Latest / DAZWISCHEN Der Sachsen-Anhalt-Podcast / Wie wehrt sich die Zivilgesellschaft, Arne Semsrott?
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- 0:00Egal, wo ich bin in Sachsen-Anhalt, mit meinen Veranstaltungen gerade überall.
- 0:04Wo ich bin, sind die Leute on fire. Es gibt eine enorme
- 0:07Energie, und Menschen machen so wahnsinnig viel. Und ich wünsche mir, dass
- 0:14wir diese Energie weitertragen können, selbst wenn es politische Entwicklungen gibt, die
- 0:21erstmal nicht darauf hindeuten. Das sagt Arne Semsrott auf die Frage, was
- 0:26E-Mood für die Zukunft macht. Er ist Journalist, Aktivist, Gründer des
- 0:30Informationsportals Frag den Staat und Autor. Und einige von euch haben vielleicht
- 0:35gerade von ihm gehört, denn er war in den letzten Wochen bundesweit
- 0:39in den Medien, weil eine Lesung von ihm in Magdeburg durch die
- 0:42Stadtverwaltung abgesagt worden ist, mutmaßlich auf politischen Druck der AfD. Und du
- 0:47Leonard hattest die Gelegenheit, mit Arne Semsrott über die Absage und sein
- 0:51Engagement für eine starke demokratische Zivilgesellschaft zu sprechen. Und darüber, wie sie
- 0:57sich seiner Meinung nach gegen autoritäre Kräfte wehren kann. Genau, und weil
- 1:01das Thema gerade so viele Menschen bewegt, verschieben wir die Folge über
- 1:04Wirtschaft, die wir euch letzte Woche versprochen haben, auf die nächste Woche.
- 1:08Was gefällt dir an der Demokratie? Wie kann die Zivilgesellschaft dagegen vorgehen? Und
- 1:13wie ist es eigentlich, wenn auf die Absage der eigenen Lesung plötzlich
- 1:17ein deutschlandweiter Aufschrei folgt? Diese Fragen haben wir Arne Semsrott gestellt. Und
- 1:22seine Antworten, die gibt es heute bei Dazwischen. Heute ausnahmsweise mal ohne
- 1:35Katja, aber keine Sorge, sie ist nicht krank. Katja steckt schon mitten
- 1:39in den Vorbereitungen einer weiteren Folge. Dafür ist Leonard hier. Er hat
- 1:43euch für diese Folge das lange Interview mit Arne Semsrott mitgebracht. Bevor
- 1:47wir da einsteigen, schauen wir aber wie immer zurück. Ganz genau. Letzte
- 1:50Woche haben wir uns dem Thema Wissenschaftsfreiheit gewidmet. Ich bin gespannt, was
- 1:55da so zurückkam, denn ich hatte zumindest den Eindruck, dass die für
- 1:59ziemlich viel Diskussion gesorgt hat. Stimmt das? Arne? Total! Die Folge hat
- 2:02sehr viel Aufmerksamkeit bekommen, denn die Deutsche Presse-Agentur, die dpa, hat
- 2:07die Inhalte aus unserem Podcast aufgegriffen und daraus einen Bericht gemacht. Und
- 2:11der war dann in ganz vielen Medien zu lesen, darunter die Zeit,
- 2:14die Süddeutsche Zeitung und die Welt. Und die Max-Planck-Gesellschaft hat
- 2:18aus dem Thema einen eigenen Mastodon-Post gemacht. Wow! Auf Mastodon hat
- 2:22uns auch Sonja geschrieben, dass sie die Wissenschaftsfolge sehr schön fand. Zwei
- 2:27Dinge hat sie aber angemerkt. Einmal kamen ihr die Sozial- und
- 2:30Geisteswissenschaften im Podcast zu kurz, obwohl die AfD eine klare Ansage zum
- 2:34Thema Geschichte macht in ihrem Regierungsprogramm, nämlich dass sie sie umdeuten will.
- 2:39Ja, da hat sie natürlich einen sehr wichtigen Punkt. Und wir haben
- 2:41ja auch im Vorhinein darüber gesprochen. Wir haben uns für diese Folge
- 2:44aber eben für ein Interview mit Reint Kropp entschieden. Er ist Ökonom
- 2:48und man merkt natürlich, dass sein Fokus auch in diesem Bereich liegt.
- 2:52Und damit auch der Fokus der Folge. Das ist halt immer so
- 2:56ein bisschen der Preis, den man bezahlt, wenn man einen Hauptgesprächspartner hat.
- 3:00Aber der Hinweis von Sonja ist total wertvoll und deswegen bringen wir
- 3:04ihn hier auch nochmal an. Ja, und zum anderen hatte Sonja den
- 3:07Eindruck, die Wissenschaft wurde darauf reduziert, Fakten zu identifizieren und über Fakten
- 3:12aufzuklären. Ihrer Meinung nach geht es aber um viel mehr als um
- 3:16das Herbeiführen empirischer Daten, nämlich auch um deren Einordnung und Interpretation. Und
- 3:21sie sagt, Wissenschaft darf normativ, also wertend sein, denn WissenschaftlerInnen haben eben
- 3:27auch Werte. Hat sie recht? Und es kam auch zu älteren Podcastfolgen
- 3:30Feedback rein. Da hat Jakob sich per Mail gemeldet, dass er leider
- 3:34jetzt erst den Podcast Dazwischen entdeckt hat. Und er schreibt: „Da ich
- 3:38neun schöne und schwierige Jahre in Magdeburg gelebt habe, geht mir euer
- 3:42Podcast sehr ans Herz. Aber auch nicht nur mit dem Bundesland habt
- 3:45ihr mich erwischt, sondern auch mit den verschiedenen Themen. Gerade habe ich
- 3:49mit Begeisterung den Podcast „Wenn DDR-Küchenmaschinen Menschen verbinden“ über Reparaturkultur im
- 3:55Osten gehört.“ Auch er hatte eine kritische Anmerkung noch dazu geschrieben. Und
- 4:00zwar haben wir ihm nicht genug über das große staatliche Netzwerk an
- 4:03Reparaturdiensten und insbesondere über sogenannte Komplexannahmestellen gesprochen. Sagen die euch was? Also
- 4:11bei dem Wort klingelt es jetzt bei mir noch nicht. Bei dir?
