Latest / Gin And Talk / Jan Weiler über Ältern, COVID-19 und ein gesundes Arbeitspensum
Transcript
- 0:00Speaker 0: Das sind Menschen, aber ich den Eindruck die auf eine schon infantile Art nazistisch sind.
- 0:06Speaker 0: Es geht nur um mich – Ich will diese Maske nicht tragen!
- 0:10Speaker 0: Ein Appell an Empathie und Gemeinsinn schlägt bei diesen Menschen völlig fehl.
- 0:14Speaker 0: Ich bin einfach echt überredet worden.
- 0:16Speaker 0: hart überredelt habe dieses Buch geschrieben hab den Text abgegeben und hab gedacht jetzt geht mein Leben eben einfach so weiter wie es immer sowieso schon war mit Chefredaktionen und Konferenzen und jede Woche Häftchen.
- 0:29Speaker 0: Dann ist das Buch rausgekommen und ich bin dann ganz schwer erkrankt.
- 0:33Speaker 0: Und das dann aufzugeben und zu sagen, jetzt bin ich ganz alleine in meinem Zimmerchen und schreibe irgendwelche Bücher hat mich auch geängstigt.
- 0:39Speaker 0: Ich habe auch so gedacht Wir probieren dass man ja aus und wenn es für ein Jahr klappt, dann machen wir's weiter.
- 0:48Speaker 1: Herzlich willkommen.
- 0:49Speaker 1: mein Name ist Daniel Fürg und bevor wir gleich rüber an den Badresen gehen möchte ich kurz unseren heutigen Gast vorstellen.
- 0:55Speaker 1: Jan Weiler ist Journalist- und Schriftsteller.
- 0:58Speaker 1: Während seiner Zeit als Chefredakteur des SZ-Magazins wurde er zum Schreiben seines ersten Buches Maria im Schmecks nicht überredet.
- 1:07Speaker 1: Als dieses ein großer Überraschungserfolg wurde, entschied er sich, zum großen Glück seiner Leser fortan nur noch Bücher zu schreiben und an seinen eigenen Geschichten zu arbeiten.
- 1:17Speaker 1: Der gebürtige Düsseldorfer lebt heute in Herzen Münchens und hat gerade seine neuesten Bestseller Eltern veröffentlicht.
- 1:25Speaker 1: Ich freue mich auf ein Gespräch über sein neues Buch, seine Covid-IX Erkrankung im März und die erfolgreiche Suche nach einem gesunden Arbeitspensum.
- 1:35Speaker 1: Schön dass ihr alle wieder mit dabei seid!
- 1:55Speaker 0: Mach es dir gemütlich, lehn dich zurück und tauche ein in die verrucht düstere Atmosphäre unserer
- 2:03Speaker 1: Studio-Bar.
- 2:12Speaker 1: Ja Jan freut mich sehr dass du heute bei uns bist und den Weg zu uns gefunden hast ist ja gerade auch eine spannende Zeit für dich.
- 2:18Speaker 1: ein neues Buch gerade rausgekommen sehr spannend mal auch ganz andere Perspektive nämlich darüber das Man ja jetzt irgendwie, wie war das?
- 2:28Speaker 1: Die Erwachsenen haben noch eine Aufgabe.
- 2:30Speaker 1: Deshalb heißen sie Erwachsene und die Eltern sind einfach die, die einfach nur älter werden.
- 2:36Speaker 0: Also nicht ganz!
- 2:37Speaker 0: Also man ist erstmal bei der Geburt der Kinder natürlich Eltern mit Ältern.
- 2:43Speaker 0: Und das ist so ein gemeinsamer Vertrag mit den Kindern der Dauer zu ungefähr zwanzig Jahre bis manchmal bisschen länger... ...und dann läuft dieser Vertrag aus.
- 2:51Speaker 0: Wenn dieser Vertag ausläuft was bei mir momentan Der Fall ist, dann verwandelt man sich.
- 2:57Speaker 0: Erst haben die Kinder sich verwandelt von Kindern in Pubertiere und jetzt verwandeln sich die Eltern, und zwar von Eltern mit E in Eltern mit Ä. Das ist der Prozess, indem man dann reinkommt wenn diese ganzen Verträge langsam enden.
- 3:10Speaker 1: Welche Ratschläge kann ein... Ältern, also mit äh Teil denn eigentlich noch geben wenn wirklich alles schon im Netz steht und man sich alle guten Ratschläge bei YouTube holen kann?
- 3:22Speaker 0: Ich gebe ja gar keine Ratschläge.
- 3:23Speaker 0: Also ich bin ja kein Ratgeberonkel und kein Sachbuchautor sondern ich schreibe Familiengeschichten, Familienunterhaltung.
- 3:33Speaker 0: Mit Ratsschlägen tue ich mich da immer wahnsinnig schwer weil ich selber so eine Pflaume bin pädagogisch überhaupt keine Ahnung davon, wie man was richtig macht und wie man richtig reagiert und worauf man gar nicht reagiert oder wann man reagieren müsste.
- 3:49Speaker 0: Und auf welche Weise?
- 3:50Speaker 0: Sondern ich mache das, was glaube ich meine Generation häufig macht nämlich einfach mal gucken.
- 4:00Speaker 0: Die Einfach-Mach-Gucken-Strategie führt dazu dass man in der Erziehung entweder total drüber ist, plötzlich irre autoritär weil einem irgendwas nicht passt oder viel zu lasch und nachgiebig und inkonsequent.
- 4:15Speaker 1: Gibt es eigentlich irgendjemand der diesen Zwischenweg wirklich gut hinbekommt?
- 4:19Speaker 1: Also es ist ja immer entweder total autoritäer oder es ist total lasch aber irgendwie so.
- 4:24Speaker 1: diesen perfekten Mittelweg hat glaube ich noch niemand gefunden also
- 4:26Speaker 0: weiß ich nicht das ist man bemüht sich ja immer um diesen Mittelweg.
- 4:29Speaker 0: ne also es geht einem schon darum bestimmte Werte zu vermitteln und zu gucken dass die Kinder integere, empathische Erwachsene werden.
- 4:39Speaker 0: Auf der anderen Seite möchte man sich auch nicht unentwegt auf der Nase rumtanzen lassen und ist auch genervt.
- 4:45Speaker 0: Und ich könnte mir sogar vorstellen dass so wie wir und viele andere das machen es eigentlich auch okay ist.
- 4:51Speaker 0: also Es ist ja auch ganz gut wenn die Kinder wissen jetzt geht's dem Vater oder der Mutter wirklich auf den Geist oder an den Nieren.
- 4:59Speaker 0: Jetzt ist jemand wirklich mal am Ende.
- 5:02Speaker 0: Man kann das, glaube ich, ruhig spiegeln.
