Latest / BZ am Ohr / Live-Podcast: Wiebke Lühmann ist aus Freiburg nach Südafrika geradelt - 14 Monate lang
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- Guten Abend und herzlich Willkommen zum BZ Live Podcast hier heute im Theater Freiburg. Schön, dass Sie alle da sind. Schön, dass ihr alle da seid. Mein Name ist Lisa Böttinger, ich bin Redakteurin der Badischen Zeitung und ich freue mich ganz besonders, dass sie heute da ist. Herzlich willkommen, Wiebke Lühmann. Hallo. Danke. Wir sehen euch leider nicht so gut, aber wir wollen euch auch ein bisschen kennenlernen, bevor wir euch jetzt lange was erzählen. Deswegen, vielleicht können wir so ganz bisschen Licht fürs Publikum nochmal bekommen, dass wir einmal einen Blick reinwerfen können. Ja, cool. Schön, dass ihr da seid. Ich bin auf jeden Fall ein bisschen aufgeregt. Ich weiß nicht, du auch? Ja, schon. Also es ist unser erster Live-Podcast im Theater. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht. Aber Wiebke hat was vorbereitet. Ich dachte, damit wir uns ein bisschen kennenlernen, machen wir so eine kleine Aktivierung am Anfang. Ich fahre ja sehr viel Fahrrad und mich würde interessieren, wer von euch und Ihnen fährt dann auch ganz gerne Fahrrad, einmal kurz aufstehen. Okay, also es sind fast alle. Ich glaube, so ein, zwei Leute sind sitzen. Haar sind sitzen geblieben. Ja, könnt ihr euch mal umgucken. Und wer war denn schon mal in Afrika? Auch einmal alle aufstehen, die schon mal in Afrika waren. Ja, das sind auf jeden Fall schon einige. Und jetzt nochmal alle stehen bleiben, wer schon mal mit dem Fahrrad gereist ist oder nochmal aufstehen. Wer hat schon eine Radreise gemacht? Das sind auch auf jeden Fall einige. Ich nicht. Ja, cool. Dann wissen wir jetzt so ein bisschen Bescheid, so für die Stimmung. Und ihr jetzt auch, wer so neben euch sitzt, mehr oder weniger. Ist ja das Schöne bei live. Vielen Dank dafür und noch ein ganz kleiner Hinweis zum Anfang und zwar machen wir einen Live-Podcast. Nicht jeder weiß, was das eigentlich genau bedeutet. Das bedeutet, dass wir heute live hier alle beisammen sind. Wir streamen aber nicht live nach draußen. Wir zeichnen aber sehr wohl auf in Bild und Ton. Da hingen auch solche Zettel hier beim Eingang, als Sie reingekommen sind. Das heißt, genau, hier sind Videokameras. Der Podcast wird auch aufgezeichnet für Spotify, für YouTube. Da können Sie das im Nachhinein auch nochmal nachschauen. ab dem 19. Februar, überall, wo es Podcasts gibt und auf allen Kanälen der Badischen Zeitung. Genau. Liebe Wiebke, wir sprechen ja heute über eine Reise. Du und dein Fahrrad aus Freiburg nach Kapstadt. Diese Reise hast du im Oktober 2023 angetreten und warst dann 14 Monate später am Kap der guten Hoffnung. Und wir möchten nicht nur über die 20.000 Kilometer dazwischen sprechen, sondern auch über deine persönliche Geschichte, über deine Challenges, über dein Gepäck im ganz praktischen Sinne, aber auch im übertragenen Sinne, in dem Sinne, was du aus Afrika für dich und vielleicht auch ein bisschen für uns mitgebracht hast. Und wenn man sich so deine Geschichte anschaut oder wenn ich sie mir angeschaut habe und auch dein Buch gelesen habe, ist so ein roter Faden, der sich durchzieht. Der Satz von dir, Mut entsteht, wenn man macht. Und jetzt weiß ich aber, dass die Reise, als sie geplant war, eigentlich zu zweit geplant war. Also eigentlich mit deinem damaligen Partner. Ihr wolltet zu zweit losradeln und dann kam es zur Trennung und es war aber eigentlich alles geplant. Und jetzt würde ich dich fragen, wie hast du den Mut gefasst, dann alles alleine durchzuziehen? Aber weil Mut ja von Machen kommt, was hast du dann gemacht, damit du es geschafft hast, wirklich alleine aufzubrechen? Ja, das ist alles gar nicht so leicht voneinander zu trennen, weil das ganze Fahrradthema war schon immer da oder war schon davor auf jeden Fall da, vor dieser Beziehung. Und ich war zu der Zeit unterwegs auch ans Nordkap und war sowieso schon irgendwie unterwegs und hatte sowieso schon auch die Idee, ach ja, das mit der Festanstellung und immer nur 30 Tage Zeit haben, um Fahrrad zu fahren oder im Urlaub dann halt möglichst viel rauszuholen. War eh schon so sehr knapp und es ist natürlich viel leichter, zu zweit so eine überwältigende, lange Reise zu planen und das war dann natürlich super, dass ich da jemanden hatte, der da auch Lust zu hatte, aber dann war es eben schon vor dem Start irgendwie auch schwierig, also die ganze Beziehung war schwierig, ist jetzt hier sehr persönlich direkt zum Anfang, weil er nicht aus Deutschland war, sondern aus Südtirol und für ihn war die Reise auf jeden Fall, also mit dem Endziel, nach Hause, nach Südtirol zurückzukehren. Und für mich war zu dem Zeitpunkt auf jeden Fall sicher, ich will zurück nach Freiburg, was ich ja jetzt auch Gott sei Dank wieder bin und das ist sehr, sehr schön. Und so war das ganze Thema eigentlich, die Reise hätte irgendwie gepasst, aber das Zurückkommen, das Nachhausekommen und so war das Thema, wohin komme ich eigentlich zurück vor der Reise, eigentlich das Entscheidende, dass wir gesagt haben, okay, das geht nicht, also es passt einfach nicht. Und ich hatte den Job schon gekündigt und habe die Reise für mich schon beschlossen gehabt, dass ich das machen will. Ich hatte nichts Neues gewesen, einfach so ein großes Bedürfnis, die Welt mit meinen eigenen Augen zu sehen, nicht durch Filme, nicht durch Bücher, sondern einfach selber zu entdecken, wie ist es da draußen und vor Ort mir ein Bild zu machen. Das habe ich das erste Mal in Kolumbien 2019 gemacht und das hat wirklich mein Leben so positiv verändert, weil ich so viele tolle Menschen getroffen habe und so viel, was ich mir halt nie hätte vorstellen können, einfach selber erlebt und erfahren habe. Und deswegen war dieser Wunsch, die Welt zu sehen, immer noch da, obwohl es dann schon schwerer war, loszufahren und mich aufzumachen. Und dann hat eine sehr gute Freundin von mir aus Freiburg, die Hanna, gesagt, sie begleitet mich das erste Stück. Und das war dann wirklich so der Punkt, wo wir dann gesagt haben, okay, 3. Oktober geht's los, let's do this. Du hast ja auch gerade schon angesprochen, es war ja nicht nur, dass du dann alleine losgefahren bist oder streckenweise in Begleitung, sondern du hattest eigentlich, wie das glaube ich viele kennen, so ein geregeltes, normales Leben mit einem Job, wo du ins Büro gehst, wo du dich morgens fertig machst, wo du Zeit für Sport und andere Dinge am Wochenende hast und dir mal mit Mühe und Not so ein paar, drei, vier Wochen absparst, wo du mal am Stück in Urlaub gehen kannst, wie das, glaube ich, so ganz viele kennen. Wann hast du da für dich gemerkt, weil diese Tour waren 14 Monate, ich will da jetzt raus aus diesem geregelten Leben? Ja, also, dass ich so eine lange Reise mache, war irgendwie schon klar, als ich die erste, die davorige Reise gemacht habe. Und irgendwie hatte ich mir in den Kopf gesetzt, so um den 30. Geburtstag, also nochmal was Langes zu machen. Und das kam dann einfach. Also ich habe auch relativ lange studiert. Ich war auch schon im Studium selbstständig, habe für diverse Brands gearbeitet in der Sportindustrie und konnte diese Selbstständigkeit peu à peu ausbauen, sodass ich auch eine Sicherheit hatte, das beruflich so ein bisschen umzuschiften. Die Tour in Südamerika damals habe ich auch schon von unterwegs so ein bisschen gearbeitet und so. Also ich wusste schon, dass es irgendwie auch einen Weg gibt, das dann sozusagen auch damit einfach auszuprobieren und damit auch frei zu sein. Und dann war irgendwie, jetzt mache ich es halt. Also ein Jahr nach dem Beenden meines Studiengangs quasi. Also ich habe so ein gutes Jahr gearbeitet und dann war es auch erstmal genug. Hat da auch, ja, können irgendwie viele Leute nachvollziehen. Was, glaube ich, auch viele Leute nachvollziehen können, ist das Thema Fernweh. Hat ganz simples Fernweh auch bei dir dazu beigetragen? Also dass man auch den Wunsch hat, es soll vielleicht möglichst weit weg von den Gewohnheiten, Gepflogenheiten sein, die wir hier in Europa, in Deutschland kennen. Ja, mich fasziniert einfach an dieser Afrika-Tour, dass es über Land sehr, sehr weit Richtung Süden geht, dass wir so nahe Nachbarn sind mit Afrika und ohne zu fliegen eben auf den afrikanischen Kontinent kommen und da einfach mal zu gucken, wie weit komme ich, fand ich schon sehr, sehr spannend. Und dass es sich sehr schnell sehr viel ändern wird, fand ich auch total spannend. Und dieser große Drang bei mir nach Fernweh und Freiheit und Unabhängigkeit kommt auch daher, dass ich eine Zwillingsschwester habe und von Anfang an sehr viel verglichen wurde in meinem Leben. Eine Zwillingsschwester zu haben ist total super, weil man seit Geburt mit der besten Freundin auf der Welt ist, aber halt auch ständig den Vergleich, wer ist größer, wer hat die besseren Noten in der Schule und so weiter, hat bei mir ganz früh das Bedürfnis nach Autonomie und Selbstständigkeit gefördert. Und deswegen ist so ein Drang, einfach selber loszulaufen, auch sehr, sehr früh da gewesen. Und das noch auch. Ja, dieser Drang zum Loslaufen, das hat uns auch in der Recherche sehr interessiert. Deswegen habe ich mal eine Psychologin gefragt, woher kommt eigentlich unser Fernweh, also unser Wunsch, andere Welten zu erkennen? Und ich habe dazu Frau Jana Strahler befragt. Die ist Psychologin und leitet den Bereich Sportpsychologie am Institut für Sportwissenschaft der Uni Freiburg. Und wir hören mal, wie sie uns das erklärt. Ich glaube, zum Thema Fernweg können wir sagen, das ist weniger so ein eng umrissener oder gut beschriebener Begriff, aber trotzdem etwas, mit dem wir uns beschäftigen. Und Fernweg hat aus psychologischer Sicht vor allem auch was mit unseren Bedürfnissen zu tun. Dem Bedürfnis nach Neugier, nach Erfahrung, aus der Komfortzone und aus Routinen auszubrechen. Und in dem Kontext wird das Thema beispielsweise auch erforscht. Also was brauchen wir? Und da ist ein Stichwort, was mir da auf jeden Fall direkt in den Sinn kommt, Selbstwirksamkeit, Selbstwirksamkeitserleben. Das heißt, das Gefühl, etwas geschafft zu haben und das kann durch Fernweh und ich setze es um, eben auch befriedigt werden. Kann ich auf jeden Fall bestätigen. Ja, was ist für dich Selbstwirksamkeit? Also sie hat jetzt Selbstwirksamkeit damit in Verbindung gesetzt. Was bedeutet das für dich? Ganz konkret ist es beim Radfahren wirklich das Erleben von wie weit trickt mich mein Körper und mein Fahrrad, wie weit komme ich aus eigener Kraft und wie wenig brauche ich eigentlich zum Leben. Also diese Reduzierung aufs Wesentliche und damit halt auch diese Erfahrung von Unabhängigkeit ganz konkret. Also quasi nichts zu brauchen, jeden Tag irgendwo anders ein Zelt aufbauen zu können. Und dadurch auch ganz pragmatisch auf der Karte einfach der Punkt, der sich immer weiter bewegt, der einfach zeigt, wie weit man es schaffen kann. Und was bedeutet für dich Abenteuer? Also auch heute mit all den Erfahrungen quasi Intus, was ist für dich eigentlich noch Abenteuer? Ich glaube, einfach offen zu sein für Neues. Egal, ob es jetzt eine neue Erfahrung hier im Schwarzwald ist oder halt irgendwo in einem Dorf in Guinea-Bissau oder so. Einfach da, wo ich nicht abschätzen kann, wirklich was passiert, auch Kontrolle loszulassen. und dann in dieser Situation mir selber einen Weg zu bauen, sodass es mir gut geht und mich selber in der Fremde zu erleben. Also da fühle ich mich am wachesten, am lebendigsten. Kann man es üben, dass man abenteuerlustiger wird? Auch das haben wir noch mal Frau Strahler gefragt, die uns noch mal beantwortet, wie wir vielleicht auch selber schaffen, ab und zu einen