- 4:14Ich habe es auf jeden Fall schon mal gehört, aber so definieren
- 4:17könnte ich es dir jetzt nicht sofort. Davon gab es tausende in der
- 4:20DDR, und dort konnte man zum Beispiel Reparaturen, Reinigungen und andere Dienste
- 4:25in Auftrag geben. Spannend! Vielleicht liegt es daran, dass ich erst 91
- 4:28geboren bin und deshalb das nicht so weiß wie es bei dir.
- 4:31Ja, kann gut sein. Also es hat ja auch gefühlt abgenommen, dass
- 4:35man Sachen in die Reinigung gibt, zum Beispiel. Also ich glaube, es
- 4:37gibt generell weniger solcher Stellen. Vielleicht. Auf jeden Fall möchte ich aber
- 4:41sagen: Vielen Dank für euer Feedback und eure Gedanken. Das ist für
- 4:44uns wirklich sehr wertvoll. Also teilt sie auch gern weiterhin. Wir lesen
- 4:48wie immer wirklich jede eurer Nachrichten per Mail, bei Mastodon oder in
- 4:52anderen sozialen Netzwerken oder auch auf den Podcast-Plattformen wie Apple Podcast
- 4:56oder Spotify. Schickt uns also jederzeit Lob, Kritik, Themenvorschläge oder was euch
- 5:01sonst so bewegt. Gerne einfach per E-Mail und zwar an dazwischen
- 5:05at detektor.fm. Heute ist die Folge ein bisschen anders. Normalerweise stellen
- 5:16wir euch hier kleine Interview-Ausschnitte vor und dazwischen unterhalten sich Marie
- 5:20und Katja und ordnen das Gehörte dann ein. Heute bekommt ihr das
- 5:24ganze Interview mit Arne Semsrott zu hören und wir klinken uns erst
- 5:28danach wieder ein. Als allererstes würde ich aber sagen, holen wir vielleicht
- 5:32einmal alle ab und klären nochmal die Basics. Wer ist Arne Semsrott?
- 5:37Genau, Arne Semsrott ist Aktivist, Journalist und Autor. Er hat einen bekannten
- 5:42Bruder, Nico Semsrott, der Satiriker ist und für die Partei die Partei
- 5:46im EU-Parlament saß. Arne Semsrott wiederum ist bekannt dafür, dass er
- 5:51das Informationsportal Frag den Staat gegründet hat. Kennst du das? Ja, klar!
- 5:55Also vor allem aus dem detektor.fm-Kosmos. Da hat es nämlich
- 5:59lange eine Kooperation zwischen dem Online-Radio und eben Frag den Staat
- 6:03gegeben. Frag den Staat setzt sich für Informationsfreiheit ein und über die
- 6:08Plattform kann ich als Journalistin, aber eigentlich auch jede andere Person online
- 6:13Akteneinsicht nach dem Informationsfreiheitsgesetz bei Behörden beantragen. Und das ist wahnsinnig praktisch.
- 6:19Frag den Staat hat schon so sehr viele Recherchen vorangebracht und
- 6:24auch einige selbst angestoßen. Arne Semsrott ist auch aktivistisch unterwegs und warnt
- 6:30seit Jahren unter anderem vor der Gefahr von autoritären Strukturen und der
- 6:33AfD. Darüber hat er auch zwei Bücher geschrieben. Das ältere ist 2024
- 6:38erschienen und es heißt „Machtübernahme“. Darin schildert er fiktiv, was passieren könnte,
- 6:44wenn die AfD an die Regierung kommt und wie man sich darauf
- 6:47vorbereiten kann. Mit diesem Buch hatte er im Januar in Magdeburg eine
- 6:50Lesung. Am 5. Juni wollte er in der Stadtbibliothek Magdeburg aus seinem
- 6:54neuen Buch lesen. Das heißt „Gegenmacht – die Zivilgesellschaft schlägt zurück“. Ja, und
- 7:00genau die Lesung zu diesem Buch ist die, die er für Schlagzeilen
- 7:03gesorgt hat. Warum? Weil dieser Lesetermin wieder abgesagt worden ist. Er ist
- 7:08damit dann sofort an die Presse gegangen und dann folgten heftige Reaktionen
- 7:12aus Politik und Zivilgesellschaft. Wie der genaue Hergang war, ist bis heute
- 7:16nicht vollständig geklärt. Arne Semsrott erzählt die Geschichte so: „Ich war im
- 7:21Januar ja schon mal in Magdeburg für eine Lesung und daraufhin hat
- 7:24die AfD eine Anfrage im Stadtrat gestellt. Und das ist etwas, das
- 7:29kennen wir ja wirklich aus allen Bereichen, dass die AfD versucht, Menschen
- 7:35die sie als Gegner identifiziert, zu markieren. Das sind Personen, das sind
- 7:39Veranstaltungsorte, das sind Organisationen. Und sie ist damit sehr effektiv, tatsächlich. Das
- 7:46haben wir in diesem Fall auch gesehen, denn diese Anfrage hat dazu
- 7:49geführt, dass die Stadtverwaltung nochmal nachgeguckt hat: Kommt der Semsrott nochmal wieder?
