Latest / pnn Podcast / Relevante Interaktionen: Wenn das Blutungsrisiko steigt
Transcript
- 0:09Speaker 0: Willkommen zu einer neuen Episode unseres Podcasts für Apothekerinnen und Apotheka.
- 0:15Speaker 0: Heute sprechen wir über ein kritisches Thema im Apotheken-Alltag, Arzneimittelinteraktionen die das Blutungsrisiko massiv steigern.
- 0:24Speaker 0: apokipunktch bietet eine große Auswahl an Weiterbildung zu verschiedenen klinisch relevanten Arzneimentelinteraktion.
- 0:32Speaker 0: Helmut wie groß ist das Problem der medikamentös induzierten Blutungen wirklich?
- 0:38Speaker 1: Die Zahlen sind alarmierend.
- 0:40Speaker 1: Gastrointestinale Blutungen weisen eine Mortalität von fünf bis zehn Prozent auf, das Risiko unter modernen Doaks ist vergleichbar hoch wie unter klassischen Vitamin-K-Antagonisten.
- 0:52Speaker 1: Kommt ein NSAR wie Ibuprofen oder Naproxen dazu steigt das Blutungsrisiko um das zwei bis dreifache
- 1:01Speaker 0: und bei Hirnblutungen
- 1:03Speaker 1: noch dramatischer.
- 1:05Speaker 1: Intra-kranielle Blutungen haben eine Mortalität von ¾ bis ¼ Prozent.
- 1:11Speaker 1: Rund ½ prozent aller intrakraniellen, nicht traumatischen Blutung treten unter Anticoagulation auf.
- 1:19Speaker 1: SSRI erhöhen dieses Risiko immerhin um ¼ prozent.
- 1:24Speaker 1: Das sind keine theoretischen Laborwerte sondern lebensbedrohliche Nebenwirkungen!
- 1:30Speaker 0: Bevor wir zu einem konkreten Fall kommen, warum erhöhen Antidepressiva wie SSRI überhaupt das Blutungsrisiko?
- 1:38Speaker 0: Wie ist der Mechanismus?
- 1:40Speaker 1: Der Schlüssel liegt in den Trombozüten.
- 1:43Speaker 1: Diese benötigen Serotonin für die Aggregation können es aber nicht selbst herstellen.
- 1:48Speaker 1: Sie müssen es aktiv über den Serotonintransporter kurz SERT aus dem Blut aufnehmen.
- 1:55Speaker 1: Ein SSRI blockiert diesen Transporter auch an den Trombozüten.
- 2:00Speaker 1: Die Folge, die Serotoninspeicher der Plättchen entleeren sich und die Aggregation ist massiv eingeschränkt.
- 2:07Speaker 1: Zudem steigern SSRI dosisabhängig die Magensaftsekretion über fünf HT-I Rezeptoren.
- 2:15Speaker 0: Eine doppelte Falle.
- 2:17Speaker 0: Und wenn dann ein NSAR.
- 2:18Speaker 0: hinzukommt, dass die Tromboxansynthese über COX-I Hemd und schützende Prostaglandine reduziert haben wir das perfekte Rezept für eine Blutung.
- 2:28Speaker 1: Ganz genau!
- 2:29Speaker 1: Pharmakodynamisch potenzieren sich diese Effekte regelrecht.
- 2:33Speaker 0: Im Skript zum Webinar gibt es ein eindrückliches Fallbeispiel Ein fünfundvierzigjähriger Patient mit Kardiomyopathie, Vorhofflimmern und moderater Niereninsuffizienz steht unter Fanprocumon- und Klopidogrel.
- 2:49Speaker 0: Er nimmt zudem Amiodarone, Diuretika und Pantoprazol ein – nun bringt er ein neues Rezept für das SSRI Sertralin!
- 2:58Speaker 0: Da schlagen doch alle Alarmglocken oder?
- 3:01Speaker 1: Und zwar völlig zu Recht... Das ist ein klassischer Hochrisikopatient mit einer gefährlichen Kombination.
- 3:08Speaker 1: Wir müssen diesen Fall pharmakodynamisch und pharmakokinetisch betrachten.
- 3:13Speaker 0: Fangen wir mit der Pharmakodenamik an, was passiert da?
- 3:16Speaker 1: Der Patient hat bereits eine duale Therapie aus Fenprocumon- und Klopidogrel – das erhöht das Risiko für schwerwiegende Blutungen um ca.
- 3:26Speaker 1: das Dreifache!
- 3:27Speaker 1: Geben wir sehr trahlin hinzu Hemmen wir zusätzlich die Plättchenfunktion über den sehr Transporter.
- 3:33Speaker 1: Diese Dreifachkombination aus Vitamin K-Antagonist, Trombozytenaggregationshämme und SSRI ist extrem riskant!
- 3:43Speaker 0: Und auf der pharmakokinetischen Ebene lauert Amiodaron richtig?
- 3:47Speaker 1: Genau – das wird oft übersehen.
- 3:49Speaker 1: Fan Procumon isst ein Substrat von Zyp II C IX und ZYP III A IV.
- 3:55Speaker 1: Amiodaron ist jedoch ein moderater Inhibitor genau dieser beiden Enzyme.
