Latest / Gin And Talk / Jan Weiler über das Sterben, die Angst und die Maschine
Transcript
- 0:00Speaker 0: diese Langsamkeit auszudrücken und dieses Sterben zu begleiten erforderten bestimmten Ton.
- 0:09Speaker 0: Und den setzt man ganz zur Anfang, wenn man die Geschichte beginnt... ...und dann kann man davon ja auch nicht mehr weg.
- 0:18Speaker 0: Also ich bin für alles was dazu beiträgt dass die Menschen eine gewisse Resilienz gegen Scheiße aufbauen.
- 0:25Speaker 0: Wenn der Leute meines Alters ankommen und sagen Wir hatten drei Fernsehprogramme und wir hatten immer aufgeschraubelte Knie, weil wir dann immer im Wald waren und da Buden gebaut haben.
- 0:37Speaker 0: Ja klar!
- 0:39Speaker 0: Aber ihr hattet ja auch nicht die Wahl.
- 0:41Speaker 0: Also wenn sie die Wahl gehabt hätten mit einer Tüte Pommenbär vorm Rechner zu sitzen, hättet ihr halt das gemacht.
- 0:50Speaker 1: Herzlich willkommen mein Name ist Daniel Fürg und ich freue mich sehr euch heute zu einer neuen Episode Gen & Talk begrüßen zu dürfen.
- 0:57Speaker 1: Mein heutiger Gast ist Jan Weiler und mit ihm stellt sich ein neuer Rekord ein.
- 1:03Speaker 1: Er isst nun schon zum vierten Mal bei uns zu Gast.
- 1:06Speaker 1: Der Journalist- und Schriftsteller war viele Jahre Chefredakteur des SZ Magazins, bevor ihm in dem Jahr zwei Tausend drei mit Maria im Schmecks nicht ein Bestseller gelang der ihn zu einem der meist gelesenen Autoren des Landes machte.
- 1:19Speaker 1: Es folgten unter anderem das Pubertier und zahlreiche Kolumnen die Millionen Leserinnen und Leser erreichen.
- 1:26Speaker 1: Mit seinem neuen Roman das Vogelhaus schlägt er nun einen deutlich leiseren Ton an.
- 1:32Speaker 1: Darin kehrt ein Mann an den Ort zurück, an dem er eins seinen Zivildienst geleistet hat und vieles davon speist sich aus Jan Weilers eigenen Erlebnissen in der Altenpflege Ende der achziger Jahre.
- 1:44Speaker 1: Ich wollte von ihm wissen was ihn diese Zeit über das Leben und das Sterben gelehrt hat Warum er sich für eine allgemeine Dienstpflicht für junge Menschen einsetzt und weshalb künstliche Intelligenz beim Schreiben für ihn keine Option ist.
- 1:57Speaker 1: Wenn dir diese Episode von Gen & Talk gefällt, folge uns bei Spotify, Apple Podcasts oder wo auch immer du gerne Podcasts hörst und hinterlasst uns eine gute Bewertung!
- 2:06Speaker 1: Diese und viele weitere Episoden findest du als Video-Podcast auf unserem YouTube Kanal.
- 2:11Speaker 1: Jetzt aber viel Spaß beim Zuhören – schön dass ihr alle wieder mit dabei seid!
- 2:18Speaker 1: Eiskalte Drinks
- 2:20Speaker 0: und eine Menge Zeit für ein persönliches Bargespräch.
- 2:24Speaker 0: Herzlich willkommen an unseren Bartresen!
- 2:28Speaker 1: Herzlich Willkommen
- 2:29Speaker 0: zu einer neuen Folge Gin & Talk.
- 2:33Speaker 0: Mach es dir gemütlich, lehne dich zurück und tauche ein in die verrucht düstere Atmosphäre
- 2:40Speaker 1: unserer Studio-Bar.
- 2:50Speaker 1: Lieber Jan ich freue mich sehr dass du als Gin and Talk Rekordhalter Kurz nach der zweiten Episode zum vierten Mal hier bei mir bist.
- 3:01Speaker 0: Ist es die zweihundert wievielte?
- 3:03Speaker 1: Das ist, jetzt muss ich rechnen.
- 3:04Speaker 1: warte mal heute.
- 3:06Speaker 1: Heute ist der erste zehnte.
- 3:08Speaker 1: heute geht Gunther Dück online.
- 3:10Speaker 1: nächste Woche geht Wolf Biermann online.
- 3:13Speaker 1: das ist die zwei hunderte zweite Die Woche drauf geht Hannes Ringelstädter Online mit der Zwarhundert dritten das heißt du bist die zwahundert.
- 3:22Speaker 0: vier habe ich früher öfter gesehen, wenn ich in Berlin im Hotel war.
- 3:29Speaker 0: Weil ich immer im Hotel Savoy war.
- 3:32Speaker 0: das geht ja nicht mehr, es ist jetzt seit Jahren schon geschlossen wird renoviert man erfährt nie wanns weitergeht und da saß der manchmal an hat gefrühstückt.
- 3:41Speaker 0: Ich nehme an dass er irgendwo gewohnt hat und ich wollte den immer ansprechen, hat mich aber nie getraut weil ich bin sehr aufgewachsen Mit ihm als Künstler.
- 3:54Speaker 0: Mein Vater besaß so zwei, drei Platten von dem... ...die ich als Kind gehört hab mit meinem Kinderplattenspieler und der war mir so vertraut.
- 4:05Speaker 0: Da hatte ich immer das Gefühl aber ich habe mich trotzdem nicht getraut den anzusprechen.
- 4:10Speaker 1: Es ist ganz nett weil ich habe die Folge mit Wolf Biermann von einem halben Jahr ungefähr schon aufgenommen mussten die aus ein paar Gründen nach hinten schieben Und ich hab das ein paar Mal hier erzählt in Gesprächen, dass er da war.
- 4:26Speaker 1: Und du bist jetzt glaube ich bestimmt die vierte Person, die eine Wolf-Biermann-Geschichte hat.
- 4:33Speaker 1: Die Schönste aber immer noch muss ich sagen fand ich die von Sarah Lesch, die mal eine Gitarre von Wolf Biermann besessen hat und mit der auch auf die Bühne gegangen ist...
- 4:45Speaker 0: Wo hat ihr die her gehabt?
- 4:49Speaker 1: Sie hat das erzählt.
- 4:51Speaker 1: Ich kann es dir aber glaube ich gerade nicht mehr ganz originalgetreu wiedergeben, ich glaub sie hat sich von einem Freund bekommen...ich bin mir nicht mehr sicher!
- 4:59Speaker 1: Aber das fand ich auch eine schöne Geschichte.
- 5:01Speaker 1: und Wolf Biermann ist großartig.
- 5:04Speaker 1: Wir haben ja hier immer so ein Gästebuch in das die Leute reinschreiben Und Wolf Bierman is der einzige Der vollkommen spontan und ungeplant Weil er wusste gar nicht dass es einen Gästepuch gibt ...in Spiegelschrift eine ganze Seite vollgeschrieben hat.
- 5:21Speaker 0: In Spiegelschrift?
- 5:23Speaker 1: Und jeder, der dir die Geschichte jetzt kennt weiß das Wolf Biermann geistig sehr noch da ist!
- 5:31Speaker 0: Ist er denn?
- 5:32Speaker 0: Er hat nur behauptet es ist Spiegeschrift du hast es nie überprüft und es ist nur gekrakel.
- 5:37Speaker 1: Zugegebenermaßen musste ich das abfotografieren... ...und den JGP Dero klart nur mal hinziffert.
- 5:43Speaker 1: aber es ist ein
- 5:44Speaker 0: Fehler.
- 5:45Speaker 0: frei man kanns lesen.
- 5:47Speaker 1: Aber das fand ich sehr beeindruckend und ohnehin ist er ein wirklich, wirklich beeindruckender Mensch.
- 5:54Speaker 1: Und passt ja gerade auch schon wieder in diese Wochen, indem wir kurz nach unserer Aufnahme den... Ich habe jetzt auch einen Daily Podcast, wo ich jeden Tag fünfzehn Minuten irgendetwas erzähle.
- 6:07Speaker 1: Gerade die Folge für morgen aufgenommen zum dritten Oktober.
- 6:11Speaker 1: Und mal kurz so'n Rückblick gemacht also ins Ofent.
- 6:13Speaker 1: Passt auch das schon wieder wunderbar!
- 6:15Speaker 1: Jetzt mach ich auch noch Self-Promo im Intro.
- 6:19Speaker 1: Daniels Daily jeden Tag um sieben Uhr, sei denn ich war gerade auf der Wiesn einmal und musste dich aussetzen.
- 6:24Speaker 1: Da hatte ich nämlich keine Stimme mehr... Genau!
- 6:27Speaker 1: Aber zum eigentlichen Thema.
- 6:29Speaker 1: du hast mal wieder ein Buch geschrieben das Vogelhaus Und ich muss sagen es ist ganz schön düster für deine Verhältnisse.
- 6:40Speaker 1: Wie viel Spaß hattest du daran mal düster zu werden?