- 5:03Speaker 0: Ich glaube ganz früh hat man gesagt die Kinder dürfen überhaupt... Die Eltern nur wahrnehmen als Befehlensgewalt ist auch nicht richtig.
- 5:13Speaker 0: und genauso finde ich es ganz blöd wenn die Eltern so luschig sind dass sie irgendwann anfangen mit den Kindern zu kiffen weil Sie glauben es bringt sie näher an die Kinder heran.
- 5:24Speaker 0: Das würde dann so eine Art Kumpeleffekt haben Auch totaler Blödsinn Weil man isst nicht auf Augenhöhe.
- 5:31Speaker 0: Also die eine Partei hat ja doch immer noch die Verantwortung und du kannst nicht mit den Kindern kiffen.
- 5:35Speaker 0: Und ihnen eine Stunde später sagen sie sollen Jacke aufhängen, also das funktioniert dann nicht mehr.
- 5:40Speaker 1: Jetzt haben wir gerade ne Zeit in der man grade... Kosmosfamilie sehr, sehr viel beobachten kann.
- 5:48Speaker 1: Weil irgendwie alles gerade so sehr komprimiert stattfindet.
- 5:52Speaker 1: Also die Kinder sind viel mehr zu Hause oder mussten sehr viel mehr Zuhause sein, gerade durch diese ganze Pandemie-Situationen.
- 5:59Speaker 1: Man sah es sehr viel aufeinander weil einfach gar nicht so viel Möglichkeit für Ausflüchte da war.
- 6:08Speaker 1: Wie hast du diese Zeit erlebt grad was diesen Aspekt angeht?
- 6:12Speaker 0: Ach, eigentlich ganz besinnlich.
- 6:13Speaker 0: Das ist so ein bisschen wie monatelang erster Weihnachtsfeiertag.
- 6:19Speaker 0: Man sitzt eben gemeinsam zu Hause rum, guckt Netflix, kocht mehr... Ich fand das jetzt in bestimmter Hinsicht was die Besinnung auf den inneren Kreis angeht, ganz gut!
- 6:31Speaker 0: Also gerade im April.
- 6:35Speaker 0: mein Sohn musste dann richtig zuhause bleiben weil der in Quarantäne war und ich Covid-IX hatte.
- 6:42Speaker 0: Dann musste er noch, als bei mir Entwarnung gegeben wurde an meinem letzten offiziellen Infektionsstark begann seine Quarantäne erst.
- 6:54Speaker 0: Das heißt der musste zwei Wochen über meine Erkrankungen hinaus zu Hause bleiben.
- 6:58Speaker 0: das war dann also Miterkrankungen.
- 6:59Speaker 0: zusammen waren es fünf und ein halb Wochen für den Und er hat das eigentlich ziemlich gut gemacht.
- 7:03Speaker 0: Der war natürlich zwischendurch genervt und wollte seine Freunde sehen.
- 7:07Speaker 0: Und war so ein bisschen knatschig.
- 7:09Speaker 0: auf der anderen Seite, sind diese Jungs ja auch sehr verbunden mit ihrer PlayStation und können dann Skills erwerben die man sich überhaupt nicht vorstellen kann.
- 7:18Speaker 0: also das erste mal dass ich dachte die Erfindung der Playstation ist wirklich ein Siegen.
- 7:24Speaker 1: Jetzt hast du es gerade schon angesprochen.
- 7:25Speaker 1: Dich hat Covid-IX eigentlich recht früh erwischt, nämlich Anfang März und auch mit Symptomen.
- 7:34Speaker 1: Also dich hat's ja durchaus ordentlich erwisht als jemand der das sehr früh schon durchgemacht hat und erlebt hat wie das auch verlaufen kann wenn man Symptome hat.
- 7:44Speaker 1: Wie erlebst Du diese ganzen Corona Leugner dieses ganze Verrückte was da grade abgeht und was man ja in Berlin jetzt gerade dann auch wieder sehen konnte.
- 7:57Speaker 0: Also ich erlebe das als völlig bizarr, völlig bizar!
- 8:04Speaker 0: Man muss sofort einschränken sagen dass ein winziger Teil der Bevölkerung, der aber wahnsinnig viel Beachtung bekommt, was mich ärgert auf der einen Seite und was mich erschreckt auf der anderen Seite.
- 8:15Speaker 0: Das sind Menschen habe ich den Eindruck die auf eine schon infantile Art nazistisch.
- 8:22Speaker 0: Es geht nur um mich, ich will diese Maske nicht tragen.
- 8:26Speaker 0: Ein Appell an Empathie und Gemeinsinn schlägt bei diesen Menschen völlig fehl.
- 8:30Speaker 0: Das finde ich total absurd!
- 8:32Speaker 0: Ich war dann jetzt zwei Monate in Italien und die haben dort auch im Fernsehen dieser Demo vom ersten August gesehen und sprach mich ein italienischer Nachbar an und sagte, was ist denn da los bei euch?
- 8:46Speaker 0: Und
- 8:47Speaker 0: Revolution?!
- 8:49Speaker 0: Was ist denn das?
- 8:50Speaker 0: Warum sind sie denn so wütend?
- 8:51Speaker 0: Ich habe dann versucht, das sehr neutral zu erklären.
- 8:54Speaker 0: Naja die sind Wüten weil sie sich in ihren Freiheitsrechten eingeschränkt fühlen und weil sie den Eindruck haben dass sie gegängelt werden und unterdrückt werden.
- 9:05Speaker 0: Und man sagte der ja wie?
- 9:06Speaker 0: Unterdrückt von wem denn?
- 9:08Speaker 0: Ja von der Regierung!
- 9:10Speaker 0: Aber was macht ihnen die Regierung?
- 9:12Speaker 0: Die Regierung hat gesagt die Leute müssen Atemschutzmasken tragen, sie müssen sich die Pfoten waschen und Abstand halten.
- 9:18Speaker 0: der mich an und deswegen fühlen die sich in ihrer Freiheit eingeschränkt.
- 9:21Speaker 0: Ich sag so ja, das ist sowas sehr deutsches
- 9:24Speaker 0: vielleicht.".
- 9:25Speaker 0: Und dann sagte er Leute ihr habt Sorgen?
- 9:28Speaker 0: Hat sie gelacht?
- 9:28Speaker 0: hat sie abgewunken?
- 9:29Speaker 0: ne?
- 9:30Speaker 0: Man muss sehen Italien hat keine Kurzarbeiterregelung.
- 9:35Speaker 0: Die hatten im Gegensatz zu uns tatsächlich einen Lockdown den wir ja faktisch gar nicht hatten und denen geht es in vielen Gebieten infrastrukturell sowieso beschissen.
