Latest / DAZWISCHEN Der Sachsen-Anhalt-Podcast / Kulturkampf in Sachsen-Anhalt: Warum Kulturschaffende sich gegen die AfD positionieren
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- 0:00Kultur ist erstmal ein Ort der Begegnung. Sie bringt Menschen zusammen, sie
- 0:04teilt sie nicht gleich in Lager auf. Und mich persönlich treibt gerade
- 0:08die Frage um, wie wir eben gerade verhindern können, dass Kultur so
- 0:11ein politisches Kampffeld wird. Die Gesamtgemengelage ist natürlich schon lange die, dass
- 0:15wir im Land Sachsen-Anhalt ganz genau wissen, wo wir durch rechtspopulistische
- 0:19Kräfte in der Kultur gedroht werden. Dieser Kulturkampf hat tatsächlich ja schon
- 0:25vor einigen Jahren begonnen mit den ersten Anfragen. Ich glaube, das
- 0:28größte Problem ist im Moment, dass schon Erste anfangen einzuknicken, Veranstaltungen abzusagen,
- 0:35Dinge anders zu formulieren, aus Angst vor einer möglicherweise zukünftigen AfD-Regierung.
- 0:41Das finde ich total verheerend. Ich finde, wir müssen das Gegenteil tun,
- 0:44deutlich sagen, wer wir sind, was wir wollen und was wir vor
- 0:47allen Dingen nicht wollen. Das sind verschiedene Stimmen aus der Kulturszene in
- 0:53Sachsen-Anhalt, und das ist ja eine wahnsinnig vielfältige Szene: sieben öffentliche
- 0:57Theater, zwei eigenständige Orchester, fünf Welterbestätten, über 150 Museen und natürlich eine
- 1:03riesige freie Kulturszene. Ja, eine wirklich große Gemeinschaft, von der sich ein
- 1:10Teil, wir haben es gerade gehört, sich Sorge macht. Sie stehen vor
- 1:12der Frage, wie gehen wir um mit dem Druck, der da von
- 1:15rechts kommt, mit den Forderungen, die im AfD-Wahlprogramm stehen, denn sie
- 1:19sind zum großen Teil abhängig von öffentlichen Geldern. Und deshalb haben sich
- 1:23fast 150 Verbände, Initiativen und Kultureinrichtungen aus Sachsen-Anhalt zusammengeschlossen und eine
- 1:29gemeinsame Erklärung unterschrieben, die sich gegen rechtsextreme Einmischungen in die Kulturszene richtet.
- 1:35Denn die AfD widmet der Kultur sehr große Aufmerksamkeit, eine Strategie, die
- 1:39wir bei rechtspopulistischen Parteien auf der ganzen Welt sehen. Doch warum ist
- 1:44Kulturpolitik ein so wichtiges Spielfeld für die AfD? Wie geht die Kulturszene
- 1:48in Sachsen-Anhalt damit um, und gibt es überhaupt Wege, sich da
- 1:52resilienter aufzustellen? Darüber sprechen wir heute bei Dazwischen. Vorher schauen wir, wie
- 2:05immer kurz zurück. Wir haben ja letzte Woche das Interview mit Max
- 2:09Schneller geführt, und das blieb bei mir irgendwie noch so ein bisschen
- 2:12im Nachklang hängen. Marie, wie ging es dir damit? Ja, bei mir
- 2:15auch, weil ich finde, also unabhängig, wie man jetzt vielleicht zu seiner
- 2:19politischen Haltung stehen mag, fand ich es wahnsinnig interessant, wie jemand so
- 2:24jung, so engagiert und aktiv sein kann und auch so eine, ich
- 2:28finde schon so klar differenzierte auch Meinung hat. Das muss ich ehrlich
- 2:32sagen, habe ich von noch nicht so vielen erlebt. Und ich würde
- 2:35auch sagen, ich mit 17, ich war auf jeden Fall noch nicht
- 2:38so weit. Ich würde sogar sagen, viele Leute sind auch mit über
- 2:4117 dann nicht so weit wie der Max ist. Und ich habe
- 2:44echt im Nachgang so ein paar Mal gedacht: Mensch, wenn wir alle
- 2:46nur so ein Viertel, vielleicht sogar nur so ein Zehntel von dem
- 2:50Engagement an den Tag legen würden wie dieser junge Mensch, dann wäre
- 2:52schon irgendwie ganz schön was gewonnen in unserer Gesellschaft. Obwohl wir ja
- 2:55ganz viele Menschen treffen, die sich viel ehrenamtlich engagieren und so. Aber
- 2:59das war schon echt nochmal ein neues Level und hat mich ganz
- 3:01schön beeindruckt. Auf jeden Fall. Mich würde auch interessieren, hat er euch
- 3:04auch beeindruckt oder generell? Habt ihr Lob, Anmerkungen, Kritik, Hinweise? Dann schreibt
- 3:09uns. Die E-Mail-Adresse ist dazwischen@detektor.fm. Oder ihr schickt
- 3:15uns eine Nachricht oder Sprachnachricht via WhatsApp. Die Nummer lautet 01756807345. 01756807345.
- 3:26Die verlinken wir natürlich auch in den Shownotes. Marie, heute sprechen wir
- 3:34darüber, wie die AfD versucht, die Kulturszene in Sachsen-Anhalt zu beeinflussen.
- 3:38Ein sehr bekanntes Beispiel aus der jüngeren Vergangenheit ist Arne Semsrott. Dem
- 3:41haben wir ja schon mal eine ganze Folge hier im Podcast gewidmet.