- 6:43Speaker 0: Ich hatte großen Spaß daran mal düster zu werden und die Entscheidung war auch sehr bewusst, weil man für jedes Buch einen bestimmten Ton braucht.
- 6:56Speaker 0: Bücher oder Geschichten im Allgemeinen brauchen einen bestimmte Sound damit sie funktionieren.
- 7:03Speaker 0: In Krach lustig hätte das nicht funktioniert.
- 7:06Speaker 0: Es geht ja viel um Angst es geht viel um alte Menschen und auch um Tod.
- 7:11Speaker 0: Und es geht auch um den Unterschied zwischen dem jugendlichen Protagonisten, der Jugend ist schnell, Jugend ist unbesonnen, Jugend is unerfahren und dem Unterschied zu den Menschen die er betreuen muss.
- 7:28Speaker 0: alte Menschen langsames Lebenstempo viel Erfahrung für alles Mögliche diese Langsamkeit auszudrücken dieses Sterben zu begleiten erforderten bestimmten Ton und den setzt man ganz zur Anfang, wenn man die Geschichte beginnt.
- 7:51Speaker 0: Und dann kann man davon ja auch nicht mehr weg.
- 7:53Speaker 0: Der Ton kann sich dann nicht mehr schlagartig ändern.
- 7:57Speaker 0: Er tut es in manchen Szenen, die so ein bisschen komischer sind, die einen Buch ja auch braucht.
- 8:02Speaker 0: manchmal aber mir war dieser langsame, dieser stille Ton diese Melancholie, die das Buch auch umsteckenweise hat.
- 8:12Speaker 0: Einfach sehr wichtig!
- 8:13Speaker 0: Ich brauchte das für die Geschichte.
- 8:16Speaker 1: Kurz... ich versuch die Geschichte mal so kurz zumindest den Anfang sozusagen, worum es überhaupt geht zu erzählen.
- 8:22Speaker 1: Es geht um ein Menschen-Leonard der einen Job am Theater hatte, den er dann verloren hat.
- 8:28Speaker 1: und dann bekommt er irgendwann eine sehr formelle Post von seiner Mutter per Brief mit korrektester Anschrift.
- 8:37Speaker 1: Sie weiß ihn daraufhin, dass das ein Haus zum Verkauf stehen und zwar das Haus in dem er seinen Zivildienst größtenteils abgeleitet hat.
- 8:45Speaker 1: Und er beschließt darauf hin eine Reise zurück in seine Vergangenheit und auch in seine Heimat zu machen und hat dabei ja so zwei Erzähliebenen zeitlich nämlich seine Zeit die er dort verbracht hat um die Gegenwart und die große Frage was das damals mit ihm auch heute gemacht hat.
- 9:04Speaker 1: Und es gibt ja mal wieder ein paar Parallelen zu deinem Leben, da wo er nämlich hinfährt.
- 9:09Speaker 1: Das ist gar nicht so weit weg von dort, wo du aufgewachsen bist und auch du hast Zivildienst geleistet.
- 9:17Speaker 1: Was würdest Du denn über Dich sagen was deine Zivildienstzeit mit dem Erwachsenen Jan Weiler gemacht hat?
- 9:26Speaker 0: Die hat mich schon sehr geprägt das muss ich wirklich sagen.
- 9:29Speaker 0: Ich bin am linken Niederrhein aufgewachsen, genauso wie der Protagonist dieses Buches.
- 9:35Speaker 0: Was schon für sich genommen eine melancholische Gegend ist besonders im Herbst und Winter.
- 9:40Speaker 0: Und ich habe den selben Job gemacht wie er nämlich mobiler Hilfsdienst.
- 9:44Speaker 0: und das bedeutet dass man in alle möglichen sozialen Gegenden kommt zu Leuten die nicht mehr selber Putzen kochen einkaufen können träuen muss, denen man helfen muss die also angewiesen sind darauf dass junge Männer da mal vorbeikommen und Staubsaugen Fenster wischen oder kochen.
- 10:06Speaker 0: Für mich war das eine unfassbar prägende Zeit auch wenn sie gar nicht so leicht war denn man muss da Dinge tun für die man gar nicht ausgebildet ist und es fehlt einem die Lebenserfahrung um bestimmte Verfassungen von Menschen einschätzen zu können und auch das nötige Know-how, um Menschen zu trösten die traurig sind oder krank sind.
- 10:33Speaker 0: Das ist also eine große Überforderungssituation und auch traumatisch zum Teil wenn man miterlebt wie jemand stirbt zb Oder wenn man mit erlebt wie jemand so arm ist dass er also nicht mal das Nötigste zu Hause hat, um sich zu versorgen.
- 10:54Speaker 0: Und es ist dann eine unglaublich intensive Erfahrung – man muss ja immer sehen die meisten Menschen, die Zivildienst gemacht haben, die hatten ja nicht vor anschließend in der Alpenpflege zu arbeiten sondern die wollten dann gerne Versicherungsmakler, Rechtsanwalt, Arzt oder Gärtner werden Und die mussten aber diese anderthalb Jahre, oder zwanzig Monate waren das zu meiner Zeit noch.
- 11:22Speaker 0: Die mussten da eben durch und für den Erwachsenen Jan hat es eine Menge gebracht.
- 11:31Speaker 0: weil also nicht nur so auf so einer mentalen Ebene dass man sagt Man weiß wie's Leuten geht, die noch mit Steinkohlebrikets heizen müssen sondern auch als Inspiration.
- 11:46Speaker 0: Also diese Menschen und diese Wohnungen, diese Lebenssituation kommen in X-Büchern von mir vor.
- 11:53Speaker 0: Auch in diesen Kühnromanen kommen die immer wieder vor.
- 11:55Speaker 0: Das sind immer wieder diese Haushalte mit den winzigen Küchen wo es immer so ein bisschen nach Seil beriecht und wo immer diese Tablettendößchen sind mit dem morgensmittagsabends Tabletten drin wo die Leute immer Wachstischdecken haben, weil man die so schön abwischen kann.
- 12:15Speaker 0: Diese ganzen Beobachtungen, diese ganzen Dinge stammen alle aus meinem Zivildienst und haben mich sowohl persönlich als auch künstlerisch sehr, sehr
- 12:25Speaker 0: bereichert.".
- 12:27Speaker 1: Ich gehöre zu einer Generation ... oder was heißt Generation?
- 12:33Speaker 1: Da gab es sicherlich auch Leute, die anders argumentiert haben aber ich weiß noch, als ich damals so vierzehn-fünfzehn war.
- 12:40Speaker 1: Ich habe ja vehement mich gewährt gegen die Vorstellung irgendeinen Wertdienst oder Zivildienst machen zu müssen.
- 12:47Speaker 1: Ich hab große Reden geschwungen von wegen der Freiheitsberaubung und überhaupt alles Mögliche.
- 12:52Speaker 0: Das ist ja auch nicht ganz verkehrt?
- 12:54Speaker 1: Habe es dann geschafft, mich irgendwie ausmustern zu lassen!
- 12:59Speaker 1: Und muss aber heute... dem damals sehr jungen Daniel sagen, es wäre vielleicht gar nicht schlecht gewesen.
- 13:06Speaker 1: Weil ich schon merke das was du beschreibst ist ja also egal ob man jetzt wehrdienst macht oder zivil dienst und da gibt's ja oder gab's ja immer eine wahnsinnig weite auswahl auch an Dingen die man machen konnte.
- 13:20Speaker 1: aber Es ist ein glaube ich gerade in unserer gesellschaft sehr notwendiger Schritt aus der komfortzone oder aus dem gewohnten Umfeld, dass man jeden Tag so kennt um wirklich mal mitzubekommen wie leben andere Menschen.
- 13:38Speaker 1: Wie ist das eigentlich wenn ich nicht immer irgendwie meinen Willen durchsetzen kann?
- 13:43Speaker 1: Wie ist es wenn ich mich an Struktur regeln und gewisse Abläufe halten muss weil auch andere davon abhängig sind, dass ich mich daran halte?
- 13:52Speaker 1: Und ich muss heute wirklich da meine Meinung von damals völlig revidieren und sagen wäre schon gut, wenn wir sowas wieder irgendwie hätten und zwar nicht freiwillig sondern durchaus verpflichtend.
- 14:06Speaker 1: Aber dann bitte auch für alle also Männern und Frauen mit der Auswahlmöglichkeit wie damals auch zu sagen ich mache ein Wiederzivildienst oder Wehrdienst.
- 14:17Speaker 1: aber ich finde das schon sehr wichtig.
- 14:19Speaker 0: Ich habe dazu ja so eine Vorstellung die mir eigentlich schon beim Schreiben des Buches immer so durch den Kopf ging Wie man das eigentlich machen könnte?
- 14:29Speaker 0: Und zwar geht die so, es gibt eine allgemeine Dienstpflicht für alle zwölf Monate.
- 14:37Speaker 0: Man kann wählen was man macht umweltschutz Bundeswehr weil ich will auch die Bundeswehr nicht gegen den Ersatzdienst ausspielen.
