Latest / ntv Wirtschaft / Steigende Ticketpreise - Warum Flüge nach Asien und Afrika teurer werden
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- Der Krieg im Nahen Osten hat massive Auswirkungen auf den Flugbetrieb. Lufthansa-Chef Carsten Spohr bereitet sich und uns im NTV-Interview auf möglicherweise steigende Flugpreise vor. In München ringt das Handwerk auf seiner Leitmesse um Nachwuchs und fordert von der Politik weniger Bürokratie und geringere Belastungen. Und an den Börsen blicken wir auf eine turbulente Woche für den DAX, geprägt vom Krieg im Nahen Osten und der Frage, wie Anleger jetzt am klügsten reagieren. In diesem Podcast verwandeln moderne KI-Systeme journalistische Inhalte, die auf unseren NTV-Plattformen publiziert wurden, in ein neues Hörformat. Text und Stimme der Sprecherin wurden mithilfe künstlicher Intelligenz erzeugt. Vor der Veröffentlichung werden alle Folgen nach strengen journalistischen Standards geprüft. Viel Spaß beim Zuhören. Der Lufthansa-Konzern sieht in der Nahostkrise kurzfristig sogar Chancen für das eigene Geschäft. Weil wichtige Drehkreuze der Golf-Airlines wie Emirates und Katar derzeit stillstehen, schnellen die Vorbuchungen für Direktflüge Richtung Asien deutlich nach oben. Gleichzeitig bleibt die Lage angespannt. Wegen der Raketen- und Bombenangriffe im Iran und in Nachbarstaaten kann die Lufthansa einige Flughäfen nicht ansteuern. Das Unternehmen plant jedoch zusätzliche Flüge, etwa nach Bangkok, Singapur, Kapstadt, Shanghai oder Delhi. Auch im Frachtgeschäft spürt der Konzern eine Sondernachfrage. Über die Situation im Nahen Osten und die Rückführung von Touristen aus der Region hat Raimund Brichter mit Konzernchef Carsten Spohr gesprochen. Herr Spur, der Nahostkrieg sorgt auch in der Luftfahrtbranche gerade für erhebliche Unruhe. Wo genau ist die Lufthansa betroffen? Ja, wir sind natürlich in mehrfacher Hinsicht betroffen. Und wie immer in der Luftfahrt geht es in erster Linie mal um das Thema Sicherheit. Also wir haben insgesamt zehn Destinationen streichen müssen die letzten Tage und werden einen Teil der Streichung auch noch aufrechterhalten müssen. Wir haben für die Bundesregierung den ersten Repertuierungsflug aus Masked durchgeführt, Führen gerade aktuell weitere für andere europäische Länder durch, in denen die Lufthansa-Gruppe zu Hause ist. Aber auf der anderen Seite sehen wir auch viele, viele Kunden, die mit uns nach Asien reisen wollen oder aus Asien zurück wollen, die ursprünglich über den Golf gereist wären, sodass wir jetzt sogar Zusatzflüge einrichten, um diese gestern ihr Ziel zu bringen. Also Sie profitieren auf einer Seite sogar davon, indem Sie zusätzliche Flüge anbieten können in andere Destinationen oder von anderen Destinationen. Was kommt unterm Strich bei raus? Ist es eine Entlastung oder ist es eine erhebliche Belastung für Sie? Ja, ich glaube, in erster Linie geht uns Lufthansa-Arten wie jedem Menschen auf der Welt. Wir wollen, dass dieser Krieg möglichst bald wieder vorbei ist. Insbesondere, da wir auch noch Lufthansa-Mitarbeiter in der Region und ihre Familien dort natürlich haben. Aber wir sind in mehrfacher Hinsicht betroffen. Die Leute, die da teilweise jetzt darauf warten, endlich nach Hause zu kommen, nach Hause zu bringen. Aber auch Gäste, die Reisepläne haben nach Asien, nach Südafrika, nach China mit Zusatzflügen zu fahren. Da hinzubringen. Ich glaube, für eine finanzielle Einschätzung ist es jetzt zu früh. Jetzt gilt es erstmal, wie immer im Luftverkehr, die operativen Herausforderungen zu bewältigen. Und dann werden wir irgendwann auch sehen, was hat es das gekostet, was hat es an zusätzlichen Umsatz gebracht. Jetzt geht es erstmal darum, möglichst viele Menschen an ihr Ziel zu bringen. Außenminister Wadephul hat ja in dieser Woche so einen kleinen Shitstorm ausgelöst, in dem er gesagt hat oder darauf hingewiesen hat, dass auch die