Latest / Friedrich Nietzsche Podcast in Deutsch / Also sprach Zarathustra - 4. Theil - 4 - Der Blutegel
Transcript
- 0:00Also sprach Zarathustra ein Buch für alle und keinen vierter Teil
- 0:04unter Kapitel 4 der Blutegel Zarathustra geht tief in
- 0:10Gedanken versunken durch die Wälder und an moorigen,
- 0:12sumpfigen Orten vorbei, da er über sehr schwere und
- 0:16tiefgründige Dinge nachdenkt, achtet er nicht genau auf seinen
- 0:19Weg, plötzlich tritt er versehentlich auf einen
- 0:22Menschen, der auf dem Boden liegt, der Mann, auf den er
- 0:25getreten ist, schreit vor Schmerz, auf, Flucht.
- 0:29Und wirft Zarathustra schlimme Schimpfwörter an den Kopf.
- 0:32Zarathustra erschrickt sich in diesem Moment so sehr, dass er
- 0:35seinen Stock hebt und den Mann, den er gerade getreten hat, auch
- 0:39noch schlagen will, doch sofort kommt er wieder zur Besinnung,
- 0:43er muss über seine eigene Dummheit und seine
- 0:46Schreckhaftigkeit lachen, Zarathustra entschuldigt sich
- 0:49bei dem liegenden Mann, der sich wütend aufgesetzt hat,
- 0:53Zarathustra verwendet ein Bild, um die Situation zu erklären.
- 0:57Er vergleicht sich mit einem Träumer, der auf einer einsamen
- 0:59Straße aus Versehen einen schlafenden Hund anstößt.
- 1:02Beide, der Träumer und der Hund, fahren erschrocken hoch und
- 1:06bellen sich an wie Todfeinde, obwohl sie eigentlich nur 2
- 1:09einsame sind, die sich erschreckt haben, der Mann am
- 1:13Boden ist immer noch wütend und sagt, dass Zarathustra ihm mit
- 1:16diesem Vergleich zu nahe tritt, der Mann erhebt sich aus dem
- 1:20Sumpf und zieht seinen nackten Arm aus dem Schlamm, vorher
- 1:24hatte er sich so tief auf dem Boden verborgen.
- 1:27Dass man ihn kaum erkennen konnte, fast so, als würde er
- 1:30auf wilde Tiere im Sumpf lauern. Als der Mann seinen Arm hebt,
- 1:35sieht Zarathustra mit Entsetzen, dass viel Blut an dem nackten
- 1:38Arm hinabfließt besorgt fragt Zarathustra, ob ihn ein
- 1:42schlimmes Tier gebissen hat, doch der blutende Mann lacht nur
- 1:45wütend und sagt, dass das Zarathustra gar nichts angehe,
- 1:49er nennt Zarathustra einen Tölpel und will nicht antworten.
- 1:52Zarathustra hat Mitleid mit dem Mann, er hält ihn fest und sagt,
- 1:56dass der Mann sich irrt. Zarathustra erklärt, dass sie
- 1:59sich hier in seinem Reich befinden und er nicht zulassen
- 2:02will, dass hier jemandem ein Schaden zustößt.
- 2:05Er stellt sich nun mit seinem Namen vor und sagt, Ich bin
- 2:09Zarathustra, er bietet dem Mann an, in seine Höhle zu kommen, um
- 2:13dort seine Wunden zu versorgen, als der getretene Mann den Namen
- 2:17Zarathustra hört, verändert er sich schlagartig.
- 2:21Er ist begeistert und nennt Zarathustra den Besten und
- 2:24Lebendigsten Schröpfkopf, der heute lebt.
- 2:27Ein Schröpfkopf ist ein medizinisches Glas, das man
- 2:30früher benutzte, um Menschen Blut abzusaugen, was man für
- 2:33gesund hielt. Der Mann nennt Zarathustra auch
- 2:36den großen Gewissensblutegel damit meint er, dass Zarathustra
- 2:40wie ein Blutegel ist, der sich an das Gewissen der Menschen
- 2:43saugt und die unangenehmen Wahrheiten herausholt.
- 2:46Der Mann freut sich unbändig, dass er Zarathustra getroffen
- 2:49hat. Zarathustra freut sich über
- 2:52diese höflichen Worte und fragt den Mann, wer er eigentlich sei.