- 14:44Speaker 0: das ist ja Unsinn.
- 14:45Speaker 0: jeder soll sagen das interessiert mich am meisten oder ich will sowieso in diese Richtung gehen.
- 14:50Speaker 0: mal und so.
- 14:51Speaker 0: also Umweltschutz soziale dienste Altenheim Pflegeheim Bundeswehr egal Es gibt eine große Liste aus der kann man aussuchen.
- 14:59Speaker 0: So, man muss das machen zwölf Monate und Man darf es nicht zu Hause machen.
- 15:06Speaker 0: Man muss irgendwo hin nach Oldenburg oder nach Krefeld oder nach Jena?
- 15:11Speaker 0: Man muss irgendwohin wo man nicht herkommt.
- 15:15Speaker 0: also die leute sollen Das land in dem sie wohnen kennenlernen und sie sollen wohnend mit anderen Dienst Verpflichteten.
- 15:25Speaker 0: und dann stellt er vor dann hast du Irgendwo, sagen wir mal in Kassel.
- 15:29Speaker 0: Hast du dann eben so eine Wohngemeinschaft?
- 15:31Speaker 0: Da ist einer aus Erfurt, da ist einer Hamburg, da is einer aus Wiesbaden und einer aus Garmisch.
- 15:37Speaker 0: Die sich Leute aus völlig unterschiedlichen sozialen Gruppen... Im Zivilen muss man ja sagen waren oft die Leute aus derselben sozialen Bubble.
- 15:47Speaker 0: In meiner Dienstpflichtvorstellung sind es wirklich Leute, die sozial-gesellschaftlich von dem Ort wo sie nichts miteinander zu tun haben Aber miteinander wohnen für zwölf Monate.
- 16:00Speaker 0: Stell dir mal vor, was das bedeutet für die Beziehung der Menschen untereinander wenn sie ein Jahr lang mit jemandem zusammenwohnen, der aus einer ganz anderen Ecke kommt.
- 16:11Speaker 0: Und dann machen die das und können sich hinterher entscheiden ob es für sie gut war oder nicht?
- 16:18Speaker 0: Jetzt weiß ich dass es unheimlich viele junge Menschen gibt, die sagen ihr könnt mir einen Schuh aufblasen habe ich keinen Bock drauf.
- 16:27Speaker 0: Warum sagen die das?
- 16:29Speaker 0: Weil die argumentieren so wie meinen Sohn, dieser Staat tut für mich gar nichts.
- 16:36Speaker 0: Die hinterlassen mir das Klimathema und das KI-Thema, die überlassen mir ... Das Bildungsthema, der hinterlassen wir kein Erbe usw.
- 16:47Speaker 0: Für diese soll ich in den Ring steigen.
- 16:50Speaker 0: So wie Friedrich Merz, dass er auch mal gesagt hat Foul und so komische Work-Live-Balance, werden immer alle runtergemacht.
- 16:59Speaker 0: Warum soll ich denn dann für euch das machen?
- 17:02Speaker 0: Spent
- 17:02Speaker 0: ihr?".
- 17:03Speaker 0: Und so habe ich überlegt – Das ist ein richtiger Gedanke!
- 17:08Speaker 0: Den hatte ich vor achtunddreißig Jahren überhaupt nicht.
- 17:11Speaker 0: Für mich war damals vollkommen klar der Staat stellt mir ja auch eine Menge Dinge zur Verfügung.
- 17:16Speaker 0: Das sehen die heute nicht mehr so.
- 17:18Speaker 0: Deswegen könnte man ja sagen in meiner Vorstellung von dieser Dienstpflicht Jeder muss das machen und der Staat muss jeden unterstützen, der eine Firma gründen will.
- 17:32Speaker 0: Der Leute einstellen will.
- 17:34Speaker 0: Wer was anfangen will, der sich selbstständig macht oder so mit einem zinslosen Darlehen.
- 17:40Speaker 0: Das ist der Deal!
- 17:41Speaker 0: Also wir kriegen von euch einen Jahr und dann macht ihr eure Ausbildung zu Ende, eure Studium zu Ende oder so... Und dann bekommt ihr von uns Unterstützung wenn ihr damit etwas anfangen wollt So, sagen dann die Dritten.
- 17:55Speaker 0: Wo kommt denn die Kohle dafür her?
- 17:58Speaker 0: Und dann würde ich sagen naja wie wär's denn mit einer Art Vermögenssteuer?
- 18:04Speaker 0: und man sagt die Leute die es schon geschafft haben bei denen es gut läuft und in der vorigen oder vorher oder vorvorigen Generation unheimlich profitiert haben von den Segnungen einer Gesellschaft die keine großen Anforderungen an sie gestellt hat, die geben was ab!
- 18:23Speaker 0: von dem, was sie da haben.
- 18:25Speaker 0: Damit diese jungen Leute anfangen können.
- 18:29Speaker 0: Also das fehlt in unserer Gesellschaft total.
- 18:31Speaker 0: So eine Art Kit, so eine Art Übereinkunft, so einer Art gesellschaftlicher Vertrag und der könnte eben nach meiner Formel wenn ich etwas zu sagen hätte lauten die Jungen müssen die Alten ein bisschen pflegen, die müssen sich ein bisschen kümmern.
- 18:46Speaker 0: Die müssen einen Jahr lang für die Gesellschaft fast tun Und die Gesellschaft tut anschließend für sie was und unterstützt die.
- 18:54Speaker 1: Könnte man ja übrigens auch so machen bei der knappen Finanzlage, die wir da so im Haushalt haben?
- 19:00Speaker 1: Warum sagt man nicht einfach ihr leistet ein Jahr Arbeit in welcher Form auch immer für die Gesellschaft?
- 19:08Speaker 1: Dafür könnt ihr danach zum Beispiel einen Jahr lang egal was ihr macht ob ihr jetzt eine Firma gründet oder einem normalen Job arbeitet dafür seid ihr ein Jahr steuerfrei.
- 19:18Speaker 0: Also sowas kann man sich ja alles überlegen.
- 19:21Speaker 0: Übrigens, damals ... Man hat ja Sollt bekommen auch als CV der war gar nicht so wenig.
- 19:25Speaker 0: Das war gar nichts so wenig Geld.
- 19:27Speaker 0: ich habe mich damals echt gefreut Ich hatte das gar nicht auf dem... Ich hatte es gar nicht immer da.
- 19:32Speaker 0: Ich hab noch bei meinen Eltern gewohnt und bekam dann einen ... also irgendwie weiß ich nicht warum, ob ich sogar achtonat mag oder das war gar nie so wenig für so ein Abiturienten Und ich fand dass auch deswegen eine ganz Ganz beglückende Zeit, jedenfalls was ich damit sagen will ist Ich bin dafür dass man alle dazu verpflichtet das zu machen.
- 19:56Speaker 0: Ich bin aber auch dafür Dass man den Leuten dafür auch etwas gibt Damit dieser gesellschaftliche Vertrag nicht einfach nur von den jungen eingelöst wird und von den alten nicht.
- 20:08Speaker 0: Das ist für ihn ein bisschen ungereicht
- 20:11Speaker 1: Das stimmt ja.
- 20:13Speaker 1: Jetzt ist es aber also Alle Gefühle, ich für allgemein ja immer sehr gerne.
- 20:19Speaker 1: Viele zwischen meinem und deinem Alter diskutieren ja über alle Nachkommen denn immer darüber dass die wahnsinnig verweichlicht sind und überhaupt und keine Ahnung.
- 20:29Speaker 1: da habe ich zwar auch fünf tausend Gegenbeispiele.
- 20:31Speaker 1: gerade am Wochenende wieder haben hier Freunde oder Da hat der Sohn von einem guten Freund von mir aus Berlin hier vor dem Studio VW-Bus gekämpft.
- 20:41Speaker 1: Und die sind irgendwie alle Pfadfinder und haben alles Mögliche gemacht, was ich glaube gar nicht... Also keine Ahnung würde ich wahrscheinlich bis heute nicht machen wollen.
- 20:49Speaker 1: Aber wir reden ja immer gern darüber dass diese jungen Leute alle verweichlicht sind und nichts mehr aushalten und nur am Jammern sind!
- 20:56Speaker 1: Jetzt gibt es ja schon Situationen und dein Buch ist ja quasi die beste Geschichte auch dafür Egal, ob ich jetzt Zivildienst mache oder Werbpflicht leiste.
- 21:06Speaker 1: Die für so einen jungen Menschen vielleicht ein bisschen schwer zu verarbeiten sind.
- 21:11Speaker 0: Ja, ist so gut!
- 21:12Speaker 1: Das war genau die Frage.
- 21:14Speaker 1: also bist du da eher Team?
- 21:15Speaker 1: Da müssen sie durch oder Team?
- 21:16Speaker 1: Dann brauchen die vielleicht ein Bisschen Unterstützung?
- 21:19Speaker 0: Ich bin ein Team und dann müssen die durch.
- 21:20Speaker 0: Also ich bin für alles was dazu beiträgt dass die Menschen eine gewisse Resilienz gegen Scheiße aufbauen.
