger die Leute, damit sie auf die Straße gehen, morgens um acht. Manche machen es früher, aber wir machen es um acht. Und am Dienstag ist dann halt nach unserer Kinderfasnacht alles wieder vorbei und dann verbrennen wir die Fasnacht. Und so sind es halt diese Traditionen, die wir pflegen. Du hast gerade gesagt, ihr kommt aus dem Brunnen, werdet ihr? Was war das? Ausgegraben? Ja, die junge Fasnacht entsteigt aus dem Brunnen bei uns. Ich kenne das jetzt von meiner Zunft, da kommen die Geistern aus dem Berg raus, auch aus dem Brunnen. Hängt das mit den Tränen zusammen? Das kann ich jetzt gar nicht. Ich kenne das schon immer so. Ich lese ja auch jedes Jahr den Text dazu und er entspringt. Ich glaube, das ist einfach dieses Quell vom neuen, jungen. Ich glaube, das verbinden wir mit dem Brunnen, vermute ich. Wie ist es denn bei eurer Zunft? Ihr seid ja nur eine ganz kleine Gruppe mit so Nachwuchsgewinnen. Glaubst du, das ist noch was, was jetzt irgendwie in 20, 30 Jahren, dass es die Rippling Healer noch genug Leute gibt, die da mitmachen? Oder würde sich das vielleicht eher auf andere Zünfte verteilen? Was ist so deine Aussicht? Ja, also natürlich hoffen wir, dass wir da immer Nachwuchs kriegen. Ich bin auch froh, wir haben dieses Jahr drei neue Hesträger gewonnen. Schön. Ich habe das tatsächlich gestern auch schon wieder mit jemand anderem diskutiert. Es ist halt immer so eine Sache, was ist attraktiv, weil du sagst, auf andere Zünfte sich verteilt. Ich sage mal, wenn jemand, junge Leute, die sehen Hexenhäs, die sehen, was die für Schabernack und für wilde Sachen, sage ich mal, treiben, das ist natürlich attraktiver wie jetzt sowas ein bisschen Traditionelleres, vielleicht Ruhigeres. Ich will jetzt nicht sagen, wir haben kein schönes Häs, aber es sieht halt anders aus wie manche, die, sag ich mal, noch jünger sind, ja? Mhm. Genau. Also da haben wir schon mit zu kämpfen, dass wir da Nachwuchs finden. Natürlich sind wir überall präsent und sprechen die Leute an und, ja, aber wir haben halt mittlerweile auch, jetzt nicht nur in der BZ, aber es gibt ja so viele andere Zünfte. Und die Bereitschaft in den Verein zu gehen ist halt also grundsätzlich nicht mehr so hoch und sich da irgendwie so zu verantworten und zu binden. Und dann halt an Fasnacht wird es glaube ich dann schwieriger. Also ich denke wir nicht nur wir haben Probleme immer Mitglieder zu finden, aber Hoffnungen sind da, dass es natürlich nicht aufhört. Ja natürlich. Du hast ja gerade schon gesagt, dieses Jahr habt ihr drei neue Leute gewinnen können. Waren das dann auch Leute, die davor schon irgendwie verwurzelt waren, vielleicht familiär oder sind die über andere Wege dazu? Genau, so gesagt Bekannte aus dem Bekanntenkreis sind mit eingestiegen, zwei und einer, der war bei uns schon früher als Nachensauer mit dabei, hat dann gesagt, nö, jetzt will er erstmal nicht mehr mitmachen und jetzt hat er gesagt. Ins Häs zu gehen. Ah, schön. Genau. Ich sage mal, bei uns, wir machen drei gleich schon mal einiges aus. Ja, auf jeden Fall, klar. Sehr schön. Ist es denn bei eurem Häs, hat man das selber schneidern lassen oder leiht man sich das aus? Ne, wir haben jeder das eigene Häs, das lässt man sich schneidern. Wir haben auch jetzt für neue, haben wir schon so einen Fundus, sag ich mal, wo man dann so die ersten Jahre sich auch eins ausleihen kann, aber irgendwann will man schon irgendwie sein eigenes haben und dann passt man es auch genau auf sich an und genau. Wie teuer war das denn ungefähr so ein Haas? Also ich weiß bei meinem eigenen, dass man da schon einiges an Geld erstmal in die Hand nehmen muss, dann hat man es natürlich jahrelang. Aber was muss man da ungefähr zahlen? Ja nur jetzt Oberteil und Unterteil schneidern. Das habe ich jetzt letztes Jahr schneidern lassen. Das hat jetzt mich so um die 200 Euro gekostet. Aber wir