Latest / Rambo Zambo – Der Merz-Podcast / Ampel-Vibes im Kanzleramt
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- Wir haben diese Bundestagswahl 2025 gewonnen. Jetzt darf auch mal Rambo Zambo im Adler. Das ist Rambo Zambo, der Merz-Podcast. Das Format, das ihr vielleicht nie wolltet, aber jetzt braucht. Mit euren Hosts Carlotta Richter und Julia Emrich. Vor etwas mehr als acht Wochen war die Amtsanführung von Friedrich Merz und der neuen Bundesregierung und jetzt, Julia, zwei Monate später, können wir endlich auch mal über Innenpolitik reden. Das war natürlich etwas zugespitzt, aber wir haben in den letzten Wochen sehr, sehr viel über Außenpolitik gesprochen, weil der Kanzler sich auch sehr auf die Außenpolitik konzentriert hat. Aber das war jetzt mal eine innenpolitische Woche und da gab es auch einige Stressfaktoren, oder? Ja, das begann im Grunde schon am letzten Wochenende beim SPD-Parteitag. Lars Klingbeil, der Vizekanzler, ist mit einem denkbar schlechten Ergebnis wiedergewählt worden. Kannst natürlich jetzt sagen, in der normalen politischen Logik, schlecht für Klingbeil, gut für Merz. Aber man weiß ja, dass Menschen, die ein bisschen geschwächt sind. Durchaus auch ein Risiko darstellen. Und eine Beziehung zwischen Klingbeil und Merz, die im Moment natürlich wichtig für die Koalition ist, die auch stabil ist, kann durch sowas natürlich auch so eine Unwucht bekommen. Zumal die SPD insgesamt ja auch in den Umfragen nach wie vor sehr schlecht dasteht. Also da kann so eine Sorge erwachsen, was bedeutet das für die Stabilität der Koalition? Damit ging es los. Aber das war nur der erste Schritt, das erste Ding, das innenpolitisch ein bisschen für Aufregung gesorgt hat. Es ging dann weiter. Merz hat mit seinen eigenen Leuten Stress bekommen. In der Unionsfraktion gab es massiven Protest dagegen, dass sich das Kabinett bei der Senkung der Stromsteuer nur teilweise im Rahmen des Koalitionsvertrags bewegt hat. Angekündigt war, dass die Stromsteuer für alle, also auch für die Privathaushalte, deutlich gesenkt wird, also auf ein europäisches Mindestmaß. Dagegen haben sie sich entschieden und die Unionsfraktion ist auf den Baum gestiegen. Und dann gab es noch weiteren Stress. Stichwort. Migration, Stichwort Abschiebung, Stichwort Grenzpolitik. Die Polen sind sauer. Es gibt dort inzwischen den Beschluss, nicht nur Kritik an der deutschen Politik zu üben, sondern selber die Grenzen zu schließen, sollen wir ja nicht sagen. Für manchen wird sich das so anfühlen, aber es geht natürlich um Kontrollen und damit natürlich um eine Verschärfung sozusagen des Grenzverkehrs. Ja, und der letzte Punkt, Stress in Politik, ist für Merz sicherlich, dass Angela Merkel, seine Vorgängerin an der Parteispitze als Kanzlerin, gerade relativ häufig auftaucht und relativ deutlich Merz kritisiert. Also jede Menge Stressfaktoren. Kann man vielleicht sagen, dass die Regierung jetzt nach den ersten acht Wochen so ein bisschen in der Realität angekommen ist? Ja, zumindest was die Mühen der Ebene angeht. Natürlich, die Realität da draußen, darüber haben wir in den letzten Folgen häufig gesprochen, ist natürlich massiv und ganz am Ende, wenn da draußen in der Welt es unrund läuft, hat das immer auch Konsequenzen für die Innenpolitik. Und deshalb kann man Merz durchaus natürlich auch folgen in seiner Argumentation. Ich musste zunächst mal dafür sorgen, dass diese Kanzlerschaft auch außen wahrgenommen wird und die Neupositionierung Deutschlands da sichtbar wird und er seine Rolle findet. Ja, klar. Du hast natürlich recht, auch in der Innenpolitik gibt es schlummernde Konflikte und Konflikte, die jetzt offen ausbrechen, um die sich Merz kümmern muss. Und mein Gefühl ist mit einem gewissen, Widerwillen ist vielleicht zu großes Wort, aber ja, er würde, glaube ich, lieber sich weiter im