Latest / Friedrich Nietzsche Podcast in Deutsch / Also sprach Zarathustra - 1. Theil - Zarathustra's Vorrede - 3
Transcript
- 0:00Vorrede unter Kapitel 3 die Lehre vom Übermenschen und dem
- 0:04Sinn der Erde Zarathustra kommt in der nächsten Stadt an, die am
- 0:10Rand der Wälder liegt. Dort findet er viele Menschen
- 0:13auf dem Marktplatz versammelt, der Grund für den Auflauf ist
- 0:17aber nicht er, sondern ein angekündigter Seiltänzer, den
- 0:20das Volk sehen will. Zarathustra nutzt diese
- 0:23Gelegenheit und spricht zu der versammelten Menge, er beginnt
- 0:27seine Rede mit seiner wichtigsten Botschaft.
- 0:29Ich lehre euch den Übermenschen. Zarathustra erklärt, dass der
- 0:33Mensch nichts endgültiges ist. Der Mensch ist etwas, das
- 0:37überwunden und weiterentwickelt werden muss.
- 0:40Er fragt die Leute, was sie getan haben, um den Menschen zu
- 0:42überwinden. Um das zu verdeutlichen, nutzt
- 0:45er ein Bild aus der Naturgeschichte, er fragt, Was
- 0:48ist der Affe für den Menschen? Die Antwort ist ein Gelächter
- 0:53oder eine schmerzliche Scham. Wir Menschen halten uns für viel
- 0:57weiterentwickelt als Affen. Genau das gleiche soll der
- 0:59Mensch für den Übermenschen sein.
- 1:01Ein Gelächter oder eine schmerzliche Scham.
- 1:04Der Übermensch ist also eine höhere Stufe der Entwicklung,
- 1:07die weit über dem heutigen Menschen steht.
- 1:09Zarathustra beschreibt den Weg der Entwicklung ihr habt den Weg
- 1:13vom Wurm zum Menschen gemacht, sagt er, aber in euch steckt
- 1:17immer noch viel vom Wurm. Früher wart ihr Affen, und
- 1:21selbst jetzt ist der Mensch noch mehr Affe als irgendein Affe.
- 1:25Selbst der Weiseste unter den Menschen ist innerlich
- 1:27zerrissen. Er ist ein Mischwesen, ein
- 1:30Zwiespalt aus Pflanze und Gespenst.
- 1:33Damit meint Nietzsche, dass der Mensch einerseits rein
- 1:36biologische Triebe hat wie eine Pflanze, andererseits aber einen
- 1:39Geist hat, der oft weltfremd und kraftlos ist.
- 1:42Wie ein Gespenst. Aber Zarathustra will nicht,
- 1:45dass die Menschen Pflanzen oder Gespenster werden, er lehrt sie
- 1:48den Übermenschen, dann definiert er sein Ziel ganz klar.
- 1:52Der Übermensch ist der Sinn der Erde.
- 1:56Zarathustra fordert die Menschen auf, ihren Willen darauf
- 1:58auszurichten, dass dieser Übermensch der Sinn der Erde
- 2:01sein soll. Er beschwört seine Zuhörer, der
- 2:04Erde treu zu bleiben, das bedeutet, sie sollen das Leben
- 2:08im hier und jetzt, in der physischen Welt wertschätzen,
- 2:12sie sollen nicht den Leuten glauben, die von überirdischen
- 2:14Hoffnungen sprechen, damit sind religiöse Versprechungen von
- 2:18einem Leben nach dem Tod oder einem Paradies im Jenseits
- 2:21gemeint. Zarathustra nennt solche
- 2:23Prediger Giftmischer, egal ob sie dies bewusst oder unbewusst
- 2:28tun. Er nennt diese Prediger
- 2:30Verächter des Lebens, sie sind Selbststerbend und vergiftet,
- 2:35und die Erde ist ihrer müde, sie sollen verschwinden.
- 2:39Früher, so sagt Zarathustra, war der größte Frevel also das
- 2:42größte Verbrechen, die Sünde gegen Gott, aber Gott ist tot,
- 2:48das ist Nietzsches berühmter Satz.
- 2:50Der bedeutet, dass der Glaube an den christlichen Gott in der
- 2:53modernen Welt seine verbindliche Kraft und Gültigkeit verloren
- 2:56hat. Da Gott tot ist, sind auch diese
- 2:59Sünden gegen ihn gestorben und bedeutungslos geworden, jetzt
- 3:03ist das Furchtbarste gegen die Erde zu sündigen, es ist
- 3:06furchtbar, das Unerforschliche, also religiöse Geheimnisse und
- 3:10das jenseits höher zu achten als den Sinn der Erde, also das
- 3:15reale Leben. Zarathustra blickt zurück in die
- 3:18Geschichte. Einst schaute die Seele
- 3:20verächtlich auf den Körper herab.
