Latest / BZ am Ohr / Der SC Freiburg stürmt sensationell ins Europa-League-Finale: "Die Krönung der Entwicklung"
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- Was war das für ein Abend? Der SC Freiburg steht im Europa-League-Finale. Diesen Satz, den muss man erstmal wirken lassen. Mit 3 zu 1 gewinnt die Mannschaft von Julian Schuster ihr Rückspiel gegen Sporting Braga und zieht damit ins Endspiel ein. Zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte. Am 20. Mai spielt der SC nun in Istanbul gegen Aston Villa. Auf diesen historischen Abend von gestern wollen wir in dieser Folge von BZ am Ohr zurückblicken. Mein Name ist Christoph Giese, ich bin Redakteur der Badischen Zeitung und mir gegenüber sitzt mein Kollege und BZ-Sportchef René Kübler. Herzlich willkommen René. Hallo, freut mich. Sag mal, was war das für ein Abend und was war das für ein Spiel gestern? Der SC Freiburg hat schon wieder souverän in der Europa League gewonnen und steht jetzt im Endspiel. Ja, das war ein fantastischer, ein besonderer Abend, auf jeden Fall in jeder Hinsicht, sportlich gesehen, was die Atmosphäre im Stadion anbelangt. Das war schon grandios und jetzt dürfen sie sich freuen auf das nächste größte Spiel der Vereinsgeschichte. Da folgt ja gerade eins auf das nächste sozusagen. Ja, das ist so. Konnte man so nicht erwarten und trotz allem, ist es verdient und kommt auch nicht völlig überraschend, muss man sagen. Es ist halt die Krönung einer Entwicklung, die jetzt mittlerweile über viele Jahre anhält. Das ging kontinuierlich nach oben. Sie haben sich auf hohem Niveau stabilisiert, das muss man so sagen. Und deswegen ist dieser Erfolg einfach irgendwo auch eine logische Folge. Bevor wir über diese Entwicklung der Jahre sprechen, lass uns nochmal kurz auf gestern schauen. Denn der Sieg war jetzt souverän. Sie haben eine super Leistung hingelegt gestern, die Freiburger. Aber die Vorzeichen waren ja gar nicht mal so klar. Der SC Freiburg ist mit einem 1 zu 2 aus dem Hinspiel in dieses Spiel gegangen. Und es war klar, man muss gewinnen gegen Braga, um weiterzukommen mit einem Zwei-Tore-Abstand. Das ist ja erstmal eine Aufgabe, die man da mitnimmt in so einem Spiel. Absolut. Aber man hatte natürlich auch die Gewissheit, dass man in der Europa League zu Hause alle Spiele gewonnen hat. Das ist ein Pfund. Das macht was mit den Spielern. Gepaart mit der Atmosphäre, die gestern von den Fans nochmal getoppt wurde, ergibt es schon eine Stärke, die durchaus möglich erscheinen ließ, dass sie den Schritt gehen. So eine Atmosphäre und dieses unbedingte Wollen und diese Chance kann ja auch hemmen. Aber das hat gestern überhaupt nicht stattgefunden. Also von der Hemmung war nichts zu spüren. Ja, aber wir hatten ja die Situation schon nach dem Spiel gegen Genk, nach dem Hinspiel, das wirklich nicht gut war. Und da waren sie auch in einer schwierigen Situation dann. Und trotzdem sind sie total selbstbewusst und getragen von den Fans dann in die nächste Runde eingezogen. Also von daher nicht wirklich überraschend. Ja. Und wir wollen jetzt nicht das Spiel noch im Detail besprechen, aber vielleicht über eine ganz zentrale Szene, natürlich die rote Karte, ganz früh im Spiel, sechste oder siebte Minute. Ich habe heute Morgen auf Instagram ein Video gesehen von jemandem, der vor dem Fernseher saß und gesagt hat, das ist wie 3-0, diese rote Karte. Also das war ja natürlich der frühe Wendepunkt im Spiel. Das war ein Schlüsselmoment, keine Frage. Und trotzdem muss man es dann erstmal so spielen. Man hat genug Beispiele im Fußball, in denen sich Mannschaften sehr