Außenpolitik kümmern. Man weiß aber jetzt ist er gefragt. Wäre vielleicht doch einfacher, zumindest aus seiner Sicht, weil ich meine, in der Außenpolitik lief es bisher jetzt ja gut für ihn. Da hat er ein ganz gutes Bild abgegeben. Innenpolitisch könnte es jetzt schwieriger werden in der nächsten Zeit. Definitiv. Und Innenpolitik bedeutet natürlich auch ganz konkret die Frage, was leistet diese Regierung? In der Außenpolitik kann man immer sagen, es geht auch darum, Rollen erstmal einzunehmen, Verhandlungslinien zu legen, gute Kontakte zu pflegen. Aber in der Innenpolitik wird umso schneller sichtbar, ändert sich für die Menschen konkret etwas? Hält die Regierung das, was sie verspricht und, kann man am Ende Regierungspolitik auch in Zahlen und Daten messen. Und da wird es natürlich dann wirklich für die Leute spannend. Deswegen wurde in dieser Woche auch sehr viel gesprochen. Du hast es gerade schon angesprochen über den Koalitionsausschuss, der ja zum zweiten Mal jetzt zusammengekommen ist in einer ganz bisschen veränderten Besetzung. Statt Saskia Esken war jetzt die neue SPD-Vorsitzende Bärbel Baas dabei. Weiterhin eine Frau und ansonsten nur Männer. Daran hat sich nichts geändert. Nur die Frau ist ausgetauscht worden. Keine weitere Frau dazugekommen, leider. Und der Koalitionsausschuss hat sich am bisher heißesten Tag dieses Jahres für mehrere Stunden im Kanzleramt zurückgezogen. Länger ging es auf jeden Fall als der erste Koalitionsausschuss, wenn ich das richtig gesehen habe. Und es gab auch nicht mehr ganz so viel Einigkeit, oder? Ja, ganz am Ende wird natürlich jetzt ein Bild der Einigkeit erzeugt, aber man sieht an vielen kleinen Zeichen, wie schwierig es war. Zentraler Konfliktpunkt war die Stromsteuer, wir haben es gerade schon angesprochen, da gibt es den Dissens, macht man das jetzt für alle oder macht man das zunächst mal nur für die großen Industriebetriebe, das ist eine Einigung im Kabinett, also Klingbeil als Finanzminister, Merz als Kanzler stehen hinter dieser Einigung und dann ging es eben los, dass nicht nur von außen, nicht nur von der Industrie, nicht nur von Verbraucherverbänden, Sozialverbänden und so weiter es Kritik daran gab, sondern eben auch aus den eigenen Reihen und da vor allem aus der Unionsfraktion. Diese Kuh musste jetzt vom Eis, um nicht nach acht Wochen schon den ersten Ampelmoment sozusagen zu erzeugen. Wobei man sagen muss, dass auf SPD-Seite, glaube ich, so ein Déjà-vu-Effekt schon war. Also dieses, wir vereinbaren im Kabinett eine Linie und die wird dann Post wenden von der einen Fraktion schon wieder in Frage gestellt. Da kriegt man so Ampel-Vibes. Okay, geht's schon wieder los? Haben wir wirklich gar nichts gelernt? Die Kritik der Union ist ja nicht unberechtigt. Zu sagen, wir schreiben in den Koalitionsvertrag rein, es ist für alle und dann macht man es nicht für alle und kommuniziert es aber auch nicht richtig sauber, ist ja was dran. Aber nun gut, wie löst man das? Ein paar Tage hatte man das Gefühl, sie lösen es dadurch, dass sie Geld auftreiben, um auch noch diesen Schritt gehen zu können. Aber das ist offenbar dann das Problem geworden. Und deshalb hat dieser Koalitionsausschuss auch sehr lange gedauert. Die Warnung ist, dass man da viel noch mal über Optionen gesprochen hat, aber es gibt eben keine Lösung, die sozusagen möglich macht, jetzt schon die Stromsteuer für alle zu senken. Das liegt natürlich auch daran, dass diejenigen, die Lösungen liefern könnten, nicht bereit sind. Unter anderem, eine Option wäre gewesen, die Ausweitung der Mütterrente, die die CSU ja gefordert hat, auszusetzen, später zu machen, kleiner zu machen oder so. Aber das wollte natürlich die CSU nicht. Das ist also eine Option, die dann schnell wieder vom Tisch fiel. Es gab auch andere Optionen, die auch schnell wieder vom Tisch