Latest / Das Periodensystem der Elemente / 51. Antimon (Sb) - Das Augen-Element der Antike
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- 0:00Willkommen zu einer neuen Folge von Wissensreise durch das
- 0:03Periodensystem der Elemente, deinem Podcast zum Entspannen,
- 0:07Loslassen und lernen. Wenn dir der Podcast gefällt,
- 0:11bewerte ihn bitte, das hilft uns, weitere Folgen zu
- 0:14produzieren. Kennst du schon unsere anderen
- 0:18Podcastreihen wie Wissensreise durch die Geschichte?
- 0:23Es gibt Elemente, die laut sind, die sich in den Vordergrund
- 0:26drängen, deren Namen jeder kennt, weil sie auf Münzen
- 0:30glänzen oder in Schmuckstücken funkeln.
- 0:33Und dann gibt es jene stilleren Vertreter des Periodensystems,
- 0:38deren Geschichte sich nicht in Goldkammern und Königsgräbern
- 0:41abspielt, sondern in den schminktöpfen ägyptischer
- 0:45Frauen, in den Druckwerkstätten der frühen Neuzeit, in den
- 0:49Apotheken des Mittelalters und. In den feinen Linien um die
- 0:54Augen von Menschen, die vor Jahrtausenden lebten und längst
- 0:58vergessen sind. Antimon ist ein solches Element,
- 1:03sein chemisches Symbol lautet SB, abgeleitet vom lateinischen
- 1:09Wort stibium, und seine Ordnungszahl ist 51.
- 1:14Es steht in der fünften Hauptgruppe des Periodensystems
- 1:18in einer Familie, zu der auch Stickstoff, Phosphor, Arsen und
- 1:23Wismut gehören, und es nimmt darin eine eigentümliche
- 1:27Zwischenstellung ein, die uns durch diese ganze Folge
- 1:30begleiten wird, denn Antimon ist weder Fisch noch Fleisch, weder
- 1:35eindeutig Metall noch eindeutig nichtmetall, sondern ein
- 1:39Halbmetall, ein Element. Das sich der einfachen
- 1:43Einordnung entzieht und gerade dadurch so faszinierend wird.
- 1:48Lehne dich zurück, atme ruhig und lass uns gemeinsam in die
- 1:53Welt dieses schimmernden, spröde, silbrigen Stoffes
- 1:57eintauchen, der die Menschheit seit den Anfängen der
- 2:00Hochkulturen begleitet hat. Beginnen wir mit dem, was
- 2:05Antimon physikalisch ausmacht, denn schon hier zeigt sich seine
- 2:10widersprüchliche Natur. Reines Antimon ist ein silbrig
- 2:14glänzender, bläulich schimmernder Feststoff, der auf
- 2:17den ersten Blick durchaus metallisch wirkt.
- 2:20Es besitzt jenen kühlen, spiegelnden Glanz, den man von
- 2:24Metallen erwartet, doch wer versucht, dieses vermeintliche
- 2:28Metall zu bearbeiten, es zu schmieden, zu Walzen oder zu
- 2:32Draht zu ziehen, erlebt eine Überraschung.
- 2:36Antimon ist spröde, geradezu glasartig, zerbrechlich.
- 2:41Es lässt sich mit einem Hammerschlag zertrümmern und
- 2:44zerfällt in scharfkantige Bruchstücke, anstatt sich
- 2:47verformen zu lassen, wie es ein echtes Metall täte.
- 2:51Diese Sprödigkeit hängt mit seiner Kristallstruktur
- 2:54zusammen, einer rhomboetrischen Anordnung der Atome, in der die
- 2:59Bindungen zwischen den Atomschichten vergleichsweise
- 3:02schwach sind, es leitet elektrischen Strom und Wärme.
- 3:06Aber deutlich schlechter als ein klassisches Metall wie Kupfer
- 3:10oder Silber. Genau diese Mischung aus
- 3:14metallischem Aussehen und nichtmetallischem Verhalten
- 3:17verschafft dem Antimon seinen Platz in der Gruppe der
- 3:21Halbmetalle oder Metalloide, jener Grenzgänger des
- 3:25Periodensystems, die zwischen den Welten stehen.
