Latest / Friedrich Nietzsche Podcast in Deutsch / Menschliches, Allzumenschliches I - Zweites Hauptstück - 45-56
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- 0:0045 doppelte Vorgeschichte von Gut und Böse dieses Kapitel ist
- 0:06eine Vorstufe zu Nietzsches späterem Hauptwerk zur
- 0:09Genealogie der Moral. Er unterscheidet 2 Quellen, für
- 0:13die Begriffe gut und böse, die Herrschenden, die Mächtigen.
- 0:18Für Sie bedeutet gut einer von uns, jemand, der Macht hat, der
- 0:22vergelten kann, Gutes mit gutem, Böses mit Bösem, schlecht ist
- 0:27für sie derjenige, der machtlos ist.
- 0:29Der Sklave der Unterworfene in dieser Sichtweise ist der Feind
- 0:33nicht böse, sondern ein respektierter Gegner.
- 0:37Die Unterdrückten, die machtlosen.
- 0:40Für sie ist der andere der Mächtige, der Feind, der
- 0:43Rücksichtslose, der grausame, sie nennen ihn böse, gut
- 0:49bedeutet für sie, harmlos sein, mitleidig sein helfen.
- 0:54Nietzsche sagt, dass unsere heutige Moral eine Mischung aus
- 0:56diesen beiden Ursprüngen ist. Aber stark auf dem Boden der
- 1:00herrschenden Stämme gewachsen, ist 44 Mitleid stärker als
- 1:05Leiden. Nietzsche analysiert das
- 1:09Mitleid, er sagt, Manchmal tut uns das Mitleid mehr weh als
- 1:12demjenigen, der eigentlich leidet.
- 1:15Ein Beispiel, ein Freund begeht eine Schandtat, wir leiden
- 1:19darunter, weil wir an seinen guten Charakter geglaubt haben,
- 1:22wir leiden auch aus Egoismus, Wir fürchten um unseren Ruf oder
- 1:26fühlen uns verantwortlich. Wenn wir Mitleid haben, geht es
- 1:30oft nicht nur um den anderen, sondern darum, wie wir uns
- 1:33fühlen. Das, was wir Unegoistisch
- 1:36nennen, ist oft sehr stark mit unserem eigenen Selbstbild
- 1:39verknüpft. Seven and Forty hypochondrie Es
- 1:46gibt Menschen, die aus Mitleid und ständiger Sorge um andere
- 1:48krank werden. Nietzsche nennt das eine Art
- 1:51Hypochondrie Krankheitseinbildung besonders
- 1:55religiöse Menschen sind betroffen, die sich ständig das
- 1:57Leiden Christi vorstellen. Diese Art des Mitleidens wird
- 2:01selbst zu einer Krankheit 48 Ökonomie der Güte, Nietzsche
- 2:09spricht über den Wert von Güte und Liebe, er sagt, diese Dinge
- 2:13sind wie kostbare Kräuter oder Heilmittel, sie sind die
- 2:16wertvollsten Kräfte im menschlichen Miteinander, aber
- 2:19man kann sie nicht verschwenden. Es wäre ein Traum von Utopisten,
- 2:23wenn jeder immer zu jedem gut wäre.
- 2:25Das ist unmöglich, man muss mit dieser Güte haushalten, Ökonomie
- 2:30bedeutet hier haushaltung in sparsamer Umgang, dennoch betont
- 2:34er, dass auch kleine Dosen von Güte, ein freundlicher Blick,
- 2:38ein Händedruck eine gewaltige positive Wirkung haben und das
- 2:41Leben erst lebenswert machen. Unterkapitel 49 wohlwollen.
- 2:49In diesem Abschnitt spricht Nietzsche über die kleinen
- 2:52freundlichen Dinge im Leben. Er nennt das Wohlwollen.
- 2:56Oft achten Menschen und die Wissenschaft nur auf die ganz
- 2:59großen Taten, zum Beispiel auf große Opfer oder Heldentaten.
- 3:03Nietzsche aber sagt, dass die vielen kleinen Freundlichkeiten
- 3:06viel wichtiger sind, dazu gehören Dinge wie ein
- 3:09freundliches Lächeln, ein Händedruck oder einfach eine
- 3:12nette Art, miteinander umzugehen.