- 3:44Genau. Also wer es aber verpasst hat, der sollte im Juni eigentlich
- 3:47eine Lesung in der Stadtbibliothek Magdeburg halten. Die wurde dann durch die
- 3:51Stadtverwaltung abgesagt, mutmaßlich auf politischen Druck der AfD, weil Arne Semsrott eben
- 3:57seit Jahren unter anderem vor der Gefahr vor autoritären Strukturen und der
- 4:01AfD warnt. Arne Semsrott hat dann protestiert und am Ende sogar zweimal
- 4:05in Magdeburg gelesen. Aber der Fall zeigt eben auch, wie viel Druck
- 4:08die AfD da jetzt schon auf die Verwaltung und die Kulturszene in
- 4:12Sachsen-Anhalt ausübt. Im Landtag hinterfragt sie regelmäßig mit Anfragen die politische
- 4:17Neutralität von öffentlich geförderten Kulturzentren, um zum Beispiel die Auftritte von unliebsamen
- 4:23Künstlern abzusagen. Und Ende Juni hat sie im Landtag ja auch einen
- 4:26Antrag eingereicht, der staatliche Kulturförderung an ein Bekenntnis zur deutschen Nationalkultur koppeln
- 4:32sollte. Der ist gescheitert, dann im Landtag. Nach den Wahlen könnte das
- 4:38aber anders aussehen, wenn die AfD wirklich die meisten Stimmen holen sollte.
- 4:43Denn die Partei spricht in ihrem Wahlprogramm ja von einer patriotischen Kulturpolitik.
- 4:48Sie schreiben da: „Wir werden Sachsen-Anhalt zum Musterland der Kulturpolitik machen“
- 4:52und streben einen Fokus auf Heimat und Brauchtum an, statt auf zeitgenössische
- 4:58oder internationale Kunst. Und sie wollen eben Kulturförderung an ein Bekenntnis zur
- 5:04„deutschen Nationalkultur“ koppeln und so im Zweifel auch unliebsame Institutionen streichen.
- 5:10Genau. Und auch wenn das nicht sonderlich überraschend ist, als das Wahlprogramm
- 5:13im April rauskam, hat es in der Kulturszene in Sachsen-Anhalt einen
- 5:16ganz schönen Sturm ausgelöst. Ich habe darüber mit Annegret Labs, der Direktorin
- 5:21des Kunstmuseums Magdeburg, gesprochen. Und dann war eigentlich relativ schnell klar, wir
- 5:25müssen um Aufmerksamkeit zu erzeugen tatsächlich einen Titel finden, der viele Menschen
- 5:30anspricht. Wir wollen jetzt nicht einzelne KulturakteurInnen darin vereinigen, sondern wir wollen
- 5:37versuchen, die ganze Kultur in Sachsen-Anhalt auf unsere Seite zu bekommen.
- 5:41Aus dieser Idee heraus ist Anfang Mai das Netzwerk „Kultur ist Vielfalt
- 5:46und Heimat“ entstanden, in dem sich wirklich ziemlich viele der großen Kulturakteure
- 5:50des Landes zusammengetan haben, aber auch Einzelpersonen aus ganz Deutschland. Man kann
- 5:55da ein gemeinsames Statement unterschreiben, aber auch spenden, um das gemeinsam zu
- 6:02veranstalten. Okay, aber was steht denn da jetzt genau in diesem Statement?
- 6:06Das ist relativ lang. Ich trage es dir jetzt nicht komplett vor,
- 6:09aber um es vielleicht kurz zusammenzufassen: Heimat entsteht dort, wo Vielfalt, Respekt
- 6:14und ein gleichberechtigtes Miteinander gelebt werden. Kunst und Kultur schaffen Räume für
- 6:19Begegnungen, fördern den demokratischen Austausch und stärken eine offene Gesellschaft. Deshalb stellen
- 6:24sich die Unterzeichnenden entschieden gegen Rechtspopulismus, Ausgrenzung und jede politische Einflussnahme auf
- 6:29Kunst und Kultur. Kultur ist Vielfalt und Heimat.