Flug- und die Reiseunternehmen und die Reisenden selbst eine gewisse Mitverantwortung trügen bei solchen Situationen. Sehen Sie das auch so? Wir bei Lufthansa übernehmen nicht nur Verantwortung für uns, sondern haben sogar für die Bundesregierung einen Flug durchgeführt und tun das auch für andere europäische Regierungen. Aber letztendlich wohnen wir in einem freien Land und so muss natürlich jeder entscheiden, wo er Urlaub macht und vor allem mit welcher Fluggesellschaft er reisen möchte. So gesehen glaube ich schon, dass hier eines Komplettes aus der Eigenverantwortung entlassen nicht richtig ist und eine Kaufentscheidung vielleicht auch in Zukunft dann etwas anders aussehen wird, wenn es um die Airline der Wahl geht. Wenn jemand konkret mit einem Lufthansa-Flug betroffen ist jetzt von dem Krieg und der Flug nicht durchgeführt werden kann, sorgen Sie dann konkret für alle Passagiere, dass die auf jeden Fall nach Hause kommen? Sobald es möglich ist, absolut. Wie sieht es mit den Kosten aus, was den Ölpreis anbelangt? Der ist kräftig gestiegen, Kerosinpreise vermutlich auch. Ja, Kerosinpreise sind in der Tat stark gestiegen. Wir sind sehr froh, dass wir bei Lufthansa stärker abgesichert sind, sozusagen gehätscht sind als unsere Wettbewerber. Aber wir müssen all davon ausgehen, dass sich das auf die Flugpreise auswirken wird und kräftig. Und entsprechend auch wir bereiten uns auf Preisteigerung weiter vor. Das heißt, einen Großteil des Kerosins haben Sie versichert gegen steigende Preise. Wie lange laufen denn solche Versicherungen? Wir bei Lufthansa sichern immer für zwei Jahre. Und gerade für die nächsten sechs Monate sind wir bei circa 90 Prozent, die dann nur geringfügig den Rest des Jahres runtergehen. Also wir haben da wahrscheinlich sogar einen Wettbewerbsvorteil gegenüber unseren Wettbewerbern. Da aber die meisten Airlines, gerade die amerikanischen Airlines, das nicht tun, müssen wir alle von Preissteigerungen ausgehen, die letztendlich dann den Airlines erlauben, diese höheren Kosten wieder reinzufliegen. In welcher Höhe ungefähr? Was zeichnet sich da ab? Ich glaube, es ist noch viel zu früh, zumal auch noch gar nicht absehbar ist, wie sich Reiseströme verlagern, wie werden sich Urlaubspläne ändern. Ich glaube, da sind wir einfach nach wenigen Tagen noch nicht in der Lage, verlässlich darauf zu antworten. Wir sind flexibel, wie wir es auch bei den Repatriierungsflügen gezeigt haben und werden wahrscheinlich auch mit einem anderen Flugplan in den Sommer gehen, als ursprünglich geplant. Im Jubiläumsjahr der Lufthansa hatten sich einige Aktionäre Hoffnung gemacht, dass die Aktie den Sprung in den deutschen Aktienindex DAX schafft. Das hat jedoch nicht geklappt. Was bringt das Jahr 2026 also für die Lufthansa? Welche Auswirkungen hat der Krieg im Nahen Osten? Kann die Airline mögliche Vorteile nutzen? Darüber hat Corinna Wohlfeil mit Michael Gierse gesprochen. Er ist Fondsmanager bei Union Investment. Die erste Frage ist ja vielleicht mal, die Lufthansa veröffentlicht jetzt das Ergebnis in wirklich unsicheren Zeiten aktuell, aber mit 2025 kann die Lufthansa zufrieden sein? Doch, die Lufthansa kann da wirklich sehr zufrieden sein. Die Zahlen sehen soweit gut aus. Der Markt honoriert das auch entsprechend und das vor diesem Hintergrund der Krisen. Also das sieht wirklich gut aus. Aber sie haben auch ein paar Baustellen. Welchen? Ja, die größte Baustelle bei der Lufthansa ist die Marke Lufthansa. Die anderen Marken haben sie im Griff mit der Zeit, haben da ein bisschen vielleicht den Fokus verloren. Und die Marke Lufthansa, die muss sozusagen jetzt ein bisschen aufgepeppt werden. Dort ist auch die Marge am niedrigsten. Da ist aber auch das höchste Potenzial. Aber vielleicht durch diese Kriegssituation kann sich das komplett verändern. Ja, weil die Lufthansa immer starke Konkurrenz aus dem Mittleren Osten hat. Was bedeutet