Schritt mehr aus der Komfortzone zu gehen. Vielleicht als kurze Antwort, viele Menschen haben Lust auf Abenteuer. Nur viele scheitern an der Umsetzung. Und da geht es gar nicht nur darum, Abenteuer zu erleben, sondern viele kleine Ziele und Vorhaben, die wir uns nehmen. Neujahrsvorsätze als Stichwort. Und in der Psychologie ist das relativ gut erforscht, diese Lücke sozusagen zwischen ich habe etwas vor, eine Intention und setze das tatsächlich in Verhalten um, die sogenannte Intensionsverhaltenslücke. Und da haben wir verschiedene Strategien, wie wir diese Lücke möglichst klein halten können, um dann sozusagen den Sprung auch zu wagen im übertragenen Sinne. Und das ist dann vor allem, kleine Ziele sich zu setzen, sehr konkrete Ziele sich zu setzen, auf die man dann auch hinarbeiten kann, die realistisch sind. Und vor allem sich Ressourcen und Bewältigungsmöglichkeiten auch anzueignen, um das Ziel zu erreichen. Und gerade im sportpsychologischen Kontext arbeiten wir auch mit Athletinnen und Athleten an Zielerreichung. Was sind gute Ziele, was sind smarte Ziele und wie kann man sich auch vielleicht ein bisschen emotionaler involvieren und motivieren zur Zielerreichung. Was wir da häufig machen, ist die sogenannte Visualisierung, sich wirklich auch vorzustellen, in diesem Moment zu sein. Und zwar nicht nur die guten Aspekte des Im-Moment-Seins, sondern auch die schlechten Aspekte. Dass man sich auf die Emotionen, die positiv-negativ sein können, auch in einer Situation, Herausforderungen, dass man sich da gedanklich schon darauf vorbereitet hat und auch das schon mal so durchdacht hat, durchlebt hat. Und dann ist es vielleicht nicht mehr so dramatisch oder überwältigend, in der Situation da eine Emotion auch zu erleben. Was mir an der Stelle noch einfällt, was glaube ich auch wichtig ist, sich selber zu fragen, beziehungsweise auch vorzunehmen, dass es nicht so dieses ist, ich schaffe das, das ist nicht das Einzige, sondern was brauche ich, um das zu schaffen? Also wirklich in diese Tun-Komponente auch zu kommen. Ja, ich bin kein Fan von kleinen Zielen, aber realistische Ziele. Und realistisch heißt für mich, dass ich mir genug Zeit gebe, um diese Ziele zu erreichen. Die allererste Tour, die ich gemacht habe, war ja in Kolumbien und das war wirklich die allererste Tour. Ich habe das nie vorher in Deutschland ausprobiert, weil ich das so spannend finde, das einfach komplett ins kalte Wasser zu springen. Das finde ich schon sehr, sehr spannend, aber ich habe da nicht so viel Angst vielleicht wie andere. Aber dann halt mir unterwegs zu suchen, was brauche ich? Und das ist oft Zeit, weil wenn ich mir zu viel Druck selber mache, dann funktioniert es halt nicht. Also wenn ich jetzt in einem halben Jahr nur bis nach Kapstadt oder so, dann hätte ich keinen Spaß gehabt, weil dann hätte ich nirgendwo einen Umweg einbauen können oder mir mal eine gute Zeit machen können oder hätte Zeit, auch mal krank zu sein. Das passiert ja auch. Und da will ich nicht über meine Grenzen hinausgehen müssen, sozusagen. Du hast sogar auch mal in einem Interview gesagt, du würdest es eigentlich nochmal machen, aber nur mit noch mehr Zeit als die 14 Monate. Ja, weil es ist halt so wunderschön. Und wenn du nie anhältst und mal wirklich atmest und mal wirklich ankommst, zumindest so für einen Moment, dann ist es viel zu schnell vorbei. Und du hast nicht wirklich was erlebt. Also je langsamer man unterwegs ist, desto sicherer fühlt man sich. Oft ist es, wenn ich schnell bin, dass ich dann so zwischendurch mal kurz anhalte und Pause mache und denke so, vor was flüchte ich denn eigentlich gerade, vor was habe ich Angst, warum bin ich so schnell, was bringt es eigentlich gerade so schnell zu sein, weil dann, ja, verpasse ich halt alles, dann kann ich auch auf der Rolle zu Hause sitzen und... Und eine Frage, die wir jetzt gehört haben, war auch, was brauche ich, um das zu schaffen? Also wenn du dich auf so einen Trip vorbereitet hast, was brauchst du, um das zu schaffen? Ich meine jetzt gar nicht an Equipment, da schauen wir nachher noch drauf, sondern wirklich mental, emotional und natürlich auch organisatorisch. Also, wo schlage ich im Senegal mein Zelt auf? Wie ist das Wetter im Kongo am Äquator, wenn ich da bin? All diese Dinge. Und sich darauf einfach einzustellen, dass es so eine lange Zeit ist, die dir so viel Unvorhersehbares bringt. Von diesen ganz, ganz konkreten Sachen gebe ich relativ viel ab. Also ich packe erst mal schon von warm bis kalt. Das Gute, was ich wusste, ist halt, okay, es wird tendenziell ziemlich warm, es wird auch mal regnen, aber ich brauche halt zumindest nicht diese ganz, ganz dicken Sachen. Und alles andere, was Wetter und Klima und so angeht, da werde ich mich anpassen. Der Körper passt sich an, ich muss mich schützen vor der Sonne. Das sind schon so Gedanken, die ich hatte, deswegen bin ich von vornherein auch mit einem langen Arm-Shirt losgefahren und hatte dann auch irgendwann so eine Käppi unterm Helm, einfach weil die Sonne so extrem ist. Aber das kommt dann so unterwegs. Ich glaube, dass eher diese Vorbereitung, was ich brauche, sind eben frei sein von Verpflichtungen, also diesen Job zu kündigen, der Familie zu sagen, okay, ich verpasse jetzt hier den Geburtstag, ich bin dann wahrscheinlich da nicht da. Und für mich ist es wichtig, hier so meine Vorbereitung zu treffen, überall Tschüss zu sagen und so. Und aber auch trotzdem den Kontakt zu halten mit meinen Leuten. Also ich habe meiner Oma ganz viele Postkarten geschrieben, weil ich halt irgendwie so das Bedürfnis danach habe. Und diese Verbindung ist mir schon ganz, ganz wichtig nach Hause. Aber eben dann halt nicht zu lange zu warten, bis ich vielleicht dann irgendwie in irgendwas drin stecke, wo ich halt nicht mehr so leicht los kann. Also das ist, glaube ich, schon diese größte Hürde, hier wirklich frei zu sein und dann aufzubrechen. Und alles, was unterwegs passiert, auch so Insekten-Spray und so, Das bekommt man ja da, da bekommt man genau das richtige Spray, was man dann braucht. Das sagst du jetzt. Ja, also klar, ich habe auch meine Reisemedizin mitgenommen, aber am Ende ist es oft dann, dass die Locals in den Krankenhäusern dort halt viel besser wissen, was machen wir bei Malaria zum Beispiel. Und die ganze Medizin gibt es da natürlich. Und wir sind privilegiert und haben das Geld dafür, das dann auch zu kaufen. Also das ist natürlich auch ein Riesenprivileg, sowieso mit dem Pass und einem deutschen Konto unterwegs zu sein. Wir schauen mal ganz kurz auf die Karte, die deine Route auch ein bisschen zeigt. Also mich würde das schon nervös machen. Genau, und die Karte ist auch hier vorne drin. Ich zeige euch ja schon mal, das ist im Buch. Ja, also weil du hast ja, ich habe dir die Frage gestellt, was brauche ich, um das zu schaffen? Und du schreibst auch in einem Kapitel in deinem Buch, wie stellt man sich auf etwas ein, das man noch nicht kennt? Also das war deine erste Afrika-Reise, wirklich die ganze Westküste runter. Und wie hast du dich noch informiert? Also auch in einigen Ländern, da kommen wir auch noch drauf, weil wir dieses Bild auch haben, was erwartet uns da? Da kommen erst mal sehr viele Gefahrenmeldungen innerlich hoch. Wie bist du auch damit umgegangen? Hast du manche Länder besonders gecheckt, vorab organisiert? Kommen wir auch noch dazu, so was wie Nigeria. Da wird dir erst mal jeder sagen, geh doch da bitte nicht hin. Ja, also Nigeria ist das Land mit dem allergrößten Fragezeichen auf dieser Route. Es gibt noch so eine andere Karte, die ich bei meinem Vortrag auch mit zeige, damit man den Unterschied sieht zwischen den einfach Sicherheitslagen der Länder. Denn entlang der Küste, ganz Westafrika ist wirklich super sicher und man fühlt sich auch sehr sicher. Aber in Nigeria ist es schon einfach was anderes. Da ist eine andere politische Lage. Da gibt es verschiedene Terrororganisationen, leider auch Piraten und so. Also da gibt es viel, wo man sich wirklich Gedanken machen muss. Und Nigeria wird auch überflogen von einigen Fahrradreisenden. Aber alle anderen Länder habe ich vorher auch gecheckt und hatte ich so einen grünen Haken innerlich dahinter und habe auch andere Reisende natürlich verfolgt, wie wir wahrscheinlich alle irgendwie andere Reisende verfolgen, dass die das gut geschafft haben. Und in Nigeria durfte ich dann auch in Togo auf dem Weg nach Nigeria quasi schon Leute kennenlernen, die dort leben, in Sierra Leone und in Togo tatsächlich. Und dadurch, dass man dann auch jemanden kennt, baut man so ein bisschen mehr Vertrauen auf und fragt auch nach, okay, wie verhalte ich mich hier, okay, ich schlafe im Hotel, okay, vielleicht fahre ich nicht nach Lagos. Das ist halt, genau, für mich, ich glaube, dass wir Europäerinnen oder wir Deutschen oft die Gefahren so total überschätzen von dem, was irgendwie an Kriminalität in der Welt ist. Die größte Gefahr für alle Fahrradfahrer in Afrika, in Europa und überall sind Autos, das Verkehr. Also die meisten Leute, die ich kenne, leider, die halt sterben, sind in einen Verkehrsunfall gekommen. Das ist ganz, ganz schlimm und schrecklich, aber deswegen meide ich große Städte. Das ist eigentlich auch, was ich jedem raten würde, große Städte zu meiden und da auch immer vorsichtig zu sein und wenn man irgendwie das Gefühl hat, hier gibt es keinen Standstreifen, dann muss man halt manchmal ausweichen und dann fährt man halt über den Sand oder übers Gras. Genau, deswegen, das ist eigentlich die allergrößte Gefahr, genauso auch mit den Krankheiten, die größte Gefahr sind nicht die Löwen, die einen fressen, die größte Gefahr sind die Mücken wegen Malaria und diese Überschätzung von, Gefahren findet, glaube ich, ganz viel statt und gerade bei Afrika und wirklich also in Westafrika, ich habe mich sicherer gefühlt als hier am Bahnhof. Also es ist einfach entspannt. Ich glaube, du hast auch gesagt, dass in Nigeria das Gefährlichste, was dir passiert ist, eine wild gewordene Kuh war, die durchs Dorf gerannt ist. Da hatten aber auch alle Angst. Trotzdem, du hast gesagt, dieser Verkehr, der hat dich, glaube ich, auch zum Teil überrascht. Irgendwelche vierspurigen Straßen, auch in großen Städten, ist was, was wir nicht klassischerweise erwarten. Auf welche Dinge sonst konntest du dich nicht vorbereiten? Also man kann sich doch darauf nicht vorbereiten. Auf was konntest du dich, was hat dich vielleicht auch überrascht? Positiv, also klar, man fährt erst mal durch Marokko und das ist für mich das erste muslimische Land, wo ich mich auch irgendwie, wusste ich auch nicht, wie ich mich darauf verbreiten soll. Da habe ich relativ am Anfang Robby aus England kennengelernt, mit dem es dann zu zweit sehr, sehr entspannt war. Als Robby dann aber weg war. Einmal sehr spontan, weil er einen Mechanical hatte, also konnte er einfach nicht mehr fahren. Die Kette hatte sich verhakt. Der wurde dann mit dem Taxi mitgenommen und auf einmal war ich alleine. Und im ersten Shop wurde ich so ein bisschen angemacht von so jungen Schülern, die da einfach ihre Mittagspause verbracht haben. Es war, glaube ich, gar nichts Dramatisches, aber einfach so ein Kommunikationsmissverständnis. Und auf einmal, ich konnte die Sprache nicht sprechen. Und auf einmal habe ich mich da sehr, sehr unwohl gefühlt. und dann lerne ich halt so, einfach in der Situation, es bringt es halt nichts zu diskutieren. Also hier kann man irgendwie, jeder kann diskutieren. In Marokko hatte ich das Gefühl, es bringt jetzt hier nichts in dem Dorf, den Leuten zu erklären, warum sie jetzt vielleicht nicht Fuck you sagen sollten zu mir. Ich wollte ja nur Brot kaufen. Und das ist einfach ein Missverständnis und ich glaube, die