Latest / ntv Wirtschaft / Der Druck steigt: Wie sich Volkswagen und die EU gegen China stemmen
Transcript
- 0:03Volkswagen verkauft deutlich weniger Autos. Besonders in China wächst der Druck.
- 0:09Der DAX hält sich trotz Krisen erstaunlich stabil.
- 0:13Und bei der Fernwärme zeigt sich, wie teuer fehlender Wettbewerb werden kann.
- 0:17In diesem Podcast verwandeln moderne KI-Systeme journalistische Inhalte,
- 0:22die auf unseren NTV-Plattformen publiziert wurden, in ein neues Hörformat.
- 0:27Text und meine Stimme wurden mithilfe künstlicher Intelligenz erzeugt.
- 0:32Vor der Veröffentlichung werden alle Folgen nach strengen journalistischen Standards
- 0:36geprüft. Viel Spaß beim Zuhören.
- 0:43Bei Volkswagen beschleunigt sich der Abwärtstrend. Im dritten Quartal lieferte
- 0:47der Konzern 1,9 Millionen Fahrzeuge aus.
- 0:5114 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. In den ersten neun Monaten sank der Absatz
- 0:56um 9 Prozent, in China sogar um rund 30 Prozent.
- 1:00Ein Lichtblick bleibt Europa. Dort war von Januar bis September jedes fünfte
- 1:05ausgelieferte Modell ein reines E-Auto.
- 1:08Weltweit gingen aber auch die Auslieferungen vollelektrischer Fahrzeuge zurück.
- 1:12Wie ernst ist die Lage? Eine Einordnung von Autoexperte Ferdinand Dudenhöfer.
- 1:18In China verlieren alle große Marktanteile und Verkäufe.
- 1:23Genauso BMW, genauso Mercedes, erst recht Porsche.
- 1:28VW hat eine Strategie in China für China, in der bauen sie alle Fahrzeuge in
- 1:33der Zukunft in China und entwickeln die auch in China und sind wesentlich kostengünstiger.
- 1:41Diese Strategie in China für China, wenn die erfolgreich ist.
- 1:46Dann kann man den Turnaround in China schaffen.
- 1:50Aber derzeit sieht man es noch nicht.
- 1:52VW ist insgesamt, das zeigen auch die neuen Zahlen wieder, ein Unternehmen, was Besorgnis auslöst.
- 1:59Auf der einen Seite haben wir die Absatzzahlen, auch in Amerika.
- 2:03In Amerika hat man für Audi und für Porsche keine Produktionswürdigkeiten, aber hohe Zölle.
- 2:09Das heißt, man muss dort weiter mit rückläufigen Zahlen rechnen.
- 2:12Wenn es ganz schlimm wäre, dann könnte USA sowas werden wie ein zweites China für VW.
- 2:20Zum Zweiten ist es so, dass man jetzt zusätzlich zu den schlechten Zahlen große
- 2:25Rückrufe in der Öffentlichkeit hat.
- 2:27Selbst der neue ID.Polo ist jetzt mit dem Rückruf betroffen.
- 2:32Zum Dritten ist es so, dass man ID.Polo und die neuen Modelle in Spanien baut.
- 2:38Aber momentan nicht liefern kann. Die Lieferzeiten liegen bis zu einem Jahr.
- 2:43Das ist äußerst schlecht. Also drei Dinge kommen zusammen und dann,
- 2:48das vierte ist, in Deutschland ist man in Konfrontation mit den Mitarbeitern.
- 2:54Es kann gut sein, dass zum Jahresende oder im neuen Jahr Streiks bei VW Deutschland kommen.
- 3:00Das wäre das Letzte, was VW gebrauchen kann. Aber der Vorstand geht genau in
- 3:06diese Richtung, in dem die ganzen Tarifverträge gekündigt worden sind.
- 3:10Also VW ist derzeit ein Unternehmen, was nach meiner Entschätzung Besorgnis auslöst.
- 3:17Der Druck aus China beschäftigt inzwischen auch Brüssel. Die EU begrenzt die
- 3:22Importe chinesischer Hybridautos auf 350.000 Fahrzeuge pro Jahr.
- 3:27Ohne die Obergrenze könnten es nach Schätzung der EU-Kommission in diesem Jahr rund 800.000 werden.
- 3:34Sobald das Limit erreicht ist, sollen die Zollbehörden keine weiteren Importe freigeben.
- 3:39Während die Autoindustrie weiter unter Handelskonflikten und geopolitischen
- 3:43Krisen leidet, kann das dem DAX gerade nicht so viel anhaben.