- 9:46Speaker 0: relativ gelassen.
- 9:48Speaker 0: und die sagen, naja also wenn das jetzt nur sein muss dann muss es jetzt sein.
- 9:51Speaker 0: Während bei uns die Hölle losbricht, wenn man öffentlich überhaupt darüber redet dass man davon erkrankt ist.
- 9:57Speaker 0: Jetzt habe ich am Montag gemacht.
- 9:59Speaker 0: Ich war am Montagsvormittag im CTF und wurde darauf angesprochen und dann haben die das als zwei Minuten Clip bei Facebook reingestellt.
- 10:07Speaker 0: Du kannst dir gar nicht vorstellen was dafür Kommentare drunter steht.
- 10:10Speaker 0: Da steht unter anderem ein Kommentar von einem deutschen Fernsehzuschauer, der geschrieben hat.
- 10:16Speaker 0: Ich sei ein vom Staat bezahlter Schauspieler, der im
- 10:22Speaker 1: Staatsfunk
- 10:23Speaker 0: auftrete um Angst zu verbreiten.
- 10:29Speaker 0: Völlig verrückt!
- 10:30Speaker 0: Und ich merke jetzt auch an mir selber... ...ich rede jetzt seit zweieinhalb Minuten über diese Scheiße.
- 10:33Speaker 0: Wir sollten über völlig andere Dinge reden und ich gebe denen jetzt schon wieder deine Sendezeit.
- 10:40Speaker 1: Das ist richtig, ja.
- 10:42Speaker 1: Es ist glaube ich aber auch so ein bisschen diese Fassungslosigkeit der Vernünftigen die einen da so ein bißchen beschäftigt, wo man sich wirklich in Rage reden kann.
- 10:55Speaker 1: und das was du mit Italien beschrieben hast habe ich so ein Bißchen in Lissabon erlebt die ja auch durchaus getroffen waren und gerade die Randregionen.
- 11:06Speaker 1: Und die Leute sind so viel disziplinierter, so viel achtsamer.
- 11:11Speaker 1: Die halten Abstand.
- 11:12Speaker 1: jeder desinfiziert sich in jedem Laden sofort die Hände wenn er reinkommt.
- 11:16Speaker 1: Jeder trägt eine Maske zum größten Teil sogar auf der Straße.
- 11:19Speaker 1: alles wird Die ganze Zeit desinfiziert.
- 11:22Speaker 1: Das hat schon teilweise das Gurile Formen angenommen, als wir in so einem kleinen Café saßen und um uns herum wurde jeder Tisch alle fünf Minuten gefühlt desinfiziert obwohl gar keiner da war.
- 11:33Speaker 1: Und wir tun uns schon schwer diese doofe Maske aufzusetzen.
- 11:36Speaker 0: Ja ich finde das völlig ja!
- 11:39Speaker 0: Es ist total absurd.
- 11:40Speaker 0: Und selbst wenn sich später dann herausstellen sollte... dass das eigentlich unbegründet war und wir eigentlich auch so gut da durchgekommen sind.
- 11:49Speaker 0: So what, dann hat man eben mal ein paar Monate was für die Gesellschaft getan?
- 11:54Speaker 0: Was ist denn daran so verkehrt?
- 11:56Speaker 0: oder man hört diese Leute, die schreiben dann, die Maske selber sei gefährlich!
- 12:03Speaker 0: Die Maske selbst sei gefährlig weil man ja Bakterien da drin hat und so... Ja Leute wo kommen denn die Bakterie her?
- 12:10Speaker 0: Die kommt doch aus dem Mund.
- 12:12Speaker 0: Also wie sollen die denn gefährlich sein, wenn sie schon vorher in deinem Körper drin waren und keinen Schaden angerichtet hat?
- 12:17Speaker 0: Oder die sagen, stundenlang ist Tragen dieser Maske würde einen krank machen.
- 12:22Speaker 0: Das sind OP-Masken!
- 12:24Speaker 0: Es gibt Leute, die aus beruflichen Gründen bis zu zehn Stunden ununterbrochen so ein Ding anhaben.
- 12:29Speaker 0: Als ob jetzt die Menschen in den Operationszählen Deutschlands alle wie die Fliegen sterben nachdem sie irgendwie einen Blinddarm ausoperiert haben... das ist alles so ein Schwachsinn.
- 12:41Speaker 0: Und wir müssen uns trotzdem dauernd damit beschäftigen, das geht mir so auf die Nerven anstatt dass man dann einfach mit den Schultern zuckt und sagt Mensch okay es ist schwierig für die Leute die im Veranstaltungsgewerbe arbeiten, schwierig ist es in der Gastdrohne.
- 13:00Speaker 0: Katastrophe für die ganzen Familienbetriebe Für den Messebau, für die Schausteller.
- 13:06Speaker 0: Für die Comedians überhaupt für alle Künstler, die auf der Bühne stehen?
- 13:10Speaker 0: Ja ja ja das ist alles total schrecklich!
- 13:13Speaker 0: Für mich auch.
- 13:14Speaker 0: Ich muss neun und dreißig von fünfzig Veranstaltungen absagen.
- 13:18Speaker 0: Mich trifft es aber eben nur nicht.
- 13:20Speaker 0: Da hängt keine andere Familie noch dran.
- 13:23Speaker 0: Das ist so.
- 13:24Speaker 0: Aber wenn wir auf die Art und Weise diesen Kram besiegen können dann sollten wir uns diesen Weg nicht verbauen.
- 13:31Speaker 1: Richtig.
- 13:32Speaker 1: Wenn wir mal über erfreulichere Themen gehen.
- 13:34Speaker 1: Ja genau,
- 13:35Speaker 0: das sah schon wieder so ärgerlich.
- 13:38Speaker 1: Man läuft wirklich Gefahr sich da schnell reinzusteigern.
- 13:44Speaker 0: Vor einem Jahr oder zwei hätten wir diese Aufregung auch mit der AfD gehabt Also in der Partei, die von im Augenblick neunundachtzig Prozent der Leute nicht gewählt werden.
- 13:55Speaker 0: Die aber entschieden mehr Aufmerksamkeit bekommen als ihnen eigentlich zusteht.
- 13:59Speaker 0: und das ist jetzt wieder genau der Fall.
- 14:01Speaker 0: Und angenommen wir retten irgendwelche Menschen aus Moria und die kommen dann zerschunden und ihrer Existenz beraubt hier in Deutschland an wird es auch wieder losgehen.
- 14:13Speaker 0: Dann werden ein paar Idioten Krakelen und Rumpöbeln.
- 14:18Speaker 0: Und was machen wir dann mit einem thirty-fünf Stunden Sendezeit in den politischen Talkschuss?