fielen. Insgesamt ging es also darum, Optionen abzuwägen. Und am Ende haben sie gemerkt, Wir haben nichts und wir vertagen das. Nach wie vor sagen sie, das soll irgendwann kommen. Also sie sind nicht wortbrüchig in dem Sinne, dass sie sagen, das kommt nie. Aber jetzt kommt es nicht und das hat lange gedauert. Und du hast es eben ja angesprochen, war alles nicht so einfach. Man sah das auch daran, dass schon im Laufe des Tages klar wurde, eine gemeinsame Pressekonferenz, wie es beim ersten Koalitionsausschuss im Mai gegeben hatte, wird es gar nicht geben. Also es gibt nicht dieses Bild, die Chefs gehen geschlossen raus, präsentieren ein schönes Ergebnis. Ihnen war klar, wird schwierig. Am Ende kam um 22.30 Uhr ein dünnes dreiseitiges Papier, in dem nicht viel mehr steht als die Botschaft. Alles bleibt so, wie es ist. Auf mehr konnten wir uns nicht einigen. Man wusste ja auch vorher gar nicht so genau, wie lange jetzt diese Sitzung dauern wird. Man hat irgendwie gesagt, also eine Nachtsitzung wird es jetzt eher nicht werden, aber in den Abendrein wird es schon dauern. Da wurde also schon eine gewisse Zeit diskutiert, aber zumindest bei dem Thema hat man jetzt keine Einigung gefunden. Ja, oder man kann sagen, sie haben keine Einigung gefunden oder sie haben sich eben darauf geeinigt, dass das weiter bestehen soll oder was im Kabinett beschlossen worden ist. Das ist jetzt eine Wordingfrage. Erstmal gilt einfach das, was das Kabinett beschlossen hat und damit haben sich natürlich, so kann man es deuten, Klingbeil und Merz insofern gegen die Unionswütenden durchgesetzt. Dass er gesagt hat, wir machen es jetzt erstmal genau so, wie wir es beschlossen haben. Schlau ist es nicht und Merz hat auch schon sehr selbstkritisch an der Stelle gesagt, dass es kommunikativ nicht gut war. Wörtlich sagt er, wir haben in der Kommunikation nach innen Verbesserungspotenzial, das sagt man dann ja so schön. Und er nimmt es auf seine Kappe, er hätte mit seinen eigenen Leuten besser reden müssen. Das sind ja auch für einen Kanzler öffentlich ausgesprochen in der IED-Talkshow, öffentlich ausgesprochen, also schon klare Worte. Ja, ist schiefgelaufen. War das, die schiefgelaufene Kommunikation. Auch Thema im Koalitionsausschuss? Ich könnte mir vorstellen, dass auch darüber viel gesprochen wurde, weil genau das wollte man ja eigentlich vermeiden, dass in der Öffentlichkeit gestritten wird, dass ein Dissens nach außen bringt in der Koalition und dass... Die Bevölkerung das Gefühl hat, okay, die Regierung ist sich da selbst überhaupt nicht einig in ihrer Linie. Genau das wollte man vermeiden. Jeden, den man gefragt hat, der hat erstmal gesagt, auf keinen Fall wollen wir streiten in der Koalition. Und irgendwie ist es jetzt ja doch zumindest ein bisschen genau so passiert. Also wurde auch darüber möglicherweise diskutiert dann am Mittwochabend? Also die SPD wollte das unbedingt aufrufen. Also mit all denen, mit denen ich dort gesprochen habe, gesagt, es ist dringend wichtig, dass wir über das Klima und über den Umgang miteinander reden. Das geht gar nicht. Wie gesagt, man fasst einen gemeinsamen Beschluss, man ist sich einig und postwendend laufen die Ersten los und sagen, nee, ist nicht anders, sonst wie. Das geht gar nicht. Und interessant ist, dass jetzt nach dieser Nachtsitzung gerade die Kritiker sich auch hinstellen und diesen Beschluss verteidigen. Also zum Beispiel Jens Spahn, Fraktionchef der Union, sagt jetzt, es ist jetzt gut so und richtig so und der gehörte zu denen, die vorher auch ganz klar eigentlich eine andere Position gefahren haben. Also man sieht, im Moment funktioniert es dann zumindest auf der Strecke nochmal wieder, dass man sich zusammenreißt und sich daran erinnert, wie man sein wollte als Koalition. Aber dahinter steht natürlich die ganz große Sorge, nach acht