Latest / Am Ballhausplatz / Folge 3: Unter 14 offline: Österreich zieht Grenzen
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- 0:00Es geht natürlich darum, die gesamte Zivilgesellschaft mitzunehmen. Da gibt's
- 0:04natürlich viele verschiedene Interessen, würde ich jetzt mal behaupten. Das eine ist quasi aus
- 0:10Jugendschutzperspektive, Datenschutz ist relevant, die technische Umsetzung ist relevant. Das ist ja
- 0:15alles nicht ganz so einfach und darum haben wir konkret 3 Round Tables quasi eingeladen.
- 0:21[Musik]
- 0:25Moderatorin: Willkommen am Ballhausplatz, dem Podcast des österreichischen Bundeskanzleramts.
- 0:30Mein Name ist Annette Weber und gemeinsam blicken wir hinter die Kulissen und sprechen über aktuelle
- 0:35Schlagzeilen. Heute sprechen wir über das Social-Media-Verbot für Unter-14-Jährige.
- 0:41Wir wissen, Plattformen wie Instagram, TikTok und Snapchat sind aus dem Alltag
- 0:46von vielen Jugendlichen und Kindern nicht mehr wegzudenken. Gleichzeitig warnen Studien auch
- 0:51vor Suchtverhalten, Cybermobbing und anderen Auswirkungen auf die psychische Gesundheit.
- 0:57Genau deswegen hat sich die Bundesregierung vor rund einem Monat auf ein Social-Media-Verbot
- 1:02geeinigt. Und letzte Woche fand dazu auch ein Round Table im Bundeskanzleramt statt,
- 1:07bei dem weitere Details besprochen wurden. Wo wir aktuell stehen, was die nächsten Schritte
- 1:12sind und wann das Verbot tatsächlich kommt, darüber sprechen wir mit unserem heutigen
- 1:17Podcast-Gast Digitalisierungsstaatsekretär Alexander Pröll. Herzlich willkommen.
- 1:22Staatssekretär Alexander Pröll: Vielen Dank für die Einladung.
- 1:24Herr Staatssekretär, Sie haben ja derzeit sehr viele Themen auf der Agenda,
- 1:27unter anderem eben auch das Social-Media-Verbot, und ich kann auch vom Bürgerservice berichten,
- 1:31dass wir sehr viele Zuschriften und Anrufe zu diesem Thema hatten, und selten haben wir
- 1:36so viele positive Rückmeldungen bekommen wie zu diesem Thema. Wie kam es überhaupt dazu?
- 1:41Pröll: Also ich glaube einfach, dass wir im Bereich von Social Media gesehen haben,
- 1:46dass einfach extrem starke Abhängigkeiten und Suchtpotenziale bestehen, eben vor allem bei
- 1:50Kindern und Jugendlichen. Und die Zahlen, Daten und Fakten sprechen eine ganz klare
- 1:55Sprache. Das heißt, das Anerkenntnis ist einfach für uns als Politik da gewesen. So wie es ist,
- 2:00kann es nicht mehr weitergehen. Das heißt, wir brauchen eine Veränderung im Bereich von Social
- 2:04Media. Und dem haben wir uns eben angenommen und darum uns eben zu diesem Verbot bekannt,
- 2:08wo man natürlich noch viele Details quasi näher ausdefinieren muss. Aber wir sehen ganz klar,
- 2:14dass die Kinder so stark abhängig sind, dass wir Handlungsbedarf hatten. Also
- 2:17Jugendliche verbringen teilweise 7, 8 Stunden am Tag nur auf Social Media.
- 2:21Die Konzentrationsfähigkeit nimmt total ab und, und, und. Cybermobbing,
- 2:25Sie haben sie in Einleitung gesagt. Das heißt, es war wirklich notwendig, hier zu handeln,
- 2:29und wir werden da ganz viel Gewicht reinlegen, um hier eine Veränderung auch herbeizuführen.
- 2:33Moderatorin: Ich habe schon erwähnt, letzte Woche fand ein Round Table
- 2:36statt. Was wurde da besprochen und wo sind noch die Knackpunkte?
- 2:40Pröll: Es geht natürlich darum, die gesamte Zivilgesellschaft mitzunehmen. Da gibt's
- 2:44natürlich viele verschiedene Interessen, würde ich jetzt mal behaupten. Das eine ist quasi
- 2:49aus Jugendschutzperspektive, Datenschutz ist relevant, die technische Umsetzung ist
- 2:54relevant. Das ist ja alles nicht ganz so einfach. Und darum haben wir konkret 3 Round Tables quasi
- 3:01eingeladen. Der erste war jetzt eben sehr stark mit Kinder- und Jugendpsychologen,
- 3:06mit Datenschutzexperten, aber wir werden auch die Plattformen einladen. Also im Mai findet
- 3:10auch noch ein weiterer Round Table statt zum Thema technische Umsetzung mit den Plattformen. Und eine
- 3:16Ableitung aus dem ersten Round Table war auch, dass wir Kinder und Jugendliche einladen, um
- 3:20auch ihre Meinung zu hören, weil sie natürlich die Betroffenen sind. Also diese 3 Round Tables werden
- 3:24wir machen. Und Ziel ist es dann, im Juni quasi die den Gesetzesentwurf auf den Weg zu bringen.