- 7:54Und tada! Semsrott sollte nochmal wiederkommen im Juni. Und es gab dann intern
- 7:57Druck, sodass dann diese Lesung abgesagt wurde. Und das waren keine
- 8:01AfD-Leute in der Verwaltung, die das gemacht haben, sondern Leute, die
- 8:04sich selbst der Mitte zugehörig fühlen. Und die sind in vorauseilendem Gehorsam
- 8:10dann eingeknickt und haben letztlich das besorgt, was die AfD wollte. Die
- 8:15Stadtverwaltung stellt den Fall etwas anders dar. Dem MDR gegenüber hat sich
- 8:19Magdeburgs parteilose Oberbürgermeisterin Simone Borris geäußert und erklärt, dass sie die Lesung
- 8:24nicht abgesagt habe, es sei lediglich über die parteipolitische Neutralität der Veranstaltung diskutiert
- 8:30worden und sie habe angewiesen, zu prüfen, ob eine zeitliche Verlegung möglich
- 8:34sei. Man habe später Gespräche mit Arne Semsrott geführt und sich bei
- 8:38ihm für die Kommunikation entschuldigt. Naja, die Stadt hat sicher auch nicht
- 8:42damit gerechnet, dass das so eine große Nummer wird. Also die Linke
- 8:46im Landtag von Sachsen-Anhalt und die Schriftstellervereinigung Pemberlin haben das Vorgehen
- 8:50kritisiert. Alle großen Medien, von der Zeit über den Deutschlandfunk bis zur
- 8:54Frankfurter Allgemeinen Zeitung, haben darüber berichtet. Das war ja schon eine ordentliche
- 8:59Welle, die da plötzlich über Magdeburg rollte. Und wie war das für
- 9:03Arne Semsrott? Also hat er damit gerechnet? Ob ihm wirklich bewusst war,
- 9:07wie doll das Ganze hochkochen würde, weiß ich nicht. Aber Arne Semsrott
- 9:11hat für sich sofort klar gehabt, dass diese Absage, die seiner Darstellung
- 9:14nach ja auf politischen Druck erfolgt ist, eine sehr ernste Sache ist,
- 9:18bei der es um weit mehr geht als um ihn selbst. Für
- 9:21ihn ist ein solches Vorgehen ein direkter Angriff auf die Demokratie und
- 9:24darum hat er sich auch sehr bewusst dafür entschieden, an die Medien
- 9:27zu treten und gegen den Vorgang zu protestieren. Übrigens gegen den Rat
- 9:31von einigen Leuten in meinem Umfeld, die gesagt haben: „Lass das lieber
- 9:34klein halten. Die extreme Rechte könnte davon profitieren, könnte das für Kampagne
- 9:38nochmal nutzen, wenn man es öffentlich macht.“ Das Öffentlichmachen hat aber dazu
- 9:42geführt, dass sich enorm viele Menschen sehr schnell gemeldet haben, Druck
- 9:47gemacht haben und die Stadtverwaltung innerhalb von wenigen Tagen eingelenkt ist, mich
- 9:53gebeten hat, doch wieder zu kommen. Und das ist letztlich diese Gegenmacht,
- 9:57über die ich schreibe. Naja, und über die er dann im Magdeburg
- 10:00ja am Ende auch sprechen konnte. Die Lesung fand statt, bzw. er
- 10:05hat ja dann sogar zwei Termine hintereinander gehabt, also mehr als ursprünglich
- 10:09geplant. Eine Ersatzlesung im Moritzhof und eine in der Stadtbibliothek, bei der
- 10:14Simone Borris sogar anwesend war. Du warst bei der Lesung im Moritzhof
- 10:18auch dabei. Ich frage mich da ja direkt, wenn es im Vorhinein
- 10:22so eine riesen Diskussion darum gab, hat man das auch irgendwie im
- 10:27Saal anhand der Stimmung gemerkt? Jein. Also ich fand, dafür, dass es
- 10:31vorher so ein Riesenthema war und die Veranstaltung beinahe sofort restlos ausgebucht
- 10:35war, war es letztlich dann eine relativ normale Lesung im Moritzhof, würde
- 10:39ich sagen. Arne Semsrott ist auch vorher sehr entspannt über den Hof
- 10:42gelaufen, hat sich noch mit Besucherinnen und Besuchern unterhalten. Und in der
- 10:46Veranstaltung hat er dann aber gleich zu Beginn auch das Hin und
- 10:49Her um die Lesung thematisiert und hat sich nochmal ausdrücklich bedankt, dass
- 10:52er so viel Unterstützung sofort bekommen hat von vielen Menschen, Initiativen und
- 10:56Vereinen. Und auch ganz speziell nochmal beim Moritzhof, dass er da dann
- 11:00lesen durfte und die ihm das sofort angeboten haben. Und die Stimmung
- 11:03bei der Lesung selbst war dann schon auch irgendwie besonders, denn man
- 11:06hat gemerkt, dass da einfach sehr, sehr viele engagierte Menschen aus der
- 11:09Magdeburger Zivilgesellschaft gekommen sind, die die Themen des Abends dann auch sehr
- 11:13bewegt haben, weil sie sich Sorgen machen, wie es in Zukunft weitergehen
- 11:16kann, die aber auch Hoffnung haben und sehr viele Projekte anschieben. Und
- 11:21es gab dann auch einen sehr, sehr langen Gesprächsteil am Ende noch
- 11:23nach der Lesung, in dem sich dann ganz verschiedene Menschen ausgetauscht und
- 11:27auch vernetzt haben. Es ging immer wieder darum, wie sich die Zivilgesellschaft
- 11:31gegen autoritäre Angriffe wehren und stattdessen eigene Impulse setzen kann. Ich habe
- 11:40Arne Semsrott am Morgen nach der Lesung im Moritzhof für ein Interview
- 11:43getroffen, um abseits des Trubels in Ruhe miteinander zu sprechen. Wir beide
- 11:47Dazwischen wissen, dass einige seiner Thesen und Gedanken kontrovers sind. Aber wir
- 11:51haben uns trotzdem entschieden, ihm Platz zu geben, weil er eine wichtige
- 11:54Perspektive auf viele Themen wirft, mit denen wir uns im Podcast regelmäßig
- 11:58beschäftigen. Und gerade jetzt, wo so viel über seine Lesung diskutiert wird,
- 12:03fanden wir es wichtig, das genau zu verstehen und nachzufragen. Was dabei
- 12:07herausgekommen ist, hört ihr im folgenden Interview. Zu Anfang wollte ich von
- 12:11ihm wissen, was er überhaupt meint, wenn er von Angriffen auf die
- 12:14Zivilgesellschaft und die Demokratie spricht. Wir sind in einer Phase der autoritären
- 12:20Wende. Das bedeutet, dass Menschenrechte, dass Grundrechte von bestimmten Gruppen angegriffen werden.
