Latest / ntv Wirtschaft / Wird Putin zum Profiteur des Iran-Kriegs? USA erlauben Kauf von russischem Öl
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- Der Iran-Krieg jagt den Ölpreis nach oben. Und plötzlich setzt Washington Russland-Sanktionen bei Öl kurzzeitig außer Kraft. Gleichzeitig wird's an der Zapfsäule in Europa so teuer, dass Regierungen zu Druck, Deckeln und Preisbremsen greifen. Und in der deutschen Chemie wächst die Sorge, dass aus der Krise im Nahen Osten auch für sie ganz schnell ein Rohstoffproblem wird. Hallo und herzlich willkommen. In diesem Podcast verwandeln moderne KI-Systeme journalistische Inhalte, die auf unseren NTV-Plattformen publiziert wurden, in ein neues Hörformat. Text und meine Stimme wurden mithilfe künstlicher Intelligenz erzeugt. Vor der Veröffentlichung werden alle Folgen nach strengen journalistischen Standards geprüft. Viel Spaß beim Zuhören. Wir starten mit einem Satz, der in Moskau gerade ziemlich gut ankommt. Ohne russisches Öl, heißt es aus dem Kreml, bleibe der globale Energiemarkt nicht stabil. Und genau dieses Argument bekommt jetzt Rückenwind. Ausgerechnet aus den USA. Das US-Finanzministerium erlaubt vorübergehend den Kauf und Verkauf von russischem Erdöl und russischen Erdölprodukten. Konkret geht es um Ware, die vor dem 12. März um 0.01 Uhr bereits auf Schiffe geladen war. Diese Geschäfte dürfen bis zum 11. April laufen. US-Finanzminister Scott Bassant nennt das eng gefasst und kurzfristig. Die Genehmigung solle die globale Reichweite des bestehenden Vorrats erhöhen. Und sie verschaffe Russland keinen signifikanten finanziellen Vorteil. Moskau nutzt die Vorlage natürlich und verweist auf rund 100 Millionen Barrel russisches Öl im Transit. Das entspricht wohl ungefähr dem weltweiten Verbrauch an einem Tag. Ein Kreml-Gesandter legt nach. Angesichts der wachsenden Energiekrise scheine eine weitere Lockerung der Restriktionen unvermeidlich, trotz Widerstands einiger Brüsseler Bürokraten. Gegenwind kommt von der Bundesregierung. Kanzler Merz hält den Schritt für falsch. Russland zeigt leider weiter keine Verhandlungsbereitschaft. Wir werden deshalb und müssen den Druck auf Moskau weiter erhöhen. Ich will das sehr deutlich sagen, jetzt Sanktionen zu lockern, aus welchen Gründen auch immer, das halten wir für falsch. Und wenn wir gerade über Öl reden, reden wir am Ende immer auch über den Moment, in dem es Verbrauchern wirklich wehtut. An der Zapfsäule. Einen einheitlichen Weg, wie man in Europa mit der Preisexplosion umgeht, gibt es nicht. Ein von Wirtschaftsministerin Reiche eingesetztes Beratergremium rät in ihrem Kurzgutachten zur Zurückhaltung bei staatlichen Ausgaben zur Pufferung der Spritpreise. Zudem zweifeln die Experten an der Wirksamkeit der in dieser Woche von Reiche angekündigten Regelung, wonach Tankstellen ihre Preise, wie in Österreich, nur noch einmal am Tag erhöhen sollen. Sie raten, dies nach drei Jahren auf den Prüfstand zu stellen. Um Gasknappheit entgegenzuwirken, raten die Experten, über Fracking nachzudenken. Ob das geeignete Wege sind, darüber hat Sibylle Schaar mit Energieexpertin Claudia Kempfert gesprochen. Einen schönen guten Tag, Frau Kempfert. Berater von Wirtschaftsministerin Reiche bringen jetzt also Fracking ins Spiel als mögliche Antwort auf den Iran-Krieg. Macht das Ihrer Meinung nach Sinn? Das macht überhaupt gar keinen Sinn. Fracking ist sehr umweltschädlich und die Maßnahmen, wenn