Latest / Friedrich Nietzsche Podcast in Deutsch / Also sprach Zarathustra - 4. Theil - 13 - Vom höheren Menschen 6-11
Transcript
- 0:00Also sprach Zarathustra ein Buch für alle und keinen vierter Teil
- 0:05Unterkapitel 13 vom höheren Menschen abschnitt 6 bis 11
- 0:13abschnitt 6. Zarathustra spricht direkt zu
- 0:17den sogenannten höheren Menschen.
- 0:20Diese Menschen sind zwar klüger, empfindsamer und besser als die
- 0:23breite Masse, aber sie sind für Zarathustra immer noch nicht das
- 0:26Endziel. Sein wahres Ziel ist der
- 0:29Übermensch. Der Übermensch ist Nietzsches
- 0:32Vorstellung eines zukünftigen Menschen, der völlig frei ist,
- 0:35seine eigenen Werte erschafft und die Fehler der jetzigen
- 0:38Menschheit hinter sich gelassen hat.
- 0:41Zarathustra fragt die höheren Menschen, ob sie wirklich
- 0:43glauben, dass er nur zu ihnen gekommen sei, um ihre Fehler
- 0:47wieder gut zu machen. Er stellt klar, dass er nicht
- 0:50hier ist, um ihnen das Leben bequemer zu machen.
- 0:54Er will keine weichen Betten für diejenigen aufstellen, die
- 0:56Leiden. Und er will auch den Verirrten
- 0:58keine leichteren Wege zeigen, ganz im Gegenteil, er fordert,
- 1:02dass immer mehr von diesen höheren Menschen zugrunde gehen,
- 1:06sie sollen es immer schlimmer und härter haben.
- 1:09Zarathustra erklärt, dass der Mensch nur dann über sich hinaus
- 1:11wachsen kann, wenn er großen Gefahren und großen Schmerzen
- 1:15ausgesetzt ist. Er vergleicht dies mit einem
- 1:17Baum, der nur dann wirklich in die Höhe wachsen kann, wenn er
- 1:21auch dem Blitz ausgesetzt ist. Nur dort, wo der Blitz
- 1:24einschlägt und Dinge zerstört, ist man hoch genug für wahre
- 1:27Größe. Zarathustra sagt den höheren
- 1:30Menschen, dass sie noch gar nicht genug leiden, ihr
- 1:33aktuelles Leiden ist nur ein Leiden an sich selbst, ein
- 1:36persönliches kleines Jammern, er fordert aber, dass sie an der
- 1:41gesamten Menschheit leiden müssten, sie würden lügen, wenn
- 1:44sie behaupten, sie würden dieses große Weltumfassende leiden
- 1:48bereits spüren, denn sie haben die wahre Tiefe des Schmerzes.
- 1:52Die für die Erschaffung von etwas Neuem notwendig ist, noch
- 1:54gar nicht erreicht. Abschnitt 7 Zarathustra nutzt
- 2:00erneut das Bild des Blitzes, das für plötzliche radikale
- 2:03Erkenntnis und gewaltige Kraft steht.
- 2:06Er sagt, es reicht ihm nicht, dass der Blitz einfach nur
- 2:09keinen Schaden mehr anrichtet, er will den Blitz nicht einfach
- 2:13ableiten, wie man es zum Beispiel mit einem Blitzableiter
- 2:16an einem Haus tut, stattdessen möchte er, dass diese gewaltige
- 2:20Kraft für ihn arbeitet. Er beschreibt seine eigene
- 2:23Weisheit als eine dunkle Wolke, die sich lange Zeit gesammelt
- 2:26hat. Es ist die Ruhe vor dem Sturm,
- 2:30eine Weisheit, die irgendwann Blitze erschaffen soll, muss
- 2:33lange ruhig und dunkel reifen. Zarathustra betont, dass er für
- 2:37die heutigen Menschen kein tröstendes Licht sein möchte, er
- 2:41will nicht die Bezeichnung Licht tragen, das den Menschen ihren
- 2:44Alltag erhält, stattdessen will er sie blenden.