- 3:15Er vergleicht diese kleinen Gesten mit einer Medizin oder
- 3:18einer Kraft, die das Zusammenleben der Menschen erst
- 3:20erträglich und schön macht. Zwar ist in diesen kleinen Taten
- 3:24nicht viel Selbstlosigkeit enthalten, man tut sie oft auch,
- 3:27weil es sich gut anfühlt, aber ihre Menge macht den
- 3:30Unterschied, die Summe dieser vielen kleinen Dosen an
- 3:33Freundlichkeit ist mächtiger als die wenigen großen Taten des
- 3:36Mitleids oder der Aufopferung. Nietzsche meint, dass es viel
- 3:40mehr Glück auf der Welt gibt, als manche Pessimisten glauben,
- 3:43wenn man nur diese kleinen Momente der Freundlichkeit
- 3:46mitzählt. Unterkapitel, 50, mitleiden,
- 3:50erregen wollen. Hier analysiert Nietzsche das
- 3:54Mitleid sehr kritisch, er bezieht sich auf den
- 3:57französischen Denker La Roche Foucault, dieser warnte davor,
- 4:01Mitleid zu haben, weil es die Seele schwächt, man solle
- 4:04Mitleid zwar zeigen, um anderen zu helfen, aber es nicht
- 4:07innerlich fühlen. Nietzsche geht noch einen
- 4:10Schritt weiter. Er fragt, warum unglückliche
- 4:13Menschen überhaupt wollen, dass andere Mitleid mit ihnen haben.
- 4:16Seine Antwort ist überraschend, es geht um macht, wenn ein
- 4:21unglücklicher jammert und klagt, will er damit erreichen, dass
- 4:24der andere Schmerz empfindet, das Mitleid des anderen ist der
- 4:28Beweis dafür, dass der unglückliche noch immer macht
- 4:30hat, nämlich die Macht, einem anderen weh zu tun, das Leiden
- 4:35des anderen gibt dem Unglücklichen eine Art Genuss.
- 4:37Und stärkt sein Selbstbewusstsein.
- 4:40Nietzsche sagt also, dass der Durst nach Mitleid eigentlich
- 4:43ein egoistischer Durst nach Macht und Selbstbestätigung ist,
- 4:46oft auf Kosten der Mitmenschen, Unterkapitel 51 wie der Schein
- 4:52zum sein wird. Nietzsche beschreibt hier, wie
- 4:56sich Menschen verändern, wenn sie lange eine Rolle spielen, er
- 4:58nutzt das Beispiel eines Schauspielers oder eines
- 5:02Heuchlers, wenn jemand sehr lange so tut, als ob er etwas
- 5:06bestimmtes wäre. Zum Beispiel ein Priester, der
- 5:09eigentlich jung und unsicher ist, aber eine würdevolle Rolle
- 5:12spielen muss. Dann wird diese Rolle irgendwann
- 5:15zur Realität. Wer lange Zeit und hartnäckig
- 5:18vorgibt, etwas zu sein, dem fällt es am Ende schwer, noch
- 5:22etwas anderes zu sein, die Maske wächst quasi am Gesicht fest.
- 5:26Nietzsche sagt, dass fast jeder menschliche Beruf mit einer Art
- 5:30Heuchelei oder Nachahmung beginnt, man kopiert erst das
- 5:33Verhalten, das man sehen will. Aber am Ende gewinnt dieses
- 5:36Verhalten, macht über den Menschen.
- 5:38Wer immer freundlich tut, wird am Ende oft tatsächlich
- 5:42wohlwollend, weil die Gewohnheit ihn verändert hat, der Schein,
- 5:46also das, was man vorgibt zu sein, verwandelt sich in das
- 5:49sein, also in die echte Natur des Menschen.
- 5:54Unterkapitel 52 der Punkt der Ehrlichkeit beim Betruge in
- 6:00diesem Abschnitt geht es um große Betrüger und Anführer.
- 6:04Nietzsche beobachtet etwas Besonderes bei Ihnen.
- 6:07Sie sind in dem Moment, in dem sie andere täuschen, oft selbst
- 6:10von ihrer Sache überzeugt, er nennt das den Glaube an sich
- 6:14selbst, mitten im Betrug, wenn sie ihre Stimme verstellen und
- 6:18Theater spielen, überkommt sie der Glaube an ihre eigene
- 6:21Mission oder Wahrheit, genau dieser Glaube an sich selbst ist
- 6:25es, der dann so überzeugend auf die Zuhörer wirkt.
- 6:28Nietzsche vergleicht dies mit Religionsstiftern.
- 6:31Diese Menschen leben oft in einer ständigen Selbsttäuschung.
- 6:35Sie müssen sich selbst betrügen, um auf andere großartig und
- 6:38überzeugend zu wirken, denn die Menschen glauben nicht an die
- 6:41reine Wahrheit, sondern sie glauben an das, was mit
- 6:44absoluter Überzeugung vorgetragen wird.
- 6:48Unterkapitel, 53, angebliche Stufen der Wahrheit Nietzsche
- 6:54warnt vor einem Denkfehler, viele Menschen glauben.
- 6:58Wenn jemand ehrlich ist und für seine Überzeugung kämpft oder
- 7:01sogar stirbt, dann muss diese Überzeugung wahr sein.
