Latest / Gin And Talk / Loomit über Graffiti, Kultur und die Macht der Farbe
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- 0:00Speaker 1: Aber mit einem Zeichenbuch, mit Händen und Füßen und sich ab und zu mal ein paar Phrasen aufschreiben, das ist mal die Hüftlichkeitsform, kommt man recht weit.
- 0:06Speaker 1: Und das ist halt das, wo ich auch sage, das ist so mein Drive gewesen, immer weiterzumachen, mal sehen, wie weit wir es noch schaffen.
- 0:12Speaker 1: Ich meine, ich habe die gefährlichsten Orte wahrscheinlich schon alle abgehakt.
- 0:15Speaker 1: Also ich war definitiv in sehr gefährlichen Verwellers von Rio de Janeiro, also wo ich genau wusste, wo dann die Schieße rein sind und solche Sachen.
- 0:24Speaker 1: Aber man kommt durch, also man spricht damit natürlich amtlichen Mördern, die natürlich einige Leute umgelegt haben müssen, sonst wären sie nicht die Bosse, die dich dann einladen zu einem Verwellerst, der Motorradboten auch teilweise schicken dich abholen und solche Geschichten, ich hab alles damit erlebt, also wo du Essen frei hast, alles frei hast, dir alles anmalen darfst, das ist eine umgekehrte Welt, das ist der wilde Westen, da schießt man nicht auf den Pianisten, also die wissen ganz genau, der der Kultur zu uns reinbringt, ist unser Gast.
- 0:48Speaker 0: Herzlich willkommen.
- 0:49Speaker 0: Mein Name ist Daniel Fürg und ich freue mich sehr, euch heute zu einer neuen Episode Genant Talk begrüßen zu dürfen.
- 0:55Speaker 0: Mein heutiger Gast ist Matthias Köhler, vielen besser bekannt unter seinem Künstlernamen Loomit.
- 1:01Speaker 0: Er erzählt zu den Pionieren der Europäischen Graffiti-Kunst und das lange bevor Begriffe wie Street Art oder Urban Art im öffentlichen Diskurs angekommen waren.
- 1:10Speaker 0: Mit fünfzehn bemalte er heimlich einen Wasserturm in seiner bayerischen Heimatstadt Buchlohe, kurz darauf zog er nach München und war wenig später bereits weltweit unterwegs, in New York, Los Angeles, Melbourne, Rio oder Mumbai.
- 1:24Speaker 0: Immer auf der Suche nach Mauern, Menschen und Geschichten.
- 1:28Speaker 0: Ich wollte von ihm wissen, wie es war, eine globale Bewegung mit aufzubauen, warum Kunst im öffentlichen Raum gerade in sozialen Brennpunkten so wichtig ist und was bleibt, wenn das Bild längst wieder verschwunden ist.
- 1:40Speaker 0: Wenn dir diese Episode von Gen & Talk gefällt, folge uns bei Spotify, Apple Podcast oder wo auch immer du gerne Podcasts hörst und hinterlasse uns eine gute Bewertung.
- 1:49Speaker 0: Diese und viele weitere Episoden findest du auch als Videopodcast auf unserem YouTube-Chen.
- 1:54Speaker 0: Jetzt aber viel Spaß beim Zuhören, schön, dass ihr alle wieder mit dabei seid.
- 2:07Speaker 1: Herzlich
- 2:08Speaker 0: willkommen an unseren Bartresen.
- 2:10Speaker 0: Herzlich willkommen zu einer neuen Folge Gin and Talk.
- 2:16Speaker 0: Mach es dir gemütlich,
- 2:17Speaker 1: lehn dich zurück und tauche
- 2:19Speaker 0: ein in die verrucht düstere Atmosphäre unserer Studio-Bar.
- 2:32Speaker 0: Lieber Lumit, bürgerlicher Namen Matthias Köhler, aber die meisten kennen dich unter dem Namen Lumit.
- 2:39Speaker 0: Du bist wahrscheinlich einer ... der erfolgreichsten oder zumindest bekanntesten Künstler in deinem Bereich in Deutschland, wenn ich sogar Europa und auch weltweit, hast du ganz schön viele Spuren hinterlassen.
- 2:51Speaker 0: Da gehen wir gleich nochmal im Detail drauf ein.
- 2:54Speaker 0: Aber erst mal herzlich willkommen.
- 2:55Speaker 0: Schön, dass du hier bist.
- 2:56Speaker 1: Dankeschön.
- 2:57Speaker 0: Ich habe mich ja ein bisschen mit dir beschäftigt und ich fand es ganz spannend, weil es war ja wirklich bei dir so, dass du eigentlich super früh schon angefangen hast, auch zu zeichnen, zu malen als Kind, als Jugendlicher schon.
- 3:09Speaker 0: Gab es irgendwann so einen Moment, wo du gesagt hast, das ist das, was ich jetzt wirklich, womit ich mein Leben irgendwie auch die meiste Zeit meines Lebens bestreiten möchte?
- 3:18Speaker 0: Den
- 3:18Speaker 1: Punkt gibt es meistens nie, es sind lange Entwicklungen.
- 3:21Speaker 1: Also das natürlich als Kind hat man natürlich noch mehr gemacht als nur gezeichnet.
- 3:24Speaker 1: Ich war natürlich bei den Pfadfindern, den Zeltlagern draußen und habe alles möglich gemacht, mir meine Knie aufgerissen oder sonstiges.
- 3:31Speaker 1: Das war jetzt nicht so, dass ich das nördige Kind war, dass da nur mit seinen Zeichenstiften und dem großen Blatt Papier ganz verschwunden ist, aber ich habe immer sehr gerne und sehr viel gezeichnet, das stimmt schon.
- 3:40Speaker 1: Und das war natürlich so eine Sache als Jugendlicher, wenn man die Schule schon im Ausblick des Endes hat, so was wird man.
- 3:48Speaker 1: Das war schon immer so eine Überlegung, dass mit Zeichnen das durchaus eine Möglichkeit gibt, irgendwie einen Beruf zu machen als Grafiker, Illustrator, irgendwas in der Richtung.
- 3:56Speaker 1: Aber das Gute ist, da kam Graffiti dazwischen und dann hat sich diese Frage nicht mehr gestellt, weiß man, plötzlich irgendwie so das Zeichnen.
- 4:03Speaker 1: War so ein Liebensinhalt, so eine Leidenschaft geworden, aus der man dann tatsächlich Stück für Stück Geld generieren konnte.
- 4:09Speaker 1: Also es ist so, dass ich natürlich... Ganz normales Abitur gemacht habe, aber schon in den letzten drei Jahren meiner Schule war ich schon da fähig, gut Jobs zu generieren damit und durchaus ein Einkommen zu generieren.
- 4:23Speaker 1: Deshalb war für mich immer klar, solange das noch läuft, probieren wir nichts anderes.
- 4:27Speaker 1: Da kommt ja nicht irgendwie die Überlegung für ein Studium, war zwar da, aber... Naja, es war viel zu interessant, diese ganze Geschichte, die gerade entstanden ist.
- 4:35Speaker 1: Graffiti, so eine Weltbewegung, weil ich natürlich sehr viel reisen muss, das gab ja keine Medien, die darüber berichtet haben.
- 4:40Speaker 1: Also das war keine Sache, die man irgendwann Zeitungen, Radioberichten oder Fernsehen gesehen hätte.
- 4:45Speaker 1: Da musste man vor Ort sein und sich die Sachen angucken.
- 4:48Speaker 1: Und das hat mir immer sehr gut gefallen.
- 4:49Speaker 1: Da kommt vielleicht auch ein bisschen so dieser... Dieser kleine Pfadfindern mir raus, so neue Sachen entdecken, in Städte rein und dann mal gucken, wo denn die Leute zu finden sind, die das Gleiche machen, was du auch machst.
- 4:59Speaker 1: Und die sind nicht großinseriert in den gelben Seiten oder sonst was.
- 5:03Speaker 1: Die muss man finden, das ist reine Detektivarbeit.
- 5:05Speaker 1: Kannst
- 5:05Speaker 0: du dich noch erinnern, was der erste Moment war, als du mit Street Art, mit Graffiti in Verbindung kamst, also wo du es zum ersten Mal irgendwie gesehen hast?
- 5:14Speaker 1: Lustigerweise nicht gesehen.
- 5:15Speaker 1: Also ich habe darüber gehört.
- 5:17Speaker 1: Ich bin in Uchlohe, das ist eine Kleinstadt im Austal, groß geworden, also damals noch fast neuntausend Leute.
- 5:23Speaker 1: Das war jetzt nicht irgendwie der Nabel der Welt, wo man wissen konnte, was in New York Straßen oder gerade in der Bronx los ist.
- 5:30Speaker 1: Aber ich hatte Glück.
- 5:31Speaker 1: Also ich war sozusagen zwar immer schon sehr zeichner für ihn, meine ganzen Schulhefte waren voll und es war auch irgendwie bekannt natürlich, dass ich auch viel krittsle.
- 5:38Speaker 1: Und da hatte ich das Glück, dass von einem Schulkameraden von mir damals die ältere Schwester-Austauschschülerin in New York war.
- 5:45Speaker 1: Und das heißt, die hat ihrem kleinen Bruder berichtet, was es da für Musik gibt, der kam plötzlich mit diesen Rappplatten und so weiter, dass es da irgendwas gibt wie ein Tanz von Breakdance, der ab und zu mal schon in irgendwelchen Jugend-Sendungen und Fernsehen so angeleuchtet worden ist, aber noch nichts Großes.
- 6:00Speaker 1: Und was noch gar keine Darstellung im Medien hatte, war eben, dass sie die U-Bahn mit Sprühdosen zumahlen.
- 6:06Speaker 1: Und das war für einen, ich weiß, vierzehn-fünfzehn-Jährigen damals so, wow, man kann seine Zeichnung ja auch ins öffentliche Leben tragen, wenn man's nachts macht.
- 6:15Speaker 1: Und das ist noch illegal, das ist ja noch viel cooler.
- 6:18Speaker 1: Das heißt, das war gleich so die Nachricht.
- 6:19Speaker 1: Nichts gesehen, aber die Idee war da.
- 6:22Speaker 1: Und das Gute, beziehungsweise das, was mir halt sehr gut geholfen hat, ist, dass meine Mutter auch sehr handwerklich begabt ist und wir tatsächlich Sprühdosen im Haus hatten und zwar nicht wenig.
- 6:31Speaker 1: Sie ist im Modebiss ist tätig gewesen, hatte Fotoproduktion gemacht, auch Faschungsproduktionen, da fiel dann immer einiges an farbigen Haarspräse oder sonstigen ab.
- 6:40Speaker 1: Und da standen die bei uns in der Küche.
- 6:41Speaker 1: Das heißt, also da war es dann mal klar, das probiere ich jetzt mal aus.
- 6:45Speaker 1: Und dann habe ich auch gefragt, kann ich mir ein paar Dosen nehmen?
- 6:47Speaker 1: Ich würde jetzt gerne mal nach draus gehen und bei uns einen hässlichen Wasserturm anmalen.
- 6:51Speaker 1: Und wie Mütter so sind, die stolz auf ihre Söhne sind, so klar, unterstützt man gerne, hier sind die Dosen.
- 6:56Speaker 1: Das war so eine laue Sommernacht, dann hatte ich irgendwie das schrecklichste Bild meines Lebens wahrscheinlich gemalt, mit fünf Rechtschreibfehlern im Warb Graffiti drin allein schon.
- 7:04Speaker 1: Also war noch sehr planlos, aber es hat sehr viel Spaß gemacht.
- 7:07Speaker 1: und tatsächlich war es drei Tage später in der Zeitung mit so der Unterschrift, oh wir haben so einen hässlichen Turm, endlich tut jemandem was dagegen und dann wusste ich schon gleich, aha.
- 7:15Speaker 1: Damit kann man Aufsehen erregen.
- 7:17Speaker 1: Es ist ja so, was man als Jugendlicher, vierzehn, fünfzehnjähriger, natürlich auch cool findet.
- 7:21Speaker 1: Nicht so eine coole Aktion nur nachts, sondern dass da tagsüber auch die Leute das wahrnehmen.
- 7:25Speaker 1: Und dann hat diese Kleinstadt sehr unter mir gelitten.
- 7:28Speaker 1: Also ich habe da ziemlich alle noralgischen Punkte, wo man vorbeikam, vom Freibad bis zum Supermarkt, alles angemalt.
- 7:34Speaker 1: Und hatte das große Glück, dass meine Mutter mit mir dann umgezogen ist in demselben Jahr.
- 7:39Speaker 1: Also das heißt im Herbst, dreiundachtzig sind wir nach München gezogen.
- 7:43Speaker 1: Und da war das dann natürlich noch viel, viel größer.
- 7:45Speaker 1: Und da gab es auch schon die einen oder anderen Leute, die denselben Metier waren.
- 7:49Speaker 1: Also man hat es sich nicht gekannt, aber man wusste, da muss jemand unterwegs sein, der auch solche Sachen macht.
- 7:55Speaker 1: Ja, und die wilden Zeiten damals war so, dass man halt einfach rausfinden musste, wer sind diese Leute?