- 21:28Speaker 0: das kann man denen ja nicht vorwerfen dass sie die nicht haben.
- 21:31Speaker 0: ne Denn die wachsen ja auf in der Umwelt, die ihnen von den Erwachsenen angeboten wird.
- 21:38Speaker 0: Punkt!
- 21:39Speaker 0: Also wenn es in meiner Jugend oder als ich zwölf, dreizehn, vierzehnt war, wenn's damals schon Spielkonsoneln, Internet, Handy-Apps und so gegeben hätte... Ich wär durchgedreht.
- 21:50Speaker 0: Wahrscheinlich nie in die Schule beendet.
- 21:52Speaker 0: So also man kann denen überhaupt nicht vorwerfen dass sie in dieser Ära der Digitalisierung aufwachsen.
- 22:00Speaker 0: Was sollen die denn sonst machen?
- 22:01Speaker 0: Nicht darin aufwachsen, ihr habt ja keine Wahl.
- 22:04Speaker 0: Die müssen mit dem umgehen was ihnen angeboten wird.
- 22:08Speaker 0: und wenn dann Leute meines Alters ankommen, sag ich, wir hatten drei Fernsehprogramme und wir hatten immer aufgeschrabelte Knie weil wir dann immer im Wald waren und da Boden gebaut haben.
- 22:20Speaker 0: Ja klar aber ihr hattet auch nicht die Wahl.
- 22:25Speaker 0: also wenn sie die Wahl gehabt hätten mit einer Tüte Pombaer Vorm Rechner zu sitzen hättet ihr halt das gemacht.
- 22:32Speaker 0: Also macht euch da bitte nicht so heilig, weil es unfair ist.
- 22:38Speaker 0: Die jungen Menschen wenn man das jetzt mal so pastoral formuliert die jungen Leute da draußen, die nehmen's so wie es kommt und natürlich suchen sie sich einen weichen Weg wenn sie können klar!
- 22:53Speaker 0: Und du kannst heute als Nicht nur als junger Mensch, du kannst in unserer Gesellschaft In deiner eigenen Bubble wunderbar klarkommen.
- 23:01Speaker 0: Du siehst keine alten Menschen, du siehst keinen armen Menschen... ...du siehst nicht Menschen denen es schlecht geht wenn du das nicht willst!
- 23:08Speaker 0: Wenn du das nich willst kannst du deinen.
- 23:10Speaker 0: Kompletz gilt für alle sozialen Gruppen.
- 23:12Speaker 0: Du kannst dich komplett nur in deiner Bubble bewegen und die anderen nimmst du ausschließlich als kachel.
- 23:19Speaker 0: bei tiktok war so dass geht Und um das aufzubrechen auch dafür wäre halt eben so ein Dienst Nicht so schlecht, um eben mal andere Dinge zu sehen.
- 23:31Speaker 1: Was würdest du denn sagen?
- 23:32Speaker 1: Also bei all dem was du damals auch erlebt hast, gab es da so einschneidende Momente wo du wirklich bis heute noch dran denkst und wo Du wirklich realisierst oh dass die Geschichte kommt immer wieder in bestimmten Situationen?
- 23:48Speaker 0: Weil jetzt aus dem Zivildienst?
- 23:50Speaker 0: Ja ja!
- 23:51Speaker 0: Da gab's paar sehr prägende Momente, die auch im Roman vorkommen.
- 23:57Speaker 0: Es gibt den einen Moment wo dieser Junge dabei ist als einer der Leute stirbt Im Krankenhaus und er stundenlang neben dem sitzt Weil die Frau es bei der Dialyse im selben Krankenhaus.
- 24:13Speaker 0: Die kann nicht bei dem Mann sitzen weil sie bei der Blutwäsche sein muss.
- 24:17Speaker 0: Also vertritt er sich sozusagen und sitzt neben dem Bett dieses alten Mannes Stunden lang Und der stirbt halt die ganze Zeit.
- 24:27Speaker 0: Der ist die ganze zeit in diesem Übergang und... ...der Junge weiß das gar nicht, er kapiert es nicht, ne?
- 24:33Speaker 0: Dass der gerade stirbt und der sieht ihn aber stundenlang an!
- 24:37Speaker 0: Und ich kann mich an diesen Moment- und der fällt mir oft ein ganz genau erinnern.
- 24:44Speaker 0: Und zwar besonders an den Augenblick wo der zum letzten mal Luft geholt hat.. ..und die nicht mehr raus kam.
- 24:52Speaker 0: Er hat nicht mehr ausgeatmet.
- 24:54Speaker 0: Jeden wahrscheinlich hat er schon ausgeatmet, aber ich hab's nicht gehört oder gesehen.
- 24:59Speaker 0: Und ich dachte die ganze Zeit der kann doch jetzt unmöglich tot sein und nicht mehr ausgeatmt haben.
- 25:05Speaker 0: also in meiner Vorstellung war sterben dass man einen final breath das man dann die luft rauslässt und dann ist gut.
- 25:14Speaker 0: Das war aber nicht so und ich kann mich erinnern dass sich an dem tag als der Mann damals gestorben ist war mit meiner damaligen freundin im kino Und es gab einen extrem ulkigen Film.
- 25:27Speaker 0: Who Framed Roger Rabbit, hieß der?
- 25:30Speaker 0: Das war so ein Zeichentrick und Realfilm-Kombinationswahnsinn.
- 25:35Speaker 0: Ich kann mich erinnern, dass ich die ganze Zeit im Kino saß und an den Mann gedacht hab... ...und gedacht habe, verdammt noch mal!
- 25:43Speaker 0: Der hat nicht ausgeatmet.
- 25:45Speaker 0: Es war eine Situation, an die ich wirklich oft
- 25:49Speaker 0: denke.".
- 25:50Speaker 0: Und eine andere war einfach die Begegnung mit einem ebenfalls sehr alten Mann, den ich so morgens gewaschen und angezogen habe und den ich sehr mochte.
- 26:03Speaker 0: Der eine sehr, der einen tollen Humor hatte.
- 26:06Speaker 0: Auch die alte Dame, die vollkommen demente Frau, die immer in ihrem Bett sitzt.
- 26:12Speaker 0: Immer wenn man kommt sagt sie hat etwas anderes gesagt als im Buch In meinem Leben hat die immer gesagt, Herrmann da bist du ja.
- 26:24Speaker 0: Ich bin nicht Herrmann und die hat nach einer Minute vergessen dass man nicht Herrman war.
- 26:31Speaker 0: Und was einem auch so sehr präsent ist sind Gerüche Gerüchen und Einrichtungen.
- 26:40Speaker 0: Das ist ja total interessant wenn man bei Leuten reinkommt Und die sind in so einem Alter von von achtzig, fünf achtzig sieben und achtzig einen neunzig Jahren.
- 26:50Speaker 0: Das sind ja alle Entscheidungen.
- 26:51Speaker 0: Alle Einrichtungsentscheidungen liegen lange zurück.
- 26:55Speaker 0: Die letzten Einrichtung Entscheidungen, die getroffen wurden, wurden vielleicht mit altem Sechzig oder siebundsechzig, fünf sechzig Jahre getroffen.
- 27:03Speaker 0: Und von da bis wo man dann dahin kommt ist eine lange Zeit schon vergangen.
- 27:08Speaker 0: Und man kann das in den Wohnungen So ablesen, ich finde es irre interessant.
- 27:14Speaker 0: Badrenovierung!
- 27:16Speaker 0: Wann war das denn und so?
- 27:18Speaker 0: Und man kann so ein ganzes Leben in so einer Wohnung ablese.
- 27:22Speaker 0: Mich hat das immer fasziniert, ich fand das immer toll also auch übrigens in anderen Elternhäusern sehen wie andere Menschen leben wie die sich einrichten was sie sich an die Wand hängen welche Art von Fotos da stehen Das fand ich schon als Junge total interessant immer bei anderen Leuten sein.
- 27:43Speaker 1: Was ich ja ganz spannend finde, wenn ich es auf mein Leben zurückschau... Ich habe mich ohne irgendwelche einschneidende Erlebnisse da hingegen zu haben aber ich hab mich sehr früh mit Endlichkeit des Lebens beschäftigt.
- 27:58Speaker 1: Ich hab noch Texte die ich irgendwie so vor mir hingeschrieben hab dabei vielleicht, vierzehn, fünfzehnt und das was du da beschreibst war für dich dann auch wahrscheinlich die ersten Deutlichen Momente, wo man dann auch merkt okay irgendwas geht auch mal zu Ende und wir sind alle nicht unsterblich.
- 28:16Speaker 1: Und ich habe das Gefühl wenn wir alle mal ein bisschen mehr so leben würden dass wir realisieren dass es jeden Moment vorbei sein kann und nicht nur weil die Statistik quasi uns vorgibt wie alt wir denn wahrscheinlich werden würden würden wir vielleicht auch alle mal ein bisschen bewusster leben und auch mehr reflektieren, wie wir uns so verhalten oder?
- 28:38Speaker 0: Vielleicht.