Wochen bröckelt es schon ein wenig, was passiert, wenn die Konflikte größer werden. Stromsteuer. Du kannst sagen, es geht am Ende um ein paar Dutzend Euro, aber es wird größere, es wird härtere Konflikte geben. Es wird richtige, massive, auch ideologische Debatten noch geben in den kommenden Wochen, Monaten. Was ist denn dann? Also die Sorge ist nicht kleiner geworden, dass es zu einem Ampel Déjà-vu kommen könnte. Würdest du denn sagen, ich meine, du hast gerade schon gesagt, die Stromsteuer, vergleichbar, ist das ein kleineres Thema? Es gibt große Themen, die noch kommen, über die noch diskutiert werden muss. Trotzdem war die Stromsteuersenkung für alle ein Versprechen im Koalitionsvertrag, das jetzt erstmal nicht umgesetzt wird. Würdest du sagen, das nagt auch am Vertrauen in diese Regierung? Also das ist schwierig zu sagen. Ich würde es nicht als so gewichtig sehen, wie zum Beispiel die Entscheidung, die Schuldenbremse zu eröffnen oder andere, sagen wir mal, Entscheidungen mit einem solchen Gewicht. Wenn jetzt zum Beispiel in dieser Legislatur sich die SPD dazu durchringen würde, doch eine Wiedereinsetzung der Wehrpflicht, möglicherweise sogar mit dem Interesse, auch Frauen zur Wehrpflicht zu verfliegen. Wenn man solche großen Sachen, das wären richtig große Entscheidungen, die komplett gegen das gehen würde, was vorher angekündigt worden ist. Ich glaube, bei der Stromsteuer, das ist so ein Triggerding, weil es das Geld der Leute ist, weil es so dieser Gedanke ist, es ist mal was für alle, wo sich jeder betroffen sieht. Das ist symbolisch eher, aber wir wissen ja, Symbole sind manchmal wirkmächtiger als Dinge, wo jemand irgendwie 1000 Euro verliert oder gewinnt. Und es ist möglicherweise auch die erste Machtprobe, die irgendwie so in der Koalition jetzt stattgefunden hat. Das März und Klingbeil haben sich da jetzt durchgesetzt, aber vielleicht war es auch so ein bisschen die erste Belastungsprobe und auch deswegen einfach so ein großes Thema. Ja, und man darf glaube ich auch nicht vergessen, dass alle ganz schön unter Druck stehen. Man sieht gerade, dass es so eine ganz kleine Verbesserung der Stimmung auch in den Umfragen sichtbar wird. Das will man natürlich auch nicht sich kaputt machen und deshalb ist natürlich sowohl der Ärger über diesen Konflikt groß, als aber auch der Ärger auf der anderen Seite darüber, dass man den Leuten jetzt schon wieder sagt, ihr kriegt was nicht, was euch versprochen war. Also man merkt so, wie nervös im Grunde alle sind, doch jetzt dieses Ding schwarz-rote Koalition zu einem Erfolg werden zu lassen und da gibt es eben unterschiedliche Wege dahin und das war glaube ich eine relativ heikle Situation deswegen. Du hast schon gesagt, du hast schon angesprochen, es ging auch um die Mütterrente im Koalitionsausschuss. Da wurde eine Entscheidung getroffen, die Mütterrente soll jetzt schon zum 1. Januar 2027 umgesetzt werden. Wenn es aber technisch erst zu einem späteren Zeitpunkt möglich ist, wird es rückwirkend ausgezahlt. Da hat sich dann Markus Söder durchgesetzt, oder? Das ist ein Projekt der CSU, ganz klar. Klar, es gibt natürlich auch viele in der SPD, die grundsätzlich sagen, klar, es ist auch ein Gerechtigkeitsthema für ältere Müttergenerationen. Aber natürlich, es ist ein Söder-Projekt. Und natürlich sind das immer auch dann Signale in die eigene Wählerschaft. Das muss man einfach so sehen. Söder bedankt sich dafür, dass er jetzt rausgeht und den gefundenen oder den bestätigten Kompromiss lobt. Man hat also wunderbar wieder eingefangen, aber die Frage ist eben, zu welchem Preis. Wenn man sieht, was die Mütterrente kosten wird und sieht, was eine Stromsteuerabsenkung für alle bedeutet hätte, hat man im Grunde, dealt man mit derselben Summe. Und da gibt es natürlich viele, sogar in der Union im Übrigen, Sozialflügel, die