- 8:00Speaker 1: Also das hat wirklich ein bisschen länger gedauert, bis sich in München überhaupt mehr erst eine Szene gebildet hat, weil nicht jeder geht draußen und sagt, ja, ich habe illegal ein Baldbild gemalt und warte, bis die Polizei kommt, sondern das ist ja alles mehr so klandestin.
- 8:11Speaker 1: Aber irgendwann haben wir das dann schon geschafft.
- 8:12Speaker 1: Und dann haben wir in München noch eine recht gute Arbeit geleistet und noch in den Achtzigerjahren.
- 8:17Speaker 0: Weißt du noch, wie deine erste Begegnung mit der Polizei war?
- 8:22Speaker 1: Ja, das dürfte eigentlich ein Verhör gewesen sein.
- 8:25Speaker 1: Eben resultieren aus den Sachen, was ich im Buchlohr gemacht habe.
- 8:28Speaker 1: Weil, als ich weggezogen bin, gab es noch einen Freund von mir, der hat das noch versucht, weiterzumachen, wo er erwischt hat, meinen Namen genannt.
- 8:35Speaker 1: Und dann durfte ich in München zum ersten Mal zur Polizei.
- 8:37Speaker 1: Was lustig war, war es Sachbeschädigung.
- 8:40Speaker 1: dass diese Beamten, die für die Sachbeschädigung zuständig waren, das war irgendwo in Sendlingen weit draußen, weil die hatte natürlich jetzt auch zu Buchlohe kein Bezug hatten, ich musste da irgendwie eine PI ansteuern.
- 8:51Speaker 1: Und die hatten dann auch so gemeinte, das was ich mache, sehen sie jetzt irgendwie nicht so schräg, weil eigentlich ihr Klientel sind Jugendliche, die Spielplätze anzünden, also richtig was Sachen kaputt machen.
- 9:02Speaker 1: Und das was ich da mache, ist ja, funktioniert ja noch, ja, aber sie müssen natürlich schon weil es natürlich eine optische Beeinträchtung ist ermitteln.
- 9:09Speaker 1: Das erste, was ich mit der Polizei zu tun hatte, war der Motto, wir müssen, können es aber eigentlich nicht so schlimm, trotzdem wurde ich verurteilt, was aber nicht so viel gebracht hat, weil ich habe es natürlich weitergemacht.
- 9:21Speaker 0: Dein Name, Loomit, ist ja aus einem Film mit Mellon Monroe entlehnt.
- 9:26Speaker 0: Da gab es einen Charakter, der hieß Loomis, glaube ich.
- 9:28Speaker 0: Genau.
- 9:28Speaker 0: Das hat dir aber nicht so ganz gefallen, dann hast du das S gegen das T ausgetauscht.
- 9:32Speaker 1: Nächster Buchstab im Fallverbeet hat phonetisch auch gut geklungen.
- 9:35Speaker 1: Ich habe es einfach nicht gut schreiben können.
- 9:37Speaker 1: Es ist halt einfach so, diese Graffiti-Sache hat mit gut schreiben, schön schreiben zu tun.
- 9:41Speaker 1: Ich war eine absolute Niete, was das angeht.
- 9:43Speaker 1: Also meine ganzen Grundschulzeugnisse, wenn es um Schwindschrift geht, da war nur drei, vier drin.
- 9:47Speaker 1: Und das heißt also, da war sozusagen das so ein heilsamer Prozess.
- 9:50Speaker 1: Jetzt darf man sich mal ganz anders auf die Schrift stürzen.
- 9:53Speaker 1: Viel größer, viel bunter und viel wilder.
- 9:56Speaker 0: Aber den Namen gab es damals auch schon, also von Anfang an sozusagen, oder ist der dann irgendwann entstanden?
- 10:00Speaker 0: Der
- 10:01Speaker 1: entstand nach der ersten Gerichtsverhandlung und Buchlohe.
- 10:04Speaker 1: Da habe ich ein neues Pseudonym gebraucht und dann kam ich eben auf dieses Luh mit und dachte mir natürlich, weil ich ja noch nicht wusste, wie groß wird graffiti und welche Sprühe gibt es dann noch?
- 10:13Speaker 1: Es gab ja schon die ersten Writer, also Leute, die ja schon mit... Ziemlich kurzen Namen, die ganze Stadt zugemalt hatten.
- 10:19Speaker 1: Da gibt es natürlich sehr viele Buchstaben, die sehr beliebter sind.
- 10:22Speaker 1: AS, SKS, also wo man sich Pseudonyme raussucht, deren haptische Schreibhaftigkeit sehr fein ist.
- 10:29Speaker 1: Und Lumet ist absolut grässlich.
- 10:30Speaker 1: Das ist ein L, ein Haken und zwei O's.
- 10:33Speaker 1: Da wusste ich genau, da wird es nicht viele geben, die sowas machen.
- 10:36Speaker 1: Und ich hatte Recht behalten.
- 10:37Speaker 1: Also sehr viele Leute in der Graffiti-Branche.
- 10:40Speaker 1: Es gibt gerade noch mein Kollegen Lockeys aus Paris.
- 10:43Speaker 1: Das ist der einzige, den ich weiß, der noch mit LO anfängt, aber sonst ist es dann ziemlich lüster.
- 10:48Speaker 0: Du hast es schon erzählt, du bist dann auch um die Welt gereist.
- 10:51Speaker 0: Du warst in Australien, du warst in den USA, du warst in LA, in New York.
- 10:55Speaker 0: Du warst da viel unterwegs, hast dir viel angeschaut.
- 10:58Speaker 0: Du hast schon gesagt, also A war das ja auch eine Zeit, da ist man ja nicht mal eben so nach New York geflogen in den Jahren, wo du da unterwegs warst am Anfang.
- 11:08Speaker 0: Wie war das für dich?
- 11:09Speaker 0: Also war das für dich so so ein logischer Move sozusagen, wo du gesagt hast, ich muss das jetzt machen?
- 11:16Speaker 0: Oder war das auch so ein bisschen Überwindung und und auch vielleicht Respekt davor da irgendwo hin zu fliegen?
- 11:23Speaker 1: Ich habe Abitur gemacht und war ein Flieger.
- 11:25Speaker 1: Also das war ganz klar.
- 11:26Speaker 1: Das ist so, was meine Mutter noch von mir erwartet und mache Abitur.
- 11:28Speaker 1: Dann hatte ich Geld angespart.
- 11:29Speaker 1: Ich hatte ja schon einen Job mit Graffiti.
- 11:31Speaker 1: Habte einen Kollegen aus Paris, einen Kollegen aus Dortmund.
- 11:34Speaker 1: Wir haben uns alle verabredet.
- 11:35Speaker 1: Ich bin mit dem deutschstämmigen Kollegen aus Paris, von Paris aus nach New York geflogen.
- 11:40Speaker 1: Ich bin erst nach Paris gefahren, dann sind wir zusammengeflogen und hatten nichts anderes als die Telefonnummer von Henry Chelfend in der Tasche und seine Adresse.
- 11:48Speaker 1: Also man muss sich das heute vorstellen, das kann man sich nicht mehr vorstellen.
- 11:51Speaker 1: Wir hatten kein Hotel gebucht oder so, einfach nur Ticket New York.
- 11:53Speaker 1: und dann gut bei der Einreise, dann fragen sie irgendwie nach einer Adresse, dann hast du halt natürlich Henry Chelfens Adresse, die einstieglich war, hat das aufgeschrieben.
- 12:00Speaker 1: Die haben sich die Vision nicht nachkontrolliert und dann stand es erst mal raus.
- 12:03Speaker 1: Dann bist du halt irgendwie in New York, jetzt ist Mittag.
- 12:07Speaker 1: Du hast keine Ahnung, wie die Stadt aussieht, wo das Graffiti ist.
- 12:10Speaker 1: Aber du gehst mal rein.
- 12:11Speaker 1: Und dann hatten wir den ersten großen Fehler, dass wir nicht an die Größe New Yorks dachten.
- 12:16Speaker 1: Und wir wussten, also Herrn W. Schelfern Studio, wo wir uns erst mal aufhalten wollten, also erst mal hinfahren, um zu wissen, wo kriegen wir den Kontakt zu den ganzen Sprüllen in New Yorks.
- 12:24Speaker 0: Aber der wusste, dass ihr kommt.
- 12:25Speaker 1: Der wusste, dass wir kommen, weil der hatte eben schon in Paris fotografiert und eben da Darko kennengelernt.
- 12:31Speaker 1: Das war der Kollege, mit dem ich da hingefahren bin.
- 12:32Speaker 1: Also ich kann den noch nicht persönlich, aber Darko kann den schon persönlich.
- 12:36Speaker 1: Und mehr hatten wir nicht.
- 12:37Speaker 1: Also nachmittags kommst du an, hast ein Telefonnummer von dem Fotografen, dann guckst du mal.
- 12:41Speaker 1: Und wir natürlich auf dem U-Bahnplan geguckt.
- 12:43Speaker 1: Grand Street, wow, Brooklyn, das ist ja super.
- 12:46Speaker 1: Fahren wir mal dahin.
- 12:48Speaker 1: Und das ist in Buschwick damals gewesen.
- 12:50Speaker 1: In siebenundachtzig, achtnachtzig.
- 12:51Speaker 1: Wer sich ein bisschen auskennt, weiß, dass das eine sehr gefährliche Gegend war.
- 12:55Speaker 1: Und dann steigen dann plötzlich zwei Weißbrote aus wie wir mit ihren Taschen.
- 12:58Speaker 1: Ich sehe ein bisschen punkig aus, mein Kollege ein bisschen hiphopmäßiger.
- 13:01Speaker 1: und sind total begeistert von jedem Graffiti und von jedem Bombing, was ihr seht, unter die Grenzen, da erstmal die Grand Street entlang.
- 13:08Speaker 1: Übelste Skato, aber zwei irre Anteschallen.
- 13:10Speaker 1: Also, für Außenstehende war das halt so, wir waren weder ängstlich noch sonst was, sondern total fasziniert von dem, was wir da gesehen haben.
- 13:17Speaker 1: Und nach irgendwie drei, vier, fünf Blöcken ist uns dann klar geworden, das kann nicht die richtige Grand Street sein.
- 13:23Speaker 1: Und haben dann mal versucht jemanden zu fragen, der hat auch nur Spanisch gesprochen, das war für uns gleich klar.
- 13:28Speaker 1: so, super.
- 13:29Speaker 1: Wir sind jetzt mitten in New York gelandet und dürfen Spanisch sprechen.
- 13:31Speaker 1: Das war auch erstmal eine Erfahrung für mich.
- 13:33Speaker 1: Jetzt über die Jahre weiß ich, das sollte man immer ein bisschen parat haben, drei Sätze.
- 13:36Speaker 1: Also das ist keine Frage.
- 13:38Speaker 1: Aber für mich war es damals so, man denkt natürlich in alle Englisch.
- 13:41Speaker 1: Scheißdreck, das war kein Englisch.
- 13:43Speaker 1: Also er hat auch nicht ansatzweise für uns mit Englisch, sondern wir mussten tatsächlich Spanisch mit dem reden.
- 13:48Speaker 1: Mit Händen und Füßen ging das einigermaßen hin und haben man festgestellt so, wie sollten eigentlich nach meinen Händen?
- 13:53Speaker 1: Also die Adresse war zwar... gibt es öfters auf jedem von diesen Burrows, aber wir waren komplett auf der falschen Nachbarschaft.
- 13:59Speaker 1: Da haben wir natürlich alles wieder eingepackt, kam zu Henry Chalford und hatten da sofort sozusagen Adressen und Hinweise, wo wir diese ganzen Sprühe, die wir ja total groß fanden.
- 14:11Speaker 1: Ja, der hat ja, es gab ja dieses Buch von Henry Chalford, Subway Art, das hat ja sozusagen, das ist die Ikone an Buch für Graffiti, die einfach gezeigt hat, was das eigentlich in zwanzig Jahren... für eine Kultur war auf New Yorker Zügen.
- 14:25Speaker 1: Die hat ja die große Öffentlichkeit überhaupt nicht wahrgenommen.
- 14:28Speaker 1: Es war ja auch nicht mal ein amerikanischer Verlag, der das Buch ausgebracht hat.
- 14:30Speaker 1: Das Konter ist in London veröffentlicht worden sein, veröffentlicht werden, weil die Amerikaner wollten das Graffiti gar nicht anfassen.
- 14:37Speaker 1: In Europa war es ein bisschen anders.
- 14:38Speaker 1: Da waren wir natürlich offen und dann hatten wir natürlich, erst mal die Adresse ja, YMCA, da geht er mal hin.
- 14:44Speaker 1: Solche Geschichten, also dann hat man schon mal ein Hotel.
- 14:46Speaker 1: Und aber schon ein Telefonnummern von Saffer.
- 14:49Speaker 1: Das ist einer der Schauspieler, die auch im Wildstyle in diesem Film mitgespielt haben, der auch am Anfang sehr wichtig war.
- 14:55Speaker 1: Da haben wir angerufen und die haben sich gleich gerne mit uns getroffen.