schwer getan haben in Überzahl. Und vielleicht war fast noch wichtiger, dass sie dann relativ schnell das 1-0 gemacht haben. Das hat dann die Welle nochmal beschleunigt, hat auch die Stimmung nochmal angeheizt und dadurch kamen sie so richtig ins Rollen. Also das hat schon sehr geholfen. Nichtsdestotrotz hat man gesehen, dass Prager in Unterzahl, also gerade in der zweiten Halbzeit, gerade gegen Ende des Spiels, doch auch noch zu einigem fähig war. Also ganz so ein Selbstläufer war das Ganze dann nicht. Auch beim 1-0 hat man vielleicht ein bisschen gesehen, dass der SC an dem Abend auch das Glück auf seiner Seite hatte, weil der Ball springt dann da im Strafraum ein bisschen hin und her und dann vom Knie oder Oberschenkel von Lukas Kübler an den Innenpfosten. Es war dann auch ein Abend, an dem lief es auch für den SC Freiburg. Ja, aber das Glück war erzwungen, im wahrsten Sinne des Wortes, in dieser Situation. Lukas Kübler, der steht genau für das, Mentalität, unbedingter Wille, wie der da in den Strafraum reingeschossen ist und um den zweiten Ball gefeitet hat. Das war schon sehr bemerkenswert und damit hat er dann tatsächlich seine Mannschaft auf den richtigen Weg gebracht. Lukas Kübler ist jetzt einer von zwei Spielern, auf den anderen kommen wir jetzt gleich noch, die jetzt zuletzt weniger gespielt haben, gestern aber in der Startelf gewesen sind. Also Lukas Kübler stand jetzt in der Startelf gestern, statt Jordi Makhengo. Philipp Treu ist dafür auf die linke Seite gegangen. Der hat sich da aber eingefügt, als hätte er das ganze Frühjahr in der Startelf gestanden. Also wie kannst du das erklären, dass er sich so einfach ohne Probleme einfügt in so einem Spiel auf so einer Bühne? Ja, das gehört ja zu seinen Spezialitäten, kann man sagen. Lukas Kübler war oft verletzt in seiner Karriere, musste Pausen einlegen, kam zurück und hat gespielt wie zuvor. Auch das hat mit seiner Mentalität zu tun, ganz, ganz eindeutig. Und reingerutscht ist er ja auch deswegen, weil es auf der linken Seite in den Spielen davor ein bisschen instabil war, man Philipp Treudern auf die andere Seite ziehen musste. Aber dass man Lukas Kübler den Job zutraut, das war wirklich keine Überraschung. Das kann er. Ähnlich problemlos eingefügt hat sich Nikolaus Höfler, der 36 Jahre alt ist und diese Saison sehr wenig gespielt hat, meistens, also fast immer auf der Bank saß und in der Europa League in der Saison bislang, also bis vor dem Braga-Rückspiel 88 Minuten in der Europa League zusammengespielt hat und gestern hat er 90 Minuten gespielt und macht da ein blitzsauberes Spiel, als wäre er total im Rhythmus. Ja, auch das ist nicht überraschend, aber schon sehr bemerkenswert. Er hat, glaube ich, in elf Bundesligaspielen in der Saison 190 Minuten plus minus gesammelt. Die meisten davon in Dortmund, wo er dann tatsächlich mal in der Startelf stand. Also von daher hat er da nicht viel Einsatzzeiten mitgebracht. Aber er ist so ein erfahrener Spieler, dessen Stärke ja auch ist die Positionierung auf dem Feld, die Ruhe am Ball. Und genau das war ja gestern gefragt gegen Prager. Ja, wenig Ballverluste. Von daher... War es speziell, aber auch das war nicht besonders überraschend. Also ich habe ihm das total zugetraut, diese Rolle, geholfen. Das hat er selber dann nach dem Spiel auch eingeräumt, hat natürlich die rote Karte. In Überzahl kommst du natürlich auch im Zentrum nicht so unter Druck. Und da konnte er sein Spiel aufziehen, seine Ruhe einbringen, seine Spielverlagerungen. Das hat der Mannschaft schon sehr geholfen und Stabilität gebracht. Gerade auch, wenn