wissen auch gar nicht, was Fuck you heißt vielleicht. Also es war einfach random, random, random und ich habe mich super unwohl gefühlt und habe dann einfach entschieden, ich gehe jetzt, ohne dass ich das irgendwie zu groß mache. Und so lernt man sich halt anzupassen und so nach und nach einfach rauszufinden, okay, am Ende ist es halt, ich bin nicht unsicher, sondern es ist einfach eine Situation, die einfach passieren kann. Und das sind so ganz, ganz kleine Momente, wo man dann halt checkt, okay, krass, ich bin halt jetzt einfach in der Fremde. Ich bin zu Gast, ich kenne deren Sprache nicht und ich sorge hier für irgendwie komische Stimmung, deswegen, ich fahre jetzt einfach weiter. Und klar, dann kommt dieser Haar, also könnte man jetzt die ganze Reise durchgehen, Und die Sahara ist natürlich auch was anderes, weil wenn der Wind von vorne kommt, dann hast du verloren. Dann kommt der einfach stark von vorne und du fährst durch den Sturm, durch den Sandsturm vielleicht. Und das muss man dann halt auch checken vorher mit der App, von welcher Richtung kommt der Wind. Und dann macht man vielleicht mal einen Tag Pause, wenn er von vorne kommt. Und am nächsten Tag fährt man dann mit Rückenwind und fühlt sich wie auf dem E-Bike. Apropos E-Bike, also brauchst du nicht, weil du bist krass trainiert, aber wie hast du dich auch körperlich für diese Reise vorbereitet? Weil ihr habt viele Tage gemacht, wo ihr 100 Kilometer oder auch mal mehr an einem Tag gefahren seid. Genau, zum Teil extreme Bedingungen. Also mal waren es extreme Pfützen, dann war es extremer Wind oder es war Sand, der sich in jede Ritze kämpft. Wie bist du körperlich daran gegangen, um dir das auch nicht nur durchzuhalten, sondern auch dir das gut zumuten zu können? Ich habe vorher schon einfach Triathlon gemacht. Also ich liebe Ausdauersport. Vor Triathlon habe ich Fußball gespielt und habe immer am meisten Spaß gehabt beim Training, als wir da um Platz gelaufen sind, was eigentlich alle doof fanden. Und ich fand das irgendwie immer das Beste. Und dann kam ich halt irgendwie zum Ausdauersport und Bewegung an sich macht mir halt einfach sehr, sehr viel Spaß. Und so ist das auch beim Reisen, dass es mir einfach Spaß macht, auf dem Rad zu sitzen, irgendwie gute Musik zu hören und so in meine Gefühle reinzutreten und einfach so im Autopiloten unterwegs zu sein. Das Körperliche kommt dann einfach davon, dass man jeden Tag unterwegs ist und das liebe ich auch so, dass man da nicht drüber nachdenken muss und dass es immer einen Sinn hat, weil ich will ja irgendwo hin. Und also für mich ist es das Mentale einfach, dass es logisch ist. Es ist nicht nur Mittel zum Zweck, ich will irgendwie den Beachbody oder so, sondern ich will halt einfach irgendwo hinkommen und was sehen. Und davon kriege ich nie genug, deswegen macht das einfach ganz viel Spaß. Und dann ist natürlich wichtig, dass man Pausen macht und gut isst. Also ich esse eigentlich die ganze Zeit, habe da so ein Snackbag und da sind immer irgendwelche Süßigkeiten drin oder auch Käsebrot. Manchmal habe ich so Toast und Käse und dann belege ich mir das so während des Fahrens und kann das so, das ist mega. Und dann ist man so im Einklang mit seinem Körper und man denkt da gar nicht mehr drüber nach. Und so eine Tube Mayo hattest du, glaube ich, auch immer dabei, oder? So eine Tube Mayo, die man so zwischendurch kurz... Naja, ich habe da jetzt nicht. Oh Gott, nee, keine Gerüchte. Mayo war die Soße für die Nudeln, die halt sich ganz gut hält. Ja, praktisch. Mit Thunfisch, ja. Aber nicht unterwegs Mayo, glaube ich. Ja, abends kochen am Feld, genau. Da kommen wir später hin. Ja, wie bereitet man sich körperlich auf so eine Tour vor? Also auch das wollte ich noch mal ein bisschen genauer wissen und habe den Oberarzt der Sportmedizin am Uniklinikum Freiburg gefragt. Wie geht man das denn an, wenn man nicht so trainiert ist und so eine längere Tour schaffen möchte? Stefan Pretin heißt der Mann. Also zunächst muss man mal sagen, dass die Frage, die sich zunächst stellt, die ist, wo komme ich her, was ist mein Hintergrund? Also habe ich vorher viel Sport gemacht, aus welchem Sport komme ich unter Umständen? Habe ich einen Mannschaftssport gemacht, einen Ballsport oder komme ich aus dem Ausdauerbereich? Bin ich es schon gewohnt, längere Einheiten im Ausdauerbereich zu trainieren oder zu fahren? Habe ich eventuell sowas in der Art schon mal in Europa gemacht oder quasi in Bereichen oder in Ländern, in denen die Infrastruktur gut ist? Also das heißt als Radreise oder als Radurlaub. Dann ist die Frage, wie gut kenne ich meinen Körper nämlich. Also Leute, die regelmäßig Sport machen, die unter Umständen aus dem Leistungssport oder aus dem ambitionierten Radsport kommen. Das heißt, die einfach regelmäßig trainieren. Das muss gar nicht wettkampforientiert sein, das muss nicht im Verein oder mit Lizenz sein. Aber die einfach auch höhere Umfänge mal gewohnt sind, die können, denke ich, deutlich schneller quasi die Voraussetzungen erfüllen, die dann so eine Reise möglich machen. Während wenn man quasi von Null anfängt, dann ist das so ähnlich, wie wenn man als Nichtläufer einen Marathon laufen will. Dann empfiehlt es sich definitiv nicht, als erstes großes Ziel den Marathon anzuvisieren, sondern man sollte davor die kleinen Schritte einhalten und erst mal mit kleineren Sachen anfangen und sich dann eben langsam steigern und damit auch seinen Körper kennenlernen. Weil ich glaube, das Wichtigste bei so einer Radtour, die so lange dauert und durch so viele Länder geht, durch so viele Klimazonen fährt, da ist es super, super wichtig, dass man vor allem seinen Körper kennt. Das heißt, man muss nicht ein Hochleistungssportler sein, man muss nicht der Beste sein in seinem Sport oder zu den Top Ten gehören, aber man sollte seinen Körper so gut einschätzen können, dass man weiß, wo seine Grenzen sind. Seine Limits und auch wo die Schwachstellen sind. Das heißt also, wo habe ich das größte Problem damit am Schluss und was könnte mir zum Verhängnis werden, wenn ich so lange unterwegs bin. Ich finde es immer so krass, dass man aus Sport oder wir so schnell aus Sport einen Wettbewerb machen. Also es ist ja direkt so, das Thema Wettbewerb, du musst nicht der Beste sein. Natürlich nicht. Es gibt immer irgendjemanden, der irgendwo drin besser ist. Das finde ich halt voll spannend. Und ich wurde tatsächlich auch gefragt, letztens war ich in einem Podcast von der Jana Käsenheimer, ich weiß nicht, kennt ihr jemand? Kennt ihr? Die fährt so Ultrarennen, die ist wirklich eine der krassesten Frauen im Ultrarennen momentan. Und die macht so einen Ultra-Podcast, auch super cool, super coole Frau, ganz jung, lebt in Innsbruck. Und die hat mich gefragt, warum ist denn da in deinem Buch vorne direkt diese Statistik? Es geht doch gar nicht darum. Und das stimmt, aber trotzdem vergleichen selbst Radreisende, wo es ja um die Reise geht, schnell diese Statistiken. Und ich finde die Frage super, weil, ja, warum vergleichen wir das? Warum kategorisieren wir das gleich ein? Hast du das gar nicht, dass du dich vergleichst mit, ich sage mal, mit Strecke, mit Zahlen, mit Leistung? Ich wünschte, ich hätte das nicht. Also ich habe es auch. Ich komme ja auch aus dem Triathlon-Leistungssport. Und das abzulegen ist echt schwer. Aber deswegen einfach mal loszufahren, sich ein Ziel zu suchen und so, das macht total Sinn. Aber zu oft orientieren wir uns da halt an den anderen. Ja, gar nicht so leichter auszusteigen. Herr Prattin hat jetzt gesagt, man muss den eigenen Körper gut kennen und die eigenen Grenzen. Hast du denn auf deiner Reise neue Grenzen an dir kennengelernt? Also so körperlich, aber vielleicht auch persönliche Grenzen? Für mich war es das allererste Mal auf einer Reise, dass ich, wirklich gedacht habe, ich muss jetzt nach Hause, es geht nicht mehr, ich muss abbrechen. Die Tour durch Kolumbien, damals, da habe ich halt auch oft die Frage bekommen, wie oft hast du ans Aufhören gedacht und ich habe die Frage immer nicht verstanden, weil das war für mich gar nicht, kam gar nicht in Betracht, es ging mir immer gut, ich hatte gar keinen Druck und so und war irgendwie, ja, fünf Jahre noch mal jünger, was auch einfach einen Unterschied macht, glaube ich schon. Und jetzt hatte ich zwei große Tiefpunkte, das war einmal in Liberia, wo es einfach körperlich sehr, sehr anstrengend war, durch den Matsch zu fahren und nicht zu wissen, wie lange dauert das hier noch, weil es einfach so zäh vorwärts ging und so langsam war und so anstrengend war. Und da war aber irgendwie schon das nächste Visa organisiert und die nächsten Länder geplant, dass ich dann auch einfach weitergemacht habe. Und dann im Kongo war es so, dass ich über eine Woche durch so ein sehr abgeholztes Gebiet gefahren, sehr, sehr viele arme Dörfer gesehen, Schulen ohne Wasser, ohne Toiletten. Und es war irgendwie so der Teil von Afrika, den ich nicht sehen wollte und der Teil von mir, den ich nicht sehen wollte. Dieser schwache Teil, der dann einfach nicht mehr konnte. Ich brauchte Privatsphäre, ich brauchte Ruhe, ich brauchte Erholung und die gab es nirgends. Und da hat dann meine Schwester angerufen und gesagt, es geht nicht mehr, du musst jetzt kommen. Ich glaube nicht, dass du dich davon noch erholen kannst. Ich glaube, ihr hattet da auch so eine Nacht, wo ihr wirklich in so einem halb verrotteten Schulhaus übernachtet habt und du da keine Privatsphäre hattest und alle dich irgendwie beobachtet haben, schreiende Kinder um dich rum waren und dann war quasi mal irgendwann bei dir der Ofen aus. Ja, das war so ein kompletter Nervenzusammenbruch, würde ich jetzt sagen, im Nachhinein. Also mir kamen die Tränen und ich konnte nicht aufhören und ich weine eigentlich nicht viel. Aber es war wirklich so ein komplettes Limit. Und damit habe ich gar nicht gerechnet auch. Also ich war im Kongo, können wir die Karte nochmal sehen? Weil ihr wisst ja, wo ich bin. Ja. Ich stehe mal kurz auf. Hier quasi. Also da ist man schon fast am Ziel. Aus der Sicht von Westafrika, weil die ganzen Länder am Äquator sind wegen unserer Mercator-Projektion auf der Karte viel kleiner dargestellt. Also Côte d'Ivoire, das ist Elfenbeinküste. Da, wo auch Fabi, die Fotografin da war, wo Fabi steht. Ich hoffe, ihr könnt es ein bisschen sehen. Das ist auch nicht so krass, die Grenzen, das ist die Größe von Deutschland, das Land Cote d'Ivoire. Das ist dieser kleine, orangene Abschnitt. Und im Kongo bin ich halt schon über 15.000 Kilometer gefahren und da ist auch der Äquator. Das heißt, da waren es dann nur noch 5.000 und Namibia und Südafrika sind relativ einfache Länder und deswegen war da halt einfach wirklich so der letzte harte Abschnitt und dann kam auch noch alles zusammen. So, nur zur Einordnung. Ich weiß nicht, ob das jetzt noch was gebracht hat, aber es ist einfach sehr, sehr weit. Und ich hätte auch am liebsten, das ist ja die Karte aus dem Buch, dass die wirklich die Originalgröße von Afrika, also quasi die Kugel, also das ist einfach länger und größer alles, als man es da sieht. Und das war auch mit eine der größten Herausforderungen, dass es tatsächlich einfach größer ist, als ich es mir vorstellen hätte können. Und länger dauert. Ja, also, ja. Glaube ich dir sofort. Wenn wir über Grenzen sprechen, eigentlich wurden dir ja schon Grenzen aufgezeigt als alleinreisende junge Frau, die nach Afrika reisen will, bevor du überhaupt gestartet bist. Wir gucken mal ein bisschen auf die Kommentare, die du so bekommen hast, als du gesagt hast, ich möchte dann mal los. Also das sind echte Nachrichten, das denken auch manche Leute, dass ich mir das ausgedacht habe. Ich lese dir auch mal ein