Latest / Friedrich Nietzsche Podcast in Deutsch / Also sprach Zarathustra - 1. Theil - 20 - Von Kind und Ehe
Transcript
- 0:00Unterkapitel 20 von Kind und ehe Zarathustra wendet sich in
- 0:06dieser Rede ganz direkt an einen jungen Mann, den er seinen
- 0:09Bruder nennt. Er sagt, er möchte eine ganz
- 0:12bestimmte Frage allein für ihn in seine Seele werfen, er
- 0:16vergleicht diese Frage mit einem Senkblei, ein Senkblei ist ein
- 0:20Gewicht an einer Schnur, das Seefahrer benutzen, um
- 0:23herauszufinden, wie tief das Wasser ist.
- 0:26Genauso möchte Zarathustra prüfen, wie tief und reif die
- 0:29Seele dieses jungen Mannes wirklich ist.
- 0:32Der junge Mann wünscht sich eine Ehe und ein Kind.
- 0:35Zarathustra fordert ihn jedoch auf, sich ehrlich zu prüfen, ob
- 0:38er überhaupt das Recht hat, sich ein Kind zu wünschen.
- 0:41Er fragt ihn, ob er ein Sieger über sich selbst ist.
- 0:45Ist er ein Mensch, der sich selbst bezwungen hat, der seine
- 0:48eigenen Sinne kontrolliert und der wahre Herr über seine
- 0:51eigenen positiven Eigenschaften, also seine Tugenden?
- 0:55Ist Nietzsche macht hierdurch Zarathustra deutlich, dass man
- 0:59nicht einfach Kinder in die Welt setzen sollte.
- 1:01Man muss zuerst an sich selbst arbeiten und eine Reife,
- 1:04beherrschte Persönlichkeit werden, wenn diese Reife fehlt,
- 1:08dann vermutet Zarathustra ganz andere niedere Gründe für den
- 1:11Wunsch nach einem Kind, vielleicht spricht aus diesem
- 1:14Wunsch nur ein tierischer Instinkt oder ein bloßes
- 1:17körperliches Bedürfnis, vielleicht ist es nur die Angst
- 1:20vor dem Alleinsein oder eine innere Unzufriedenheit.
- 1:23Die den Mann dazu treibt, eine Familie gründen zu wollen.
- 1:27Zarathustra wünscht sich jedoch etwas völlig anderes für den
- 1:30jungen Mann, er möchte, dass der innere Sieg und die persönliche
- 1:33Freiheit des Mannes sich nach einem Kind sehnen, das Kind soll
- 1:38nicht aus einem Mangel heraus entstehen, sondern ein
- 1:40lebendiges Denkmal für die persönliche Entwicklung und
- 1:42Befreiung des Mannes sein der Mensch soll nicht nur sich
- 1:46selbst in die Breite fortpflanzen, sondern nach oben
- 1:49wachsen, er formuliert das so. Der Mensch soll über sich selbst
- 1:53hinausbauen dafür soll ihm die Ehe helfen, die er mit einem
- 1:56Garten vergleicht, in dem etwas Neues wachsen kann.
- 2:00Es geht nicht nur um körperliche Fortpflanzung, sondern darum,
- 2:03einen höheren Menschen zu erschaffen, einen wahren
- 2:05Schöpfer. Hier fließt Nietzsches bekannte
- 2:08Idee vom Übermenschen ein, der Übermensch ist das Ziel der
- 2:12menschlichen Entwicklung, ein Wesen, das den gewöhnlichen
- 2:14Menschen hinter sich gelassen hat, weil es sich selbst
- 2:17überwindet und seine eigenen Werte erschafft.
- 2:20Anschließend gibt Zarathustra seine eigene, sehr hohe
- 2:23Definition der Ehe. Eine wahre Ehe ist für ihn der
- 2:27gemeinsame Wille von 2 Menschen, etwas zu erschaffen, das
- 2:30vollkommener und bedeutsamer ist, als sie beide zusammen.
- 2:34Eine solche Ehe ist geprägt von tiefer Ehrfurcht der beiden
- 2:37Partner voreinander, weil sie beide diesen starken Willen zum
- 2:40höheren Teilen, das ist der wahre Sinn der Ehe.
- 2:44Danach wendet sich Zarathustra scharf gegen das, was die breite
- 2:48Masse der Menschen unter der Ehe versteht.