- 12:27Dass wir einen Diskurs sehen in der Asyl- und Migrationspolitik, aber
- 12:31auch in der Sozialstaatsdebatte und in vielen anderen Bereichen, in denen demokratische
- 12:37Rechte weniger geschätzt werden, als sie es früher taten. Das ist auch
- 12:43eine Reaktion darauf, dass es eine sehr starke extrem rechte Partei gibt.
- 12:47Und es ist tatsächlich in Teilen, glaube ich, jetzt gerade gefährlicher, wenn
- 12:52die Parteien, die selbst von sich sagen würden, sie sind die Mitte,
- 12:56Politik umsetzen, die eigentlich die Extremrechte fordert. Und dagegen Widerstand zu leisten,
- 13:03bedeutet, selbstbewusst, offensiv und laut die Werte zu verteidigen, die im Grundgesetz
- 13:12stehen, die uns allen wichtig sind: Gleichheit, Gerechtigkeit und eben nicht Kompromisse
- 13:18zu suchen mit einer menschenfeindlichen Politik oder einen Ausgleich damit, sondern eben
- 13:24auch die Themen in den Mittelpunkt zu rücken, die eigentlich so wichtig
- 13:28sind. Es dreht sich ja wahnsinnig viel immer um dasselbe Thema. Und
- 13:32stattdessen aber zu reden über Gesundheit und Pflege, über Verkehr, über Soziales,
- 13:37über Bildung, über all das, was im Alltag für alle Menschen wichtig
- 13:42ist. Auch das ist eine Form des Widerstands. Wir sind ja ein
- 13:45Sachsen-Anhalt-Podcast und nach den aktuellen Umfragen hat die AfD Chancen,
- 13:49so steht es da oft, bei der Landtagswahl im September die absolute
- 13:52Mehrheit zu holen. Und wenn wir über Mehrheit sprechen, du kritisierst ja
- 13:56wie Mehrheit in diesem Zusammenhang definiert ist. Kannst du das einmal erklären?
- 14:00Es gibt nicht die Mehrheit. Es wird häufig von der Mehrheit gesprochen.
- 14:04Es gibt sehr viele verschiedene Mehrheiten. Und ganz viele Aspekte davon sind
- 14:09glaube ich wichtig. Zum einen wirkt es ja bei diesen Umfragen so,
- 14:12als ob sie die gesamte Bevölkerung repräsentieren. Und wir wissen aber von
- 14:15allen Wahlen, dass das nicht der Fall ist. Also bei den letzten
- 14:20Bundestagswahlen zum Beispiel Anfang 2025 haben nur 51 Prozent der Gesamtbevölkerung über
- 14:26die Zusammensetzung des Bundestags entschieden. Nur die Hälfte. Und die anderen, das
- 14:30waren Leute, die möglicherweise kein Wahlrecht hatten, weil sie keinen deutschen Pass
- 14:34hatten, aber auch in Sachsen-Anhalt natürlich Menschen, die nicht volljährig waren,
- 14:38deswegen nicht mitentscheiden konnten. Es war tatsächlich die größte Gruppe, mehr Leute
- 14:42minderjährig, als Union gewählt haben bei der Bundestagswahl. Wir hatten Menschen, die
- 14:47nicht zur Wahl gegangen sind. Und das wissen wir aus Studien. Das
- 14:50sind vor allem armutsbetroffene Menschen, die sich nicht repräsentiert fühlen, die nicht
- 14:54glauben, dass das System was ihnen helfen kann. Und wir haben Menschen,
- 15:00die zur Wahl gegangen sind, die partizipieren wollten, die ihre Stimme abgegeben
- 15:04haben und deren Stimme aber im Müllarm gelandet ist, weil sie unter
- 15:08der Fünf-Prozent-Hürde gelandet sind. Und das ist natürlich auch ein
- 15:11virulentes Problem in Sachsen-Anhalt, dass wir mit der Fünf-Prozent-Hürde
- 15:15eine undemokratische Schwelle haben, die ursprünglich dafür sorgen sollte, dass Rechtsextreme nicht
- 15:21im Parlament landen, und die jetzt ironischerweise eben genau denen zur Macht
- 15:27verhelfen könnte. Und ich glaube, alleine in dieser Aufzählung sind schon sehr
- 15:31viele Ansatzpunkte, wie man eigentlich ein System demokratischer machen könnte, weil man
- 15:35jede dieser Gruppen ansehen könnte und schauen könnte, wie können die besser