- 28:38Speaker 0: Da muss man aber auch immer die Frage stellen ob das so gut ist weil bei dieser ganzen Reflektiererei Das kann einem auch echt die Laune versauen.
- 28:47Speaker 0: also wenn wir uns jetzt darüber unterhalten dass ich auf dem Rückweg von hier zu meiner Wohnung ja mühelos vom Bus überfahren werden kann dann kann mich das ja auf wahnsinnig stressen.
- 28:59Speaker 0: Aber was die alten Menschen einem ganz gut vorleben und was man ganz gut von denen lernen kann, ist trotzdem immer weiterzumachen.
- 29:11Speaker 0: Die sind ja nicht unbedingt mehr in Top Form!
- 29:15Speaker 0: Und natürlich kann das sein wenn sie bei sich zu Hause angenommen haben, da wohnen da irgendwo... Da sind nur drei Stufen.
- 29:22Speaker 0: Wenn du die drei Stufe runterfällst und dir die Hüfte brichst, ist vorbei.
- 29:26Speaker 0: Dann kommst du nicht mehr nach Hause.
- 29:28Speaker 0: Die sind in großer Gefahr, jeden Tag immer bei allem was sie tun.
- 29:34Speaker 0: Und dann aber mit so jemandem zusammenzusitzen und mit dem irgendwie einen Kreuzworträtsel zu lösen oder sich von dem irgendwelche alten Geschichten erzählen zu lassen ist gerade unter dem Aspekt dass das auch die letzte Geschichte sein kann, die so jemand erzählt wahnsinnig intensiv.
- 29:52Speaker 0: also ich habe das immer als ganz intensiv wahrgenommen.
- 29:57Speaker 0: Also auch wenn ich jemanden hatte, der wollte dann auch mal gerne, dass er sich ihm eine Krawatte bindet.
- 30:03Speaker 0: Er konnte das mit seinen Fingern nicht mehr.
- 30:05Speaker 0: Der wollte aber auch... Der hatte immer einen Oberhemd an einer Krawatt und ein Polunder!
- 30:09Speaker 0: Und das wollte der unbedingt weil es für ihn Lifestyle... Der fühlte sie ja einfach gut so.
- 30:17Speaker 0: Das habe ich dann immer gemacht und von dem zum Beispiel stylmäßig etwas mitgenommen nämlich Du kannst schon auch als älterer Herr gut aussehen.
- 30:30Speaker 0: Du musst dann gar nicht in so einer komischen Trainingshose rumrennen, sondern du kannst auf Wert darauf legen dass du immer noch passabel dastehst vor anderen wenn dir das wichtig ist.
- 30:42Speaker 0: Das fand ich interessant.
- 30:43Speaker 0: also ich habe ganz viel von denen gelernt und da muss man dazu sagen das war ja eine Generation die waren alle noch im Krieg Und natürlich hat man sich damals, also Meinzegeldienst war, in den Ebenen.
- 30:56Speaker 0: Das war also dreiundvierzig Jahre nach Kriegsende und wenn man so hoch rechnet, wenn dann jemand dreieinachtzig war, da war der bei Kriegsenden vierzig.
- 31:07Speaker 0: Da stellte sich natürlich immer noch die Frage was hast du im Krieg gemacht?
- 31:14Speaker 0: Und das war auch spannend!
- 31:16Speaker 0: Das war interessant.
- 31:18Speaker 0: Es gab sehr unterschiedliche Menschen da, die auch sehr unterschiedlich damit umgegangen sind und natürlich immer die Ahnung der Typ dem du jetzt gerade das Essen warm machst, war Nazi.
- 31:32Speaker 0: Also trotzdem was zu essen kriegen?
- 31:38Speaker 1: Ich habe meine Großmutter väterlicher Seins, die leider schon lange verstorben ist hat die letzten Jahre ihres Lebens einen Lebensgefährten.
- 31:50Speaker 1: Und ich hab mir von dem immer seine Kriegsgeschichten erzählen lassen, weil ich wahnsinnig spannend fand.
- 31:56Speaker 1: Das war ja auch noch die Zeit da lief auf... Ich weiß gar nicht mehr wie hieß das damals alles?
- 32:00Speaker 1: In den Vierundzwanzig NTV und sonst was liefen ja rauf und runter jeden Abend in irgendwelche Dokumentationen, als weiß genau.
- 32:08Speaker 1: Und ... ich habe das dann mal aufgeschrieben, alles!
- 32:11Speaker 1: Und ich bin vor kurzem über eine alte Festplatte beim Aufräumen gestolpert, auf der dieser Text diese Word-Datei, die ich dann da irgendwann... also beziehungsweise es war glaube ich gar nicht Word damals.
- 32:21Speaker 1: Es war ein Textdatei, den ich relativ früh im Computer gehabt habe darauf getippt hab und fand das total interessant weil natürlich aus der heutigen Betrachtung war er halt Nazi und Soldat und daraus auch überzeugt in dem was er gemacht hat.
- 32:36Speaker 1: aber trotzdem Hatte der irgendwie die verrücktesten Kriegsgeschichten, wie die da irgendwo in Italien besoffen auf den Bahnbleisen gelegen sind?
- 32:44Speaker 0: Gibt auch ganz verstörende Geschichten dabei.
- 32:47Speaker 0: Da hat man damals zu einer Dame gesprochen und dann dachte er, also damals der Krieg das war gar nicht so schlimm!
- 32:58Speaker 0: Wieso?
- 32:59Speaker 0: Na ja stell dir mal folgendes vor wenn wir ausgebompt wurden Dann flog da irgendwie so eine Fliegerbombe in die Fassade und so.
- 33:07Speaker 0: Ganz schrecklich!
- 33:09Speaker 0: Dann mussten wir natürlich umziehen, dann haben wir sofort nur Wohnung bekommen.
- 33:14Speaker 0: und dann stell dir mal vor, dann wurden wir zu einer Halle gebracht und da waren wahnsinnig viele Möbel drin oder konnten wir uns einfach Möbil aussuchen?
- 33:22Speaker 0: Und dann haben er uns neue Möble ausgesucht und dann wurden die dahin gefahren und hatten wir ne neue Wohnung.
- 33:29Speaker 0: Interessant wie ... Wie die das ausgeblendet haben oder wie sie damit umgegangen sind, spielt in dem Buch auch eine große Rolle.
- 33:40Speaker 0: Da gibt es eine Passage... Es geht manchmal in den Buch um die Frage warum ist Leonhard so ein ängstlicher Mensch?
- 33:48Speaker 0: Warum ist sein Vater so ein Ängsterlicher Mensch und was hat eigentlich dessen Vater, also der Großvater im Krieg gemacht und so?
- 33:56Speaker 0: Und Leonhard betreut dann einen Mann, der war Biologe Molekularbiolog und erklärt ihm dann Endogenetik.
- 34:04Speaker 0: Also dieses faszinierende Ding, dass Traumata vererbbar sind auf eine Art.
- 34:11Speaker 0: Die verändern zwar nicht die Genetik aber die Schalter, die Gene ein- oder ausschalten können verändert werden von Generation zu Generation was bedeutet das bestimmte traumatische Lebenserfahrung über Generationen weitergegeben werden können Ohne dass man konkret sagen könnte, das kommt jetzt davon.
- 34:33Speaker 0: Aber es kommt natürlich vom Krieg und es gibt einen natürlichen Opfertrauma.
- 34:40Speaker 0: Es gibt aber auch ein Täter-Trauma Und es gab dann in den Fünfziger Jahren Väter die aus der Kriegsgefangenschaft kamen umfassbar traumatisiert waren und dann Kinder bekommen haben.
- 34:56Speaker 0: Darum geht es in dem Buch auch, auch im Bezug auf dieses Vogelhaus.
- 34:59Speaker 0: Auf das was in dem Vogelhaushal passiert ist, in dem Namens, in den Titelgebenden und es fand ich immer eine sehr faszinierende Sache und die spielt in unserer Gesellschaft bis heute ne riesige Rolle Und wir schieben das immer so ein bisschen weg und sowas haben wir schon mit den Taten von damals zu tun.
- 35:17Speaker 0: aber Wir haben natürlich etwas zu tun weil die Traumata weiter sicken In uns hinein bis in unsere Persönlichkeitsstrukturen.
- 35:27Speaker 0: Und das ist natürlich schwer, alles auch im Rahmen eines einigermaßen unterhaltsamen Romans unheimlich schwer zu schildern.
- 35:37Speaker 0: Man kann es dann im Roman nur für den Leser und die Leserin zur Diskussion stellen.
- 35:44Speaker 0: Die Passage war mal länger und ich habe sie dann ganz stark gekürzt – das ist nun noch eine Seite ungefähr in dem ganzen Buch – Und wir haben es dann deutlich zurückgenommen, Lektorin und ich.
- 35:58Speaker 0: Weil wir gesagt haben ist ein interessanter Aspekt und wenn die Leute sich mehr damit beschäftigen wollen googeln.