- 3:30Moderatorin: Viele fordern ja auch ein Verbot bis 16 Jahre.
- 3:33Warum liegt die Altersgrenze bei ihrem Vorschlag bei 14?
- 3:36Pröll: Also, der Grund, warum wir 14 Jahre gewählt haben, hat 2 wesentliche Gründe. Das eine ist,
- 3:41ab 14 bist du in Österreich geschäftsfähig, das heißt, du hast auch rechtliche Konsequenzen, wenn
- 3:45man so möchte. Und das zweite ist, man kann in Österreich ab 16 Jahren wählen. Und es wäre sehr
- 3:49eigenartig zu sagen, man kann bis 16 kein Social Media verwenden, aber man kann wählen. Also,
- 3:53das hätte für uns im Gesamtkonzept nicht gepasst. Und was extrem relevant ist, ist natürlich auch,
- 3:58dass es nicht nur um ein Verbot geht, sondern auch um eine Befähigung. Das heißt,
- 4:01im schulischen Bereich bauen wir KI-Kompetenzen aus, Informatik wird gestärkt, Medienkompetenz
- 4:06kommt dazu. Also Dinge, dass wir KI langsam in die Bildung integrieren, um die Jugendlichen
- 4:12bestmöglich auszubilden. Das heißt, Befähigung und Verbote gehen da mitsammen, wenn man so möchte.
- 4:18Moderatorin: Sie haben ja unlängst auch an einem digitalen Meeting teilgenommen auf
- 4:24europäischer Ebene, ich glaube, auf Einladung vom französischen
- 4:26Präsidenten Macron. Wie schaut's da auf europäischer Ebene aus? Gibt's da Länder,
- 4:31die noch besser unterwegs sind als wir? Und wann wird's eine europaweite Lösung geben?
- 4:35Pröll: Also das Positive, wenn man so möchte, ist, dass die Kommission langsam ins Tun kommt,
- 4:41also die europäische Ebene, weil wir als Österreich gemeinsam mit Frankreich da massiven
- 4:46Druck machen seit vielen Monaten. Ich habe damals die Initiative relativ klar und relativ stark auch
- 4:51gestartet, damit wir eine Änderung herbeiführen können. Frankreich waren die ersten, so ehrlich
- 4:55muss man sein. Aber die Europäische Kommission zieht jetzt nach, stellt auch quasi sogenannten
- 5:00Blueprint zur Verfügung, ist im Prinzip ein Code, damit es eben die europaweite Lösung gibt. Das
- 5:06bedeutet aber, dass die Nationalstaaten, also Österreich konkret, auch diesen Blueprint in
- 5:12eine eigene App entwickeln werden muss. Das ist quasi unsere Aufgabe jetzt dann. Aber wie gesagt,
- 5:17Österreich ist da relativ stark vorangeschritten. Das würde ich als positiv bewerten.
- 5:22Moderatorin: Wie könnte so eine Altersverifikation ausschauen?
- 5:25Weil ich glaube, viele Jugendlichen machen sich natürlich Sorgen, was kommt dann auf mich zu?
- 5:30Pröll: Also wie gesagt, die technische Lösung wird jetzt erarbeitet. Aber es gibt unterschiedliche
- 5:34Lösungswege. Wir sehen zum Beispiel das australische Modell, wo die Verantwortlichkeit
- 5:38zu 100 Prozent bei den Plattformen liegt. Wir als österreichische Bundesregierung haben uns
- 5:43aber zum Ziel gesetzt 3 wesentliche Merkmale. Das eine ist, datensparsam, effizient und sicher
- 5:49muss die Lösung sein. Das spricht dafür, dass wir natürlich ein sehr datenschutzkonformen,
- 5:53also einen zu 100 Prozent datenschutzkonformen Weg wählen werden. Man muss sich das bildlich so
- 5:59vorstellen wie: Wir kümmern uns um den Türsteher, der entscheidet, ob man alt genug ist, um in einen
- 6:02Club hineinzukommen. Da gibt es unterschiedliche Lösungswege. Ein Weg ist zum Beispiel über einen
- 6:08zertifizierten Drittanbieter. Oder wir entwickeln eine staatliche Lösung. All das ist Teil der
- 6:13Diskussion, die wir jetzt die nächsten Wochen und Monate entwickeln werden. Aber, und ich glaube,
- 6:17das ist wichtig, auf einer Metaebene geht's darum: Hat der Staat, haben die Regierungen,
- 6:22hat die Kommission, hat die Europäische Union und andere Staaten weltweit noch die Ordnungskompetenz
- 6:27in der Hand, etwas zu regeln oder nicht. Das heißt, können wir uns gegenüber den
- 6:30großen Plattformen auch rechtlich durchsetzen. Und da entscheidet sich gerade relativ viel.