- 15:39partizipieren. Wenn wir uns nämlich Umfragen anschauen in sehr, sehr unterschiedlichen Bereichen,
- 15:44sehen wir sehr hohe Zustimmungsraten für eine Vermögenssteuer beispielsweise. Auch die Mehrheit
- 15:48Unionsanhänger ist dafür oder höhere Einkommenssteuern für höhere Einkommen. Wir haben eine
- 15:55enorme Zustimmung, 80 Prozent für die Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen. Auch die Mehrheit
- 16:00der Unionsanhänger ist dafür. Wir haben eine Mehrheit für sozialen Klimaschutz, für
- 16:06ein Tempolimit auf Autobahnen. Auch die Mehrheit der Unionsanhänger ist dafür. All
- 16:10das gibt es und das wird aber nicht angemessen repräsentiert in der
- 16:13Parteipolitik. Du schreibst auch am Anfang des Buches: „Wir haben verloren.“ Du
- 16:17beschreibst Szenarien, in denen die Demokratie massiv angegriffen wird, in denen sehr
- 16:20sehr viel auf dem Spiel steht. Und trotzdem ist das Buch nach
- 16:25deiner Aussage ein Plädoyer für eine politische Vision voller Optimismus und Vielfalt
- 16:29und Tatkraft. Was macht dir denn Mut? In dem Moment, wo man
- 16:34ins Handeln kommt, in dem Moment, wo man sich mit anderen Menschen
- 16:37verbindet und verbündet, da eröffnet sich dann eine Handlungsmacht. Also ich finde
- 16:45Angst und Verzweiflung komplett nachvollziehbar. Und mir geht es super oft selbst,
- 16:50dass ich total verzweifelt bin. Aber sich umzuschauen, zu sehen, wie
- 16:55vielen anderen Menschen es auch so geht, dann Orte zu suchen, an
- 16:59denen Menschen was tun. Und das ist ja sehr häufig total nah
- 17:03dran. Das ist dann die Nachbarschaftsinitiative. Wir haben überall demokratische Kerne in
- 17:08Deutschland. Dahin zu gehen und gemeinsam zu überlegen, was können wir denn
- 17:11machen und überhaupt sich in die Augen zu schauen als ersten Schritt
- 17:15und zu fragen, was denn andere Menschen brauchen. Das ist der Anfang
- 17:18und das ist dann schon häufig ein erster Schritt in die bessere
- 17:22Welt. Im Podcast haben wir viele solche Orte schon besucht. Also Begegnungsorte,
- 17:27Reparaturcafés, Ehrenamtliche, die sich irgendwo engagieren, Menschen, die einfach zusammenkommen, die vielleicht
- 17:34auch einen Dorfladen am Leben halten. Und die Leute sind total inspirierend
- 17:37oft. Und gleichzeitig sind die aber auch oft so ein bisschen, naja,
- 17:43die machen sich Sorgen oder haben das Gefühl, das ist ja so
- 17:45klein, was wir gerade machen. Wie soll das denn wirken? Gleichzeitig wirkst
- 17:50du immer sehr, sehr überzeugt davon, dass das tatsächlich ganz große Macht
- 17:54und Kraft entfalten kann. Woher kommt denn diese Überzeugung? Ich verstehe das
- 18:00total, dass insbesondere Menschen, die sich engagieren, das seit Jahren und Jahrzehnten
- 18:04tun, kurz vorm Burnout sind. Deswegen ist das jetzt, glaube ich, die
- 18:10Zeit, um diesen Engagierten die Anerkennung zu geben, die sie verdient haben.
- 18:15Und ich glaube, das fällt häufig hinten runter. Da wird dann irgendwie
- 18:20für selbstverständlich genommen, dass, weiß ich nicht, Ronny immer die Dorfinitiative macht.
- 18:26Und macht er ja schon immer. Aber zu ihm hinzugehen und zu
- 18:29sagen: „Ey, ich sehe, was du hier machst und du baust hier
- 18:32diesen wichtigen Raum für uns. Dankeschön!“ Das ist total wichtig, Leuten den
- 18:37Rücken zu stärken, damit sie durchhalten können. Und ich glaube, wir alle,
- 18:43die uns engagieren oder das mal vorhatten oder irgendwie in diesem Bereich
- 18:49sind, kennen die Personen, die für uns ein Vorbild waren in sowas.
