Latest / Friedrich Nietzsche Podcast in Deutsch / Also sprach Zarathustra - 3. Theil - 9 - Die Heimkehr
Transcript
- 0:00Also sprach Zarathustra ein Buch für alle und keinen dritter Teil
- 0:04Unterkapitel 9. Die Heimkehr in diesem Kapitel
- 0:10kehrt Zarathustra nach seinen langen Reisen und den vielen
- 0:13Enttäuschungen mit den Menschen endlich wieder in seine Höhle im
- 0:16Gebirge zurück. Er begrüßt die Einsamkeit voller
- 0:19Freude und nennt sie seine wahre Heimat für den Philosophen
- 0:23Friedrich Nietzsche ist die Einsamkeit nämlich kein
- 0:26trauriger Zustand des Alleinseins.
- 0:28Vielmehr ist die Einsamkeit ein positiver und stärkender Ort,
- 0:32nur fernab von der Masse der Menschen und ihrem ständigen
- 0:35Gerede kann der freie Geist zu sich selbst finden und sich
- 0:38weiterentwickeln. Zarathustra sagt, er habe zu
- 0:42lange in der wilden Fremde gelebt und kehre nun mit Tränen
- 0:45der Rührung in seine Heimat zurück.
- 0:47Er vergleicht die Einsamkeit mit einer Mutter, die ihm sanft
- 0:50zulächelt und ihn fragt, wer ihn damals wie ein Sturmwind von ihr
- 0:54Weggetrieben hat. Zarathustra spricht zu seiner
- 0:57Einsamkeit. Und sagt, dass er unter den
- 0:59vielen Menschen immer der Verlassene war, selbst wenn die
- 1:03Menschen ihn mochten, wollten sie im Grunde nur von ihm
- 1:06verschont werden, sie wollten seine harten Wahrheiten nicht
- 1:09hören, hier oben in den Bergen, in seinem eigenen zu Hause, kann
- 1:14er jedoch frei und aufrecht sprechen, er muss seine wahren
- 1:18Gefühle nicht mehr verstecken oder sich zurückhalten, alle
- 1:22Dinge in der Natur scheinen zu ihm zu kommen, um ihm zu
- 1:25schmeicheln und ihm zuzustimmen. Hier kann er direkt und ehrlich
- 1:29reden und das klingt für ihn wie ein Lobbild auf die Natur.
- 1:33Dann erklärt Zarathustra den Unterschied zwischen
- 1:36Verlassensein und Einsamkeit, das Verlassensein ist das
- 1:39schmerzhafte Gefühl, völlig unverstanden und fremd zu sein,
- 1:42auch wenn man von vielen Menschen umgeben ist.
- 1:45Die Einsamkeit hingegen ist der gewählte, friedliche Rückzug, in
- 1:49dem man mit sich im Reinen ist. Er erinnert sich an eine Zeit
- 1:53bei den Menschen, als er sich fühlte wie ein unverstandener
- 1:57Narr. Oder wie ein gefährliches Tier.
- 2:00Das war das wahre Verlassensein. Er erinnert sich auch an die
- 2:04Zeit auf seiner Insel, als er wie ein Brunnen seinen Wein,
- 2:07also seine reiche Weisheit, an alle durstigen verschenkte.
- 2:12Am Ende saß er jedoch allein und durstig zwischen den
- 2:14Betrunkenen, er fragte sich damals traurig, ob es nicht
- 2:18besser sei zu nehmen, anstatt zu geben oder gar zu stehlen, die
- 2:22Menschen nahmen seine Lehren zwar auf, aber sie verstanden
- 2:25ihn nicht wirklich. Er fühlte sich ausgenutzt und
- 2:28extrem verlassen. Er denkt auch an die sogenannte
- 2:31stillste Stunde zurück. In Nietzsches Werk ist die
- 2:34stillste Stunde, die innere Stimme oder das tiefe Gewissen
- 2:37von Zarathustra, in der ihm seine schwersten Aufgaben
- 2:40bewusst werden. Diese innere Stimme hatte ihn
- 2:43damals mit einem bedrohlichen Flüstern gezwungen, seine
- 2:46sichere Einsamkeit zu verlassen und wieder zu den Menschen
- 2:49hinabzusteigen, um seine Lehren zu verbreiten, das war eine
- 2:53schwere Prüfung für ihn. Aber nun ist er froh, wieder in
- 2:56seiner Heimat der Einsamkeit zu sein.
