Latest / Friedrich Nietzsche Podcast in Deutsch / Also sprach Zarathustra - 2. Theil - 9 - Das Nachtlied
Transcript
- 0:00Unter Kapitel 9 das Nachtlied in diesem Kapitel drückt
- 0:05Zarathustra seine tiefe Traurigkeit und seine innere
- 0:07Einsamkeit aus. Es ist ein sehr emotionales und
- 0:10poetisches Stück, das sich wie ein Klagelied liest.
- 0:14Zarathustra beginnt damit, dass es Nacht ist.
- 0:17Er sagt, dass nun die springenden Brunnen lauter
- 0:19reden, er vergleicht seine eigene Seele mit einem solchen
- 0:23endlos sprudelnden Brunnen, auch sagt er, dass in der Nacht die
- 0:27Lieder der Liebenden Erwachen. Und dass seine Seele genau ein
- 0:30solches Lied ist. In ihm gibt es ein Ungestilltes
- 0:34verlangen, das laut werden möchte.
- 0:36Es ist ein Verlangen nach Liebe, das aus ihm herausbricht.
- 0:40Dann beschreibt Zarathustra sein größtes Problem, er ruft aus,
- 0:44dass er selbst das Licht ist. Mit dem Begriff Licht meint
- 0:48Zarathustra hier seine Rolle als ein weiser Mensch, der
- 0:51Überfließt von Erkenntnis und der den anderen Menschen diese
- 0:54Erkenntnis schenkt. Er wünscht sich jedoch
- 0:56sehnlichst, er wäre die Nacht. Dies Nacht oder die Dunkelheit
- 1:01steht hier für die Menschen, die bedürftig sind, die nichts haben
- 1:05und die das Licht, also die Weisheit, erst empfangen müssen.
- 1:10Zarathustras Tragödie ist seine Einsamkeit, er ist von seinem
- 1:14eigenen Licht umgeben, er wünscht sich, er wäre dunkel,
- 1:17damit er selbst einmal Licht von anderen empfangen könnte, er
- 1:20sehnt sich danach, auch die kleinsten Sterne und
- 1:23Glühwürmchen am Himmel zu bewundern und sich über deren
- 1:26kleine Geschenke aus Licht zu freuen.
- 1:28Stattdessen lebt er nur in seinem eigenen hellen Licht und
- 1:31verzehrt die Flammen, die aus ihm selbst herauskommen.
- 1:35Zarathustra klagt, dass er das Glück des Nehmenden nicht kennt,
- 1:38er träumt sogar davon, dass es schöner sein müsse, etwas zu
- 1:41stehlen, als immer nur etwas geschenkt zu bekommen, er
- 1:46bezeichnet seine ständige Rolle als der Schenkende, als seine
- 1:49eigentliche Armut ein Schenkender ist.
- 1:52In Nietzsches Philosophie der Schöpfer, der so Reich an Geist
- 1:55und Liebe ist, dass er ununterbrochen gibt.
- 1:58Zarathustra sagt seine Hand Ruhe niemals davon aus, Dinge zu
- 2:02verschenken. Er ist neidisch auf die
- 2:05Menschen, die mit großen wartenden Augen zu ihm
- 2:07aufblicken, weil sie noch die Sehnsucht kennen.
- 2:10Er hat diese Sehnsucht nicht mehr, denn er ist bereits
- 2:13übervoll, das nennt er den Heißhunger in der Sättigung, er
- 2:17ist völlig satt und sehnt sich trotzdem danach, hungrig zu
- 2:20sein, obwohl die Menschen seine Geschenke nehmen, fragt er sich,
- 2:25ob er ihre Seelen überhaupt noch berührt.
- 2:28Zwischen demjenigen, der immer gibt, und denjenigen, die immer
- 2:31nehmen, entsteht eine tiefe Kluft aus dieser schmerzhaften
- 2:36Entfernung wächst in Zarathustra ein neues, dunkles Gefühl, er
- 2:40sagt Aus seiner Schönheit wächst ein Hunger, und er möchte denen,
- 2:44denen er sein Licht schenkt, am liebsten weh tun, er hungert
- 2:48nach Bonn, Bosheit, diese Bosheit ist hier nicht als
- 2:52reines Böses zu verstehen. Sie ist vielmehr die tiefe
- 2:55Frustration eines extrem einsamen Menschen.
- 2:59Er möchte seine Hand genau in dem Moment zurückziehen, in dem
- 3:02der andere danach greifen will, so wie ein Wasserfall, der im
- 3:05Fallen plötzlich zögert, er möchte seine Geschenke
- 3:08verweigern, nur um überhaupt wieder eine echte emotionale
- 3:11Reaktion zu spüren. Zarathustra stellt fest, dass
- 3:15sein Glück durch das viele geben gestorben ist.
- 3:17Wer immer nur gibt, so warnt er, Gerät in die Gefahr, sein
- 3:21Feingefühl und seine Scham zu verlieren.
- 3:24Wenn man zu viel austeilt, bekommen Hand und Herz harte
- 3:27Schwielen, genau wie bei einem Arbeiter, der zu viel schwere
- 3:30körperliche Arbeit leistet. Sein Auge weint nicht mehr aus
- 3:33Mitgefühl für die Bittenden und seine Hand ist zu hart geworden,
- 3:36um das Zittern der Menschen zu spüren, die etwas von ihm
- 3:39wollen, um seinen Zustand noch genauer zu erklären, schaut
- 3:43Zarathustra in das Weltall, er vergleicht sich mit den vielen
- 3:47Sonnen, die im leeren Raum kreisen.
- 3:50Diese Sonnen stehen als Sinnbild für die großen weisen Geister
- 3:54und Schöpfer. Sie geben Ihr Licht an alles
- 3:56dunkle im Universum ab, aber die Sonnen untereinander schweigen
- 4:00sich an, sie kreisen auf ihren festen Bahnen, getrieben von
- 4:04einem unerbittlichen Willen, und bleiben dabei völlig kalt, das
- 4:09ist die Feindschaft des Lichts, es wärmt zwar die dunklen
- 4:12Planeten, aber es bleibt in seinem tiefsten Inneren kalt
- 4:15gegenüber anderen sonnen. Er spricht dann zu den dunklen
- 4:19nächtlichen Menschen und sagt, dass sie eigentlich diejenigen
- 4:22sind, die aus dem Licht die Wärme ziehen.
- 4:26Sie saugen die Kraft aus den Schöpfern, Zarathustra selbst
- 4:30aber ist von Eis umgeben, seine Hand verbrennt sich an der Kälte
- 4:33seiner eigenen Einsamkeit, er ist voller Durst, aber er leidet
- 4:37darunter, dass er den Durst der anderen stillen muss, ohne dass
- 4:40sein eigener gestillt wird. Das Kapitel endet, wie es
- 4:44Begonnen hat, Zarathustra wiederholt.
- 4:47Dass es Nacht ist und dass er leidet, weil er Licht sein muss.
- 4:51Er sehnt sich nach der Dunkelheit und nach der
- 4:54Gesellschaft aus ihm bricht das Verlangen hervor wie eine
- 4:58Wasserquelle, er hat das dringende Bedürfnis zu reden,
- 5:02seine Seele ist wieder der laute, springende Brunnen und
- 5:04singt das Lied eines Liebenden, der seine Liebe in die dunkle
- 5:07Nacht hinausruft.