- 3:29Sein Schmelzpunkt liegt bei etwa 631 Grad Celsius.
- 3:34Seine Dichte ist mit rund 6,7 Gramm pro Kubikzentimeter
- 3:38beachtlich, was es zu einem vergleichsweise schweren Element
- 3:42macht. Eine besondere Eigenschaft, die
- 3:45schon früher Beobachterinnen und Beobachter in Staunen versetzte,
- 3:49ist die Tatsache, dass sich flüssiges Antimon beim Erstarren
- 3:54ausdehnt, statt sich zusammenzuziehen.
- 3:57Diese Anomalie teilt es nur mit wenigen anderen Stoffen.
- 4:00Allen voran dem Wasser. Und sie sollte sich später als
- 4:04technisch außerordentlich nützlich erweisen.
- 4:08Doch bevor wir zu den technischen Anwendungen kommen,
- 4:11müssen wir weit zurückreisen in eine Zeit, in der niemand etwas
- 4:15von Ordnungszahlen oder Kristallstrukturen ahnte, in der
- 4:20Antimon aber dennoch eine zentrale Rolle im Leben der
- 4:25Menschen spielte. Wir reisen ins alte Ägypten an
- 4:29die Ufer des Nils, die. In eine Kultur, die das
- 4:32Schminken der Augen zu einer Kunst und zugleich zu einer fast
- 4:36heiligen Handlung erhob. Das berühmte Kohl, jene schwarze
- 4:42Augenschminke, mit der Ägypterinnen und Ägypter ihre
- 4:45Lider umrandeten, Bestand in vielen Fällen aus Antimon,
- 4:49Verbindungen vor allem aus Antimonsulfid, dem Mineral
- 4:54Stipnit oder Grauspießglanz, das in fein gemahlener Form.
- 4:59Ein tiefes, mattes Schwarz ergab, wenn wir heute die
- 5:04Wandmalereien und Statuen jener Epoche betrachten, mit ihren
- 5:08markant umrandeten, mandelförmigen Augen, dann
- 5:11blicken wir auf die kosmetische Wirkung des Antimons.
- 5:15Doch dieses Augen make up war weit mehr als bloße
- 5:20Verschönerung, es diente einem praktischen Zweck, im gleißenden
- 5:24Sonnenlicht der Wüste, denn die dunkle Umrandung verminderte die
- 5:28Blendung. Ganz ähnlich, wie es heute
- 5:31Sportlerinnen und Sportler tun, die sich schwarze Streifen unter
- 5:35die Augen malen. Zugleich glaubte man, dass die
- 5:39Schminke vor Augenkrankheiten und dem bösen Blick schütze, und
- 5:44tatsächlich besitzen manche Antimon und Bleiverbindungen
- 5:48eine leicht antibakterielle Wirkung, die in einer Welt ohne
- 5:52moderne Medizin durchaus von Wert gewesen sein mag.
- 5:57So verband sich im ägyptischen Kohl das kosmetische mit dem
- 6:01medizinischen und dem magischen und das Element Antimon stand im
- 6:06Zentrum dieser Verbindung, ohne dass jemand seine wahre Natur
- 6:10kannte. Auch in anderen Kulturen des
- 6:13Altertums war das Schminken der Augen mit antimonhaltigen
- 6:17Stoffen verbreitet. Im vorderen Orient, in
- 6:21Mesopotamien und später in der gesamten islamischen Welt kannte
- 6:25man das Kohl unter verschiedenen Namen und das Wort, das uns
- 6:29durch die Sprachgeschichte begleitet, ist von besonderem
- 6:33Interesse. Das arabische Wort für dieses
- 6:36feine schwarze Pulver lautete Alcul, und es bezeichnete
- 6:40ursprünglich genau jenes fein gemahlene Antimonpulver, das zum
- 6:45Schminken verwendet wurde. Über die Jahrhunderte und über
- 6:50den Umweg der Alchemie wanderte dieses Wort in die europäischen
- 6:54Sprachen, wo es sich allmählich von seiner ursprünglichen
- 6:58Bedeutung löste, aus Alcul, dem feinen Pulver, wurde der Begriff
- 7:04für eine besonders reine, feine Substanz, die durch Destillation
- 7:09gewonnen wurde, und schließlich bezeichnete das Wort Alkohol
- 7:13jenen Stoff, den wir heute damit verbinden, in.