bisschen vor, für die Leute, die den Podcast später nur nachhören. It's too dangerous. Play it safe and beware the inhabitants, Wiebke. They will get you if you relax. Hast du keine Angst? Wiebke, ich habe Angst um dich. Alles, was unterhalb von Marokko ist. Sounds dangerous as hell. Some West African countries aren't that safe for solo travelers. I admire your courage, but as an expert, I wouldn't recommend traveling alone through West Africa. Das liebe ich auch mit diesem As an Expert. Oder auch gleich dump and dangerous Propaganda. If a woman would really do that, she would get raped and murdered. Ja, was hat das mit dir gemacht? Ich habe das alles gekonnt, ignoriert und meine Angst umgenannt in Respekt. Wenn ich mich immer gefragt habe, hast du keine Angst, habe ich gesagt, ja, ich habe Respekt. Damit es sich einfach nicht so schlimm anhört für mich selber. Aber ich habe das schon gescannt, ich habe das mitbekommen. Und gleichzeitig habe ich mir eben Gegenbeispiele gesucht von Leuten, die vor Ort waren, die da durchgereist sind, die so ein bisschen meine Sicht auf die Welt auch haben. Positivere, optimistischere Sicht einfach und die auch Reiseerfahrung haben. Und der große Unterschied ist auch von Leuten, die dort leben, vielleicht als Expats in Nigeria zum Beispiel, wenn man als Expat irgendwie für eine Botschaft dort arbeitet oder für eine große Firma dort arbeitet, dann hat man krasse, Sicherheitsauflagen, weil die Firma oder dein Arbeitgeber für dich die Verantwortung trägt. Und als Reisender hast du die Sicherheitsauflagen nicht, weil du auch immer von A nach B fährst und dadurch auch nicht irgendwie ein Opfer bist, weil du hast kein Haus, du hast kein Auto, du hast kein, also ich habe ja, also ich habe schon ein Fahrrad, aber das ist auch alles. Und dadurch ist halt immer die Sicht und die Erfahrung von den Leuten, die dort permanent an einem Ort leben, eine ganz andere als von den Leuten, die reisen. Aber ich kann trotzdem verstehen, dass die Leute Angst haben, dass Leute besorgt sind, dass Leute schon die Geschichten, die es gibt, die schlechten, die verbreiten sich natürlich auch viel schneller, als die, schönen Geschichten verbreiten sich auch, aber natürlich sind wir alle viel wacher und vorsichtiger und die Angst beschützt uns ja auch davor, nicht komplett. Lebensmüde Sachen zu tun und für mich hat sich das immer so angefühlt, ich gucke jetzt noch ein Stück weiter und wie ist es da und dann frage ich da, wie es weitergeht und immer so peu a peu und immer mit offenen Augen und Ohren. Also hat es tatsächlich funktioniert, diese Angst, die du ja vielleicht ein bisschen gespürt hast, in Respekt umzumünzen, Also weil Angst kann man ja schon auch, wenn ich mir eine Doku von dir angeschaut habe, da warst du nur Richtung Nordkap unterwegs und hast so dein Zelt abends irgendwo am Straßenrand so ein bisschen in der Pampa aufgebaut und hast dich dann da so alleine reingelegt. Und ich habe mir so gedacht, ja, weiß nicht. Weiß nicht, ob ich so cool wäre. Ey, Norwegen ist perfekt dafür. Okay, das war Norwegen. Aber trotzdem, du hast es überall gemacht. Wovor haben wir eigentlich Angst beim Wildzelten in Europa? Also ernst gemeinte Frage. Weil ich glaube, die größte Angst ist, dass jemand kommt und uns anmacht. Ey, das darfst du nicht. Ich rufe die Polizei. In Deutschland, ja. Also das ist, glaube ich, die größte Angst. Und in Norwegen ist es ja erlaubt. In Norwegen darf man wildzelten. Und das ist so schön, das ist so schön, um das einfach auszuprobieren. Ich habe auch irgendwo mal gelesen, ja, es ist verboten in Deutschland, weil Wildcampen, da zahlt man halt keine Steuern. Deswegen verbieten wir das, weil das bringt uns nicht vorwärts so ungefähr. Und da ist schon was dran irgendwie, dass das verboten wird, was eigentlich so natürlich ist, was eigentlich so ein Grundrecht sein sollte, dass wir einfach mal draußen übernachten. Also wer mit dem Auto unterwegs ist und nicht mehr fahrtüchtig ist, darf parken und schlafen, damit die Fahrtüchtigkeit wieder hergestellt wird. Mit dem Fahrrad ist das irgendwie, also finde ich, sollte man das auch machen dürfen. Und bei mir ist das halt regelmäßig der Fall. und dann, ja. Also ich finde, dass man sich das so ein bisschen wieder erlernt, dass das gar nichts Schlimmes ist, dass da keiner auf uns im Wald wartet, dass wir da irgendwie abends hinkommen und zählen. Das ist halt wirklich wieder so eine komplette Überschätzung von, was passiert eigentlich, ja. Wenn du sagst Respekt, also es haben ja durchaus auch, das sind jetzt natürlich negative Kommentare, aber. Überwiegend tun ja durchaus die positiven Kommentare und wirklich die Leute, die du inspirierst und deine Reise oder im Laufe deiner Reise schon ziemlich zum Anfang hast du auch eine mega Follower-Base aufgebaut. Also allein auf Instagram sind es irgendwie 270.000 Follower, die dich und dein Tun und deine Reise verfolgen. Ich nehme mal an, das ist nicht nur die FahrradfahrerInnen-Bubble. Was bedeutet dir denn auch diese Sichtbarkeit? Also die Sichtbarkeit auch gerade als Frau, wie hier oft assoziiert wird, das zu tun, selbstständig alleine unterwegs zu sein und das auch zu zeigen, dass es geht und wie es geht. Finde ich auch sehr, sehr schön. Also es ist für mich ein Privileg, dass ich das zeigen darf, dass ich das teilen darf, immer wieder auch. Und dass ich dadurch ein Vorbild sein kann für andere Frauen vor allem oder auch einfach Menschen, die sich vielleicht nicht mit der Weltrekord-Elite vergleichen, sondern einfach mal die Welt sehen wollen und vielleicht auch ein bisschen weniger Leistungsdruck dahinter. Also keine Rennen, sondern halt eben Reisen. Und das finde ich sehr, sehr schön. Und deswegen, es war schon auch eine bewusste Entscheidung, dann irgendwann, weiß ich nicht, das ist auch jetzt schon sechs Jahre her oder so, das Instagram-Profil öffentlich zu machen, einfach weil ich selber nach diesen Geschichten gesucht habe. Weil ich selber nach Frauen gesucht habe, die in ferne Länder reisen, die weite Strecken mit dem Fahrrad fahren und es irgendwie auf ihre Art auch erzählen. Weil ich finde, das ist auch einfach die Art und Weise, wie man etwas erzählt. Und mir macht das Fotografieren und Schreiben auch total viel Spaß. Und dann habe ich das so kombiniert und irgendwie gemerkt, ach, ist ja cool. Und ich bekomme so viel zurück, weil mich haben auch unterwegs auf dieser Tour oft Leute eingeladen, die dann durch Zufall meine Videos gesehen haben und dachten, ach Mensch, die fährt hier bei uns vorbei, ist ja cool, wir schreiben der mal. Und so war ich halt bei der einen oder anderen Familie auch zu Hause. Also man bekommt ja auch super viel zurück und das ist halt wunderschön. Also die Leute inspirieren mich auch total viel und das ist dann so ein Austausch. Und das macht es schon aus. Also ja. Ja, und dir sind, glaube ich, auch noch andere Stereotype begegnet. Hast du mal erzählt, dass es eben auch andere Bikepacker, braucht man nicht zu gendern, in dem Fall, gibt, also vorwiegend Männer, die zum Beispiel auch dir dann sowas sagen wie, ja, möchtest du nicht mal an Familienplanung denken, statt hier durch Afrika zu radeln? Was begegnet dir da noch so an Stereotyp oder musst du dich wirklich noch erklären für diese Lebensart? Man ist ja immer wieder überrascht, von wem das so kommt. Es war halt auch ein anderer sehr berühmter Bikepacker, der mich echt davor bei so einem Sponsoring-Event gefragt hat, wie es denn aussieht mit meiner Familienplanung. Und ich so, du bist sechs Jahre älter, machst das Gleiche wie ich und hast auch keine Kinder und keine Frau. Where is the problem? Was ich das jetzt hier erklären muss und das hat er aber auch gecheckt, also muss man auch sagen, er hat es dann verstanden. Und ich, genau, ich mache das dann einfach. Und generell ist die Community da auch schon total cool und es ist halt einfach super, in dieser Community zu sein, mit anderen sich da auszutauschen und auch andere immer wieder kennenzulernen. Die coolsten sind oft die, die nicht auf Instagram sind, muss man sagen. Die einfach ihr Ding machen in irgendwelchen Crocs und keine Ahnung, so ein bisschen das Rad von einem Urgroßvater irgendwie und einfach drauf los. Wo trifft man die dann so? Einfach auf der Straße. Auch wenn ich nicht unterwegs bin, aber Leute sehe, deswegen kann ich euch sehr empfehlen, und ihr seht, die sehen ein bisschen abgeloddert aus, die haben so ganz viele Taschen und irgendwie keinen Plan, wo sie jetzt übernachten sollen, sprecht sie an und ladet sie ein, nach Hause mitzukommen und was zu essen oder vielleicht sogar im Garten zu zelten oder so. Das ist immer ein total toller Austausch, habe ich auch schon gemacht. Also es ist ganz witzig und die sind super überrascht, dass das in Europa auch passieren kann. Ja, das ist ein sehr schöner Hinweis. Du hast auch schon in vielen Gärten, glaube ich, gezeltet. Ja, manchmal, genau. Also in Europa ist es natürlich auch cool, in Frankreich ganz viel. Einfach angeklopft und gefragt, ist hier im Garten noch was frei? Sehr cool. Könntest du, glaube ich, hier in Freiburg auch ganz gut unterkommen. Ja. Dann gibt es da auch Warm Showers. Ich weiß nicht, ob da auch jemand, kennt ihr vielleicht, das ist so eine Art Couchsurfing für Radreisende. Da bekommt man dann eine warme Dusche. Sehr wertvoll, ja. Ja, definitiv. Ja, wir schauen mal ganz kurz rein. Also Stereotype hin oder her, du bist dann auf jeden Fall losgefahren. Und wir gucken mal ganz kurz in den Trailer rein von deinem Film, der bald in die Kinos kommt. Einfach um so einen Mini-Eindruck mal zu haben, was da so los war auf dieser Reise. Ich glaube, ich habe am meisten Angst im Moment davor, dass ich irgendwann sehr einsam. Von Germany? Ja. Du hast dieses Bike? Ja. Nein. Von Germany zu diesem Bike? Ich bin ein. Ich bin ein. Ich bin ein. Dust mal, dust mal, dust mal. Ich merke, dass ich Afrika als Kontinent einfach voll unterschätzt hab. Fucking hardest birthday of my life. Weinend eingeschlafen, weinend aufgewacht. Ja, den würde ich euch am liebsten jetzt schon zeigen, den Film, der ist so cool geworden. Wann geht es los mit der Film-Tour? 12. März in Hamburg. Wir haben zehn Premieren-Stops quasi, die wir auch, also es ist ein komplett. Selbstorganisierter Film, also so ein Indie-Projekt von einer sehr guten Freundin von mir und noch zwei Freunden. Und es ist alles self-made und wir haben jetzt so diese Kino-Tour geplant. Die ersten zehn. In Karlsruhe gibt es noch Plätze, also alles ausverkauft außer Karlsruhe. Genau, und dann sind wir auch im 26. März in Freiburg und danach läuft es dann hoffentlich im normalen Kinoprogramm, wenn uns die Kinos dann wollen. Aber ja. Hol uns doch nochmal ganz kurz ab, die Szenen, die jetzt so angerissen worden sind. Wir haben es ja vorhin über Grenzmomente gehabt. Also ich glaube definitiv, wenn man durch so eine metertiefe Pfütze radelt, ist er erreicht. Was war da noch so zu sehen? Ich glaube, das eine war vielleicht ein Bürgermeister. Vielleicht kannst du so ein bisschen erklären, was ich da so reingeschrieben habe. Oder war es ein Bürgermeister, aber ihr hattet auf jeden Fall mal so eine kleine Sitzung mit einem Chief, als vielleicht dir was abhandengekommen war? Nee, das war einfach nur zum Organisieren, wo wir dann da übernachten in dem Dorf. Also ich war mit dem Franzosen Julien unterwegs und wir haben oft dann bei den Dorfältesten gefragt, wo wir übernachten können. und oft haben wir dann schon Vorschläge gemacht, dass wir gerne in die Schule gehen, weil das ist halt überdacht und meistens nichts los nachts und so. Und dann war der aber sehr besorgt und hat uns dann vor seinem Haus platziert, aber hat erstmal alle unsere