du vielleicht dann in Überzahl, du musst Tore schießen, du weißt es, dann auch mal drohst, ein bisschen wilder zu werden, ein bisschen die Nerven zu verlieren. Da tut so ein Spieler mit seiner Ruhe am Ball, mit seiner Übersicht absolut gut. Und von daher hat er diese Rolle toll ausgefüllt einfach. Und das quasi ohne Spielpraxis, das ist ja umso bemerkenswerter. Das ist bemerkenswert. Klar ist ein Spiel dann nicht ganz so intensiv, wenn man in Überzahl ist. Das hat ihm sicher geholfen. Er hat auch gesagt, er hat körperlich schon ein paar Kleinigkeiten gemerkt in dem Spiel, weil man sich die absolute Fitness natürlich immer über Spiele holt, nicht nur übers Training. Aber er hat auch gesagt, er hat sich in der ganzen Zeit immer so vorbereitet, als ob er Stammspieler sei. Und das ist sicher der Schlüssel gewesen, dass ihm das dann auch so gut gelungen ist, dann seine Professionalität in der täglichen Arbeit. Das spricht ja dann auch total für den Freiburger Kader, dass sie zwei solche Spieler zum Ende der Saison einfach reinwerfen können und die spielen, als würden sie die ganze Saison spielen. Ja, ja, die große Stärke ist einfach das Kollektiv. Das war früher so, das ist heute so, heute auf einem anderen Niveau nochmal. Aber jeder Spieler vertraut dem anderen. Das ist einfach ein großes Miteinander und das ist das absolute Plus des SC Breiburg. Hinten raus wurde es dann schon noch mal so ein bisschen eng, als Braga dann das 1 zu 3 erzielt hat. War dann klar, sie brauchen jetzt noch ein Tor, dann gibt es Verlängerung. Ja. War das überhaupt nötig, dass es nochmal so eng wird oder ist es dann einfach Teil von so einem K.O.-Spiel, dass es halt hinten raus nochmal ein bisschen witzig wird? Das ergibt sich automatisch dann in solchen Spielen, egal ob 11 gegen 11 oder 11 gegen 10. Die Mannschaft, die dann mit dem Rücken zur Wand steht, die versucht nochmal alles, mobilisiert Kräfte, die sie eigentlich vielleicht gar nicht mehr hat. Und die andere Mannschaft, die ist dann in so einem Zwiespalt. Die will nicht zu viel riskieren. Man droht dann auch ein bisschen passiver zu werden. Das ist einfach so. Also der Kopf spielt eine Rolle, aber dann vielleicht natürlich gegen Ende aufgrund der Anzahl der Spiele und des Tempos, dass die Mannschaft in der Partie dann auch gegangen ist, da schwinden schon mal die Kräfte dann auch etwas. Und in der Kombination lässt es dann so ein Gegner dann schon auch nochmal stärker und gefährlicher werden. Thema Kraft. Für den SC ist die Saison ja jetzt schon total lang. Wir haben schon mehr als 50 Spiele gehabt. Ich finde aber, gerade gestern ist es eigentlich gar nicht so sehr aufgefallen, dass sie so eine lange Saison schon in den Beinen haben. Naja, es hat Spiele gegeben, jetzt Bundesligaspiel gegen Wolfsburg zum Beispiel, da hat man es schon gemerkt. Ich glaube, in solchen besonderen Spielen, und das wird im Finale nicht anders sein, da ist man dann einfach getragen, auch von den Gefühlen, von dem, was man erreicht hat, von dem Wissen darum. Und in Kombination mit den Fans, die da natürlich auch immer was Besonderes nochmal auf den Tribünen zaubern, da funktioniert das dann nochmal anders als in einem normalen Bundesligaspiel. Ich glaube, da siegt dann schon der Kopf über den Körper. Und was es den Fans und auch den Spielern bedeutet hat, dieses Spiel gestern zu gewinnen und ins Finale einzuziehen, das hat man dann mit dem Abpfiff gesehen. Also die Spieler waren da im Strafraum vor der Nordtribüne und sind teilweise auf den Boden gefallen, haben sich gefreut. Auf der anderen Seite sind die Fans von der