haben halt den Stoff stellen wir von der Zunft. Also das zahlt die Zunft, nur wir müssen halt die Näharbeiten bezahlen. Also das kommt natürlich dazu und dann muss man natürlich Schuhe, der Schlupf, alles mögliche. Was man halt unten drin ist, Strümpf und so, das muss man halt alles dazu zählen noch. Das ist aber je nachdem unterschiedlich teuer, also kann ich jetzt keine sagen. Aber nur das reine Häs man jetzt 200 Euro schneidern lassen, also die Arbeit. Vielleicht dann so das teuerste Kleidungsstück, was du besitzt? Das ist definitiv, also bei uns sind die Masken von der Zunst gestellt, aber das ist das teuerste, was wir so dann tragen. Also so eine Maske, wir haben da auch einen Fundus, das leihen wir den Mitgliedern aus und die gehen auch immer zurück. Genau, aber das ist das teuerste Stück an der Fasnet, also das Holz. Ja, auch generell in deinem Kleiderschrank nichts wahrscheinlich. Also ja, ich... Mein Hä? Es ist schon das teuerste Kleid am Stück, würde ich behaupten. Oder war das Brautkleid teurer vielleicht noch? Aber das habe ich schon zurückgegeben. Ah, okay. Ja, nee, das war teurer, ja. Stimmt. Okay, sehr cool. Gibt es denn was jetzt generell an Fastnet, was für dich gar nicht dazu gehört? Was vielleicht manche Menschen irgendwie der Fastnet zuschreiben, aber was für dich so, ja, nicht Teil der traditionellen Fastnet? Es ist schwierig, weil wir müssen ja immer noch ein bisschen in die Zukunft gucken und ich glaube, es muss jetzt halt immer mehr dazukommen, damit es halt für auch die Jungen einfach attraktiv bleibt. Ich glaube, die ursprüngliche Fasnacht, wenn wir jetzt bei uns mal die Alten fragen würden, dann würden sie sagen, ja, du gehst halt zur Hallenveranstaltung, sitzt halt an deinen Tisch, guckst das Bühnenprogramm an und dann gehst du wieder heim. Und dann hast du halt noch deine Zunftveranstaltung und halt die Umzüge, das ist für die Tradition, der Brauchtum. Aber heutzutage kann man davon halt die Jungen nicht mehr überzeugen, sitz mal da zwei Stunden am Tisch, schau dir ein Bühnenprogramm an. Also die wollen natürlich, sag ich mal, Party haben und das gehört für mich, finde ich, nicht dazu, also zum ursprünglichen Brauchtum. Aber wir müssen das mittlerweile machen, damit es einfach die Fasnacht attraktiv bleibt. Also ich würde nicht sagen, es gehört in dem Sinne zur neuen Fasnacht dazu, aber ursprünglich würde ich sagen, nein. Habt ihr dann auch so eine eigene Partyveranstaltung oder läuft es dann über die Greisgauer Narrenzunft? Ja, die verschiedenen Zünfte machen halt ihre Abendveranstaltungen. Wir selber machen mal zu einem Jubiläum oder sowas, aber jetzt nix fest jedes Jahr. Wir haben eben nur unsere kleinen Veranstaltungen in Stüdinger selber. Eben, wo ich vorhin schon gesagt habe, Ausgrabung, Kinderumzug und Verbrennung, aber das ist dann wirklich das Brauchtun, das hat nichts an die Karte zu tun. Hast du denn so ein persönliches Highlight an Fassnacht, wo dich besonders dran. Ja, es ist tatsächlich, glaube ich, schon das Highlight, das ist der Fastnet-Mändig-Umzug in Freiburg. Da werden so viele Menschen bewegt, auf die Straße zu kommen, auf die Straßen fastnet und halt dann am Umzug zuzugucken. Ja. Und da sind wir natürlich im HES immer mit dabei und haben unser, ja, genau, sind alle unterwegs und machen Fastnacht. Und da erreicht man halt die meisten Leute. Und da sieht man auch, dass alle mit Fastnacht dann doch irgendwas anfangen können. Ja, genau. Ja, total. Und wie wichtig würdest du sagen, sind denn generell solche Umzüge? Also wie jetzt auch hier heute in St. Georgen. Es sind ja speziell nochmal ganz viele Kinder, die dann immer am Straßenrand stehen, auf Süßigkeiten warten und sich freuen auf die Leute, die vorbeilaufen. Was macht so ein Umzug nochmal aus? Also ein Umzug ist, sag ich mal, dieses Instrument, wo wir die Leute erreichen. Wenn