Latest / ntv Wirtschaft / Öl über 100 Dollar - Anleger sollten "Ruhe bewahren"
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- Der Ölpreis steigt am Wochenende über 100 Dollar und die Aktienmärkte gehen in die Knie. Anleger befürchten, dass der Energiepreisschock auf die Wirtschaft durchlegt. An den Tankstellen entlädt sich der Frust der Autofahrer direkt an der Kasse. Und auch beim täglichen Einkauf müssen sich Verbraucher womöglich auf anziehende Preise einstellen. Und mitten in dieser Nervosität wagt ein Unternehmen aus Lübeck den Schritt aufs Börsenparkett und bleibt erstaunlich stabil. Hallo und herzlich willkommen. In diesem Podcast verwandeln moderne KI-Systeme journalistische Inhalte, die auf unseren NTV-Plattformen publiziert wurden, in ein neues Hörformat. Text und Stimme der Sprecherin wurden mithilfe künstlicher Intelligenz erzeugt. Vor der Veröffentlichung werden alle Folgen nach strengen journalistischen Standards geprüft. Viel Spaß beim Zuhören. Übers Wochenende hat es sich schon angedeutet. Es wird kein guter Wochenstart für den Aktienmarkt. Der DAX fällt am Morgen direkt unter die Marke von 23.000 Punkten, wenn auch nur für kurze Zeit. In Asien haben die Märkte zuvor noch heftiger reagiert. Der Nikkei verliert zeitweise rund 7 Prozent, der Cosby in Seoul etwa 8 Prozent. Auslöser ist der sprunghaft gestiegene Ölpreis, der inzwischen über der Marke von 100 Dollar liegt. Hintergrund sind die Angriffe am Wochenende auf Ölanlagen im Iran. Besonders unter Druck geraten Airline-Aktien, weil Treibstoff einer ihrer größten Kostenfaktoren ist. Die G7-Finanzminister beraten deshalb über eine mögliche Freigabe strategischer Ölreserven. Wie ungewöhnlich ist dieser heftige Ölpreissprung eigentlich? Wie lange hält er? Und was heißt das für Unternehmen und Anleger? Das haben wir den Kapitalmarktexperten Chris-Oliver Schickentanz gefragt. Chris-Oliver Schickentanz ist bei mir schön, dass Sie da sind. Wie ungewöhnlich ist dieser starke Anstieg beim Ölpreis? Gar nicht so ungewöhnlich. Wir haben in der Vergangenheit schon geopolitische Konflikte in den Golfstaaten gesehen und dann sind derart heftige Preisanstiege durchaus normal. Trotzdem ist das natürlich ein Schock für die Wirtschaft, denn da geht es eher um das Tempo des Ölpreisanstiegs und der war natürlich heute früh im asiatischen Handel doch sehr, sehr ausgeprägt. Und die Auswirkungen hängen wahrscheinlich auch davon ab, wie lange der Ölpreis steigen wird. Womit rechnen Sie? Ich gehe davon aus, dass dieser Ölpreisanstieg nur vorübergehender Natur ist, aus vier Gründen. Erstens, wir haben strategische Ölreserven. Die dürften wir jetzt kurzfristig anzapfen und damit zumindest mal kurzfristig die Situation ein Stück weit beruhigen. Zweitens, die US-amerikanische Fracking-Industrie kann jederzeit ihre Produktion nach oben fahren. Bei Ölpreisen von 80, 90, 100 Dollar sind viele Förderprojekte, die bis dato nicht profitabel zu betreiben waren, jetzt eben durchaus gewinnträchtig. Drittens, auch der Iran braucht früher oder später die Straße von Hormuz. Das heißt, ewig kann diese Blockade nicht andauern, sonst leidet auch der Iran unter Versorgungsengpässen und damit würde eben ein wesentliches Problem beseitigt werden. Und viertens, Donald Trump hat in der Vergangenheit schon häufiger mal Kehrtwänden vollzogen. Wenn er merkt, dass die amerikanischen Angriffe auf den Iran nicht zu dem Ziel führen, das