Daten aufgenommen und so und uns erstmal eingecheckt quasi. Und alle waren dabei. Aber genau. Und durch Liberia zu fahren, war halt einfach für mich so, ja, Regenzeit und das ging nicht vorwärts. Mein Rad war damals noch viel zu schwer. Ich hatte da noch so zwei große Packtaschen. Ich hatte da schon noch so eine Kamera dabei und einen Laptop irgendwie und viel zu viel, was ich alles nach und nach auch nach Hause geschickt habe. Und je leichter ich wurde und ja, desto mehr Erfahrung ich hatte, desto leichter wurde es halt auch einfach. Genau. Und an deinem Geburtstag, der fucking hardest birthday of my life, der war, glaube ich, auch dort und ihr wurdet von, da war eine junge Frau, die euch, glaube ich, auch aufgenommen hat, Vera. Und generell erzählst du immer wieder bei solchen Schmerzpunkten, sage ich mal, dass es immer eine kleine Rettung gab, zum Beispiel in Form von einer Person oder einer Verbindung. Also was war in so einem Moment eine Rettung? Was hält einen da, was hält einen da wirklich am Laufen und am Leben? Ja, das habe ich ja auch vorher im Trailer jetzt kurz gesagt, dass die größte Angst war, dass ich irgendwann sehr einsam bin. Und vielleicht ist das auch so ein Thema einfach bei mir, weil ich halt immer mit so einer krassen Zwillings-Connection, also auch wenn ich weit weg war, hatte ich immer so diese Connection. Aber nach einer gewissen Zeit ist die Angst trotzdem da, dass ich mich auch mal wieder vor Ort connecten will. Und da waren es oft Frauen, die wie Schwestern für mich waren, auch wenn es nur ein Tag war. Aber die mich sehr aufgenommen haben und mir in die Augen geschaut haben und gefragt haben, wie geht es dir? Und dadurch habe ich mich sehr schnell connected gefühlt. Und ich war mir nicht sicher vorher, ob diese Connection einfach entsteht, weil ich ja doch aus einer ganz anderen Welt komme. Und unterm Strich ist es halt einfach diese menschliche Begegnung, die immer da ist und die ohne Sprache funktioniert und das zu spüren und es ist auch unabhängig von Hautfarbe, es ist unser eigener oder war auch mein eigener Rassismus, dass ich dachte, vielleicht klappt das irgendwie nicht, aber es klappt überall und es war halt, ja, unterm Strich sind es halt diese Begegnungen, die wir haben, die wir haben. Die ich sehr ins Herz geschlossen habe und die mich da auch irgendwie dann, wo ich wieder ein bisschen mehr Mut fassen konnte, es geht schon weiter. Ja, aber du wirst oft nach Highlights von dieser Reise gefragt. Also es ist wahnsinnig schwierig, Highlights der Reise sozusagen in Bildern zu zeigen. Also ich habe rausgelesen, dass es die Verbindung mit Menschen waren, aber vielleicht auch sowas wie durch die Sahara zu radeln oder wilde Tiere. Also was sind deine Top-Highlights? Die Sahara ist auf jeden Fall ein Highlight. Es ist tatsächlich eine der bestzufahrensten Strecken auf dieser ganzen Tour, weil es ziemlich flach ist und sehr guter Asphalt und wie gesagt, wenn man mit dem Wind geht, auch eine Riesenunterstützung. Und landschaftlich ist generell für mich Wüste was sehr, sehr Bezauberndes, weil so viel Weite wirkt so beruhigend auf System, auf einen selber. Man hat so den Überblick, man hat den endlosen Horizont. Und das ist für mich einfach mit auch eine der schönsten Erfahrungen, weil wir das auch hier so wenig haben. Ja, und genau. Und man muss auch gleichzeitig sagen, dass gerade die Tiefpunkte, die sind, die einen auch weiterbringen. Weil nur wenn ich wirklich diese Grenzerfahrung habe, checke ich eigentlich, was heißt Komfort und Privatsphäre zu haben und meine Leute um mich herum zu haben und zu wissen, da kommt Wasser aus dem Wasserhahn und da kommt Strom aus der Steckdose und so. Das sind natürlich alles Sachen, die sind so selbstverständlich. Und ich bin jetzt auch schon wieder komplett gewöhnt an den ganzen Luxus. Heute ist die Glühbirne im Kühlschrank kaputt gegangen. So, shit. Oh nein. Aber ja, das ist so dann mein größtes Problem. Und unterwegs ist man halt dankbar über jede freundliche Begegnung und dadurch kommt man so zurück aufs Wesentliche und es sind halt oft die echten Bedürfnisse wirklich mal zu spüren und zu checken, um was geht es hier eigentlich. Das war mit auch dann umgekehrt ein Highlight eigentlich, da durchzukommen. Ja, also eigentlich was Inneres. Ja, genau das mit den Tieren hast du jetzt auch angesprochen und das ist auch oft was, was Leute dann ein bisschen erwarten, so eine Tierdoku. Aber wir haben erst ab Namibia wirklich wilde Tiere gesehen. In Westafrika gibt es einfach nur noch sehr, sehr wenige, die oft in den Nationalparks, die nicht auf dem Weg lagen und dadurch, also Afrika ist nicht das Bilderbuch Afrika, was wir alle so aus den Kinderbüchern kennen. Leider mehr auch, aber es ist natürlich auch dafür an ganz, ganz vielen Stellen auch viel entwickelter, als wir es denken. Aber ja, es ist halt einfach viel diverser und größer und oft sind diese Safaris und so das, was man halt kennt, aber es ist halt nicht überall Safari, also es ist ja logisch. Genauso wie hier nicht überall Schwarzwälder Kirschtorte ist und Bier getrunken wird. Also keine Ahnung, ja, in meiner Bubble. Eine ganz enge Verbindung, die dich durch die Reise getragen hat, war natürlich auch die zu deinem Fahrrad. Deswegen gehen wir es uns gerne mal anschauen und ein bisschen auspacken. Ich habe gehört, du hast seitdem du 14 bist nicht mehr gezeltet. Ja, das ist korrekt. Ja, und das war am Schluss. War das am Schluss? Das war am Schluss, ja. Ja, aber auch schön. Und ohne Fahrrad. Meine Mutter hat mich hingebracht und abgeholt. Und ich glaube, ich habe nicht mal das Zelt selber aufgebaut. Oh, das holen wir jetzt gleich nach. Ja, ich würde sagen, du kannst das mal rausholen. Ja, aber bevor wir jetzt hier auspacken, das sieht ja alles so mega top gepackt aus und normalerweise würde da ja auch noch mehr dran hängen, noch Taschen vorne. Ich habe die zwei Taschen mit Snacks mal zu Hause gelassen. Da sind so zwei große Packtaschen noch mit so einem Gepäckträger. Die habe ich heute nicht dabei, aber das Zelt und die Isomatte und den Schlafsack, du kannst es dir ganz bequem machen. Ja, mache ich gerne. Und ich habe mich auch gefragt, wie viel Flexibilität sieht es noch vor? Also wir können gerne mal testen, wenn jemand möchte aus dem Publikum, wenn uns jemand ein Pullover oder eine Trinkflasche zustecken will, ob wir das noch da reinkriegen. Möchte uns jemand was rübergeben? Möchte jemand oder darf auch ein Lippenstift sein? Das ist ein bisschen einfacher. Ja. Da. Ja, super. Danke sehr. Super. Ganz schön warm hier drin. Also wir haben jetzt mehrere Optionen natürlich. Also wenn das jetzt zum Beispiel meine Regenjacke wäre, dann stopfe ich die gerne hier vorne mit rein, weil da komme ich dann unterwegs schneller dran. Also ich mache es jetzt auf der seite ich hoffe das ist okay aber ihr seht ja so ein bisschen von weil also hier ist jetzt nur das zelt drin normalerweise ist da halt eine regenjacke oder so noch und die verschwindet halt relativ schnell das ist ja auch alles immer sehr luftdicht wolltest du das eigentlich mal unglaublich nein alles fein macht du mach mach du mal wir bauen gleich ein zelt auf das wird mich schon genug kosten genau sie geht noch was rein hat noch jemand was? Sollen wir noch was ausprobieren? Da kramt noch jemand was raus. Das ist aber eine schöne Jacke. Da ist noch ein Handy drin. Ja. Ach, praktisch. Also weil so viel Flexibilität sehe ich da jetzt nicht mehr. Also diese kleinen Sachen, die würde ich normalerweise hier so hinstecken. Das ist zum Beispiel mein Handy. Das ziehe ich dann immer so raus, wenn ich irgendwas Cooles sehe, was ich fotografieren will. Und natürlich passt jetzt hier auch noch mal auf der anderen Seite bis zum Anschlag, kann man hier natürlich voll machen oder ich mache jetzt mal hier hinten auf. Findet ihr es spannend? Ich mach mal kurz Lärm, wenn ihr es spannend findet. Wie viel Wasser ist an dem Fahrrad so dran, wenn du fährst? Ja, genau, wenn ich jetzt hier so unterwegs bin, dann ist natürlich Wasser auch immer viel Gewicht. Deswegen habe ich nur diese zwei Flaschen. Wenn ich jetzt längere Strecken durch Namibia oder so gefahren bin, dann habe ich hier noch zwei, eineinhalb Liter, so dass ich insgesamt auf sechs liter komme und wenn es dann noch irgendwie mit einer übernachtung ohne nachfüllbedarf geht dann habe ich mir auch noch auf dem rücken also ich habe immer so einen kleinen mini rucksack dabei den ich dann noch auf dem rücken quasi spanne genau okay und dann einfach drehen und zu zippen was er hinten zu und dann machst du den wieder Nein, den muss einmal hier oben so zusammen. Ich muss ja richtig ein bisschen, das ist das Krafttraining. Also Ausdauertraining hat man ja eh und das ist dann das Krafttraining. So, dann holen wir das auch gleich wieder raus, nicht, dass wir es vergessen. Ja, ihr kriegt die Sachen auch wieder zurück. Ja, aber okay. Und was hast du dabei? Essen hast du noch dabei? Und wenn wir jetzt mal davon ausgehen, diese Birkenstock übrigens, wunderschön. Die sehen wirklich sehr, die haben viel erlebt. Und wenn wir jetzt hier mal so ein Nachtlager aufbauen, was brauchst du alles? Genau. Dein Zelt. Ja. Geben wir es wieder zurück. Das kannst du mal rausholen, das Zelt. Danke auch. Das ist bei der Tasche tatsächlich ein bisschen praktisch. Pass auf, hier kannst du die ganze Tasche rausholen. So, jetzt kommt das Zelt rausgepurzelt. Das ist das Zelt. Okay, wir müssen hier ein bisschen in die Mitte gehen, damit man das auch gut sehen kann. Jetzt hier noch die Jacke mit den Wertsachen. Es ist ja auch keine Zaubershow, ist das alles noch drin? Das wäre krass, ne? Okay, ich mache einfach mal das Zelt aufbauen für Dummies und du sagst, wie es geht. Das ist easy. Also pass auf, das ist das Innenzelt. Wir haben uns geeinigt, wir machen nur Innenzelt, weil hier regnet es nicht. Ja, das lassen wir drin. Und Heringe lassen wir auch. Genau. Das Beste an dem Zelt ist, dass es ein Standalone-Zelt ist, das heißt es steht ohne, dass man Heringe in den Boden machen muss und deswegen ist es sehr praktisch, weil du es auch in einem Hotel aufbauen kannst, weil in den Hotels auch oft Mücken sind und du willst halt auf keinen Fall gestochen werden wegen der Malaria. Es müssten zwei sein und deswegen habe ich das Zelt eigentlich jeden Tag aufgebaut, weil, ja, einfach um den Mückenschutz zu haben. Das eins. Und auch nur das Innenzelt, damit genug Luft durchkommt. Super. Wir haben das nicht geübt, das ist jetzt. Ne, das haben wir auch vorhin erst überlegt, dass wir hier mal das echt nachstellen möchten. Lisa musste mich überreden, dass wir das jetzt wirklich machen. Du kannst das da mal auf der Seite reinstecken. Genau, ich halte es auf der Seite in das kleine Loch. Ja, super. Also, weil ich möchte schon gerne einmal in diesem Zelt sitzen, wenn schon nicht irgendwie im Senegal, dann wenigstens hier. Ich sehe jetzt auch kein Problem, das im Senegal einfach dann das zweite Mal zu wiederholen. Stimmt, das ist tatsächlich das einzige afrikanische Land, in dem ich schon war. Aber ohne Zelt wiederum. Das war nur der Schluchsee nach wie vor. Ja, ich leise dir auch. Brauchst du dir ganz kaum. Darauf komme ich zurück. Und mit dem Fahrrad, also was sind sonst so die Besonderheiten? Ich weiß, du hast keinen einzigen Platten gehabt tatsächlich in 14 Monaten. Also was macht dieses Fahrrad nochmal so besonders? Du fährst dann mit so 35 Kilo durch die Gegend. Ich glaube, das macht, warte mal, ach so, stopp, sorry. Das ist Tyblis, das heißt, da ist eine Dichtmilch drin und kein Schlauch. Und diese Dichtmilch ist wie beim Auto quasi, dass wenn ein kleines Loch drin ist, dichtet die Milch automatisch ab und du kannst