wir abends, Samstagabend, in die Halle sitzen und nur unter uns sind, unter die Zünftler, da kriegen wir keine Außenwirkung und können uns nicht nach außen hin präsentieren. Und die Umzüge, da sehen halt mal die Außenstehenden, die Nicht-Häßträger, wie Fasnacht aussieht. Und natürlich die Kinderaugen, wenn die leuchten, wenn sie ihre Bonbons bekommen und ihre Lutscher und was auch immer, das ist natürlich immer schön. Und auch als Zunft, natürlich kann man halt die eigenen Kinder, die kleinen Narrensäuren natürlich auch mitzunehmen zum Umzug. Und für die ist das halt auch ein Erlebnis. Jetzt bist du ja oder deine ganze Familie ist ja Fastnachtler oder bei den Ripplingheelern. Dein Mann ist dann auch aktiv in der Zunft mit dabei, oder? Seitdem wir uns kennen, macht er mit mir Fastnacht. Also da bin ich dran schuld. Das heißt, er kommt jetzt oder nicht jetzt aus einer Zunft oder ist er rübergewechselt? Nee, er macht das mir zuliebe. Wie war das dann am Anfang? Also kannte er irgendwie die Fastnacht von seinen Kreisen her? oder war das so sein erster Bericht? Ja, er kommt von außerhalb von Freiburg. Natürlich kennen die Fasnacht, er war aber nicht aktiv jetzt an der Fasnacht beteiligt. Wir sagen eben, wir als ein Außenstehender halt mal zu einem Umzug gehen oder halt irgendwie auf eine Veranstaltung mal besuchen. Ja, aber halt nicht in einer Zunft oder im Häs. War das dann am Anfang ungewohnt für ihn? Ja, natürlich. Aber er hat das, glaube ich, auch kennengelernt und auch liebengelernt. Einfach eben die Beziehungen und Freundschaften, die wir zu anderen pflegen, durch die Fasnacht. Das ist auch ein großer Freundeskreis, den wir da haben. Lernt er glaube ich schätzen oder schätzt sehr schätze sehr und dein sohn wie alt ist jetzt zwei jahre ist es zwei jahre geworden genau den haben wir gerade auch schon in einem kleinen häss gesehen sieht natürlich total süß aus wenn man an kindern dann auch so ein schönes häss sieht was was ist denn fast noch für ihn also aus kinderaugen ist das ja alles noch mal ganz viel magischer ja ich glaube das kommt auch von also es unterschiedlich von kind zu kind er findet jetzt noch ganz gut Er darf halt mit, hat natürlich auch seine Süßigkeiten, die er essen darf oder vielleicht auch verteilt, mal sehen. Ich glaube einfach, das sind so viele Reize, so vieles buntes Treiben. Ich kenne es ja selber aus meiner Kindheit, das ist einfach was Besonderes, da dabei zu sein. Jetzt ist er vielleicht noch ein bisschen klein, aber ich glaube, umso älter wird, das hoffe ich natürlich, dass es ihm immer wieder gefällt. Und dass ich ihn begeistern kann dafür. Das ist ja für viele Kinder an einem Umzug so, auch gerade wenn sie zuschauen, dass sie vieles auch gruselig finden. Viele Masken, vielleicht gerade so Hexen oder Teufelmasken sind da erstmal ziemlich einschüchternd und dann kuschelt man sich arg an die Eltern und versteckt sich so ein bisschen. Wie gehst du damit um, auch als Mutter oder wie bekommst du das so mit? Dass sowas einfach gruselig ist auch für Kinder. Ja, ich glaube, die Vorstellungskraft fehlt manchmal einfach, dass da auch Menschen, einfach echte Menschen dahinter stecken. Und natürlich auch, wie die Personen sich dann oder die Narren sich halt natürlich verhalten. Auch das wirkt natürlich gruselig oder halt auch angsteinflößend. Wir persönlich handhaben das halt auch in beiden Ripplinghiendern so, wenn wir merken, am Straßenrand hat ein Kind Angst, dann ist auch für uns es in Ordnung, mal das Holz hochzuheben und zu sagen, schau, darunter ist auch nur ein Mensch. Also das ist uns auch schon wichtig. Und so machen wir es halt mit unseren eigenen Kindern auch. Also die wachsen da mehr mit auf und die wissen halt, ja, da ist eine Maske und da hinten dran ist trotzdem die Mama. Aber natürlich ist das für die komisch. Jetzt hast du mir vorhin