- 14:23Speaker 0: Wir reden dann wieder über die, anstatt darüber zu reden wie wir konstruktiv Lösungen für Probleme finden.
- 14:29Speaker 1: Richtig, ja.
- 14:30Speaker 1: Und wir nehmen denen vor allem so ein bisschen... Wir geben denen die Chance Lösungen zu propagieren, die gar nicht da sind und verpassendes eigene Lösungen finden.
- 14:39Speaker 1: Das ist eigentlich das tragische Anlöse.
- 14:41Speaker 0: Es hält uns irre
- 14:42Speaker 1: auf auch jetzt
- 14:42Speaker 0: gerade wieder!
- 14:47Speaker 1: Was ja eine große freudige Sache für deine ganze Leser war, ist dass du ja irgendwann mal vom Journalisten, vom klassischen Journalisten – nämlich du hast ja auch das SZ-Magazin als Chefredakteur mit Dominic Wiechmann zusammengemacht lange Zeit.
- 15:02Speaker 1: Und irgendwann gab es dann diesen Moment, als du vier Seiten füllen solltest und von deinen italienischen Erlebnissen quasi berichtet hast, nämlich deinen Familienerlebnissen Und daraus wurde dann ein Buch nach langer Überredungskunst das Verlag ist.
- 15:22Speaker 1: Wie war es für dich eigentlich von diesem ja schon tagesaktuellen Arbeiten eines Journalisten mit all den Themen, die da so passieren?
- 15:31Speaker 1: Die man Fakten getreu einordnen und sortieren sollte und daraus auch jede Woche eben dieses tolle Heft zu machen hinzu jemandem zu werden der Wie immer noch wahnsinnig viel arbeitet muss man mal sagen, wenn man sich deine Bücher die Anzahl allein schon deiner Bücher anschaut, die du geschrieben hast seitdem.
- 15:53Speaker 1: Aber wie hast Du für dich selber diesen Switch geschaffen und wie war das für Dich?
- 16:00Speaker 0: Das war erstmal ganz schön belastend.
- 16:05Speaker 0: also es kam dadurch dass ich überredet worden bin.
- 16:09Speaker 0: Stimmt, hast du völlig recht Maria ihm Schmeckts nicht zu schreiben sozusagen gegen meinen Willen in diese Karriere getrieben worden.
- 16:16Speaker 0: Ich bin einfach echt überredet worden, hart überredelt.
- 16:19Speaker 0: Habe dieses Buch geschrieben und habe den Text abgegeben und hab gedacht jetzt geht mein Leben eben einfach so weiter wie es immer sowieso schon war mit Chefreduktionen und Konferenzen und jede Woche Heftchen.
- 16:30Speaker 0: Dann ist das Buch rausgekommen und ich bin dann ganz schwer erkrankt.
- 16:35Speaker 0: Ich hatte dann, wenn wir legen, wann waren das?
- 16:38Speaker 0: Das war im November hatte ich einen zweifachen Darmbruch.
- 16:43Speaker 0: Darmbruch ist Mist, das führt in sehr vielen Fällen sehr schnell zum Tod und ich bin aber in einer Notoperation gerettet worden und war dann drei Monate weg oder sogar ein bisschen länger.
- 17:00Speaker 0: Er ist intensiv stationen und dann Krankenhaus und dann Reha und so.
- 17:04Speaker 0: da hat man viel Zeit.
- 17:05Speaker 0: In der Zeit wurde, als ich da war eigentlich von mir unbemerkt.
- 17:09Speaker 0: Also ich lag im Krankenhaus das Buch kam raus es gab überhaupt keine Promotions, es gab keine Werbung dafür Es gab gar nichts.
- 17:16Speaker 0: und dieses Buch hat sich dann so okay verkauft Und war dann irgendwann in einer Fernsehsendung.
- 17:24Speaker 0: Ich habe das leider nie gesehen.
- 17:27Speaker 0: Das gibt's nicht auf YouTube und auch in keiner Mediathek mehr.
- 17:30Speaker 0: Das war eine Sendung von Jürgen van der Lippe Und da trat immer er auf mit irgendwelchen Gästen und die haben sich gegenseitig aus Büchern vorgelesen.
- 17:39Speaker 0: Und er hatte wohl in der Sendung, Maria ihm schmeckt es nicht.
- 17:42Speaker 0: dabei hat eine etwas burleske Szene daraus vorgelessen und ist dabei vom Lachen vom Stuhl gefallen.
- 17:48Speaker 0: Das sorgte dafür das von der einen auf die andere Woche dieses Buch nach Obenschoss in den Charts.
- 17:54Speaker 0: Es hatten so viele Leute lustig gefunden dass sie das Buch bestellt oder gekauft haben.
- 17:59Speaker 0: Weder der Verlag noch ich hatte das zur Kenntnis genommen, dass es diese Sendung gab.
- 18:03Speaker 0: Auf jeden Fall war plötzlich dieses Buch soweit oben und für mich stellte sich dann so ein bisschen die Sinnfrage wäre das nicht ein guter Moment nochmal in den Job zu wechseln?
- 18:13Speaker 0: Ich hatte diese Krankheit, die hatte viel mit Stress zu tun und auch mit Überidentifikationen mit diesem Job, mit einem wahnsinnigen Pflicht, Verantwortungsbewusstsein und Disziplin.
- 18:28Speaker 0: Ich dachte dann, okay wenn dieses Buch jetzt erfolgreich sein kann ermöglicht mir das vielleicht nochmal was anderes zu machen.
- 18:36Speaker 0: und dann habe ich gekündigt.
- 18:37Speaker 0: Und bin im Jahr zwei Tausend Fünfzehn ausgestiegen also vor fünfzehn Jahren ziemlich genau fünfzehnt Jahre und vier Monate ungefähr und hab es nie bereut.
- 18:47Speaker 0: aber am Anfang habe schon Angst gehabt, weil man in so einer Festanstellung zumal als Chef das auch ganz angenehm.
- 18:55Speaker 0: Man kriegt Unterschriften, Mappen und morgens kriegt man Kaffee gebracht und die Zeitung und man kann Konferenzen leiten um mal mit netten Leuten zu tun, man trägt Verantwortung aber man hat auch sehr viel Spaß Und es gibt irre viele Privilegien in so einem Job.
- 19:10Speaker 0: und das dann aufzugeben und zu sagen jetzt bin ich ganz alleine in meinem Zimmerchen und schreibe irgendwelche Bücher hat mich auch geängstigt.
- 19:16Speaker 0: Ich habe auch so gedacht Wir probieren das mal ein Jahr aus und wenn es für einen Jahr klappt, dann machen wir's weiter.