- 6:33Das ist ja ein interessanter Name, denn gerade der Heimatbegriff wird ja von rechtspopulistischen und rechtsextremen Kräften
- 6:39stark vereinnahmt. Genau, aber das wird ja dann oft sehr eindimensional beschrieben,
- 6:44dieser Begriff Heimat. Also Heimat ist dann da, wo du geboren wurdest,
- 6:48zum Beispiel. Und dieses Netzwerk wollte dem eben etwas entgegensetzen. Und das
- 6:53hat auch Annegret Labs mir nochmal erzählt: „Für uns ist es
- 6:56wichtig, dass Heimat ja auch aus diesen Verschiedenheiten besteht, die für uns
- 7:01Kultur ausmacht. Also Heimat ist dort, wo alle Kulturen gleichwertig anerkannt werden,
- 7:07wo wir sie leben auf Augenhöhe. Also wir sind ja hier schon
- 7:11lange als Einwanderungsland in Deutschland nicht nur mit unseren Kulturen beschäftigt, sondern
- 7:15mit allen anderen auch. Und das ist ja in der Kultur tatsächlich
- 7:19das, was die Kultur ausmacht. Und das war uns wichtig: Kunstfreiheit, Meinungsfreiheit,
- 7:25Gegenab und Ausgrenzung, demokratische Werte verteidigen, die kulturelle Arbeit wirklich auf
- 7:32eine Basis stellen, die tolerant ist und diese Freiheit mitnimmt. Ein schönes
- 7:37Beispiel dafür ist eine sehr politische Installation, die gerade im Kunstmuseum Magdeburg
- 7:41in der Klosterkirche zu sehen ist. Die Bilder habt ihr bestimmt schon
- 7:44gesehen, denn das ging ziemlich viral. Da steht nämlich so ein riesengroßes
- 7:48weißes Nashorn, das den Blick und den Gang durch diesen mittelalterlichen Kirchenraum
- 7:52versperrt. Der Künstler ist Itamar Goff, geboren 1989 in Tel Aviv. Itamar kam
- 7:59auf mich zu und sagte: „Bei euch renozidisieren sich die Menschen ja
- 8:03auch schon.“ Ich gucke ihn an und sage: „Ich weiß gar nicht,
- 8:05was du meinst. Was heißt denn renozidisieren?“ Dann haben wir festgestellt, im
- 8:08Hebräischen gibt es diesen Begriff, und zwar dafür, sich totalitären Gedankengut annähern,
- 8:15also sich unhinterfragte Meinungen anderer anzufließen. Das heißt, dass im Hebräischen, im
- 8:20Englischen, im Deutschen, im Französischen gibt es das überhaupt nicht. Deshalb haben
- 8:23wir dieses Tier dort aufgebaut und diese überdimensionale Größe und vermitteln das
- 8:28natürlich auch mit Texten und vor allen Dingen auch mit der musikalischen
- 8:32Installation, die zu diesem Tier gehört. Man merkt, die Menschen beschäftigen sich
- 8:36damit: Was ist Kunstfreiheit? Was ist unsere Meinungsfreiheit? Was passiert da eigentlich
- 8:40in unserer Gesellschaft im Moment? Also auf der einen Seite ist das
- 8:43natürlich total schön, dass da jetzt so ein Austausch entsteht. Auf der
- 8:48anderen Seite, naja, muss man ja auch sagen, dass das Kulturpublikum ja
- 8:51jetzt nicht unbedingt repräsentativ für die gesamte Gesellschaft ist. Das ist ja
- 8:55auch wieder nur ein Teil. Und in Sachsen-Anhalt gibt es ja
- 8:59trotzdem sehr viele Menschen, zumindest noch aktuellen Umfragen, die beispielsweise um bis
- 9:04zu 40 Prozent die AfD wählen. Ja, natürlich wird man mit solchen
- 9:08Installationen nicht alle erreichen. Trotzdem versucht das Netzwerk da schon auch raus
- 9:13aus der eigenen Blase zu kommen, hat mir Annegret Labs erzählt. Deshalb
- 9:16sind wir aber zum Beispiel mit dem Netzwerk „Kultur Vielfalt Heimat“ auch
- 9:20nach draußen gegangen. Also wir haben Veranstaltungen gemacht und werden das auch
- 9:23weitertun, um auch die zu erweichen, die vielleicht noch unsicher sind oder
- 9:27die gar nicht wissen, was es eigentlich bedeutet, dieser Rechtsruck, wenn der
- 9:31in der Kultur tatsächlich stattfindet, was wir dann noch tun oder was
- 9:36wir dann alles nicht mehr tun können. Ja, und gerade in der
- 9:39Kultur ist das ja, finde ich, ziemlich naheliegend, denn ich glaube, wir
- 9:41genießen schon, oder zumindest die meisten von uns genießen es natürlich auch,
- 9:45mal eine Shakespeare-Inszenierung im Theater zu sehen. Und das ist eben
- 9:48auch das, was Annegret Labs dann immer so dem entgegensetzt, wenn Leute
- 9:50da sagen: „Ja, also wir brauchen sozusagen nur diesen Vielfaltsbegriff oder diesen
- 9:54Kulturbegriff. Wir können zurückgehen bis in die Antike. Da ist nix deutsch.“
- 9:59Ja, also diese Idee von der deutschen Kultur. Ich meine, wollen wir
- 10:03Verdi wirklich nicht mehr im Theater hören? Wollen wir wirklich keine Shakespeare-
- 10:06Aufführungen mehr haben? Oder wollen wir wirklich keine Kunst mehr in den
- 10:10Museen sehen, die aus Frankreich oder Italien oder aus Südafrika entstanden? Also
- 10:15ich glaube nicht, dass wir das wollen. Aber warum greifen eigentlich autoritäre
- 10:26Kräfte so oft die Kulturszene an? Also ich meine, wir haben das
- 10:29ja schon irgendwie gesehen in Polen, in den USA, in Ungarn. Überall
- 10:35gab es großen Druck und teilweise auch große Einschränkungen für diese Szene.
- 10:40Aber warum ist Kulturpolitik, die sonst ja eigentlich eher stiefmütterlich behandelt wird,
- 10:45wo ständig Gelder gestrichen werden, warum ist die genau da plötzlich so
- 10:49wichtig? Darüber habe ich lange mit Christoph Bartmann gesprochen.