- 3:48Auch die hohen Zinsen und Sorgen um den Ölpreis haben den deutschen Leitindex
- 3:52bislang nicht stärker nach unten gezogen.
- 3:55Was ihn stützt und wo die größten Gefahren liegen, darüber hat Frank Mayer mit
- 3:59Kapitalmarktstratege Oliver Roth gesprochen.
- 4:02Neue Woche, neues Glück. In der letzten Woche hatte der Dachse alle Möglichkeiten,
- 4:06ordentlich durchzurutschen. Aber Olli Roth, er wollte nicht.
- 4:10Was stützt ihn im Moment?
- 4:13Es stützt ihn letztendlich, dass wir immer wieder die Hoffnung haben auf gute
- 4:18Unternehmensergebnisse. Das ist eigentlich das große Pfund, das wir momentan sehen.
- 4:22Tatsächlich wird viel Geld verdient, auch bei der letzten Berichtssaison haben
- 4:26wir das überall festgestellt.
- 4:27Ganz besonders natürlich getrieben von künstlicher Intelligenz und aus den USA
- 4:31kommend. Aber selbst die DAX-Unternehmen haben größtenteils performt.
- 4:35Und das ist es, was den DAX, wenn es nach unten geht, immer wieder hält.
- 4:39Heißt also, es gab nicht so viele Gewinnwarnungen, was darauf schließen lässt,
- 4:43dass das dritte Quartal doch ganz gut lief?
- 4:46Also wie die Vorbewertungen der Analysten sind, darüber könnten wir trefflich
- 4:49natürlich diskutieren.
- 4:50Fakt ist aber, dass das, was ursprünglich dann erwartet wurde,
- 4:53mit der Zeit größtenteils übertroffen wurde. Da rede ich tatsächlich jetzt wieder
- 4:57aus den USA. Da waren 65, 68 Prozent der Ergebnisse besser als erwartet.
- 5:02Und das ist es, was letztendlich die Hoffnung treibt bei den Unternehmensgewinnen.
- 5:07Es sind aber ja nicht nur die Hoffnungen auf die Unternehmensgewinne,
- 5:10wir haben ja drumherum eine Welt, die immer unruhiger wird.
- 5:13Ja, man glaubt gar nicht, wie viele geopolitische Krisen die Welt eigentlich
- 5:18so aushält. Es werden tatsächlich immer mehr und immer krasser.
- 5:22Das Größte ist natürlich das Thema Iran und die USA und das Öl,
- 5:26das liebe Öl, das uns natürlich große Sorgen macht für die Wirtschaft.
- 5:29Zinsen, Inflation, all das kommt jetzt noch hinzu und das wird mutmaßlich noch
- 5:34ein größeres Problem werden, gerade weil die Zinsen in den USA aktuell so hoch sind.
- 5:38Wie viele Krisen verträgt der DAX und die Börsen eigentlich noch?
- 5:42Ja, der Krug geht zum Brunnen, bis er bricht. Und dann bricht er.
- 5:46Genau, das ist das Thema.
- 5:48Ich bin tatsächlich besorgt über die 10-jährigen Anleihen in den USA,
- 5:52die weit über 5 Prozent sind.
- 5:55Das ist eben so eine Marke für Investoren, um zu sagen, eigentlich könnte man
- 5:58auch mal in die USA und da eben die hohen Zinsen mitnehmen.
- 6:01Da fließt momentan viel Geld hin und immer dann, wenn es zu deutlichen Umwandlungen
- 6:05der Kapitalströme kommt, große Kapitalströme eben verschoben werden,
- 6:09ist immer eine große Gefahr auch dabei, dass es durchaus eben auch mal zum Crash kommen kann.
- 6:14Und eigentlich sind wir da rein historisch gesehen mehr als überfällig,
- 6:17ohne den Crash jetzt herbeizureden. Ja, es ist ja Oktober, aber da kann auch golden sein.
- 6:22Machst du dir eher Sorgen über die französischen Anleiherenditen?
- 6:25Die sind ja auch fast bei 5 Prozent 20 Jahre hoch. Das ist ja auch nicht ein Ding ohne.
- 6:29Ja, vielleicht muss man auch verstehen, dass zwischen den Anleihen,
- 6:33den Verzinsungen natürlich auch Konkurrenz besteht.
- 6:35Das heißt, hohe Anleihen, hohe Renditen in den USA sind natürlich interessant.
- 6:39Dann wird eben anderswo verkauft und dann steigen natürlich auch dort die Renditen.
- 6:43Und das sehen wir natürlich gerade auch in Frankreich aufgrund der wirtschaftlichen
- 6:47Situation, der Hausfallssituation, der hohen Verschuldung, aber ganz besonders
- 6:50eben auch der Wahlen der Anstehenden, wo eben möglicherweise mit Marine Le Pen
- 6:55eine sehr rechte Präsidentin werden könnte.