schon gesagt, du musst selber mal schauen beim Umzug, ob du deine Maske aufsetzt oder lieber lässt, je nachdem, was dein Sohn so macht. Aber normalerweise würdest du sie quasi aufziehen und für deinen Sohn wäre das dann ganz normal, dass die Mama auf einmal so ein bisschen Holz vor dem Gesicht hat. Ja, manchmal sagt er schon, Mama, mach's weg oder auf Holz weg oder mach's weg, je nachdem. Und dann sage ich, ja, ist schon gut. Und dann mache ich, also wenn es gar nicht geht, dann mache ich das auch, das respektiere ich schon. Ich glaube, die können halt einen selber nicht einschätzen, wenn sie halt die Gestik nicht sehen, einfach wie die Menschen darunter reagieren. Und das ist, glaube ich, das, was sie halt einfach verunsichert. Da sieht man noch eine weinende Holzmasken-Mama. Genau. Und dann natürlich sehen alle gleich aus. Das darf man ja nicht vergessen. Und dann, wer war jetzt noch mal die Mama und so? Ich glaube, das ist schon schwierig. Da müssen sie sich dran gewöhnen. Ja, klar. Hast du denn einen Tipp vielleicht für Eltern, die mit ihrem Kind jetzt zum ersten oder zum zweiten Mal umzugehen, zum Zuschauen, wie man damit umgehen kann, wenn das Kind dann Angst hat vor verschiedenen Masken? Ich glaube, es ist viel, einfach auch das Erklären, vielleicht auch schon vorher zu sagen, da sind Menschen, die haben Masken auf. Ich meine, mittlerweile in den Kindergärten und Schulen wird ja selber Masken gebastelt und so. Also ich glaube, das ist wichtig, einfach das richtig zu kommunizieren und vorher vielleicht einfach zu erklären und zu besprechen. Und aber auch am Umzug, wenn ein Kind Angst hat, dann würde ich das persönlich nicht dazu drängen, dann vorne zu stehen und sagen, jetzt musst du dir das angucken, dann kann das auch einfach weggehen. Oder man bittet halt den Helfträger zu sagen, könntest du mal dein Holz heben, damit das Kind sieht, da ist auch jemand Normales drunter. Also so fände ich das gut. Wie hat es denn dadurch, dass du jetzt Mutter geworden bist, die Art Fasnacht zu machen vielleicht verändert? Also mit Kind ist ja alles normal, muss man einfach mehr Sachen beachten oder organisieren vorab. Wie war das bei dir? Also ja, es ist wie im ganz normalen Alltag auch. Man muss natürlich mit allem ein bisschen mehr Zeit einrechnen, mehr organisieren. Man muss halt sich um noch einen mehr kümmern, mehr anziehen und alles einpacken. Genau, für mich hat sich jetzt natürlich im ersten Jahr hat sich schon geändert. Da war ich nicht so viel dabei, nur das, was halt ging. Aber jetzt habe ich schon auch das Glück, dass wir gerade für die Abendveranstaltung gute Betreuung zu Hause haben von den Schwiegereltern. Und so darf ich auch abends weggehen, also da habe ich jetzt nicht so viel Einstrengung und da bin ich auch froh drum. So dass dann quasi du und dein Mann beide quasi fast noch genießen könnt. Genau, da können wir zusammen weggehen. Ja, das ist nicht bei allen so, aber wir haben da tatsächlich das Glück. Okay, voll gut. Und hast du irgendwie gemerkt, deine eigene Art vielleicht zu feiern oder so hat sich seither verändert? Ich weiß halt, dass egal wann ich heimkomme, dass mein Kind morgens um sieben parat steht. Ja. Ja, man hat ein anderes Bewusstsein dafür, aber ob ich es jetzt wirklich geändert habe, weiß ich nicht. Ich mache es halt immer noch gerne und ja, das ist halt für mich, wie ich schon mal gesagt habe, sehr hohe Priorität fassen. Und natürlich freue ich mich immer, wenn wir jetzt sonntags auf den Umzug gehen, dass ich ihn halt mitnehmen kann und dass ich ihm das alles zeigen kann, was mir so viel Spaß macht. Ja, sehr schön. Und wie ist es bei deinem Sohn, wenn er jetzt selber fährt und macht unabhängig von der Zunft, sag mal, im Kindergarten oder so, oder mit Freunden, wo man ja dann auch nochmal ein anderes Kostüm vielleicht braucht. Was zieht man da