- 10:52Der hat nämlich ein Buch geschrieben mit dem Titel „Attacke von rechts –
- 10:55der neue Kampf um die Kultur“ und war damit auch mehrfach bei
- 10:58Veranstaltungen vom Netzwerk „Kultur ist Vielfalt und Heimat“ zu Gast. Und ich
- 11:02habe ihn zuerst gefragt, warum die Kulturszene für die AfD zum Beispiel
- 11:05so interessant ist. Über Kultur bestand längere Zeit jetzt im liberalen Spektrum
- 11:14im Diesseits der Brandmauer der Konsens, dass die Politik sich nicht zu
- 11:20sehr dort einmischen solle. Man hat die Kultur eigentlich gewähren lassen. Das
- 11:24war übrigens immer auch eine Qualität konservativer Kulturpolitikerinnen und Politiker, dass die,
- 11:31auch wenn sie vielleicht inhaltlich mit dem ein oder anderen nicht froh
- 11:34wurden, gesagt haben: „Lasst die Kultur machen.“ Und unterdessen hat sich aber
- 11:39bei der AfD rechts außen der Verdacht eingeschlichen, dass mit der Kultur
- 11:46unabhängig davon, wer gerade regiert, eine linksgrüne Nebenregierung etabliert wird. Da sitzen
- 11:54linksliberale Menschen mit viel gutem Gehalt und viel Macht und bestimmen, ähnlich
- 12:01wie auch in Medien, Schulen, Kirchen, bestimmen sie unser Tun und Denken
- 12:07und nehmen Einfluss auf unsere gesellschaftlichen Überzeugungen und Haltungen. Und das tun
- 12:13sie alles überwiegend mit Staatsknete, was die Sache besonders unangenehm macht aus
- 12:18der Sicht der AfD. Und das ist also so eine Art Stall,
- 12:22der ausgemistet werden müsste, endlich. Und seitdem das so Konsens ist, ganz
- 12:27rechts wird überall, ja nicht nur in Deutschland, sondern in vielen Ländern
- 12:32der Welt von rechts auf die Kultur eingewirkt. Sie haben sich ja
- 12:37verschiedene internationale Beispiele angeschaut: USA, Polen, Österreich. Welche Muster kann man dabei
- 12:42erkennen? Also zunächst mal glaube ich, es ist ganz unterschiedlich, je nachdem,
- 12:46ob in Ländern der Staat sehr großen Einfluss auf die Kultur hat.
- 12:51Also das ist bei meinen Beispielen sicher in Polen der Fall, auch
- 12:55in Österreich, auch in Deutschland. Oder aber ob die Kultur mehr oder
- 13:00weniger im privaten Sektor angesiedelt ist, so wie in den USA. Man
- 13:05könnte also denken, die Kultur ist weniger bedroht von Eingriffen von rechts,
- 13:10wenn sie ohnehin so privat verfasst ist. Aber man kann in den
- 13:13USA ja auch sehr schön sehen, dass unter Trump man sich jetzt
- 13:17also die wenigen staatlichen Kulturleuchttürme, wie beispielsweise eben das Kennedy Center in
- 13:23Washington, dass die unter die Ägide der Trump-Administration gestellt werden sollen.
- 13:32Anderswo versucht man es von vornherein, von Staatswegen breit in die Kultur
- 13:36zu intervenieren. Das war so in Polen der Fall in der Ära
- 13:40der PiS, also der rechtspopulistischen oder rechtskonservativen Partei 2015 bis 2023. Da
- 13:48ging es immer um Kultur, aber noch mehr eigentlich um Medien. Also
- 13:52erst mal hat man versucht, die Medien unter Kontrolle zu kriegen. Das
- 13:55geht ja auch immer einfacher, weil es da weniger Akteure gibt. Das
- 13:59ist bei der Kultur aufgrund der vielen Akteure und vielen Einrichtungen natürlich
- 14:03alles viel schwieriger. Man hat versucht in Polen also alles das, worauf
- 14:07der Staat Einfluss nehmen kann, das sind die nationalen Kultureinrichtungen dort, das
- 14:12Personal auszutauschen und die Kuratorien oder so zu entmachten oder mit Parteigängern
- 14:18zu ersetzen und alles, was man auf dem Feld tun konnte. Ich
- 14:22würde sagen, unterm Strich mit mäßigem Erfolg. Der Kultur ist nicht so
- 14:26ohne Weiteres beizukommen, selbst in autoritär verfassten Staaten oder unter solchen Regierungen,
- 14:33weil sie sich immer auf so vielen Ebenen abspielt. Jetzt würde mancher
- 14:36vielleicht auch sagen, wenn eine demokratisch gewählte Partei Kulturpolitik verändern möchte, dann
- 14:42ist das ja auch erst mal ein normaler demokratischer Prozess. Wo verläuft
- 14:46für Sie die Grenze zwischen legitimer Kulturpolitik und dann eben dem Angriff
- 14:51auf die liberale Demokratie oder Kulturszene? Also es ist nachvollziehbar, wenn eine
- 14:57politische Partei kulturpolitisch bestimmte Stichworte setzt. Bei der AfD ist jetzt aber
- 15:05im Vorgefühl eines großen Wahlsieges, zunächst in Magdeburg und dann vielleicht auch
- 15:10in Schwerin, es so, dass man sich vorstellt, man könnte das so
- 15:15ähnlich machen wie Trump in den USA. Also man hat sozusagen das
- 15:19Popular Vote gewonnen, hat einfach absolute Mehrheit, kann durchregieren und dann kann
- 15:24man so Regierungsprogramme eins zu eins umsetzen, wie wir sie von der
- 15:28AfD ja schon gelesen haben. Und die müssen auch gar nicht mehr
- 15:31zur Diskussion gestellt werden. Also da ist so ein Systemwechsel vorgesehen im
- 15:37Kulturellen und Kulturpolitischen, den es in Deutschland so noch nicht gegeben hat
- 15:41seit 1945 oder 1949, seit der Gründung der Bundesrepublik. Insofern hat das
- 15:48eine völlig neue Qualität und hat nichts damit zu tun, was man
- 15:52kennt als reguläre Machtwechsel unter demokratischen Parteien, die auch nur Kulturpolitik, die
- 16:00hier und da ihre eigenen Akzente setzen will. Sie beginnen ja Ihr
- 16:03Buch mit Beispielen aus Sachsen-Anhalt. Warum gerade dieses Bundesland? Warum haben
- 16:07Sie sich das ausgesucht? Das lag einfach so nahe, weil zu der
- 16:12Zeit die AfD-Fraktion im Landtag in Magdeburg so hervorgetreten ist mit
- 16:17ihrer Polemik gegen das Bauhaus, also wegen dem vom Land Sachsen-Anhalt
- 16:22gefundenen Landes-Slogan „Hashtag modern denken“. Und das war also der der
- 16:29AfD-Fraktion und namentlich dem Abgeordneten Till Schneider ein Dorn im Auge.