- 3:00Hier fragt man sich nicht gegenseitig aus, man klagt
- 3:02nicht, sondern man geht offen und ehrlich miteinander um, im
- 3:06Licht und in der Ruhe der Berge vergehen die Stunden viel
- 3:09leichter als unten bei den Menschen, wo die Zeit eine
- 3:12schwere Last ist. Zarathustra beschreibt die Welt
- 3:15der Menschen unten im Tal als einen Ort, wo jedes Reden
- 3:18umsonst ist. Das beste Verhalten dort sei es,
- 3:22Dinge einfach zu vergessen. Und an Ihnen vorüberzugehen die
- 3:26Menschen auf dem Markt sind laut und oberflächlich.
- 3:30Sie kündigen ihre kleinen Weisheiten mit großem Lärm an,
- 3:32wie Händler, die mit kleinen Münzen klingeln, um
- 3:35Aufmerksamkeit zu erregen. Bei den Menschen wird über alles
- 3:39geredet, aber alles wird auch zerredet, nichts wird mehr in
- 3:43der Tiefe verstanden, Dinge, die eigentlich ein tiefes Geheimnis
- 3:47großer Seelen sein sollten, werden auf der Straße von jedem
- 3:50Herumgeschrien. Zarathustra nennt die
- 3:53Menschenwelt einen Lärm auf dunklen Gassen.
- 3:56Er ist froh, dass er diesen Lärm und die schlechte Luft der
- 3:59Gesellschaft hinter sich gelassen hat.
- 4:01Das größte Problem für Zarathustra bei den Menschen war
- 4:04sein eigenes Mitleid. Er sagt, dass im Schonen und im
- 4:07Mitleiden seine größte Gefahr lag.
- 4:10Für Nietzsche ist das Mitleid eine sehr negative Eigenschaft.
- 4:14Er glaubte, dass Mitleid den starken Menschen schwächt, weil
- 4:16er sich dadurch aus falscher Rücksicht auf das Niveau der
- 4:19Leidenden und schwachen Herablässt.
- 4:22Mitleid hält den Menschen davon ab, hart zu sich selbst zu sein,
- 4:25sich zu überwinden und etwas wirklich Großes zu erschaffen.
- 4:29Weil Zarathustra Mitleid hatte, verstellte er sich, er hielt
- 4:32seine wahren scharfen Gedanken zurück, tat so, als wäre er ein
- 4:36Narr und ließ sich von den Menschen bewusst falsch
- 4:39verstehen. Er dachte damals, er müsse die
- 4:42Gefühle der schwachen Menschen schonen, aufgrund dieses
- 4:45Mitleids ließ Zarathustra sich sogar von den sogenannten guten
- 4:48und gerechten Menschen schlecht behandeln.
- 4:51Er wurde zum Ziel, von ihren kleinen boshaften Angriffen.
- 4:54Er erkannte, dass die Menschen, die sich selbst als die guten
- 4:57bezeichnen, oft die giftigsten sind, sie stechen wie Insekten
- 5:02zu und behaupten, dabei völlig unschuldig zu sein, sie halten
- 5:06sich für gerecht, aber in Wahrheit sind sie voller Neid
- 5:09und Feigheit. Wer unter diesen vermeintlich
- 5:11guten Menschen lebt, der lernt aus Mitleid zu lügen und sich
- 5:14anzupassen, die geistige Luft wird dort stickig und dumpf,
- 5:18weil die Dummheit dieser Menschen unergründlich ist.
- 5:21Um sein wahres Ich und seinen inneren Reichtum zu schützen,
- 5:24musste Zarathustra lernen, sich zu verbergen, da er spürte, dass
- 5:27niemand ihn wirklich verstehen konnte.
- 5:30Am Ende des Kapitels freut sich Zarathustra aus tiefstem Herzen
- 5:33über seine Rückkehr auf den Berg, er hat gelernt, wie er mit
- 5:37den steifen Gelehrten und denjenigen, die das Leben nicht
- 5:40lieben, umgehen muss, aber er will diese stickige Luft der
- 5:44menschlichen Gesellschaft nicht mehr einatmen.
- 5:47Mit einem Gefühl der puren Erlösung atmet er die scharfe
- 5:50und frische Bergluft ein. Er sagt, dass seine Nase endlich
- 5:54von dem Geruch des menschlichen Wesens befreit ist.
- 5:57Die klare Bergluft kitzelt ihn so sehr, dass seine Seele niesen
- 6:00muss. Dieses Niesen ist bei Nietzsche
- 6:03ein körperliches Bild dafür, dass der Geist sich von der
- 6:06ansteckenden Krankheit der Gesellschaft reinigt und den
- 6:09Dreck ausstößt, er niest und ruft sich selbst fröhlich und
- 6:12triumphierend das Wort Gesundheit zu, damit ist er
- 6:16wieder ganz bei sich. Befreit und glücklich in seiner
- 6:18geliebten Einsamkeit angekommen.