- 14:58Speaker 1: Für die war das ja auch was Sexotisches, weil für die New Yorker Sprühe, die haben zweites Subway-Hart mitbekommen, aber nicht die Reaktion.
- 15:05Speaker 1: Also die mussten ja extra nach London laufen, dass sie ein Buch über ihre Arbeit bekommen.
- 15:09Speaker 1: Und das war es dann.
- 15:10Speaker 1: Dann wurden die Züge immer sauber in New York und eigentlich war so deren Einstellung, das ist jetzt tot.
- 15:15Speaker 1: Das ist jetzt gelaufen.
- 15:16Speaker 1: Tja, dann kommen so ein paar kleine Typen aus Europa und sagen, na, für uns ist das noch gar nicht gelaufen.
- 15:23Speaker 1: Für uns fing es jetzt erstmal an.
- 15:24Speaker 1: Wir haben dann sozusagen auch mit unserem Kollegen, was dort war, und sind wir dann ziemlich schnell zusammengekommen.
- 15:29Speaker 1: Der hat uns dann abgeholt nach der ersten Nacht im YMCA in Manhattan, was für uns ... Total faszinierend war.
- 15:36Speaker 1: Das war ein Hochhaus mit siebzehn Stockwerken, nur einen Innenhof mit so einem Lichtschacht drin, den ganzen Nacht Hip-Hop Musik laufend.
- 15:43Speaker 1: Also wirklich viel man sich vorstellt.
- 15:44Speaker 1: Heißer Sommer, New York City, also wir haben es geliebt.
- 15:47Speaker 1: Also jeder andere Tourist wäre vielleicht ausgeflippt, aber für uns war genau das unsere Erfahrung.
- 15:52Speaker 1: Wir wollten halt New York richtig erleben.
- 15:54Speaker 1: Ja und am nächsten Tag wurden wir gleich von meinem Kollegen Peter noch aus Dortmund abgeholt und sind dann auch ziemlich schnell in die Bronx gefahren, weil wir wussten wo siehen, das war unser absoluter Gott damals, der auch die meisten Züge amtlich in den achtziger Jahren und auch vielleicht ästhetisch anspruchsfäusten gemacht hatten.
- 16:11Speaker 1: Der hatte tatsächlich einmal in der Woche in irgendeinem kleinen Plattenladen, Genühlplatten, Custom Made T-Shirts gemacht, das war damals sehr, sehr hip, mit Airbrush so graffitig angelasterte T-Shirts zu machen.
- 16:23Speaker 1: Und da war er drin und Mittwoch seinen Tag war, also wir kamen am Westchester Square an, haben den Plattenladen gleich gefunden mit dem Plakatin im Schaufenster, sind rein und da stand er und machte seine T-Shirts hinter so einer Bar und wir konnten erst mal nicht reden.
- 16:37Speaker 1: Also das war wirklich für uns so reingekommen und wow, da steht er, das ist wirklich live wie heute Taylor Swift, so ungefähr muss ich das vorstellen, da steht man plötzlich der Mensch da.
- 16:47Speaker 1: Und irgendwann bemerkte er uns, weil wir standen rum wie Falschgeld.
- 16:50Speaker 1: Das ist ganz klar.
- 16:50Speaker 1: Und ob wir ihm helfen können.
- 16:51Speaker 1: Und wir hatten ja unsere Skizzenbücher dabei.
- 16:53Speaker 1: Und dann haben wir vorsichtig gefragt, ja, ob uns vielleicht irgendwas da reinmalen kann.
- 16:57Speaker 1: Und er war ganz freundlich.
- 16:58Speaker 1: Er hat gesagt, ja, was?
- 16:59Speaker 1: Er kommt aus Deutschland.
- 17:00Speaker 1: Er war ganz überrascht, dass es Leute gibt, die sich in Deutschland für Graffiti interessieren.
- 17:04Speaker 1: Ja, und dann hat er halt die Bücher aufgeschlagen.
- 17:06Speaker 1: Und da gab es dann natürlich die einen oder anderen Fotos von bemalten S-Bahn von oben bis unten.
- 17:10Speaker 1: Und da ist er dann aus dem Ladschen gekippt.
- 17:12Speaker 1: Also das haben die nicht erwartet.
- 17:13Speaker 1: Das ist plötzlich das, was die zwanzig Jahre in New York macht.
- 17:16Speaker 1: nie jemand irgendwie wahrgenommen hat, dann kommen plötzlich ein paar Typen aus Bayern und zeigen ihm ja klar, das läuft hier weiter.
- 17:22Speaker 1: Also die Züge sind ungemein größer.
- 17:24Speaker 1: So ein U-Bahn-Zug in New York ist vielleicht die Hälfte von unserem S-Bahn-Zug.
- 17:28Speaker 1: Also der hat dann auch schon gesehen, was für Dimensionen wir da arbeiten und fand das großartig.
- 17:32Speaker 1: Also da waren wir dann auch ziemlich schnell bei dem zu Hause mal eingeladen, mal die Fotos anzugucken.
- 17:36Speaker 1: Wir haben auch gleich Wände zusammen gemacht und also es war großartig zu sehen, wie die uns aufgenommen haben, weil das für die so eine Art Bestätigung war, ja, das hat sich doch gelohnt, diese ganzen Schwachs, in denen die als Jugendliche da gemacht haben, dass irgendwer man auf diese Welt dann doch davon Notiz genommen hat und es so gut findet, dass er das auch selber macht.
- 17:52Speaker 1: Tja, und dann ging das von da aus über die ganze Welt und jetzt haben wir Street Art, Urban Art und sonst was.
- 17:58Speaker 1: Also muss ganz ehrlich sagen, so diese Geschichte ist eigentlich immer ganz lustig, wenn man so nach hinein sieht, so okay, es hätte aussterben können, ist es aber nicht.
- 18:06Speaker 0: Ja, ihr wart ihr dann auch sozusagen wie so Botschafter, die dann da irgendwie wahrscheinlich mit die ersten waren, die aus irgendeinem anderen Land überhaupt mal zu denen kamen, um das dann auch wieder weiter in die Welt zu tragen.
- 18:18Speaker 0: Wie lange wart ihr denn da beim ersten Mal in New York?
- 18:21Speaker 1: Stimmt drei Wochen, vier Wochen.
- 18:23Speaker 1: Also wir haben da wirklich viel fotografiert.
- 18:25Speaker 1: an Zügen, die noch gefahren sind, haben wir also dokumentiert.
- 18:28Speaker 1: Kleinere Sachen werden mit Sien gemalt.
- 18:30Speaker 1: Wir haben kleinere Sachen irgendwo in irgendwelchen Scrap Yards auf Zügen gemacht, aber es war einfach faszinierend.
- 18:36Speaker 1: Also dieses erste Mal in New York, das war einfach nur berauschend.
- 18:39Speaker 1: Und das mit dem Botschaftertum kam dann schon ziemlich klar, als ich dann, ich hatte ja danach noch mein Zivilis zu machen.
- 18:45Speaker 1: Also das heißt, ich hatte ja mal, damals waren es fast zwei Jahre.
- 18:48Speaker 1: Das Gute ist, dass die Mauer gefallen ist, dann hatte ich doch nicht zu lang.
- 18:51Speaker 1: Und dann bin ich eben als erster Europäer für sehr lange Zeit nach Australien gefahren.
- 18:57Speaker 1: Wir hatten mit, zum Beispiel in Australien, hatten wir die Nachricht oder beziehungsweise es gab einen Fansign, ein australisches Graffiti-Hip-Hop-Fansign.
- 19:05Speaker 1: Und da hatten wir, glaube ich, eine Ausgabe, hat irgendjemand mal geschafft, nach Europa mitzubekommen.
- 19:10Speaker 1: Und wir haben dann halt festgestellt so, also wie bei uns, wir hatten ja auch schon Fansigns, also das war das Hype Magazine von Broken Seas aus Brisbane.
- 19:19Speaker 1: die man maler, breakdancer, alles was man so einen Hip Hop brauchten, die hatten das ganze eben auch Australienweit auch schon gestreut, dass man halt auch sehen konnte, oh Gott, die mal eine Melba und so, wie wir es noch nie vorher gesehen haben.
- 19:31Speaker 1: Also die haben eine ganz andere Art an die Sache heranzugehen, wie wir Europäer, die auch schon nicht die New Yorker Art mehr hatten.
- 19:37Speaker 1: Also wir haben schon gesehen, da gehen jetzt Entwicklungen von Stadten bei.
- 19:40Speaker 1: jede Stadt, die man entdeckt hat, in der es irgendwie Graffiti hat.
- 19:43Speaker 1: hat den eigenen Stil.
- 19:44Speaker 1: Das war eine eigene Handschrift, weil sie eben isoliert sich da irgendwie beschäftigen mussten.
- 19:49Speaker 1: Wir machen jetzt diese Graffitis nach oder bzw.
- 19:51Speaker 1: interpretieren sie.
- 19:53Speaker 1: Und da kommt ganz eigene Sachen dabei raus.
- 19:55Speaker 1: Und das war halt die Anfangszeit für mich immer so faszinierend, irgendwo hinzufahren.
- 19:59Speaker 1: Und eben in Australien war das eben so, da war ich ein ganzes halbes Jahr eigentlich in Australien, hab mir durch sämtliche Städte gefahren, hab damit allen möglichen Leuten gemalt.
- 20:08Speaker 1: Das war eine riesengroße... Also man entdeckt andere Länder, die jetzt nicht unterentwickelt sind, sondern das gleiche Niveau haben, aber komplett unterschiedliche Ausdrucksformen entwickeln, weil sie zum Beispiel andere Dosen verwenden, also in Australien.
- 20:23Speaker 1: Die haben ja mehr japanische Dosen, die haben ja sehr viel mehr japanische Autohersteller.
- 20:27Speaker 1: Und japanische Sprühdosen sind nicht wie europäischen.
- 20:29Speaker 1: Also die sind sozusagen ein Negativsystem von den europäischen.
- 20:33Speaker 1: Da gibt es einen doch, der in diesen Druckkörper bei der Flasche reingeht.
- 20:36Speaker 1: Das ist bei den Japaner schon draußen und diese Sprühdose sitzt man noch oben drauf.
- 20:41Speaker 1: lässt sich natürlich manipulieren.
- 20:42Speaker 1: Da lassen sich Papierstückchen dazwischen setzen.
- 20:44Speaker 1: Und wir haben uns immer gefragt, warum, wenn man Züge oder bemalte Züge in Australien gesehen hat, in diesen Fenstern, rund tausend von schmalen Linien, wie so Airbrush aus dem Ruhm waren und die alle so was von Fein gezeichnet waren, also ob die damit mit Tusche Zeichner eingegangen werden.
- 20:59Speaker 1: Bis wir festgestellt haben, ich bin nach Australien, naja klar, die machen kleine Papierchen drunter und wenn sie dann die Dose runterdrücken, geht die Düse nicht ganz runter und dann hat man einen ganz kleinen Strahl.
- 21:07Speaker 1: Und deshalb sieht das ganze Graffiti so aus, wie das aussieht.
- 21:10Speaker 1: Das kann sehr fein bei denen aussehen.
- 21:12Speaker 1: Und das sind halt so Sachen, die ich dann halt natürlich für mich gelernt habe, natürlich dann auch weitergetragen habe, weil ich konnte natürlich in Australien auch erzählen, wie wir zum Beispiel arbeiten bei manchen Sachen, wo wir vielleicht dann schon irgendwie was sich mehr mit Streichfarmen gearbeitet haben oder sonstiges, aber das war immer ein Geben und Nehmen.
- 21:28Speaker 1: Also man hat ja an Reisen immer viel gesehen, Eindrucke und immer mit den Leuten gearbeitet.
- 21:33Speaker 1: Man stand immer mit denen zusammen an der Wand.
- 21:36Speaker 1: Ja, war das einfach ein Technik-Transfer.
- 21:38Speaker 0: Das heißt, da hat sich ja dann irgendwann auch, ich will jetzt nicht sagen, Religion, aber wahrscheinlich so ein Riesen-Wissen angesammelt, auch was Farben, was Technik, was Dosen, also allein schon diese Mechanismen, die in diesen Dosen sind, ist ja eigentlich auch Wahnsinn, oder?
- 21:55Speaker 0: Ja,
- 21:55Speaker 1: das ist ja auch so, dass wir mit den Firmen ja auch zusammengekommen sind.
- 21:59Speaker 1: Ich kann mich erinnern, das müsste wahrscheinlich Anfang der Neunziger gewesen sein.
- 22:03Speaker 1: dass ich mal auf der alten Messe in München gab es eine Farbmesse, also von Farbhersteller und ich bin natürlich unbedingt rein und wollte mir natürlich die Sprühdosenhersteller angucken.
- 22:13Speaker 1: Meine Lieblingsmarke habe da sofort den Stand anvisiert, habe mir gleich den ersten Herr an der geschnappt, der dann nach was aussah und hat halt gleich immer gesagt, naja, ich bin jemand, der das sehr oft verwendet, ihr Produkt, mach Graffiti.