- 16:34Und ihr Hashtag für eine kommende AfD-Regierung wäre dann „deutsch denken“.
- 16:40Also diese Polemik gegen das Bauhaus fand ich doch hochinteressant. Sie hat
- 16:44sich ja bis heute fortgesetzt und sie geht auch nicht weg. Und
- 16:47man muss sich angucken, was in Sachsen-Anhalt dann als nächstes passiert.
- 16:50Sachsen-Anhalt ist so ein bisschen was wie die Versuchsstation einer kommenden
- 16:55aggressiven Kulturpolitik von rechts. Und das wird vielleicht in anderen Teilen Deutschlands
- 17:00so noch gar nicht wirklich wahrgenommen oder ernst genommen. Aber da kann
- 17:03man es eigentlich schon sehen. Und zum Beispiel, ich war jetzt kürzlich
- 17:06in Magdeburg, war auch eingeladen, hatte Gelegenheit, mit Leuten aus der Kulturszene
- 17:11zu sprechen. Und da ist die Sorge schon riesengroß. Die Kulturszene und
- 17:16die demokratischen Parteien haben sich ja auf ein Kulturfördergesetz verständigt. Ein Gesetz
- 17:24mit dem man sich resilienter machen kann. Das fand dann in Magdeburg
- 17:29im Landtag eine Mehrheit, also von CDU bis Linke. Und die AfD
- 17:34hat sich enthalten. Es war der Versuch, sich im Rahmen des Möglichen
- 17:39zu schützen vor der AfD, vor den Regierungen, wenn die AfD regiert
- 17:43oder möglicherweise sogar mit absoluter Mehrheit regiert. Also das ist so ein
- 17:48Schritt. Was wäre denn aus Ihrer Sicht das wahrscheinlichste Szenario, wenn so
- 17:52eine Partei wie die AfD tatsächlich das Kulturministerium übernehmen würde? Also ich
- 17:57glaube, man wäre in der AfD erst mal überrascht, wie schwierig Kulturpolitik
- 18:01ist und wie vielgestaltig, wie viele Ebenen es da gibt und worauf
- 18:05man Einfluss nehmen kann und worauf eben nicht. Und was auch möglicherweise
- 18:10juristisch möglich ist und was eben nicht möglich ist. Also da würden
- 18:14Sie wahrscheinlich erst mal überrascht sein. An Durchregieren ist da so ohne
- 18:19weiteres gar nicht zu denken. Ich denke auch, dass es schwierig wird
- 18:22mit Personal. Es gibt im Moment noch nicht in dem Umfang rechtsaußen
- 18:28Personal für Kultur und Kulturpolitik, also Theaterintendantinnen und Museumsleiter und Gedenkstättenleiter. Und
- 18:35so sehe ich jetzt nicht unmittelbar, dass die alle aus den Reihen
- 18:38der AfD oder ihrer Sympathisanten besetzt werden können. Das ist ein weiter
- 18:43Weg. Es ist auch, glaube ich, ein großer Unterschied zur nationalsozialistischen Machtergreifung,
- 18:48wo sich die Reihen sehr schnell schließen ließen, nachdem man die Amtsinhaber
- 18:53gefeuert hatte. Und dann wird man sehen, wo können wir wirklich Einfluss
- 18:59nehmen oder wo können wir, wenn wir schon nicht Institutionen gänzlich in
- 19:04unserem Sinne umgestalten können, wir bestehende Institutionen irgendwie beschädigen. Also wenn man
- 19:10sie nicht komplett zerstören kann, dann kann man sie stören, so wie
- 19:13die AfD den parlamentarischen Betrieb stört mit diesen ganzen Anfragen und so.
- 19:18Also eigentlich so eine Art Lähmung der Kultur, bevor man selber Ideen
- 19:24hat oder umsetzen kann, was denn an die Stelle treten soll. Das
- 19:28ist aber kein Umstand, der einen irgendwie zufriedenstellen kann oder beruhigen sollte.
- 19:33Mit so einer Mischung aus aggressiven, brachialen Methoden und dann so Verfahrenstricks
- 19:41und so kann man schon eine Menge im destruktiven Sinn, eine Menge
- 19:45erreichen in der Kultur. Ein wichtiges Feld in der ganzen Debatte ist
- 19:49ja Erinnerungskultur. Warum spielt gerade dieser Bereich für die Bewegung, für die
- 19:54rechte Bewegung so eine große Rolle? Na, da gibt es natürlich prominente
- 19:58Aussagen zum Gruseln, wie zum Beispiel Gaulands Fliegenschiss-Rede im Deutschen Bundestag.