sagen, wenn es darum geht, alle ein bisschen zu entlasten, dann ist das besser als eine ganz bestimmte Gruppe. In diesem Fall sind es fast ausschließlich Mütter, jetzt mit einem Wahlversprechen Geschenk zu erfreuen. Was waren denn so die anderen Themen, um die es noch ging im Koalitionsausschuss? Neben der Mütterrente haben die Koalitionsspitzen natürlich auch über andere Aspekte dieses großen Rentenpakets gesprochen. Es geht ja sozusagen um die Metafrage, wie können wir die Renten überhaupt perspektivisch sicher machen, Wie können wir das Rentenniveau halten? Da ist die neue starke Frau der SPD natürlich gefragt, Bärbel Baas. Du hast es eben gesagt, sie ist jetzt Co-Vorsitzende mit Lars Klingbeil zusammen, hat Saskia Esken an der SPD-Spitze abgelöst. Und sie ist als Arbeit- und Sozialministerin natürlich eine der ganz wichtigen Ministerinnen im Kabinett. Rentenreform ist der eine Schwerpunkt, Bürgergeldreform ist der andere. Also zwei Großprojekte, die sie wuppen muss. Und bei der Rente geht es ihr natürlich darum, das Niveau zu stabilisieren. Der Union geht es vor allem aber auch darum, neue Rentenmodelle, Modelle, wo es mehr um Eigenvorsorge und Selbstbeteiligung geht. Aktivrente ist ein Stichwort, Frühstartrente ist ein Stichwort. Und da war natürlich Gesprächsbedarf. Wann machen wir das? Wie machen wir das? Wann kommt das? Also ein bisschen Detailplanung. Aber das ist nichts, was so eine Wucht entfaltet hätte wie jetzt diese Stromsteuergeschichte. Es gab ein weiteres Thema, über das diese Woche sehr viel gesprochen wurde. Oh ja. Vor allen Dingen in den sozialen Medien. Und das war eine Äußerung von Merz, die er am Dienstag bei Maischberger getätigt hat. Wir haben ja schon mal kurz über die Sendung gesprochen. Da ging es nämlich um die Entscheidung von Bundestagspräsidentin Julia Klöckner, dass während des CSDs, also des Christopher Street Days, dieses Jahr nicht mehr die Regenbodenfahne über dem Bundestag gehisst werden soll. Und im März hat sich da hinter die Entscheidung von Klöckner gestellt mit dem Satz, Zitat, der Bundestag sei ja nun kein Zirkuszelt, auf dem beliebig die Fahnen gehisst werden könnten. Und hat damit gesagt, die Entscheidung von Klöckner ist richtig. Ich kann Ihnen die Frage nicht abschließend beantworten. Okay. Sie können einfach die Fahne hissen. Nein. Doch. Es gibt einen Fahnenerlass. Letztes Jahr ging es noch. Ja, ja. Der Bundestag ist ja nun kein Zirkuszelt, auf das man mal beliebig die Fahnen... Es gibt einen Tag im Jahr, das ist der 17. Mai, da wird die Regenbogenfarbe gehisst. Das ist doch ein Zirkus. Und an allen anderen Tagen ist auf dem Deutschen Bundestag die deutsche Fahne und die europäische Fahne gehst und keine andere. Und diese Entscheidung ist richtig. Und dafür hat er, man muss es so sagen, in den sozialen Medien einen Shitstorm. Nicht nur in den sozialen Medien, eigentlich einen bundesweiten Shitstorm. Also klar, das ist natürlich auch mal wieder ein typischer März. Ja, und es ist auch wieder eine unnötige Debatte, die er damit jetzt ausgelöst hat. Also es geht jetzt ja nicht mehr um die eigentliche Diskussion, nämlich ob es die Entscheidung von Julia Klöckner gut ist, dass die Regenbogenfahne jetzt nicht mehr gehisst wird oder ob es schlecht ist, dass sie jetzt nicht mehr gehisst wird beim CSD, sondern es geht jetzt um dieses Wort, nämlich um dieses Zirkuszelt. Zelt und da haben sich jetzt schon diverse Menschen dazu geäußert, unter anderem auch die Queerbeauftragte der Bundesregierung, Sophie Koch, die gesagt hat, wenn die Regenbogenfahne die Fahne auf einem Zirkuszelt ist, was sind dann queere Menschen? Also die Assoziationen dieses Bildes sind verheerend und das Interessante ist, wenn man sich diesen Ausschnitt anguckt. In dem Merz am Ende dann diesen Punkt macht mit dem Zirkuszelt, Man merkt richtig, wie