- 3:23Das war damals das höchste Ideal.
- 3:25Die Seele wollte den Körper mager, hässlich und verhungert
- 3:28sehen, sie wollte dem Körper und der Erde entfliehen, aber
- 3:33Zarathustra erkennt, dass diese Seele selbst mager, hässlich und
- 3:37verhungert war. Ihre einzige Freude war,
- 3:39Grausamkeit gegen sich selbst und den Körper, er wendet sich
- 3:44direkt an die Zuhörer, was erzählt euer Körper über eure
- 3:47Seele? Ist eure Seele nicht selbst
- 3:49Armut, Schmutz und ein erbärmliches Behagen mit
- 3:54erbärmlichem behagen meint er eine mittelmäßige Zufriedenheit,
- 3:57die keine großen Ziele mehr kennt.
- 3:59Der Mensch ist wie ein schmutziger Strom, sagt
- 4:01Zarathustra, um einen schmutzigen Strom aufzunehmen,
- 4:05ohne selbst unrein zu werden, muss man ein mehr sein.
- 4:09Der Übermensch ist dieses mehr in ihm kann die große Verachtung
- 4:13der Menschen untergehen und geläutert werden.
- 4:16Dann spricht Zarathustra von der Erstunde, der großen Verachtung.
- 4:20Das ist der wichtigste Moment, den man erleben kann.
- 4:24Es ist der Moment, in dem man sein eigenes mittelmäßiges
- 4:27Glück, seine Vernunft und seine Tugend satt hat und sich davor
- 4:31ekelt, ergibt Beispiele, was die Menschen in dieser Stunde der
- 4:34Erkenntnis sagen sollten über das Glück, was liegt an meinem
- 4:39Glück, es ist Armut und Schmutz und ein erbärmliches Behagen.
- 4:44Aber mein Glück sollte eigentlich das Dasein
- 4:46rechtfertigen. Über die Vernunft begehrt meine
- 4:50Vernunft nach Wissen, wie der Löwe nach seiner Nahrung, nein,
- 4:55sie ist Armut und Schmutz und ein erbärmliches Behagen über
- 5:00die Tugend, sie hat mich noch nicht rasend gemacht, wie müde
- 5:05bin ich meines guten und meines Bösen über die Gerechtigkeit.
- 5:10Ich sehe nicht, dass ich Glut und Kohle wäre.
- 5:13Damit meint er, dass wahre Gerechtigkeit feurig und
- 5:16intensiv sein sollte. Aber die Menschen sind nur lau,
- 5:20über das Mitleiden ist Mitleid, nicht das Kreuz, an das der
- 5:24genagelt wird, der die Menschen liebt, aber mein Mitleiden ist
- 5:27keine Kreuzigung, er meint das Mitleid der Menschen ist
- 5:31oberflächlich und kein echtes tiefes Leiden.
- 5:36Zarathustra fragt die Menge, ob sie schon jemals so geschrien
- 5:39haben aus dieser großen Verachtung heraus.
- 5:41Aber er stellt fest, ich habe euch noch nie so schreien
- 5:45gehört. Er kritisiert sie scharf, nicht
- 5:48Eure Sünden schreien zum Himmel, sondern eure Genügsamkeit, also
- 5:52dass ihr euch mit wenig zufrieden gebt euer Geiz, selbst
- 5:56wenn ihr Sündigt, schreit zum Himmel, er fragt, Wo ist der
- 6:01Blitz, der euch treffen und beleben sollte, wo ist der
- 6:04Wahnsinn, mit dem ihr geimpft werden müsstet, um aus eurer
- 6:07Mittelmäßigkeit auszubrechen? Zarathustra gibt die Antwort
- 6:12seht, ich lehre euch den Übermenschen, der ist dieser
- 6:16Blitz, der ist dieser Wahnsinn. Nachdem Zarathustra dies gesagt
- 6:21hat, ruft einer aus dem Volk, wir haben nun genug von dem
- 6:25Seiltänzer gehört, nun lasst uns ihn auch sehen, das Volk
- 6:30versteht Zarathustra völlig falsch, sie denken er redet über
- 6:34den Artisten der auf dem Seil tanzen soll und nicht über eine
- 6:38philosophische Erneuerung des Menschen.
- 6:40Das ganze Volk lacht über Zarathustra.
- 6:43Der Seiltänzer jedoch glaubt, er sei gemeint gewesen und beginnt
- 6:47seine Arbeit.