Südtribüne auf den Rasen geströmt und alle irgendwie im Freudentaumel. Man hat es richtig gemerkt, da war so eine Gefühlsexplosion im Stadion. Ja, aber eine angenehme. Also ich meine, das war ein wunderbares Bild. Man kennt ja solche Szenen. Man sieht nicht selten dann, dass die Spieler flüchten in den Spielertunnel, in die Kabine, weil sie komplett Angst haben, überrannt zu werden. Die Freiburger, im Gegenteil, die sind auf ihre Fans zu. Aber die Fans haben sich auch total korrekt verhalten. Es war wirklich ein wunderbares Miteinander, ein friedliches Miteinander. Das ist auch wichtig. Und das war dann so ein Geben und Nehmen. Und die Spieler haben dann einfach auch das Bedürfnis gehabt, dann nochmal was zurückzugeben an ihre Fans, die sie wirklich speziell in der Europa League so besonders begleitet haben. Die haben ja wirklich dann in einem Knäuel zusammen gefeiert. Irgendwie Atobolo auf den Schultern getragen, Ginter auch. Und es wirkte einfach alles sehr stimmig, so von der Tribüne aus. Ja, aber auch in einem typisch Freiburger Rahmen, kann man sagen. Eben nicht drüber, sondern alles sehr harmonisch. Ein harmonisches, tolles Miteinander. Und dann nachher schon noch alle ganz brav wieder zurück auf die Tribüne, damit sie noch mit der Mannschaft auf dem Rasen feiern können. Ja, auch das ist halt Freiburg. Also die Disziplin, die die Mannschaft hat, haben offenbar auch die Fans. Der Rasen ist auch heilig geblieben. Netz und Tor auch. Also eigentlich ein ungewöhnlicher Platzsturm, kann man sagen. Ja, ein dosierter Platzsturm, aber wie gesagt, das passt zum SC Freiburg. Absolut. Dann lass uns nochmal über ein paar Spieler sprechen, beziehungsweise über die Spielergenerationen, die jetzt diese Mannschaft so sehr prägt, zu der auch Nikolaus Höflau und Lukas Kübler zählen, zu der auch Christian Günther, Vincenzo Grifo, Matthias Ginter. Philipp Lienhardt auch zählen, die jetzt schon ganz, ganz lange die Gesichter des Vereins in diesen Verein prägen. Und die jetzt bis auf Günther alle gestern auch gespielt haben, gute Leistung gebracht haben, ähm, Also mein Eindruck ist, denen ist so ein bisschen anzumerken, dass sie unbedingt was erreichen wollen. Naja, genau. Also ich meine, diese Spieler sind natürlich noch geprägt von jahrelangem Abstiegskampf. Also vor zehn Jahren ist der SC Freiburg wieder aufgestiegen in die Bundesliga. Die Jahre davor und einen Tick auch danach waren immer geprägt vom Existenzkampf in Liga 1. Und ich glaube, die Spieler sind einfach wahnsinnig dankbar, dass sie jetzt diesen Weg auch nach oben mitgehen konnten, ihn auch geprägt haben. Gleichzeitig muss man sagen, es ist auch deswegen so bemerkenswert, weil ja unter Julian Schuster auch schon ein personeller Umbruch, ein leiser personeller Umbruch im Kader begonnen wurde. Die alten Spieler sind noch tragende Säulen, Das muss man einfach so sagen. Aber es gibt auch junge Spieler, die jetzt integriert wurden. Die Neuzugänge wurden top integriert. Es hat eine Weile gedauert beim einen oder anderen. Aber das lief auch alles sehr harmonisch, immer in einem Miteinander, in einem produktiven Miteinander. Spieler wie Vincenzo Grifo, Christian Günther, die saßen ja auch immer wieder mal auf der Bank. Man hat nie einen Misston gehört. Und dieses Miteinander, das hat dann auch getragen und funktioniert, was ja auch keine Selbstverständlichkeit ist im Profifußball. Es geht ja auch um eigene Befindlichkeiten und Spieler, die jahrelang Stammspieler waren. Das ist nicht selbstverständlich, dass die sich dann einfach so fügen, auch mal auf der Bank zu sitzen und trotzdem das