- 6:58Und das sorgt natürlich zusätzlich für Pulver und für große Eskalation an den
- 7:03Anleihenmärkten eben auch in Frankreich.
- 7:05Aber die ganzen Gelder, die aufgewendet werden müssen, um diese Zinsen zu bezahlen,
- 7:09um aufzubringen, das betrifft inzwischen auch Deutschland.
- 7:12Das ist ein Problem, was sich reinschweißt in die Börsen bis hin zu dem gewissen Knackpunkt.
- 7:17Kann man schon sagen, dass die Euro-Krise 2.0 schon wieder in der Tür klopft?
- 7:21Ich würde mal sagen, sie ist auf dem Weg dorthin, aber anklopfen würde ich noch
- 7:25nicht sagen. Wir haben es bisher immer geschafft, eine Art Situation zu schaffen,
- 7:29weltweit, wo wir gegensteuern konnten.
- 7:32Wir konnten unter anderem bei der Euro-Krise, Sie hatten es gesagt,
- 7:35und in den Jahren danach, künstlich die Zinsen niedrig halten.
- 7:39Und das hat natürlich der Wirtschaft wahnsinnig geholfen.
- 7:41Das wird natürlich dann, wenn der Ölpreis gleichzeitig hoch ist, nicht funktionieren.
- 7:45Dann sind die Notenbanken in der Situation, dass sie gar nicht reagieren können.
- 7:51Und das ist dann tatsächlich ein Problem. Also wir nähern uns immer wieder der
- 7:54Situation, immer mehr der Situation an, dass wir nicht mehr reagieren können.
- 7:57Und dann sind wir nicht flexibel in den Entscheidungen und dann kommt es tatsächlich
- 8:00zu großen Problemen. Also Holzauge sei wachsam, zwar immer an der Börse,
- 8:04aber momentan ein bisschen wachsamer. Ja, auf jeden Fall. Dankeschön, Olli Roth.
- 8:09Stabilität ist auch das Stichwort beim Wirtschaftsnobelpreis.
- 8:13Die Auszeichnung geht dieses Jahr an die beiden amerikanischen Forscher Michael
- 8:17Woodford und Robert Hall.
- 8:19Die Schwedische Akademie der Wissenschaften würdigt ihre Arbeiten dazu,
- 8:23wie Geld- und Fiskalpolitik Konjunkturschwankungen stabilisieren können.
- 8:28Und von der großen Wirtschaftspolitik kommen wir jetzt zur Heizkostenabrechnung.
- 8:33Rund 15 Prozent der Haushalte in Deutschland heizen mit Fernwärme.
- 8:37Doch die Kunden können ihren Anbieter meist nicht wechseln.
- 8:41Eine vergleichbare Preiskontrolle wie bei anderen natürlichen Monopolen gibt es bislang nicht.
- 8:46Verbände fordern deshalb eine stärkere Preiskontrolle. Auch die Bundeswettbewerbsbehörde
- 8:52verlangt mehr Transparenz und Flexibilität.
- 8:55Daniel Wolf hat auch darüber mit Ingbert Liebing gesprochen,
- 8:59dem Hauptgeschäftsführer des Verbands kommunaler Unternehmen.
- 9:02Herr Liebing, die Bundesregierung will die Fernwärme in Deutschland ja als zweite
- 9:06große Säule der Wärmewende etablieren, neben der Wärmepumpe.
- 9:09Der Ausbau läuft allerdings zumindest Stand jetzt noch eher schleppend.
- 9:13Man kann sagen, jede sechste Wohnung ist an Fernwärme angeschlossen.
- 9:17Aber im Moment hat man das Gefühl, geht es nicht so wirklich voran.
- 9:19Wie bewerten Sie den Ausbau?
- 9:21Es kommt schon einiges voran und die Stadtwerke investieren auch in die Fernwärme.
- 9:26Im Moment liegt allerdings ein Fokus eher auf der Dekarbonisierung,
- 9:31weil der Gesetzgeber uns aufgegeben hat.
- 9:33Bis zum Jahr 2030 müssen 30 Prozent der Wärme in jedem Fernwärmenetz aus erneuerbarer Energie kommen.
- 9:42Und das ist eine schwierige Aufgabe, eine große Aufgabe für die Fernwärmebetreiber.
- 9:49Wie preislich wettbewerbsfähig und preislich attraktiv ist die Fernwärmestand heute?
- 9:54Grundsätzlich ist die Fernwärme sehr wohl wettbewerbsfähig.
