Latest / Friedrich Nietzsche Podcast in Deutsch / Die fröhliche Wissenschaft - Buch 2 - 86-93
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- 0:00Unterkapitel 86 vom Theater hier beschreibt Nietzsche seine sehr
- 0:07persönliche Abneigung gegen das Theater.
- 0:09Er sagt, Wer selbst genug Drama in seinem Leben hat, der meidet
- 0:13das Theater, er sieht das Theaterpublikum als Menschen,
- 0:16deren Leben keine echte Handlung, sondern nur ein
- 0:20Geschäft ist. Sie sind wie müde Maultiere, die
- 0:24am Abend eine künstliche Aufregung suchen, um sich von
- 0:27ihrem grauen Alltag abzulenken. Für diese Menschen sind Kunst
- 0:31und Theater wie eine Droge, ein Rauschmittel.
- 0:35Sie brauchen diese idealen Peitschenschläge, um überhaupt
- 0:38höhere Stimmungen zu empfinden. Nietzsche verachtet das, er
- 0:43fragt, Wozu braucht jemand, der begeistert ist, noch Wein, er
- 0:48blickt mit Ekel auf diese künstlich erzeugten Gefühle, das
- 0:52Theater, die Musik, das Haschisch, Rauchen für Nietzsche
- 0:56gehört all das in die gleiche Kategorie.
- 0:59Es sind Narkotika für die höhere Bildung, auch Betäubungsmittel
- 1:03für Menschen, die nicht aus eigener Kraft zu intensiven
- 1:06Gefühlen fähig sind. Ein Mensch wie Goethes Faust,
- 1:09der selbst ein dramatisches Leben führt, braucht das Theater
- 1:12nicht, für ihn wäre der Gedanke, dass solche Figuren auf der
- 1:16Bühne gezeigt werden, an sich schon das eigentliche
- 1:18Schauspiel, Unterkapitel 87 von der Eitelkeit der Künstler.
- 1:27Nietzsche glaubt, dass Künstler oft nicht wissen, was sie am
- 1:29besten können. Der Grund dafür ist ihre
- 1:32Eitelkeit, sie streben nach etwas großem und Imposantem und
- 1:36übersehen dabei die kleinen, feinen und vielleicht viel
- 1:40meisterhafteren Dinge, die sie schaffen könnten.
- 1:43Er beschreibt als Beispiel einen Musiker, dieser Musiker ist ein
- 1:47Genie darin, die Musik leidender und gequälter Seelen zu
- 1:50komponieren. Er kann die Farben des späten
- 1:53Herbstes in Töne fassen und die Feinsten, fast unsichtbaren
- 1:57Regungen der Seele ausdrücken. Er ist, wie Nietzsche sagt, der
- 2:02Meister des ganz kleinen, aber, so Nietzsche, dieser Musiker
- 2:06will das nicht sein, sein Charakter liebt die großen Wände
- 2:10und die kühne Wandmalerei, er will gewaltige heroische Musik
- 2:14schaffen. Er bemerkt nicht, dass sein
- 2:17Geist und sein Talent eigentlich einen ganz anderen Geschmack
- 2:20haben und sich am liebsten im Verborgenen, im Kleinen und
- 2:23Stillen aufhalten. Dort, in diesen kurzen, fast
- 2:27unscheinbaren Momenten, ist er wirklich groß und vollkommen,
- 2:32aber er weiß es nicht, denn er ist zu eitel dafür, Unterkapitel
- 2:3888, der Ernst um die Wahrheit. In diesem Kapitel philosophiert
- 2:43Nietzsche darüber, was Menschen meinen, wenn sie von ernst um
- 2:46die Wahrheit sprechen. Er stellt fest, dass dieser
- 2:50Ausdruck für verschiedene Menschen ganz Unterschiedliches
- 2:52bedeuten kann, ein Künstler zum Beispiel kann das Gefühl haben,
- 2:56er sei zutiefst ernsthaft auf der Suche nach Wahrheit, wenn er
- 2:59sich mit einer Idee beschäftigt, für ihn ist dieser Prozess von
- 3:03höchster Bedeutung, ein Denker hingegen könnte genau diese Art
- 3:07von Beweisführung. Und diesen Grad an ernst als
- 3:10oberflächlich und leichtfertig empfinden, fast schon als etwas,
- 3:14wofür man sich schämen müsste. Nietzsche deutet damit an, dass
- 3:18das Gefühl von Ernsthaftigkeit oft trügerisch ist, was sich für
- 3:23eine Person wie tiefster ernst anfühlt, kann in Wirklichkeit
- 3:26ein Zeichen für einen oberflächlichen Geist sein.