Ganze immer noch maßgeblich mittragen. Und was man jetzt ja sieht, ist, dass dieses Gerüst aus erfahrenen Spielern, die schon lange da sind, mit den neuen, jungen Spielern auch total funktioniert. Es hat nicht nur Lukas Kübler gestern zwei Tore geschossen, sondern Johann Mansami hat auch wieder ein Tor geschossen. Die Spiele vorher in der Europa-Liga hat Suzuki getroffen. Es scheint irgendwie alles gut zusammenzupassen. Ja, ja, genau. Also die Leistungen der jungen Spieler sind aber wirklich nur möglich durch das Begleiten der älteren Spieler, der erfahrenen Spieler, dass die das so mitgehen, diesen Weg. Und das macht es möglich, das gibt den jungen Spielern Sicherheit, sich dann auch schneller zu entwickeln, als es vielleicht eigentlich möglich ist. Und das ist schon auch ein weiteres Geheimnis des Erfolgs. Und dann kommt natürlich dazu, dass die erfahrenen Spieler jetzt auch nicht nur grundsätzlich erfahren sind, sondern auch K.O.-Spiel erfahren sind. Also der SC stand jetzt mehrfach im DFB-Pokal-Halbfinale, hat K.O.-Spieler in der Europa League gemacht. Die kennen die Situation und. Sind vielleicht nicht mehr so nervös, wie sie es im Rückspiel gegen Juventus Turin waren vor drei Jahren. Ja, das kommt sicher dazu. Und ein Indiz dafür ist natürlich auch, sie haben das DFB-Pokal-Halbfinale gegen Stuttgart äußerst unglücklich verloren, knapp verloren und haben das einfach weggesteckt. Auch keine Selbstverständlichkeit. Das muss man schon sagen. Und von daher, das hat alles dazu beigetragen oder das ist ein Beweis dafür, für wie stabil dieses ganze Gefüge SC Freiburg mittlerweile ist. Dieses Spiel gegen Stuttgart wollte ich eigentlich auch noch ansprechen, weil der SC kommt jetzt ja gerade aus so einer Phase, wo die Ergebnisse ausgeblieben sind. Also bittere Niederlage in Stuttgart, dann ganz doll verloren in Dortmund, dann wieder eine spätige Niederlage im Hinspiel in Braga. Gut, gegen Wolfsburg gab es einen Unentschieden, aber das Selbstvertrauen, was man in den Wochen vorher hatte, das hätte auch ein Stück weit weg sein können. Aber war es scheinbar nicht gestern. Ja, aber eben auch durch diese besondere Atmosphäre in diesen Spielen dann. Die bewirkt was, die setzt nochmal neue Kräfte frei und dadurch in Kombination mit dieser inneren Stärke, die ja durchgehend da ist, konnte das so funktionieren. Du hast es jetzt vorhin schon angedeutet, diese Entwicklung vom SC Freiburg. Also seit, sagen wir mal, so ungefähr vier Jahren, seit dem DFB-Pokalfinale 2022, befindet sich der SC ja gefühlt in so einem Dauerhoch. Immer irgendwie in der Bundesliga vorne mit dabei, dreimal DFB-Pokal-Halbfinale, dreimal K.O.-Phase in der Europa League. Da gab es dann auch Phasen, wo es mal nicht so rund lief, auch in der Liga und so. Aber also der SC kommt gefühlt gar nicht mehr raus aus diesem Hoch. Warum? Naja, der entscheidende Faktor ist mit Sicherheit, es wird nicht anders gearbeitet, als in den Jahren davor. Der Unterschied ist, haben sie damals eine gute Saison gespielt, wurde danach gefühlt der halbe Kader verkauft. Weil es einfach nicht anders ging. Die Spieler haben auf sich aufmerksam gemacht und der Sportclub konnte da einfach finanziell auch nicht mitgehen. Das hat sich gewandelt. Die sind mittlerweile auch finanziell anders aufgestellt. Das neue Stadion hat eine große Rolle gespielt. Die Erfolge spielen dann eine Rolle. Wenn man jetzt bedenkt, der SC durch die Erfolge in dieser Saison müssten sie, glaube ich, bei um die 50 Millionen Euro an Erlösen schon liegen. Das ist gewaltig. Und das gibt ihnen aber natürlich dann auch die Möglichkeit, dann