man sie durchführen würde, würde ja nur zu wenigen Mengen überhaupt führen, die man an Öl oder Gas, insbesondere Gas, fördern kann. Das senkt die Abhängigkeit in keinster Weise und hilft uns jetzt auch gar nicht. Wir haben ja auch gar keinen Versorgungsengpass bei Gas. Also das geht in die völlig falsche Richtung. Also Fracking, sagen Sie, macht überhaupt keinen Sinn. Aber wir möchten natürlich gerne mit Ihnen beleuchten, welche Möglichkeiten es denn eben gäbe, die Spritpreise zu senken. Heute Morgen an der Zapfsäule stand hier in Köln der Preis für Diesel wieder bei 2,20 Euro. Warum ist es bei uns im Vergleich zu den Nachbarländern so viel teurer? Ja, das hat vor allen Dingen mit der Marktstruktur zu tun. Wir haben einen sehr liberalisierten Markt, der dazu geführt hat, dass wir auch eine sehr starke Marktkonzentration haben. Und diese Marktkonzentration führt dazu, dass die Preise häufig sehr stark steigen und damit auch die Margen für die Mineralölkonzerne. Das wissen wir aus der letzten Energiekrise und in anderen Ländern ist es anders organisiert. Man hat weniger oder eine andere Marktkonzentration, weniger Wettbewerb, überhaupt eine stärkere Kontrolle und auch weniger Steuern. Schauen wir uns ein paar Beispiele an. Frau Kemfert, Ungarn hat zum Beispiel einen Spritpreisdeckel eingeführt. Könnte das bei uns auch wirtschaftlich funktionieren? Also es ist sehr schwer, einen Spritpreisdeckel überhaupt einzuführen. Das wäre aus der Marktsicht sehr kompliziert, hielte ich auch für den falschen Weg. Viel besser ist es doch, man entlastet an anderer Stelle mittels eines Energiegelds. Klimageld sollte längst ausgezahlt werden für die Bereiche, wo es wirklich notwendig ist. Den Preis zu deckeln, setzt ja auch die falschen Anreize. Wir müssen ja auch weg von den fossilen Energien. Wir müssen diese Strategie, die die Bundesregierung wieder macht, eine Rolle rückwärts hin zu fossilen Energien eher unterbinden. Das macht das Ganze ja sehr teuer, sondern eher in Richtung Energiesparen, Wärmewende, nachhaltige Mobilität. Das müsste stärker unterstützt werden. Noch eine Nachfrage zu Ihrem Vorschlag. Wer würde denn davon profitieren, von einem solchen Energiegeld, haben Sie es glaube ich genannt, letztendlich auch der Verbraucher an der Tankstelle oder eher auf wirtschaftlicher Seite die Unternehmen? Ja, sowohl als auch. Man könnte es pro Kopf auszahlen. Das war ja mal die Idee des Klimagelds. Aber man kann es natürlich und sollte es auch nach Einkommen staffeln, was bei Haushalten der Fall ist. Also es gibt ja Menschen, die haben ein sehr hohes Budget und da ist auch, wir nennen es die Preiselastizität sehr niedrig. Das heißt, es wird kaum reagiert. Die Menschen tanken einfach weiter. Aber es gibt Menschen, wo es sehr stark Betroffenheit gibt. Und da sollte man unterstützen bei Unternehmen auch, die es dringend nötig haben. Das ist auf jeden Fall besser als eine Preisbremse. Noch eine abschließende Frage, Frau Kemper. Die Bundesregierung will ja, dass die Spritpreise künftig eben nur noch einmal am Tag erhöht werden dürfen. Ähnlich wie zum Beispiel in Österreich. Was halten Sie davon? Ja, das ist durchaus sinnvoll. Das schlägt die Monopolkommission in Deutschland ja auch vor. Aber wir brauchen das Kartellamt. Da brauchen wir mehr Transparenz. Wenn es diese marktbeherrschende Stellung gibt und die Marktmacht auch ausgenutzt wird und die Margen sehr hoch sind, sollte man tatsächlich