- 9:59Wenn wir darüber hinaus die gleiche Förderung bekämen wie die Wärmepumpe,
- 10:03sähe es noch besser aus für die Fernwärme.
- 10:05Das Gute ist, bei der Fernwärme braucht sich keine Eigentümer um die Dekarbonisierung
- 10:10zu kümmern. Das regelt dann der Fernwärmeversorger.
- 10:13Aber trotzdem haben wir noch eine ganze Reihe von regulatorischen Hürden zu nehmen.
- 10:19Und dafür ist das Wärmenetzpaket, das die Bundesregierung beschlossen hat.
- 10:25Sehr wichtig. Und wir bauen darauf, dass das jetzt auch zügig in die Gesetzgebung umgesetzt wird.
- 10:31Trotzdem kritisieren Verbraucherschützer nach wie vor oft intransparente Preise,
- 10:36Preisänderungsklauseln. Wie bewerten Sie das?
- 10:39Die Fernwärme ist so stark reguliert wie kaum ein anderer Energiebereich.
- 10:45Im Übrigen stärker als Strom und Gas.
- 10:48Deswegen gibt es auch rechtliche Auseinandersetzungen, es gibt auch Urteile.
- 10:53Das zeigt, dass das System funktioniert. Dort, wo ein Fernwärmebetreiber sich
- 10:58vielleicht an die Regeln nicht gehalten hat, dann wird er auch verurteilt, nachzuarbeiten.
- 11:05Das System funktioniert.
- 11:08Aber es ist natürlich schon so, dass ich nicht fünf Fernwärmeanbieter vor Ort habe.
- 11:15Das wäre unwirtschaftlich. Es kann nur einen geben, der auch das Netz betreibt
- 11:19und der auch die Wärme zur Verfügung stellen muss.
- 11:23Aber auch derjenige, der sich für eine Wärmepumpe entscheidet,
- 11:27wechselt ja nicht im nächsten Jahr zu Gas und im übernächsten Jahr zur Fernwärme,
- 11:32sondern er entscheidet sich einmal für die Wärmepumpe, investiert dafür.
- 11:37Er hat dann die Möglichkeit, vielleicht seinen Stromanbieter zu wechseln.
- 11:42Aber die grundlegende technologische Entscheidung, die trifft jeder einmal für längere Zeit hinweg.
- 11:48Ist es dann aber damit am Ende wirklich eine Zukunftsentscheidung,
- 11:52die ich treffe als Verbraucher?
- 11:54Wie gebunden bin ich dann sozusagen, wenn ich sage, okay, ich entscheide mich
- 11:59jetzt für die Fernwärme? Welche Spielräume hat man dann überhaupt noch?
- 12:03Im Regelfall ist es natürlich schon eine Vertrauenssache, welcher Technologie vertraue ich.
- 12:09Aber wenn jemand eine Wärmepumpe einbaut, was ja auch legitim ist,
- 12:13dann wird er auch nicht nächstes Jahr die Wärmepumpe wieder rausreißen,
- 12:17wenn er dann unzufrieden war und weil die Strompreise vielleicht durch die Decke
- 12:20gegangen sind und sich an die Fernwärme anschließen oder eine Gasheizung einbauen,
- 12:25sondern dann bleibt er erst einmal dabei.
- 12:27Wichtig ist, dass es faire Regeln gibt für die Preisbildung,
- 12:32auch für die Preisanpassung.
- 12:33Denn normalerweise werden Verträge bei der Fernwärme für längere Zeit abgeschlossen,
- 12:38für zehn Jahre. Aber keiner kann voraussehen, wie sich die Beschaffungspreise.
- 12:44Entwickeln über eine solche Zeitspanne.
- 12:47Und deswegen ist es im System so angelegt, dass es Preisänderungsklauseln in den Verträgen gibt.
- 12:55Und die unterliegen genauen Regeln und werden regelmäßig auch durch die Rechtsprechung,
- 13:01durch Gerichte überprüft.
- 13:03Und das schafft ein hohes Maß an Sicherheit und ich hoffe auch an Vertrauen
- 13:07der Kundinnen und Kunden in die Fernwärme.
- 13:10Vielen Dank, Herr Liebing. Also vielen Dank für Ihre Erklärungen,
- 13:12für Ihre Ausführungen und dass Sie uns das nochmal eingeordnet haben.
- 13:14Sehr gerne. Vielen Dank für Ihr Interesse.
- 13:16Das war unser Blick auf die aktuellen Nachrichten aus der Wirtschaft für den Moment.
- 13:21Wir hören und lesen uns wieder bei NTV, in der App, im TV oder hier im Podcast.