- 22:25Speaker 1: und dann haben sie mich angeguckt und welchen Arm ich denn schreibe und habe gesagt, ja Lume, kennen Sie.
- 22:29Speaker 1: Also, das heißt, da wusste ich dann schon, aha, ihr merkt schon, dass da Leute mehr von euren Produkten verwenden als der normale Durchschnitt und vielleicht einen anderen oder besseren Blick drauf haben.
- 22:39Speaker 1: Das heißt also, wir waren natürlich da sofort zusammengeschaltet.
- 22:43Speaker 1: Das heißt, ich war dann nach wenigen Wochen, habe ich tatsächlich den Herrn Peter Quassick kennengelernt.
- 22:48Speaker 1: Also, das ist so der, eine der zwei Pioniere, die Spurdosen in Deutschland groß gemacht haben und auch jetzt hier europäisch größte Hersteller sind, so mitunter.
- 22:56Speaker 1: Und da war man dann schon plötzlich so in ganz anderen Gefilden unterwegs.
- 23:00Speaker 1: Aber das Abenteuerlichste war natürlich, also man fährt auf dieses Werk oder die Person, auf die ich mich am meisten gefreut habe.
- 23:07Speaker 1: Es war natürlich die chemische Entwicklung der Herr Prof.
- 23:10Speaker 1: Dr.
- 23:11Speaker 1: Augschäler, ein Forscher, wie man sich den nur vorstellen konnte.
- 23:16Speaker 1: Brille mit zehn Deoctrienminus, zwei Meter vier gekreuteltes Haar.
- 23:20Speaker 1: Also man hätte ihn nicht besser designen können, Herrn Dr.
- 23:22Speaker 1: Augschäler.
- 23:23Speaker 1: Und dem habe ich dann in seinem Labor besucht und wir hatten sehr viel Spaß.
- 23:27Speaker 1: Wir hatten extrem viel Spaß, weil der Herr Doktor Augsteller natürlich immer wissen wollte, was wir sprühen, wie wir sprühen, denken und sprühen.
- 23:35Speaker 1: Und ich ihm da auch ganz klar sagen konnte, wo unsere Priorität liegen, was Druck, Viskosität und diese ganzen Parameter anging.
- 23:44Speaker 1: Und auf der anderen Seite konnte ich ihm endlich mal danken, weil ich wusste, dass ich den Herrn vor mir hatte, also auf den die DB wahrscheinlich den größten Roller.
- 23:53Speaker 1: Er war hatte, aber die Sache war die, dass er Farben entworfen hatte für den deutschen Markt.
- 23:58Speaker 1: Hobbylacke, die waren genial.
- 24:01Speaker 1: Also die haben die ganzen neunziger Jahre auch was und Zügen an Wänden geht in Deutschland bestimmt waren.
- 24:06Speaker 1: Hoch UV-Resistent gegen Sonnenlicht hatten extrem satte Töne.
- 24:11Speaker 1: Also zum Beispiel in Amerika hat man in Sprühdose kein Lila bekommen.
- 24:16Speaker 1: Da gab es plötzlich Samtlila, wie der Name schon sagt, so richtig schön tiefes Samtlila.
- 24:20Speaker 1: Das war ein Töne, der hat jeder danach gelext.
- 24:23Speaker 1: Das war der Rose-Royce-Weltweiter.
- 24:25Speaker 1: Wenn man mit diesem deutschen Samt-Lila z.B.
- 24:27Speaker 1: irgendwo hingereist ist, damals konnte man noch lockersprühdosen im Flugzeug mitnehmen.
- 24:31Speaker 1: Ich habe sogar im Handgepäck welche manchmal dabei gehabt.
- 24:33Speaker 1: Ganz schräge Sachen, man musste es in so andere Zeiten noch damals waren.
- 24:36Speaker 1: Das war alles von nine eleven.
- 24:38Speaker 1: Aber es war z.B.
- 24:39Speaker 1: so, da ist man einfach mit mit mit.
- 24:41Speaker 1: zwölf, dreizehn, vierzehn von diesem Lila irgendwo hingefahren und hat natürlich dann vor Ort mit den Kollegen tauschen können zu einem Kurs von eins zu vier und dann hat dann plötzlich vierzig, fünfzig Dosen gehabt, ohne dass man groß was gemacht hat.
- 24:53Speaker 1: Ja, also das war halt eben schon die Sache, was die Industrie angeht.
- 24:55Speaker 1: Wir hatten in Deutschland eine sehr, oder haben eine sehr gute Farb- und Sprühdosenindustrie, von der wir sehr profitiert haben auch.
- 25:03Speaker 0: Gab es eigentlich irgendwann so einen Moment, wo du festgestellt hast, okay, das was ich da mache funktioniert irgendwie so richtig und wahrscheinlich kann ich das auch wirklich, also du hast ja Abitur gemacht, da bist du in die USA geflogen und irgendwann ziviliens und irgendwann muss man sich ja schon die Frage stellen, wahrscheinlich, also zumindest würde ich das so wahrscheinlich irgendwie sehen, wobei, ich glaube ich auch nie gemacht, aber irgendwann muss ja die Frage so kommen, kann ich davon leben oder fange ich irgendwie einen normalen Job an.
- 25:33Speaker 0: Gab's so einen Moment bei dir irgendwann?
- 25:35Speaker 0: Das
- 25:35Speaker 1: hat so viel Spaß gemacht.
- 25:36Speaker 1: Ich hab ja auch immer Geld verdient.
- 25:38Speaker 1: Zum Beispiel jetzt diese Reise in Australien.
- 25:40Speaker 1: Das war ja eigentlich ein ganzes Jahr, wo ich unterwegs war.
- 25:42Speaker 1: Halb das Jahr Australien, halb das Jahr Nordamerika.
- 25:45Speaker 1: Also von Los Angeles bis Toronto, runter nach New York, Miami, also das war eigentlich ziemlich überall.
- 25:52Speaker 1: Und ich hatte bis dahin, also ich hab vor der Weltreise mein ganzes Geld gespart, das noch Zivildienst für diese Reise.
- 26:00Speaker 1: Es waren damals, was ich, Zehntausend Markt noch.
- 26:02Speaker 1: Es war eigentlich eine große Summe, was heute lächerlich ist wahrscheinlich.
- 26:06Speaker 1: Aber das war mir irgendwie ausreichend, dass ich denke, also jeden Monat ungefähr achthundert, das kriege ich hin einigermaßen.
- 26:12Speaker 1: Ich bin sehr sparsam.
- 26:14Speaker 1: Und dann hatte ich aber während der ganzen Reise natürlich ein kleines Portfolio von mir dabei.
- 26:17Speaker 1: Also, wenn ich dich hier in München gemacht habe und wie ist der Zufall so, wollte, es war wahrscheinlich kein Zufall.
- 26:23Speaker 1: habe ich während der ganzen Reise natürlich Jobs generiert, ob das jetzt erst mal ein Hotels war oder halt eben mit Kollegen, dass ich halt abwendig gemacht habe oder in New York irgendwo mitten in der Straße was gemalt habe und der nächste gleich kam.
- 26:35Speaker 1: Endeffekt, Ende vom Lied war so, ich kam nach einem Jahr wieder zurück und hatte das Geld noch.
- 26:40Speaker 1: Also ich habe von dem Geld, das ich eigentlich für die Reise angespart habe, nicht sehr viel gebraucht, weil ich eigentlich sehr viel verdient hatte, eigentlich das Gleiche, was ich eigentlich für ausgegeben hatte.
- 26:48Speaker 1: Und da war meine Mutter, weil ich vor allem sehr viel Geld in New York verdient hatte.
- 26:52Speaker 1: Es war auch sehr lustig und ich kam zurück und es wäre so die Zeit gewesen, wo meine Mutter vielleicht erwartet hätte, die jetzt müsste was Vernünftiges studieren.
- 26:58Speaker 1: Da kommt er aber zurück und hat gerade in New York einfach mal genug Geld gehabt, zwei Monate zu leben und kommt auch noch mit Plus zurück.
- 27:05Speaker 1: Da hat sie so ein bisschen so, if you can make it there, you can make it anywhere.
- 27:08Speaker 1: Das war dann der Frank Sinatra Moment bei ihr, wo sie sagten, jetzt muss ich mir jetzt nicht mehr so viel Gedanken machen, ob das was wird oder nicht.
- 27:14Speaker 1: Der schafft das ja so oder so.
- 27:15Speaker 1: Egal ob in Australien oder in Neuseela, das irgendwie hat er es immer geschafft, seine Jobs zu bekommen.
- 27:20Speaker 1: Und das habe ich natürlich dann auch so weiter.
- 27:22Speaker 1: Das war natürlich auch so eine Sache, jetzt mal sehen, wie weit wir das machen können.
- 27:26Speaker 1: Und dann müsste ich immer noch schauen, ob ich irgendwas noch dazu bräuchte.
- 27:33Speaker 1: Familie, ich habe geheiratet, ich habe zwei Kinder und so weiter.
- 27:35Speaker 1: Bis jetzt hat es eigentlich ganz gut hingehauen.
- 27:37Speaker 1: Ich glaube, jetzt wäre es ein bisschen zu spät zu überlegen, ob ich jetzt noch vielleicht doch noch irgendwas anderes werden wollte.
- 27:43Speaker 0: Die New Yorker haben ja auch gar nicht mehr verstanden, dass du überhaupt wieder zurückfliegen wolltest, oder?
- 27:48Speaker 0: Also das war irgendwie, du warst ja dann in so einem Ding drin.
- 27:50Speaker 0: Ja,
- 27:50Speaker 1: ich war so ziemlich drin in diesem Ganzen, weil ich habe mit den New Yorkern viel gearbeitet.
- 27:54Speaker 1: Also für mich war eins großartig.
- 27:57Speaker 1: Ich hatte eine Stadt, die die Graffiti Kultur kannte.
- 28:00Speaker 1: Das heißt, ich komme aus einer Stadt, die sich an die Graffiti-Kultur gewöhnen musste.
- 28:04Speaker 1: Wir haben natürlich Glück gehabt durch die Zwischenutzung, zum Beispiel am Flohmarkt in der Dachauer Straße, wo wir halt wirklich schon seit fünfundachzig Wände hatten, die von sieben Meter bis zweihundertfünfzig Meter Länge sind.
- 28:16Speaker 1: Also diesen Gigantismus, den haben wir hier in München angefangen.
- 28:19Speaker 1: Also alles, was Graffiti und dann Groß ist, da können wir uns schon ins Buch schreiben.
- 28:24Speaker 1: Da waren wir schon ganz vorne dabei mit den ganz großen Dachen.
- 28:29Speaker 1: Ich würde mal sagen, das war auch die Sache, wo auch der Markt begonnen hat.
- 28:35Speaker 1: Ich bin jetzt nochmal überlege, weil Dachauer Straße war eben ganz wichtig.
- 28:40Speaker 1: Weil man hat es ja damals so gemacht, man hat diese großen Wände gemacht und wusste am Wochenende kommen fünftausend bis siebentausend Leute vorbei.
- 28:46Speaker 1: Das hat man gemacht, man hat eine Telefonnummer drunter geschrieben und hat eine Anrufbeantwortung zu Hause gehabt.
- 28:51Speaker 1: Und so lief das ganze Geschäftsleben damals.
- 28:54Speaker 1: Welche Leute haben angerufen, du hast zurückgerufen, du hast einen Entwurf gemacht, du hast den gemacht, du hast bezahlt bekommen.
- 29:00Speaker 1: Ging eigentlich ganz gut.
- 29:01Speaker 1: Also das hat damals eben angefangen, eben über Flohmarkt Zwischennutzung und das da eben schon für mich klar war, da ist ein Interesse.
- 29:09Speaker 1: Irgendwie kriegen wir das hin.
- 29:10Speaker 0: Wie lief denn eigentlich damals diese internationale Vernetzung?
- 29:14Speaker 0: Also Verena von der Zeit, das war lange vor dem Internet, da gab es noch keine E-Mails, da gab es Telefone und Anrufbeantworter.
- 29:21Speaker 0: Na
- 29:21Speaker 1: ja, also die meisten Leute unterschätzen, was damals telefonisch alles möglich war.
- 29:26Speaker 1: Wenn ich mir das heute denke, ja, man kann, wie hätte man das früher?
- 29:29Speaker 1: Und dann erzähle ich, wend mal, also ich war in Amerika sehr oft, ganz ein halbes Jahr oder da.
- 29:36Speaker 1: Was damals lief, ist, es gab ja doch überall Telefonzellen und die konnte man ja sogar anrufen.
- 29:41Speaker 1: Und, was es natürlich auch gab, es gab diese Telefonkarten, es gab sozusagen Konten, Telefonguthaben, die man mit vierzehnstelligen Codes sozusagen anzapfen konnte und dann immer dieses Kontolär telefoniert.
- 29:54Speaker 1: Es sah so aus, diese Konten wurden natürlich auch geknackt.
- 29:57Speaker 1: Und ich bin ein neunzehntig eben von Australien nach Los Angeles gekommen.