ihm die Halsschlagader schwillt. Also man merkt, wie ihn das alles nervt, dieses ganze Thema, wie er eh schon relativ dünnhäutig ist, weil er sich eigentlich gar nicht mit Innenpolitik beschäftigen will und schon gar nicht mit CSD und schon gar nicht mit Flaggenfragen. Das ist ihm alles viel zu klein. Er möchte über Europa, über Trump, über deutsch-französische Beziehungen. Das sind seine Themen. Aber er soll drüber reden, er muss drüber reden und er fängt an sich zu winden und man merkt richtig, wie er nach einem Befreiungsmoment sucht. Und wie so oft findet er ihn dann in einer Zuspitzung, die er. Wenn ich das richtig sehe, wahrscheinlich im Nachhinein auch nicht ideal findet, um es mal so zu sagen. Er würde wahrscheinlich immer sagen, ich stehe dazu, weil er immer zu allem steht. Er stand auch zu den Pashas und zu all den Aussagen. Aber ich glaube, das sind genau diese Momente, wo ihm im Grunde der Kragen platzt und er sagt dann was, um auch was abzubinden und was zu beenden und merkt gar nicht, was er da tut. Ich bin total bei dir. Ich glaube, man kann über diese Entscheidung von Klöckner reden und man kann darüber diskutieren und man kann ihre Argumente prüfen. Interessant ist ja, dass Julia Knöckler... CDU im Bundestag entscheidet keine Flagge, Ilse Aigner, CSU im Bayerischen Landtag entscheidet Flagge. Also über den Bayerischen Landtag ist es okay, dass die Regenbogenflagge an CSD weht. Da könnte man jetzt viel darüber reden, welche Argumente die eine hat, welche Argumente die andere hat, beide aus dem konservativen Spektrum. Also das ist alles fein. Und ich finde, man muss sich darüber auch auseinandersetzen. Also ich finde das für eine Demokratie auch sehr wichtig, dass wir uns darüber auseinandersetzen. Und wir werden schon einem guten Ergebnis kommen. Aber Merz hat oft keine Lust, glaube ich. Er hat keine Lust, sich damit zu befassen. Und das wird dann sichtbar. Und das ist, glaube ich, eine Sache, die kann er nicht ignorieren. Er kann nicht einfach sagen, das sind Themen und das sind auch Implikationen. Das nervt mich, das will ich nicht. Und diese Unlust so sichtbar zu machen, ich glaube, er muss sich damit auseinandersetzen. Das gehört zu seiner Rolle. Und die Unlust spürt man. Ja, und er muss sich auch mit seiner Wortwahl auseinandersetzen. Also ich finde, als Kanzler muss er sich seiner Worte bewusst sein oder er muss daran arbeiten, dass er sich mehr seiner Worte bewusst wird, weil es ist ja nicht so, als wäre es das erste Mal, dass ihm irgendwas rausgerutscht ist, was er vielleicht gar nicht so gemeint hat, was aber dann zu einer Debatte geführt hat und was auch dazu geführt hat, dass sich Personen, Gruppen verletzt gefühlt haben. Und ich kann das sehr gut nachvollziehen, dass jetzt auch die queere Community sagt, das ist verletzend und das ist irgendwie herabwürdigend, wenn man einfach so unreflektiert diesen Vergleich zieht, ganz unabhängig davon, wie er das gemeint hat oder ob er es vielleicht hinterher irgendwie nicht mehr ideal fand, seine Wortwahl, ganz unabhängig davon. Fühlt sich die Community dadurch irgendwie verletzt und das kann ich gut nachvollziehen. Und ich finde, das darf ihm irgendwie nicht mehr passieren. Das ist schon so häufig passiert und es darf ihm einfach nicht mehr passieren, dass er so ein Wort sagt und damit eine ganz neue Debatte aufmacht. Ich meine, er hat ja angekündigt, er möchte der Kanzler für alle Menschen sein in Deutschland und damit schließt er aber gerade ja irgendwie eine Gruppe aus. Und ich glaube nicht, dass die queere Community aktuell das Gefühl hat, dass das quasi ihr Kanzler ist, der dann irgendwie die Regenbogenflagge mit dem Zirkuszelt gleichsetzt. Definitiv, aber das will er vielleicht auch gar nicht. Aber es ist ja trotzdem die Wirkung, die er damit erzielt, also ganz unbewusst