- 18:54Und die Situation, die Menschen hergestellt haben, indem man sich dann dafür
- 18:59entschlossen hat, sich zu engagieren, das hat immer eine Wirkung. Was sind
- 19:02denn deiner Meinung nach die wichtigsten Schritte oder die besten Tipps vielleicht
- 19:06für Menschen, die sich engagieren in der demokratischen Zivilgesellschaft? Es gibt so
- 19:11viele tolle Initiativen, Bewegungen, Organisationen, die ja wirklich einen Wandel bewerkstelligen. Und
- 19:18was sehr viele von ihnen verbindet, wenn sie wirksam sind, ist, dass
- 19:22sie einen Hebel finden, über den sie wirken können. Das können bei
- 19:27Protesten, wie den Tennisballprotesten in der Bundesliga, der Hebel der wirtschaftlichen Macht
- 19:34sein. Also da haben 2025 Fußballfans über Tennisballproteste, in denen sie über
- 19:42Wochen lang an Spieltagen der Fußball-Bundesliga Tennisbälle auf den Rasen geworfen haben,
- 19:51Spiele so blockiert, die dann erstmal nicht weiterspielen konnten, wo die Spielübertragungen
- 19:56dann international nicht mehr funktioniert haben, sodass ein angekündigtes Milliardeninvestment in die
- 20:02Bundesliga nicht stattgefunden hat. Das waren wenige Wochen Protest von Fußballfans, die
- 20:06das ehrenamtlich so nebenbei gemacht haben, die dazu geführt haben, dass ein
- 20:10Milliardeninvestment abgesagt wurde. Das ist krass! So! Und das hat funktioniert, weil
- 20:16es diesen Hebel gab, nämlich die wirtschaftliche Macht gegenüber der DFL. So
- 20:22etwas ähnliches als Hebel kennt man natürlich bei Streiks. Wenn Leute aufhören,
- 20:25zu arbeiten, ihre Arbeitskraft entziehen, zurückhalten, dann ist das ein Hebel. Wenn
- 20:31es direkt demokratische Verfahren gibt, dann gibt es den Hebel, dass man
- 20:34tatsächlich selbst eine Abstimmung initiieren kann über ein Thema. Wir sehen, dass
- 20:41ganz viele Initiativen, die wirksam sind, auch einen Raum gestalten, in dem
- 20:48Menschen gerne sind. Und das fällt vielleicht ab und zu hinten rüber
- 20:54so bei politischem Engagement, weil es natürlich um politisches Ziel geht und
- 20:57das ist ernst und vielleicht sogar existenziell. Aber ganz viele Erfahrungen mit
- 21:03erfolgreichen Mobilisierungen und Organisierungen zeigen, dass Menschen da, wo sie gemeinsam Freude
- 21:10empfinden und wo die Soundanlage gut ist und es schön ist, da
- 21:14vielleicht auch zu tanzen, das viel langfristiger mobilisiert, als wenn man es
- 21:20über Angst zum Beispiel macht. Was kurzfristig natürlich dazu führen kann, dass
- 21:24Menschen mitmachen, aber dauerhaft ebenso nicht wirkt. Du beschreibst in dem Buch
- 21:31ja auch verschiedene Hebel, an denen man als gesamte Gesellschaft ansetzen soll.
- 21:36Und für mich so ein zentraler Punkt, den du dann nennst, der
- 21:39vielleicht im Osten auch besonders umstritten ist, ist die Umverteilung von Vermögen
- 21:44oder auch die Enteignung von extrem reichen Menschen. Ich glaube, gerade Enteignung
- 21:49wird hier wahrscheinlich auch historisch sehr kritisch betrachtet. Warum hältst du das
- 21:53für nötig? Ich spreche ja von Vergesellschaftung. Ein großer Unterschied, tatsächlich, weil
- 22:00es bei einer Vergesellschaftung darum geht, Überreichtum in das Gemeinwohl zu überführen.
- 22:07Also nicht einfach dem Staat dann zu geben, damit der irgendwas damit
- 22:11macht, sondern in Strukturen, die demokratisch für das Gemeinwohl sind. Da haben
- 22:17wir als Beispiel jetzt aktuell in Berlin die Initiative „Deutsche Wohnen
- 22:22enteignen“, wo es darum geht, sehr große Wohnungskonzerne so zu beschneiden,
- 22:28dass deren zu viele Wohnungen dann in Strukturen kommen von der Anstalt
- 22:32des öffentlichen Rechts, sodass dann Mieterhälter selbst darüber entscheiden können. Das ist
- 22:37ein Systemwandel, tatsächlich. Und das wird ja durchaus hierzulande auch kritisch beäugt,
- 22:44in welche Richtung auch immer der dann die Spielregeln tatsächlich ändert, wie
- 22:49miteinander gelebt wird. Und wenn wir eine weitere Vermögenskonzentration erleben, wie wir
- 22:58sie in den letzten Jahren erlebt haben, dass also die Reichen immer
- 23:01reicher werden und die Armen immer ärmer. Wir haben jetzt 5000 Menschen
- 23:05in Deutschland, die mehr als 100 Millionen Euro haben. Wenn das als
- 23:10Trend sich weiter verfestigt, dann ist das eine Bedrohung für die Demokratie.
- 23:14Da müssen wir ran, weil das bedeutet, dass einige sehr wenige Menschen
- 23:19so viele Ressourcen haben, dass sie eine enorme wirtschaftliche und politische Macht
- 23:24bekommen. Und dann sind die einfach gleicher als alle anderen. Dann können
- 23:28die alleine über Investitionsentscheidungen, aber genauso über die Art, wie sie spenden,
- 23:33an Parteien, was für Drohungen sie aussprechen können, haben die so eine
- 23:37enorme Macht, dass es unverhältnismäßig ist. Und da zu regulieren und da
- 23:43übersteuern zu steuern, das ist wahnsinnig wichtig. So wie du darüber sprichst,
- 23:49würde ich sagen, du bist ja sehr überzeugt davon, dass das einfach
- 23:52auch eine sehr normale, realistische Idee ist. Die wird aber, wenn man
- 23:56die so nennt, überhaupt nicht so aufgefasst oder selten. Es gibt große
- 24:01Proteste, es wird manchmal auch belächelt oder es wird abgetan. Das ist
- 24:03super unrealistisch. Wieso denkst du denn oder glaubst du, dass das eine
- 24:08realistische Chance hat, sich durchzusetzen? Ja, das stimmt. Das ist ein total
- 24:13elementares Problem. Man muss sich diese Welt vorstellen können, um dafür zu
- 24:19kämpfen, um das umsetzen zu können. Und deswegen glaube ich, ist es... 00:24:22.000 --> 00:24:27.000 Auch so wichtig, einzelne Maßnahmen zu finden, die diesen Status quo durchlöchern können.