- 30:02Speaker 1: hab mich gleich in den Backpacker, da gab's mal, da wurde das gerade erst publik, diese Traveler-Geschichten mit Backpackern und so weiter, das kam damals erst auf, aber ich war so in der ersten Welle drin und wusste natürlich, oh ja, klar, diese Backpackernummern, das ist meins, ja.
- 30:16Speaker 1: Hab in Los Angeles gleich im Hollywood Terrace Hotel, das muss man mal sagen, das liegt direkt an der Highland Avenue Kreuzung Hollywood Boulevard, also so ziemlich im Zentrum, war natürlich perfekt für mich.
- 30:29Speaker 1: Und da hatte ich erst mal Kostümlogie und die haben jemanden gebraucht, der ihnen Design Writings macht.
- 30:35Speaker 1: Sind nicht nur Zimmernummern, sondern auch Dandel.
- 30:38Speaker 1: Also das heißt aber sofort, klar, so mache ich euch.
- 30:40Speaker 1: Dafür habe ich Essen und Kostümlogie frei.
- 30:42Speaker 1: Jetzt fangen wir mal an, die Stadt rauszufinden.
- 30:44Speaker 1: Und ich hatte von Los Angeles zum Beispiel nur einen kleinen Fan.
- 30:47Speaker 1: sein Bericht, das es Hex, ziemlich guten Fotorealisten gab und Slick, seinen Contrapartner, auch ein wahnsinnig genialer Illustrator und sehr viele gute Leute, die figurelich das non plus ultra gerade darstellt hatten war natürlich sehr beeinflusst durch diese ganzen surfer durch williams und diese ganzen west coast artist die auf a greatful dad und was wir sich noch so gemacht haben das war sehr sehr malerisch ja.
- 31:11Speaker 1: und das graffiti von denen war es auch.
- 31:13Speaker 1: also es war weniger buchler.
- 31:14Speaker 1: also gab es war buchstaben war bei weniger buchstaben lastig.
- 31:17Speaker 1: aber was ihre figureliche und licht und schatten und hast nicht gesehen das war also wirklich ganz hohes niveau.
- 31:23Speaker 1: und das heißt man hat jetzt ein hotel und Fünfzehn Millionen Einwohner von Los Angeles.
- 31:27Speaker 1: jetzt finde den einen, den du jetzt interviewn willst.
- 31:29Speaker 1: Für ein Fenster in Münchenweich im Unterweg ist das klar.
- 31:31Speaker 1: Da hatte ich natürlich auch immer meine Fenster ins dabei, damit die Leute auch wissen, ich meine das ernst, weil das kannst du nicht einfach kaufen oder nachgucken, sondern muss die wirklich gedruckt dabei haben, damit die Leute das glauben.
- 31:42Speaker 1: Und dann bin ich halt mal los, dann habe ich mir erstmal ein gebauchtes Auto geholt, habe dann gesehen, wo dann Bilder von den Herrschaften waren und mich dann ein bisschen auf die Lauer gelegt oder auch gefragt haben, wenden, ob die wissen, wer was gemalt hat.
- 31:54Speaker 1: Ich hatte dann irgendwann mal die Farbe seines Autos, sein Autos, die Nachbarschaft vor ungefähr wohnt.
- 31:59Speaker 1: Dann habe ich dann diese Autos, die ich da gefunden habe, die alle der Beschreibung passen konnte, so zettelverteilt.
- 32:03Speaker 1: Jetzt kommen wir zu einem Telefon, weil du hattest ja vorhin wegen dem Telefon gefragt.
- 32:06Speaker 1: Im Hotel hatten die Telefonen.
- 32:07Speaker 1: Natürlich hatten die da eine Rezeption.
- 32:09Speaker 1: Das heißt, da konnte man natürlich auch viele Leute Nachrichten hinterlassen.
- 32:13Speaker 1: Also wenn man irgendwie so ein Backpacker angesteuert hat, hatte meine Kommunikationszentrale Punkt.
- 32:18Speaker 1: Dann auch mit diesen Geschichten, was natürlich dann auch lief, diese geknackten Accounts.
- 32:23Speaker 1: Die haben natürlich solche Sachen gehandelt in diesen Backpackern und halt den Touristen-Telefonate nach Hause vermittelt.
- 32:30Speaker 1: Man muss wissen, so ein Telefonat nach Hause war für zehn Euro zu haben, so ungefähr.
- 32:34Speaker 1: Also das war nicht günstig.
- 32:35Speaker 1: Heute zahlt man nichts dafür, aber das war damals halt wirklich teuer.
- 32:38Speaker 1: Und das heißt, was damals zehn Euro gekostet hätte, haben die natürlich für einen Euro verkauft.
- 32:42Speaker 1: Und dann blieb das meistens so, du bist nachts bei der beste Zeit in Europa anzurufen, an irgendeine Batterie von Telefonzellen.
- 32:50Speaker 1: Und dann hieß es so, hast du deine Nummer im Kopf, dann solltest du die Nummer wählen und dann hat ihr nach dir noch seine vierzehn Zahlen gewählt und dann konntest du telefonieren, aber nur einmal.
- 32:59Speaker 1: Bloß wer ist blöd und will der erste sein, sondern wer der letzte ist, hat sich natürlich diesen vierzehnstelligen Kot nach dem dritten mal gemerkt.
- 33:06Speaker 1: Es war natürlich klar, dass ich da auch eingestiegen bin in die Sache und war eben das, was das Telefonieren angeht in Amerika, in den neunzigeren Jahren.
- 33:14Speaker 1: Also viel besser als eigentlich mein Handy heute, weil es war nicht pausosnervend.
- 33:17Speaker 1: Aber du konntest permanent von jedem Telefonzelle überall in Amerika, alle Leute zu jeder Zeit anrufen, weil du diese vierzehn Stellen hattest.
- 33:25Speaker 1: Und notfalls, was du ja nicht musstest, du konntest ja irgendwelche Konten leer geräumt, hätten die dich auch auf der Telefonzelle zurückrufen können.
- 33:32Speaker 1: Was aber nie sein musste, weil dann natürlich immer so, du hattest immer einen günigen Kredit und hatte auch lustigerweise, weil ich als Graffiti-Spoiler ja auch meistens in den Halbklandestinen wegen unterwegs war, eigentlich immer, wenn ich in Amerika war, auch in den neunziger Jahren permanent Leute, die ich telefonisch in Kontakt hatte, entweder mich über das Hotel, wo ich gerade war oder dass ich die Leute über diese Kreditkartennummern anrufen konnte.
- 33:54Speaker 1: Also, dass halt damals das Telefonieren war, eigentlich genauso möglich wie es heute ist.
- 34:00Speaker 1: Man musste halt sich nur eine Telefonzelle begeben, die aber überall rumstanden.
- 34:04Speaker 0: Jetzt ist es ja bei deiner Kunst so, dass du zum einen natürlich potenziell eine riesige Sichtbarkeit hast, weil ... Du suchst ja auch Orte raus, die dann gut frequentiert sind, dann führt es meistens auch dazu, dass es, also heute ja vielleicht noch viel mehr durch Social Media und Co, aber damals dann schon selbst in Buchlohe in die Zeitung, gleichzeitig ist das, was du machst ja aber immer von so einer... Vergänglichkeit bedroht.
- 34:32Speaker 0: Also es ist ja jetzt nicht so, dass du eine Bild malst, dass irgendwo in der Galerie hängst und dann ist das für alle Ewigkeit irgendwie gesichert, sondern es kann sein, dass das Gebäude abgerissen wird, gerade was zwischen Nutzungen angesprochen oder dass es von der S-Bahn wieder runter gereinigt wird und so weiter.
- 34:49Speaker 0: Wie gehst du denn oder wie bist du über all diese Jahrzehnte auch mit dieser Vergänglichkeit umgegangen?
- 34:54Speaker 0: War das für dich?
- 34:56Speaker 0: immer völlig klar und selbstverständlich, oder war das schon was, was dich auch irgendwie beschäftigt hat?
- 35:02Speaker 1: Beschäftigt hat es mich insofern deshalb, weil man ja wusste, wenn man nicht fleißig bleibt, wird man ja wahrscheinlich vergessen.
- 35:09Speaker 1: Das heißt also, das ist schon eine Sache, wo man sagt, na klar, vergänglich, aber wer fleißig bleibt, bleibt im Spiel drin.
- 35:14Speaker 1: Ein bisschen auch vorgreifen von dem, wie unsere heutige Zeitendinge raufnehmen, weil wir haben es auch ganz schnell plötzlich ab.
- 35:21Speaker 1: da gelegt und das ist nicht mehr interessant, Zehntausend Fotos zu machen, aber hast du den Sonnenuntergang vor zwei Jahren am sechzehnten März, den würdest du nie wieder anschauen, ja?
- 35:30Speaker 1: Also das ist ja auch eine Sache, wo ich sage, ja, vielleicht waren wir da unsere Zeit voraus, mit diesen, was Bilder und Konsum angeht, mal schnell weg mit der ganzen Geschichte und das Neue wieder her, ja?
- 35:39Speaker 1: Also das würde ich mal sagen.
- 35:41Speaker 1: Mich hat es insofern jetzt nicht gestellt, weil was ja auch was Besonderes ist, wenn wir malen, dass es ja auch eigentlich mal ein soziales Ereignis ist.
- 35:48Speaker 1: Also das ist ja nicht so, ich sitze im stillen Kämmerchen und mal mein Bild vor mich hin, sondern da passiert was entweder nachts.
- 35:55Speaker 1: Dann ist meistens, dass man weglaufen muss, wenn andere Leute kommen.
- 35:58Speaker 1: Das ist natürlich auch eine lustige Sache des Räuber und Gendarm Spiels.
- 36:01Speaker 1: Oder tagsüber, dass man sich mit den Leuten arrangieren muss, wenn man dann versucht, irgendwo eine Wand anzumalen.
- 36:07Speaker 1: Und ich war in unterschiedlichsten Nachtbarschaften mit den unterschiedlichsten Voraussetzungen.
- 36:12Speaker 1: Und es macht mir halt immer eine Heidenfreude, mich dann eben anzupassen, ob das jetzt was ist, ich nehme mal an.
- 36:18Speaker 1: In Kapstadt, Budenkap ist eher so sehr Islam geprägte Viertel, also wo du wirklich nur die Leute in Jalabas hast und so weiter.
- 36:26Speaker 1: Und natürlich dann nach der Wand fragst und sofort weist, hier malen wir nur drei D-Stars ohne eine einzige Figur.
- 36:32Speaker 1: Und die Leute finden das großartig, weil du genau weißt, keine figürlichen Darstellung in Arabesken ist genau Kultur.
- 36:37Speaker 1: Das ist das, was ich eigentlich auch mache.
- 36:39Speaker 1: Das ist für mich immer interessant so.
- 36:41Speaker 1: Kriege ich da ein Bild hin, wo die Leute eigentlich nie Bilder malen?
- 36:44Speaker 1: Und das war immer so mein Ding, irgendwo hinzugehen.
- 36:47Speaker 1: Soziale Brennpunkte war sowieso immer geeignet für Graffiti, aber da musst du natürlich auch überleben können.
- 36:52Speaker 1: Also, gerade wenn du als weißer Mittel-Europäer, der eigentlich das, ob verschlechthin ist, ob das jetzt in Brasilien, in Favelas ist, ob das in den Townships von Südafrika ist, du wärst schnell unter die Räder gekommen, wenn du nicht die Fähigkeit hast, ganz schnell schöne Bilder zu malen, die die Leute eins begriffen haben, egal wie der Typ aussieht, der berechnet unsere Umwelt.
- 37:14Speaker 1: Der tut uns was Gutes.
- 37:15Speaker 1: und auch wenn wir jetzt vielleicht nicht mit dem reden oder verstehen können so, der kann ja was und vielleicht will er mehr machen und du willst ja natürlich mehr machen und du kriegst es auch meistens hin, ob das jetzt in China oder in Indien war.
- 37:26Speaker 1: Ich habe in sehr vielen Städten und Umgebungen gemalt, wo ich deren Sprache... Keinerweise habe ich überhaupt nicht.
- 37:32Speaker 1: Aber mit einem Zeichenbuch, mit Händen und Füßen und es sich ab und zu mal ein paar Phrasen aufschreiben, das ist mal die Hüftlichkeitsform, kommt man recht weit.
- 37:39Speaker 1: Das ist halt das, wo ich auch sage, dass es so meinen Drive gewesen ist, immer weiterzumachen.
- 37:43Speaker 1: Mal sehen, wie weit wir es noch schaffen.
- 37:44Speaker 1: Mal sehen, wie, ich meine, ich habe die gefährlichsten Orte wahrscheinlich schon alle abgehakt.
- 37:49Speaker 1: Also ich war definitiv in sehr gefährlichen Verwellers von Rio de Janeiro, also wo ich genau wusste, wo dann die Schieße rein sind und solche Sachen.
- 37:58Speaker 1: Aber man kommt durch, also man spricht damit natürlich amtlichen Mördern, die natürlich einige Leute umgelegt haben müssen, sonst wären sie nicht die Boss, die dich dann einladen zu einem Verwellerst, der Motorrad boten auch teilweise, schicken dich abholen.