auch. Total. Ich glaube, dass er genau weiß, dass er mit so einer Äußerung, ohne jetzt ihm unterstellen zu wollen, dass das intentional war, dass er das wirklich jetzt an dem Abend genauso machen wollte. Ich glaube, dass er davon ausgeht, dass er mit so einer Äußerung in seiner Bubble Applaus bekommt und dass es ganz viele gibt, die sagen, ja natürlich, das ist so ein Identitätszirkus. Und in diesem großen Zirkus der Meinung, der Positionierung, auch der Emanzipationsbewegung und so weiter, da weiß ich nicht, verirren wir uns. Da verirren wir uns auch ideologisch und deshalb kriegt er Applaus, wenn er das so diskreditiert. Ich glaube, es gibt eine große, vielleicht sogar eine Mehrheit in Deutschland, die ihm wahrscheinlich innerlich sogar applaudiert. Die sicherlich nicht, das würde ich nicht unterstellen, das verletzende Potenzial mitdenkt. Aber die sagen, wir müssen jetzt nicht anfangen, hier irgendwie Flaggen zu hissen. Ich glaube, da gibt es eine große Zustimmung. Und das ist ihm am Ende wichtiger als die Zustimmung in einem Milieu, von dem er vermutlich annehmen muss, dass sie ihn eh ablehnen. Ich würde aber schon die Frage stellen, ob das wirklich das richtige Signal ist, auch in einer Zeit, in der wir halt steigende Zahlen bei queerfeindlichen Gewalttaten haben, bei Übergriffen auch auf CSDs, bei Bedrohungen auf CSDs. Ob das dann das richtige Signal ist, einerseits von Klöckner, dann zu sagen, das ist ja auch eine bewusste Entscheidung, zu sagen, die Flagge wird jetzt nicht mehr gehisst, so wie es in den Jahren davor war beim CSD. Ich mache das jetzt anders und das ist ab jetzt nicht mehr so. Sie begründet das ja mit der Neutralität, aber auch die Entscheidung zu sagen, die Flagge wird jetzt nicht mehr gehisst, ist ja nicht wirklich neutral, sondern auch das sendet ja ein Symbol. Und Gleiches, finde ich, gilt auch beim März. Ich weiß nicht, ob es das richtige Symbol ist in der Zeit, in der die Gewalttaten steigen, gegen die queere Community, dann zu versuchen, irgendwie mit solchen Äußerungen eher am rechten Rand und einem konservativeren Publikum zu fischen und denen damit ja mehr Berechtigung zu geben, auch für ihre Argumente. Ja, meine Vermutung ist allerdings, dass er all diese Überlegungen sich selber gar nicht vertieft, weil das auf seiner Agenda überhaupt keine Rolle spielt. Und ich glaube, dass dieses ganze Thema ihm sozusagen in den Schoß fällt und er so ein bisschen irritiert davor steht, was soll ich mich denn damit jetzt auch noch? Also ich glaube, das ist seine Haltung. Wir sehen ja auch an anderen Stellen, wie lange es dauert, bis er sich so an Themen ranroppt, die in anderen Milieus längst als selbstverständlich sind. Denn auch das war ein sehr interessanter Auftritt in dieser Woche. Merz hat eine Rede gehalten bei einem Chefin-Netzwerk, wo wir uns schon wunderten, ah, die haben ihn eingeladen, cool, er macht so eine Keynote. Und er hat, wie ich finde, eine ganz kluge Rede gehalten, eine sehr ausgewogene Rede, in der, manchmal denkt man, diese Rede ist ihm von einer Frau geschrieben worden. Die mal ein paar Punkte durch ihn durchsprechen wollte. Also er hat sich zur Vielfalt bekannt, er hat sich zur Quote bekannt, er hat ganz klar gesagt, wir haben ein Riesenproblem in der Union mit Frauen. Also man dachte wirklich so, hey, da lernt einer gerade mit sieben Meilen Schritten. Und danach gab es aber dann eine Podiumsdiskussion und da hat er sich dann wieder auf eine Weise geäußert, wo ich dachte, oh Merz, das hat wieder diesen paternalistischen Ton, das hat wieder so eine Schlagseite, wo sich glaube ich viele Frauen dann doch fragen, Wo kommt das her? Ich habe das nochmal rausgesucht. Er hat dann Frauen, ich glaube, er wollte Frauen im Grunde was Gutes tun und ihnen gut zureden und sie seiner Unterstützung versichern und sagt dann aber eben