er eigentlich plant, dann könnte er jederzeit auch mit diesen Angriffen aufhören. Was heißt also dieser schnelle, starke Anstieg für die deutschen Unternehmen? Die Industrie ist ja extrem abhängig von Energie, die ohnehin viel zu teuer ist. Das ist genau der Punkt. Wir kommen ja in Europa aus einer Situation, wo die Energiepreise, wo der Öl, der Gaspreis ohnehin zu hoch ist für viele energieintensive Branchen. Für die Chemieindustrie, für die Stahlindustrie, für andere Branchen, die eben sehr, sehr viel Energie benötigen. Und dieser neuerliche Schock wird das zarte Pflänzchenaufschwung zumindest im ersten Quartal konterkarieren. Von daher glaube ich, werden wir auch im ersten Quartal eher eine Stagnation in Deutschland sehen. Und die jüngsten positiven Anzeichen dadurch ein Stück weit zunichte machen. Was sollen Anleger tun, die aktuell mit Verlusten in ihrem Depot höchstwahrscheinlich umgehen müssen? Ruhe bewahren. Derartige Situationen sind nicht neu. Wenn wir uns in die Geschichtsbücher mal schauen, dann sind derartige geopolitische Konflikte, die mit einem starken Ölpreisanstieg verbunden sind, üblicherweise so, dass sie an den Aktienmärkten drei bis vier Wochen brauchen, um verarbeitet zu werden. Danach gibt es dann eine v-förmige Erholung. Heißt, geduldig sein, an den Aktien festhalten, macht Sinn. Vielleicht sogar in den nächsten Tagen das ein oder andere nachkaufen. Macht Sinn, ist aber schwierig und dann eben noch vielleicht antizyklisch agieren noch schwieriger. Trotzdem, herzlichen Dank für die Tipps und Ihren Besuch hier an der Börse. Chris Oliver Schickentanz war das. Ganz herzlichen Dank. Ein Ölpreis über 100 Dollar bleibt nicht nur an den Börsen hängen. Der Preisschock arbeitet sich Schritt für Schritt durch die Wirtschaft. Und irgendwann spüren wir ihn ganz im Portemonnaie. Die steigenden Ölpreise schlagen schon an deutschen Tankstellen durch. Und den Frust darüber bekommt das Personal an der Kasse zu spüren. Der Branchenverband VGT Nordost berichtet von großem Unmut bei Autofahrern. Gleichzeitig stellt der Verband klar, über die Preise entscheiden die Mineralölgesellschaften, nicht die einzelnen Tankstellenpächter. Besonders Menschen mit wenig Geld reagieren sensibel, manche tanken nur noch für wenige Euro oder steigen auf Bus und Bahn um. Noch hält sich der Tanktourismus nach Polen und Tschechien in Grenzen, obwohl man dort teils 40 bis 45 Cent pro Liter sparen kann. Steigende Energiepreise treffen aber auch den Einzelhandel, vor allem bei Lebensmitteln. Wie stark wir das im Supermarkt noch spüren werden, darüber hat Astrid Fronja mit Jörg Funder vom Handelsforschungsinstitut IIHD gesprochen. Jörg Funder ist uns zugeschaltet, der Handelsexperte. Schön, dass Sie bei uns sind, Herr Funder. Wo werden wir Verbraucher die hohen Ölpreise denn noch spüren? Wir werden sie vor allen Dingen im Einzelhandel spüren. Jetzt nicht nur die Ölpreise, sondern die gestiegenen Energiepreise und darüber hinaus nicht nur im Handel generell, sondern insbesondere im Lebensmitteleinzelhandel. Dort werden Produkte verkauft, die gekühlt werden oder aber auch energieintensiv hergestellt werden, wie zum Beispiel Brot, was gebacken wird. Kann man jetzt schon sagen, wie lange die Zeitverzögerung ist, also wann möglicherweise, gerade wie Sie sagen, Lebensmittelpreise steigen und auch in welchem Maße, wie viel Prozent? Wie viel Prozent, das hängt jetzt von einigen Punkten