- 38:09Speaker 1: und solche Geschichten, ich hab alles damit erlebt, also wo du Essen frei hast, alles frei hast, dir alles anmalen darfst, ist eine umgekehrte Welt, das ist der wilde Westen, da schießt man nicht auf den Pianisten, also die wissen ganz genau, der der Kultur zu uns reinbringt, ist unser Gast und ich hab das halt so erlebt, ich hab dieses, wenn man den Filmen City of Gods sieht, ja.
- 38:26Speaker 1: Ich habe das alles mitbekommen, der ist extrem realistisch und solche Typen, den habe ich nicht mehr geschüttelt, genau das.
- 38:31Speaker 1: Also muss ich schon sagen, das waren so meine Highlights, weil ich gerne so ein bisschen dieses eben noch Fahrtfinder gehen hatte, so Abenteuerleben mit Bildermahlen.
- 38:40Speaker 1: Das hat halt mit Graffiti wunderbar funktioniert.
- 38:42Speaker 0: Gab es da nie irgendwie einen Moment, wo du mal Angst hattest?
- 38:46Speaker 1: Die hast du pausenlos, wenn du irgendwelche Sachen machst.
- 38:49Speaker 1: Aber erinnert dich daran auch, dass du vorsichtig sein musst, dass du sehr aufnahmefähig sein musst.
- 38:54Speaker 1: Dass du deine Umgebung sehr gut wahrnehmen musst.
- 38:57Speaker 1: Gerade Straße.
- 38:58Speaker 1: Das ist eine Sache, wenn du in sozialen Brennpunkten unterwegs bist, nicht in Medien.
- 39:03Speaker 1: Du hast natürlich immer ein Wissen, da gibt es bestimmten Drogenhandel, da gibt es bestimmte dies, jenes und so weiter.
- 39:07Speaker 1: Du musst ein Auge dafür haben.
- 39:09Speaker 1: Und du musst wissen, wie weit du gehen kannst und wem du da nicht in die Quere geschäftlich kommst und so weiter.
- 39:16Speaker 1: Street Credibility, auch dieses Smart-Sign und das ist in der Straße, das hat man gelernt, das hat man gelernt.
- 39:21Speaker 1: Also dann man weiß schon irgendwie so, bis hierhin kannst du gehen, aber du weißt, du solltest auch bis hier gehen, weil sonst tut es kein Anderer.
- 39:27Speaker 1: Also das ist schon immer so.
- 39:28Speaker 1: dieses, wo du geschafft hast, so, da war ich drin, da habe ich was gemalt.
- 39:34Speaker 1: Ich weiß, Touristen werden ja nie hinkommen, aus verschiedensten Gründen, aber für mich war das so, würdest du eigentlich nicht über dem, aber ich habe da jetzt sogar meine Bilder und ich habe viele Geschichten, wo ich da wirklich mit ziemlich in übeln Gegenden recht lustige Geschichten hatte, wo es halt wirklich so, wenn ich anderen Leuten davon erzähle, die mich immer angucken und sagen, du bist verrückt, oder?
- 39:53Speaker 1: Ja, ich bin halt so ein bisschen mal sehen, was geht.
- 39:57Speaker 0: Du hast vorhin schon erzählt, du hast irgendwann geheiratet, du hast zwei Kinder.
- 40:01Speaker 0: Da wird man dann ja vielleicht auch ein bisschen, ich sag jetzt mal, zwangsvernünftiger und hört dann vielleicht auch mit gewissen illegalen Dingen auf und... hat natürlich auch dem Erfolg geschuldet, dann auch ein bisschen mehr Auswahl, weil einem dann vielleicht auch Orte angeboten werden, wenn der angeboten werden und so weiter und man dann sogar auch noch Geld damit verdienen kann oder noch mehr, als man vielleicht vorher verdient hat.
- 40:23Speaker 0: Aber fehlt einem da irgendwann irgendwas?
- 40:27Speaker 0: Also fehlt einem der Reiz, dass man vielleicht mal was macht, was man jetzt einfach unbedingt die Wand haben möchte?
- 40:35Speaker 1: Nicht unbedingt.
- 40:36Speaker 1: Wie gesagt, das ist ja auch so, vielleicht habe ich das illegale, nachdem ich eine Familie gegründet habe, eher so ein bisschen sein lassen.
- 40:42Speaker 1: Dafür kam eben diese soziale, in diese sozialen Brennpunkte.
- 40:45Speaker 1: Das war ja auch eine Nervenkitzelei teilweise.
- 40:49Speaker 1: Also das, muss ich sagen, ist nie ganz weg gewesen, dass ich nicht doch irgendwie auch so ein bisschen etwas risikohaftere Sachen mache oder ich mal allein schon in hohe Bilder malt, denn auf Gerüsten ist ja auch nicht gerade sicher.
- 41:01Speaker 1: Deutschland wahrscheinlich schon, aber es gibt andere Länder, wo ich da mit Gerüsten, die einen deutschen TÜV wahrscheinlich auf die Palme treiben können, gearbeitet habe.
- 41:09Speaker 1: Aber das ist eine Sache, die nehme ich gerne an.
- 41:12Speaker 1: Also ein bisschen der Nervenkitzel muss schon sein oder gerade, wenn es Probleme sind, die nicht so einfach zu lösen sind.
- 41:18Speaker 1: Also die sind so verschiedenartig.
- 41:20Speaker 1: In der Straße gibt es immer wieder neue Probleme.
- 41:22Speaker 1: Es kann natürlich übers Wetter was gehen, es kann über die Nachbarschaft was gehen, es kann über was Technisches vom Verkehr gehen.
- 41:29Speaker 1: Also wir haben so viele Sachen.
- 41:31Speaker 1: die immer dazukommen, die das ganze aber immer wieder zu einer runden Geschichte dann machen abschloß.
- 41:34Speaker 1: Wenn wir dann so eine Wand geschafft haben, so ja, du siehst nur eine Wand, aber einige Leute kennen die ganze Geschichte dahinter, was da schon Drama war, was hier schon Drama war, was wir da irgendwie hier eine Hebebühne versenkt, da haben wir das irgendwie kaputt bekommen oder auch positive Sachen.
- 41:49Speaker 1: Also, kleine Geschichte war jetzt zum Beispiel, wenn ich jetzt gerade an Hebebühnen denke, ich war in Miami zu den Wynwood Walls, ungefähr im Jahr zwei Tausend Siebzehn.
- 41:57Speaker 1: Und da hatten wir natürlich alle Scherenlifte und Scherenbühne.
- 42:01Speaker 1: Und ich hatte an so einem Parkplatz gearbeitet.
- 42:04Speaker 1: Das waren ja früher alles so Warehouses.
- 42:06Speaker 1: Und man wusste ja nicht genau, was da drin ist.
- 42:08Speaker 1: Das sind ja fensterlose Gebäude.
- 42:09Speaker 1: Man denkt irgendwelche Handelsschichten, die dann aus der Karibik irgendwie Klamotten, die billig produziert werden, in den abendkarnischen Marken.
- 42:15Speaker 1: Also man hat keine richtige Vorstellung, was da für Leute arbeiten.
- 42:18Speaker 1: Aber auf dem Parkplatz sind immer so Hispanic-Sinther, Kolumbianer waren das teilweise immer rein.
- 42:24Speaker 1: Hatte immer ein ganz gutes Verhältnis.
- 42:26Speaker 1: kurzen Spruch gewechselt, wusste aber nicht, was sie machen.
- 42:29Speaker 1: und wir arbeiten eben so an unserem Anfang, in unserer Wand an und ein Kollege kam vorbei, der hatte eine kaputte Hebebühne, also der wollte eine Hebebühne vorbeifahren, ist genau vor unserem Parkplatz kaputt gegangen, hat sich damit seinen Truck auf den Parkplatz gesteckt.
- 42:42Speaker 1: Gut, die hing da am Abend und dann hatte ich mal einmal so ein bisschen das Bedürfnis, vielleicht doch ins Gebäude rein zu gehen, weil ich auf die Toilette muss, dann habe ich gemeint, so ja, habt ihr eine Toilette.
- 42:51Speaker 1: und plötzlich vorsichtig und ich so, oh Gott.
- 42:55Speaker 1: Ich war schon so ein bisschen an schlimmste gedacht, was kommt jetzt und so.
- 42:58Speaker 1: Ja, wir sind Hightech-Bereich und du guckst dir die ganze Zeit die Typmann.
- 43:00Speaker 1: so, okay, sieht man von außen jetzt nicht, aber was macht ihr denn?
- 43:04Speaker 1: Wir machen Zahn-Operationsroboter, die Wurzelbehandlung machen so richtig so super hochtechnisches Zeug.
- 43:11Speaker 1: Ach ja, cool, ich hatte eine ganz andere Vorstellung so, aber ja, wir zeigen euch mal, was wir machen, ja, und gehen rein und... Wir kamen durch die Tür und es war eine komplett andere Welt.
- 43:21Speaker 1: Die hatten zwar so alle so lockere Kleidung, aber da standen dann plötzlich Sachen rum, so goldgefrieste Sachen und halt wirklich so Hightech-Sachen.
- 43:28Speaker 1: Und ich habe gemerkt, so, okay, außen das, innen das, holler die Waldfee.
- 43:33Speaker 1: Ich bin rausgegangen und dachte, das male ich auch gleich in meinen Bildern.
- 43:36Speaker 1: Ich habe so ein paar Sachen gemacht.
- 43:37Speaker 1: Und beim rausgehen, frage ich so, ja, wie sieht es denn aus?
- 43:39Speaker 1: Also ihr kennt euch ja mit Technik aus.
- 43:40Speaker 1: Also mein Kollege hat da gerade so eine Hebebühne hingestellt.
- 43:44Speaker 1: Und dann hättest du die Typen sehen sollen.
- 43:46Speaker 1: Wow, cool!
- 43:47Speaker 1: Raus sind zu dritt raus.
- 43:49Speaker 1: Du hast ja das Manual, du machst jetzt mal die Checks und die wussten sofort, wie sie es machen.
- 43:54Speaker 1: Weil wir dachten echt so, jetzt müssen wir mal die Firma anrufen.
- 43:56Speaker 1: Die hatten das Ding in zehn Minuten wieder langgebracht.
- 43:59Speaker 1: Haben sich dann Grill hingestellt und es beim Malen zugeguckt.
- 44:01Speaker 1: Aber das war so eine Sache, wo wir auch dachten so nie im Leben, dass wir so eine Hilfe bekommen, wo wir nicht erwartet haben, was wir da anmalen und so ein High-Tech-Palast und die Leute, das super geil fand, uns dann plötzlich zu helfen.
- 44:12Speaker 1: Aber mit einer... Mit einer Werbe, mit einer Freude, so, oh ja, cool, dann können wir euch auch was Gutes tun.
- 44:19Speaker 1: Und mein Kollege, der mit der Hebebühne da reinfahre, hat es auch gemeint, wir haben das hinbekommen.
- 44:24Speaker 1: Auch nur gefragt.
- 44:25Speaker 1: Du triffst ja Leute in der Straße und dann triffst du für deine Probleme.
- 44:30Speaker 1: Findest du immer eine Lösung?
- 44:31Speaker 1: Die kommen meistens extrem überraschen, muss ich sagen.
- 44:34Speaker 1: Und das hat mich auch überrascht.
- 44:36Speaker 1: Von innen war das Ding ein ganzerweise von das, was du geglaubt hast.
- 44:39Speaker 1: Das ist so ein Hightech-Stand und mit Präzisionsfräsen war.
- 44:43Speaker 1: Mit einem Miami Windboot, also ich hatte da nicht dran gedacht, aber gibt's alles da.
- 44:48Speaker 0: Wie schaust du denn auf die Szene heute, also wenn du dir überlegst, wie sich das alles entwickelt hat über die Jahrzehnte, seitdem du angefangen hast?
- 44:57Speaker 0: Wie blickst du da drauf?
- 44:58Speaker 0: Auch vielleicht auf so einen Hype, der ja manchmal passiert und dann auch Charaktere wie Banksy zum Beispiel immer in einer ganz breiten Masse Bekanntheit auch erlangt.
- 45:07Speaker 1: Naja, aber Banksy ist ja ein wirklich wunderbares Zeichen seiner Zeit, weil auch Shepard Ferry, das ist ja genau das, was ja mit der digitalen Revolution passiert ist.
- 45:15Speaker 1: Copy-Pace und diese exponentielle Verbreitung.
- 45:18Speaker 1: Und ich meine, Banksy hat einen wunderbaren Humor und hat dann natürlich mit den einfachen Techniken, das ist ja nichts anderes als Siebdruck in der Straße.
- 45:25Speaker 1: einen wunderbaren Punkt gemacht.
- 45:27Speaker 1: Natürlich kommt natürlich das, was Internet jetzt bringt, diese Verbreitung.
- 45:31Speaker 1: Und dafür ist natürlich Graffiti ideal, weil ein Selfie vor einem Graffiti hat sofort wieder was Anrückiges Interessantes.
- 45:39Speaker 1: Die haben Leute haben nichts mit den Graffiti zu tun, aber die, die es machen, kriegen natürlich ihre Bilder verbreitet.