- 7:04Nietzsche sagt, Das ist falsch, Ehrlichkeit und Wahrheit sind 2
- 7:08verschiedene Dinge. Jemand kann vollkommen ehrlich
- 7:12an einen Irrtum glauben, dass Menschen in der Vergangenheit
- 7:15ihr Leben für religiöse Ideen geopfert haben, beweist nicht,
- 7:18dass diese Ideen wahr waren, es beweist nur, dass diese Menschen
- 7:22sehr stark daran geglaubt haben. Viele Menschen finden den
- 7:25Gedanken unerträglich, dass jemand für einen bloßen Irrtum
- 7:28stirbt. Aber Nietzsche sagt ganz
- 7:31nüchtern, es gibt keine ewige Gerechtigkeit, die garantiert,
- 7:36dass moralische Handlungen wie Ehrlichkeit immer mit der
- 7:39intellektuellen Wahrheit übereinstimmen.
- 7:42Unterkapitel 54 die Lüge warum lügen Menschen im Alltag
- 7:50eigentlich so selten Nietzsche sagt.
- 7:53Nicht, weil sie so moralisch sind oder weil ein Gott es
- 7:56verboten hat. Der wahre Grund ist
- 7:58Bequemlichkeit zu lügen ist anstrengend, man muss etwas
- 8:03erfinden, sich verstellen und vor allem muss man ein gutes
- 8:06Gedächtnis haben, damit man sich nicht verrät, die Wahrheit zu
- 8:10sagen ist viel einfacher und direkter, außerdem ist es oft
- 8:14nützlicher, ehrlich zu sein, weil man dann glaubwürdiger
- 8:17wirkt, Autorität. Nietzsche erklärt, dass Menschen
- 8:21oft nur deshalb die Wahrheit sagen, weil es der Weg des
- 8:24geringsten Widerstands ist. Wenn jemand aber in schwierigen
- 8:27Verhältnissen aufwächst, wo Lügen zum Überleben nötig ist,
- 8:31dann lügt er ganz natürlich und ohne schlechtes Gewissen, weil
- 8:34es seinem Interesse dient. Unterkapitel 55 des Glaubens
- 8:41wegen die Moralverdächtigen hier kritisiert Nietzsche wie
- 8:46Machtstrukturen, besonders die Kirche, funktionieren.
- 8:50Er sagt, dass eine Macht nicht nur durch Heuchler
- 8:52aufrechterhalten werden kann. Es braucht auch Menschen, die
- 8:55wirklich ehrlich leiden und sich für die Sache aufopfern.
- 8:59Die katholische Kirche zum Beispiel bezieht ihre Stärke aus
- 9:02den Menschen, die sich selbst kasteien, Fasten und beten.
- 9:07Der Anblick dieser, die heiligen Menschen, die sich das Leben
- 9:09schwer machen, erschüttert die anderen Leute, sie fragen sich,
- 9:14wie kann dieser Mensch so leiden, wenn es nicht notwendig
- 9:17wäre. Diese Angst und Ehrfurcht
- 9:19festigt die Macht der Kirche selbst freie Denker haben oft
- 9:23Respekt vor solchen selbstlosen Menschen.
- 9:26Nietzsche meint aber, man solle sich nicht täuschen lassen.
- 9:30Diese Menschen unterscheiden sich von anderen nur durch ihre
- 9:32Einsichten, nicht unbedingt durch ihre Güte, man sollte sie
- 9:36nicht bewundern, nur weil sie sich selbst quälen unter Kapitel
- 9:4256 Sieg der Erkenntnis über das radikale Böse.
- 9:48Nietzsche erklärt, wie Wissen und Erkenntnis den Menschen
- 9:51beruhigen können. Wer versteht, wie Menschen
- 9:54ticken, der verliert die Vorstellung vom Erbösen früher
- 9:58dachte man, Menschen seien von Grund auf Böse oder Sündig.
- 10:02Nietzsche sagt, Das ist ein Irrtum, es gibt keine
- 10:05metaphysischen Sünden, also Sünden gegen einen Gott, genauso
- 10:10gibt es auch keine Tugenden, die vom Himmel fallen, alles
- 10:13menschliche Handeln entsteht aus Bedürfnissen und Trieben.
- 10:16Wenn man das einmal verstanden hat, muss man sich nicht mehr
- 10:19über die Bösheit der Welt ärgern.
- 10:22Man sieht Handlungen nicht mehr als Sünde, sondern als
- 10:25Fehlgriffe aus Unwissenheit oder als notwendige Reaktionen.
- 10:29Wer nur noch erkennen und verstehen will, statt zu
- 10:32urteilen und zu verdammen, dessen Seele wird ruhig, er wird
- 10:36kühl und lässt sich nicht mehr von wilden Gefühlen beherrschen.