- 19:23Speaker 0: Ich wollte damals auch eigentlich eine Sebetik machen aber da hat der Zeitungsverlag nicht mitgemacht.
- 19:30Speaker 0: Die haben gesagt wer raus ist, ist raus.
- 19:32Speaker 0: und dann habe ich gesagt okay dann bin ich
- 19:34Speaker 0: raus.".
- 19:34Speaker 1: Wie hast du das dann erlebt?
- 19:36Speaker 1: wirklich alleine für dich zu arbeiten, ohne dass du jetzt alle fünf Minuten jemanden hast der da nochmal drüber liest.
- 19:45Speaker 1: Der sich noch mal das anschaut mit dem Du vielleicht auch noch mal tiefer darüber diskutieren kannst oder ein ganzes Team hast, wo Du drüber diskutierst?
- 19:53Speaker 0: Ja ja es geht sogar aus geht ja auch weiter.
- 19:55Speaker 0: Es gibt ja unheimlich viele soziale Dinge in Redaktionen mit denen man zu tun hat und es werden halt laufend Fragen gestellt.
- 20:04Speaker 0: Eigentlich so ein Chefredakteurs Job besteht eigentlich im Wesentlichen darin, jeden Tag tausend Mikroentscheidungen zu treffen.
- 20:12Speaker 0: Also ist die Schriftgröße okay?
- 20:15Speaker 0: Ist es nicht besser?
- 20:16Speaker 0: Die Headline wäre länger.
- 20:18Speaker 0: Der sowieso möchte seinen Text nicht kürzen!
- 20:21Speaker 0: Der Dadada sagt, die Fotos müssen größer und die Anzeigenabteilung möchte noch eine Doppelseite haben.
- 20:27Speaker 0: Wo kriegen wir sie jetzt noch her in MFZO?
- 20:29Speaker 0: Also ganz viele Entscheidungen, um diese sehr viel Freude machen zu treffen Und dann wird man darauf zurückgeworfen, dass die Fragen, die einem gestellt werden völlig anders sind und man erlebt sie als Bedeutungsverlust.
- 20:44Speaker 0: Also Fragen die dann noch kommen sind, kannst du unsere Tochter zum Klavier fahren?
- 20:48Speaker 0: Kannst du mir den großen Topf vom Regal holen?
- 20:52Speaker 0: Man hat für eine gewisse Zeit das Gefühl einen enormen Bedeutsungsverluft zu erleben bis man feststellt, dass diese Frage runterholen vom Regal, auch nicht weniger relevant ist als die Schrift groß genug.
- 21:08Speaker 0: Man muss nur damit klarkommen dass das die Umgebung so klein wird und dass man nicht mehr mit Kollegen mittags essen geht oder klatsch austauscht.
- 21:19Speaker 0: Man isst dann eben in einem sehr einsamen
- 21:21Speaker 0: Beruf.".
- 21:21Speaker 1: Und es wurde ja auch ein Ja, von einem zumindest jeden Tag in die Stadt fahren und damals war die SZ ja auch noch mitten in der Stadt.
- 21:31Speaker 1: Hinzu die größte Zeit davon wirklich zu einem Leben auf dem Land ist immer noch recht urbanes Land aber schon auf dem land nicht mehr in der
- 21:44Speaker 0: Großstadt.
- 21:45Speaker 0: Richtig!
- 21:46Speaker 0: Ich fand das aber natürlich dann auch sehr schön.
- 21:49Speaker 0: Ich hatte die ersten Jahre, Kindheitsjahre meiner Tochter eigentlich versäumt dadurch dass ich dauernd in der Stadt, in der Redaktion war und fand es dann unheimlich schön immer da zu sein.
- 22:00Speaker 0: Später hat sich das dann auch wieder geändert mit den Lesereisen.
- 22:03Speaker 0: Das war ja noch nicht von Anfang an mit den Lese reisen.
- 22:05Speaker 0: Das fing ja dann erst so richtig an.
- 22:11Speaker 0: dass ich dann viel weg war, also bis zu hundert Auftritte im Jahr.
- 22:14Speaker 0: Das ist eine ganz schöne Menge.
- 22:16Speaker 0: Da war es dann wieder komisch weil dann war ich immer entweder total da oder total weg und nicht ganz leicht für die Kinder.
- 22:26Speaker 1: Jetzt hast du ja gerade gesagt, auch einer der Gründe warum du dich dafür entschieden hast war der Stress.
- 22:32Speaker 1: Jetzt hat man ja immer so ein bisschen diese romantische Vorstellung von so einem Autorenleben dass man da irgendwie in seinem Mäuschen sitzt und gemütlich vor sich hinschreibt aber du hast es grad schon erwähnt also um die Hundert Auftritte im Jahr dann muss man ja zwischendurch irgendwie noch einen Buch schreiben dann muss mal hier und da noch Interviews geben dann muss das Ganze irgendwie noch vermarkten Und so weiter und sofort.
- 22:56Speaker 1: Also ein wirklich stressfreies Leben ist das aber eigentlich auch nicht, oder?
- 23:00Speaker 0: Ja, das stimmt und da gibt es dann auch Überforderungen weil man ja auch nicht alles kann.
- 23:08Speaker 0: Es gibt auch Dinge die muss man sich beibringen oder die kann man sich nicht beibringen.
- 23:11Speaker 0: Die kann man aber auch nicht delegieren und das führt natürlich dazu dass man auch in einem Verbrennungsmodus reinkommt.
- 23:20Speaker 0: Indem man sich zu viel zumutet, indem man die anderen vernachlässigt oder nicht richtig nein sagen kann weil man Angst hat dann wird man auch nicht mehr gefragt.
- 23:28Speaker 0: das kennt jeder Freiberufler diese Sorge und da kommt man natürlich auch in so eine regelrechte psychische Gewaltspirale rein die man sich antut gewalt wie man sich selbst antut auch nicht gesund.
- 23:42Speaker 0: er hat dann ein paar Jahre später dann auch wieder zu einer zu so einem Art Zusammenbruch geführt und ich bekam dann einen Coach für Zeitmanagement.
- 23:54Speaker 0: Das kann ich nur jedem raten, der sich mit seiner Arbeit überfordert.
- 23:59Speaker 1: Was hat er dir als erstes beigebracht?
- 24:01Speaker 0: Also der ist mit mir.
- 24:04Speaker 0: die meisten Menschen, die zu viel arbeiten und die nicht gut nein sagen können und die sich total überfordern mit diesen Dingen, die neigen dazu, sich ihr Arbeitspension schönzureden.
- 24:18Speaker 0: Und dann hat er mit mir, das habe ich auch gemacht.
- 24:20Speaker 0: Ich hatte immer gesagt, mein Gott!