einfach den Dorn rausziehen. Es ist nur wichtig, dass da immer genug Milch drin ist, dass man da mal nachkippt zwischendurch und dass man auch die Mäntel mal ab und zu erneuert. Easy peasy. Yes. Fühl dich wie zu Hause. Okay, cool. Also das ist jetzt das Nachtlager für heute. Was brauchen wir sonst noch? Wo komme ich denn da rein? Oh, da ist noch ein toter Käfer drin. Oh ja, krass. Ich habe mich gerade gewundert, was hier diese Flecken sind. Das ist ein Stinkwanze. Oh Gott. Ja, das ist jetzt richtig original. Ich bin mal zu den harmloseren Tieren, die dir wahrscheinlich begegnet sind. Ich teste mal. Wow, das ist super geräumig. Ja. Da kann man eigentlich zu zweit drin schlafen. Ja, das ist ein Zwei-Personen-Zelt. Oh, hier ist auch noch irgendwas. Ja. Bin ich auch nicht so Fan, muss ich sagen. Und siehst du die Wäscheleine? Hat sogar Wäscheleine integriert. Ah, Wahnsinn! Man kann hier drin quasi Wäsche aufhängen und trocknen. Genau, hier ist so eine komplette Leine gespannt. Und du hast hier noch so Taschen für Telefon oder Lampe oder irgendwelche Sachen. Also sowas hatte ich mit 14 am Schluchsee nicht. Cool vielen dank applaus für unser zelt applaus für dich danke für das intro wir müssen das bisschen nach hinten schieben damit es nicht hier die wand reflektiert ja geht tatsächlich ratzfatz und dann wenn du irgendwo nächtigen willst ist noch kochen angesagt und ein bisschen so eine Bodenmatte oder sowas hast du, oder? Genau, ich habe so einen Oldschool-Kocher, das ist so ohne Gas. Ohne Gas, da kommt nur ein bisschen Alkohol rein, hochprozentiger, also so 90 oder 99 Prozent, glaube ich. Das wird dann so hier unten reingekippt und aufgedreht und dann kann man sogar so ein bisschen die Flamme regulieren, indem man dieses Plättchen so hin und her schiebt ja das ist perfekt also das kann man auch zu zweit sehr gut mit kochen. Das ist eigentlich schon alles ja das heißt du bist innerhalb von zehn minuten ready um irgendwo die nacht zu verbringen das ist mit dem alkohol das ist super weil das ist geräuschlos das verbrennt ja einfach das heißt rangier das modell wenn das jemand nachgucken will und diese Gas-Dinger machen ja auch immer so Lärm. Ja, stimmt. Deswegen ist es echt eine sehr entspannte Methode, es dauert halt ein bisschen länger. Aber genau, es geht eigentlich auch alles relativ schnell. In der Zwischenzeit baut man dann das Zelt auf oder noch die Isomatte und wenn man Wasser hat, wäscht man dann noch einmal alles durch mit der Hand. Was du vielleicht noch erklären musst, ist dieser Bambusstock. Der ist nämlich aus Kamerun. Genau, den habe ich in Kamerun erst aufgegabelt, aber das hat mein Leben verändert, weil mein Fahrrad hat keinen Ständer. Und damit kann man überall parken. Wenn man die Bremse blockiert, kann man das einfach so hinstellen. Man klemmt es hier so ein, jetzt hat es einen Ständer, hier diesen anderen. Deswegen ist es nur Deko, aber es ist super praktisch. Und die ersten Touren, die ich dann, als ich wieder da war, in Europa gemacht habe, konnte ich auch nicht ohne machen. Bis ich festgestellt habe, hier sind ja überall Bäume. Ich brauche ja gar keinen Ständer mehr. Du hast ihn immer noch dabei, oder? Du bist heute hier mit diesem kamerunischen Bambusstab marschiert. Ich finde, es ist halt so ein bisschen das Signature-Afrika-Ding, ein Accessory quasi, was nicht modern ist an dem Fahrrad. Aber genau, das ist auch schon der Nachfolger von dem Afrika-Fahrrad, weil das Afrika-Fahrrad tatsächlich gerade in der Werkstatt ist. Aber das funktioniert auch noch. Ja, also tatsächlich kriegt man so eine Idee von Freiheit oder was das vielleicht irgendwie für dich bedeuten kann. Oder woran machst du Freiheit fest? Ja, ich finde es die größte Freiheit, dass man einfach alles einpacken kann, zusammenwickeln kann und dann losfährt und dann unterwegs schaut, was brauche ich noch, was fehlt mir oder was brauche ich, um weit zu fahren. Und das ist relativ simpel und es reduziert sich dann aufs Wesentliche, wie gesagt. Also das ist für mich schon eine ziemliche Freiheit. Und wenn wir jetzt in Europa noch überall wild zelten könnten, wäre das noch besser. Aber ja, kommt vielleicht noch und muss Freiheit so spartanisch sein für dich? Also ist oder kann man das quasi auch? Hast du es auch geschafft? Davon was quasi als Haltung ein bisschen mitzunehmen. Wenn du jetzt auch sagst, du hast jetzt wieder Licht im Kühlschrank, meistens, hast du davon irgendwie ein Gefühl mitgenommen, dass du auch quasi, dass du diese Freiheit auch hier spürst, ohne dass du in zehn Minuten ready bist, deinen Ort zu wechseln? Ich glaube, da geht es für mich klar um den Gedanken Freiheit, also dieses Bewusstsein von ich kann überall hingehen, aber auch um das Thema Zufriedenheit. Und das ist, glaube ich, was, was viele denken, dass wir uns das so erarbeiten müssen. Ich muss jetzt bis nach Kapstadt fahren, was sie auch meinte mit Selbstwirksamkeit, die Psychologin, dass du das Ziel erreichen musst, um dann zufrieden zu sein. Oder du musst halt nur lange genug irgendwie in einem Job sein oder keine Ahnung was. Und als ich in Kapstadt angekommen bin, war es eher so das Gefühl, wirklich, ich habe das Ziel erreicht, das ist schön, aber wie jeden anderen Tag kommt die Zufriedenheit aus mir selber und nicht davon, dass ich irgendwas Krasses leiste. Und das musste ich, glaube ich, auch einmal erleben, dass es nicht nur um Leistung geht. Wie gesagt, auch bei diesem Sport, da springe ich schon fast drauf an, weil ich glaube, dass wir uns ja oft erst denken, wir müssen uns beweisen, damit wir was wert sind. Und das ist, glaube ich, so eine der größten Erkenntnisse, weil es ja jeder Tag ist so voller wunderschöner Momente und es geht nicht darum. Wie krass wir sind, sondern eigentlich so zufrieden zu sein mit dem, was wir haben. Ist mir kurz ein Bedürfnis, da aufzuräumen? Ist das okay? Ja, natürlich. Ja, weißt du, was ich meine? Ja, alles gut. Das können wir ja gleich machen. Das kann hier bleiben. Ja, ich räume das mal hier zusammen. Und da ist auch noch auf jeden Fall Dreck am Fahrrad dran. Ja, das hätte ich noch mal putzen können. Diese Schuhe vielleicht auch noch mal ganz kurz, konnte man auch in Afrika neu besohlen lassen. Das ist großartig. Also die Investition hat sich auch gelohnt. Ja, das war der Hammer. Ich war dann auch wieder so zwei Zentimeter größer. Ich habe mal abgebürstet mit der Haarbürste, hast du erzählt. Ich habe mal probiert, diesen festgewordenen Matsch und Sand mit meiner Bürste zu entfernen aus den Schuhen. Aber dann ist die Bürste einfach, also die Bürste hat nachgegeben zuerst, das ist drin geblieben. Hat nicht funktioniert. Gibt es Fragen zum Fahrrad oder willst du es später machen? Wenn jemand Fragen zum Fahrrad hat, gerne. Wo wir noch so stehen. Ich hatte einen Schloss für dieses Fahrrad. Soll ich eine Story spoilern aus dem Film? Also ich hatte ein Schloss, so ein richtig fettes, wie heißt denn das, so ein Fallschloss, so voll schwer, das war hier unten dran, völlige Platzverschwendung. Ich habe in der Sahara die erste Nacht hinter so einem Restaurant, okay, ich lasse es jetzt einfach so, hinter so einem Restaurant gezeltet, Die erste Nacht quasi, wo ich nicht so weit gekommen bin, wie ich dachte. Und habe das Fahrrad mit dem fetten Schloss abgeschlossen und an die Wand gestellt. Weil wenn ich halt schon dabei habe, dann kann ich es ja auch abschließen. Auch wenn ich dachte, da kommt ja eh keiner vorbei. Und am nächsten Morgen stehe ich auf und krabbel aus dem Zelt noch vor Sonnenaufgang. Und dann war das Fahrrad weg. Und ich habe wirklich Panik bekommen. Ich habe das nicht gedacht, dass mich das doch so schockt. Aber es hat mich mega geschockt, weil ich dachte so, was mache ich jetzt, fliege ich nach Hause, ich muss irgendwie meine Eltern anrufen, ich komme zurück, weil mein Fahrrad ist nicht mehr da und dann hat es nach zehn Minuten hysterischem Rumschreien und Rumlaufen hat das den Nachtwächter geweckt, der mein Fahrrad für die Nacht untergestellt hat. Und halt mit Schloss weggetragen hat, als ich schon im Bett war. Total süß eigentlich. Ja, und dann habe ich entschlossen, das mit dem Schloss ist Quatsch. Weil, ja, es gibt auch eh nichts, wo ich es dran schließen kann. Und dann macht es auch keinen Sinn. Und es war einfach viel zu schwer. Und alle anderen Reisenden haben mir auch empfohlen, du brauchst kein Schloss. Und oft gibt es halt so Security-Personal in Hotels und so. Das ist halt alles. Oder ihr habt es mit ins Hotelzimmer auch genommen. Auf ganz vielen Bildern von dir sieht man das Fahrrad auch im Hotelzimmer stehen. Ja, und man wird wach, wenn jemand kommt nachts. Also ich bin einmal wach geworden von so einem Jäger, der unterwegs war. Und der hat sich mehr erschrocken als ich, dass da jemand auf seinem Land zeltet. Also kommt halt auch nicht oft vor. Ja, also das Fahrrad war immer safe, du auch. Du hast aber trotzdem gerade im Trailer gesagt, dass du irgendwie Afrika als Kontinent total unterschätzt hast. Ja, genau. Was waren denn so Momente, die man vielleicht erst spüren kann oder verstehen kann, wenn man dort wirklich vor Ort ist? Also solche Orte wie auch Cape Coast Castle in Ghana, also wirklich eine Sklavenburg, sagt man, also ein Ort, von dem einfach Sklaven verschifft worden sind. Oder auch sowas wie die Regenwaldrodung jenseits vom Äquator, wo kein Naturschutzgebiet mehr ausgewiesen ist im Kongo und einfach Kahlschlag ist. Also was waren diese Momente, wo du vielleicht auch desillusioniert warst oder wo du gesagt hast, das kann man jetzt wirklich erst hier verstehen? Ja, also ich musste tatsächlich halt sehr, sehr weit fahren bis Ghana. Das waren, wie viele Kilometer waren das auch so, keine Ahnung, 8000 oder so. Also sehr weit, bis ich die erste Sklavenburg gesehen habe. Und insgesamt wurden Millionen Menschen über drei Jahrhunderte lang aus Westafrika verschifft und versklavt und entmenschlicht. Und es ist einfach so ein großer Teil auch der afrikanischen Geschichte. Und das erst dann in Ghana sehr spät zu sehen, war für mich irgendwie wie das letzte Puzzleteil, oder nicht das letzte, aber halt ein wichtiges Puzzleteil, um Geschichte auch wirklich so an einem Ort zu sehen, Diese maroden Mauern, diese mit festem Schlamm, die Böden, die einfach noch original sind, wo einfach ganz, ganz viel Schreckliches drauf passiert ist, das zu sehen und zu spüren, hat auf jeden Fall sehr viel mit mir gemacht und diese Burgen sind in Ghana alle zehn Kilometer auch erhalten. Das zu sehen und gleichzeitig aber auch das nicht als abgeschlossener Teil der Geschichte zu verstehen, sondern auch als was, was sich bis in die Gegenwart fortsetzt. Den Tool-Mädchen in Ghana werden die Haare abrasiert, weil man das halt früher zu Kolonialzeiten so gemacht hat. Das ist immer noch so. Oft sind die Währungen noch die alten Kolonialwährungen, beziehungsweise leicht umgenannt, aber es erinnert halt alles noch an diese Kolonialzeit und es ist auch noch gekoppelt an den Euro oder halt damals an den Fonds. Und es überträgt sich halt alles. Und diese Abhängigkeiten von den afrikanischen Ländern nach Europa oder in die USA, das existiert einfach noch. Und das wird halt sowohl in der Geschichte sehr, sehr sichtbar, als auch in den alltäglichen Sachen, dass es überall Baguette und Toast mit Beans und sowas gibt. Zimtschnecken hast du mal gehabt sogar. Ja, aber das, ja, ja. Also ich glaube generell Backwaren sind wahrscheinlich sehr europäisch eingeführt. Ja, und das war für mich auf jeden Fall auch super spannend. Und das ist auch der Grund, warum ich das Buch schreiben wollte, weil es schon schwierig ist, also mir fällt es auch immer noch schwierig. Ich bin leider keine Afrika-Expertin