Latest / Friedrich Nietzsche Podcast in Deutsch / Also sprach Zarathustra - 3. Theil - 11 - Vom Geist der Schwere
Transcript
- 0:00Also sprach Zarathustra ein Buch für alle und keinen dritter Teil
- 0:04Unterkapitel 11 vom Geist der Schwere in diesem Kapitel
- 0:11beschäftigt sich Zarathustra mit seinem größten Feind, dem
- 0:14sogenannten Geist der Schwere, dieser Geist der Schwere ist ein
- 0:18zentrales Bild in Nietzsches Philosophie, er steht als
- 0:21Sinnbild für alles, was den Menschen nach unten zieht, ihn
- 0:24belastet und klein macht. Dazu gehören die traditionelle
- 0:28Moral. Die Religion, Gefühle von Schuld
- 0:31und Sünde sowie die Vorstellung, dass es absolute und für alle
- 0:34Menschen gleichermaßen gültige Regeln von gut und afu in Böse
- 0:38gibt. Zarathustra hingegen steht für
- 0:41die Leichtigkeit, für das Tanzen, für das Fliegen und für
- 0:45die Freiheit des Menschen, sich seine eigenen Werte selbst zu
- 0:48erschaffen. Das Kapitel ist in 2 Abschnitte
- 0:51unterteilt, in denen Zarathustra seine Gedanken sehr bildhaft
- 0:55darlegt. Im ersten Abschnitt beschreibt
- 0:57Zarathustra zunächst sich selbst und seine eigene Natur.
- 1:01Er sagt, dass seine Art zu reden oft derb und direkt ist, wie die
- 1:05Sprache des einfachen Volkes, damit verschreckt er die feinen
- 1:09und gebildeten Leute, die er spöttisch als Seidenhasen oder
- 1:12Tintenfische bezeichnet. Seine Handlungen sind wild und
- 1:15ungestüm, er beschreibt seine Hand als eine Narrenhand, die
- 1:19überall aneckt und seinen Fuß als einen Pferdefuß, mit dem er
- 1:22voller Lebenslust wild über Stock und Stein rennt.
- 1:26Besonders wichtig ist das Bild von seinem Magen.
- 1:29Zarathustra sagt, er habe den Magen eines Adlers, der Adler
- 1:33ist bei Nietzsche das Symbol für Stolz, Weitsicht und den Willen,
- 1:37hoch hinaus in die Freiheit zu fliegen.
- 1:40Zarathustras Geist nährt sich von Dingen, die unschuldig und
- 1:43leicht sind, er ist ungeduldig und möchte am liebsten sofort
- 1:46davonfliegen, weil er das Fliegen und die Leichtigkeit so
- 1:50sehr liebt, ist er der absolute Todfeind des Geistes der
- 1:53Schwere. Zarathustra hat das tiefe
- 1:55Bedürfnis, ein Lied gegen diese Schwere zu singen, und er wird
- 2:00dieses Lied singen, selbst wenn er ganz alleine in einem leeren
- 2:03Haus ist und nur er selbst es hören kann.
- 2:07Er ist nicht auf den Beifall anderer angewiesen, im zweiten,
- 2:11deutlich längeren Abschnitt entfaltet Zarathustra dann seine
- 2:14eigentliche Lehre, er beginnt mit der starken Aussage, Wer die
- 2:18Menschheit eines Tages lehrt zu fliegen, der wird alle
- 2:21bisherigen Grenzen und Gesetze verschieben.
- 2:23Das Fliegen bedeutet hier, sich von den alten, schweren Werten
- 2:26zu befreien und ein höherer Mensch, ein sogenannter
- 2:29Übermensch, zu werden. Wenn das passiert, wird man die
- 2:33Erde neu benennen müssen, nämlich die leichte.
- 2:37Noch aber ist der Mensch nicht so weit.
- 2:39Zarathustra vergleicht den heutigen Menschen mit einem
- 2:42Vogel Strauß, der Vogel Strauß kann zwar schneller rennen als
- 2:46das schnellste Pferd, aber er kann nicht fliegen und steckt
- 2:49seinen Kopf tief in die schwere Erde.
- 2:52Genauso ergeht es dem Menschen. Die Erde und das Leben kommen
- 2:56ihm unglaublich schwer vor. Das liegt daran, dass der Geist
- 3:00der schwere es genauso will, um leicht zu werden und fliegen zu
- 3:04lernen, muss der Mensch etwas sehr wichtiges tun, er muss
- 3:08lernen, sich selbst zu lieben. Zarathustra meint damit aber
- 3:12keine Kranke oder süchtige Eigenliebe von schwachen
- 3:14Menschen, er fordert eine gesunde, Heile und starke
- 3:18Selbstliebe. Nur wer sich selbst wahrhaft
- 3:21liebt, kann es mit sich allein aushalten.