eher über eine Übergewinnsteuer nachdenken und das Kartellamt stärken. Aber eine solche Preis-Anpassung einmal am Tag, das kann funktionieren. Das sieht man schon in Österreich. Es ist etwas besser funktioniert. Zumindest hätte man da eine stärkere Kontrolle und könnte ein besseres Monitoring vornehmen. Jetzt schauen wir in unserem nächsten Thema auf die Chemiebranche. Denn wenn Lieferwege wackeln, steigen auch dort die Sorgen vor Knappheit. Der Verband der chemischen Industrie sorgt sich infolge des Irankriegs um die Versorgung mit Rohstoffen, die teils in der Golfregion produziert werden. Der Verband nennt konkret Ammoniak, Phosphat, Helium und Schwefel, Stoffe, die knapp werden könnten. Die zentrale Verwundbarkeit sieht der Verband in der Blockade der Straße von Hormuz. Was das für Auswirkungen hat und wie die Prognosen für eine der wichtigsten Branchen in Deutschland aussehen, darüber hat Sabrina Markgraf mit Wolfgang Große-Entrup, Hauptgeschäftsführer des Verband der Chemischen Industrie, gesprochen. Im Dezember vergangenen Jahres haben Sie sich noch eine Prognose für das laufende Jahr zugetraut. Die war schon nicht gut, aber jetzt haben Sie die komplett gestrichen. Warum? Ja, das hat mit den augenblicklichen geopolitischen Themen zu tun, den Herausforderungen unserer Branche geht es bekanntlich im Moment nicht sonderlich gut. Aber durch die Iran-Krise ist natürlich jetzt noch außer oben drauf gekommen. Also wir leben im Moment in einer Situation, dass die Handelsstreitigkeiten mit den Vereinigten Staaten, also das Thema Zölle, die immensen Dumping-Importe aus China und jetzt oben drauf die Iran-Krise. Das ist sozusagen das Trio Infernale, was als Damoklesschwert über unsere Branche schwebt. Und deswegen ist im Moment belastbar, eine Prognose abzugeben. Einfach nicht möglich. Mit jedem Tag länger, den der Krieg dauert, belastet es unsere Branche, belastet es die deutsche Industrie. Und deswegen gehen wir im Moment davon aus, dass die Lage leider nicht besser werden wird und wir von daher von einer Prognose abgesehen haben. Beim Irankrieg schaut man immer auf den Ölpreis, aber es sind auch andere Warenströme betroffen durch die Schließung der Straße von Hormuz. Welche und welche betreffen die Chemiebranche? Ja, wir haben eine ganze Reihe von Dingen. Also zum einen für die Chemiebranche nicht direkt, aber indirekt betroffen ist, dass ein Großteil der Erdöl und Nafta und auch Gasvorkommen, die durch die Straße von Hormuz gehen, nach Asien gehen. Und in Asien im Moment die Herausforderungen sind, eben Kapazitäten runterzufahren. Das sehen wir in Indien, das sehen wir in China und überall. Das heißt, perspektivisch werden uns wahrscheinlich Rohstoffe fehlen, die wir im Moment aus diesen Regionen beziehen, weil man dort eben sagt, China first, Indian first. Also erstmal die eigene Industrie zu versorgen und nicht nach Europa zu exportieren. Aber darüber hinaus fehlen natürlich auch konkrete Dinge. Helium ist zum Beispiel für die Chipsindustrie ein großes Thema, aber auch Düngemittel. Alles das sind Themen, die natürlich perspektivisch dazu führen, dass wir sicherlich in vielen Bereichen, auch was Diesel angeht, Herausforderungen kriegen am Standort Europa. Und dies wird dann leider wahrscheinlich dazu führen, dass wir höhere Verbraucherpreise bekommen, dass darüber die Inflation ansteigt, dass das Wachstum sinkt, dass dadurch die Zinsen steigen. Also alles das ist