und ich weiß, du hast mit einer gesprochen und ich bin mega gespannt, was die sagt, weil für mich ist das Thema Unabhängigkeit, auch ein großer Grund, warum ich gehe, um meine eigene Unabhängigkeit zu spüren und in Afrika, in vielen Ländern ist es halt auch Thema, weil die Länder einfach noch nicht unabhängig sind. Und das war für mich so ein Konflikt oder so ein Thema, was ich einfach beleuchten wollte und deswegen auch das Buch geschrieben habe, um mehr über die Länder zu recherchieren und selber auch nochmal zu verstehen, wie passt die Geschichte mit dem, was ich hier real vor Ort erlebe, zusammen. Ja, weil tatsächlich unser Bild oder unser Anliegen war heute Abend auch, dass wir nicht nur hier über Afrika sprechen, sondern wir haben eine Politikwissenschaftlerin aus Ghana gefragt, die hier in Freiburg arbeitet. Jamila Hamidou, sie ist am Arnold-Berg-Stresser-Institut für kulturwissenschaftliche Forschung in Freiburg tätig und wir haben sie mal gefragt, worüber reden wir eigentlich, wenn wir über Westafrika reden? Weil, welche unserer Assoziationen sind eigentlich richtig? Wenn sie richtig sind, woher kommen sie eigentlich? Und sie hat uns da mal ein kleines Intro gegeben, wie sie ihre Heimat oder ihre Heimatregion da wahrnimmt. So, I'll start off by debunking this idea that Africa is a country. Africa is not a country, it's a continent, just like Europe is a continent. Africa, as we all know, you have North Africa, East Africa, West Africa, Southern Africa, Central Africa and East Africa. So I start off by debunking that idea because in Global North, there's always this portray of Africa to be one block, but it's not. And it's not because Africa is highly rooted in colonialism. Transatlantic slavery, aber auch die Ideen von Postcolonien und Neocolonialismus. Die West-Afrika-Subregion hat auch diese Legasies von colonialism. Auf der West-Afrika gibt es drei verschiedene Colonialen Legasies. Wir haben die Anglophon, die die British-Colonial-Legasie. Wir haben die Francophon, die die French-Colonial-Legasie. Und dann haben wir die Lusophon, die die Portugese-Colonial-Legasies. und sie alle in den gleichen Spielen existieren. Diese Colonialen Legasies haben auch eine starke impact auf die Strukturen der Regierung, Politik, aber auch interregionaler relations. So, zum Beispiel, wenn du auf der Koste der Westfrika und du von Guinea-Bissau zu Senegal bist, du kommst in ein Land mit ein anderes Sprachlager. So, zum Beispiel, ein Bissau-Guinean, die nach Senegal spricht, Sie sprechen nicht französisch, nicht die lokale Sprache. Sie können nicht kommunizieren. Das ist auch die pluralität der Afrika und Westfrika. Wir haben diese colonialen Legasies, etc. Das also definiert, wie diese Länder sind, und wie sie sind in anderen Bereichen der Welt. Aber mit dem gesagt, wir haben auch viele similarities. Wir sollten auch nicht vergessen, dass die Balkanisation von Afrika hat auch verschiedene Etnischen Gruppen, hat sich in verschiedene Etnischen Gruppen gebrochen. Das bedeutet, dass die Borderns, die wir sehen, sind eigentlich Artificial Bordern. Die Frontiers waren Frontiers, die in Berlin war, in der 1884-Fraktion der Kontinent. So we can see that, yes, Africa is rooted in its own history, but Africa is also very strongly rooted in European history. And that is what we shouldn't forget, and we should always have that in mind when we're looking at the continent Africa, West Africa, and other parts of the continent. Ja, also es ist schon sehr krass, weil Senegal, Französisch, Gambia, Englisch und Guinea-Bissau, Portugiesisch und man kann da quasi in einem Tag durch. Deswegen, wenn du schnell bist, verpasst du auch alles. Das ist einfach so. Ja, du hast dir die Zeit genommen und du konntest dir die Zeit quasi nehmen. Du hast die Zeit investiert, dich vor Ort selber zu überzeugen oder dir ein Bild zu machen. Aber trotzdem hast du auch zum Beispiel in deinen Instagram-Postings immer mal wieder geschrieben oder auch in deinem Buch, dass du bei manchen Sachen gar nicht so genau weißt, wie du dir jetzt zum Beispiel auch gut zu Hause erzählen kannst oder wiedergeben kannst, ohne dass du irgendwie so ein rassistisches Stereotyp wiedergibst von Hilfsbedürftigkeit, von oh Gott, ich muss hier was tun und es ist alles ganz furchtbar. Und hast dabei auch, glaube ich, so ein bisschen bemerkt, mit welchen eigenen Bildern du losgestartet bist. Also mit welchen Bildern bist du denn losgestartet auf den afrikanischen Kontinent? Einfach auf jeden Fall mit einem großen Unwissen und auch einem sehr großen Wunsch danach, das besser zu verstehen und einfach auch mal zu sehen, ohne mich vorher zu tief auch schon über alles quasi zu zerplanen und zu zerdenken, sondern wirklich einfach auch offen zu sein. Und ich glaube, dieses einfach losfahren war da auch ganz gut, weil ich glaube, dass wir uns auch oft, wenn wir uns in die Geschichte eingraben, sehr schnell bei so einer Schuldfrage sind und dadurch auch totale Berührungsängste haben und total so ein Hindernis, so eine Hemmschwelle aufbauen. Wie können die nett zu mir sein, wenn ich weiß, was meine Vorfahren dort verbrochen haben? Und das ist eine wichtige Frage, weil das ist absolut so und man muss es einfach auch benennen. Also diese Zahlen sind einfach ganz, ganz viele Menschenleben und wie gesagt auch, finde ich, hat sie auch super schön auf den Punkt gebracht. Es gibt nicht nur den Kolonialismus, es gibt auch aktuell diese neue Form des Kolonialismus, das, was immer noch passiert und diese, wie gesagt, diese ganzen Abhängigkeiten, die man halt immer noch spürt. Und dass es halt auch ein System ist und das mehr zu verstehen, auch als System und nicht nur als Unterentwicklung, sondern auch als Ausbeutung und als strukturelles Problem, wo wir Teil von sind. Ja, das ist halt total wichtig, aber es ist super komplex und deswegen ist es auch total wertvoll, nicht nur über Afrika zu reden, sondern halt auch eben mit den Expertinnen, wie du es gemacht hast. Und was hat dir dann quasi, also du hast vorhin gesagt, du hattest keine Angst beim Losfahren, aber du hattest Respekt. Und du schreibst in deinem Buch auch über dein eigenes Misstrauen eigentlich am Anfang. Also du schreibst, mein Misstrauen ist das Problem, meine Angst, dass mir in der Fremde etwas passiert, ist viel größer als mein Vertrauen. Und es hat sich aber, glaube ich, im Laufe der Reise auch verändert. Also woher hast du dieses Vertrauen gezogen? Weil ich glaube, das ist ein wichtiger Faktor dafür, dass man auf eine Augenhöhe kommt. Ja, für mich ist das Schönste, dass ich auch immer wieder dann einfach Hilfe brauche. Also es ist klar, ich komme nicht alleine bis Kapstadt. Ich brauche immer wieder Leute, die mir unterwegs was zu essen verkaufen oder mir einen Schlafplatz anbieten oder mir sagen, bitte hier, die Straße ist besser oder die, also die Informationen von vor Ort und auch immer wieder Hilfe anzunehmen, hilft natürlich extrem Vertrauen aufzubauen. Das ist ganz, ganz wichtig auch einfach da diese offenheit zu haben und dann wie gesagt auch einfach zu checken okay also es wartet da jetzt keiner auf mich und rächt sich an mir weil ich da jetzt so durchkommen also ich glaube dass das so auch einfach zu erleben und abzubauen und diese diese offenheit und diese neugier selber leben zu dürfen und auch zu bekommen also es halt einfach sehr, holz haben und diese ganzen friedlichen länder und also überall wo ich war war es friedlich und Und das ist einfach total schön, dann dieses Weltvertrauen aufzubauen, dieses Vertrauen in sich selber, das Vertrauen in die anderen Menschen. Und es kommt einfach durch diese ganz vielen kleinen Begegnungen unterwegs und. Und ich glaube, ich hatte da einfach Respekt vor, dass diese Brücke zu groß ist, diese kulturelle Brücke auch und was halt Quatsch ist, weil wir sind halt alles Menschen und haben alle die gleichen Bedürfnisse und wir verstehen alle, ob wir wollen oder nicht, dass wir alle irgendwie gleich ticken, so am Ende. Ja, das ist genau, was uns Jamila Hamidu eigentlich auch noch mitgegeben hat. Und sie hat das total gefeiert, dass du diese Reise gemacht hast und darüber auch so sichtbar sprichst. Und sie hat gesagt, dieses Bild ändert sich auch gerade aus ihrer Sicht, weil viel mehr Menschen den Kontinent besuchen und andere Erfahrungen machen. Und alle, die es vielleicht noch nicht hingeschafft haben, denen hat sie auch ein bisschen was mitgegeben, wie man vielleicht dieses Vertrauen oder zumindest diese Bilder, die oft sehr dunkel sind, nicht überhand gewinnen lässt und auch das möchten wir noch ganz kurz einspielen, was sie uns da mitgegeben hat. So the picture that the new wave of Pan-Africans or the new wave of media practitioners in Africa are trying to show is showing the Africa where you have auto roads, you have cars, you have modern buildings, you have shopping malls, you have restaurants, you have people dressed properly, you have people who look healthy, Du hast Menschen, die in den offices gehen und nach Hause kommen. Du hast unsere Lokal-Chiefs, unsere Tradition-Chiefs, die in der Regalia sind in ihrer eigenen Macht. Wir haben Universitäten, Europäische Studierungen, Asien, Afrika, wir haben all diese Institutionen in der Westen, die normalerweise nicht in den traditionellen oder mainstreamen Medien zeigen. Aber wir haben das. Und ich denke, das ist das wichtig, dass es auf der gleichen Ebene wie die Afrika mit Problemen ist. Wir sagen nicht, dass es keine Probleme in Afrika gibt. Just like there are problems in West Africa, African continent, it's the same thing that there are problems in Europe, in America, in Asia. But I think there should be a level playing field, whereby one continent and one country shouldn't be portrayed in that same negative light. Because if we don't change that, that's how you have people still believing that Africans are still stuck in the Stone Age. But that is not the reality. The Africa of today is as modern as some part of Europe. Wenn ich den Beispiel von den letzten Afrika-Kappen-Nationen habe, und man sieht Rabat, man sieht Morroko, man hat die Tramways, man hat alles, was Europa hat. Das ist auch die andere Seite von Afrika. Wenn man sieht die andere Seite von Ghana, Accra, Lome in Togo. Lagos in Nigeria, oder Abidjan in Côte d'Ivoire, man hat die gleichen Motorways mit den gleichen Systemen, wie wir in Europa haben. So I think it's important that if we're portraying Africa, we should portray it in its light, not only in its darkness. And I also applaud the fact that some... Wir sehen jetzt viele Europäer kommen auf den Kontinent, die auch wunderbare Dinge machen, die auch sehr sicher sind, wie die Afrikans sind auf dem Europäischen Kontinent. Wenn sie auf dem Kontinent sind, sie sind auch sehr sicher und versuchen, diese Idee von Afrika zu sein, dass es in der kritischen und schwarzen Zeit ist. Also, auf dieser kleinen Ebene, Menschen machen Dinge, um das zu ändern. Ich denke, es ist wichtig, zu highlighten das und nicht auf der micro-Level der Staat, der Institutionen. Aber auch an den individuellen Levels. Wir sehen Menschen, Europäische und Africans, etwas zu ändern, der Stereotypen von immer zu treffen, in einem schlechtesten oder immer zu betrachten, auf die Afrikke. Die Afrikke haben etwas, die Europa kann lernen, wie sie auch etwas, die Afrikke können. Ich denke, es ist eine Frage, um die Bedingungen zu brechen, und die Grundlage zu kommen, um die Grundlage zu beenden. Ich will Ende mit der Worten, Humanität, weil wir alle Menschen sind. Und ich denke, dass wir einen nicht anders verletzen, als der andere. Und wenn wir uns als Menschen sehen, und nicht als Objekt, dann können wir alle auf der