- 7:17Es ist eine sprachliche Reise von erstaunlicher Länge, die uns
- 7:22vom ägyptischen Schminktopf bis zum modernen Wortschatz führt
- 7:27und an ihrem Anfang steht das Element Antimon.
- 7:31Solche etymologischen Spuren erinnern uns daran, wie tief die
- 7:35frühen Kulturen mit den Stoffen ihrer Umwelt verwoben waren und
- 7:39wie diese Verbindungen bis heute in unserer Sprache Nachklingen,
- 7:44oft ohne dass wir es ahnen. Verlassen wir nun die Welt der
- 7:49Kosmetik und wenden uns der Alchemie zu, jener
- 7:52geheimnisvollen Vorläuferin der modernen Chemie, in der Antimon
- 7:57eine herausragende, geradezu mythische Rolle spielte.
- 8:02Für die Alchemistinnen und Alchemisten des Mittelalters und
- 8:06der frühen Neuzeit war Antimon. Das sie meist als Spießglanz
- 8:11oder unter dem lateinischen Namen Stibium kannten, eine
- 8:15Substanz von außerordentlicher Bedeutung und zugleich von
- 8:19gefährlicher Ambivalenz. Sie verwendeten dafür ein
- 8:24eigenes Symbol, einen Kreis mit einem Kreuz darüber, das in
- 8:28seiner Form an das Zeichen für die Erde erinnert und das die
- 8:33Verwurzelung dieses Stoffes im Irdischen im materiellen
- 8:38Ausdrücken sollte. In den verschlungenen Theorien
- 8:42der Alchemie galt Antimon als ein Stoff, der eng mit dem
- 8:46werden und vergehen der Metalle verbunden war.
- 8:49Und manche Alchemisten waren überzeugt, dass es eine
- 8:52Schlüsselrolle bei der ersehnten Verwandlung unedler Metalle in
- 8:57Gold spielen könnte. Das berühmteste Werk, das sich
- 9:01diesem Element widmete, trägt den vielsagenden Titel
- 9:05Triumphwagen des Antimons. Und erschien im frühen 17
- 9:10Jahrhundert. Es wurde einem Mönch namens
- 9:14Basilius Valentinus zugeschrieben, dessen
- 9:16historische Existenz allerdings höchst zweifelhaft ist und der
- 9:21vermutlich eine erfundene Gestalt war, hinter der sich ein
- 9:25anderer Verfasser verbarg. In diesem Werk wird Antimon in
- 9:30den höchsten Tönen gepriesen, als ein Stoff von wundersamen
- 9:35Kräften, der zugleich Heilmittel und Gift sein konnte.
- 9:39Und genau diese Doppelnatur macht die Geschichte des
- 9:42Antimons in der Heilkunde so faszinierend und so düster, denn
- 9:48Antimon und seine Verbindungen wurden über Jahrhunderte hinweg
- 9:52als Arzneimittel eingesetzt, und zwar in einer Weise, die uns
- 9:56heute schaudern lässt. Das.
- 9:58Antimonverbindungen wirken stark brechreizerregend und Abführend
- 10:03und in einer medizinischen Vorstellungswelt, die fest davon
- 10:07überzeugt war, dass Krankheit durch schädliche Stoffe im
- 10:10Körper entstehe, die man austreiben müsse, erschien diese
- 10:14Wirkung als höchst willkommen. Man fertigte sogenannte ewige
- 10:18Pillen aus metallischem Antimon. Die geschluckt wurden im Darm
- 10:23ihre reizende Wirkung entfalteten und anschließend
- 10:26wieder ausgeschieden, gereinigt und erneut verwendet wurden.