so Sachen wie, wir Männer haben eine bessere Begabung und Befähigung, Netzwerke zu bilden und uns gegenseitig auch zu unterstützen. Die Frauen sollten das bitteschön auch mal tun. Aber Entschuldigung, Begabung und Befähigung, woher kommt das denn? Also das sind so Gedankenwelten, die sind wirklich heute nicht mehr angemessen, würde ich sagen. Wie siehst du es? Und ja, ja, du siehst es auch so. Ja, Punkt. Also nee, ich finde, das ist nicht mehr angemessen. Und ich finde es auch generell problematisch. Die Quote, mit der ja immer noch Frauen in Führungspositionen sind, nämlich sehr, also diese sehr, sehr niedrige Quote, die es da gibt, die wenigen Frauen, die wir in Führungspositionen haben, wenn man anfängt, das irgendwie zu begründen mit irgendwas, was so in Richtung Biologie geht, was er dann sagt, andere Begabung und Befähigung. Wenn man da anfängt, das ganze soziale System außenrum auszublenden und zu sagen, naja, da ist halt eine andere Begabung und Befähigung. Und ich weiß, er hat es auch da wieder andersrum gemeint, aber trotzdem hat es wieder einen Beigeschmack einfach in eine ganz andere Richtung. Und irgendwie hat es auch einen Beigeschmack, wenn man sich überlegt, dass er dann, ich weiß nicht, an welchem Tag war das, dass er diese Rede gehalten hat, aber kurz danach oder kurz davor in diesem Koalitionsausschuss saß, in dem wieder dann irgendwie zehn Männer und eine Frau sitzen. Aber interessant ist, was du gerade gesagt hast und ich habe irgendwie, da habe ich jetzt ein Déjà-vu und ich glaube, das haben wir selbst in diesen Folgen schon ein paar Mal gesagt. Er meint es manchmal anders, aber er kriegt es in seiner Sprache einfach nicht über die Rampe. Und ich glaube ihm tatsächlich, dass er denkt, er würde jetzt etwas sehr Frauenfreundliches und etwas sehr Emanzipatorisches sagen. Und er würde irgendwie ein T-Shirt tragen mit This is what a feminist looks like. Aber das, was er dann sagt, ist genau das, also vom Ton her genau das Gegenteil. Also er kriegt es oft nicht so hin, dass er seine Botschaft wirklich präzise formuliert. Ja, es hat sowas von dem Onkel, mit dem man halt irgendwie beim Weihnachtsfest dann mal kurz über Feminismus diskutiert. Aber ich finde, der Unterschied ist halt einfach, dass er der Bundeskanzler ist und nicht der Onkel, mit dem man dann beim Familienessen mal kurz diskutiert, dem man irgendwie verzeihen kann, wenn er dann was sagt, wo man hinterher die Augen verdreht und sagt, ach ja, kann man drüber hinwegsehen irgendwie, wie egal und hier frohe Weihnachten. Aber er ist halt der Bundeskanzler und ehrlicherweise habe ich da schon die Erwartungshaltung, dass er sich auch mit den Themen beschäftigt, die ihn vielleicht nicht privat so sehr interessieren, wie Außenpolitik, die USA und der europäische Zusammenhalt, sondern dass er sich dann eben auch mit anderen Gruppen der Bevölkerung betreffen. Er möchte ja der Kanzler für alle sein. Bislang klappt das nicht richtig. Denn auch da, die jüngste Umfragen, wir sehen, die Union ist, ungefähr wieder da, wo sie bei der Bundestagswahl war. Aber das ganz Große, wir überzeugen alle mit unserem tollen Kanzler und es läuft Ding, ist bislang noch nicht ins Ziel gegangen. Schauen wir mal, wie es weitergeht. Vor allen Dingen, wenn es jetzt dann auch in den nächsten Wochen weniger um Außenpolitik und mehr um Innenpolitik gehen wird. Was das dann für die Regierung bedeutet? Schauen wir mal, wir werden darüber reden. Auf jeden Fall. Und wenn ihr Wünsche habt oder Themen oder Anmerkungen, dann schreibt uns doch gerne eine Mail at rambozambo at funkemedien.de oder slidet in unsere DMs auf Instagram, auf unserem Kanal Funke News oder auf TikTok auf unserem Kanal Funke. Vielen Dank, Halotta. Danke, Julia. Bis zum nächsten Mal. Schön, dass ihr zugehört habt und eingeschaltet habt. Bye. Music.