- 45:44Speaker 1: Aber das hat natürlich ... Sie erzählen Geschichten, die sind natürlich an Orten, wo die Leute ja nicht unbedingt mit Kunst konfrontiert werden wollten.
- 45:50Speaker 1: Das machen sie in Museen, das machen sie in Galerien.
- 45:52Speaker 1: Die Graffiti tauchen aber in der Straße auf den S-Bahn auf.
- 45:55Speaker 1: So weit davon ist es eher nicht erwarten.
- 45:57Speaker 1: Und das macht wieder den Reiz aus.
- 45:58Speaker 1: Das heißt, ich habe das ja mitbekommen, wie diese Szene da praktisch immer mehr gewachsen ist, also international vernetzt worden ist.
- 46:05Speaker 1: Ich habe, wie gesagt, diese ganzen wilden Zeiten, wo es noch... sehr isoliert war, wo man dann das erste hingekommen ist und so, wow, diese ganzen Pionier-Deckerzeiten, das ist ja das, was ich mitbekommen habe.
- 46:16Speaker 1: Heute ist es natürlich mit einem Wisch auf dem Smartphone alles sofort erreichbar.
- 46:19Speaker 1: Also auf der anderen Seite ist es natürlich so, oh, würde wahrscheinlich das abwerten, aber es gibt unheimlich vielen kreativen Geistern da wirklich ein gutes Medium in die Hand.
- 46:28Speaker 1: Ich sag das nicht unbedingt, also ich brauch's nicht unbedingt, aber ich sehe sehr viele jüngere Künstler, die wirklich was drauf haben, die damit auch umgehen können.
- 46:35Speaker 1: Also das ist halt so eine Sache, dass das natürlich jetzt schon zeigt, da setzt sich dann Qualität durch, auf der einen Seite entweder das, was man malt oder wie man es vermarktet.
- 46:46Speaker 1: Das ist dann immer so die Sache, wo man ein bisschen mehr darauf Wert legt und ich sehe auch alles in allen Niosen und in allen Farben, was natürlich leider der Nachteil ist, wenn ich das natürlich mit der Zeit verbinde, von der ich jetzt gerade rede.
- 47:01Speaker 1: Da hatte jener noch seine Handschrift.
- 47:03Speaker 1: Heute ist es natürlich nicht mehr möglich.
- 47:04Speaker 1: Du hast halt einfach ein riesengroßes Sammelsur, wenn man einflüssen, wo du nicht mehr sagen kannst, ja, dieses Graffiti wird in Indonesien gemalt oder dieses Graffiti in Südafrika.
- 47:12Speaker 1: Das ist, da malen heute die Chinesen wie die Kanadier und die Chileen wie die, wie die Finnen.
- 47:17Speaker 1: Also, da gibt es keine Grenzen mehr.
- 47:20Speaker 1: So nimmt sich jeder seinen Stil raus und man kann jetzt nicht mehr irgendwie einen kulturellen Hintergrund erkennen, was früher sogar noch möglich war.
- 47:26Speaker 0: Wir haben schon wahnsinnig viel darüber gesprochen, dass du... sehr viel um die Welt gereist bist.
- 47:31Speaker 0: Gibt es denn noch Orte, wo du gerne mal hin würdest oder wo du gerne mal auch was machen würdest?
- 47:37Speaker 0: Ist da noch was offen?
- 47:39Speaker 1: Also, es war nicht in jedem Ort der Welt.
- 47:41Speaker 1: Das ist es nicht.
- 47:42Speaker 1: Bei mir ist es allerdings so, ich habe mir meine Hörner schon abgestoßen.
- 47:45Speaker 1: Also, ich habe viele Sachen erlebt und muss sagen, von dem, was ich jetzt an Reisen mache, ist einfach, es gleicht sich zu viel.
- 47:54Speaker 1: Also das heißt, wenn ich, egal ob du jetzt in Taipei oder in Melbourne bist, alle Leute gucken auf den Bildschirm und wischen.
- 47:59Speaker 1: Also das ist kulturell eingeebnet überall und die gucken sich alle das Ding in denselben Café Shops an, Franchise-Läden von oben unten.
- 48:06Speaker 1: Und es ist sehr viel über Konsum, was du heute hast, was Kultur prägend ist.
- 48:11Speaker 1: Und dann glaubst du, genau, wir haben Konsum.
- 48:13Speaker 1: Und das ebnet alles ein.
- 48:14Speaker 1: Also das heißt, dass dieses wirklich ganz fremdartige irgendwo, wirst du nicht mehr erleben.
- 48:19Speaker 1: Du wirst immer irgendwo Apple oder ein Google sehen und so weiter und du wirst dich sofort einmalig ölt.
- 48:24Speaker 1: Dass du komplett der fremden Kultur ausgeliefert bist und du musst dich damit auseinandersetzen, wird heute nicht mehr der Fall sein.
- 48:30Speaker 1: Du kannst sofort in die Tasche greifen und bist wieder zu Hause und hast eine Standleitung zu Mama und Papa.
- 48:34Speaker 1: Also das ist halt auch eine Sache, wo ich mir denke, hat sich geändert.
- 48:37Speaker 1: Das ebnet alles ein.
- 48:39Speaker 1: Es gibt aber wie gesagt die Vorteile, die Nachteile.
- 48:42Speaker 1: Aber früher war alles anders, es war nicht besser, es war nicht schlechter, es war alles anders.
- 48:45Speaker 1: Und heute haben wir halt eine Sache, wo ich mir sage, persönlich muss jetzt nicht so viel reisen.
- 48:50Speaker 1: Also ich habe jetzt nicht mehr so viel, wo ich sage, da wäre was offen.
- 48:54Speaker 1: Ich fahre gerne in die Berge, ich lebe auf dem Land inzwischen und das ist eigentlich noch wunderschön da draußen.
- 49:00Speaker 1: Also das heißt also, da habe ich genügend Natur und Ausgleich und habe halt hier in der Stadt dann eben so meine Projekte, die ich mache.
- 49:07Speaker 1: Und das reicht mir schon voll und ganz.
- 49:09Speaker 1: Ich bin halt öfters zu Veranstaltungen geladen, wo ich halt Kollegen treffe und die halt noch sehr, sehr aktiv sind, auch sehr viel reisen.
- 49:17Speaker 1: Das gönne ich denen alles.
- 49:18Speaker 1: Also das haben die sich alles wunderbar verdient.
- 49:20Speaker 1: Aber ich selber bin jetzt so in dem Phase, wo ich sage, ne, ich komme jetzt langsam zu Ruhe, ich muss jetzt nicht mehr so viel machen.
- 49:26Speaker 1: Hab schon einiges erlebt und ich gönne es jetzt den Jüngeren auf alle Fälle.
- 49:29Speaker 0: Weil du gerade auch die Commercialisierung ansprichst.
- 49:32Speaker 0: Ich finde das immer auf der einen Seite faszinierend und auf der anderen Seite irgendwie auch... Eigenartig, wenn ich zum Beispiel in New York bin und durch Williamsburg laufe, hast du ja an jeder Ecke die großen Werbewände aller möglichen Brands, die gezeichnet werden und es ist wahnsinnig faszinierend daneben zu stehen und den zuzuschauen, wie die erstmal ganz fein die Linien ziehen und dann das ganze malen und so weiter.
- 49:58Speaker 0: Wie siehst du solche Entwicklungen?
- 50:00Speaker 1: Gab's schon immer, also Werbemalerei ist ja keine Sache.
- 50:03Speaker 1: Und gerade in Amerika war das eine sehr große Geschichte.
- 50:05Speaker 1: Also gerade die Merels, die sie damals für Werbezwecke gemacht haben, die hab ich ja damals faszinierend gefunden.
- 50:11Speaker 1: Die hab ich auch beobachtet und halt auch mir das genau angeguckt.
- 50:15Speaker 1: Das ist mir andere.
- 50:16Speaker 1: Das ist ja ein Komplett, ist ja ein Geschäft, ein Lehrberuf.
- 50:20Speaker 1: Es ist ja nicht so eine Leidenschaft, die du nachts anfängst mit deinen Kumpels, sondern das musst du halt von Nein für Freif machen, diese ganze Geschichte.
- 50:26Speaker 1: War auch halt unheimlich gut entwickelt, also.
- 50:28Speaker 1: Da sind die Amerikaner schon ziemlich vorne dran und das hat sich jetzt auch was die Technik angeht auch unheimlich viel getan.
- 50:34Speaker 1: Also du hast jetzt, früher hattest du alles mit einem Raster System die großen Flächen zu machen, was ich heute auch noch mache, da bin ich ganz Steinzeitmensch.
- 50:44Speaker 1: Aber heute haben die nicht nur Projektoren, die eine... Wir haben eine Winkelausgleichung, wo du drei Meter vor der Wand stehst, obwohl sie sieben Meter hoch ist, kriegst du trotzdem dieses Motiv drauf erpoiziert.
- 50:54Speaker 1: Oder das ganze eine VR-Brille inzwischen schon, wo du eine VR-Brille aufziehst und mit Geoposition ist das ganze Skizze schon auf der Wand gemacht und musst du nur nachmalen.
- 51:02Speaker 1: Die Techniken dazu sind jetzt wirklich, wirklich weit fortgeschritten.
- 51:07Speaker 1: Es geht halt natürlich jetzt ein bisschen um die Bilder selber, aber da sind die auch gut.
- 51:12Speaker 1: Ich muss ganz ehrlich sagen, natürlich sind jetzt die Fortschritte sehr schnell.
- 51:15Speaker 1: Es ist eine unheimlich schnelllebige Geschichte.
- 51:18Speaker 1: Aber wie gesagt, ich kann mich ein bisschen ausruhen, weil mein... Schwerpunkt oder wo mich die Leute kennen ist ja eher in der Vergangenheit.
- 51:24Speaker 1: also ich mache jetzt auch noch meine Sachen.
- 51:26Speaker 1: was ich gerne mache ist halt natürlich auch pädagogisch arbeite.
- 51:28Speaker 1: ich mache sehr viel mit Jugendlichen auch mit Kindern gerne Schulen habe das.
- 51:32Speaker 1: twenty Jahre lang für die Stadt München gemacht.
- 51:34Speaker 1: im Kitzprojekt habe jetzt sozusagen das Rosin picken.
- 51:38Speaker 1: also wirklich die Projekte die mir interessant vorkommen die mache ich gerne und da sehe ich auch eine Sache da.
- 51:43Speaker 1: ist es dringend notwendig, den Jugendlichen wieder hattische Dinge beizubringen und irgendwas zu machen, was nicht unbedingt damit zu tun hat, dass man Pausen und Strom verbraucht.
- 51:50Speaker 1: Also irgendwie wirklich mal einen ganzen Tag verbringt, ohne einen Schallkreis zu schließen.
- 51:56Speaker 1: Das schaffen heute Menschen keine fünf Minuten eigentlich mehr.
- 51:59Speaker 1: Man muss es denn immer bewusst machen.
- 52:00Speaker 1: So, wenn ich versuche jetzt mal mal zwei Stunden lang keinen Strom zu verbrauchen, dann schaltet er dann schon nach dreißig Sekunden meistens.
- 52:06Speaker 1: So, das braucht er alle schon.
- 52:07Speaker 1: Ja, das braucht alle Strom.
- 52:08Speaker 1: Stift, Papier, kein Strom, ja.
- 52:10Speaker 1: Aber wer kommt drauf?
- 52:11Speaker 0: Wenn uns jetzt jemand zuhört, der oder die in den Bereich reinmöchte und dann noch so am Anfang steht, würdest du wie jungen Menschen heute auch raten erstmal so viel zu reisen und auch zu schauen, wie sich so die Welt entwickelt, wie sich verschiedene Stile entwickeln, wie sich verschiedene Strömungen entwickeln, um da auch so diesen breiten Blick draufzubekommen.
- 52:32Speaker 0: Soziale
- 52:32Speaker 1: Austausche ist wichtig.
- 52:34Speaker 1: Allerdings, ich sehe ja viel, weil ich zwanzig Jahre lang Jugendarbeit gemacht habe, was jetzt für Entwicklungen sind.
- 52:38Speaker 1: Du hast ja jetzt hauptsächlich Erziehungen, wo die Eltern die besten Freunde ihrer Kinder sind, wo die gar keine Freundschaften mehr entwickeln, ja.
- 52:45Speaker 1: Die unheimlich ernsthaft sind, also ich sehe da elf, zwölf, dreizehn, vierzehn Jahre, die habe ich nie lachen gesehen, wo ich mir denke, was sind das für Kinder, ja, die immer nur mit Eltern rumgegangen sind, super ernsthaft sind, die ganzen Ängste der Eltern reflektieren und da natürlich sehr gehemmt sind, überhaupt soziale Kontakte mit Gleichaltrigen anzuschließen.
- 53:02Speaker 1: Guck auf den Spielplatz, da spielen nur noch die Eltern mit ihren Kindern nicht die Gleichalterien zusammen.