- 10:31Mitunter über Generationen hinweg innerhalb einer Familie
- 10:35weitergegeben. Man stellte mit Wein in
- 10:38antimonhaltigen Bechern den Brechbechern ein Getränk her,
- 10:42das durch das langsame Auslösen von Antimonverbindungen seine
- 10:46drastische Wirkung erhielt. Die Dosierung war ein
- 10:50gefährliches Spiel, denn die Grenze zwischen heilsam
- 10:54gedachter Wirkung und tödlicher Vergiftung war schmal.
- 10:57Und nicht selten überschritt man sie.
- 11:00Antimon wurde so zum Gegenstand eines erbitterten Streits in der
- 11:05Medizin der frühen Neuzeit in Frankreich tobte über Jahrzehnte
- 11:11hinweg ein regelrechter Antimon Krieg zwischen den Befürwortern
- 11:16und den Gegnern dieser Behandlung.
- 11:19Die Medizinische Fakultät von Paris Verdammte das Antimon
- 11:23zeitweise als gefährliches Gift und Verbot seinen Einsatz,
- 11:27während andere Ärzte es als Wundermittel priesen.
- 11:32Der Streit währte bis im Jahr 1658 der französische König
- 11:38Ludwig der 14. Schwer erkrankte und nach der
- 11:42Verabreichung eines Antimonhaltigen Brechmittels
- 11:45Genas. Woraufhin die Waagschale sich
- 11:48endgültig zugunsten des Antimons neigte und die Pariser Fakultät
- 11:53ihr Verbot aufhob. So entschied ein einzelner
- 11:57königlicher Krankheitsfall über den Ruf eines ganzen Elements,
- 12:02ein eindrückliches Beispiel dafür, wie sehr die Medizin
- 12:06jener Zeit von Zufällen, Autoritäten und glücklichen oder
- 12:10unglücklichen Einzelfällen abhing.
- 12:13Es ist überliefert, wenngleich historisch nicht völlig
- 12:16gesichert, dass auch der große Reformator der Heilkunde
- 12:21Paracelsus, jener streitbare Arzt und Naturforscher des 16.
- 12:26Jahrhunderts, dem Antimon große Bedeutung Beimaß.
- 12:30Und mancher vermutet sogar, dass der Komponist Wolfgang Amadeus
- 12:34Mozart durch unbedachten Gebrauch antimonhaltiger
- 12:38Arzneien zu Tode gekommen sein könnte.
- 12:41Auch wenn dies bis heute reine Spekulation bleibt, was wir mit
- 12:45Sicherheit sagen können, ist, dass Antimon über Jahrhunderte
- 12:49hinweg eine zentrale, höchst umstrittene Rolle in der
- 12:53Heilkunde spielte und dass seine Geschichte exemplarisch für den
- 12:58schmalen Grat zwischen Medizin und Vergiftung steht, auf dem
- 13:02sich die vormoderne Heilkunst bewegte.
- 13:06Erst die moderne Chemie und Pharmakologie konnten allmählich
- 13:09entwirren, was an diesen Anwendungen schädlich und was
- 13:13bestenfalls wirkungslos war. Und so verschwand das Antimon
- 13:17nach und nach aus dem Arzneischrank, ohne jedoch ganz
- 13:21zu verschwinden, denn bis in die Gegenwart werden bestimmte
- 13:26Antimonverbindungen, sogenannte Antimonate.
- 13:30In der Medizin eingesetzt vor allem zur Behandlung der
- 13:33Leischmanniose, einer durch winzige Parasiten verursachten
- 13:37Tropenkrankheit, gegen die diese Stoffe trotz ihrer Giftigkeit
- 13:42eine wirksame Waffe darstellen. So lebt das uralte Doppelgesicht
- 13:47des Antimons als Heilmittel und Gift in abgewandelter Form bis
- 13:51heute fort. Wenden wir uns nun einer ganz
- 13:54anderen Seite des Antimons zu, einer Anwendung, die auf jener
- 13:59merkwürdigen physikalischen Eigenschaft beruht, von der wir
- 14:02bereits gesprochen haben, der Ausdehnung beim Erstarren.