- 24:27Also, nehmen wir den Klimaschutz. Wenn wir ein Tempolimit schaffen und einführen,
- 24:34dann rettet das nicht das Klima. In Bezug auf CO2-Emissionen ist es
- 24:37schon beträchtlich, aber das ist jetzt wirklich fürs große Ganze nicht so
- 24:40ein Unterschied. Aber wenn wir es schaffen, das einzuführen, dann – und das
- 24:45sehe ich ja immer – wenn tatsächlich etwas Gutes gelingt, dann würden Leute
- 24:48denken: „Wow, krass! Man kann sich in Deutschland gegen die Autolobby durchsetzen.“
- 24:53Moment mal, wenn das geht, gegen welche Lobbys können wir uns denn
- 24:56noch durchsetzen? Also, einzelne Momente zu schaffen, in denen Menschen merken: „Ach,
- 25:01so ein Wandel geht tatsächlich!“ und das als Ausgangspunkt zu nehmen, um
- 25:05das zu weiten. Und ich komme mal zurück auf mein Magdeburger Beispiel.
- 25:09Auch wenn das natürlich viel kleiner ist, aber dass wir
- 25:12es geschafft haben, dass ich wieder eingeladen wurde in die Stadtbibliothek, dass
- 25:15die Absage zurückgenommen wurde, das hat bei vielen Leuten dazu geführt, dass
- 25:19die mir geschrieben haben und gesagt haben: „Wow, krass! Hätte ich nicht gedacht,
- 25:22in Magdeburg, dass man die Oberbürgermeisterin zum Einlenken bekommt. Das macht die
- 25:26sonst nie.“ Auch das ist dann so ein kleiner Moment, wo man
- 25:29überlegen kann: „Okay, was geht denn noch?“ Wenn man jetzt mal die
- 25:32Brille von Verwaltung aufsetzt, die ist ja zum Teil auch da in
- 25:35einer schwierigen Situation. Und ich habe jetzt so in der Richtung gedacht:
- 25:39Jetzt hast du statt einer Lesung zwei Lesungen gehabt und die Oberbürgermeisterin
- 25:43hat sich ziemlich klar positioniert. Glaubst du, das hat eventuell in
- 25:48Magdeburg zumindest einen positiven Effekt auf künftige Anfragen, dass man anders weiß,
- 25:52wie man damit eventuell umzugehen hat? Ja, ich glaube, es hat so ein
- 25:56bisschen die Verhältnisse verändert. Und vorher hat die Stadtverwaltung jetzt im Vorfeld
- 26:03meiner Lesung eigentlich erst mal gedacht: „Wir wollen uns den Stress von
- 26:06der extremen Rechten vermeiden.“ Und jetzt ist klar, damit handeln sie sich
- 26:11auch Stress ein. Also, Stress ist halt einfach, was gerade die politische
- 26:16Situation ist, und dann müssen die sich entscheiden. Und ich bin mir
- 26:19ziemlich sicher, in Zukunft werden sie sich anders entscheiden. Du kritisierst ja
- 26:23zum Teil auch die Medienarbeit, und du hast ja auch in diesem
- 26:26Interview öfter versucht, den Blick auf positive Geschichten zu lenken, vielleicht auch
- 26:30auf Geschichten des Gelingens, auch wie Widerstand vielleicht funktionieren kann. Was machen
- 26:35wir als Medien denn deiner Meinung nach falsch, jetzt speziell auch im
- 26:38Umgang mit der AfD? Also, es ist ja in Teilen ein Dilemma.
- 26:44Es muss natürlich thematisiert werden, wenn eine Partei menschenfeindliche, gewaltvolle Forderungen vorantreibt.
- 26:54Und es ist wichtig, aufzuklären darüber und dass Menschen darüber Bescheid wissen.
- 26:59Das führt aber auch dazu, dass wir eine Partei haben aus der
- 27:02extremen Rechten, die die ganze Zeit Referenzpunkt ist für jegliche öffentliche Debatte.
- 27:07Also darüber gibt es Studien: Keine Partei wird so oft von anderen
- 27:11Parteien referenziert wie die AfD. Und das führt dazu, dass die eine
- 27:15Öffentlichkeit hat, wie sie sonst keine hat. Es gibt überall Artikel darüber,
- 27:20was im Wahlprogramm der AfD steht und welche Auswirkungen das hat. Und
- 27:24ich habe jetzt noch keinen Artikel gelesen darüber, was im Wahlprogramm der
- 27:27Linken steht und was das eigentlich machen würde. Und das ist eben
- 27:31der Effekt davon. Und ich glaube, sich dessen gewahr zu sein und
- 27:35dann zu überlegen, wie kann man denn tatsächlich die Themen in den
- 27:39Mittelpunkt rücken und die auch kontroversen Themen, bei denen die AfD eigentlich
- 27:44gar nichts zu sagen hat, die aber für Leute wichtig sind. Letzte
- 27:47Frage zum Schluss: Die Veranstaltung war ja auch unter dem Titel „UND
- 27:50NU“. Also, wie geht es jetzt weiter? Was würdest du denen wünschen?
- 27:54Also, egal wo ich bin in Sachsen-Anhalt mit meinen Veranstaltungen gerade,
- 27:58und ich bin ja da nicht nur in Halle und Magdeburg und
- 28:02Wittenberg, sondern auch im August noch ins Herbst und in Quedlinburg bin
- 28:08ich noch und so weiter. Überall, wo ich bin, sind die Leute
- 28:11on fire. Es gibt eine enorme Energie und Menschen machen so wahnsinnig
- 28:18viel. Und ich wünsche mir, dass wir diese Energie weitertragen können, selbst
- 28:25wenn es politische Entwicklungen gibt, die erstmal nicht darauf hindeuten. Aber ich
- 28:30habe in den letzten Jahren immer wieder gesehen, es haben sich so
- 28:33Gelegenheitsfenster aufgetan, von denen ich vorher nie gerechnet hätte, dass das möglich
- 28:38ist. Es sind so viele gute Dinge geschehen, von denen ich nie
- 28:42gedacht hätte, dass sie passieren. Und uns das im Gewissen zu behalten,
- 28:47dass das immer wieder auftauchen wird, uns darauf vorbereiten, bis dahin durchhalten,
- 28:52das ist mir wichtig. Spannende Gedanken, viel Input. Ich habe auf jeden
- 29:04Fall jetzt Lust, selbst nochmal in dieses Buch zu schauen, einfach nachzulesen
- 29:08und mir auch nochmal eigene Gedanken darüber zu machen, was er da
- 29:13so beschreibt. Ja, es ist auf jeden Fall sehr meinungsstark. Ich finde,
- 29:16einige Gedanken sind auch durchaus kontrovers und man kann bestimmt über viel
- 29:20davon diskutieren. Für mich war das Interview auf jeden Fall interessant, weil
- 29:23es viele Schnittstellen zu Themen gab, über die wir im Podcast ja
- 29:26ohnehin jedes Mal sprechen. Vielen Dank, dass du uns das mitgebracht hast.