- 24:23Speaker 0: Der sagte dann, ich hätte eine Erwerbsbiografie wie ein Siebzigjähriger und dann sind wir durchgegangen was sich im Jahr davor alles gemacht hatte.
- 24:33Speaker 0: also da hatte ich Zweiundfünfzig Kolumnen geschrieben, hatte Achtzig Auftritte gemacht, ich hatte einen Roman geschrieben und zwei Hörspiele.
- 24:43Speaker 0: Und dann sagte der, ok jetzt gehen wir das mal durch was sie für eine Arbeit.
- 24:48Speaker 0: Pensum haben.
- 24:49Speaker 0: Also, wenn sie normalerweise hat das Jahr so zweihundertzehn-zweihundertzwanzig Arbeitstage... Das gehen wir jetzt mal durch!
- 24:59Speaker 0: Sie haben sagen wir mal fünfzig Kolumnen geschrieben.
- 25:02Speaker 0: die ziehen wir mal ab.
- 25:03Speaker 0: dann bleiben noch hundertseptzig Arbeitstage.
- 25:05Speaker 0: von den hundertsiebzig Arbeitstagen waren sehr an achtzig Tagen auf Tournee.
- 25:09Speaker 0: Dann bleiben noch neunzig Arbeitstag und in diesen Neunzig Arbeitstage haben sie dann noch zwei Hörspiele geschrieben und einen ganzen Roman.
- 25:17Speaker 0: Dann haben sie noch die ganze Pressearbeit gemacht.
- 25:20Speaker 0: Sie haben als Dozent an der Journalistenschule gearbeitet und sie waren auch mit ihrer Familie noch im
- 25:25Speaker 0: Urlaub.".
- 25:26Speaker 0: Und er sagte, ja genau so war es.
- 25:27Speaker 0: Und dann sagte der das haut niemals hin.
- 25:30Speaker 0: Ich sage ihnen jetzt mal die Wahrheit!
- 25:32Speaker 0: Sie haben an jedem Wochenende in diesem Jahr gearbeitet, sie haben in den Ferien gearbeitet.
- 25:38Speaker 0: eigentlich machen sie nichts anderes.
- 25:40Speaker 0: Und dann fiel mir auf, dass ich mir das total schön geredet hatte.
- 25:43Speaker 0: Ich hatte gar nicht zwar hundertzwanzig Arbeitstage sondern mindestens dreihunderte.
- 25:47Speaker 0: Anders wäre dieses Pensum, das ja evident war – das war ja belegbar!
- 25:52Speaker 0: Wäre das gar nicht zu schaffen gewesen, weil man ja nicht gleichzeitig mit der linken Hand einen Roman und mit der rechten Hörspiel machen kann und alles seine Zeit braucht.
- 26:01Speaker 0: Und dann hat er mit mir angefangen, alle Sachen abzuschlagen.
- 26:06Speaker 0: Er hat dann immer gefragt, brauchen Sie dieses oder jenes aus existenziellen Gründen?
- 26:10Speaker 0: Oder brauchen sie es nicht?
- 26:11Speaker 0: Macht Ihnen das sehr viel Spaß oder macht Ihnen dieses Projekt weniger Spaß?
- 26:15Speaker 0: und dann haben wir angefangen meinen Kalender so zu modellieren wie so Bildhauer überall so tak-tak-tak-so kannten abgeschlagen bis wir tatsächlich auf diese zwei Hundertzwanzig Tage gekommen sind.
- 26:31Speaker 0: Fünfzig sind für die Kolumnen, dann bleiben Hundertseptzig.
- 26:34Speaker 0: Und dann haben wir gesagt, wir nehmen entweder Frühjahrstournee oder Herbstournee, nehmen wir Haus machen wir nicht.
- 26:40Speaker 0: also wir haben die Auftritte halbiert und dann vereinbart ich mache jeden jedes Jahr nur noch ein großes Projekt entweder einen Drehbuch oder einen Roman so und das hat mich wirklich gerettet.
- 26:55Speaker 0: Also dieses ganz konsequente dieser ganz konsequente Umgang mit Aufgaben.
- 27:04Speaker 0: Man nimmt die dann ernst, aber man schaut eben dass man sich nicht total darin verliert in diesem Wust von Aufgaben.
- 27:13Speaker 1: durch diese spezielle Situationen, in der wir da gerade alle leben verändert sich ja auch arbeiten sehr.
- 27:20Speaker 1: Viele arbeiten heute von zu Hause aus.
- 27:23Speaker 1: Früher hatte mal jeder geschrieben Home Office mal so einen Tag die Woche wäre ganz schön.
- 27:26Speaker 1: auf einmal sitzen alle und nicht alle aber viele sehr viel im Home Office und merken auch auf einmal dass nur Home Office irgendwie auch nicht so toll ist für jemanden der ja sehr viel Home Office Erfahrung hat wie du.
- 27:44Speaker 1: Wie schaffst du es, dass du da irgendwie an so einem normalen Arbeitstag auch irgendwann mal sagst?
- 27:49Speaker 1: Jetzt ist aber mal gut.
- 27:50Speaker 1: Irgendwie jetzt mache ich auch mal Feierabend und mach vielleicht die Büro-Tür zu und geh auch nicht mehr rein.
- 27:56Speaker 1: oder hast du da irgendeine Art Ritual wo du sagst, jetzt ist Schluss?
- 28:01Speaker 1: Also gerade wenn man in so einem Schreibfuss
- 28:02Speaker 0: ist, stelle ich
- 28:03Speaker 1: mir das schwierig vor.
- 28:04Speaker 0: Das verkünscht Land immer nicht ganz so leicht weil man ja auch sich nicht so anknipsen kann.
- 28:10Speaker 0: Aber
- 28:10Speaker 1: was
- 28:11Speaker 0: ... was ganz gut ist, wenn man sich nur dann an den Rechner setzt.
- 28:16Speaker 0: Wenn man auch arbeiten will dieses Rumgedödel und irgendwas spiegeln oder bei ebay gucken ob es eine Toucan-Lampe gibt irgendwo während man eigentlich arbeiten wollte das ist fatal.
- 28:32Speaker 0: oder bei Amazon gucken oder ego googlen Leute eben alles machen Facebook, Riesenzeitfresser auch.
- 28:41Speaker 0: Das mache ich nicht wenn ich arbeite.
- 28:44Speaker 0: Also entweder ich arbeide oder ich mach was anderes und wenn mir nichts einfällt oder ich nicht genau weiß womit ich anfangen soll bei der Arbeit dann fange ich nicht an Dann mache ich was anderes.
- 28:57Speaker 0: Das muss man sich dann eben zugestehen, dann fährt man mal in den Gartenbaumarkt und holt noch ein bisschen Blumeerde oder man geht runter und kauft Klarspüler für die Spülmaschine, da muss ich zum Beispiel gleich machen und beschäftigt sich wirklich sinnvoll mit anderen Dingen.