- 14:07Diese Eigenschaft machte das Antimon zu einem unverzichtbaren
- 14:12Bestandteil einer Erfindung, die die Geschichte der Menschheit
- 14:16grundlegend verändert hat, des Buchdrucks mit beweglichen
- 14:20Lettern. Als Johannes Gutenberg im 15
- 14:25Jahrhundert in Mainz seine bahnbrechende Drucktechnik
- 14:28entwickelte, stand er vor einem entscheidenden Problem.
- 14:32Die einzelnen Buchstaben, die Lettern, mussten aus einem
- 14:36Metall gegossen werden, das mehrere widersprüchliche
- 14:39Anforderungen erfüllte, es musste einen niedrigen
- 14:43Schmelzpunkt haben, damit man es leicht gießen konnte es.
- 14:47Es musste hart genug sein, um dem ständigen Druck der Presse
- 14:50standzuhalten, ohne sich zu verformen.
- 14:53Und es musste, dies war das entscheidende, die feinen
- 14:57Konturen der Buchstaben beim Erstarren scharf und präzise
- 15:00abbilden, ohne zu schrumpfen und dabei die feinen Details zu
- 15:04verlieren. Reines Blei wäre zu weich
- 15:08gewesen und hätte sich beim Erstarren zusammengezogen.
- 15:12Die Lösung war eine Legierung, das sogenannte Letternmetall
- 15:16oder Schriftmetall, das im Wesentlichen aus Blei, Zinn und
- 15:20eben Antimon bestand. Das Antimon erfüllte dabei eine
- 15:25doppelte Funktion, es härtete die Legierung, sodass die
- 15:29Lettern dem Pressdruck standhielten und seine
- 15:32eigentümliche Ausdehnung beim Erstarren glich das Schrumpfen
- 15:36des Bleichs aus. So dass das flüssige Metall jede
- 15:41feine Linie und jede scharfe Kante der gravierten
- 15:44Buchstabenform exakt ausfüllte und ein gestochen scharfes
- 15:48Schriftbild ergab. Ohne diese besondere Eigenschaft
- 15:53des Antimons wäre der Buchdruck, wie Guttenberg ihn ersann, in
- 15:57dieser Form kaum denkbar gewesen.
- 16:00Und so verbirgt sich hinter der Verbreitung des gedruckten
- 16:04Wortes hinter der Reformation, der wissenschaftlichen
- 16:07Revolution und der Aufklärung, die alle ohne die rasche
- 16:12Vervielfältigung von Texten undenkbar gewesen wären, ein
- 16:16stiller, spröde silbriger Helfer, dessen Name den meisten
- 16:21Leserinnen und Lesern jener gedruckten Bücher völlig
- 16:25unbekannt war. Diese Anwendung im Letternmetall
- 16:29blieb über mehr als 400 Jahre hinweg von zentraler Bedeutung,
- 16:34bis der Bleisatz im 20 Jahrhundert allmählich von
- 16:38neueren Drucktechniken abgelöst wurde.
- 16:41Doch das Prinzip Antimon zur Härtung von Bleilegierungen zu
- 16:46verwenden, hat bis heute überlebt und findet sich in
- 16:49zahlreichen technischen Anwendungen wieder.
- 16:52Reines Blei ist für viele Zwecke zu weich und ein Zusatz von
- 16:57Antimon verleiht ihm jene Härte und Festigkeit, die es für den
- 17:01praktischen Gebrauch tauglich macht.
- 17:04Ein besonders wichtiges Beispiel ist die Bleibatterie, jener
- 17:09Akkumulator, der seit über einem Jahrhundert in Fahrzeugen aller
- 17:14Art Verwendung findet. Und auch im Zeitalter der
- 17:18Elektromobilität noch immer als Starterbatterie in unzähligen
- 17:22Automobilen verbaut, wird die Bleiplatten dieser Batterien
- 17:26enthalten einen kleinen Anteil Antimon, der ihnen die nötige
- 17:31mechanische Stabilität verleiht. Auch in der Vergangenheit wurden
- 17:35Lagermetalle. Sogenannte Weißmetalle, die in
- 17:39Gleitlagern von Maschinen zum Einsatz kamen, häufig mit
- 17:43Antimon Legiert und das Material für Kugeln und Schrot enthielt
- 17:48oft Antimon, um die nötige Härte zu erreichen.