- 3:30Er schließt mit der Frage und ist nicht alles, was wir wichtig
- 3:33nehmen, unser Verräter, das, was wir ernst nehmen.
- 3:37Verrät am Ende vielleicht am meisten über uns selbst.
- 3:41Es zeigt unsere Grenzen und das, woran es uns mangelt.
- 3:45Unterkapitel 89 jetzt und ehedem Nietzsche vergleicht die Rolle
- 3:52der Kunst in der Vergangenheit ehedem mit ihrer Rolle in der
- 3:56Gegenwart. Jetzt früher, so sagt er, waren
- 4:00Kunstwerke wie Denkmäler am Wegesrand der Menschheit.
- 4:04Sie standen an der großen Feststraße und erinnerten an
- 4:07große, glückliche und erhabene Momente der Kultur.
- 4:11Kunst war eine Feier des Lebens an seinen Höhepunkten heute
- 4:15hingegen hat die Kunst eine andere Funktion, sie soll die
- 4:19armen, erschöpften und Kranken von der großen Leidensstraße der
- 4:23Menschheit weglocken, sie bietet ihnen eine kurze Ablenkung,
- 4:27einen kleinen Rausch und Wahnsinn.
- 4:30Die Kunst ist also zu einem Mittel der Flucht und der
- 4:32Betäubung geworden. Anstatt ein Zeichen von Stärke
- 4:35und Lebensfülle zu sein, Unterkapitel 90 Lichter und
- 4:42Schatten dies ist ein sehr kurzer, poetischer Gedanke.
- 4:47Über 2 verschiedene Arten von Denkern und Schriftstellern.
- 4:50Nietzsche vergleicht ihre Bücher und Schriften miteinander, der
- 4:54eine Typ von Denker fängt in seinem Buch die Lichter ein, er
- 4:59sammelt die hellen Strahlen einer plötzlichen Erkenntnis,
- 5:02die ihn erleuchtet hat. Seine Werke sind das Ergebnis
- 5:05eines Geistesblitzes, einer direkten Inspiration.
- 5:09Der andere Typ gibt in seinen Schriften nur die Schatten
- 5:12wieder, er beschreibt die Grauen und schwarzen Nachbilder dessen,
- 5:16was sich am Tag zuvor langsam in seiner Seele aufgebaut hat.
- 5:20Seine Werke sind das Ergebnis einer nachträglichen Reflexion,
- 5:24nicht einer unmittelbaren Erleuchtung.
- 5:26Nietzsche beschreibt hier also den Unterschied zwischen einem
- 5:29Denken, das aus der plötzlichen hellen Inspiration kommt.
- 5:32Und einem denken, das aus der langsamen, nachdenklichen
- 5:35Verarbeitung von bereits Erlebtem entsteht.
- 5:40Unterkapitel 91 Vorsicht in diesem sehr kurzen Abschnitt
- 5:47warnt Nietzsche davor, den Autobiografien von großen
- 5:49Denkern und Künstlern blind zu vertrauen, als Beispiel nennt er
- 5:53den italienischen Dichter Vittorio Alfieri, der in seiner
- 5:57Lebensgeschichte bekanntermaßen viel gelogen hat.
- 6:00Nietzsche erklärt, dass Alfieri dies nicht aus einfacher
- 6:03Täuschungsabsicht Tat, sondern aus einer Art Despotismus gegen
- 6:07sich selber. Das bedeutet, Alfieri hatte ein
- 6:10so strenges und erhabenes Bild von sich selbst, dass er seine
- 6:14eigene Lebensgeschichte so Zurechtbog, dass sie diesem
- 6:17ideal entsprach. Er zwang sein Leben und seine
- 6:20Erinnerungen in eine Form, die ihm gefiel, auch wenn es
- 6:24schmerzhaft war und der Wahrheit nicht entsprach.