dem Kind an? Was wünscht er sich vielleicht selber? Das trifft mich jetzt dieses Jahr das erste Mal vermutlich. Das werde ich mit ihm besprechen. Vielleicht will er ja sein Hays anziehen vielleicht. Das wäre natürlich die einfachste Variante. Ja, aber da muss ich mich, wenn man mal gucken kann ich noch nicht sagen. Oftmals gibt es ja gerade im Kindergarten so ein Motto an einem bestimmten Tag, Unterwasserwelt oder Zoo oder... Ja, ich glaube tatsächlich bei uns in der Kita werden sie am schmutzigen Durstück tatsächlich im Hemd klunker gehen. Und dann ist das ja auch relativ einfach. Das ist ja dann easy. Ja, genau. Stark. Ich warte mal ganz kurz bis die Musik hier vorbeigeht. Das ist auch so eine Sache, das gehört auch nicht unbedingt für mich dazu. Wir waren auch gestern Abend hier auf der Veranstaltung und sie haben dann auch schon, also die Veranstalter, die Reblastium, hat schon auch darum gebeten, dass man ein bisschen Rücksicht nimmt. Vor allem, es gibt natürlich auch Guckenmusiken, die Musik machen, dann ist es halt schöner, wie wenn da einfach so eine Krawallschachtel, sag ich mal, mitläuft und die vielleicht sogar stört. Die geben sich Mühe und dann wird alles überschallt von so lauten Botz. Oftmals wird es ja so sehr konträr gesehen, so Zünfte, die ein bisschen moderner sind, vielleicht auch die hinter der Maske leuchtende Auge haben oder einfach so ein bisschen dämonischer, vom Häs an sich irgendwie daherkommen oder die auch mit lauten Wägen in der Gegend rumfahren und die so ganz traditionellen, zu der ich jetzt auch deine Zünfte erzählen würde. Wie siehst du das? Ist das schon ein starker Kontrast oder ist am Ende doch eigentlich alles dasselbe? Nee, ich sehe es schon als starken Kontrast und auch ein bisschen die Problematik für uns traditionellen Zünfte, weil gerade, was ich vorhin schon mal angesprochen habe, das ist natürlich für die Jugend attraktiver, die bunten Neonleuchten und die Augen, die Dämonen, alles was halt so ein bisschen, sag ich mal, moderner oder gruseliger Das ist schon ein starker Kontrast zu uns traditionelleren Zünften. Das sehe ich schon eher als ein Problem. Ich finde, jeder hat natürlich eine Daseinsberechtigung. Die haben eine Zunft, die sind ein Verein, die nehmen teil in der Fasnacht, ja. Aber es ist schon was anderes, wie wir, die schon zig Jahre das machen. Jetzt hier in St. Georgen sind ja keine großen Umzugswägen dabei, sondern nur wenn, dann so eine kleine Musikbox. Und ich glaube, beim Fass als Mändig-Umzug in Freiburg, da sind zwar größere Wägen dabei, aber schon auch viele traditionelle Zünfte. Gut, es gibt natürlich auch traditionelle Zünfte, die einen Wagenbau machen. Also das gibt es schon noch. Ich glaube, das muss man auch nochmal unterscheiden. Also nicht so diese rollende Disco, wie ich immer sage. Mittlerweile sind halt die Sicherheitsauflagen auch so hoch, dass ich das schwierig nachvollziehen kann, dass man sich die Mühe noch macht, so einen Wagen zu gestalten. Einfach aus denen ihrer Sicht, aber wenn sie da ihre Lust dran haben und halt ihre Zeit investieren wollen, immer wieder, ja, ist es halt... Es artet halt irgendwie ein bisschen aus, wenn es dann nur als Bar und als Disco dient, diese Wägen. Da wären wir dann wieder beim Thema, was gehört zu Fastnacht für dich dazu und was jetzt nicht unbedingt. Ich meine, das Feiern, das Party machen, auch teilweise bestimmtes Alkoholtrinken ist ja schon irgendwie auch ein Teil, was man einfach macht am Fastnacht, aber halt eben nicht nur das. Auf jeden Fall nicht nur das. Natürlich gehört das dazu und wir sitzen auch zusammen und trinken unser Schorle und das ist auch total in Ordnung und wir gehen auch mal gerne in die Bar, aber gar keine Frage. Aber ich finde, es ist in Maßen und das sollte nicht die Definition von Fasnacht sein. Also sagen, Fasnacht ist die Partyveranstaltung