- 29:30Aus dem Studio entlassen bist du damit aber noch nicht, denn unsere
- 29:35Kategorien zum Schluss, die dürfen auch bei der heutigen Folge nicht fehlen.
- 29:38Und ich weiß schon, dass es heute nicht eine, sondern gleich zwei
- 29:42Kategorien gibt. Ja, ich habe einen Lieblingsort und einen Helden des Alltags
- 29:46mitgebracht, und zwar diesmal nicht von einem Hörer oder einer Hörerin, sondern
- 29:50von Arne Semsrott. Den habe ich direkt im Interview danach gefragt und
- 29:54er hat das hier geantwortet: „Ich muss jetzt natürlich den Moritzhof nennen
- 29:58in Magdeburg, weil ich hier gelesen habe. Und das hat aber auch
- 30:01mit der Geschichte dieser Lesung zu tun. Als es die Absage gab
- 30:05von der Stadt, war der Moritzhof direkt zur Stelle und hat gesagt:
- 30:09„Natürlich machen wir die Lesung stattdessen hier.“ Und das als Rückgrat dieser
- 30:14Zivilgesellschaft wahrzunehmen und klarzumachen, da sind so viele Menschen, die sind solidarisch
- 30:19füreinander da. Das fand ich so beeindruckend. Und das war so ein
- 30:22guter Ausgangspunkt, um dann darum zu kämpfen, doch auch wieder in die
- 30:26Stadtbibliothek zu kommen. Und diese Kulturorte, über die ihr dann auch so
- 30:32viel berichtet, die sind so wichtig. Das kann man überhaupt nicht überschätzen.
- 30:36Und alleine schon dahin zu gehen, zu einer Veranstaltung, einfach da zu
- 30:39sein, das macht, glaube ich, einen Unterschied. Das ist total schön. Und
- 30:42was Menschen und Personen angeht und Organisationen, finde ich den Miteinander in
- 30:48der e.V. wirklich beeindruckend. Bei der Lesung im Moritzhof war David
- 30:52Begrich auch da. Ich habe ihn „Graue Eminenz der Zivilgesellschaft“ genannt. Er
- 30:56hat sich nicht gegen diesen Begriff gewehrt, immerhin. Und das ist eine
- 31:00Organisation, das sind Leute, die stabil seit so langer Zeit fast stoisch,
- 31:06würde ich sagen, die Zivilgesellschaft gegen Angriffe verteidigen und stabil da sind
- 31:12und auch noch da sein werden in Jahren und Jahrzehnten. Unser Netzwerk
- 31:15stetig aufbauen, das immer stärker wird. Und darauf, glaube ich, kann man
- 31:20so viel, was in den nächsten Jahren passieren wird, aufbauen. Vielen Dank
- 31:24dafür. Und ihr habt auch einen Lieblingsort in Sachsen-Anhalt, einen spannenden
- 31:29Veranstaltungstipp oder einen Helden oder eine Heldin des Alltags, über die wir
- 31:34unbedingt mal sprechen sollten? Dann her damit! Schickt uns einfach eine Mail
- 31:38an dazwischen@detektor.fm. In der nächsten Woche beschäftigen wir uns,
- 31:43wie schon in der letzten Woche versprochen, dann mit dem Thema Wirtschaft.
- 31:47Laut aktuellen Umfragen ist Wirtschaft für die Menschen das Top-Thema dieser
- 31:51Wahl. Während die AfD in den Umfragen derzeit hohe Zustimmung erfährt, warnen
- 31:57Wirtschaftsexperten wie Marcel Fratscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, vehement vor
- 32:03ihrer Wahl. Wir wollen uns anschauen: Wie steht es wirklich um die
- 32:07Wirtschaft in Sachsen-Anhalt und Deutschland? Ist alles so düster, wie es
- 32:11gezeichnet wird? Und was würde es bedeuten für Unternehmen in Sachsen-Anhalt,
- 32:16wenn die AfD wirklich ihre Wirtschaftspläne umsetzen könnte? Wir haben schon länger
- 32:20an der Folge gearbeitet und ich kann versprechen, die wird spannend und
- 32:23an der einen oder anderen Stelle auch kontrovers anzuhören. Lohnt sich auf
- 32:27jeden Fall. Ich freue mich drauf. Bis dahin! Dieser Podcast ist eine
- 32:39Kooperation von detektor.fm und dem Media Forward Fund. Podcast Hosts Marie
- 32:44Landes und Katja Schmidt, Community-Redakteurin Anne Koslowski, Podcast-Redaktion Leonard Schubert,
- 32:53Cover Design Claudia Dölling und Anja Kremer von Sisters of Design, Originalmusik
- 32:59Florian Siebers, Audio-Produktion Benjamin Serdani, Stanley Beidorf und Tim Schmutzler, Projektleitung
- 33:07Christian Bollert.