- 20:06Also eigentlich der Appell daran, doch die große deutsche Geschichte endlich wieder
- 20:09in den Vordergrund zu rücken und von dem zwölfjährigen Zwischenspiel der Nationalsozialisten
- 20:15endlich Abstand zu nehmen, erinnerungskulturell. Und dann gibt es auch dieses berühmte
- 20:19Wort von Björn Höcke über die erinnerungspolitische Wende um 180 Grad, dass
- 20:25die deutsche Erinnerungskultur NS-lastig ist. Das ist der AfD ein Dorn
- 20:32im Auge, so wie es in den USA Trump und den seinen ein
- 20:36Dorn im Auge ist, wenn so Themen wie Sklaverei, Rassismus und so
- 20:42in den Vordergrund gerückt werden. Da gibt es ja ganze Listen von
- 20:45Wörtern, die in der staatsbürgerlichen Bildung einfach gar nicht mehr verwendet werden
- 20:50dürfen. Und so ähnlich würde sich das die AfD auch vorstellen. Also
- 20:55dieses nicht nur leicht den Kurs ändern, sondern tatsächlich umpolen der Erinnerungspolitik.
- 21:03Und es würden auch die Besuche der Jugendlichen bei diesen Gedenkstätten künftig
- 21:08wegfallen. Also ich glaube, Erinnerungspolitik ist tatsächlich eines der heißesten Eisen in
- 21:14dieser Attacke von rechts. Sie kritisieren in Ihrem Buch, dass Demokraten und
- 21:19Demokratinnen die Kulturpolitik häufig unterschätzen. Was sollten wir jetzt gerade konkret anders
- 21:25machen, wenn wir es ernst nehmen? Ich glaube, es wäre eine große
- 21:31kulturpolitische Überlegung notwendig. So ähnlich wie dieses Kulturfördergesetz in Sachsen-Anhalt könnte
- 21:38man sich mal auf Bundesebene vorstellen, was tatsächlich Not täte, um die
- 21:43Kultur im Rahmen des politisch Möglichen. Also wenn die anderen Wahlen gewinnen,
- 21:47wird es sowieso immer heikel. Aber was im Rahmen des politisch Möglichen
- 21:51getan werden kann, um die Kultur besser abzusichern. Da gibt es ja
- 21:55so Überlegungen wie Kultur als Staatsziel, Kultur ins Grundgesetz, Kultur mit einer
- 22:02bestimmten finanziellen Ausstattung so ein Festschreiben. Und dann würde ich denken, zeigt
- 22:08was ihr könnt. Spielt so gut, wie ihr nur spielt, als wenn
- 22:14es ums Theater ginge. Also zeigt, wozu ihr in der Lage seid,
- 22:18also wozu eine freie Kulturlandschaft in der Lage ist, wozu die auch
- 22:23Finanzierung verdient. Ich würde mir Bühnen und andere Spielstätten wünschen, die tatsächlich
- 22:29ihre, sagen wir, Resilienz durch herausragende Produktionen unter Beweis stellen. Also vielleicht
- 22:43noch mal ganz kurz zusammengefasst: Kultur gilt als soziales und kritisches Fundament
- 22:47einer demokratischen Gesellschaft. Sie schafft öffentliche Räume für den Diskurs, fördert gesellschaftlichen
- 22:52Zusammenhalt und dient als eine Art Frühwarnsystem für politische und gesellschaftliche Veränderungen.
- 22:58Deshalb sehen wir den Angriff von rechts auf die Kultur eben auch
- 23:01international, weil es in der Kultur eben auch viel um Werte und
- 23:05auch um Identität geht. Genau damit arbeitet die AfD ja auch in
- 23:09ihrem Wahlprogramm. Da steht ja: „Die deutsche Identität sei wesentlich auch
- 23:14Ergebnis deutscher Kunst.“ Ja, aber allein schon zu sagen, was deutsche Kunst
- 23:18eigentlich ist, das ist ja irgendwie relativ schwierig, denn wir sind ja
- 23:21beeinflusst. Wir leben ja in einer Welt mit anderen Menschen. Also natürlich
- 23:25ist unsere Identität, wenn es denn so etwas Kollektives überhaupt gibt, die
- 23:29ist beeinflusst von griechischen Philosophen, vom Rechtssystem und auch vom Verwaltungsprinzip des
- 23:35Römischen Reiches, von der französischen Revolution. Und selbst jemand wie Johann Wolfgang
- 23:39von Goethe, den man jetzt vielleicht so als sehr deutsche Kultur hochhalten
- 23:43würde, für den war seine Italienreise einer der entscheidendsten Wendepunkte in seinem
- 23:48Leben. Also das sind nur so ein paar Beispiele, um mal aufzuzeigen,
- 23:51dass diese Diskussion auch so ein bisschen eindimensional ist. Trotzdem gibt es
- 23:54ja Angriffe auf die freie Kulturszene. Trotzdem gibt es ja Teile in
- 23:59der Bevölkerung, die da irgendwie eine Einteilung vornehmen wollen in etwas in
- 24:04deutsche Kunst und in Kunst, die ihrer Ansicht nach nicht deutsch ist.
