Latest / Friedrich Nietzsche Podcast in Deutsch / Also sprach Zarathustra - 1. Theil - 1 - Von den drei Verwandlungen
Transcript
- 0:00Unterkapitel 1 von den 3 Verwandlungen in diesem
- 0:05Abschnitt beschreibt Zarathustra eine Entwicklung, die der
- 0:07menschliche Geist durchmachen muss, um zur höchsten Freiheit
- 0:11und Schöpferkraft zu gelangen. Er nennt dies die 3
- 0:14Verwandlungen des Geistes, er erklärt, wie der Geist zuerst zu
- 0:18einem Kamel wird, das Kamel dann zu einem Löwen und der Löwe
- 0:22schließlich zu einem Kind. Die erste Verwandlung, der
- 0:26Geist, wird zum Kamel. Zuerst spricht Zarathustra über
- 0:31das Kamel. Das Kamel ist ein Symbol für
- 0:33einen Geist, der stark ist und viel ertragen kann.
- 0:37Es ist ein Geist, der Ehrfurcht besitzt, also großen Respekt vor
- 0:41höheren Werten und Aufgaben hat. Dieser Geist wünscht sich nicht
- 0:44das leichte Leben, sondern er verlangt nach dem schweren und
- 0:48den schwersten Lasten wie ein echtes Kamel, das sich hinkniet,
- 0:52um gut beladen zu werden, fragt auch dieser starke Geist.
- 0:56Was ist schwer? Er möchte diese Last auf sich
- 0:59nehmen, um seine eigene Stärke zu spüren und sich daran zu
- 1:02erfreuen. Zarathustra nennt Beispiele für
- 1:05diese schweren Lasten, die der Geist auf sich nimmt.
- 1:08Diese Lasten sind oft moralische oder geistige Herausforderungen,
- 1:12bei denen man sich selbst überwinden muss.
- 1:14Dazu gehört zum Beispiel, sich selbst klein zu machen, um den
- 1:18eigenen Stolz zu verletzen und so nicht hochmütig zu sein,
- 1:23seine eigene Weisheit in Frage zu stellen und auch mal über
- 1:26sich selbst zu lachen. An einer Sache nicht mehr
- 1:29festzuhalten, selbst wenn sie gerade erfolgreich ist, um sich
- 1:32weiterzuentwickeln, die Wahrheit zu lieben, auch wenn es
- 1:36bedeutet, dass die Seele dabei leidet oder Hunger hat, krank zu
- 1:40sein und niemanden zu rufen, der einen tröstet, sondern allein
- 1:44damit, fertig zu werden, sich in das schmutzige Wasser der
- 1:48Wahrheit zu begeben, also unangenehme Wahrheiten zu
- 1:51akzeptieren und sie nicht von sich zu weisen, sogar diejenigen
- 1:55zu lieben, die einen verachten. All diese schwierigen Dinge
- 1:59nimmt der tragfähige Geist auf sich.
- 2:02Er belädt sich mit diesen Pflichten, regeln und werten,
- 2:06dann eilt er wie ein beladenes Kamel hinaus in die Wüste, die
- 2:11Wüste steht hier für die Einsamkeit, in die sich der
- 2:13Geist begibt, um über diese Lasten nachzudenken und sich
- 2:17selbst zu finden. Die zweite Verwandlung, das
- 2:21Kamel, wird zum Löwen in dieser einsamsten Wüste passiert die
- 2:26zweite Veränderung. Der Geist, der bisher nur Lasten
- 2:29getragen hat, wird nun zum Löwen.
- 2:32Der Löwe ist ein Symbol für Freiheit und macht, er will sich
- 2:35seine Freiheit rauben, also erkämpfen, er möchte Herrin
- 2:40seiner eigenen Wüste sein, das bedeutet, der Mensch will nicht
- 2:43mehr nur dienen und gehorchen, sondern selbst bestimmen, hier
- 2:47sucht der Geist seinen letzten Herrn, also das, was ihn bisher
- 2:51beherrscht hat, er will diesem alten Herrn und seinem
- 2:54bisherigen Gott zum Feind werden.
- 2:57Er will kämpfen, um Siegen zu können, muss er mit dem großen
- 3:01Drachen kämpfen. Zarathustra erklärt sehr
- 3:04bildlich, was dieser große Drache ist.