Spieler zu halten. Nicht alle Spieler zu halten. es gehört weiterhin dazu und wird weiterhin dazugehören, dann die ganz hochbegabten Akteure dann auch wieder mal abzugeben, aber eben nur punktuell. Man fängt nicht nach einer guten Saison quasi wieder bei Null an. Und dadurch ist so eine Entwicklung nach oben einfach möglich. Und nicht mal so ein Trainerwechsel vor zwei Jahren von Christian Streich zu Julian Schuster hat diese Entwicklung irgendwie unterbrochen, sondern es sieht ja eher danach aus, als hätte sie fast noch neue Kraft freigesetzt. Ja, aber auch da haben sie auf ihre Stärken gesetzt, auf ihre inneren Stärken. Julian Schuster kam aus dem Verein, er wusste, wie die Dinge laufen. Er macht Dinge anders, aber die Grundwerte, die Grundprinzipien wurden erhalten und das ist immer das Erfolgsgeheimnis, das SC Freiburg gewesen. Nikolaus Höfl hat gestern dann in der Mix-Song gesagt, also sinngemäß, wir sind im Europa-League-Finale, wir der kleine SC Freiburg. Ist es noch der kleine SC Freiburg? Nein, natürlich ist es nicht mehr der ganz kleine SC Freiburg. Aber sie sind immer gut damit gefahren, sich darauf zu besinnen, wo sie herkommen, und an ihren Grundprinzipien auch wirtschaftlich festzuhalten, auf einem anderen Level, aber eben nicht ganz nach oben durchzugehen. Und es gab andere Beispiele, Union Berlin damals, Champions League erreicht, haben dann wilde Werke gemacht, irgendwelche Stars verpflichtet, ältere Stars, und haben ihr Gefüge komplett zerrissen. Und das ist dann schiefgegangen. Das rächt sich bei Union Berlin zum Beispiel bis heute. Der SC Freiburg ist seinen Weg einfach weitergegangen, beharrlich. Und das funktioniert. Das funktioniert, Sie wissen, dass es funktioniert. Und deswegen ist das alles möglich. Viele prägende Figuren dieser Entwicklung waren, also natürlich gestern im Stadion, weil sie immer noch aktiv sind im Verein, also Jochen Seier, Clemens Hartenbach oder auf der Tribüne, Christian Streich zum Beispiel war auf der Tribüne und Joachim Löw war auch da, also alle so Gesichter dieses Vereins der letzten Jahre und Jahrzehnte und alle haben sich einfach wahnsinnig gefreut mit diesem Verein, Weil irgendwie für alle scheint klar zu sein, wie historisch das ist, was da gerade passiert. Ja, und gerade Christian Streich weiß natürlich auch, oder er darf wissen, dass er einen großen Teil dazu beigetragen hat, dieser Entwicklung. Er hat die schwierigen Zeiten auch mit ausgehalten, hat sich nicht beirren lassen, ist auch auf dem Weg des SC Freiburg mitgeblieben und dadurch sind diese Dinge dann gewachsen. Und das ist jetzt der Lohn und ich glaube, da darf er sich genauso freuen wie die aktuellen Akteure. Und die haben sich sehr gefreut gestern, haben das Bad in der Menge da offensichtlich total genossen. Julian Schuster im Fan-Vlog da am Singen, das sind ja wirklich fantastische Bilder gewesen. Und was mich dann gestern doch irgendwie ein bisschen amüsiert hat, weil es irgendwie so reflexhaft kam, haben dann aber alle direkt wieder über Hamburg gesprochen am Sonntag. Naja, nicht ohne Grund. Naja, aber die sind ins Finale der Europa League eingezogen. Ja, und wenn sie dieses Finale verlieren und nicht Siebter werden in der Bundesliga, dann spielen sie nächstes Jahr nicht, international wahrscheinlich. Das haben sie im Hinterkopf und das ist auch vernünftig. Also diese Erdung im Erfolg und im Misserfolg immer an den eigenen Prinzipien festzuhalten, denen treu zu bleiben, das ist elementar wichtig für den Verein. Das wissen alle, das haben alle verinnerlicht und deswegen ist das genau der richtige