- 36:05Speaker 0: Der Roman ist nicht der Ort wo wir Leserinnen- und Leserpublikum erziehen wollen zu irgendeiner Erkenntnis sondern Roman ist der Ort Wo die eine möglichst gut erzählte Geschichte bekommen um wenn sie dann eben sich weiter mit befassen wollen sind sie ja eingeladen
- 36:25Speaker 1: gibt es übrigens eine schöne Episode mit Paul Maar.
- 36:28Speaker 1: Ich weiß nicht mehr, welche Nummer aber wer so ne Geschichte erzählt bekommen möchte der hat nämlich von seinem Vater erzählt Der dann auch irgendwann aus dem Krieg wieder kam und seinen Platz behauptet hat als wäre natürlich nie was gewesen Und das auch zu durchaus sehr traumatischen Dingen geführt hat.
- 36:46Speaker 1: was mich dann übrigens irgendwann mal zu der Frage gestellt hat, warum eigentlich alle Kinderbuchautoren und Autorinnen meistens in relativ schwieriger Kindheit hatten.
- 36:55Speaker 0: Oft
- 36:55Speaker 1: gibt's eine ganz lange Liste die ich hier alle schon sitzen hatte wo ich mir immer denke oh das ist irgendwie irgendwie ist es ein Muster.
- 37:03Speaker 0: einer von denen obwohl er kein reiner Kinderbuchautoer ist habe ich mal interviewt also noch im Journalismus tätig war das war Tommy Ungerer fantastischer Künstler wirklich ein ganz, ganz toller Künstler der auch eine sehr bewegende Lebensgeschichte hatte.
- 37:22Speaker 0: Und den habe ich bei sich zu Hause besucht im Elsass und... Ich fand die Kinderbücher immer fantastisch!
- 37:29Speaker 0: Der Zauberlehrlingen und dem Mondmann, Zeraldas, Riese – und die sind aber alle sehr düster.
- 37:35Speaker 0: Die spielen oft in so gotischen Burgen und mit Monstern und mit Menschenfressern und alle möglichen.
- 37:45Speaker 0: Es ist schon ganz schön gruselig bei Tommy Unger.
- 37:49Speaker 0: Und ich fand es als Kind zwar toll, aber ich fands auch unheimlich!
- 37:54Speaker 0: Dann habe ich ihn gefragt warum das so ist in seinen Kinderbüchern?
- 38:00Speaker 0: Und dann blitzte der mich an und er hatte einen alemanischen Akzent.
- 38:06Speaker 0: Er sagte er müssen traumatisiert werden.
- 38:12Speaker 0: Und das ist natürlich ein unverschämter Satz, also wenn man den so äußert dann denken sagen Leute haste von sich alle wie Kinder müssen traumatisiert werden.
- 38:21Speaker 0: Er meinte damit nicht Kinder sollen als Kindersoldaten in Zentralafrika andere Menschen umbringen oder sowas und was Schreckliches erleben.
- 38:31Speaker 0: er meinte etwas anderes.
- 38:33Speaker 0: er meint Wenn Kinder über die Lektüre von Kinderbüchern mit Monstern und Ungeheuern, Strafe und Menschenfressern und so konfrontiert werden.
- 38:46Speaker 0: Und dann älter werden?
- 38:47Speaker 0: Dann werden sie irgendwann gewahr, dass das ja nur Zeichnungen sind!
- 38:53Speaker 0: Da ist ja gar nichts – unter dem Bett ist auch kein Monster.
- 38:56Speaker 0: Im Keller ist keine dreimetergroße Spinne.
- 38:59Speaker 0: Das sind alles nur Dinge die ich mir eingebildet habe des Reliefs, der Erlösung.
- 39:06Speaker 0: Wenn man dann die Kellertreppe runtergeht zum ersten Mal und sagt, hier ist gar nichts!
- 39:11Speaker 0: Diese Erlöse kannst du nur spüren wenn du vorher eine Angst hattest, die du zu bewältigen hattet.
- 39:18Speaker 0: Das hat er gemeint.
- 39:20Speaker 0: Der meinte nicht, also traumatisieren nicht im negativen Sinne sondern in einem positiven Sinne Die Einbildung der Kinder für solche unheimlichen Dinge schärfen damit sie irgendwann darüber hinweg kommen können.
- 39:36Speaker 0: Die Kinder werden resilienter und die werden mutiger und stärker, wenn sie was überwunden haben zum Beispiel die Angst vor dem Monster unter dem Bett.
- 39:47Speaker 0: Und das finde ich ein sehr interessanten Gedanken und der fiel mir auch beim Schreiben des Buches wieder ein und ich dachte dann Ich muss schon schreiben wovor Leonhard Angst hat Einfach nur die Behauptung aufzustellen Der hatte Angst ist für einen Roman fällt es mir sich lame.
- 40:06Speaker 0: Man muss dann schon schreiben, vorvor hat er denn Angst und das möglichst so schildern dass das Publikum sagt ja gehe ich mit finde ich auch nicht so doll.
- 40:20Speaker 1: Bist du an den Stoff eigentlich irgendwie anders rangegangen als an die anderen Bücher weil er ernster war?
- 40:25Speaker 0: Total anders, total anders im Handwerk.
- 40:31Speaker 0: Also ich hatte, habe ich bestimmt in einem der Gespräche die wir geführt haben auch mal erzählt.
- 40:36Speaker 0: Ich hab meine Bücher vorher immer so geschrieben dass ich sie mir zuerst ausgedacht habe, so richtig komplett von Anfang bis Ende, so eine Geschichte ausgedachte und das ganze Personal und so... Und wenn ich damit fertig war und auch das Ende schon hatte dann habe ich angefangen das zu schreiben, vorher nicht!
- 40:56Speaker 0: Weil ich immer Angst hatte, dass wir nicht einfach so anfangen zu schreiben.
- 40:59Speaker 0: Das machen ja Kolleginnen oder Kollegen hier und da liest man das.
- 41:02Speaker 0: dann sagen die Ich setze mich hin und dann gucke ich vorhin es mich führt.
- 41:06Speaker 0: Würde mich wahnsinnig machen ist überhaupt nicht mein Ding!
- 41:09Speaker 0: Ich muss vorher schon wissen wo ich auskomme.
- 41:11Speaker 0: und So habe ich immer meine Bücher gemacht.
- 41:14Speaker 0: und bei dem Buch ging das nicht weil Es verschiedene Zeitebenen hat auf denen es spielt weil das Personal so groß ist weil die Figurenführung ein bisschen komplexer ist als bei den anderen Büchern.
- 41:27Speaker 0: Und ich mir überlegen musste, was weiß man denn als Leserin oder Leser zu welchem Zeitpunkt des Lesens?
- 41:34Speaker 0: Was erfährt man erst dann und was sollte man auf keinen Fall schon wissen?
- 41:40Speaker 0: Das war jetzt deswegen das erste Mal dass ich so Zettelchen gemacht habe!
- 41:47Speaker 0: Ich fand es immer wahnsinnig prätenziös Wenn Leute so Karteikartchen, und dann machen die sich an die Wand.
- 41:54Speaker 0: Und dann sind da die verschiedenen Zeitebenen mit Farben und Figuren und dieser ganze Kram... Das fand ich immer so... war ich mal blöd!
- 42:06Speaker 0: Und das habe ich jetzt genau zum ersten Mal gemacht weil ich den Stoff sonst nicht hätte richtig greifen können.
- 42:16Speaker 0: Dann hätte ich vielleicht auch Dinge vergessen, die mir wichtig waren.
- 42:20Speaker 0: Außerdem gab es auch eine Linie, die war gedacht für Comic Relief.
- 42:28Speaker 0: Also dass man immer zu einem bestimmten Punkt wenn die Stimmung besonders düster wird oder wenn das sehr melancholisch wird dann braucht man etwas eine Episode oder sei es manchmal nur eine Formulierung irgendwas was das wieder ein bisschen hochzieht und das habe ich bei dem Buch relativ intensiv eingesetzt, diese Passagen einzufliegen die auch wieder sehr komisch sind einfach um das Buch ein bisschen realitätsnah zu machen.
- 43:00Speaker 0: In unserer Lebensrealität ist es ja auch so dass wir erzählen uns irgendwas und dann wird's wahnsinnig lustig und wir lachen zusammen und dann kommt jemand drittes rein und sagt Ich hab grad auswärts in der Katze überfahren.
- 43:13Speaker 0: So einer ist nicht mehr lustig, also dieses Auf und Ab von Lachen... ...und Betroffenheit am Tag, die wechselt sich auch ab und deswegen ist es im Buch auch so.
- 43:23Speaker 1: Ein Thema das ich mit dir mal durchdiskutieren wollte war ich's vor ein paar Episoden mit Florian Ilias immer bisschen durchdyskutiert habe.
- 43:32Speaker 1: Und zwar sind ja jetzt zwei Jahre vergangen seit wir es letzte Mal nicht hier sondern im anderen Studio saßen.
- 43:37Speaker 0: Ziemlich genau!
- 43:38Speaker 1: Genau, ich habe vorher noch mal nachgeschaut und seitdem ist ja auch technologisch unfassbar viel passiert.