- 6:28Nietzsche weitet diesen Gedanken aus und sagt, dass er auch den
- 6:31Autobiografien von Platon, Jean Jacques Rousseau oder Dante
- 6:34Aligieri nicht glauben würde. Er meint damit, dass Menschen,
- 6:39die große Werke schaffen und tiefgründige Gedanken haben, oft
- 6:42auch ihre eigene Lebensgeschichte als eine Art
- 6:45Kunstwerk betrachten, sie formen und gestalten sie, um einem
- 6:49bestimmten Bild zu entsprechen, und nehmen es mit den Fakten
- 6:52nicht immer so genau. Es ist eine Warnung, die
- 6:55Selbstdarstellung großer Persönlichkeiten immer mit einer
- 6:58gewissen Skepsis zu betrachten. Unter Kapitel 92 Prosa und
- 7:05Poesie. Nietzsche stellt hier eine
- 7:09interessante These über das Verhältnis von Prosa und Poesie
- 7:12auf, er behauptet, dass die größten Meister der Prosa, also
- 7:16des normalen, ungebundenen Schreibens, fast immer auch
- 7:19Dichter waren, sei es öffentlich oder im Geheimen.
- 7:23Man schreibt gute Prosa, Sonitsche nur im Angesichte der
- 7:27Poesie. Was er damit meint, ist, dass
- 7:30gute Prosa eine Art spielerischer Kampf mit der
- 7:33Poesie ist, während die Poesie oft sehr gefühlsbetont, bildhaft
- 7:37und rhythmisch ist, spielt die gute Prosa, damit sie weicht,
- 7:41der Poesie aus, widerspricht ihr und ist manchmal absichtlich
- 7:45trocken und kühl, um die liebliche Göttin Poesie zu
- 7:48ärgern. Manchmal nähert sich die Prosa
- 7:51der Poesie an, wird fast poetisch, nur um dann plötzlich
- 7:54wieder Distanz zu schaffen und darüber zu lachen.
- 7:58Nietzsche beschreibt es als einen ständigen Krieg, aus dem
- 8:011000 Vergnügen entstehen, dieser Krieg sei der Vater aller guten
- 8:06Dinge und eben auch der Vater guter Prosa.
- 8:10Wer nur einfache, unpoetische Prosa schreibt, kennt diesen
- 8:13Reiz nicht und schreibt daher schlecht.
- 8:16Als Beispiele für große Prosameister, die in einem
- 8:18ansonsten eher unpoetischen Jahrhundert lebten, nennt er
- 8:22Giacomo Leopardi, Prosper Merimé, Ralph Waldo Emerson und
- 8:26Walter Savage Landor. Goethe nimmt er aus, da er zu
- 8:30einem früheren poetischeren Jahrhundert gehört.
- 8:33Diese Autoren sonitsche haben die Kunst der Prosa gemeistert,
- 8:37weil sie das Spannungsverhältnis zur Poesie verstanden haben,
- 8:42unter Kapitel 93. Aber warum schreibst denn du?
- 8:48Dieses Kapitel ist als ein kurzer Dialog zwischen 2
- 8:51Personen A und B aufgebaut. Person A fragt Person B, warum
- 8:57sie überhaupt schreibt, Person B antwortet, dass er nicht zu den
- 9:01Menschen gehört, die erst beim Schreiben denken oder ihre
- 9:04Leidenschaften auf das Papier bringen, im Gegenteil, er ärgert
- 9:08oder schämt sich sogar für das Schreiben, für ihn ist das
- 9:11Schreiben eine Notdurft, eine Notwendigkeit.
- 9:15Etwas Unangenehmes, das er tun muss.
- 9:18Daraufhin fragt Person A weiter, warum er denn dann schreibt.
- 9:22Person B antwortet vertraulich, dass er bisher kein anderes
- 9:25Mittel gefunden habe, um seine Gedanken loszuwerden.
- 9:29Die letzte Frage von A lautet und warum willst du sie
- 9:32loswerden? Darauf antwortet B fast schon
- 9:35verzweifelt warum ich will will ich denn ich muss Person A
- 9:42beendet das Gespräch mit einem Knappen.
- 9:44Genug genug. Dieser kurze Austausch
- 9:48verdeutlicht Nietzsches eigene Beziehung zum Schreiben.
- 9:52Er sieht es nicht als kreativen Akt der Freude, sondern als
- 9:55einen inneren Zwang. Gedanken sind für ihn wie ein
- 9:59Druck, den er loswerden muss, das Schreiben ist also eine Art
- 10:03Befreiung oder Therapie, es ist kein Wunsch, sondern eine
- 10:07unabweisbare Notwendigkeit, die aus seinem Inneren kommt.