- 17:53Doch die vielleicht bedeutendste Anwendung des Antimons in der
- 17:57modernen Welt hat mit keiner dieser klassischen Verwendungen
- 18:01zu tun. Sondern mit einer Eigenschaft
- 18:04seiner Verbindungen, die in unserer von Kunststoffen und
- 18:07elektronischen Geräten geprägten Zeit von enormer Tragweite ist.
- 18:12Dem Flammschutz Antimontrioxid eine weiße Verbindung aus
- 18:17Antimon und Sauerstoff, ist heute einer der wichtigsten
- 18:21Flammschutzstoffe der Welt. In Kombination mit
- 18:25halogenhaltigen Verbindungen wirkt es als überaus wirksamer
- 18:28Hemmstoff für die Ausbreitung von Flammen.
- 18:32Wenn ein so behandelter Kunststoff Feuer fängt, setzt
- 18:36das Antimontrioxid in der Hitze Reaktionen in Gang, die den
- 18:41Verbrennungsvorgang in der Gasphase stören und die
- 18:44Flammenbildung unterdrücken. Diese Wirkung wird in einer
- 18:48Vielzahl von Produkten genutzt, in den Gehäusen elektronischer
- 18:52Geräte. In Textilien, in Polstermöbeln,
- 18:56in Kabelummantelungen und in zahllosen anderen Kunststoffen,
- 19:01bei denen die Brandgefahr ein ernstes Risiko darstellt.
- 19:06So sorgt dieses unscheinbare Element dafür, dass unsere
- 19:10Computer, Fernsehgeräte und Möbel im Brandfall nicht zu
- 19:14brandbeschleunigern werden und es rettet auf diese stille,
- 19:18unsichtbare Weise mit großer Wahrscheinlichkeit
- 19:21Menschenleben, ohne. Dass wir je daran denken.
- 19:25Daneben dient Antimontrioxid auch als Trübungsmittel und
- 19:31Läuterungsmittel, in der Glas und Keramikherstellung, wo es
- 19:35Glasschmelzen klärt und dafür sorgt, dass keine störenden
- 19:39Bläschen im fertigen Glas zurückbleiben.
- 19:42Und es findet sich als Katalysator bei der Herstellung
- 19:46bestimmter Kunststoffe wieder, etwa bei jenem Material, aus dem
- 19:50die allgegenwärtigen Getränkeflaschen bestehen.
- 19:53Werfen wir noch einen Blick auf die Frage, woher das Antimon
- 19:57eigentlich stammt und wie es gewonnen wird, denn auch dies
- 20:01erzählt eine Geschichte über unsere Welt und ihre
- 20:05Verflechtungen. In der Natur kommt Antimon nur
- 20:10selten in Reiner, gediegener Form vor.
- 20:14Meist findet es sich gebunden in Mineralen, allen voran im
- 20:17bereits erwähnten Stibnit oder Antimonglanz, einem
- 20:21Antimonsulfid, das in seinen langen säulenförmigen,
- 20:26metallisch glänzenden Kristallen zu den schönsten Mineralen
- 20:30überhaupt zählt und das schon den alten Ägypterinnen und
- 20:33Ägyptern als Rohstoff für ihre Augenschminke diente.
- 20:38Die weltweiten Vorkommen sind ungleich verteilt und die
- 20:42Gewinnung konzentriert sich heute zu einem überwältigenden
- 20:45Anteil auf wenige Länder, allen voran China, das über lange Zeit
- 20:51den weitaus größten Teil der globalen Produktion stellte.
- 20:55Diese Konzentration macht das Antimon zu einem sogenannten
- 21:00kritischen Rohstoff, einem Element, das.