- 4:00Speaker 1: Der Abbau von Phenprokomon wird also massiv verzögert, was den Spiegel und damit die INR gefährlich in die Höhe treiben kann.
- 4:08Speaker 1: Da auch Sertralin ein Substrat von ZYP-IIIA IV ist überlagern sich diese Effekte zusätzlich.
- 4:15Speaker 0: Was ist in dieser Situation unsere Pflicht in der Apotheke?
- 4:18Speaker 1: Ein Protonenpumpeninhibitor is zwingend indiziert, schützt aber nicht vor einer Hirnblutung.
- 4:24Speaker 1: Eine proaktive Rücksprache mit dem Arzt ist hier angezeigt.
- 4:27Speaker 1: Wir sollten vorschlagen, sehr trahlien durch ein Antidepressivum mit keiner oder nur sehr geringer Affinität zum Serttransporter zu ersetzen.
- 4:37Speaker 0: Welche Alternativen können hier empfohlen werden?
- 4:40Speaker 1: Sehr gute Alternatifen mit geringerem Blutungsrisiko sind bupropion, Agomelatin und Moclobemid.
- 4:48Speaker 1: Auch Myrtazapin hat eindeutlich geringeres Risiko.
- 4:52Speaker 1: Ein Wechsel auf beispielsweise Buupropion würde die Interaktion an den Trombozyten komplett umgehen.
- 4:58Speaker 1: Das ist die Key Message für die Praxis, bei Hochrisikopatienten müssen wir SSRI aktiv hinterfragen vor allem dann wenn schon weitere Blutungsrisiko erhöhende Medikamente eingenommen werden.
- 5:11Speaker 0: Ein extrem wertvoller Tipp.
- 5:13Speaker 0: Wie sieht es im OTC-Bereich aus?
- 5:16Speaker 0: Eine beispielsweise junge, ansonsten gesunde Frau unter ES Citalopram verlangt Ibuprofen wegen Menstruationsschmerzen.
- 5:24Speaker 0: Was würden wir da in der Apotheke empfehlen?
- 5:27Speaker 1: Das Risiko für eine Magen Darmblutung ist bei der Kombi aus SSRI und NSAR zwar erhöht Da es sich aber um eine junge Patientin ohne weitere Risikofaktoren handelt und die Einnahme nur kurzzeitig während der Menstruation erfolgt, ist die zusätzliche Empfehlung eines Protonenpumpen-Inhibitors nicht erforderlich.
- 5:47Speaker 1: Das sicherste Analgetikum in Kombination mit einem SSRI ist sicherlich Paracetamol – das sollten wir immer zuerst evaluieren!
- 5:58Speaker 1: Wirkt es nicht ausreichend, können wir Ibuprofen für die Kurzzeittherapie abgeben.
- 6:02Speaker 1: Müssen die Kundin aber anweisen es so kurz und niedrig dosiert wie möglich einzunehmen.
- 6:08Speaker 0: Falls ein Kunde oder eine Kundin eine Hochrisiko-Arzneistoffkombination einnimmt Wie können diese Personen in der Apotheke anleiten Warnzeichen für Blutungen rechtzeitig zu erkennen?
- 6:21Speaker 1: Wir müssen verständliche Warnzeichnen nennen.
- 6:23Speaker 1: Sichtbar sind beispielsweise Pädchen, Vermehrthematome oder Zahnfleischbluten.
- 6:30Speaker 1: Zu den ernsten Anzeichen gehören Teerstuhl oder das Erbrechen von Blut.
- 6:34Speaker 1: Blutungen können jedoch auch unbemerkt verlaufen.
- 6:37Speaker 1: Dies zeigt sich dann in einer Anämie die sich durch extreme Müdigkeit und blasse Haut bemerkbar machen kann.
- 6:44Speaker 0: Und wie verhalten sich Patienten richtig wenn es zu einer Blutung kommt?
- 6:48Speaker 0: Zum Beispiel bei starkem Nasenbluten?
- 6:51Speaker 1: Bei Nasen-Bluten gilt aufrecht hinsetzen, Kopf leicht nach vorne beugen die Nasenflügel für vier bis fünf Minuten zusammendrücken und einen kalten Waschlappen in den Nacken legen.
- 7:02Speaker 1: Wenn das Nasenbluten trotz dieser Massnahmen nach zwanzig Minuten nicht stoppt ist es ein medizinischer Notfall und die betroffene Person muss sofort ins Spital.
- 7:12Speaker 0: Vielen Dank Helmut!
- 7:14Speaker 0: Das war ein unglaublich praxisnaher Ritt durch das Thema An alle Zuhörerinnen und Zuhöhrer, das vollständige Kursangebot zu klinisch relevanten Arzneimittelinteraktionen finden Sie auf der Webseite von apoki.ch.
- 7:30Speaker 0: Das Webinar zum Thema relevante Interaktionen – wenn das Blutungsrisiko steigt ist mit zwölf Komma fünf FPH-Punkten akkreditiert als Weiter- und Fortbildung für Offizienpharmazieh, Spitalpharmazie und klinische Pharmazie Bis zum nächsten Mal.