jetzt die Lage dort für die Lufthansa? Ja, die größten Konkurrenten der Lufthansa, was den Umsteigeverkehr oder der Verkehr insgesamt Richtung Asien und Afrika betrifft, sind halt diese Fluggesellschaften aus dem Mittleren Osten und die türkischen Airlines. Dadurch, dass wir jetzt hier Flugausfälle haben und natürlich niemand buchen möchte für die nahe Zukunft oder vielleicht auch längerfristig. Hat die Lufthansa im Moment dort einen Zuspruch. Das heißt, was sie langfristig als Gegenwind hatte, ist im Moment eher positiv für die Lufthansa. Aber wird das auch langfristig so sein? Werden die Kunden bei der Lufthansa bleiben oder dann doch wieder umschwenken, wenn sich die Situation wieder normalisiert hat? Also im Moment sagt die Lufthansa tatsächlich, sie sehen viele Buchungen nach Afrika und Asien, mehr als sonst. Historisch betrachtet sind solche Ereignisse nach ein bis zwei Jahren vergessen. Das haben wir oft erlebt. In Tunesien gab es einen Anschlag, Ägypten oder dergleichen. Und hier ist die Frage, wie lange bleibt das in den Köpfen? Ich denke aber, für dieses Jahr wird das wahrscheinlich eine sehr gute Situation. Bei den Ticketpreisen nach Asien jetzt zum Beispiel sieht man das auch deutlich schon, wie teuer die geworden sind bei der Lufthansa. Was wird das jetzt längerfristig für die Ticketpreise bedeuten? Wird Fliegen jetzt auch dadurch nochmal auch langfristig teurer? Ja, also das trifft jetzt vor allen Dingen die Routen Richtung Asien und Afrika. Da fehlt einfach Kapazität, dadurch, dass Türkisch Airlines, Emirates und Co. nicht fliegt. Die Nachfrage aber gleich bleibt, würde ich jetzt einfach mal sagen, weil natürlich nicht alles oder die wenigsten fliegen tatsächlich dann nach Dubai. Das heißt, die Ticketpreise für die übrigen Fluggesellschaften, die müssen steigen. Und das sehen wir auch schon. Und zwar, wir haben das auch schon gesehen eine Woche vor dem Konflikt, weil es ahnte, oder die Fluggesellschaften ahnten das schon, die Preise wurden schon nach oben gesetzt. Und ich denke mal, für das ganze Jahr wird das auch weiterhin der Fall sein. Fürs nächste Jahr mag ich da keine Prognose abgeben. Aber trotzdem, wenn ich jetzt für die Herbstferien einen Urlaub in Asien buchen will oder Afrika, sollte ich jetzt die Tickets kaufen oder lieber noch warten? Das hängt davon ab, wie lange dieser Konflikt dauert. Ich war auf einer Energiekonferenz gestern und vorgestern. Dort ist die allgemeine Aussage, dass der Konflikt wirklich, das ist Marktmeinung, drei bis vier Wochen dauert. Der Druck ist einfach durch andere Events viel zu groß, dass das so lange sich hinzieht. Und es ist halt eine Gemengelage, die schwierig zu analysieren ist. Und jeder Tag kann die Aussage anders sein. Also, die Flugpreise ziehen an. Und aktuell weiß niemand so genau, wie lange die Krise dauern wird. Genau das ist auch ein großes Thema bei den Anlegern. Ein Blick auf die Börse nach der ersten Kriegswoche. Der Krieg ist natürlich nicht spurlos am deutschen Aktienmarkt vorbeigegangen. Die Unsicherheit und vor allem der stark gestiegene Ölpreis haben den DAX diese Woche ordentlich Punkte gekostet. Sorgen vor den wirtschaftlichen Auswirkungen lassen die Aktionäre nur vorsichtig agieren. Wie geht's nun weiter und was sollen Anleger tun? Corinna Wohlfeil hat darüber mit dem Anlagestrategen Patrick Grewe gesprochen. Ja und der Ölpreis ist sicherlich der Indikator, der in dieser Woche am meisten gezeigt hat, wie groß die Sorgen sind. Mit Auswirkungen auf die Aktienmärkte. Der DAX ist in dieser Woche 6% im Minus. Hätte eigentlich noch schlimmer sein können. Oder was war in dieser Woche, wenn Sie Bilanz ziehen, über die verschiedenen Anklageklassen hinweg, eigentlich für Sie die größte Überraschung? Die größte Überraschung in dem Bereich ist, dass der Verteidigungssektor extrem stark abgebaut hat und man da auch einige Gewinnmitnahmen im großen Bereich