- 29:12Speaker 0: und dann kommt irgendwann der Moment wo du sagst so jetzt muss ich arbeiten und dann setzt man sich hin und arbeitet.
- 29:22Speaker 0: das ist auch eine sehr unprosaische Also ein unpoetischer Vorgang.
- 29:27Speaker 0: Da gibt es ja wahnsinnig viele Schriftsteller, Vollklohre und dann macht man sich einen schönen Kaffee... ...und dann machten wir uns gemütlich und das Kamienfeuer prasselt.
- 29:37Speaker 0: und dann spannt man die erste Seite ein und dann überlegt man mal wo die Inspiration einen erwischt.
- 29:43Speaker 0: Natürlich alles totaler Blödsinn!
- 29:45Speaker 0: Das ist eine Handwerk und es ist Arbeit.
- 29:48Speaker 0: Dazu gibt's eine wahnsinnige gute Anekdote der großartigen Maler Chuck Close.
- 29:53Speaker 0: Der wurde mal gefragt, wo nehmen sie denn alle ihre Inspiration her?
- 29:58Speaker 0: Und dann hat er gesagt.
- 30:00Speaker 0: Er hat gesagt, Inspiration ist für Amateure.
- 30:03Speaker 0: Profis kommen zur Arbeit setzen sich hin und legen los.
- 30:06Speaker 0: so ist es.
- 30:08Speaker 0: Das muss man halt können.
- 30:10Speaker 1: aber hast du eigentlich also dein?
- 30:12Speaker 1: deine Bücher sind ja sehr lebensnah und beruhen sicherlich auch nicht nur wahrscheinlich auf den Erlebnissen, die du selbst in deiner Familie machst.
- 30:24Speaker 1: Sondern wahrscheinlich auch auf vielen Dingen, die Du einfach beobachtest.
- 30:29Speaker 1: Hast du so was wie ein kleines Notizbüchlein?
- 30:32Speaker 1: Was du mit dir rumträgst, wo du mal hier und da eine Notiz aufschreibst wenn du irgendwas erlebst?
- 30:37Speaker 0: Ganz selten schreibe ich mir mal einen Wort auf oder eine Formulierung irgendwie... Ich hatte mich jetzt gestern oder vorgestern habe ich mir nur das Wort Innenstadt aufgeschrieben Weil das ist ja dann weiblich, innen.
- 30:54Speaker 0: Das ist ja in diesem Gender-Dings wäre ja innen statt irgendwie... Ich dachte irgendwie vielleicht kann ich irgendwas mit dem Wort machen?
- 31:01Speaker 0: Aber weiter geht's nicht!
- 31:04Speaker 0: Vielleicht mache es nie, vielleicht kommt es irgendwann mal vor, vielleicht auch nicht.
- 31:08Speaker 0: In der Regel mache ich das nicht also ich schreibe mir keine... ich schreib nichts in Notizen vor weil Wenn ich das schon einmal in der Notiz dann stehen habe, dann langweilt mich das und da kann ich es nicht mehr gebrauchen.
- 31:20Speaker 0: Dann hab' ich's ja schon mal geschrieben!
- 31:22Speaker 0: Wenn ich dass dann in einen anderen Kontext, wenn ich das dann lesen würde und versuchen würde, das an einem anderen Kontex zu bringen, an dem ich gerade arbeite im Text hätte ich sofort das Gefühl, hm... Das ist nicht mehr gut, das altert dann schlecht.
- 31:36Speaker 0: Also was ich mache is', ich versuche viel zu behalten im Kopf Und das, was dann durchrattet durchs Siebtes war dann halt nicht gut genug oder so.
- 31:47Speaker 0: Am Anfang hat mich das immer gequält.
- 31:48Speaker 0: inzwischen ist es völlig okay wenn auch mal etwas durchfällt.
- 31:51Speaker 1: Innenstadt ist ja ein spannendes Wort.
- 31:55Speaker 1: genau in der lebst du ja jetzt seit einiger Zeit wieder.
- 31:58Speaker 1: wie hat sich dein Lebensalltag ein Stück weit verändert dadurch dass du jetzt quasi wieder mitten in der Stadt nebst?
- 32:08Speaker 0: ohne mitten in Schwabing, nachdem wir also ja dann doch knapp zwanzig Jahre auf dem Land gelebt haben.
- 32:15Speaker 0: Richtig so schön mit Kühnen und Gebimmel und Dorfkirche und zwei Lokalen nämlich einmal Schweinebraten und einmal Pizza.
- 32:26Speaker 0: aber die Kinder wollten unbedingt in die Stadt.
- 32:28Speaker 0: Die hatten keinen Bock mehr darauf und letztlich war das eine tolle Entscheidung.
- 32:32Speaker 0: Also ich habe meine Lebensqualität hat enorm zugenommen seit ich in der Stadt wohne Das muss man wirklich sagen.
- 32:39Speaker 0: Also dieses Land Thema ist super für Familien bis zu einem gewissen Alter.
- 32:44Speaker 0: und dann ist es auch wieder klasse, man kann zack, zack mal schnell eben so euch rüber... ... zwischen, um mit dir zu sprechen und danach noch fünf Sachen erledigen.
- 32:54Speaker 0: Und dann ist man auch wieder zu Hause... ...und kann abends überlegen wo trink ich ein Glas Wein?
- 32:59Speaker 0: Da da da oder da?
- 33:01Speaker 0: das ist schon toll!
- 33:02Speaker 0: Also ich gebe mehr aus wieder und in dem Kulturangebot mehr wahr gehe vielmehr ins Kino als früher und habe schon das Gefühl dass das jetzt auch die richtige Zeit dafür ist.
- 33:14Speaker 1: aber es ist natürlich auch ein Stück weit Anders, ob man jetzt ein bisschen Platz ums Haus herum hat oder auch der nächste Nachbar.
- 33:20Speaker 1: Ich hatte heute erst eine Diskussion hier mit der Nachbarin in der obersten Etage weil die ist irgendwie so eine ganz komische Konstruktion gebaut hat mit einem Wasserschlauch, der vom einen Balkon zum anderen geht und jedes Mal wenn die das Wasser zum Gießen auf... dreht, dann habe ich hier unten ein Niagara-Wasserfall und komme nicht mehr zu meiner Bürotür hinein.
- 33:42Speaker 1: Also das Zusammenleben ist ja schon auch ein anderes und hat vielleicht gerade für dich spannende neue Inspirationsquellen?
- 33:51Speaker 0: Ja, das ist natürlich so!
- 33:53Speaker 0: Auf dem Land ist nachts still und abends.