- 2:56Der Mann antwortet, er sei der gewissenhafte des Geistes, das
- 3:00bedeutet, er ist ein Gelehrter oder Wissenschaftler, der in
- 3:04geistigen Dingen extrem streng, genau und unbestechlich ist.
- 3:08Er duldet keine Ausreden und keine ungenauen Antworten, er
- 3:11nimmt es mit dem Denken und dem Wissen strenger und härter als
- 3:14jeder andere Mensch außer Zarathustra selbst, von dem er
- 3:18diese Strenge gelernt hat. Der gewissenhafte des Geistes
- 3:21erklärt seine Lebenseinstellung, er weiß lieber gar nichts als
- 3:25viele Dinge nur zur Hälfte zu wissen.
- 3:28Er möchte kein Narr sein, der sich etwas einbildet und auch
- 3:31kein Weiser, der sich Dinge nur ausdenkt.
- 3:34Er sucht nach dem absoluten Fundament, nach der puren
- 3:37Tatsache, egal wie klein diese Tatsache ist.
- 3:40Ein kleines bisschen echtes Bewiesenes wissen ist ihm
- 3:44wichtiger als große, aber unbewiesene Theorien über Gott
- 3:47oder die Welt. Zarathustra fragt ihn daraufhin,
- 3:50ob er vielleicht der große Forscher und Kenner von
- 3:52Blutegeln sei und ob er den Blutegel bis in die letzten
- 3:56Geheimnisse erforscht habe. Der Mann antwortet, dass das ein
- 3:59viel zu großes Gebiet wäre, er ist nur der Meister und Kenner
- 4:03von einer winzigen Sache, dem Gehirn des Blutegels das Gehirn
- 4:08des Blutegels ist seine ganze Welt hier kritisiert Friedrich
- 4:12Nietzsche durch diese Figur die moderne Wissenschaftskultur.
- 4:16Die Forscher spezialisieren sich immer mehr auf winzig kleine
- 4:18Details wie das Gehirn eines Blutegels.
- 4:22Sie wissen alles über dieses winzige Detail, verlieren aber
- 4:25den Blick für das große Ganze, für das Leben und die Welt.
- 4:29Der Forscher opfert sogar buchstäblich sein eigenes Blut
- 4:32an die Blutegel, nur um dieses winzige Detail zu erforschen.
- 4:36Der Mann erklärt weiter, dass er zarathustras Lehren gefolgt ist.
- 4:40Er erinnert an einen Satz, den Zarathustra einmal gesagt hat.
- 4:44Geist ist das Leben, das selber in das Leben schneidet.
- 4:47Dies bedeutet, dass der Drang nach wahrem Wissen und
- 4:50Erkenntnis der Geist oft schmerzhaft ist.
- 4:54Wer die Wahrheit finden will, muss bereit sein, sich selbst zu
- 4:56verletzen und bequeme Illusionen aufzugeben.
- 5:00Der Wissenschaftler hat dies wörtlich genommen, er mehrt sein
- 5:03Wissen, indem er sein eigenes Blut von den Egeln saugen lässt.
- 5:07Zarathustra unterbricht den Mann, da ihm auffällt, dass sich
- 5:10gerade 10 Blutegel in den Armen des Mannes verbissen haben.
- 5:13Und sein Blut saugen. Zarathustra nennt ihn einen
- 5:17wunderlichen Gesellen und erkennt an, dass dieser Mann ein
- 5:20lebendiger Beweis für seine eigene Lehre ist.
- 5:24Zarathustra bewundert die absolute Ehrlichkeit des
- 5:26Forschers, findet es aber auch absurd, sein Leben für so etwas
- 5:30Kleines zu opfern. Zarathustra bietet dem Mann an,
- 5:34in seine Höhle zu gehen, er sagt ihm, dass er dort ein lieber
- 5:37Gast sein soll. Zarathustra möchte die Tatsache
- 5:41wiedergutmachen, dass er den Mann aus Versehen getreten hat.
- 5:44Er selbst kann ihn jedoch im Moment nicht in die Höhle
- 5:47begleiten. Zarathustra hört nämlich erneut
- 5:50einen lauten Notschrei in der Ferne, der ihn zwingt, schnell
- 5:53weiterzugehen und zu helfen.