- 53:06Speaker 1: Und das ist eben das, was ich heute in Generation, was ich sehe so als Gefahr, da fehlt es ein bisschen an sozialen Kompetenzen, weil das wenn... ziemlich oft so diese Ichlinge und ohne Rücksicht, da der Zeitkäst ist ja leider auch so.
- 53:20Speaker 1: Also wenn ein amerikanischer Präsident Solidarität Scheiße findet, was in alle Welt ausbrüllt, das kommt auch bei uns irgendwann mal an.
- 53:26Speaker 1: Das ist Freiheit ist nur noch ich und nicht mehr die, die das anders denken, denn wie von Rosa Luxemburg.
- 53:31Speaker 1: Das ist eine freite Stärkeren und das Mächtigeren und so weiter.
- 53:35Speaker 1: Und das drückt alles auf soziale Kompetenzen bei Jugendlichen.
- 53:38Speaker 1: Also ich bekomme das ein bisschen mit, weil ich ja mit Gruppen arbeite.
- 53:42Speaker 1: Nicht bei allen, ganz bestimmte.
- 53:43Speaker 1: Also ich würde jetzt nicht irgendwas für allgemeiner, aber am großen Teil sehe ich tatsächlich, dass eine moderne Ziehungsmethode, den ziemlich verwehrt soziale Kontakte zu knüpfen.
- 53:53Speaker 0: Und dass dann auch noch mit der Verbindung von sehr viel Bildschirmzeit und wenig...
- 53:57Speaker 1: Wir haben sie alles in Zels, wir haben die Autoaggression bei Mädchen.
- 54:00Speaker 1: Ich kriege das hier alles mit.
- 54:02Speaker 1: Ich habe für mal zwanzig Jahre lang an Wündner Schulen in sozialen Brennpunkten mitbekommen.
- 54:05Speaker 1: Ich habe alles mitbekommen.
- 54:06Speaker 1: Also die Medikation meiner Schule, was weiß ich noch alles, also das ist nichts Neulands, sondern das habe ich zwanzig Jahre lang mitbekommen.
- 54:13Speaker 1: Und deshalb bin ich da auch nicht mehr so, dass ich hinter dem Berg halte, weil ich einfach, ich gucke jetzt nicht Statistin, kann gucke ich auch an, aber lustigerweise bestätigen die mich meistens, wenn ich irgendwie ein Gefühl habe, das würde in die Richtung und die Richtung gehen.
- 54:25Speaker 1: Aber das sehe ich halt bei jenen jungen Leuten halt leider dieses... diese Bürde, dieses nicht genügend soziale Interaktion erlebt zu haben, eigenverantwortliche Sachen zu machen.
- 54:36Speaker 1: Also nicht immer nur von den Eltern, die das ganze Freizeitprogramm machen, sondern hey, du gehst in seine Zimmer, verbrauchst keinen Strom, langweißte ich jetzt mal vier Stunden da selber.
- 54:44Speaker 1: Und mal sehen, was bei rauskommt, wie es bei uns früher in der Kindheit war.
- 54:47Speaker 1: Aber dieses Reiß dich mal zusammen, hast du halt selten.
- 54:50Speaker 1: Und dass die Kinder mal auf... Guck mal, was dir selber gut tut und ich muss nicht pausen aus deinen Klausen, Pausenklauen spielen, weil ich trau dir ja gar nicht zu, dass du zu deinem Freund alleine gehst und so weiter.
- 54:58Speaker 1: Das spielt halt alles mit und da sehe ich halt schon ein bisschen große Gefahr, aber nicht bei allen.
- 55:03Speaker 1: Also muss ich schon sagen, ich habe auch sehr viel Ausnahmen da kennengelernt.
- 55:06Speaker 0: Vielleicht zum Abschluss.
- 55:07Speaker 0: Was würdest du dir denn von einer Stadt wie München auch wünschen, dass sie tun sollte, um gerade auch Kunst stärker zu fördern, um die Szene in der Stadt besser zu fördern?
- 55:19Speaker 0: Wir haben ja inzwischen ganz viele Zwischennutzungen und und all diese Dinge, die da entstanden sind über die letzten Jahre.
- 55:25Speaker 0: Aber bist du bist du damit happy, müsste man da noch mehr machen?
- 55:29Speaker 1: Naja, wir gucken mal, was was du vielleicht auch gerade meins nehme zum Beispiel Fat Cat.
- 55:33Speaker 1: Ist doch das wunderbarste Beispiel.
- 55:34Speaker 1: Wir haben den Gastteig in den achtziger Jahren eines der größten Kulturzentren ganz Europas mit einem echt guten Konzertzahl.
- 55:42Speaker 1: Und wer kommt die auf die Idee, weil der Hamburger jetzt einen schöneren Konzertzahl hat?
- 55:45Speaker 1: Das ist die Eitelkeit, ja?
- 55:47Speaker 1: Die hat es uns jetzt geschafft, dass wir sehr viel Freiraum haben.
- 55:49Speaker 1: Inzwischen ist der Gasteig raus von der geförderten Kultur und hat, ich weiß nicht wieviel, Bands plötzlichen Übungsraum gegeben mit professionellen Möglichkeiten auch aufzutreten, weil der Karl-Aufsaal ja noch funktioniert und so weiter.
- 56:01Speaker 1: Ich muss ganz ehrlich sagen, manche Entwicklung finde ich extrem im Hinterneinen hinterher sehr lustig, weil es eigentlich wirklich so auf dieses Ja, da hat man so groß gedacht und plötzlich haben ganz andere Leute irgendwie eine Chance.
- 56:13Speaker 1: Also was Zwischenlutzung in München angeht, habe ich sehr viel mitbekommen.
- 56:17Speaker 1: Ich war Dachover Flohmarkt, ich habe den Wolfgang Nöth, das war mein Metzin auch in den neunziger Jahren, also für ihn habe ich am Flughafen gearbeitet.
- 56:24Speaker 1: Was Zwischenlutzung angeht, habe ich sehr viel mitbekommen und muss sagen, da hat München, muss ich nicht groß verstecken.
- 56:32Speaker 1: Also wir haben da echt viel geleistet und das fällt natürlich... Wenn man im Vergleich zu Berlin, wo du noch sehr viel mehr Freiflächer hast, hast du in München gar nicht mehr.
- 56:41Speaker 1: Aber für das, was wir haben, haben wir es verdammt gut genutzt, muss ich immer sagen.
- 56:45Speaker 1: Und da muss ich immer gestehen, so, ja, die Entwicklung, was jetzt ist, ist eigentlich besorgniserregend, wenn man mal guckt, wie die Fußgängerzone inzwischen aussieht.
- 56:52Speaker 1: Das ist ja eine einzige Baurohienlandschaft.
- 56:53Speaker 1: Hätte man das irgendwann mal in den neunzig Jahren mehr erzählt, dass nur noch Lehrstadt und Baurohien, hätte ich gefragt, spinnst du?
- 56:59Speaker 1: Aber heute ist es so.
- 57:00Speaker 1: Was hast du in der Fußgängerzone, nur noch Touristen, die das helfen, sich zu schießen?
- 57:03Speaker 1: Und ein paar Leute, die sich Sachen angucken, die sie dann im Internet bestellen.
- 57:06Speaker 1: Also ich bin auch schon ein bisschen realistisch, dass ich sage, ja, auch unser öffentlicher Raum, der ist ja komplett im Wandel und zwar ziemlich radikal.
- 57:14Speaker 1: Auf der einen Seite merkst du, die Innenstädte sterben.
- 57:18Speaker 1: Das, was ich mit den Jugendlichen angedeutet habe, ist natürlich, spielt alles zusammen.
- 57:22Speaker 1: Da hast du natürlich eben so was wie Vereinsamung, ist dann ein ganz großes Thema.
- 57:27Speaker 1: Ich glaube, die Engländer sind ja die einzigen, die schon mal reagiert haben, jetzt ein eigenes Ministerium gegen Vereinsamung haben, weil sie einfach sehen, wie viel wirtschaftlichen Schaden das anrichtet.
- 57:36Speaker 1: Das hat alles mit eben auch dieser neuen Entwicklung zu tun, mit der wir erst mal klarkommen müssen.
- 57:41Speaker 1: Wir sind da auch eingestürmt, wo wir eine ganze Generation geopfert haben.
- 57:45Speaker 1: Also kein unter dreißigjähriger oder unter zwanzigjähriger hat jemals mitbekommen, wie ein Mensch ohne Handy oder ohne Smartphone leben kann.
- 57:52Speaker 1: Also das Vorleben hat aufgehört.
- 57:54Speaker 1: Also die hatten keine Chance.
- 57:56Speaker 1: Das ist dein Leben lang, wirst du das Ding in der Hand haben, bis du in die Kiste gehst.
- 57:59Speaker 1: Da gibt es keine Alternative.
- 58:01Speaker 1: Und das ist das, wo ich auch sage, bedenklich vielleicht, dass man das irgendwie so Rücksichtslos und alles nur noch, du kannst nur noch leben in den Rüsting, du kannst den nicht nur noch bezahlen, wenn du ein Smartphone in der Hand hast.
- 58:11Speaker 1: Also ich werde mir demnächst wieder öfters Pausenbrote schmieren und mein Teelwelle mitnehmen, weil ich einfach nichts mehr konsumieren kann, wahrscheinlich in der Zukunft.
- 58:17Speaker 1: Außer wenn ich Tauschgeschäfte habe, hey, ich mal durch ein Bild kriege ich ein Teller Suppe.
- 58:21Speaker 1: Funktioniert allerdings alles noch, ja.
- 58:22Speaker 1: Deshalb bin ich da nicht so in Panik, weil ich das alles schon auf meinen Weltreisen relativ gut festgestellt habe, was alles funktioniert, wenn die Menschen sehen, dass man irgendwie was Schöneres annimmt.
- 58:32Speaker 1: in einem Gebäude, an einem Gebäude verändert kann.
- 58:35Speaker 0: Und es führt auch zwangsläufig zu mehr Interaktion mit den Menschen, wenn man darüber reden muss.
- 58:39Speaker 1: Das stimmt.
- 58:40Speaker 1: Also das ist das, wo ich halt sage, ich bin froh für diese ganzen Begegnungen, die ich hatte, während ich meine Bilder gemalt habe, weil da waren die tollsten Sachen dabei.
- 58:46Speaker 1: Also ich habe, da konnte ich vieler Sachen sagen oder erzählen, ob das jetzt, was ist ich, in Indien im Ghetto, jemand fest, also einen kleinen Elektrikerladen mal besucht hat, der davon lebt wirklich schlechte chinesische Elektrogeräte auf brauchbare Sachen zu trimmen.
- 59:03Speaker 1: Also das war so eine Art Q Moment von James Bond, wo ich eigentlich bin in Ghetto und sehe den Typen da, der eigentlich davon lebt, dass Leute im Müll bringen und der Bastel brauchbare Sachen draus.
- 59:14Speaker 1: Also das waren Sachen, die mich total beeindruckt haben.
- 59:17Speaker 1: Ich bin eben so ein bisschen so dieser im Pfadfinder Typ so aus nichts und in den Ghettoes habe ich immer Sachen getroffen oder Sachen gesehen.
- 59:24Speaker 1: Ich war, was mich auch super fasziniert hat in Mumbai, in Darabi, also diese Müllinsel.
- 59:30Speaker 1: die sich selbst ernährt, also auf der praktisch sich eine ganze Stadtteil niedergelassen hat, der davon lebt, diesen Müllberg zu verarbeiten.
- 59:39Speaker 1: Und so komplex und so gut durchdacht, das sieht man von aus nicht.
- 59:42Speaker 1: Man sieht ein Ghetto.
- 59:43Speaker 1: Aber wenn man danach fragt, wie die Wirtschaftsströme, wie die Arbeitsteilung sind, merkt man, dass es hoch effizient.
- 59:50Speaker 1: Und das sind so Sachen, wo ich dann immer froh bin, dass ich viele Sachen mitbekommen hab, die man nicht in den Nachrichten mitbekommt.
- 59:56Speaker 1: Kriegst du nicht, weil da geht keiner hin.
- 59:58Speaker 1: Das ist kein Krieg, das ist nur ein Ghetto, das es immer ist.
- 1:00:01Speaker 1: Aber wie das dann funktioniert oder was die Leute da machen, ist immer sehr interessant.
- 1:00:05Speaker 1: Und da bin ich immer so froh, dass ich solche Geschichten auch mal mitbekommen habe.
- 1:00:08Speaker 0: Ich danke dir sehr, dass du viele von den Geschichten heute geteilt hast und wir mit dir ein bisschen auf Zeitreise gehen konnten und gleichzeitig aber auch lernen konnten, warum vieles, was damals gut war, vielleicht auch heute wieder gut wäre.
- 1:00:21Speaker 0: Danke, dass du dir die Zeit genommen hast.
- 1:00:23Speaker 1: Bitte schön.
- 1:00:24Speaker 0: Das war es leider schon.
- 1:00:26Speaker 0: Die letzte Runde ist ausgetrunken,
- 1:00:29Speaker 1: das Gespräch
- 1:00:29Speaker 0: zu Ende.
- 1:00:31Speaker 0: Vielen Dank fürs Zuhören.