gleichen Spielballer sein. Vielen Dank. Können wir eigentlich aufhören? Können wir so stehen lassen. Ja, auf jeden Fall. Ich glaube, es fehlen halt auch diese Nuancen. Ja. Also die Nuancen in der Berichterstattung, die Nuancen in diesen Geschichten. So Reisegeschichten machen immer aus, was sehr komplex ist und auch so ein Moment von totaler Gleichzeitigkeit, was so einfach ist. Wie so ein Märchen, das erzählt wird. Aber ganz viele andere Geschichten werden dann halt nicht erzählt. Und ich bin dann halt vielleicht irgendwie in einer Schule und mache dann ein Foto von meinem Zelt unter dem Schuldach. Aber an diesem Ort ist schon so viel anderes passiert. Es gibt so viel Geschichte in dem Ort. Es gibt so viele andere Geschichten. Es gab so viele Menschen, die an diesem Ort schon waren. Aber weil es halt so exotisch aussieht, wird es halt viel gesehen. Und das ist dann halt auch oft was, was mich sehr beschäftigt mit diesem ganzen Instagram-Kram. Dass es so viel verzerrt und dass Leute ganz viel darauf projizieren. Ohne eigentlich die wahre Geschichte zu kennen, weil es kann das Bild gar nicht abbilden. Aber das Bild habe ich gemacht und das Bild ist meine Verantwortung. Und deswegen ist es halt so ein, ja, also für mich auch super wichtig, immer wieder zu sagen, es ist nur eine Momentaufnahme von diesem Ort und es gibt noch so, so viel mehr, was ich gar nicht abbilden kann. Und das Buch ist auch nur so ein Versuch, da ein bisschen mehr Tiefe reinzubringen, weil es mir oft einfach zu flach, es geht oft nur um dieses krasse Fahrradfahren, aber es geht gar nicht nur ums Fahrradfahren, also es geht um viel mehr als ums Fahrradfahren. bei so Reisen. Ja, Jamila Aminu hat es ja gesagt, also Menschlichkeit und vielleicht, Was ist das Geschenk, was Afrika dir gegeben hat, wollte ich dich auch fragen, weil du gibst so viel weiter und du zeigst es durch deine Linse, sage ich mal. Aber was ist das, was du einfach für dich bekommen hast, was du vielleicht in deinem Alltag spürst, was bei dir anders ist, was sich bei dir verwurzelt hat? Dass es um die echten Begegnungen geht, also um die Connection, die wir haben untereinander, die Grenzen, die trennen Länder, aber sie verbinden auch Länder und dass wir vielleicht ein bisschen mehr über unseren Nachbarn, auch über unseren Nachbarn, den afrikanischen Kontinent, der nur 30 Minuten Fährfahrt von Marokko entfernt, von Spanien entfernt ist, einfach lernen sollten mit einem offenen Herzen und offenen Augen und nicht mit tausend Vorurteilen schon im Gepäck, sondern mit einfach einer Offenheit und auch einer selbstkritischen Haltung, weil wir haben alle diese Vorurteile und ich habe sie und ich arbeite auch immer noch damit. Und es bringt halt mich nicht weiter, aber ich will diese Angst loswerden und ich will halt mehr verstehen und auch mir nicht sagen lassen, die anderen sind die Schlechten, weil so ist es halt nicht. Wenn alle sagen, die anderen sind die Schlechten, sind wir einfach alle schlecht und dann kommen wir nicht weiter. Du hast auch einfach wahnsinnig viel, wir haben es vorhin davon gehabt, in einer extrem hohen Schlagzahl so viele unterschiedliche Kulturen, Menschen, Szenerien, Orte kennengelernt. Und als du zurückgekommen bist, das gehört ja eigentlich auch nochmal zu einer Reise, die Rückkehr und quasi wieder das alte Leben, bist du in ein ziemliches Loch gefallen. Ja, also... Das stimmt, das kommt ja noch. Ja, also was war da los, möchtest du mal selber erzählen? weil es ist ja auch ein Teil der Reise, dass man eben nicht immer nur unterwegs sein kann und es ziemlich clasht, wenn man wieder in Freiburg ist. Hätte ich auch nicht gedacht. Also ich war ja schon viel unterwegs vorher und dann aber danach zurückzukommen, war irgendwie doch nochmal überraschend, wie so eine Mini-Depression auch, wo ich... Erst mal nicht klargekommen bin, warum rennen wir alle ins Fitnessstudio oder fahren im Kreis Fahrrad, um wieder nach Hause zu kommen. Es macht halt einfach dann auf einmal alles weniger Sinn. Dann bin ich halt aus dem südafrikanischen Sommer in den deutschen Winter. Es war super dunkel, es war super kalt. Weihnachten, oder? Und alle, genau, Weihnachten, alle super im Stress, alle haben tausend Sachen Multitasking-mäßig. Ich war halt ein Jahr unterwegs und hatte nur das Fahrradessen schlafen. 14 Monate und auf einmal machen halt alle alles gleichzeitig, haben 1000 Calls und rennen am Wochenende auf 10 Partys. Und das war halt eine völlige Reizüberflutung. Also dieses Tempo hatte ich einfach nicht mehr. Ich war wirklich ein bisschen langsamer unterwegs. Es fehlt mir auch jetzt schon wieder ein bisschen, diese einfach nur drei Sachen am Tag machen und nicht 27. Du warst ja auch schon nochmal wieder in Botswana Ende letzten Jahres. Hast dich ja nochmal zurückgerufen, oder? Ja, ich war nochmal kurz da für sechs Wochen und habe es total genossen, einfach wieder so frei unterwegs zu sein. Botswana ist auch super touristisch. Also ich war sehr überrascht. Also ich wollte so ein bisschen vortesten, weil ich noch nicht im Osten war, wie es so ist, Richtung Osten zu fahren. Und es war total schön, aber natürlich auch wieder ganz anderes Afrika, weil halt total touristisch und 1000 Lodges und ganz viele Deutsche auch, aber auch schön. Genau, also es zieht mich schon immer noch sehr dahin, weil ich halt diesen ganzen Osten nicht kenne. Ja, und du hast mal, glaube ich, auch auf Instagram, als du zurückgekehrt bist, gesagt, du bist in so einem richtigen Post-Adventure-Blues. Und das ist auch ein Phänomen, was wir nochmal mit Frau Strahler besprochen haben, mit der Psychologin, mit der Sportpsychologin, weil tatsächlich, wenn man sich ein Ziel setzt, und es ist ein großes Ziel und man macht wahnsinnig viel dafür, und dann ist es da und dann ist es hinter einem. Dass es auch ein ganz schönes Loch sein kann, wie wir jetzt übrigens auch gerade dann bei Olympia manchmal sehen, wenn jemand vier Jahre lang sich auf ein Ziel vorbereitet hat? Und wie nehmen wir eigentlich von dem, was wir erlebt haben, noch mehr mit in den Alltag? Dazu hat uns Frau Strahler noch mal was gesagt. Tatsächlich ein Phänomen, was noch nicht sehr häufig beschrieben ist, wir aber in der Sportpsychologie bzw. Im sportpsychologischen Coaching- und Beratungskontext tatsächlich kennen. Dort eher unter dem Begriff der Post-Olympic Depression bzw. Post-Adventure Blues oder Depression, wie auch immer man das jetzt tatsächlich begrifflich beschreiben möchte. Da ist aber wichtig zu sagen, das ist jetzt kein pathologischer oder krankheitswertiger Zustand, sondern ein, würde ich mal sagen, normalpsychologischer Zustand zu genau dem, was Sie gerade beschrieben haben, eine große Vorhabe. Man hat sich jahrelang darauf vorbereitet. Wir haben gerade die Vorhabe, olympischen Winterspiele, vier Jahre darauf vorbereitet und dann wird die Leistung abgerufen. Und mir fällt da auch eine Studie ein, die mit dänischen Olympionikinnen und Olympioniken durchgeführt wurden, die befragt wurden. Und von denen hat tatsächlich knapp ein Viertel, vier Wochen nach Ende Olympia beschrieben, ein vermehrtes Unwohlsein beziehungsweise eher negative Stimmung. Ein gewisser Prozentsatz hat auch gesagt, leichte depressive Symptome erlebe ich tatsächlich auch. Und von daher ist für uns natürlich auch wichtig zu fragen, okay, es gibt offensichtlich dieses Phänomen, das hat auch eine Wertigkeit, dass ich das zumindest im Beratungskontext auch mal thematisiere, jetzt mal unabhängig von vielleicht einer klinischen Brille da drauf. Und dann haben wir aber auch Ideen, wie gehen wir damit um? Und da gibt es auch spannende Strategien. Das eine ist, Tagebuch führen, also wirklich das Erlebte für sich nochmal zu verarbeiten, nochmal zu reflektieren. Ein zweiter Ansatz könnte sein, das, was wir als Abenteuer im Großen erlebt haben, sich in kleinen Momenten versuchen, in den Alltag zu retten. Also was kann ich mir da mitnehmen, um zumindest im Kleinen wieder dieses Gefühl zu bekommen und dass es eben nicht so der harte Schnitt ist, dass vielleicht mein emotionaler Tank, möchte ich es auch ein bisschen beschreiben, so komplett auf einmal ausgeleert wurde, wie ich den ein bisschen auch wieder fühlen kann. Wie machst du das ja auch so mini abenteuer habe ich also mache ich oder habe ich auch damals dann erst mal gemacht wieder einfach in wald oder irgendwie raus aus dem aus der wohnung und so und ich habe wirklich also ich war so wirklich durcheinander einfach also ich saß da und wusste nicht wohin mit mir und dann habe ich angefangen zu meditieren weil ich dachte ich muss einfach da Ruhe reinbringen in meinen Kopf. Und das hat tatsächlich auch ganz gut geholfen mit so einer App. Das hat sich dann auch gelegt, aber ich musste erst mal so einfach abschalten irgendwie auf dem schnellstmöglichen Weg. Und ein Tagebuch geschrieben habe ich auch während der Reise und auch danach. Um alles so einzuordnen oder irgendwie einfach einmal runterzuschreiben, aus dem Kopf zu kriegen. Weil man ist dann irgendwie schon von diesem jeden Tag unterwegs sein und halt trampeln zu dem viel nachdenken, viel überlegen, viel grübeln, was mache ich heute, was mache ich morgen, auf welche Party gehe ich, keine Ahnung. Ja, das ist schon intens. Hast du das geschafft, dir so kleine Sachen in den Alltag hier reinzuretten? Also welche hast du dir hier in den Alltag reingerettet und wie machst du das? Ich habe tatsächlich einen festen Termin in der Woche und es ist mittwochs abends 18 Uhr an der Schwabentorbrücke für alle, die Bock haben, Trail Run. Da wird relativ zügig auf dem berg gelaufen in der gruppe das macht ultra bock das ist für mich so wirklich also fixer termin komme was wolle rain or shine dass man da einfach unter leuten ist und draußen in der natur und so gehe ich halt sonst jeden tag auch für mich raus aber dann diese kombination auch mit leuten ist total schön also ich probiere mich eigentlich jeden tag zu bewegen aber Aber mal klappt es halt besser und mal weniger gut. Und abgesehen vom Trailrunning, was ist die nächste große Reise, von der du uns eine Geschichte erzählst? Hast du schon was in Planung? Ja, also dieses Jahr tatsächlich eher so kleinere Sachen, auch Trailruns und dann vielleicht gegen Ende des Jahres oder nächstes Jahr in kleineren Etappen die ostafrikanische Küste. Da habe ich auf jeden Fall sehr, sehr viel Lust, nochmal einfach in einem bisschen langsameren Modus einfach unterwegs zu sein und wieder draußen zu sein, aber eben nicht mehr so lange, weil ich habe damals auch meine Wohnung aufgelöst und alles irgendwie so auf Null und ich glaube, das brauche ich nicht unbedingt nochmal so extrem, um auch einfach dieses Riesenloch danach wahrscheinlich aus Selbstschutz zu verhindern. Vielen Dank dir, Wiebke, für alle deine Einblicke, für deine Geschichte, für deine Inspiration für heute Abend. Vorher würde ich aber noch gerne einmal Danke sagen, denn dass wir heute Abend hier im Theater sitzen, das hätte gar nicht funktioniert. Die ganze Technik und alles, was hinter der Bühne passiert, ohne ganz, ganz viele Menschen, nämlich hier das Team der BZ hinter den Kulissen für Bild, Technik und Video, sind der Benedikt Metzger, der Timo Appel, der Falko Wehr, die Annika Vogelbacher und unser Fotograf Johannes Mega. Vom Theater sind hier für Ton und Aufnahme Johannes Gottschall, Sebastian Duis, Tim Probst, Anna Teller, Konradin Köchlin und für die Bühnentechnik Ben Beilharz, Tim Gerfen, Amanda Nünninghoff, Matthias Römer, Salvatore Spadaro, Alexander Wellige und André Wiemer. Also vielen Dank an euch alle, die man nicht so liebt. Und vielen, vielen Dank an dich. Und vielen, vielen Dank an dich, Wiebke, dass du heute Abend bei uns warst.