- 2:49Seine Weisheit soll wie ein greller Blitz sein, der den
- 2:51Menschen von heute in die Augen sticht, weil seine neuen Werte
- 2:54und Wahrheiten für sie viel zu radikal und schmerzhaft sind.
- 2:59Abschnitt 8 Zarathustra spricht eine Warnung aus, man soll
- 3:05nichts tun wollen, was über die eigenen Fähigkeiten hinausgeht,
- 3:09wenn Menschen versuchen, etwas zu sein, das sie nicht sind,
- 3:12entsteht eine schlimme Falschheit, er richtet sich
- 3:15besonders an diejenigen, die große Dinge tun wollen.
- 3:18Wenn solche Menschen über ihre wahren Kräfte hinausgehen,
- 3:21wecken sie nur Misstrauen. Zarathustra nennt sie feine
- 3:25Falschmünzer und Schauspieler Falschmünzer sind Betrüger, die
- 3:29wertloses Metall wie echtes Geld aussehen lassen.
- 3:32Genauso tun diese Menschen, sie schmücken sich mit starken
- 3:35Worten und zeigen nach außen hin glänzende Tugenden und gute
- 3:39Taten, aber in Wirklichkeit sind sie innerlich hohl, voller
- 3:42Selbstzweifel und von einem inneren Wurm zerfressen.
- 3:46Zarathustra bittet die höheren Menschen, sehr vorsichtig zu
- 3:49sein. Für ihn ist die Redlichkeit also
- 3:52die absolute Intellektuelle und persönliche Ehrlichkeit sich
- 3:55selbst gegenüber das wertvollste und seltenste in der heutigen
- 3:59Zeit. Er erklärt, dass die heutige
- 4:01Zeit dem Pöbel gehört, der Pöbel ist für Nietzsche die
- 4:04ungebildete, oberflächliche und mitlaufende Masse der
- 4:07Gesellschaft, die keine tiefen eigenen Werte besitzt, weil der
- 4:11Pöbel nicht versteht, was wirklich groß oder klein, was
- 4:15gerade oder ehrlich ist. Lebt er in einer ständigen Lüge?
- 4:18Deshalb fordert Zarathustra die höheren Menschen auf, sich nicht
- 4:22zu verstellen und nicht den Lügen der Masse anzupassen.
- 4:26Abschnitt 9 Zarathustra rät den höheren Menschen und den Mutigen
- 4:31ein gesundes Misstrauen zu haben und ihre wahren Beweggründe
- 4:34geheim zu halten, da die heutige Zeit von der breiten Masse, dem
- 4:38Pöbel, dominiert wird, muss man vorsichtig sein.
- 4:42Der Pöbel hat gelernt, bestimmte Dinge einfach zu glauben.
- 4:45Ohne die wahren Gründe dafür zu kennen.
- 4:47Es ist fast unmöglich, diese Masse mit logischen Argumenten
- 4:50oder tiefen Gründen umzustimmen. Die Masse lässt sich eher von
- 4:54lauten Gebärden und Emotionen überzeugen als von echten
- 4:57Argumenten. Zarathustra warnt weiter, Wenn
- 5:00eine Wahrheit plötzlich großen Erfolg hat und von der Masse
- 5:03bejubelt wird, sollte man misstrauisch werden, man sollte
- 5:07sich fragen, welch ein starker Irrtum oder welches
- 5:10Missverständnis eigentlich für diesen Erfolg gesorgt hat.
- 5:13Denn die Masse bejubelt selten die echte, tiefe Wahrheit.
- 5:17Zudem warnt er vor den Gelehrten.
- 5:19Die Gelehrten sind für Nietzsche die reinen Wissenschaftler, die
- 5:23nur Bücher lesen und Fakten sammeln, aber niemals selbst
- 5:26etwas Neues oder Lebendiges erschaffen.
- 5:29Zarathustra sagt, dass diese Gelehrten die kreativen und
- 5:32höheren Menschen hassen, weil sie selbst unfruchtbar sind, sie
- 5:35haben kalte, ausgetrocknete Augen und zerstören das
- 5:38Lebendige. Diese Gelehrten sind sehr stolz
- 5:41darauf, dass sie niemals lügen. Aber Zarathustra sieht diese
- 5:45Unfähigkeit zu lügen nicht als Stärke, sondern als Schwäche.