am Abend. Das ist es halt nicht. Oder nicht nur. Du hast vorher schon die Sicherheitsvorkehrungen angesprochen, die jetzt immer strenger werden. Man muss immer mehr beachten, auch zu Recht bestimmt. Wie hast du bis jetzt Zunftfrögtin so erlebt, was sich alles in der Organisation rund um die Fasnet? Ich warte vielleicht doch mal kurz mit der Frage mit den sehr lauten Glocken, die aber sehr schön aussehen. Die Amon-Törner. Du kennst die Zunft? Amon-Törner aus Lehen, ja. Ah, auch ein sehr schönes Foto. Die waren früher mal auf BNZ. Genau, wir waren bei dem Thema, was sich alles so verändert hat. Also wir haben es ja schon gesagt, beim Umzug muss man mehr Sachen beachten. Auch generell einfach Sicherheitsverkehrungen. Es gibt jetzt immer öfter bei Zünften oder bei so Veranstaltungen auch ein Awareness-Themen. Ja, einfach ein bisschen anders als früher, oder? Ja, wie du vorhin schon gesagt hast, wahrscheinlich auch berechtigt, dass es das gibt. Was aber tatsächlich das grundsätzliche Problem ist, dass wenn man das auf die Vereine runterbrecht, das sind halt Kosten, die wir tragen müssen. Jetzt auch wenn ich allein schon an die BNZ denke, so als unser Dach, ein Fasensmending-Umzug mit Hunderten, Tausend von Zuschauern. Es sollen immer mehr Ordner geben oder es wird auch gebraucht, gar keine Frage, aber die kosten uns halt. Und die Zünfte, wenn ich jetzt wieder auf uns schaue, wir sind halt 15 Mann, wir können halt nicht fünf Ordner abstellen, dann können wir halt auch nicht mehr mitlaufen. Und das ist halt so ein bisschen das, was man abwägen muss. Und das ist auch das, warum die Zünfte nicht mehr so viele Umzüge haben oder halt Stadtteile. Weil schafft man es, die Kosten zu stemmen, schafft man es, die Ordner zu stemmen oder muss man es tatsächlich ausfallen lassen, weil die Auflagen zu hoch sind? Was bräuchte es denn an Unterstützung, damit es Zünfte einfach besser stemmen können, vielleicht gerade so kleine Zünfte wie jetzt eure? Ich glaube, das kommt drauf an, muss man betrachten, kommt von Veranstaltung zu Veranstaltung unterschiedlich. Wir bauen halt schon auf das Miteinander, also gerade was Ordner oder sowas ist. Wir kriegen immer Unterstützung, also wir unterstützen uns gegenseitig die Zünfte. Und das ist auch notwendig. Aber wenn halt dann so bürokratische Hürden gestellt werden. Manchmal, das kann ich jetzt so nur als Außenstehende sagen, ich muss zwar nie mit verhandeln mit der Stadt oder so, aber manchmal das bisschen das Verständnis, wir machen alles ehrenamtlich, wir sind Vereine und dann sind aber die Anforderungen so hoch, dass wir das, was wir gerne machen und was wir lieben, die Phasen nicht ausführen können. Also das ist das Problem. Ich weiß nicht, ob es ein Verständnis ist, wir werden unterstützt, das ist gar keine Frage, aber ich glaube, manchmal fehlt einfach noch ein bisschen mehr Verständnis dafür, was wir tun. Jetzt bist du jetzt Zunftvögtin, damit geht auch mehr Verantwortung einher oder wahrscheinlich auch deutlich mehr Aufgaben, die du vielleicht auch unter dem Jahr erledigen musst. Was heißt denn das Amt für dich? Also wie viel bist du da vereinnahmt? Zunftvögtin zu seiner ist erstmal in dem Sinn verantwortungsvoll, weil du die ja alle Verantwortung übernimmst, wenn irgendwas wäre. Unter dem Jahr kommt es halt dazu, dass man dann halt diese Anträge, die Bürokratie bewältigen muss. Aber dafür hat man halt auch seine anderen Vorstandsmitglieder und da teilen wir uns immer auf. Ich glaube alleine wäre das auch ziemlich anstrengend, das alles zu bewältigen. Bei uns ist es so, dass wir auch unterjährig uns treffen, also als Zunft. Das sind so Sachen, die halt organisiert werden. Wir machen trotzdem immer Versammlungen, wo wir die Flasen schon planen. Ja, da ist man halt dann als Vorstand eingebunden und muss das ein bisschen lenken. Wie kommt es, was