Gift für die deutsche Wirtschaft und damit eben auch schlimm für unsere Industrie. Die Beschäftigungszahl ist im vergangenen Jahr in der Branche zurückgegangen. Ist das kurzfristiger Natur, wird das wiederkommen oder ist dieser Abbau für immer? Also wir sagen ganz klar, was einmal weg ist, ist weg. Und deswegen müssen wir aufpassen, dass wir diesen Wirtschaftsstand auch Deutschland wirklich halten. Wir haben eine Bruttowirtschaftung, also eine industrielle Leistung am Stand auch Deutschland. Die ist einzigartig immer noch in Europa. Das differenziert uns von Frankreich, von England und anderen Märkten. Das müssen wir halten. Das hat uns in der Vergangenheit durch viele Krisen gebracht. Und deswegen ist das ganz wichtig, dass Politik darauf setzt, wirklich den Industriestand auch Deutschland jetzt zu stärken. Wir brauchen in dieser Situation Entlastungen, Entlastungen, Entlastungen. Kein Gerede, keine Pläne, sondern konkrete Handlungen. Und dann werden wir sicherlich auch in der Lage sein, Arbeitskräfte zu stabilisieren. Wir haben im Moment eine Situation, dass wir im Chemiebereich sehr stark abbauen, im Pharmabereich aufbauen. Die Situation ist aber jetzt vorbei. Chemie baut weiterhin ab, Pharma baut nicht mehr so intensiv zu. Und deswegen werden wir sicherlich perspektivisch auch weiterhin einen Rückgang der Arbeitskräfte sehen. Kommen noch andere Punkte wie KI und ähnliches dazu. Aber wichtig ist jetzt eben eine Stärkung des Industriestandorts Deutschlands. Ohne Chemie an diesem Standort ist alles nichts. Wir sind in 80 Prozent der Wertschöpfungsketten von vorne drin. Das heißt Automobil, Bauindustrie, alles das braucht Chemie. Deswegen jetzt Wirtschaft first. Das ist die Brauola an die Politik. Also nochmal ein eindrücklicher Appell. Aber der Chemiebranche ging es ja auch jahrelang gut. Welche Trends hat denn die Industrie möglicherweise selbst unterschätzt? Ich glaube nicht, dass wir was unterschätzt haben. Wir sind extrem innovativ. Wir waren in allen Bereichen als Exportnation Nummer eins. Aber das ist das, was die gesamte deutsche Wirtschaft im Moment widerfährt. Wir haben eine komplett neue Sortierung des wertebasierten Welthandels. Wir sind erratisch aus... Unternehmen konkurrieren nicht mehr mit anderen Unternehmen, sie konkurrieren mit anderen Staaten. Und das sind eben neue Situationen, auf die wir uns heraus vorbereiten müssen. Und das Entscheidende war jetzt in der Vergangenheit wirklich die Energiepreise. Hier tut sich etwas. Wir müssen in der Steuerlast runter. Das ist ganz entscheidend. Wir sind Weltmarktführer weiter. Leider nur bei Steuern, Unternehmenssteuern. Und die Bürokratie, sorry, ich breche es immer wieder an, das ist das größte Thema. Wir müssen eine Schneise in diese Bürokratie. Das treibt den Mittelstand in den Wahnsinn. Das muss Politik jetzt angehen. Ich muss auch schmunzeln, denn die Punkte sind für niemanden neu. Wann wird die Politik reagieren? Kurze Antwort bitte. Sie muss jetzt reagieren. Es gibt jetzt wirklich Druck aus der Industrie. Die Zahlen sind verheerend. Es gibt nächste Woche einen europäischen Gipfel zu diesem Thema. Da muss etwas passieren. Wir müssen raus aus dem Schneckentempo. Und wir brauchen nochmal Entlastungen, Entlastungen, Entlastungen und zwar jetzt. Das war unser Blick auf die aktuellen Nachrichten aus der Wirtschaft für den Moment. Wir hören und lesen uns wieder bei NTV. In der App, im TV oder hier im Podcast.