über den ganzen Sektor sehen konnte. Das heißt, die Werte, die vor allem in der letzten Zeit sehr, sehr gut gelaufen sind, haben diese Woche dazu geneigt, auch einige Gewinne mal zu realisieren und in den sicheren Hafen von Geld, in dem, sagen wir, Cash, zurückzugehen. Das heißt, gerade in Sektor, wo man ja meinen könnte, in Kriegszeiten waren Rüstungsaktien sonst ja immer gesucht, aber in der Summe diese Woche dann halt doch nicht. Wie haben Sie als Investor, Sie sind ja jemand, der schon lange in den Verteidigungssektor investiert und auch in Rohstoffe investiert. Wie haben Sie diese Woche reagiert? Ja, in diesen volatilen Zeiten haben wir natürlich auch gemerkt, dass sich einige Sektoren grundlegend verschieden. Wir sind langfristig immer natürlich an dem langfristigen Blick orientiert, haben aber auch diese Woche verstärkt Ölwerte aufgestockt weiterhin, das Exposure erweitert und haben sonst auch unsere Kassenquote leicht reduziert. Also Ölwerte aufgestockt heißt, es sind die Werte, die halt Öl produzieren, verarbeiten, die an den gestiegenen Ölpreisen profitieren, weil sie davon ausgehen, dass der Ölpreis weiter steigen wird? Ja, wenn wir das jetzt so sehen mit der Verknappung über die Straße von Hormuz und Venezuela. Der Gesamtmarkt in dem Bereich ist sehr angespannt. Wir kennen das nur aus vergangenen Jahren, mit Beginn des Ukraine-Kriegs und Konflikts damals, dass dieser Preis sehr, sehr volatil ist und dann auch sehr schnell Marken erreichen kann, die jenseits der 100-Dollar-Marke liegen. Was dann natürlich auch im Hebelfaktor für die einzelnen Unternehmen nochmal deutlich höhere Gewinne bedeuten kann. warum dieser Sektor aktuell in dieser angespannten Zeit besonders nochmal eine Relevanz gewinnt und diese auch ausbaut, solange dort keine Entspannung einkehrt. Was raten Sie momentan privaten Anlegern in dieser Situation? In erster Linie sollten private Anleger Ruhe bewahren, sich nicht von jeder Marktbewegung direkt aus dem Konzept bringen lassen und probieren vielleicht dem einen oder anderen wertig daherzulaufen, sondern konstant Ruhe bewahren und vielleicht das Portfolio über die Diversität und vielleicht über die Chancen, die Möglichkeiten, die jetzt gerade da sind, ausrichten und vielleicht auch den einen oder anderen Wert im Bereich Rohstoffe oder auch Öl, die sehr inflationsgetrieben dann in den Bereichen sind, dazu zu allokieren. Wenn man sich jetzt aber bestimmte Werte anguckt, wie zum Beispiel Verteidigungswerte einer Rheinmetall. Die ist ja wahnsinnig angestiegen, Sie haben es angesprochen, jetzt hat sie verloren im Augenblick. Was ist denn das jetzt für den normalen Anleger dieser Sektorverteidigung? Ist das jetzt eher ein Kauf oder ist das ein Verkauf auf immer noch sehr hohem Niveau? Bei den geopolitischen Unruhen, die wir aktuell weltweit miterleben dürfen, ist es natürlich so, dass der ganze Sektor eine zweite Renaissance erlebt. Das heißt, der Privatanleger kann diese Rückschläge oft nutzen, um billigere Einstiegskurse zu kriegen und sich dort in dem Sektor zu positionieren, wenn er davon partizipieren möchte. Vor allen Dingen bei einer Rheinmetall sehen wir natürlich schon seit drei Jahren immer wieder extrem gute Zahlen, extrem erweiterte Auftragsbestände, weitere Margenausweitungen des einzelnen Unternehmen, Joint Ventures. Das Unternehmen stellt sich auch international und global immer besser auf und wird zu einem großen Player weltweit und tritt aus den Fußstapfen von Europa raus, was natürlich immer noch langfristig gesehen Chancen für den Anleger bietet. Von den großen Krisen in der Welt kommen wir jetzt ins Inland. Und hier trifft sich in München gerade das Handwerk auf der internationalen Handwerksmesse. 