ab. Einerseits, wie tatsächlich sozusagen Händler möglicherweise Kostensteigerungen abfedern können. Insbesondere aber auch, wie lange die Krise mit dem Iran geht. Im Unterschied zu jetzt der Ukraine-Krise, die unmittelbar in Europa war und wo eben nicht nur die Energiepreise, sondern eben auch Rohstoffpreise stark gestiegen sind, haben wir im jetzigen Fall tatsächlich eher ein globales Phänomen. Das nicht ganz so stark durchschlägt. Wir haben zwar gestiegene Preise, das sehen wir bei den Produktionskosten und auch im Einzelhandel. Wir gehen im Wesentlichen davon aus, dass Lebensmittel nicht wie bisher angenommen 2,4 Prozent in diesem Jahr 2026 steigen werden, sondern wahrscheinlich um 0,5 bis 1 Prozent. Besteht auch wieder die Gefahr oder die Sorge, dass die Lebensmittelbranche gerade die Supermärkte diese Krise nutzen und quasi die Preise erhöhen, obwohl überhaupt kein Drück da ist und die Gewinnmarge am Ende nur höher wird? Ich glaube, das kann man fast ausschließen. Wir haben im Lebensmitteleinzelhandel eine Situation, dass wir sehr wenige Anbieter haben. Fünf Unternehmen konkurrieren eigentlich im Wesentlichen um den Markt. Die beobachten sich alle ganz genau. Da ist Preis mit ein ganz zentrales Element, nicht nur bei Discountern, die preissensitiv oder preisgünstig verkaufen, sondern eben auch bei den Supermärkten. Und insofern wird es sich kaum eine Lebensmittelhandelskette erlauben können, Preise über Gebühr zu steigern, sondern eher im Gegenteil. Man wird versuchen, die Preise möglichst stabil zu halten, um dem Kunden zu signalisieren, wir sind preiswert, wir sind preisgünstig, wir setzen uns für unsere Kunden ein. Alle schauen natürlich nach Sonderangeboten, wahrscheinlich jetzt noch mehr, wenn die Preise weiter steigen. Herr Funder, haben Sie darüber hinaus noch einen Tipp an Verbraucherinnen und Verbraucher, wie man sparen kann? Wie man sparen kann? Man muss sich letztendlich seinen eigenen Konsum ansehen. Also was kaufe ich tatsächlich ein und gibt es möglicherweise Produkte oder Möglichkeiten, wie ich sparen kann, Wenn wir davon ausgehen werden, dass insbesondere also Tiefkühlwaren steigen werden im Preis, dass insbesondere hochverarbeitete Produkte stark im Preis steigen werden und Milchprodukte, dann muss man sich möglicherweise jetzt schon über Alternativen Gedanken machen, beziehungsweise auch dahin gehen, mehr frische Ware zu kaufen, was fast ein bisschen paradox erscheint. Aber Tiefkühl wird deutlich steigen, wenn die Energiepreise steigen. Und möglicherweise auch vielleicht das Brot selber backen und nicht das fertig gebackene Brot zu kaufen. Über die Situation an den Börsen haben wir zu Beginn der Folge gesprochen. Eine Branche ist aber heute sehr gefragt. Rüstungsaktien. Da wundert es nicht, dass der UBO-Zulieferer Gabler Group einen erfolgreichen Börsengang hinlegt. Der Marine- und Meerestechnik-Spezialist Gabler startet stabil am ersten Handelstag. Der erste Kurs liegt mit 47,20 Euro über dem Angebotspreis von 44 Euro. Mit dem Geld will Gabler die Bilanz stärken, wachsen und kleinere Zukäufe finanzieren. Das Unternehmen ist unter anderem auf U-Boot-Ausfahrgerätesysteme sowie unter Wasserkommunikation spezialisiert. Den Großteil seines Umsatzes erzielt Gabler im Rüstungsbereich. Vorstandschef David Schirm zeigt sich im NTV-Interview erleichtert über den guten Start und ist trotz der schwierigen Börsenlage positiv gestimmt. Herr