- 33:59Speaker 0: Man hört niemand in der Wohnung drüber rumtrappeln oder irgendwas.
- 34:03Speaker 0: das muss man halt eben akzeptieren, wenn man in der Stadt lebt.
- 34:06Speaker 0: Lebt man denn nicht alleine?
- 34:08Speaker 0: Das ist ja nun mal gerade der große Gag an der Sache!
- 34:12Speaker 0: Da muss man eben zu Kompromissen bereit sein.
- 34:15Speaker 0: und natürlich ist es inspirierend als ich in die Stadt zog eine längere Zeit zu Hause zu arbeiten hatte, hat irgendwann der Typ von DHL und der Amazon-Mann.
- 34:26Speaker 0: Und diese ganzen Typen haben irgendwann geschneit, dass ich immer zuhause bin und haben dann angefangen die ganzen Kartons ziemlich automatisch bei mir abzuliefern.
- 34:37Speaker 0: Ich habe dadurch die ganzen Nachbarn gut kennengelernt.
- 34:39Speaker 0: weil sie dann immer mit ihren Zettelchen abends bei mir ankamen um das abzuholen haben diese ganzen Booten sich gedacht, naja wenn der die annimmt dann nimmt er auch die vom Nebenhaus noch an und die von neben dem Haus.
- 34:54Speaker 0: Und dann habe ich wirklich angefangen irgendwann abends Personal aus Weise zu kontrollieren und so Gepäckausgabe zu machen.
- 35:03Speaker 0: das habe ich dann eine Weile fand ich das lustig.
- 35:06Speaker 0: aber dann stellt man fest dass die Nachbarn einen als Dienstleistungs Unternehmen wahrnehmen.
- 35:14Speaker 0: Die denken sich dann, ich bin der Typ vom Hermes-Paketshop oder so und da wurde es irgendwann ärgerlich haben die angefangen bei mir zu reklamieren.
- 35:28Speaker 0: und dann habe ich gesagt Leute jetzt reicht's.
- 35:30Speaker 0: und dann musste ich diesen Dienst quittieren.
- 35:35Speaker 1: Haben die dich erkannt?
- 35:38Speaker 0: Ja manchmal erkennt mich Leute ja Also gerade wenn in so Phasen wie jetzt, wenn ich relativ viel im Promo mache und im Fernsehen bin dann kommt das oft vor.
- 35:48Speaker 0: Das ist dann ganz lustig man.
- 35:50Speaker 0: So wie gestern Abend fliege ich von Berlin nach München nach einer Fernsehsendung und ich merke an dem Gate dass Leute eine Stunde vorher diese Sendung gesehen haben weil die einen ebenso angucken.
- 36:04Speaker 0: Es ist ein bestimmter Blick Und mit der Zeit hat man das raus.
- 36:08Speaker 0: Dann nickt man den freundlich zu und dann sind die beruhigend denken, okay, da ist es wirklich ... Das gibt's oft wenn man viel unterwegs ist ja.
- 36:17Speaker 1: Das heißt in den nächsten Wochen, wir haben ja vorhin ganz am Anfang schon über dein Buch Eltern, nämlich mit äh gesprochen.
- 36:24Speaker 1: Das heisst die nächsten Wochen bist du wieder recht viel unterwegs um das Buch auch zu promoten?
- 36:31Speaker 1: komisch für dich, um in dieser Zeit wieder so viel auf Reisen dann zu sein?
- 36:35Speaker 1: Also
- 36:36Speaker 0: es ist schon komisch in dieser geisterhaften Corona-Welt sich zu bewegen.
- 36:41Speaker 0: Man gewöhnt sich schwer daran finde ich dieses Maskendings und auch ein bisschen mit Abstand halten und darauf achten.
- 36:49Speaker 0: irgendwann geht's uns vielleicht den Fleisch und Blut über.
- 36:52Speaker 0: im Moment finde ich das noch sehr also nicht direkt bedrückend.
- 36:55Speaker 0: aber Es ist ein komischer Anblick, wenn man an einem Gate sitzt am Flughafen und alle haben diese Masken auf und lesen aber Zeitungen spielen an ihren Handys rum als hätten sie keiner auf.
- 37:07Speaker 0: Ich kann mich nur schwer dran gewöhnen und das hat auch Konsequenzen.
- 37:11Speaker 0: Ich habe gestern in Berlin!
- 37:13Speaker 0: Das war wirklich lustig... Da haben mich alle Leute auf der Straße gemieden.
- 37:18Speaker 0: Alle sind in so einem Bogen an mir vorbeigegangen, ich lief mit Maske da durch die Friedrichsstraße in Berlin und die Leute guckten immer auf mich und gingen dann so einen Bogen.
- 37:28Speaker 0: Was haben die denn?
- 37:29Speaker 0: Was habe ich denn
- 37:29Speaker 0: gemacht?".
- 37:29Speaker 0: Und dann hab' ich die Maske abgenommen und geguckt und auf der Maske war ein großer roter Fleck und das sah aus als würde ich Blut husten!
- 37:39Speaker 0: Es war aber kein Blut sondern ... Ich hatte mir vorher in einer Bäckerei einen Kirschdröselkuchen gekauft und habe noch in der Bäckerei da reinbeißen wollen.
- 37:50Speaker 0: Und vergessen, dass ich diese Maske anhatte mit diesem Kirschzeug gegen die Maske.
- 37:56Speaker 0: Dann ist mir aufgefallen dann habe ich die Masse hoch gemacht das Ding gegessen maske wieder runtergemacht und sah aus wie so ein Zombie!
- 38:04Speaker 0: Ist natürlich aber eine super Methode.
- 38:05Speaker 0: also wenn man gerne unbehelligt Über die Straße gehen wir mit Maske.
- 38:10Speaker 0: Sollte man tunlichst vorher ein Stück Kirschtreuselkuchen essen, mit Masken?
- 38:18Speaker 1: Sehr guter Plan!
- 38:19Speaker 1: Vor allem in Berlin wo es sowieso gefühlt keiner eine Maske aufhat.
- 38:23Speaker 1: Danke dir fürs vorbeikommen und danke für deine Zeit.
- 38:27Speaker 1: Vielen vielen Dank.
- 38:30Speaker 0: Das war's leider schon Die letzte Runde ist ausgetrunken.
- 38:34Speaker 0: das Gespräch zu Ende.
- 38:36Speaker 0: Vielen dank fürs Zuhören.
- 38:38Speaker 1: Bitte
- 38:39Speaker 0: nimm Rücksicht auf die Nachbarn und sei leise, wenn du die Bar verlässt.
- 38:43Speaker 0: Aber vergiss auf keinen Fall den abonnieren Button zu klicken!