- 43:46Speaker 0: Oh, hat er gute Texte zugeschrieben, Elias?
- 43:48Speaker 0: Ja, ja, ich weiß.
- 43:49Speaker 1: Genau!
- 43:49Speaker 1: Und wir haben so ein bisschen, weil er mit seinen historischen Romanen, mit seinem Genre das er sich da so recht gelegt hat läuft er die ganze Zeit irgendwo rum um irgendwelche Geschichten zu entdecken, die man dann mal aufbohren kann.
- 44:03Speaker 1: Und dann ist die KI natürlich praktisch, um mal kurz so einen Namen auf einem Grabstein wie bei seinem letzten Buch dann irgendwie mal zu recherchieren und herauszufinden was dahinter steckt.
- 44:14Speaker 1: Du als jemand der bisher seine Bücher immer so geschrieben hat dass sie erst im Kopf komplett da waren und dann aufgeschrieben hat gibt es in deinem Prozess eigentlich irgendwo ein Ansatzpunkt wo du sagen würdest da könnte dir sowas wie KI irgendwie mal helfen?
- 44:32Speaker 0: Naja, außer in der Recherche nicht.
- 44:34Speaker 0: Also für die Recherchen ist es ja im übrigen Korb noch zu unterscheiden ob du jetzt normal googlst oder so.
- 44:43Speaker 0: In der Rechersche Ist das ein Hilfsmittel auf das vermutlich jeder zurückgreift.
- 44:50Speaker 0: also gemeint ist aber wohl offenbar Ob man Fiktionale oder belätristische Inhalte ob man sich da bei der mit der KI helfen.
- 45:03Speaker 1: Also ich kann dir ein Beispiel geben und deshalb habe ich es auch mit Florian besprochen, weil bei mir... also ich glaube, ich hab ja irgendwann in einem unserer vielen Gespräche auch mal erzählt dass ich so gar nicht in der Lage bin einen Buch zu für mich, weil ich nicht texten kann oder schreiben kann sondern weil ich verzweifle an der Gliederung Und an dem roten Faden und an der Struktur, wie ich so eine Geschichte erzähle.
- 45:29Speaker 1: Egal ob jetzt fiktional oder nicht.
- 45:32Speaker 1: Bei mir war irgendwann der Punkt wo ich gemerkt habe wenn ich mal meine ganzen Gedanken in diese KI rein kippe um sie mehr einfach nur zu strukturieren also irgendwie dann einen Faden reinzubringen und mit auf der Basis weiterkomme.
- 45:48Speaker 1: Seitdem hab ich glaube ich jetzt drei Bücher geschrieben.
- 45:54Speaker 0: kannst du ja machen.
- 45:55Speaker 0: Also ich mache es nicht, für mich gehört das was du gerade beschrieben hast nämlich das Gliedern und das Strukturieren dass in einer Reihenfolge bringen mit zum Prozess auch zum kreativen Prozess dessen was ich mache.
- 46:10Speaker 0: Das ist mein Auftrag, das ist das was ich
- 46:13Speaker 1: tue.
- 46:15Speaker 0: Man kann's ein bisschen pathetisch ausdrücken als Schriftsteller Auch als Bildhauer, als Musiker, als Maler Als Schauspieler bist du Übersetzer von Dingen, die in deinem Inneren passieren.
- 46:30Speaker 0: In der Seele im Kopf, im Herz zum Papier und zum Publikum.
- 46:35Speaker 0: Das ist das was du machst.
- 46:35Speaker 0: Wir sind Übersetser und Geschichten Erzähler.
- 46:39Speaker 0: Und das ist das womit wir unser Geld verdienen also wofür wir bezahlt werden und in meinem Fall auch ganz gut.
- 46:48Speaker 0: Und es ist auch das was die Leute von mir erwarten können Genauso wie sie von einem Maler erwarten können, dass der diese Übersetzungsarbeit selber gemacht hat mit seinem Handwerk.
- 47:01Speaker 0: Natürlich kann man sagen okay im Verlauf eines Prozesses was die Recherche angeht oder was bestimmte Dinge angeht ist es alles ganz hilfreich.
- 47:10Speaker 0: aber jemand der das dann im Endeffekt nicht selber macht wo also des Produktes eher sozusagen abgibt beim Verlag in der Buchhandlung abgibt, wenn das nicht mehr von dieser Person ist sondern vom Algorithmus dann haben die betrogen.
- 47:31Speaker 0: So ganz einfach.
- 47:33Speaker 0: und nun gibt es Leute die sagen, dass mir Wurscht, dass KI isst.
- 47:37Speaker 0: Es gibt auch Leute denen es wurscht ob da richtiger Käse auf dem Tiefkühlprodukt oder Analogkäse aus.
- 47:45Speaker 0: So ist den einfach egal.
- 47:47Speaker 0: Und es gibt auch Leute, denen es wurscht ob sie bei Spotify Musik hören wo jemand etwas aus sich übersetzt hat oder wo eine KI halt irgendwas zusammengebarzt hat.
- 47:59Speaker 0: so das ist okay.
- 48:01Speaker 0: wenn die leute scheiße wollen dann kriegen Sie die halt so.
- 48:07Speaker 0: Das macht aber die geistige Leistung nur noch wertvoller.
- 48:12Speaker 0: Also indem ich das künstlerische Produkt dadurch entwerte, dass sich es von der Maschine herstellen lasse ist das Produkt, das nicht von einer Maschine hierher gestellt wird automatisch schon besser.
- 48:27Speaker 0: Das ist meine Meinung dazu.
- 48:29Speaker 0: also jetzt ging ja... Es gab diesen Autor, ich glaube ein US-amerikaner von dem jetzt gesagt wurde er hat Teile seines Werkes mit der KI machen lassen, hat irgendwelche Preise oder irgendein großen Preis gewonnen.
- 48:43Speaker 0: Hey zurückgeben!
- 48:46Speaker 0: Das steht dir gar nicht zu weil du das nicht gemacht hast.
- 48:49Speaker 0: Du hast eben deinen Job gar nicht gemacht.
- 48:53Speaker 0: Du hattest halt gepromptet oder irgendwie dir da helfen lassen.
- 48:59Speaker 0: okay Es gibt darüber ja auch immer so eine merkwürdige Begeisterung über dass was die KI schon alles tolles kann.
- 49:08Speaker 0: Die Florian Elias hatte einen sehr, sehr geilen Text in der ST darüber geschrieben.
- 49:13Speaker 0: Dass also Drehbücher und Serien schon sehr bald nicht mehr von Leuten geschrieben werden müssen – das mag stimmen!
- 49:22Speaker 0: Es handelt sich dann aber trotzdem nicht um etwas von einem künstlerischen Wert.
- 49:29Speaker 0: Der künstlersche Wert entsteht dadurch dass jemand als Künstler sich geäußert hat oder entäußerte hat, oder etwas übersetzt hat.
- 49:39Speaker 0: Oder etwas sich ausgedacht hat das so.
- 49:43Speaker 0: KI ist mit Sicherheit in ganz vielen Lebensbereichen irre toll.
- 49:49Speaker 0: Diagnostik zum Beispiel kann dann Millionen von Befunden vergleichen und kann relativ schnell zu einem sehr guten Ergebnis ist fantastisch.
- 49:58Speaker 0: oder in der Verwaltung wie man mit KI Dinge in der Behörde oder in einer Verwaltung, in der Administration extrem beschleunigen und verbessern kann.
- 50:08Speaker 0: Ich glaube da sind sich alle Leute einig dass das gut ist.
- 50:12Speaker 0: ich bin deswegen gar nicht dagegen Bin auch nicht dagegen dass jemand der Das einfach nicht so gut kann weil er es nicht so gelernt hat Und dann soll den Lebenslauf schreiben und irgendwie einen Bewerbungsschreiben und sitzt davor und sagt um Himmels Willen eh das ist nicht mein Ding Hey klar, mach's mit einer KI.
- 50:32Speaker 0: Ist doch kein Problem.
- 50:34Speaker 0: Spätestens wenn du das Bewerbungsgespräch hast und jemandem gegenüber sitzt musst du dann mit deiner Persönlichkeit punkten.
- 50:40Speaker 0: Das kannst du nicht mehr jemand anders überlassen.
- 50:43Speaker 0: aber bei solchen Sachen ist es total okay.
- 50:46Speaker 0: nur da wo es dezidiert in die kreative Arbeit reingeht bin ich der Meinung man muss es erstens kennzeichnen Und man darfs nicht teuer verkaufen.
- 50:58Speaker 0: Es is billig!
- 51:01Speaker 1: Was ich an der Frage so spannend finde, ist ein bisschen dieser Technologie-philosophische Aspekt den ich mit Florian auch ein bisschen diskutiert habe.
- 51:11Speaker 1: Und zwar... Also am Ende die Frage, die dahinter steht das ja eigentlich was ist Kreativität?
- 51:18Speaker 1: Am Ende und gibt es diesen menschlichen Funken an Kreativity überhaupt wirklich oder ist er nachbildbar?