du in so einem jungen Alter schon zünftig, Auch das hängt bestimmt mit der Größe der Zung zusammen. Also wie überall ist es natürlich schwierig, jemanden zu finden, der so eine verantwortungsvolle Rolle übernehmen möchte oder einfach in Vorstand treten möchte. Und da hat sich halt niemand anderes gemeldet und es war eigentlich schon ein bisschen länger klar, dass ich das irgendwann mal machen werde, übernehmen werde. Genau, und so kam das. Das heißt, du warst auch in der Zeit, als du Mutter geworden bist und dann vielleicht mal ein Jahr ein bisschen weniger gemacht hast, einfach noch ganz normal Zunft fügte. Genau. Und das ließ sich dann gut vereinbaren, oder? Eigentlich habe ich nur an den Abendveranstaltungen auswärts. Alles andere kriegt man dann daheim doch hin. Cool. Schön. Und so langsam richten sich dann alle für den Umzug um uns rum. Wir laufen dann beide gleich mit und reden dann nach dem Umzug weiter. Dann startet der Pfassnachtsumzug. Lisa läuft mit ihrer kleinen Gruppe durch verkleidete Kinderscharen, die mit großen Augen auf Süßigkeiten warten. Angekommen im Narrendorf, guckt auch mal wieder die Sonne raus. So, der Umzug ist vorbei. Wir sind beide wieder angekommen im Narrendorf, quasi in St. Georgen. Wie war es denn für dich? Ich fand es war ein richtig, richtig schöner Umzug. Das Wetter hat natürlich gepasst und es waren richtig viele Kinder auf der Straße oder am Straßenrand. Es war alle gut drauf, gute Stimmung. Ja, so sollte jeder Umzug sein. Was findest du denn hier in St. Georgen so das Besondere beim Umzug. Hier sind ja besonders viele Kinder jetzt auch im, Genau, das hat sich jetzt auch in den letzten Jahren ziemlich verändert. Also die Reblos-Zump hier in St. Orgen oder halt einfach generell die Veranstalter haben sich wirklich da was Neues überlegt oder einfach denen ihr Konzept überarbeitet. Ich kann an Jahre zurückdenken, da sah das ganz anders in St. Orgen aus. Die Umzugstrecke war viel zu lang. Es gab nicht immer Lücken. Man hat dann irgendwie das Gefühl, es waren keine Zuschauer am Rand. An anderen Stellen waren dann so Trauben von vielen Jugendlichen, wo es auch ein bisschen wilder zu ging. Das ist halt immer als Zunft, die mitläuft, ein bisschen schwierig, das dann zu handeln. Aber jetzt ist es mittlerweile richtig, richtig schön. Man sieht eigentlich den ganzen Weg nur Kinder und die Eltern und alle haben Spaß am Umzug. Das gefällt mir besonders gut hier in St. Georgen. Das heißt, es reicht schon ein bisschen, was am Konzept zu verändern und die Veranstaltung ist gleich eine ganz andere von der Atmosphäre. Ja, auf jeden Fall. Also man muss halt, oder das haben die darauf geachtet, wer darf rein und halt auch natürlich ein bisschen den Alkohol kontrollieren und einfach, was wird mitgebracht zum Umzug und einfach Präsenz auch zeigen mit Ordnern und Sicherheitskräften, das hat schon was verändert. Wir hatten Sie ja auch vorher schon von den höheren Sicherheitsauflagen, die es bei Umzügen gibt, aber auch bei Partys und so weiter. Hast du das Gefühl, man muss auch als Privatperson, wenn man jetzt zu einer Party geht, vielleicht besonders als Frau ein bisschen mehr aufpassen als früher, was so K.O.-Tropfen angeht? Das hört man ja immer mehr, achtet auf Getränk, dass es nicht frei rumsteht, von wem ihr Getränke annehmt und so weiter. Das Gefühl habe ich, wenn wir jetzt an Fastnacht sind, so unter uns Zünfte, die man kennt, also diese geschlossenen Veranstaltungen, gerade so was BNZ oder hier jetzt einfach die befreundete Zünfte angeht, habe ich da überhaupt keine Sorgen. Also man weiß ja, man muss ja generell ein bisschen drauf aufpassen, aber ich hatte eigentlich nie das Gefühl, dass ich da Angst haben muss. Und das hat sich jetzt auch nicht verändert, weil irgendwie, das ist bei uns in der Zunft so, und das ist bestimmt auch zunftübergreifend, wir