800 Aussteller treffen sich hier und es gibt einiges zu sehen und vor allem zu treffen. Denn das Handwerk sucht immer noch händeringend nach Fachkräften. Deutschlands Handwerkern fehlen geschätzt 200.000 Fachkräfte, sagt der Zentralverband des Deutschen Handwerks. Die Aussteller versuchen einiges, um sich attraktiv zu machen für die jungen Menschen. Bundeswirtschaftsministerin sicherte bei der Eröffnung der Messe Unterstützung zu. Sie wolle alles tun, dass die Vermögenssteuer nicht kommt. Dem Handwerk sind aber nicht nur die Steuern ein Dorn im Auge. Es gehe auch um drückende Kosten für Sozialbeiträge und Bürokratie. Auf der Messe hat Christoph Lang mit Handwerkspräsident Jörg Dittrich gesprochen. In der Abschlusserklärung der vier Verbände heißt es, Deutschland stehe unter Druck wie nie zuvor. Es sei ein Kipppunkt sogar in Sicht. Das ist ja ein ganz schön hartes Urteil. Woran machen Sie das fest? In der Chemie gibt es immer die kritische Masse, ab der eine Reaktion passiert. Und wir haben in den letzten Jahren in allen Sektoren auch Arbeitsplätze verloren. In der Industrie, aber eben auch im Handwerk, was viele nicht wahrnehmen. Dort ist es nicht die Massenentlassung, sondern das stille Sterben, Betriebe, die aufhören. Es gibt viele Betriebe, die den Satz mir gegenüber verwenden, die Hütte brennt. Wir wissen einfach nicht, wie es weitergehen soll. Die Margen schmelzen zusammen, was das Geschäftsmodell kritisch macht. Oder die Aufträge sind einfach nicht da. Und das bedeutet, dass dann irgendwann ein Punkt ist, an dem das nicht mehr umkehrbar ist. Und deswegen sollten wir jetzt miteinander diese Anstrengungen unternehmen, um Deutschland wieder fit zu machen. Die Krise im Iran sollte noch einmal uns wachrütteln, dass der Zeitpunkt da ist, zu akzeptieren, dass diese Krisen leider eine Normalität sind. Und dass wir am Standort hier in Deutschland unsere Hausaufgaben miteinander machen müssen. Kanzler Merz ist ja zum ersten Mal da, letztes Jahr hat er noch seine Koalition ausverhandelt. Was erwarten Sie von ihm hier? Wir haben mit Kanzler Merz natürlich schon gesprochen in den letzten Monaten. Er kennt die Situation und ich weiß, er versteht die Situation. Die Erwartung ist, dass er als Chef der Regierung die Mehrheiten sucht für Veränderungen, die ausgewogen sind, sozial ausgewogen, aber die im Fokus haben, das Wachstum zurückkehrt. Wir haben Verteilungskämpfe und wir dürfen nicht mehr nur auf die schauen, die schon arbeitslos sind oder soziale Hilfe benötigen, sondern jetzt müssen wir auch darauf schauen, dass viele tausende Menschen, auch Selbstständige, ihr Lebenswerk nicht verlieren wollen. Was tun wir, damit diese Arbeitsplätze erhalten werden? Und dafür sind Reformen nötig. Gibt es irgendwas, was Ihnen Hoffnung macht? Sie haben ja gesagt, die Koalition hat eigentlich ganz gut begonnen. Erst danach kam es so richtig in Stocken. Meine Hoffnung liegt in der Realität. Die Demokratie liefert meistens, wenn sie muss. Und jetzt muss sie liefern. Wir müssen Eitelkeiten und Befindlichkeiten zur Seite stellen und vielleicht werden wir auch den einen oder anderen kleinen Fehler machen. Die Politik muss diese Dinge angreifen. Es gibt eine Mehrheit aus CDU, CSU und SPD. Dort liegt das Mandat. Wir können keine Gesetze machen. Die Menschen haben Angst und fühlen sich ohnmächtig. Es müssen Entlastungen und Veränderungen in den Betrieben, bei den Beschäftigten und bei den Firmen ankommen, damit wir wieder wachsen. Reformjahr 26, was brennt Ihnen besonders auf den Nägeln? Die Agenda ist eindeutig. Wir sind bei Steuern und Abgaben in der Spitze. Unsere sozialen Sicherungssysteme weisen große Defizite auf. Es bleibt zu wenig Netto vom Brutto bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Tasche. Und dadurch sind die Geschäftsmodelle der Betriebe, gerade auch im Handwerk, in Gefahr. Der Bürokratieabbau ist in einer Modernisierungsagenda angekündigt. Es ist noch nicht angekommen. Und noch einmal, wir brauchen Wachstum. Das, was wir an Max2 momentan prognostizieren, kommt aus Feiertagen und aus Schulden. Das reicht nicht.