- 5:50Wer nicht die Kraft hat zu lügen, weiß laut Zarathustra gar
- 5:53nicht, was Wahrheit wirklich ist.
- 5:55Für Nietzsche ist Wahrheit nicht einfach das fehlerfreie Aufsagen
- 5:58von Fakten, wahre Erkenntnis bedeutet, die Welt aus einer
- 6:02eigenen starken Perspektive neu zu formen.
- 6:05Wer nur passiv beobachtet und unfähig ist, der Realität seinen
- 6:08eigenen Willen aufzuzwingen, der besitzt keine wahre Erkenntnis.
- 6:13Abschnitt 10 Zarathustra spricht nun über die geistige
- 6:18Unabhängigkeit wer hohe Ziele erreichen will, muss dazu seine
- 6:21eigenen Beine benutzen, man darf sich nicht nach oben tragen
- 6:25lassen und sich nicht auf die Rücken oder Köpfe von anderen
- 6:28Menschen setzen, er veranschaulicht das mit einem
- 6:31Bild, wenn jemand auf einem Pferd schnell zu seinem Ziel
- 6:34hinaufreitet. Dann mag er zwar oben ankommen,
- 6:37aber sobald er von dem Pferd absteigt, wird er genau dort auf
- 6:41der erreichten Höhe stolpern und fallen.
- 6:44Der Grund dafür ist, dass sein eigener Fuß lahm geblieben ist.
- 6:48Er hat nicht gelernt, den beschwerlichen Weg selbst zu
- 6:50meistern und hat daher nicht die Kraft und das Gleichgewicht, um
- 6:54auf der großen Höhe aus eigener Kraft zu bestehen.
- 6:57Man kann sich Größe und Erfolg also nicht borgen, man muss sie
- 7:00sich selbst hart erarbeiten, abschnitt 11.
- 7:06Zarathustra richtet sich an die schöpferischen Geister unter den
- 7:09höheren Menschen. Er nutzt das Bild der
- 7:12Schwangerschaft und sagt, man kann immer nur für sein eigenes
- 7:15Kind schwanger sein. Damit meint er das eigene
- 7:18kreative Werk, die eigenen Werte und die eigene Zukunftsvision,
- 7:23er fordert sie auf, sich nichts von anderen einreden zu lassen,
- 7:26besonders kritisiert er das Konzept des nächsten, er fragt
- 7:30provokant, wer denn dieser nächste überhaupt sein soll.
- 7:33Er verbietet den höheren Menschen, ihre Taten für den
- 7:36nächsten um des nächsten Willen oder aus Mitleid zu tun.
- 7:40Diese Wörter und diese christliche Moral der
- 7:42Aufopferung für andere soll man komplett ignorieren, die Moral
- 7:47für den nächsten da zu sein, ist laut Zarathustra nur die Moral
- 7:50der kleinen Leute, es ist die Denkweise der Schwachen, die
- 7:54wollen, dass alle Menschen gleich sind und die nach dem
- 7:57Prinzip eine Hand wäscht, die andere leben.
- 8:00Solche Menschen haben weder das Recht noch die Kraft, für den
- 8:03wahren Eigennutz, für den schöpferischen Menschen ist der
- 8:07Eigennutz jedoch etwas Heiliges und notwendiges, es ist wie die
- 8:10Fürsorge und Vorsicht einer schwangeren Frau, das, was noch
- 8:14niemand sehen kann, nämlich die Zukunft und das eigene Werk,
- 8:18wird mit der ganzen Liebe beschützt und genährt.
- 8:21Zarathustra schließt damit, dass die wahre Liebe und die wahre
- 8:24Tugend der höheren Menschen bei ihrem eigenen Kinde liegt, also
- 8:28bei ihrem Werk. Dieser Wille und dieses Werk
- 8:32sind ihr wahrer Nächster. Sie sollen sich auf keinen Fall
- 8:35falsche Werte von der Masse einreden lassen, die sie von
- 8:38diesem schöpferischen Weg abbringen wollen.