- 2:50Er nennt diese Masse, die viel zu fielen, was Nietzsches
- 2:54abwertender Begriff für die gewöhnliche, unreflektierte
- 2:57Gesellschaft ist, die ohne höhere Ziele einfach nur bequem
- 3:00vor sich hinlebt. Was diese Menge als Ehe
- 3:03bezeichnet, ist für Zarathustra nur eine seelische Armut zu
- 3:06zweit, ein seelischer Schmutz und ein erbärmliches, bequemes
- 3:10Sicheinrichten. Diese gewöhnlichen Menschen
- 3:13behaupten oft, ihre Ehen seien im Himmel geschlossen worden.
- 3:17Zarathustra verachtet diesen Gedanken.
- 3:20Er mag diesen religiösen Himmel der Überflüssigen nicht und
- 3:23lehnt das göttliche Netz ab, in dem sich diese Menschen
- 3:25verfangen. Er glaubt nicht an einen Gott,
- 3:28der Ehen segnet, in denen die Partner eigentlich gar nicht
- 3:31zusammenpassen, errät davon ab, über solche schlechten Ehen zu
- 3:34lachen, denn die Kinder, die aus solchen Verbindungen entstehen,
- 3:38haben genug Grund, über ihre Eltern zu weinen.
- 3:41Zarathustra nennt dann konkrete Beispiele für solche Fehltritte,
- 3:45er erzählt von einem Mann, der wie ein Held wirkte und reif
- 3:48schien. Den wahren Sinn der Erde zu
- 3:50begreifen. Aber als er seine Frau sah,
- 3:53schien ihm die Erde nur noch ein Haus für Verrückte zu sein, ein
- 3:57anderer zog aus, um große Wahrheiten zu finden und ließ
- 4:00sich am Ende auf eine kleine, hübsch gemachte Lüge ein, die er
- 4:03dann seine Ehe nannte. Wieder ein anderer war sehr
- 4:07wählerisch im Umgang mit Menschen, ruinierte sich aber am
- 4:10Ende seine eigene Gesellschaft dauerhaft durch eine falsche
- 4:13Partnerwahl, ein weiterer suchte eine Dienerin mit den
- 4:16Eigenschaften eines Engels. Wurde am Ende aber selbst zum
- 4:19gehorsamen Diener einer Frau. Zarathustra spottet, dass Männer
- 4:23beim Einkaufen sehr vorsichtig sind und alles genau prüfen,
- 4:27aber Ihre Frau wählen selbst die schlausten Männer oft blind aus.
- 4:31Das, was die normalen Menschen Liebe nennen, ist laut
- 4:34Zarathustra oft nur eine Reihe von kurzen Dummheiten, die Ehe
- 4:38macht dann dieser Reihe von kurzen Dummheiten ein Ende,
- 4:41indem sie zu einer einzigen langen Dummheit wird.
- 4:45Selbst die beste Liebe zwischen Mann und Frau ist oft nur ein
- 4:47schmerzhaftes Brennen und ein unvollkommenes Abbild.
- 4:51Eigentlich sollte die Liebe wie eine Fackel sein, die den
- 4:54Menschen den Weg zu höheren Zielen ausleuchtet.
- 4:57Zarathustra fordert, dass die Menschen lernen müssen, über
- 5:00sich selbst hinaus zu lieben, sie sollen nicht aneinander
- 5:03klammern, sondern gemeinsam nach etwas besserem Streben, deshalb
- 5:07müssen sie auch den bitteren Kelch der Liebe trinken, das
- 5:10bedeutet, dass Liebe auch Schmerz und Unzufriedenheit mit
- 5:13sich bringt. Aber genau diese Bitterkeit ist
- 5:16wichtig. Sie soll nämlich den Durst und
- 5:19die Sehnsucht nach dem Übermenschen wecken.
- 5:21Sie soll den Menschen antreiben, etwas Größeres zu erschaffen.
- 5:25Zum Schluss fragt Zarathustra den jungen Mann noch einmal
- 5:28direkt, ist dein Wille zur Ehe wirklich von diesem Durst nach
- 5:31dem Hören und von der Sehnsucht nach dem Übermenschen getrieben?
- 5:35Nur wenn das der Fall ist, empfindet Zarathustra einen
- 5:38solchen Willen und eine solche Ehe als heilig.