- 21:03Dessen Versorgung als strategisch bedeutsam und
- 21:07zugleich als unsicher gilt, weil sie von wenigen Quellen abhängt
- 21:11und durch politische und wirtschaftliche Verwerfungen
- 21:15leicht ins Wanken geraten kann. In einer Welt, die zunehmend auf
- 21:21Hochtechnologie, auf elektronische Geräte und auf
- 21:24moderne Werkstoffe angewiesen ist, ist.
- 21:27Gewinnt die Frage nach der sicheren und nachhaltigen
- 21:31Versorgung mit solchen Elementen eine wachsende Bedeutung und
- 21:35Antimon steht hier gemeinsam mit anderen seltenen und ungleich
- 21:39verteilten Rohstoffen im Zentrum strategischer Überlegungen?
- 21:45Genau an dieser Stelle berührt die Geschichte des Antimons
- 21:48unsere Gegenwart und unsere Verantwortung in besonderer
- 21:52Weise. Denn die Gewinnung dieses
- 21:55Elements ist mit erheblichen Belastungen für Mensch und
- 21:59Umwelt verbunden. Beim Abbau und bei der
- 22:02Verhüttung antimonhaltiger Erze können giftige Stoffe in Böden
- 22:07und Gewässer gelangen und an manchen historischen wie
- 22:10aktuellen Förderstätten haben sich Antimon, Verbindungen im
- 22:14Erdreich und im Wasser, angereichert mit Folgen für die
- 22:17dort lebenden Menschen und für ganze Ökosysteme.
- 22:22Antimon ist wie sein chemischer verwandter Arsen in vielen
- 22:26seiner Verbindungen giftig und ein sorgloser Umgang mit diesem
- 22:30Element hinterlässt Spuren, die noch lange nach dem Ende des
- 22:34Abbaus fortbestehen. Hier zeigt sich eine Lehre, die
- 22:38weit über das einzelne Element hinausweist, die Stoffe.
- 22:43Aus denen unsere Welt gebaut ist, die unsere Geräte vor
- 22:46Flammen schützen, unsere Batterien funktionieren lassen
- 22:50und einst die Bücher der Aufklärung in die Welt brachten,
- 22:53stammen aus der Erde, aus ihren Lagerstätten, die über
- 22:57unermessliche Zeiträume entstanden sind und die sich
- 23:01nicht erneuern, wie wir mit diesen Schätzen umgehen, ob wir
- 23:06sie verschwenden oder sorgsam nutzen.
- 23:08Ob wir die Belastungen ihrer Gewinnung den Schwächsten
- 23:11aufbürden oder Verantwortung übernehmen für die Folgen, das
- 23:16ist eine Frage, die uns alle angeht.
- 23:20Das Bemühen, Antimon und andere kritische Rohstoffe
- 23:24wiederzuverwerten, sie aus alten Batterien und Geräten
- 23:27zurückzugewinnen. Anstatt immer neue Lagerstätten
- 23:31auszubeuten, ist ein leiser, aber wichtiger Schritt hinzu
- 23:35einem Umgang mit unserem Planeten, der seine Endlichkeit
- 23:39anerkennt. Die Erde ist kein
- 23:42unerschöpfliches Lager, aus dem wir nach Belieben schöpfen
- 23:46können, sondern ein fein abgestimmtes, Verletzliches
- 23:49Ganzes, dessen gaben wir mit Bedacht und mit Achtung vor den
- 23:54kommenden Generationen verwenden sollten.
- 23:57Während du nun langsam zur Ruhe kommst und die Bilder dieser
- 24:01Reise in dir nachklingen, läßt die schimmernden Kristalle des
- 24:05Antimonglanzes, die umrandeten Augen der Antike, die scharfen
- 24:10Linien der ersten gedruckten Bücher.
- 24:14Denke daran, dass die Welt voll ist von solchen Stillen Wundern,
- 24:18von Stoffen und Geschichten, die nur darauf warten, entdeckt zu
- 24:23werden. Schlaf gut, Ruhe sanft.
- 24:26Und bis zur nächsten Folge unserer gemeinsamen Reise durch
- 24:30das Periodensystem der Elemente.