- 3:06Der Drache heißt Du sollst das bedeutet, er steht für alle
- 3:10Vorschriften, Gesetze, Traditionen und moralischen
- 3:13Befehle, die von außen auf den Menschen einwirken.
- 3:16Der Geist des Löwen hingegen sagt, Ich will, der Drache liegt
- 3:21am Weg und funkelt golden, er ist ein Schuppentier.
- 3:25Und auf jeder seiner Schuppen glänzt das Wort, Du sollst diese
- 3:29Werte auf den Schuppen sind Tausende von Jahren Alt, der
- 3:33Drache ist sehr mächtig und behauptet aller Wert der Dinge
- 3:36glänzt auf mir, er sagt sogar, dass alle Werte schon längst
- 3:40geschaffen wurden und dass es kein Ich will mehr geben darf.
- 3:45Der Drache repräsentiert also die Behauptung, dass wir nichts
- 3:48Neues mehr schaffen können und nur gehorchen müssen.
- 3:51Zarathustra fragt nun, warum der Löwe überhaupt nötig ist.
- 3:55Warum reicht das Genügsame und Ehrfürchtige Lasttier das Kamel
- 3:59nicht aus? Die Antwort ist, das Kamel kann
- 4:02keine neuen Werte schaffen, auch der Löwe kann noch keine neuen
- 4:06Werte schaffen, aber der Löwe hat die Kraft, sich die Freiheit
- 4:10zu schaffen, damit Neues schaffen überhaupt möglich wird.
- 4:14Der Löwe muss ein heiliges Nein aussprechen, er sagt Nein zu den
- 4:18alten Pflichten, das ist eine gewaltsame Tat.
- 4:22Für einen Geist, der es gewohnt war, Lasten zu tragen und
- 4:25ehrfürchtig zu sein, ist dieser Raub der Freiheit etwas
- 4:28Furchtbares. Früher waren ihm die Befehle des
- 4:31Drachen du sollst das heiligste, nun muss er in diesem heiligsten
- 4:36Wahn und Willkür finden, damit er sich davon lösen kann, um
- 4:40diese Fesseln zu sprengen, braucht es die aggressive Kraft
- 4:44des Löwen, die dritte Verwandlung, der Löwe wird zum
- 4:48Kind. Aber der Löwe reicht noch nicht
- 4:52aus. Zarathustra fragt, Was kann das
- 4:56Kind, was nicht einmal der starke Löwe konnte, warum muss
- 5:00der raubende Löwe noch zum Kind werden?
- 5:02Das Kind steht hier für einen völligen Neuanfang.
- 5:06Zarathustra beschreibt das Kind mit folgenden Eigenschaften
- 5:09Unschuld das Kind ist nicht schuldig durch vergangene Taten
- 5:14vergessen, es schleppt die Vergangenheit nicht mit sich
- 5:17herum ein Neubeginn. Es fängt ganz von vorne an, ein
- 5:22Spiel, es nimmt das Leben spielerisch an, nicht als
- 5:26schwere Last. Ein aus sich rollendes Rad, es
- 5:30bewegt sich aus eigenem Antrieb, nicht, weil es geschoben wird,
- 5:34eine erste Bewegung, ein Heiliges, Ja sagen, das ist der
- 5:38entscheidende Punkt. Der Löwe sagte Nein zu den alten
- 5:42Werten, das Kind aber sagt ja zum Leben und zum Erschaffen von
- 5:47Neuem. Um wirklich schöpferisch zu sein
- 5:50und eigene Werte zu erschaffen, braucht der Geist dieses heilige
- 5:53Jahr. Jetzt will der Geist seinen
- 5:56eigenen Willen durchsetzen, er, der vorher der Welt verloren
- 6:00war, weil er sich in die Einsamkeit zurückgezogen hat,
- 6:03gewinnt nun seine eigene Welt. Zarathustra fasst am Ende noch
- 6:07einmal zusammen, er hat 3 Verwandlungen des Geistes
- 6:11genannt, wie der Geist zum Kamel wurde, das Lasten trägt.
- 6:15Wie das Kamel zum Löwen wurde, der sich Freiheit erkämpft und
- 6:19wie der Löwe schließlich zum Kind wurde, das spielerisch
- 6:22Neues schafft. Damals, so endet dieser
- 6:25Abschnitt, hielt sich Zarathustra in einer Stadt auf,
- 6:28die einen merkwürdigen Namen trug, die bunte Kuh.