- 6:35Wir sehen, in Kalifornien gibt's ein Gerichtsurteil, wo eine Dame geklagt
- 6:40hat und recht bekommen hat. Die Kommission hat bei Snapchat und Co Vergehen bemerkt. Das heißt,
- 6:45hier ist etwas ins Rollen geraten. Auch aus der amerikanischen Zivilgesellschaft entsteht jetzt
- 6:49was. Und ich glaube, wir sollten die Chance jetzt nutzen zu zeigen, wir Staat können hier
- 6:54auch ordnungskompetenzmäßig etwas verändern, weil es einfach notwendig ist. Wir haben die
- 6:58letzten 20 Jahre im Social-Media-Bereich keine Reglementierung getroffen. Das erinnert sehr stark
- 7:04an die Anfänge der Tabakindustrie. Und hier wird sich es einfach zeigen, weil es einfach
- 7:08so unglaublich schädlich für die Kinder und Jugendlichen ist. Also, ich habe es Eingang schon
- 7:12gesagt, aber es ist wie, als würden wir harten Alkohol für Kinder und Jugendliche erlauben.
- 7:17Das wäre genauso schädlich für die Entwicklung und das erleben wir gerade bei Social Media.
- 7:20Moderatorin: Sie haben gesagt, bis Ende Juni soll
- 7:23der Gesetzesentwurf vorlegen. Ab wann soll es dann final gelten?
- 7:26Pröll: Also der konkrete Zeitplan wäre wie folgt gedacht: im Juni der Gesetzesentwurf,
- 7:31über den Sommer Begutachtung – das ist quasi die Stellungname, wo wir Stellungnamen noch aus der
- 7:36breiten Bevölkerung mit einfließen lassen – und dann den Gesetzesbeschluss am mit Herbst
- 7:41wahrscheinlich Oktober, November und dann sowohl die rechtliche als auch die technische Umsetzung,
- 7:46wenn man so möchte, dann mit Anfang '27. Das wäre der konkrete Fahr- und Zeitplan. Und parallel dazu
- 7:52schauen wir natürlich auf europäischer Ebene, dass wir beim Digital Services Act hier auch
- 7:57Verschärfungen vornehmen, um die Plattformen auch dementsprechend strafen zu können.
- 8:01Moderatorin: Gut, wir sehen, es tut sich einiges. Viele Experten meinen ja auch,
- 8:06dass auch, dass sich auch die psychische Gesundheit von jungen Erwachsenen oder
- 8:10Erwachsenen verbessert, wenn man sein eigenes Social-Media-Verhalten ein
- 8:13bisschen reduziert. Wie schaut denn Ihr persönliches Social-Media-Verhalten aus?
- 8:17Pröll: Ganz schwierige Frage. Aber ich habe auch mal ehrlich beantwortet, dass ich auch viel zu
- 8:24oft am Handy bin, ja, und auch zu oft auf Social Media. Ich glaube, dass wahrscheinlich das jeder
- 8:29kennt, dass man sich am Abend vorm Schlafen gehen noch durch Social Media scrollt und auf einmal ist
- 8:33eine halbe Stunde weg und ich frage mich oft, was habe ich in der letzten halben Stunde eigentlich
- 8:37gemacht? Das heißt, dieses Suchtpotenzial ist aus meiner Sicht extrem groß. Und insofern ist es für
- 8:43Kinder und Jugendlich noch mal mehr geboten, hier sie zu unterstützen. Und es gibt auch,
- 8:48weil ich mich letztens mit einem Lehrer ausgetauscht habe, dieses Projekt der
- 8:53handyfreien Zeit auf freiwilliger Basis. Und mir wurde berichtet, dass die Schülerinnen und
- 8:58Schüler auf einmal gesagt haben, sie haben viel mehr interagiert wieder miteinander, auch viel
- 9:02weniger gestritten in der Familie und so. Das heißt, es gibt extrem viele positive Effekte,
- 9:07die wir jetzt schon sehen, wenn man Social Media für Kinder und Jugendliche ganz zurückschraubt,
- 9:13und man muss sich auch selbst an der Nase nehmen, und da bin ich genauso gefordert, ehrlich gesagt.
- 9:18Moderatorin: Ja, ich glaube, wir alle. Gut, Herr Staatsekret, vielen,
- 9:21vielen Dank für das spannende Gespräch und auch für die persönlichen Einblicke. Das
- 9:26war Am Ballhausplatz, der Podcast des Bundeskanzleramts Österreich.
- 9:31Alle Folgen finden Sie dort, wo Sie Podcast hören, auf Spotify, auf Apple Podcast und
- 9:35auch auf der Website des Bundeskanzleramts. Danke fürs Zuhören und bis zur nächsten Folge.
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