- 3:24Wer das nicht kann, der flüchtet sich ständig zu anderen
- 3:27Menschen. Diese Flucht vor sich selbst
- 3:29wird in der Gesellschaft oft fälschlicherweise als
- 3:31Nächstenliebe bezeichnet, Zarathustra entlarvt diese
- 3:35angebliche Tugend als reine Heuchelei, die Menschen kümmern
- 3:38sich nur deshalb so viel um ihre nächsten, weil sie ihre eigene
- 3:41Gesellschaft nicht ertragen können, sich selbst zu lieben,
- 3:45so betont er, ist jedoch keine einfache Aufgabe.
- 3:48Sondern die Feinste und Geduldigste aller Künste, das
- 3:52eigene Ich ist nämlich sehr schwer zu entdecken und oft tief
- 3:55verborgen. Zarathustra erklärt dann, wie
- 3:58der Geist der Schwere von Klein auf an uns arbeitet, schon in
- 4:03der Wiege bekommen die Menschen schwere Worte und Werte mit auf
- 4:06den Weg, zum Beispiel die festen Begriffe von gut und Böse, die
- 4:12Gesellschaft erzieht die Kinder dazu, nicht sich selbst zu
- 4:14lieben. Sondern sich diesen fremden,
- 4:16schweren Werten zu unterwerfen. Und so tragen die Menschen brav
- 4:21und treu all diese fremden Lasten auf ihren Schultern.
- 4:25Zarathustra greift hier auf das Bild des Kamels zurück, der
- 4:28Pflichtbewusste, starke Mensch kniet nieder, lässt sich mit all
- 4:32diesen fremden Moralvorstellungen beladen und
- 4:34schleppt sie über raue Berge, weil er all das Fremde trägt,
- 4:38kommt ihm das Leben am Ende wie eine schwere Wüste vor, es ist
- 4:42sehr schwer, sich selbst wirklich zu entdecken.
- 4:45Sagt Zarathustra. Der menschliche Verstand lügt
- 4:48oft über die wahren Bedürfnisse der eigenen Seele.
- 4:51Doch wer sich selbst gefunden hat, der spricht einen
- 4:53entscheidenden Satz aus. Das ist mein gutes und mein
- 4:57Böses. Mit dieser Erkenntnis bringt man
- 5:00den Zwerg oder Maulwurf zum Schweigen, der Zwerg ist ein
- 5:03weiteres Bild für den Geist der Schwere, der immer behauptet, es
- 5:06gäbe ein gut für alle und ein Böse für alle.
- 5:11Zarathustra lehnt diese allgemeingültige Moral strikt
- 5:14ab. Ebenso verachtet Zarathustra
- 5:16Menschen, die keine eigenen Entscheidungen treffen und
- 5:19einfach alles tolerieren. Er nennt sie die Allgenügsamen,
- 5:24also diejenigen, die alles kauen und verdauen, was man ihnen
- 5:27vorsetzt. Er vergleicht sie mit Eseln und
- 5:30Schweinen, ein freier Geist hingegen muss einen eigenen
- 5:34Geschmack haben, er muss in der Lage sein, ja und Nein zu sagen
- 5:38und wählerisch zu sein. Zarathustra hat auch keinen
- 5:42Respekt vor Menschen, die aus reiner Schwäche oder Feigheit
- 5:45alles geduldig ertragen, keinen Widerstand leisten und sich wie
- 5:48Knechte verhalten. Zum Schluss des Kapitels erklärt
- 5:52Zarathustra, wie er selbst zu seiner Wahrheit gefunden hat, er
- 5:55hat sie nicht dadurch gefunden, dass er brav einem einzigen
- 5:58vorgegebenen Weg gefolgt ist. Stattdessen hat er viel
- 6:02ausprobiert, viel gefragt und viele verschiedene Wege
- 6:05beschritten, er musste lernen, auf eigenen Beinen zu stehen, zu
- 6:08laufen, zu klettern. Und zu springen, um letztlich
- 6:12das Fliegen zu erlernen. Wenn ihn nun andere Menschen
- 6:15nach dem Weg fragen, hat Saratustra eine sehr klare
- 6:18Antwort. Er sagt, das hier ist nun mein
- 6:22Weg, wo ist euer Weg, den einen Weg für alle, den gibt es
- 6:27nämlich nicht, damit bringt er seine Hauptaussage auf den
- 6:30Punkt, jeder Mensch muss sich von den schweren allgemeinen
- 6:34Regeln befreien und die Verantwortung übernehmen, seinen
- 6:37ganz eigenen Lebensweg. Und seine eigenen Werte zu
- 6:40erschaffen.