Schirm, schön, dass Sie hier sind. Ihnen gibt es Grund zu feiern. Sie können zufrieden sein mit dem Börsengang. Absolut. Also es war etwas unklar, wie der Morgen starten würde durch die globalen Märkte. Aber wir sind mehr als zufrieden mit den 47,20 Euro, die wir dann heute Morgen zeigen konnten. Sie sprechen etwas Wichtiges an. Also die Märkte hoch nervös. Wir sehen einen Abverkauf. Und gleichzeitig haben wir aber dieses Riesenthema Rüstung und mehr Investitionen in diese. Was sagen Sie zum Timing? Also ich bin fest davon überzeugt, dass genau wie Sie es sagen, dass das ganze Thema Rüstung in Zukunft über die nächste Dekade eine große Rolle spielen wird. Und wenn wir jetzt aktuell eine Situation haben, in der Emotionalität an den Märkten waltet, dann ist es aus meiner Sicht etwas, was nicht extrem langfristig ist. Aber langfristig ist unser Geschäftsmodell und das wird auch eben dann zu den Erfolgen führen, die wir auch planen. Apropos Planung, die Auftragsbücher sind voll, die Marge ist hoch. Was erwarten Sie, was die Geschäfte in Zukunft angeht? Wir erwarten und wir planen ja vor allem ein großes Wachstum, dass wir auf mittlere Sicht auf über 100 Millionen Umsatz kommen. Und das ist natürlich auch weiterhin profitabel. Und die richtigen Rahmenbedingungen, die sehen wir einfach an den Märkten weltweit und in der Technologie, die wir bereitstellen. Apropos Technologie, Sie liefern unter anderem die kritischen Komponenten für U-Boote. Gibt es da Lieferengpässe im Moment? Bezüglich der geopolitischen Situation, meinen Sie? Nein, auf unserer Seite nicht. Fast 100 Prozent der Lieferkette ist lokal. Lokal heißt mindestens Europa, wenn nicht in Deutschland. Dadurch sind wir, was aktuell die Situation angeht, geopolitisch dort gut aufgestellt. Sie liefern in die ganze Welt. Sind Sie von Exportbeschränkungen betroffen? Ja, natürlich. Wir können dahin liefern, wo uns das Auswärtige Amt oder das Wirtschaftsministerium hinliefern. Und das heißt, natürlich haben wir dort gewisse Restriktionen, die wir klar einhalten. Aber alle NATO- und NATO-Friendly-Partner, die dürfen wir beliefern, die beliefern wir auch. Man merkt, dass eben stärker in Unterwassertechnologie investiert wird. Wie wichtig ist, dass hier die kritische Infrastruktur wie Unterseekabel oder Pipelines geschützt werden? Wir haben ja alle mitbekommen, mehr und mehr nach dem Pipeline-Desaster Nord Stream 2 war das Erste. dann liest man immer häufiger, wie entsprechende Submarine-Cables entsprechend beschädigt werden. Irgendwelche Anker, die nicht hochgezogen werden, Schattenflotten. Und wir sind davon überzeugt, dass je mehr der Mensch in die Unterwasserwelt eindringt, um dort, sei es Deep Sea Mining, sei es eben diese Kommunikation, ich glaube 96 Prozent habe ich mal gelesen, der internationalen Kommunikation laufen über Unterwasserkabel. All das sind Themen, die eben eine Relevanz bekommen, gerade bei dieser geopolitischen Lage. Und das muss entsprechend überwacht werden. Und unsere Technologien können das. Ein optimistischer David Schirm ist hier zu Gast gewesen. Ganz herzlichen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben, der CEO von Gabler. Ganz herzlichen Dank. Dankeschön. Das war unser Blick auf die aktuellen Nachrichten aus der Wirtschaft für den Moment. Wir hören und lesen uns wieder bei NTV. In der App, im TV oder hier im Podcast. Vertraue und glaube, es hilft, es heilt die göttliche Kraft!