- 24:09Wie geht denn die Kulturszene damit um? Wie schützen sie sich? Ja,
- 24:12einen wichtigen Punkt hat ja Christoph Bartmann schon angesprochen. Die Kulturszene kann
- 24:16das natürlich nicht alleine. Also wenn wir eine freie, eine unabhängige Kulturszene
- 24:20haben wollen, dann müssen wir sie finanziell besser absichern und auch gegen
- 24:23politische Einflussnahme schützen. Das Kulturfördergesetz in Sachsen-Anhalt, das könnte da ein
- 24:28guter Anfang sein. Man muss aber auch hier einschränkend sagen, wenn die
- 24:31AfD die absolute Mehrheit bekommt, könnte sie dieses Gesetz auch einfach umschreiben,
- 24:36sodass eben nur noch Institutionen Fördermittel erhalten, die eben in diese Vorstellungen
- 24:39passen. Deswegen könnte man auch überlegen, Kultur als Staatsziel festzulegen, sie ins
- 24:44Grundgesetz zu schreiben oder sogar eine bestimmte finanzielle Ausstattung festzuschreiben, damit man
- 24:49sie eben vor politischer Einflussnahme, egal von welcher Richtung, schützt. Und der
- 24:55Autor Christoph Bartmann hat dann noch einen letzten Punkt gemacht, den er
- 24:58selber total wichtig findet, nämlich dass die Häuser, die Kulturinstitutionen, mit ihrer 00:25:04.000 --> 00:25:07.000 Exzellenz überzeugen, denn dann sind sie schwieriger kaputt zu machen und finden
- 25:07vielleicht sogar andere Finanzierungsmodelle, als sich eben von öffentlichen Geldern abhängig zu
- 25:12machen. Das hat mir auch Volker Ude erzählt. Der hat mir eine
- 25:15Sprachnachricht geschickt. Er ist der Intendant der Köthener Bachfesttage. Ich habe jetzt
- 25:20angefangen, öffentlich zu sagen, dass ich keine Subventionen annehmen werde von einer
- 25:25AfD-geführten Landesregierung, weil die mich dann erpressen können. Und gerade mit
- 25:30dem Thema Bach und vielen anderen verwandten Themen, diese ganzen mitteldeutschen Komponisten,
- 25:36das passt natürlich wunderbar in deren nationalistische Strategie. Und das will ich
- 25:39um jeden Preis vermeiden. Ich habe angefangen, mir Strategien zurechtzulegen, mit
- 25:44PartnerInnen zu sprechen, um im Fall der Fälle davon unabhängig zu
- 25:50sein. Ich bin inzwischen sicher, dass sich andere Wege der Finanzierung finden
- 25:54lassen und werde mich auf gar keinen Fall darauf einlassen oder einknicken.
- 25:59Das ist natürlich eine starke Haltung, wo ich auch sagen
- 26:03muss: Interessant wird es dann werden, ob solche Institutionen das überhaupt durchhalten.
- 26:10Denn, naja, wenn sich Häuser eigenständig finanzieren müssen, muss man natürlich aufpassen,
- 26:15dass Kultur nicht nur noch für die Elite zugänglich ist, weil eben
- 26:19ohne öffentliche Gelder die Ticketpreise hochgehen, um das irgendwie zu finanzieren. Denn öffentliches
- 26:24Geld führte dazu, dass beispielsweise auch günstigere Tickets angeboten werden können. Ja,
- 26:29das ist ja ehrlicherweise mit den Eliten zumindest heute schon oft ein
- 26:32Problem, an dem die Kulturszene auch arbeiten muss. Und einige Kulturakteure machen
- 26:36das auch schon über Solidaritätstickets oder eben so etwas wie kostenfreie Tage
- 26:40in Museen. Annegret Labs vom Kunstmuseum hat mir dazu noch eine kleine
- 26:44Geschichte erzählt, die ich auch ganz eindrücklich fand. Wir haben auf dem
- 26:47Sachsen-Anhalt-Tag ein Glücksrad gehabt und haben Eintrittskarten von Museen, aber
- 26:52auch sogar Opernkarten für das Theater Magdeburg verglücksradelt. Und da hat man
- 26:58natürlich gemerkt, dass die Menschen sich riesig freuen, wenn sie eine 40
- 27:02Euro teure Karte bekommen und sagen: "Das ist ja Wahnsinn, wir fahren
- 27:07nach Magdeburg ins Theater, ins Theater des Jahres." Das ist ihnen schon
- 27:10bewusst. Und das macht natürlich Mut. Und das heißt für uns als
- 27:14Kultureinrichtung natürlich auch: Wir müssen dringend darüber nachdenken, was es Kultur kosten
- 27:19darf. Also das ist eine große Diskussion, die wir, egal wie das
- 27:23im Herbst ausgeht, in der Kultur dringend führen müssen, damit eben alle
- 27:28Menschen Zugang zu kulturellen Angeboten haben und auch deren Wert überhaupt schätzen
- 27:32können. Eine positive Entwicklung vielleicht noch: Wir haben ja vorhin von diesem
- 27:36Statement vom Netzwerk Kultur ist Vielfalt und Heimat gesprochen. Das ist jetzt
- 27:40im Juli im Stadtrat in Magdeburg diskutiert worden, und dann haben sich
- 27:43die demokratischen Parteien mit einem überfraktionellen Antrag diesem Statement angeschlossen. Und ich
- 27:48finde, das ist schon auch nochmal so ein Zeichen, wie wichtig die
- 27:52Kultur in der Stadtszene ist und wie man sich sozusagen auch als
- 27:54Stadtrat da aufstellt. Naja, und nicht nur in Magdeburg. Ich würde sagen,
- 27:59in dieser Folge ist insgesamt klar geworden, dass Kultur über die Stadtgrenzen
- 28:04hinaus wichtig ist und mehr als nur ein Theater, Museum oder Bibliothek.