achten halt schon aufeinander und wir stehen da hinter jedem, also da wird aufgepasst aufeinander und das ist, glaube ich, schon wichtig. Was hast du das Gefühl, wenn du so an die Entwicklung von Fasnet jetzt denkst, wie das vielleicht die nächsten Jahrzehnte werden könnte, muss man da so ein bisschen aufpassen, dass es noch dieses Wohlige, dieses Traditionelle behält oder ist es ein Selbstläufer? Nee, da müssen wir schon immer dranbleiben, dass wir dieses Brauchtum und das Traditionelle bewahren. Aber wir müssen halt natürlich auch das mit der Zeit gehen, Sachen verändern. Modernisieren vielleicht. Auch einfach mit den Gegebenheiten einfach ein bisschen eine gute Verbindung finden, damit es klappt, dass wir Farsnacht weitermachen können, so wie wir es auch kennen. wir. Wie würdest du den Leuten aus deinem Freundeskreis vielleicht gar kein Fastnacht machen und das nicht so ganz verstehen, warum man sich da jetzt einmal im Jahr sowas anzieht und auf Umzüge geht? Wie würdest du das erklären, warum du das machst? Das habe ich letztens tatsächlich mir immer darüber Gedanken gemacht, weil ich einen Post auf Instagram für die Zunft gemacht habe und dann habe ich drunter geschrieben, Fastnet ist mehr wie nur einmal im Jahr das Häs anziehen und feiern und Umzug laufen, weil es ist einfach alles drum rum. Also wir treffen uns, wir haben einen Freundeskreis, wir haben Gemeinschaften, Und ja, das kann man nicht einfach runterbrechen auf, wir verkleiden uns und haben ein bisschen Spaß. Also da gehört einfach mehr dazu. Ja, dann wünsche ich dir noch ganz viel Spaß hier beim restlichen Umzug, beim Feiern und generell bei Fasner natürlich. Und vielen Dank, dass du heute dabei warst. Ja, gerne. Und wir sehen uns bestimmt nochmal an Fasner. Das denke ich auch. Hat euch der Podcast gefallen? Wenn ihr noch mehr Podcasts hören wollt, dann würde ich euch an dieser Stelle den von meinen beiden Kollegen Joshua Kocher und Janik Jürgens empfehlen. Der Titel Platzangst. Es geht um den Stühlinger Kirchplatz in Freiburg. Hört einfach mal in den Trailer rein. Heute meide ich den Platz eigentlich immer, wenn es geht. Ich bin nie mehr drüber gelaufen und ich lauf ungern dran vorbei. Der Stühlinger Kirchplatz ist ein Ort, den man in Freiburg nicht vermuten würde. Hier werden Menschen überfallen, hier wird offen mit Drogen gehandelt. Die Straftaten liegen auf Rekordhoch. Die meisten davon werden laut Polizei von Männern aus Nordafrika begangen. Und die Freiburgerinnen und Freiburger wissen nicht so richtig, wie sie mit dem Platz umgehen sollen. Wir sind mittendrin, Joshua Kocher und Yannick Jürgens. Wir haben zwei Jahre lang recherchiert, uns stundenlang um Interviews mit Drogendealern bemüht. Wir haben Polizistinnen und Polizisten begleitet, die täglich ausrücken. Mit Experten gesprochen, die erklären, warum sich Drogenszenen in Bahnhofsnähe aufhalten und uns mit Anwohnerinnen und Politikern unterhalten. Sie sagen, so kann es nicht weitergehen. In einem dreiteiligen Podcast erzählen wir die Geschichte, Gegenwart und Zukunft von Freiburgs wohl berüchtigstem Ort. Das ist Platzangst, ein Podcast der Badischen Zeitung. Die Junkies auf dem Stühlen- und Kirchplatz waren das so richtig angefangen. Es muss auch so in den 80er, Anfang der 90er gewesen sein. Bei Stühlen- und Kirchplatz ist es wie ein Magneter für Leute im Nord. Die Afrikaner sind eher ruhig, aber die arabischen Leute sind katastrophiert. Die kommen mit Messern, mit Macheten, mit Pfefferspray. Das ist schlimm. Nicht die Herkunft macht jemand zum Gewalttäter. Was ich nicht für mich akzeptieren möchte, ist, dass es eine Stadtgesellschaft aufgibt. Dass es Parallelgesellschaften in einer Stadt gibt. Also wir sprechen davon, dass es so eine Art Wicked Problem ist. So ein verzwicktes Problem, für das es eigentlich gar keine wirkliche Lösung geben kann.