- 51:26Speaker 1: also jetzt mit dem System, die wir heute haben würde ich sagen begrenzt.
- 51:31Speaker 1: Aber wenn wir davon ausgehen, dass Kreativität ja irgendwie das individuelle Erleben einer Person ist.
- 51:39Speaker 1: Also all das was eine Person irgendwann mal passiert ist und was sie irgendwann mal gelernt hat und was ihr weh getan hat, was ihr gut getan hat... also dieses sehr individuelle Paket ist am Ende des Tages die wahrscheinlich Grundlage für Kreativity, für die Ideen, die aus einem herauskommen diese möglichen individuellen Kombinationen irgendwann in einer KI abbilden kann.
- 52:07Speaker 1: Kommen wir irgendwann an den Punkt, wo wir uns fragen müssen, haben wir da noch was oder ist da noch mehr?
- 52:12Speaker 0: Bin ich nicht so sicher!
- 52:14Speaker 0: Das Erzellen von Geschichten folgt dann am Bedürfnis und einem Wunsch.
- 52:20Speaker 0: Ich habe das Bedürftigste dieser Geschichte zu erzählen.
- 52:23Speaker 0: Ich hab' den Wunscht dass du weißt das weil ich glaube, dass es dich interessiert oder weil ich glaub', dass es sich berührt.
- 52:30Speaker 0: Algorithmen haben aber keine Bedürfnisse und die haben auch keine Wünsche, die haben Aufträge.
- 52:37Speaker 0: Und natürlich kann ich in der KI sagen bitte erzeuge doch eine maximale Rührung bei Daniel Fürk mit diesem Bild, diesem Musikstück oder diesen Text.
- 52:47Speaker 0: klar kann nicht das machen.
- 52:48Speaker 0: Aber die KI, die das dann gemacht hat, hat es trotzdem nicht deswegen gemacht weil sie den Wunsch hatte Also in der Interaktion den Wunsch hat, hey ich will dir was Gutes tun.
- 53:00Speaker 0: Ich will dir einen guten Witz erzählen!
- 53:02Speaker 0: Sondern weil man ihr gesagt habt berühre den mal so.
- 53:06Speaker 0: und das bleibt ein Riesen Unterschied ist ganz egal wie gut So ein Algorithmus funktioniert.
- 53:12Speaker 0: klar es wird noch ganz fantastisch werden bin überzeugt Es wird super.
- 53:16Speaker 0: deswegen ganz ganz tolle Sachen entstehen aber immer aus dem falschen Grund.
- 53:21Speaker 0: Wenn wenn ich dir einen witz erzähle Dann möchte ich dich zum Lachen bringen und ich mag, wenn du lachst.
- 53:27Speaker 0: Mich freut das!
- 53:29Speaker 0: Das ist so wie als hätte ich dir kurze Nacken massiert.
- 53:33Speaker 0: Ich habe dir was für dich getan.
- 53:36Speaker 0: Das ist zwischen uns und das ist auch zwischen mir und meinem Publikum.
- 53:41Speaker 0: Ich möchte gerne dass die Leute, wenn sie das Buch gelesen haben oder wenn ihr irgendwas von mir gelesen habt oder meinetwegen von irgendjemand anders gelesen dass die dann in der Sonne sitzen oder im Schatten zu Hause, in der Couch, im Zug.
- 53:54Speaker 0: Im Hotelzimmer und das Buchzug klappen und sagen hey ich habe meine Zeit nicht verschwendet!
- 53:59Speaker 0: Das hat mir gut was schön.
- 54:01Speaker 0: Und es hatten mir diese Personen gegeben.
- 54:03Speaker 0: Das ist zwischen uns.
- 54:05Speaker 0: Und das ist auch zwischen Schauspielern und dem Publikum im Theater.
- 54:09Speaker 0: Und des is' auch im Ballett.
- 54:11Speaker 0: Die reißen sich den Arsch auf auf der Bühne um... ein bestimmtes Gefühl von der Bühne ins Publikum zu transportieren.
- 54:20Speaker 0: Ja, irgendwann kannst du da irgendein Roboter auf die Bühnen stellen und dann hüpft er darum und dann macht er... Leute sind alle ganz begeistert und sagen das ist ja wirklich fast wie in echt aber eben noch fast!
- 54:32Speaker 0: Und also so lange ich hier neben Job arbeite werde ich das nicht mit KI machen auch deswegen weil es mich nicht die Bohne interessiert.
- 54:41Speaker 0: Es ist mir sowas vom Scheiß egal Was eine KI machen kann, was so ist wie das, was ich mache.
- 54:48Speaker 0: Es interessiert mich nicht die Bohnen überhaupt nicht!
- 54:52Speaker 0: Ich habe im letzten Jahr mal, weil es so mäßig interessant war, es gab viele Schulklassen, die den Markisenmann gelesen haben vor vorigen Roman.
- 55:04Speaker 0: Der ist inzwischen Schullektüre in Baden-Württemberg verpflichtend und in anderen Bundesländern in diesem Kanon.
- 55:12Speaker 0: Und dann hast du relativ viele Leute, die sich mit deinem Zeug beschäftigen und dann bekommst du von irgendwelchen Schulklassen.
- 55:19Speaker 0: Manchmal machen sie aus Spaß im Unterricht.
- 55:22Speaker 0: Dann prompten die bei Gemini oder Claude oder Chat GPT oder sonst wo.
- 55:28Speaker 0: Schreib eine Kolumne über das Rauchen auf dem Pausenhof im Stil von Jan Weiler viertausend Zeichen.
- 55:38Speaker 0: Interessant daran ist nur ein handwerklicher Aspekt dass in der Analyse meiner Texte diese Algorithmen häufig kapieren, dass ich häufig Ellipsen in den Sätzen habe.
- 55:50Speaker 0: Also so ein Beispiel könnte ich gar nicht machen.
- 55:56Speaker 0: Ich mache das ja aus Versehen.
- 55:58Speaker 0: Es hatte weder Hand noch Fuß.
- 56:00Speaker 0: aber eine gute Idee also dieses Weglassen von... Und dann machen die das eben auch, diese Programme und schreiben so elliptisch vor sich hin und gebrauchen irgendwelche Muster, die sie da bei mir erkennen.
- 56:16Speaker 0: Aber es ist trotzdem unglaubliches Holz.
- 56:19Speaker 0: Das ist echt tot!
- 56:22Speaker 0: Es ist nie gut.
- 56:24Speaker 0: Wahrscheinlich wird's das noch okay?
- 56:27Speaker 1: Ja ich bin gespannt aber... Ich kenne dich ja jetzt ein bisschen und ich weiß ja schon dass du wenn Du einen Buch geschrieben hast wahrscheinlich schon wieder den nächsten im Kopf hast.
- 56:38Speaker 1: Bleibt es denn ernst oder willst du...?
- 56:43Speaker 0: Ne, das mit dem Ernster werden ist ja nicht unbedingt eine Lebensentscheidung.
- 56:49Speaker 0: Das ist nicht irgendwie so ein biografischer Zug und dann wird es immer ernster bis es irgendwann wirklich wahnsinnig super ernst wird.
- 56:57Speaker 0: sondern hatte ich ja ganz am Anfang gesagt man entscheidet für ne Geschichte welchen Ton auskriegt und die nächste Geschichte so wie's jetzt geplant ist wird sehr lustig Einfach, weil die Geschichte und das Material und das Personal das erfordern.
- 57:15Speaker 0: Und ja dann können sich die Leute darauf freuen es wird wieder komisch.
- 57:22Speaker 1: Dann genießen wir noch die Ernstheit des Vogelhauses und freuen uns auf erheitende Momente mit dem nächsten Buch.
- 57:31Speaker 0: Ja machen wir!
- 57:33Speaker 1: Ich danke dir und ich freue mich schon auf Episode fünf.
- 57:37Speaker 0: Danke schön für die Einladung.
- 57:38Speaker 0: Ja, und du weißt ich habe es dir schon angekündigt wie drehen den Spieß um wenn Du als Autor hervortrittst
- 57:46Speaker 1: mit
- 57:47Speaker 0: deinem Liebesroman dann bist du dran!
- 57:50Speaker 0: Ich
- 57:51Speaker 1: bin gespannt aber dann haben wir hier auch für Dich ne Negroni und für mich ein Spalliatur stehen.
- 57:55Speaker 0: so machen wir's?
- 57:56Speaker 1: Ich danke Dir!
- 57:58Speaker 0: Danke für die einladung.
- 58:00Speaker 0: Das war´s leider schon.
- 58:02Speaker 0: Die letzte Runde ist ausgetrunken.
- 58:04Speaker 0: das Gespräch zu Ende.
- 58:06Speaker 0: Vielen Dank fürs Zuhören.
- 58:09Speaker 1: Bitten
- 58:09Speaker 0: im Rücksicht auf die Nachbarn und sei leise,
- 58:12Speaker 1: wenn du die
- 58:12Speaker 0: Bar verlässt!
- 58:14Speaker 0: Aber vergiss auf keinen Fall den abonnieren Button zu
- 58:30Speaker 1: klicken.