- 28:08Kulturschaft sind Orte, an denen wir uns begegnen, Inhalte, mit denen wir uns
- 28:13auseinandersetzen, die uns vielleicht auch manchmal anpiksen und kurz ärgern, aber ans
- 28:17Nachdenken bringen, über die wir streiten können. Und naja, vor allem erweitert
- 28:22sie so unseren eigenen Horizont und bringt eben oft auch ganz verschiedene
- 28:26Menschen und Blickwinkel zusammen und setzt so Impulse: Wie wollen wir gemeinsam
- 28:30die Zukunft gestalten? Und da gibt es eine Initiative, die haben wir
- 28:33euch in der Bildungsfolge schon mal vorgestellt: Lida aus Sachsen-Anhalt, die
- 28:37veröffentlicht auf ihrem YouTube- und Instagram-Account jede Woche einen neuen Song
- 28:40von Musikern und Musikerinnen aus der Region, die eben ihren Blick auf
- 28:44das Land und die politische Situation gerade verarbeiten. Ich habe für diese
- 28:48Folge auch noch mal mit dem Initiator David Perner gesprochen, und der
- 28:51sagt: "Wir müssen auch so ein bisschen das Positive nicht aus dem
- 28:55Blick verlieren. Wir sind hier, wir sind viele. Wir kommen hier aus
- 28:59Sachsen-Anhalt. Wir stehen für Demokratie, für Vielfalt und eben für ein
- 29:03Bundesland, in dem niemand Angst haben muss, anders zu sein. Mein Wunsch
- 29:07ist, dass wir uns nicht nur darüber unterhalten, was wir verhindern wollen,
- 29:11auch mit Blick auf September, sondern dass wir viel öfter darüber sprechen,
- 29:15welche Gesellschaft wir eigentlich gemeinsam gestalten wollen, dass wir ins positive Denken
- 29:19kommen. Und da kann Kultur ein kraftvoller Ort sein. Natürlich braucht es
- 29:22auch eine Gegenwehr, ein Dagegen gegen die antidemokratischen Bestrebungen. Aber es braucht
- 29:28eben auch ein Dafür für das, was Sachsen-Anhalt in Zukunft ausmachen
- 29:32kann. Und der Grundsatz ist, dass wir bunter sind, als viele das
- 29:36von uns glauben. Mit diesem Aufruf, sich positiv einzusetzen, sind wir fast
- 29:47am Ende unserer Folge angekommen. Wenn ihr euch dafür interessiert, wie die
- 29:51Kulturszene in Sachsen-Anhalt sich gerade für Vielfalt engagiert, dann schaut doch
- 29:54mal auf die Webseite des Netzwerks Kultur ist Vielfalt und Heimat. Dort
- 29:58gibt es auch viele interessante Veranstaltungen zu diesem Thema. Apropos Veranstaltung, du
- 30:02hast für diese Folge einen Tipp mitgebracht. Ganz genau, thematisch passend. Wir
- 30:07haben ja vorhin schon von dem großen weißen Rhinozeros gehört. Und das
- 30:12geht jetzt auf Tour in Sachsen-Anhalt. Das Rhinozeros reist im Sommer
- 30:17durch das Land Sachsen-Anhalt. Es eröffnet an verschiedenen Orten Räume für
- 30:21Gespräche über autoritäre Tendenzen, über Demokratie und individuelle Verantwortung. Ab dem 30.
- 30:29Juli bis zum 11. August ist es in der alten Brauerei in
- 30:33Dessau zu sehen. Und seine letzte Station macht es ganz im Süden
- 30:36des Landes, ab dem 30. August in der Nikolaikirche in Zeitz. Also
- 30:42verpasst es nicht, es lohnt sich. Ja, mehr Infos und witzige
- 30:46Fotos vom Riesen-Rhino findet ihr auch in unserem Newsletter. Wenn ihr
- 30:50den noch nicht abonniert habt, macht das doch total gerne. Und schaut
- 30:55gerne auch mal auf die Homepage vom Landesnetzwerk der Kulturfördervereine. Das hat
- 30:59nämlich zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt die antretenden Parteien um die Beantwortung
- 31:03von wichtigen Fragen rund um die Kulturszene gebeten. Und die Antworten, die
- 31:07geben einen ganz guten Überblick über die kulturpolitischen Ziele der verschiedenen Parteien.
- 31:11Den Link packen wir euch auch in die Show Notes. Marie, ich
- 31:14bin nächste Woche im Urlaub, aber dafür hast du richtig hohen Besuch.
- 31:20Ja, das ist korrekt. Ministerpräsident Sven Schulze ist bei uns zum langen
- 31:24Interview zu Gast, beziehungsweise ehrlicherweise, wir fahren zu ihm nach Magdeburg, aber
- 31:28er ist zu Gast bei uns in der Folge. Wir sprechen mit
- 31:31ihm über Themen, die die Menschen in Sachsen-Anhalt bewegen. Ich glaube,
- 31:34das wird wirklich ein sehr spannendes Gespräch. Ja, das wird bestimmt spannend.
- 31:38Ich lausche dann vom Ostseestrand, was der Ministerpräsident da so für Antworten
- 31:43hat. Ja, und wir hören uns dann nächste Woche. Ich freue mich
- 31:45darauf. Bis dahin! Dieser Podcast ist eine Kooperation von detektor.fm und
- 31:57dem Media Forward Fund. Podcast Hosts: Marie Landes und Katja Schmidt. Community
- 32:03Redakteurin: Anne Koslowski. Akneig Podcast Redaktion: Leonard Schubert. Cover Design: Claudia Dölling
- 32:11und Anja Kriemer von Sisters of Design. Originalmusik: Florian Sievers. Audioproduktion: Benjamin
- 32:19Serdani, Stanley Beidauf und Tim Schmutzler. Projektleitung: Christian Bollert. Copyright WDR 2021.