Weg. Trotzdem fast ein bisschen so eine anstrengende Erdung irgendwie. Ja, das hat man dem Verein ja immer vorgeworfen, ein Stück weit. Dass er immer gewarnt hat, gemahnt hat. Aber das gehört einfach dazu beim SC Freiburg. Und das ist Teil dieses Weges, der so erfolgreich ist, weil sie genau so handeln. Was denkst du denn, Sonntag in Hamburg, was für ein SC kann man da erwarten? Man muss schauen jetzt, wie es mit den Kräften der Spieler aussieht, wie es mit körperlichen Blessuren möglicherweise aussieht. Ich glaube aber, sie sind sich schon bewusst, was Europa bedeutet und daher wollen sie natürlich auch nächstes Jahr international spielen. Und sie wissen um die Gefahr, dass dies vielleicht nicht möglich wäre, wenn sie nicht Siebter in der Bundesliga bleiben. Von daher erwarte ich eigentlich schon einen ganz ordentlichen Auftritt. Natürlich ist es vom Kopf her schwierig, also nicht allein von den Kräften, sondern eben auch mental, sich dann darauf einzustellen. Sie haben nicht ihre Heimatmosphäre, die sie trägt. Und trotzdem haben sie oft bewiesen zwischen Europa League Spielen, dass sie in der Lage sind, solche schwierigen Aufgaben dann auch zu erledigen. Dann ist noch ein Heimspiel gegen RB Leipzig. Und dann am 20. Mai steht die Reise nach Istanbul an. Dort wird es gegen Aston Villa gehen aus England. Ist das dann nicht nur, weil es das Finale ist, sondern auch wegen des Gegners der bisher schwierigste Gegner in der Europa League in dieser Saison? Das wird mit Abstand der schwierigste Gegner sein. Die Qualität, die Villa im Kader hat, ist enorm. haben. Das kann auch ein Vorteil für sie sein, weil sie können wechseln und werden nicht viel an Qualität einbüßen. Aber die Freiburger haben gezeigt, dass sie das auch können. Und es ist nochmal ein besonderes Spiel. Der Support aus Freiburg wird groß sein. Von daher ist es nochmal eine andere Ausgangssituation. Dennoch, muss man sagen, wird wahrscheinlich Aston Villa der Favorit sein in diesem Spiel. Auch, weil sie natürlich einen Trainer haben, Unai Emery, der fünfmal schon mit seinen Mannschaften im Europa-League-Finale stand und viermal den Titel gewonnen hat. Ich glaube, das darf man auch nicht ganz außer Acht lassen. Auch wenn es dann für dieses eine Spiel keine Rolle spielt, möglicherweise. In der Vorbereitung für die Mannschaft natürlich sowieso nicht. Aber Aston Villa wird eine große, große Herausforderung. In einzelnen Spielen ist aber immer alles möglich und unter den Voraussetzungen sowieso. Die Euphorie ist da, die Euphorie wird tragen und man muss schauen, was sie daraus machen. Ganz interessant noch bei Unai Emery, viermal hat er die Europa League gewonnen, übrigens immer mit Teams, die das Wort Villa im Namen tragen, also einmal mit Sevilla und einmal mit Villarreal. Der SC Freiburg wird versuchen, das Dritte sozusagen zu verhindern. Das werden sie mit aller Macht versuchen. Und die Qualität haben sie. Und letzten Endes kommt es dann auch darauf an, wie man gestern gesehen hat, wie ist die Spielentwicklung. Wenn früh irgendwas in eine Richtung passiert, dann verändert es immer so eine Statik von so einem Spiel. Und von daher muss man einfach schauen. Aber der SC Freiburg, das ist sicher, wird nicht chancenlos sein. wenn gleich der Gegner in meinen Augen favorisiert ist. Dann sind wir mal gespannt, was da in den nächsten anderthalb, zwei Wochen noch passiert. Und dann sage ich an der Stelle vielen Dank, René, für deine Einschätzung und bis zum nächsten Mal. Gerne. Tschüss. Das war BZ am Ohr, der Podcast der Badischen Zeitung. Jede Woche ein Thema, das Südbaden bewegt.